Nr. »05
Zweites Blatt
Freitag I- September 1905
Gießener Anzeiger
Erscheint tLgksth mit Ausnahme be8 Sonntags.
Gemral-Mzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
’inen lieben
en:
abteilung von
Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulstr.7.
Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gteßen.
155. Jahrgang
Die „Lietzener LamMenblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^yeffijch« Landwirt" erscheint monatlich einmal.
korps, und ihm sind außerdem noch unterstellt: die aus drei süddeutschen Kavalleriebrigaden zusammengestclltc, mit einer Reitenden Abteilung, zwei Maschrnengewehrabteilungen u. s. w. versehene Kavalleriedivision B, sowie je eine Telegraphen- und Lustschiffer-
Magistratsmitglieder und Stadtverordneten, soivic dem Kommandanten meinen ausrichtigen Dank zu übermitteln h'ir die herzliche Bewillkommnung und G a st i r e u n d s ch a s t, welche den Offizieren und Mannschaften der Kanalflotte während des Aufenthaltes in Ihrem Haien eriviesen wurde, und wollen Sie selbst meinen Dank flir die große Unterstützung, die Sie mir haben angedeihen lassen, entgegennchmen.
Kaisermanöver unter Kaiser Wilhelm II.
Manöver, d. h. größere Herbstübungen im Gelände mit gemischten Waffen, die nach gegebener Kriegslage ausgesührt werden, sind eine preußische Einrichtung und jetzt nach deutschem Vorbilde in allen größeren Armeen Europas etngesührt. Schon unter König und nachmals Kaiser Wilhelm I. wurde alljährlich einem der prelißischen Armeekorps die Auszeichnung zu teil, unter den Augen des obersten Kriegsherrn Zeugnis vom Erfolg der Ausbildung ablegen zu dürfen. Die Kaisermanöver beginnen jetzt stets mit großer Parade des Arineekorps vor Sr Majestät. Es folgen dann Kriegsmärsche und meist dreitägige Gefechte der Korps gegeneinander, wobei der letzte Tag meist zu einem großen Angriffsgefecht der gesamten Truppen gegen einen markierten Feind verwandt wird.
Unter Kaiser Wilhelm II. sind diese großen Herbstübungen von Jahr zu Jahr den tatsächlichen Kriegsverhältnissen mehr und mehr angepaßt und in Bezug auf die Zahl der teilnehmenden Truppen- körper erweitert.
So sehen wir im Herbst 1889 schon zwei, das 7. und 10. Armeekorps gegeneinander manövrieren. 1890 fanden bereits zwei getrennte Kaisermanöver statt; cs kämpften das 5. und 6. Armeekorps gegen einander und außerdem das 9. Korps gegen bezw. in Verbindung mit der Flotte. 1891 standen sich das 4. und 9. Armeekorps gegenüber. Die für 1892 geplanten Kaisermanöver des 8. gegen das 16. Armeekorps und des 14. gegen das 13. (Königlich würtkemb.f Armeekorps mußten der hier und da auftrctenden Cholera wegen abbestcllt werden und kamen erst 1893 zur Ausführung. Im Jahre 1894 traten sich die beiden Armeekorps von Ost- und Westpreußen, das 1. und 17. Armeekorps, gegenüber, und 1895 maß sich das Gardekorps mit dem 2. Armeekorps unter des
Hflseetag«.
Swinemände, 31. August.
Trotz des starken Seeganges, der nur unmerklich nachließ, begannen die englischen Torpedoboote und Kohlenschiffe in den Vormittagsstunden den Hafen in langsamer Folge zu verlassen, um sich mit den auf hoher See verankerten Schlachtschiffen zu vereinigen. Um 2 Uhr ging die unter dem Befehl des Admirals WinSloe stehende TorpedobootSzerstörerflotille mit dem Admiralschiff, Kreuzer „Saphir*, und zwei Kohlenschiffen nach Flensburg in See. Kurz nach 3 Uhr lichtete auch die gesamte übrige Flotte die Anker und dampfte nach Neufahrwasser ab. Die Abfahrt vollzog sich bei schönstem Wetter, wenn auch hohem Seegang.
