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1.3.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 51 Zweites Blatt. 155. Jahrgang

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M LLLwoch 1. März 1905

Rotationsdruck und Verlag der BrQhl'lch« Unwersitätsdruckerei. N. Lange, Gteh».

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.V.

Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr> $ Anzeiger Gtetzea»

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Strauß, Wagner und Wozart.

Siebentes Konzert des Gießener Konzertvereins.

Noch singts und klingts in mir mit tausend Tönen; noch will die erdenentrückte P arsisalstimmung, wollen die ver­klärten Schlußklänge der erschütternden Strauß'schen Ton­dichtung nicht Raum geben für die nüchterne Betrachtllng des Alltags; noch jauchzen und schluchzen dazwischen Mozarts Engelein so himmlisch schön, daß mir fast ist, als träten sie fleischgewordcn aus dem vor mir hängenden Böcklin heraus, vor mich auf den Schreibtisch, schlügen mir übermütig ihre himmlischen Notenblätter um die Ohren und riefen mir zu: Laß doch das dumme Schreiben und hör' uns zu!" Wie gern tat ich's, statt erfolglos mich immerfort zu mühen, den Faden zu finden aus dem wogenden Tonlabyrinth und ^ernst­haft zu reden". Versuch ich's denn!

Ein Wagnis", einSprung ins Dunkle" wurde in den Einführungsworten zum letzten Konzert neulich das Unter­nehmen des Konzertvereins, der Plan dieses Konzertes, ge­nannt. Nun wohl, wer wagt, gewinnt! Der Sprung ist geglückt, das Dunkel wurde zu strahlender klingender Helle. 2)ht der Wiedergabe von o b und Verklärung" hat das Orchester des Vereins und an seiner Spitze sein un­ermüdlicher Leiter den Beweis eines Könnens erbracht, auf das er und der Verein stolz sein können. Es wird wohl wenige Orchester unter gleichartigen Verhältnissen geben, die eine derartige Leistung aufweisen können; sie setzt eine Be­herrschung des Werkes für Leiter und Spieler voraus, wie fie nur verständnisvollstes Eindringen in seinen Deist und

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Politische Tagesschau.

Berliner Fremdensteuer.

-tt-. Berlin, 27. Februar.

In einer Protestversammlung der Berliner Theaterdirektoren gegen die geplante Theater- billetsteuer ist die Rücksichtnahme auf die Fremden ins Feld geführt worden. Es würde keinen guten Eindruck mnchen, den Fremden durch besondere Abgaben den Theater­besuch zu erschweren. Doch es verschlägt nicht viel, ob den Fremden der Besuch der meisten Berliner Theater noch etwas mehr erschwert und verleidet wird, als es schon jetzt geschieht. In Wahrheit bezahlen die Fremden in Berlin bereits längst die allerunv erschämteste, Aergernis er­regende Billetsteuer, die es gibt. Nur dc^ß die Reichs­hauptstadt von dieser Belastung nichts hat, und daß ebenso­wenig die Theaterdirektoren davon reich werden. Der ehren­werten Gilde der Billethändler, diesem Ning von Personen, die auf mysteriöse Weise sich in den Besitz der besten Plätze zu bringen wissen, die sie dann mit Aufgeld von 50 bis 300 Prozent dem Fremden verkaufen, der sich auf eine be* stimmte Vorstellung kapriziert diesen spekulativen Elementen, mehr ober minder dunklen Ehrenmännern, fällt der beträcht­liche Gewinn in den Schoß. Bei der Erstaufführung des Roland von Berlin", der mittelmäßigen Oper des Maestro Leoncavallo im König!. Opernhaus, trieben die Zwischenhändler den Parket platz bis auf hundert Mk.! Aehnlich geht es bei allen einigermaßen sensationellen Premieren, wenn auch solche märchenhaften Preise zu den Ausnahmen gehören. Niemand wird im Ernst behaupten können, daß den Theaterleitern oder den mit der Aussicht über den äußeren Dienst Betrauten diese Mißstände unbekannt sind. Es geschieht nur nichts Radikales dagegen. Die Billet­händler haben man weiß, wie gesagt, nicht wie die besten Karten in der Hand und sie heimsen den Hauptanteil der Ernte ein. Mögen doch die Theaterdirektoren, wenn sie so besorgt um die Besucher Berlins sind, zunächst einmal auf Mittel und Wege sinnen, den Billetwucher zu verhindern; bann sollen sie sich über die drohenbe stäbtische Billetsteuer entrüsten. Das Sonderbarste aber ist, daß viele Berliner Theater an den Abenden, wo die Billethändler es nicht lohnend finben, den Schauplatz zu betreten, bei häufiger ge­spielten Stücken usw. sich selbst das bischen Geschäft ver­derben! Der Fremde findet die Abendkasse dicht umlagert, er sieht mit Staunen, wie teure Plätze mit 50 Pfg. bezahlt werden. Endlich, nachdem der Schwarm abgefertigt, kommt der Fremde auch an die Reihe und hört mit noch größerem Staunen, daß von einem bestimmten Rang nichts mehr zu haben ist. Des Rätsels Lösung: die Freikarten-Tiger, Konservatoristen, Statisten, oft auch Leute, die das Theater nur als eine Art Wärmehalle betrachten, haben mit einer halben MarkBilletsteuer* das noch Verfügbare erstanden. Der Fremde, der den Kassenpreis bezahlen wollte, hat das Nachsehen.

