Nr. 178 Zweites Blatt. 155. Jahrgang
Dienstag 1. August LSVT
ertd&etnl iStzst- mit Ausnahme des Sonntags.
Die .Stehen« LamttiendILtter" werden dem „Anzeiger oiermol wöchentlich betgelegt Der tonbWld* «tchetnt monatlich einmal.
Eichener ZLzetzsx
Rotationsdruck and 8erlog bet Brü b I 1che> UnwerftlLtSdruckeret, 8L Sang». Ttetze»
Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulstr.K» XeL DU 6L Xdegtvtlbi.4 Rn-erg« Sieh«.
General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Metzen.
fonferenv
Infolge Verhaftung von vier
durch den Zaren verboten.
/evolutionären Partei, der den Oberleutnant Ka nelin
Petersburg 511m Tode durch den Strang verurteilt.
Deutsches Reiche
keilen vorzubeugen. , „ ,
Nach dieser kurzen und sachlichen Notiz haben also französische Kolonialsoldaten den Streit vom Zaun gebrochen. Vergegenwärtigt man sich, daß gerade in Afrika Deutsche und Franzosen stets und überall gut miteinander ausgekonimen sind, so muß die überraschend schroffe Begegnung in Kamerun besondere Gründe haben. Fast will es scheinen,
Ausland.
Amsterdam, 31. Juli. Wie die Zeitungen melden, landeten die gegen den in Empörung befindlichen Fürsten von Boni auf Celebes ausgesandten Truppen rind zerstörten die Befestigungen seiner Hauptstadt Badjeewa. Auf holländischer Seite ist ein Offizier tot; außerdem sind 25 Soldaten tot oder verwundet. Die Bonileute verloren 260 Mann. Sämtliche Befestigungen von Bena wurden im Sturm genommen. Der Feind wurde zurückgeschlagen und ließ 2 56 Tote und 9 Verwundete zurück. Die Truppen biwakiren zwischen Bena und Badjoewa. Die Landung wird fortgesetzt.
Brügge, 31. Juli. König Leopold, welcher gestern den Feierlichkeiten anläßlich des Unabhängigkeits- Jubiläums beiwohnte, hielt eine Ansprache, in der er aus die Notwendigkeit für Belgien hinwies, sich auf dem Wasser eine Zukunft zu schaffen. Ebenso machte er wieder eine Anspielung auf die Durchführung der Arbeiten zur nationalen Verteidigung.
Paris, 31. Juli. Der Kolonialbeamte Girard wurde zu 5 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, weil er im Kongogebiet ohne Befugnis einen Eingeborenen hatte hinricüten lassen.
£n dem Städtchen Ryechkanowka in Südrußland fanden blutige Juden-Exzesse statt. Zu den Unruhen gaben Streitigkeiten zwischen Neserviffen und einem jüdischen Händler Anlaß. Das ganze Städtchen wurde demoliert. Den Bürgern wurde Hab und Gut geplündert. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt, soll aber sehr hoch sein. Die Polizei verhielt sich während der Exzeffe vollständig passiv. _________________________
als seien die 2 ,
gefordert worden, denn die Südkamerun-Gesellschaft darf verlangen, daß man in Deutschland ihrer Darstellung mehr Glauben schenkt als derjenigen französischer Blätter. Eins beweist der Vorgang zweifellos: das unentwegte Wirken eines den Deutschen feindlichen Geistes. Das Intermezzo spricht nicht grade für einen harmonischen Ausklang der Marokko-
Votilisckk Tagesschau.
Mißkläoge.