Dem englischen Vizekonsul Rose ging vom Höchfl- kommandierenden der englischen Kanalflotte, Admiral Wilson, nachfolgendes Schreiben zu:
Ich bitte Sie, den Herren Landrat von Bötticher, Bürgermeister von Grätzel, Stadtverordnetenvorsteher Schiemann und alle
Rotationsdruck tmb Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.
welches durch die Zugehörigkeit der G r o ß h e r z l. hessischen (25.) Division damals drei Divisionen stark war, trat mit dem 8. Armeekorps unter den Oberbefehl des Generals der Kavallerie Grafen v. Haeseler, kommandierenden Generals des 16. Armeekorps in Lothringen. Diesen fünf Divisionen stand die gesamte, danials auch fünf Divisionen starke Königlich bayerische Armee, befehligt durch den Generalinspektor der 4. Armeeinspektion, Generaloberst Prinzen Leopold von Bayern Königliche Hoheit, gegenüber. Ter Kriegsschauplatz lag damals im südlichen Teil der preußischen Provinz Hessen-Nassau und unserer Provinz Oberhessen und zog sich bis in den bayerischen Regierungsbezirk Untersranken hinein.
1898 durste sich das 7. und 10. Armeekorps zum zweiten male unter den Augen des obersten Kriegsherrn messen. 1899 fand das besonders interessante Kaisernianöver im Schwarzwald statt, zu dem das 13. (K. württemb.), 14. und 15. Armeekorps herangezogen waren. Schon nach 5 Jahren, im Herbst 1900, standen sich das Gardekorps, verstärkt durch die 9. Jnsanteriebrigade (zum 3. Armeekorps gehörig), und das 2. Armeekorps, gleichfalls verstärkt durch die 71. Jnsanteriebrigade (vom 17. Armeekorps), zum zweiten male gegenüber. Es folgte 1901, gleichfalls zum zweiten male, das 1. gegen das verstärkte 17. Armeekorps; 1902 das 3. Armeekorps mit der 1. Gardedivision gegen das durch eine Jnsanteriebrigade verstärkte 5. Armeekorps: 1903 das 4. und 11. preußische Armeekorps gegen die beiden sächsischen Armeekorps und 1904 abermals das verstärkte Gardekorps gegen das verstärkte 9. Armeekorps. Hierbei trat auch wieder ein Teil der Flotte in Tätigkeit.
Seit 1891 werden alljährlich anfangs 2, später 4 Kavalleriedivisionen aus je 3 Brigaden zu je 2 Regimentern zusammengestellt und mit je einer reitenden Abteilung, seit vorigem Jahre auch mit Maschinengewehrabteilungen versehen. Je eine dieser Divisionen wird in der Regel den vor dem Kaiser übenden Armeekorps zuqeteilt.
An dem nahe bevorstehenden diesjährigen Kaisernianöver beteiligt sich bekanntlich zum ersten Male das 18. Armeekorvs als solches, wenn es auch — aus 2 Divisionen des einstigen 11. Armeekorps erst am 1. Oktober 1899 neu errichtet — in jenem Korps- verband wiederholt dem Kaiser seine Kriegstüchtigkest beweisen konnte. Es wird verstärkt durch die 28. Division des 14. Armee-
abteilung von dem Geiieralinspekteur der 2. Armeeinsvekt-.ou abteilung. Ter einstige Verbündete des vorinaligen 11. Armee- Generalieldmarschall Prinzen Georg von Sachsen Konigl. Hohen, korps von 1897, das 8. Armeekorps, verstärkt durch ,e eine In-
Nom übertroffen an Trupvenzahl wurde dieses durch das fol- santerie- und Fechartlllerie-Brigade des 16. und ein Kavallerie- genbe, das Kaisermanöver 1897. DaL preußische 11. Armeekorps, regiment des 15. Armeekorps, ist diesmal sein Gegner. Dem
t Wohnung befindet sich | 1. September ab
enplatz Nr. 3,2 Tr. I A Heil M. E L. Schirmann, ___Hebamme., __ MWÄ
ruhig : Unterkunih wo o tteu.Zwmg- v £[Qbtt. iu.Hu»dek.)w^' g^jtl
Gegen Soldaten - Mißhandlungen.
