155, Jahrgang
tvvcirn^ 1. Dezember 1905
Erstes Blatt.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger ***
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Die heutige ‘•Hummer umfaßt 14 Seiten
gebrannt, aber noch flott -Allerdings wird amtlich behauptet, daß die Stadt Sewastzpol keinen Schaden g>
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reiizte Daueret nben.
। haben.
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Meuterer. Tchouchnin depeschierte an den Zaren: „Ich bin Herr der Stadt." Tie Hälfte der Stadt Lewa st o- vol ist zerstört, lieber bte beiderseitigen Verluste, die sehr große sind, liegen nou, keine näheren Einzelheiten vor. — Offiziös werden diese Meldungen im tnesent- lichen bestätigt! Nach i Petersb. Telegr.-Lg. wurden die Kasernen, wo sich die Meuterer verbarnradiert hatten, von treugcbliebcnen Truppen besetzt. 2000 Meuterer sind mit Mitrailleusen in da§ Innere des Landes gezogen. Ter Kreuzer, ,L) tsch a kow" ist aus-
itafcrfrn gr frblofi-n. in anderen i^ die Arbeit wieder ausgenommen worden. Tv iüngü von Arbeitern überfallene Fabrik von Abri- fc!nm verkür'te den Arbeit s'eg um l12 Stunden und bewilligte eine Lobncrhehuna. Fast icb.-r Tag bringt einen Streik in irgend einem Gencrl". Tic wohlhibend^n Einwohi'er verlassen die Stadt.
Tie Tclegr'phen- und Pol!b'amten Moskaus, die mit dem Streik bcg'nnen, versagten die noch arbeitenden Kollegen durch Auss r ütfcn stinkender Flüssigkeiten in den Arbeitsräumen.
Aus Zawierce iPclen) wird gemeldet: Infolge der Verhaltung ihres delegierten gaben die Arbeiter dec .Huldschinswerke durch die Febr kpfeife das Signal zum Streik, das von allen öerfcn sofort ausgenommen wurde. Tie Kirchen ' Jen I--me.cn, die elektrische Beleuchtung erlosch K 0 s a len tonliten eine sich zusammenrottende Arbeiterncenge auscinanderlrciben. Sie töteten vier Arbeiter und verwundeten viele. Auch drei Kvsakeu und ein Offizier wurden verletzt.
In Warschau wurde am Mittwoch abend das Telegraphen- -mt gesperrt. Hundert Telegraphisten verteilten sich sofort in die Umgegend der St dt, um die Drahtverbindungen zu beschadl- gen und so die Wahrnehmung des Telegraphendienstcs durch Sappeure unmöglich zu machen. Tie Postbeamten hatten schvn 'm Margen aus-eliirt zu arbeiten. Alle Aemter wurden gesperrt -mb sofort Militär sch b setzt. Im Truppenlager bei I 0 b l 0 n n a meuterte ein B'taillon Sappeure, weil ihnen die Bezahlung für die beim Streik der Eis nb'bner geleisteten Dienste verweigert wurde. In der Kreisstadt Skiernewice lehnten die zum Militär «cinbcrufeucn Rekruten die Eidesleistung für den Zaren a b. In der Gouvernementsstadt Radom gaben alle Lehrer der städtischen Schulen ihre Entlassung. In den Dorf- schoften wurden zahlreiche Gemcindesck>reiber wegen Einführung der Po niselen Sprache bei ihren Amtshandlungen entlassen. Polr- tisclre Verhastung-'n und Tevortationen werden in großer Zahl vor- gcrwmmen. — Soviel aus Polen!
Ter Petersburger K'-rr-.s pendent des „Daily Telegraph'» meldet, d-'ß eine neue Meuterei in Libau ausgebrochen sei- Aua- in 5 r 0 n st a d t soll eine neue Meuterei im Gange sein.
Die Ausdehnung b-r P e st in den östlichen Provinzen Rutz- lands erregt Awr-milse. In Astracl-an erlagen ihr innerhalb nrcniger Tage 166 Personen.
Wie die „N. Fr. Pc." meldet, haben die Meuterer in Batnm einen österr Llovddampfer mit 33e* schlag belegt und verlangen ein Lösegeld. Tas österr. Ministerium des BuswerLigen hat bei der russischen Regierung Schritte emgeleitet
Aus Wladiwostok wird gemeldet, daß dort alle Regierungsgebäude zerstört sind. Kosaken, welche in die St'dt eindringen wollten, wurden von der Artillerie zurückge- wiesen. Tic Meuterei umfaßt alle in der Festung anwesenden Regimm-cr. Auf der B'hnstation Mandschurin, wo infolge deS Streiks ungchcur- W-renmassen angesammelt sind, zerstörten Infanteristen die Warenvorräte und verbrannten daS Bahndepot. Sie verlangen sofort nach dem europäischen Rusch nd trnr-s-v'^rtiert zu werden.