Die Marokkokonferenz soll, wie es neuerdings heißt, erst Ende November zusammentreten. Das scheint gewissen Leuten in Frankreich eine zu lange Zeit, um ohne „Häkeleien" mit Deutschland auszukommen. Der dunkle Erdteil bietet Raum auch für anderweite Zwistigkeiten mit dem verhaßten Sieger im Konflikt um Marokko. Daher wohl das Geschrei über den Zwischenfall an der Kamerungrenze, von dem eine französische amtliche Darstellung noch aussteht. Die „Norddeutsche" meldet heute:
Nach der jetzt eingegangenen ersten amtlichen Meldung aus Kamerun über den Bockall an der d e u t f eh - fr an zö s i f ch en Grenze im Südosten des Schutzgebietes ist die deutsche F a k - torei Missum - M i ssum von Senegalesen widerrechtlich ausgehoben und beraubt worden. Der Chef des Grenz- dislriktcs, Hauptmann Scheunemann, der sich zurzeit im südlichen Teil seines Bezirkes aushält, wurde bei dem Einmarsch in Miyum° Missum beschossen. Bei der Abwehr wurden 5 Angreifer gelötet und 4 gelangen genommen. Der Gouverneur von Kamerun sandte nach dem Eintreffen der Nachricht den Kommandeur der Kaiser!. Schutztrupve Oberst Müller zur Einlegung eines P rote st e s und der Regelung der Angelegenheit nach Gabun, dem Sitz des französischen Gouveriieurs, und setzte sich gleichzeitig mit dem Gouveriieur des Eongo franyais in Brazzaville in Verbindung. Dieser schlug die baldige Entsendung einer Grenzkommlssion an'Ort und Stelle vor. Der Gouverneur von Kamerun erklärte sich nut diesem Vorschlag einverstanden, um weiteren Grenzstreitig-
geltend machte. . 3
Gestern aber zeigte die Börse ein ganz anderes Bud. Namentlich inbezug auf Staatsfonds, denn die angenm- digten Manöver der englischen Flotte m der Ostsee werden, wie aus inspirierten Artikeln hervorgeht, IUUUi. entschieden als eine krie ge r i s ch e D em 0 n str at r0 n
verdächtigen Individuen gegen Deutschland bezeichnet. Es wird dabei„gesayt. J ~ * man braucht sich umsoweniger zu scheuen, das Kmd beim rechten Namen zu nennen, als die englische Negieruiig sich
Kirche und Schule.
„Schillerschule" des Guttemplerordens. Einest Beschluß von weitgehender Bedeutung für das deutsche Erziehungswesen faßte auf ihrer Jahresversammlung in Danzig Deutschlands Großloge II des Guttemplerordens. Mit Rücklicht darauf, daß unter den gegenwärtigen Schulsystemen die Heranbildung der Jugend zu Persönlichkeiten erschwert ist und nur bei ivemgen Neformschulen, Laicherziehungsheimen usw., die aber mehr den begüterten Kreisen zugänglich sind, gewährleistet wird, so wcw ein Antrag von der Leitung der Großloge gestellt worden, nach dem System der schwedischen „Samskola" eine Reformschule unter Leitung von zwei hervorragenden Schulmännern zu begründen. Da dieser Gedanke am hundertsten Todestage Schillers und unter Einwirkung seiner Grundsätze einer ästhetischen Erziehung ent- standen war, sv wurde der Name „Schillerschule" dafür gewaW. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Die Großloge bewilligte auch die Kosten der Einrichtung, wenn sie auch vorausfekt, daß die in Aussicht genommenen beiden Pädagogen und die <5d)ul-, aufsicht von einem deutschen Staate übernommen wer^^^
Keer und Motte.
An der Kaiserparade bei Nieder-Es chb ach
8. September werden teilnehmen: I. Treffen, Infanterie. 1 iletfr-1 gendarmerie. 2. Infanterie-Regiment Nr. 87, Gnrn. Ma^., 3. Jnfanterie-Regt. Nr. 88, Garn. Mainz. 4. Füs.-Regt. Nr Wiesbaden, 3. Bataillon Homburg v. d. Höhe. 5. Jnf>Regt.> Nr. 81, (&mr. Frankfurt a. M. 6. Jnf.-Regt. Nr. 166, Garn.» Hanau. 7. Leibgarde-Jnf.-Regt. Nr. 115, Garn Darmstadt., 8. Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm, Nr. ^6 Gießest.» 9. Jnf.-Regt. Nr. 168, 2. Bat. Offenbach, 1. ButzbaLs 10. Jnf.-Leib-Regt Großherzogin Nr. 117, Mainz. 11. Jnf^i Regt. Nr. 118, Garn. Worms. 12. Bad. Leib-Grem-RegL Nr. 109, Karlsruhe. 13. Bad. Gren.-Regt. Kaiser Wilhelm Nr. 110, Garn. Mannheim, 2. Bat. Heidelberg. 14. Jnst-Regt. Nr. 25, Garn. Rastatt. 15. Jnf.-Regt. Nr. 111,, Garn RastE.! 16. Maschinengewehrabteilung Nr. 2, Garn. Bitsch. 17. Ma-, schinengewehraÄeilung Nr. 3, Garn. Bitsch. 18. Unteroffizier-- schule Biebrich. 19. ss-uß-Art.-Regt. Nr. 3, Garn. Mainz. 20. Pw- nier-Bataillon Nr. 21, Garn. Mainz. 21. Telegraphenabteiluns, 18. Armeekorps. — II. Treffen, Kavallerie und Artillerie und zwar die betr Regimenter aus Darmstadt, Karlsruhe, Bruchsal, Bamberg, Ansbach, Mainz, Hanau, Hagenau, Frankfurt und Fritzlar Train-Bat. Nr. 18, Darmstadt. — Ferner werden teilnehmen: der Dillkriegerbund, sowie folgende Kreiskrieger- verbände: Frankfurt Stadt und Land, St. Goarshausen, Höchst, Oberlahn, Unterlahn, Limburg, Rheingau, Obertaunus, Unter- taunus, Usingen, Westerburg, Unterwesterwald, Wiesbaden Stadt und Land, Hersfeld, Schlüchtern, Hanau, Olpe, Siegerland und Wetzlar. , „ ,
Berlin, 31. Juli. Der Kommandant von Berlin, General» major Hvyor von Rotenheim, ist heute im Alter von 56 Jahren an den Folgen einer wiederholten Dormoperation tut Augusta-Hospital gestorben. ___
Aer Krieg.