Daß der preußische Kriegsminister von Einem bestrebt ist, den Soldatenmißhandlungen nach Möglichkeit zu begegnen, beweist ein Befehl, den er an sämtliche Regiments-Kommandeure der Armee erlaffen hat — und der lautet:
,^Infolge der zahlreichen Fälle von Soldatenmißhandlungen und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener durch Vorgesetzte, die in letzter Zeit in unliebsamer Weise die Oeffent- lichkeit beschäftigen, bringe ich den Herren Regimentskommandeuren meine Verfügung vom 1. Januar d- I. nachdrücklichst in Erinnerung. Im besonderen ist den Mannschaften der einzelnen Truppen-Verbände die strenge Weisung zu erteilen, jede Mißhandlung von feiten eines Vorgesetzten auf dem vorgeschriebenen Wege sofort zur Anzeige zu bringen, denn nur mit Hilfe der Mannschaften kann diesen Mißständen gesteuert werden."
Die in Erinnerung gebrachte Verfügung des Ministers enthält die Bestimmung, daß die Vorgesetzten den Mannschaften überhaupt nicht zu nahe kommen dürfen, ihre Befehle und Weisungen vielmehr aus einer Entfernung von drei Schritt zu geben haben. Eine
8. Korps rst ebenfalls eine Kavalleriedivision (A) u. f. ro. betgegeben. Die große Parade des gesamten 18. Korps unter dem Befehl des Generals v. Eichhorn findet am 8. September bei Homburg v. d. H., die des 8. Armeekorps unter General der Kavallerie v. Deine? am 11. September bei Koblenz statt.
Es folgen dann die eigentlichen Kaisermanöver der beiden Korps gegeneinander, bezw. der gesamten Truppenmacht gegen einen markierten Feind. Als Manövergelände dürste vorzugsweise das ehemalige Herzogtum Nassau, aber auch Teile des preußischen Regierungsbezirks Koblenz und unserer Provinz O b e r h e s s e n in Betracht kommen. Am 15. September findet das Kaisermanöver voraussichtlich bei Friedberg seinen Abschluß.
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— Die erste Nummer einer neuen Zeitschrift „Kritik der Kritik" (Schief. Derlagsanstalt in Breslau) ist jetzt erschienen und bringt, außer einer von zahlreichen bedeutenden Männern der Literatur und Kunst zum Teil recht originell beantworteten Umfrage nach der Notwendigkeit eines solchen Unternehmens, und anderen lesenswerten Beiträgen auch eine Aeußerung Julius ^tinbcS zum Thema — eine Stimme aus dem Grabe! So war die Meinung des immer Aufrichtigen: „Die Kritik ist ein notwendiges Nebel. Antikritik niiht nichts, weil von der Kritik immer eiwas hängen bleibt, und zwar das Vernichtende, Boshafte und Beißende. Auch weil nie darauf zu rechnen ist, daß, wer die Kritik las, auch die Kritik der Kritik läse. Das Totschlägen der Kritiker hat keinen Zweck, weil immer neue das Handwerk er» greifen. Der Hauptmangel der heutigen Kritik ist das Verlangen der Schaffenden, nur mit Lob begossen zu werden. Kritik läßt sich nicht reformieren, ebenfalls der Kritiker nicht. Der lässt sich nichts sagen. Und wo wäre der Reformer, der einen Kritt- ker zwingen könnte, sich seinen Satzungen zu fügen ? Das Publikum will rasch und kurz wissen, was es über ein Kunstwerk denken und reden soll. Wären die Kritiker nicht so haarsträubend unbestechlich — wie zufrieden könnten dann die Schaffenden mit der Anerkennung der Menge fein. Ich war früher selber Kriti- ker: kritisierte Bücher, l^mälde, Statuen, Dramen, Lustspiele Opern, Konzerte usw., habe aber weder den Künsten noch dem Publikum genützt, sintemalen die Künstler sich nicht nach der Kritik richten nnb das Publikum für Kritiken kein Gedächtnis hat ES behält nur, ob etwas bis über den Klee gelobt oder bis in den Abgrund der Hölle verrissen ward. Der Rest ist ihnr völlig Hekuba."