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OlMi, Im oiiN it Prämien^ ket 5 Pf., 1° *'
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M. 283
II t rj ein t täglich HB’t Sonntag-.
^«Kcebener Anzeiger rtfSfi im Wechsel mit s. ml isflschen £ünö»lrt d ii ii chener Familien- MÄtr viermal in der J.xt)e betqeleflL
fllht.n®n6bnid u. Per- l, rij bei Brühl ‘leben l .niii.-BuH-u.Stem- txinlrrti. R. Longe, gütibiltion, Ervedttwu und Trucferft:
14 Ift r a 6 e 7.
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aiÄffie für Tepeldien: 4n,cifltr Wieher».
ge-c-ön.K'it. Dadurch wird die Verpflegung der Truppen 'undP^AiJ, erumsiluch gefährdet und der Gang der Operationen , ve'iHnfliif) beeinträchtigt.
Hamburg sind soeben 11 Offiziere und höhere
!Älcr0bemnte mit einer kleineren Anzahl Mannschaften au§ ' diüffl '^-Sudwestafrika zurückgekehrt.
Deutsch-Afrika.
durch die aus Kapstadt eingeführten Ochsen ist auf dem 6Ä3 Lüderitzbucht-Kubub-Keetm an Shoop die R Hf »e rpest eingeschleppt worden. ES ist daher die Tötung deq sinitlichen im Seuchengebiet befindlichen Großviehs, ftrin ö 'üOO St tick, angeordnet worden. Bezüglich privaten VA tz sind gleiche Maßnahmen eingeleitet. Eine mehrwöchent- liöbt Omarantäne ist erforderlich Es muß nunmehr auf der Bßcttfe Luderttzbucht-Kuibis der Betrieb mit Maultieren durch- geiMk werden. Von KuibiS aus landeinwärts wird der D6E|!tnbf?tri(*b vorläufig noch aufrecht erhalten. Trotz aller tluistMOndten Mittel ist der Verkehr auf dein Baiweg auf etwa kini Wicertel der Leistungen des Monats Oktober zurück-
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en- holilt.
litten habe
InPetersburg wurden 250 Soldaten vvn der elektrotechnischen Kompagnie verhaftet und in der Peter Paul- Festung interniert wegen Beteiligung an einer Spenden-Sammlung für die Familien der Opfer der politischen Bewegung. Tie Mannschaften des Leibgarde-Regiments Ssemewow und d r Gardeiager hatten sich geweigert, die Verhaftung der Kameraden vorzunehmen.
Wie offiziös ans Moskau, wo der Telegraph.nd-lenst durch Soldaten und pens. Telegraphisten besorgt wird, telegraphisch gemeldet wird, dehnte sich der A u s st a n d auf a l l e P 0 st - bureauS Rußlands aus. Auch in Moskau sind einige
Auhlanvs Lage.
i liee Wirtschaftslage Rußlands verschlechtert sich Boni. iQig zu Tag. Jedenfalls setzt man an den deutschen
vezugSpreiSr monatlich 75P1., viertel- jnbrltd) Alk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monntlid) 60 Pf.; durch die Post Alk. 2.— oiertel* jährl. auöfchl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für die Tagesuunuuer bi- oornutlags 10 llhr, Zeiletivrei-i lokal 12Ps^ auswärts 20 Pkg.
Verantwortlich *üt den rolu. und allqem. Teil: P. Witt ko: für „Stadt und Vanb* und „(tienrtitsfnal*: Ernst Heß. f-ir den Anzeigenteil: Hans Beck.
Ileijchteuerung im Acichstug.