Sachalin.
Tokio, 30. Jüli. (Amtlich.) Die Sachalinarmee berichtet: Tie selbständigen Kavalleriestreitkräfte, die nachmittags am 27. Jüli in Luikow einrückten, zogen sich wieder infolge schwerer Unruhen, welche in der Stadt herrschten, in der darauffolgenden Nacht zurück. Der linke Flügel der Armee begann am 28. Jüli um 3 Uhr früh gegen Luikow vorzugehen, um es in seine Gewalt zu bringen Tie Vorhut und die Kavallerie zogen, nachdem sie den Feind auf der Nordseite von Luikow angegriffen hatten, in die Stadt ein, wo es zu Straßenkämpfen kam Um 8 Uhr vormittags war Luikow vollständig ein - genommen. Der rechte Flügel der japanischen Sachalm- armee hielt sich nach der Besiegung der russischen Infanterie- und Artillerielruppen ber Weder n i ko w s ki hart auf den Fersen des Feindes, dessen Hauptmacht seit der Nacht zum 28. Jüli in Un 0 r d - n u n g n a ch S u d e n z u f l 0 h. Die zur Verfolgung ab- aesandtcn japanischen Truppen stießen am 28. Juli 8 Km. südlich von Luikow auf russische Infanterie in Stärke von 800 Mann, wovon 200 getötet und schließlich 500 Mann gefangen genommen wurden. Der Feind, der unserem rechten Flügel seit dem 27. Jüli gegenüberstand, bestand aus 3000 Mann Infanterie mit 8 Geschützen, wahrend die feindlichen Truppen, welche dem japanischen linken Flügel gegenüberstanden, aus 2000 Manu Infanterie mit 4 Kanonen bestanden.
London, 31. Jüli. Nach Meldungen des „Daily Telegraph" ist man dort der Ansicht, daß es auf Sachalin zu keinen Kämpfen mit den Russen mehr kommen werde und der Rest der Insel den Japanern ohne Schwertstreich tn die Hände fallen werde.
Linewitsch meldet unterm,29. Jüli: Die Armee hält die Gegend um Heilungischöng besetzt. '2tin 23. Jüli hatte die Armeeabteilung, die auf das Defilö von Wangulin vorgegangen war, als sie sich am 24. Jüli Ehrdagu in östlicher Richtung näherte, ein Gefecht mit tzun Husen. Unsere Abteck- ung besetzte das Dorf nach einem Feuergefecht. Am 26. Juli rückte das Detachement weiter vor, wobei es sich beständig in Feuergefecht mit den auf das Dorf Malugu zurückgehenden japanischen Vorposten befand. Die h^ftlia) des Torfes gelegenen Hügel waren vom Gegner besetzt. Nach Beschießung der in mehreren Reihen angelegten japanischen Schützengräben gingen unsere Truppen zum Angriff über und erstürmten gegen sechs Uhr abends die japanische Stellung. Tie Japaner zogen sich unter beträchtlichen Verlusten zurück. Das Detachement trat nach Erfüllung seiner Ausgabe den Rückmarsch an. ,
Ein japanischer militärischer Sachverständiger, der aus der Mandschurei nach Tokio zurückgekehrt ist, meldet, daß General Linewitsch seit der Schlacht bei Mukden seine Verluste ausgeglichen habe und sogar über 7 0 000 Mann mehr verfüge, als vor der Schlacht.