— In Varese ist der berühmte italienische Tenor Tamaano gestorben. ö
Politische Tagesschau.
Die Wirkung der Lex Stengel
auf das finanzielle Verhältnis der Einzelstaaten zum Reiche für 1904 läßt sich auf Grund der im Final- abschlusse der Reichshauptkasse veröffentlichten Zahlen ziemlich genau feststellen. Offiziös wird darüber mitgeteilt:
&or der Str Stengel wurden vom Reiche den Einzelstaaten Zölle und Tabaksteuer weniger 130 Millionen Mark, die Vranntweinverbrauchsabgabe und die Reichsstempelabgaben überwiesen. Wäre dies für 1904 gleichfalls maßgebend gewesen, so hätten sich die Ueberweisungssteuer folgendermaßen gestaltet. Die Zölle hätten mit einem weniger von 21 Millionen Mar? und die Tabaksteuer mit einem solchen von 0,9 Millionen Mark eingestellt werden müssen. Diesem Weniger von 21,9 Millionen Mark hätte ein Mehr aus Branntweinverbrauchsabgabe und Reichsstemvelabgaben gegenübergestanden. Das letztere hätte sich auf 3,6 Millionen Mark belaufen. Wieviel das erstere betragen hätte, läßt sich aus den Zahlen des Finalabschlusses nicht genau ersehen, da die Einnahme aus Branntlveinverbrauchs- abgabe unb Maischbottichsteuer in ihnen gemeinsam aufgeführt wird. Nehmen wir aber auf Grund des früher veröffentlichten Nachweises der Einnahmen aus den Verbrauchssteuern an, daß das Mehr in diesem Falle 1 Million Mk. betragen hätte, so würde dem Weniger von 21,9 Mill. Mk. ein Mehr von 4,6 Mill. Mk. gegenübergestanden haben. Mit anderen Worten, wäre die Lex Stengel nicht erlassen, so hätten die Einzelstaaten für 1904 17,3 Millionen Mark weniger überwiesen erhalten, als ihnen im Etat zugedacht war. Da auf Grund der Lex Stengel Zölle und Tabaksteuer aus den Ueberweisungs- steuern ausgeschieden sind, die in deren Reihe neu eingeführte Maischbottichsteuer nur ein Weniger von nahezu 4 Millionen Mark erbracht hat, so ist insgesamt kein Weniger, sondern ein Mehr von 0,7 Millionen Mark auf 1904 für die lieber- Weisungsstenern herausgekommen. Dieses Mehr durfte zwar nicht direkt den Einzelstaaten überwiesen werden, weil das Etatsgesetz vom 20. Mai 1904 daran hinderte, ift aber auf die gestundeten Matrikularbeiträge in Anrechnung, folglich den Einzelstaaten zugute gekommen. Die Lex Stengel hat somit bewirkt, daß für die Einzelstaaten eine Verkürzung der Ueberweisungssteuern um 17,3 Millionen Mark verhindert und daß ihnen die gestundeten Matrikularbeiträge um 0,7 Mill. Mk. gekürzt lourben, hat also das finanzielle Verhältnis der Einzelstaaten zum Reiche nm insgesamt 18 Mill. Mark verbessert.
Es erwächst also doch aus der Neuordnung der ReichD- finanzen ein Trost für die Einzelstaaten, wenn es auch nur ein schwacher ist.
Roosevelts Dank an den deutschen Kaiser hat, wie Privatdepeschen melden, selbst in Paris großen Eindruck hervor gerufen. Von einem ebenso bedeutsamen Anteil König Eduards am Friedensschluß ist nicht die Rede, obschon König Eduard „einer der Ersten" war, den Präsidenten der Ver .Staaten zum Ausgang der Friedenskonferenz zu beglückwünschen.