R. Berlin, 30. WoU
Aus den heißen Empfang, der ihm beute bereitet wurde. mt d-er preuß. Landwirlschaftsminister v. Podbielski offen Blmr peffoßt Er hörte sich die geharnischte Rede des früheren (»itfirr er, jetzt Kasseler sozialoemokr. Redakteurs Scheide- 11011 m mit Gleichmut an, der ihn auch nicht verließ, als klier Nebncr dem Minister bestritt, daß er als großer nez lichter die Frage der Fleischteuerung objektiv zu bfeuttr len in der Lage sei, und als der Redner von der „,Qr 1 r ü ft u n g" sprach, bte die Haltung des Landwirt- s.süü srninisters im Volke hervorgerufen habe. Herr von P«dl>ielski, dessen Fleischteuerungs-Tenkschrift vom 2Ibg.
bemann arg zerkaust wurde, fand Unterstützung im Wt. Tic Agrarier ließen sich angelegen sein, ihrem Mi- rnificr Hülfe zu kommen dt.rch lärmende Zwischen- riw| , die ihren Höhepunkt erreichten bei der Erklärung dca-liedners, die Handhabung des Flcischb-schaugesetzes habe Mit volle Kompottschüssel der Agrarier zum Mtbke laufen gebracht Ter Lbg. Scheidemann ließ sich bt< «Mögen 6cit nicht entgehen Generalabrechnung z:i. halten mit der agrarischen Politik der Regicr- wnti und er verfuhr hierbei mit unleugbarem Geschick
Etmstcs Selstveigen herrschle, als Graf Posadowsky nnim n9 des Reichskanzlers eine Erklärung verlas, die im luick'it! irficn auf die Kompetenz der Landesregierungen hin- nneisl und von Reichsweben besagt, daß im Interesse doetCchutzes der he t mischen Viehzucht an der Ojel rinären Grenzpolttik fest gehalten werden xraülle.
4 in großes Hall oh aber erhob sich, als Herr v. Pod- biStlski ebenso tourt)tig tote in der Form schtoerfällig die gx:«n i eine Person gcrirtjiclcn Angriffe zuruckivics. Zunächst ct qirlt die „böse Presse" ihr Teil, auf deren „Gewäsch" HIuop «mb klar zu entgegnen dem Minister anscheinend ein Hiptzmsbedürsnis tonr. Und worin bestand das „Gewäsch"?
ber Mitteilung, daß Herr von Podbielski bei etnrni „opulenten" Tiner in einer burschikosen föe» tnosrfjnifl das Bestehen einer Flcischnot bestritten haben sollte. Tit-r Minister eröffnete heute, daß bei jenem Diner das OiM drei Mark gekostet habe, kein Tropfen Sekt ge- truinier worden sei, und er selbst über die Fleischteuerung ni:cbt g»sprort)en habe. Tiefes „Getoüsch"-Intermezzo trug üLMens, nm es gleich vorwegzunehmen, dem Landwirt- frt:a|l3mtniftcr nachträglich einen verbrämten Ordnungs° r 11 i etn, denn „ein Mitglied des Reichstages macht sich nift zum Sprachrohr von Gewäsch". Herr v. Podbielski bhrttr verblüfft drein, als Graf Ballestrem ihn berge,polt korrigierte. In der Sache selbst, über die der Mi- nüffln sich weitläufig äußerte, bleibt er dabei, daß die F'.resPcuerung eine „vorübergehende Erscheinung" |lh Gie scheint sie nicht nur zu sein, sondern zu bleiben.
Abg. v. Oldenburg (kons), der westpreußisrt)e Agraria, ber dem Minister frrfch fröhlich beispranch war um ei'ittn guten Rat nicht verlegen Er meinte, bis die Eisbeine tone6 r billiger würden, möge man sich an Rindfteisch und JMntoffein gütlich hin, und brachte zum Schluß ferner cii| einen derb spaßhaften Ton gestimmten Rede ein reget» reMs Hurra auf den rückgrat festen preußischen Landwirt- fchsOlisminister aus.
Zbg Pohl (freij. Volksp.) bemerkte, die Rede des FL^norii.rhäuptlings sei zwar zum Amüsement des Reichs- iatiiii gewesen, aber nicht zur Freude des Landes, denn die F^ci^teuerung sei zu ernst, um scherzhaft behan- d ikli zu werden. Abg. Pohl wies aurt) die gegen die S4«! Verwaltung en und den Zwisrt)enhandel gerichteten Än- pTfti-ii’ gebührend zurück und erinnerte das Zentrum, daß es se i«: Niederlagen in Sel;lesren wesentlich seiner agrarischen Mlltlk zuzuschreibcn habe.
los hinderte indessen den Redner dieser Partei, den LMKd e r 0 ld , nicht, an der Handhabe der „Seuchengefahr" cn.f'Jt die agrarische Richtlinie zur Geltung zu bringen.
2t(? Debatte hat bewi sen, daß mit der Fleischteuerung ölillfö beim Alten bleibt, denn große Parteien des Reüthiages teilen die optimistische Auffassung des Ministers v. l 31b6icI3Ti.