Jnfolq- V-chastung^v°^-k'/»erdöchtigen Individuen g- gln"D - u t s ch l an b DeÄnet «S Wirb brfri„gefaxt: -rdedie Tr u „en b-„chtigung ... «raSn.jc Sein -fowen^r -u das Km"
Ter Arbeiter A. Wasikscw, ein Mitglied der russischen ^und ^weiter' heißt^s:"di-
revolutionären Partei, der den Oberleutnant Kanelin Weltpolitik ist also nicht ohne Gefahren und es entspricht
aus politischen Gründen ermordet hatte, wurde gestern in nur hem Ernst der Lage, wenn das deutsche Volk über die
- - - - - - ■ angekündigten Flottenmanöver in der Ostsee nicht leichten
Die »KönigSb. Hart. Zig." meldet aus Riga: Baron Herzens hinweggleitet ^Hnrhen
Äistrnm auf Msch-n-ckcn ist »on aufrührerischen Bauern Mit derartigen erschossen worden. Die Aufruhrer plündern die Güter, .st^^pt.m.sthche Aus Grob in sind Dragoner abgesandt. W l-L!—'......— ---
In Wars chau töteten Infanteristen einen Schuh
macher, mit dem sie in Wortwechsel gekommen waren. Ein <>uI1 Wie die Times aus Tokio meldet,
zweiter Zivilist wurde verwundet. innanif&en Zeitungen in keiner Weise
Im Walde bei Noyaninsk in Polen fand am Sonntag äußern sich die 1 P ™ » Kaisers Wilhelm
eine sozialdemokratische Versammlung statt. Di- Ortspolizei beunruh'gi ^uber d. B g g en die Tatsache,
unterrichtete di- Militärbehörde, welch- -in- Schwadron mtf: bm di- Friedenskonferenz ge-
Dragoner dorthin entsandte. Die Versammlungste. nehmcr dah der Tc sch ' J J hgchst unwahrscheinlich, daß wurden mit blanker Waffe au^nandergetri-h-n. V.er Ar. r h t, und HE-n^-s s h^chl würde,
beiter wurden getötet, zwet schwer verletzt. er legt qmuci
Friedensansfichten und der Geldmarkt.
Nach neuesten, aus guter Quelle stammenden Mrtteil- ungen will Japan in Washington keine übertriebenen Forderungen stellen, sodaß man den Frieden so gut wie gesichert betrachten kann., Bei dieser Gelegenheit darf auch gesagt werden, daß Kaiser Wilhelm ebensoviel Initiative für Herbeiführung des Friedens zukommt, wie dem Präsidenten der Ber - eiiligtenStaaten. Jüngst ist als definitiv veröffentlicht worden, daß Rußland vor dem Friedensschluß fern Geld mehr vom Ausland erhält, aber bereitwilligst neues Geld findet, wenn erst einmal die Feindseligkeiten beendet sind. Neber diese Punkte soll Witte bei seinem jüngsten Parker Aufenthalt hinreichend aufgeklärt worden fern, mc bestimmte Aussicht auf nahen Friedensschluß hat den Lchuld- - ,, _ Verschreibungen der beiden kriegführenden Parteien erne
Deutschen dort auf höhere Elnflusse hin heraus- qjjen$e ncvc Käufer zugeführt, und diese Schuldverschreibungen sind vergangene Woche ganz wesentlich gestiegen. Unterstützt wurde diese Steigerung noch durch den flnsfigen Aeldstand, wie er sich namentlich an der Pariser Börse
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— Pastor v. Bodelschwingh hatte die Gemeinde Groß-Berlin um Unterstützung für seine Arbeiterkolonie! Hoffnungstal gebeten. Während Berlin ihm ein weites Gelände pachtweise überließ, hat die Gemeinde-Vertretung von Rixdorf das Ersuchen um Bewilligung eines Beitrages zu den Unterhaltungskosten der Kolonie abschlägig beschieden.
— Wir lesen in der „Dtschn. fr. Pr/:
„Engen Richter feierte am Sonntag seinen 67. Se* bnrtstag. Wenn auch sein 91 u genübel ihn leider noch von öffentlicher Betätigung abhält, so kann er dock erfreulicherweise alle bedeutsamen politischen Tagesfragen durch die Autorität ferner Persönlichkeit als Mitarbeiter unseres Blattes nach wie vor kraftvoll beeinfluffen. Wir wißen uns einig mit vielen tausend Parter- frennden im Lande in dem aufrichtigen Wunsche, daß Eugen Richter zu Beginn der Wintertagung der Parlamente gesundheitlich wieder in der Lage sein möge, auch in Reichstag und Landtag wieder direkt sein gewichtiges Urteil voll zur Geltung zu bringen/
Dresden, 31. Juli. Eine Konferenz der sächsischen Mietervereine hat beschloßen, solchen Landtagskandidaten ihre Unterstützung zu versagen, die sich zur Vertretung der Hausbesitzerforderungen bereit erklären würden.