Aehnlich wie mit den Friedensbestrebungen König Eduards verhält es sich mit den Friedensreden englischer Minister. Danach gäbe es gar keine glühender für den Frieden begeisterte Macht, als England! Balfour erklärte im englischen Parlament: „Von allen Flotten ist nur die unserige zur Verteidigung da, die meisten anderen Flotten hingegen sind hauptsächlich Angriffswaffen." Eine Behauptung, die durch ihre Kühnheit verblüfft. Uebrigens war es ganz nützlich, daß den Deutschen in Swinemünde Gelegenheit geboten wurde, die englischen Kriegsschiffe zu besichtigen .England, so lautet fast das allgemeine Urteil, mag die besseren, die größeren Schiffe haben — unvergleichlich besser sind unsere Mannschaften, unvergleichlich ordentlicher und sauberer sieht es an Bord unserer Schiffe aus. Es fällt auf, hebt ein Beobachter hervor, daß auf den englischen Schiffen sogar die Züge vieler Geschütze verrostet sind. Indes den Herren Engländern ist nicht zu trauen. Vielleicht wollten sie unseren Marinekennern nur Sand in die Augen streuen und sie in frohe Zuversicht ob der äußeren Ueberlegen- heit wiegen!
Als ein Mittel zur Bannung der deutsch-englischen Verstimmung wird gern empfohlen, oaß die Presse beider Länder mehr Zurückhaltung an den Tag lege. Wir meinen, daß König Eduard sehr viel wirkungsvollere Mittel besäße — wenn er sie anzuwenden wünschte — den Riß zu schließen. Eines dieser Mittel wäre die Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm gewesen, die Begegnung, deren Ankündigung von dem Privatsekretär des Königs in so eigenartig brüsker Form dementiert wurde. Nicht, daß mau in Berlin über das Ausbleiben der Begegnung unglücklich war; aber es ist sicher, daß von deutscher Seite die Gelegenheit ergriffen worden wäre, den Mißhelligkeiten, mögen sie politischer oder persönlicher Art sein, den Boden zu entziehen.
Wir glauben nicht an ite Verheißung, daß es unter König Eduard nie zu einem Konflikt zwischen England und Deutschland kommen werde. Ter Konflikt ist leider bereits da, nur, daß er keine unmittelbar bedrohliche Form angenommen hat, obwohl es einmal sehr nahe daran war, daß es geschah. Es hieße die Augen verschließen, wollte man sich verhehlen, daß Deutschland England und Frankreich vereint gegen sich hat — sobald diese Mächte glauben, vorbereitet genug zu sein.
tzduard der Iriedreiche.
Aus Marienbad weiß eine Depesche von der „überaus friedlichen" Gesinnung des Königs Eduard zu erzählen. Der englische Parlamentarier Lockwood sagte, König Eduard gäbe die sichere, Bürgschaft dafür, daß es nie zu einem Konflikt zwischen England und Deutschland kommen werde.
Auf diese Bürgschaft wird Deutschland nicht bauen können. König Eduard stand einmal in dem Ruf, eine Säule des Weltfriedens zu sein. Bei seinen Reisen an auswärtige Höfe nach der Thronbesteigung war jeder von ihm ausgebrachte Trinkspruch ein Hymnus auf die Segnungen des Friedens. Man sah im Geist den guten Herrscher, wie er mit feuchtem Auge den Frieden pries. Die fromme Täuschung, daß König Eduard es als Ziel seines Ehrgeizes betrachte, den Völkern die Ruhe zu sichern, und überall Herumreise, um für diesen schönen Gedanken Staatsoberhäupter und Staatsmänner zu gewinnen — diese Illusion war außerordentlich weit verbreitet. Man glaubte an die „Friedensmission" Eduards nicht nur in der großen Öffentlichkeit, man war sogar an amtlichen Stellen überzeugt davon. Aber eines Tages fing man an, etwas stutzig zu werden und König Eduards Friedensboten-Gang mit kritischeren Blicken zu verfolgen. Wie es kam, weiß man einstweilen nicht genau. Ob der Bericht eines scharfen und zuverlässigen Beobachters die Anger: öffnete, oder ob ein tatsächlicher Anlaß den ersten Zweifel speckte — gleichviel, die Friedenspolitik König Eduards stellte sich in veränderter Beleuchtung anders dar. Die Besprechungen waren doch nicht ganz so harmloserund sanfter Natur gewesen, als man angenommen hatte. König Eduard mochte und mag, wie der Zar, in der Theorie ein Schwärmer für den Weltfrieden sein — in der Praxis bemühte er sich um Ziele, die als eminent friedliche mit dem besten Willen nicht zu bezeichnen sind.