Börsenplätzen fest ein in der Hoffnung, zu einer gedeih- lichen Börse zu kommen, und immer wiederkehrend verschlimmert sich das Geschäft, weil eben die Nachrichten aus Rußland höchst ungünstig lauten. So war es noch jeden Tag dieser Wock>c. Tie russischen Werte, nicht aftein mehr die Staatsfonds, sondern in St. Petersburg und Moskau alle nur einigermaßen distutablen, haben in den letzten Togen ganz enorme Kursstürze erlitten. So z. B. verloren Petersburger Tiskoutobank en die 40 Rubel, Peters burger Internationale Handclsbank "2 Rbl., Russisch-Ehiue sische Bonk 12 Rbl, Rufiiscye Bank für auswärtigen Handel 15 Rbl., Bakuer Naphtha-Gesellschaft 37 Rbl., Briansker Metallwarenfabrik 15 Rbl. Tie Depeschen von der Moskauer Bank zeigen auch einen sortg.s ,len Rückgang der Industriewerte an, die nut französischem und deutschem Kapital arbeiten Ebenso gehen d-e rusfifcl),en Eisenbahn- Prioritäten wieder stärker zurück und das Land wird, ehe es reorganisiert wird, so verarmen, daß es dann kaum mehr reorganifationsfähig ist.
Eine Berliner Mittngs'eitnng hn«t' die Nachricht von einem russischen Z a h l u n g s s r i s» g e s u ch verbreitet. Cbil-on die Meldung an der Böitze keinen Boden fand, wurde sofort der 91 pp?.rat des ossiziösen Teresrt-enbureaus <m einem g h'ru s l teu Dementi in Bewegung (jefet’t Tie Inschutznahme der nrtlifdpen Werte genen Vtrdüclnionngen und Vermutungen all r Art ist sehr lebhaft. Aber wenn sÄiefilich jede unrichtige ober übertriebene Meldung zum Anlaß eines Ditx-rsvruchS genommen werden soll dann wird des Ricknigslellens kein Ende sein. Es tragt sich auch, ob des Erfahren zweckmäßig ist, denn es wird d'e allgemein! Aufmerksamkeit hingelenkt auch aus solche A'armnachrichten, die nur einem kleinen Kreise von Spekulanten Wannt geworden sind Es wäre viel wichtiger geroefen, eine Aeußerung über die mit nxediicnbcr Bestimmtheit auitretrnben Mitteilung'-n ernslh-'ft zu nehmender Blätter: daß G^a f W i 11 e ab danken will- Von einer Erschütterung feiner Stellung durch die h."fis 'en Parteien die von einer Diktatur bcS Schreckens die Herstellung geordneter Zustände in Rußland erhoffen, war seit längerem die Rede. Zwar ist auf dc.s Werk eug dieser Diktatur, aus das Heer, wie die blutigen Ereignisse aller Orten beweisen, der mindeste Perlaß. aber man wagt den verzweifelten Versuch, und sei es hauptsächlich ai:S dem Grunde, den unbequemen Dränger nach Reformen, b?r zudem eine ganze Anzahl hol>?r Beamter d-irch Msetzung sich zu Todfeinden gemacht bat, los uwerden. „Fällt Ditte", so bemerkt ein Berliner Blatt, „übernimmt an seiner Stelle die Re Aktion wieder die Regierung und treten dann Reaktion und Revolution zur Crntfrttfitninn^<f<'^t an. so muß eine Zeit chaotischer Zustände kommen". Chaotische Zustände auch für die russ. Finanzen! Tiefe besonders bedenkliche Wirkung des Sturms Witte'S scheint in Petersburg knim gennirdigt zu werden. Witte ist der einzige Mann in Rußland, der im AuSlande politischen Kredit hat.
Wie verlautet, verlangte dec Berliner rrtf. Botschafter, Gras von der Osten-Sacken, die sofortige lieber» sendung seines IV2 Millionen betragenden Vermögens, das zu einem Teil in russischen Staatspapieren angelegt ist, nach Deutschland.