Hamburg, 31. Juli. Nach einer Mitteilung bet „Afrikapost" nehmen an der Studienreise nach Togo und Kamerun teil die Reichstagsabg. Dr. Arendt, v. Böhlen- dorff, Fries-Marksuhl, Goller, Hagemann, Frhr. v. Richt- Hofen, Dr. Semler und Storz.
— Aus Anlaß des 7. Todestages Bismarcks fand im Mausoleum Friedrichsruh eine Gedenkfeier statt. Die Fürstin Herbert und ihre Kinder legten Kränze am Sarkophag nieder. Daran schloß sich ein Gottesdienst. Von nah und fern waren prachtvolle Kranzspenden eingegangen.
Swinemünde, 31. Juli. Unter dem Verdacht bet Spionage wurde in Osternothavn durch die Militärbehörde, der Angestellte einer Berliner photographischen Anstalt (Oesterreicher von Nationalität), welcher vom Leuchtturm photographische Aufnahmen des Festungsgeländes machte^ ücrhartet.
Kaiser Wilhelm in Dänemark.
Kopenhagen, 31. Juli.
Der Kaiser verließ am Sonntag abend auf der „Hohen- zollern" Dansig und ging unter dem Sulut der auf der Reede von Neufahrwmser liegenden Kriegsschiffe in See. Auf der Fahrt nach Kopenhagen trat nach drückender Schwüle ein langandanerndes Gewitter ein. Nach kurzem Aufenthalt in Rönne auf Bornholm lies die „Hohenzollern" um 4 Uhr in den Hafen von Kopenhagen ein.
Der Chef des dänischen Geschwaders Admiral Prinz Waldemar fuhr von seinem Flaggschiff zrrr Begrüßung des Kaisers an Bord der „Hohenzollern".
Der Kaiser, tiefgebräunt und .sehr wohlgelaunt, ging um 8/45 Uhr an Land und wurde vom König und den Prinzen empfangen. Er reichte jedem der zahlreichen Würdenträger die Hand, plauderte mit einigen und führ sodann an der Seite des Königs, von der zahlreich herbei- geeilten Bevölkerung sehr warm begrüßt, nach Schloß Ber-nstorff.
Tort fand um 7.45 Uhr Tafel statt, an welcher der Kaiser, die Königsfamilie, Herren des Gefolges, der Ministerpräsident, der Minister des Auswärtigen usw. teil- nafimen. Der Kaiser führte die Kronprinzessin von Dänemark, der König die Prinzessin Marie und der Kronprinz die Prinzessin von Schaumburg.Lippe. Während der Tafel brachte der König einen Toast auf den Kaiser aus, worauf die Musik die deutsche Nationalhymne spielte. Der Kaiser erwiderte mit einem Trinkspruch auf den König: es folgte die dänische Nationalhymne. Nach der Tafel wurde ber Kaffee un Gartensaale eingenommen. Später fang der fgl. Kammersänger Gerold.
Das regierungsfreundliche Blatt „Kjoebenhavn" schreibt:
Der Besuch des deutschen Kaisers beim dänischen Hofe ist natürlich allein schon infolge ber nahen Verwandtschaft, welche bas jüngere Geschlecht des dänischen und des deutschen Fursten- hausc^ verbindet. Wenn der Kaiser dadurch, daß er in ber Hauptstadt selbst an Land geht, anzeigen wollte, daß fein freundschaftlicher Besuch auch dem dämgyen Volke gelten soll, so kann uns dies freuen. Die dänische Hauptstadt wird Kaiser Wilhelm auch als Oberhaupt des deutschen Reiches ein Willkommen bieten, welches zeigen wird, daß er em Land besucht, welches freuudlich gesinnt ist gegen alle Mächte und wünscht in bestem und nachbarsch östlich st em Verhältnis zu Deutschland zu stehen.
Die Stimmung der Bevölkerung gegen Deutschland hat sich in letzter Stunde gebessert durch die Desavouierung der jüngsten Maßreaeln <raen die Dänen in Schleswig.