Es ist mit Recht gesagt worden, daß England den Mittelpunkt der auf die „Einkreisung" Deutschlands gerichteten Bestrebungen bildet. Von England ist der Vorsatz ausgegangen, systematisch Deutschland zu isolieren, seine Verbündeten ihm abspenstig oder, wenn das nicht gelinge, lau und unzuverlässig zu machen, Frankreich aufzustacheln und, wenn alle Vorbereitungen glücklich getroffen, und eine Gelegenheit sich bot, das Kesseltreiben auf Deutschland zu eröffnen. Es wäre mehr wie naiv, anzunehmen, daß König Eduard um diese wackeren Absichten nicht gewußt haben oder, wenn es der Fall, sie ernstlich mißbilligt haben soll. Wenn Eurer, dann hätte König Eduard die Macht und das Ansehen besessen, den Plan, der Dermutlidj aus dem Kopf Jos Chamberlains hervorging, zu Nichte zu machen. König Eduard aber hat, wenn man Äckhaltlos sein will, mindestens die Dinge sich entwickeln lassen. Ein Mann wie Delcassö hätte nicht eine solche Rolle spielen, nicht mit wahrem Feuereifer die Idee der Einkreisung Deutschlands aufgreifen und verfolgen können, ohne die wohlwollendste Unterstützung durch Rat und Tat von London aus. Wenn es wahr ist, daß kurz vor dem Höhepunkt des Marokko- Konflikts König Eduard bei seinem Pariser Besuch Herrn Delcasss eröffnete, daß Frankreich zurzeit nicht auf die Waffenhilfe Englands rechnen dürfe, so braucht das, wie jetzt die Verhältnisse sich darstellen, nicht als Beweis „überaus friedlicher Gesinnung" des Königs zu gelten. Solange der Krieg zwischen Japan und Rußland schwebte, solange England nicht wußte, ob und wieweit es nicht vielleicht doch durch sein Bundesverhältnis mit Japan in den Krieg hinein- gezogen würde, solange war es einfach ein Gebot nüchterner Klugheit für England, sich auf kein anderes großes Unternehmen einzulassen. Danrals ist denn auch der Bündnisentwurf Delcasses von England nicht vollzogen worden. Wer bezweifelt, daß diese Allianz heute perfekt ist, vielleicht tm Augenblick der Entscheidung von Portsmouth perfekt geworden ist?
eine Königliche Bauschule litrt hat, jucht, gestützt aus Zeugnisse, Stellung in einem eschasiod.Architeklurbureau. jnftL Meld, unter 05717 an Sieg, Anz. erbeten.
llfmaun, welcher noch sreie ^al, sucht Beschästig, in Ach- ig und bergt. Schr. Wd. 5730 a. d. Gieß. erd.
Kaisers 9(ugen.
Der Herbst 1896 brachte zum ersten male die Ansammlung größererTrupoenmassen und eine Beteiligung derKöniglich sächsischen Armee am Kaisermanöver, Die Oft- und Südostwacht des deutschen Reiches, das 5. und 6. Armeekorps, standen diesmal vereint unter bem Oberbefehl des Generalinspelteurs der 1. Armeeinspektion Generalfeldmarschalls Prinzen Albrscbt von Preußen Königliche Hoheit und hatte das aus drei Divisionen bestehende 12. (Königlich sächsisches Armeekorps, welches durch die dem preußischen 4. Armeekorps angehorige 8. Division (damaliger Standort Erfurt) verstärkt worden, zum Gegner. Befehligt wurde diese Armee-
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