Petersburger Blätter melden, daß zwischen den regier- ungs freundlichen Tn. ppen unb bett treu gebliebenen Krtegsschifsen einerseits sowie den Meuterern und Revolutionären andererseits eine S-chlacht b^i Sewastopol ftattgcfur.bcn stabe. Ter Marineoffizier Schmidt war zum Oberbefehlshaber der revolutionären Streitkräfte ernannt worden. Er verfügte über zehn Kriegsschiffe. Tie Meuterer eröffneten um drei Uhr mitags ein heftiges Feuer auf die Stadt. Sck>midt sch-.ckt- zwei Parlamentäre mit der weißen Flagge zu Tsrtwucbn..,, nm ihn anfzufordern, sich zu ergeben. Tchouchnin lieg ste verhaften und eröffnete seinerseits das Feuer gegen die Meuterer. Zwei Stunden währte eine regelrechce Schlackit, welche zu Lande und zu Wasser geführt wurde. Auf beiden Seiten wurden schwere Verheerungen angerirtitet. Tie Geschosse von den meuternde. Kriegsschiffen fielen in die Stadt und zerstörten zwei Kirchen und viele Häuser. Zahlreirt)e Personen wurden getötet. Tie Einwohner vcrsteckteti s in den Kellern. Zwei Kriegsschiffe, die sio den Meuterern angesÄlossen hatten, wurden in den l rund gebohrt. Ter Oberbefehlshaber der Revolutionäre erhielt eine t ö b I i dj c Wunde und ergab s i ch mit seinem Schiff um W Uhr abends. In der Zwischenzeit hatten zwei regierungsfreundliche Regimenter die meuternden Matrosen mit großen Verlusten zurückgeworfen und gingen dann wm griff gegen die drei nördlichen Forts über, die sich'' im Besitze der Meuterer befanden. Tie Forts wurden mi*^?m Bajonett erstürmt. Die Verluste der Meuterer sind sehr beträchtlich. Tie Sck)lacht endete mit einer völligen Niederlage der
Ans Htndl Hilft £a«ft.
Gienen, 1. Dezember 1005.
"Personalien. In den Nuhestand verseht wurde der Schullehrer an der Gemeindeschnle zu Büdesheim, Kreis Bingen, Martin Maurer auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste. S. K. H. ber Großherzog haben den Goemeter 1. Klasse Philipp Zimmermann aus Oppenheim zum FeldbereinigungL- geom-ter mit Wirkung vom 1. Dezember 1905 ernannt.
" Ordensverleihung. Dem bisherigen Reichsbevollmächtigten für Zölle und Steuern in Hannover, Großh. Heff. Geheimrat Karl Müller wurde von S. M. dem König von Preußen d»r Rote Adler-Orden 2. Klaffe verliehen.
" Erledigte Lehrer stelle. Die mit einem evang» Lehrer zu besehende 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lau back), Kreis Schotten. Mit der Stelle kann Organistendienst verbunden werden. Dem Grasen zu Solms-Laudach steht daS Präsentationsrecht zu.
" Eine Sitzung des Provinzial -Ausschusses der Provinz Ob er Hessen findet am Mittwoch, 6. Dez. vormittags ]/.,9 Uhr mit folgender Tagesordnung statt. 1. Gesuch deS Karl Philipp zu Watzenborn um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft. 2. Klage des OrtSarm enverbands Mainz gegen ben OrtSarmen- verband Butzbach wegen Unterstützung der Familie deS Franz Joh. Bräuer von Preußisch-Eylau. 3. Klage deS Or tsarm e nverba n ds Frankfurt a. M. gegen die Ortskrankenkasse Nieder-Wöllstadt wegen Unterstützung deS Adam Jakob Ludwig Kitz aus Frankfurt a. M.
** In ber Ober herrschen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde hielt kürzlich Tr. D e l k e s - ka m p einen Vortra z über: ,.Tw Bildungstocise der Kohlensäure in M in e r a l q u e l l e u und Thermen". Ter Erforschung der geyclischen Verhältnisse der Mineralwässer und K-ohlensäuregueklen stellen ft_d sehr große Hindernisse entgegen, und die Theorie muß deshalb noch so manche Lücke des sicheren Wissens ausfüllen. So kommt es, daß die Ansichten über die Bildung d^- natürlichen K-ohlensäure weit aus- einandergehen. (xS vulkanische siuvenile) Kohlensäure und solche, die nah Erdoberfläche stattl>abenden Prozessen ihre Entstell 'roank^ /^adose Kohlensäure). Diese vadose Kohlensäure hat weit geiinnere Bedeutung als die juvenile und entstammt bem Kohlensäuregehalt der Lust, oder sie entströmt TorV Moor- oder Draunkohlenlagern, oder sie wird in der Tiefe der Erde aus Karbonaten durch verschiedene Naentien oder durcy Hitze allein ausgetrieben. Für jede Bildungstveise torrben die von den verschiedenen Forschern herange-o^ nen Beweismittel erörtert, und jede Theorie vom physikal-'Ochernischen und geologischen Standpunkte kritisch bereue: .et. S.us Braunkohlenlagern wurde die Kohlensäure zuerst durch I. v. Liebig, und zwar be-