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Großfürstin Elisabeth.

Wie das künftige Los der Grotzsürstin Elisabeth, der Witwe des Großfürsten Sergius, sich gestalten wird, steht, wie man uns aus St. Petersburg mitteilt, zur­zeit noch nicht fest. Die Nachrichten, die Großfürstin werde alsbald nach der Beisetzung ihres Gemahls in der Peter- Pauls-Kathedrale im Mai Rußland für immer verlassen und in ihrer h e s s i s ch e n H e i m a t i h r e n W o h n s i tz nehmen, muß jedenfalls zur Stunde als verfrüht bezeichnet wer­den. Es ist in dieser Hinsicht noch keine Entscheidung getroffen worden. Sehr takt- und geschmacklos ist ein dummes Gerücht, das augenblicklich in der Petersburger Gesellschaft kursiert. Es heißt, die Großfürstin werde sich nach Ablauf des Trauerjahres wieder verheiraten und man nennt sogar laut den Namen des Auserkorenen! Es soll ein hoher Offizier aus einer der angesehensten gräflichen Familien nichtrussischen Ursprungs sein, der früher im Hof- Halte des Großftirsten Sergius eine leitende Stellung inne hatte. Verleumdung und Klatschsucht sind kaum irgendwo anders zu solcher Vervollkommenheit ausgebildet wie

innerhalb der höchsten Schichten der russischen Gesellschaft, die just in dieser schweren Zeit sich nicht erblödet, von Heiratsplänen der soeben verwitweten Großfürstin zu schwatzen. Um so größere Achtung verdient die so edle und würdige Haltung, die die Großfürstin jetzt an den Tag legt, nachdem das Schicksal auf so furchtbare Weise ihren Gemahl auZ den Reihen der Lebenden gestrichen hat.

Teutsches Reich.

Berlin, 28. Febr. Als! Nachfeier zur gestrigen Dom­einweihung fant) heute nachmittag im neuen Dom ein geistliches Konzert statt, dem u. a. beiwohnten: das Kaiserpaar, Vertreter der Diplomatie, Mitglieder der Generalität, Behörden, Parlamente und der Künstlerschast. Der Ertrag der Einlaßkarten kommt dem VereinFrauen­hilfe" zu gute.

Dem Minister Möller werden Rücktritts- gedanken nachgesagt. Nach derNhein.-Westf. Ztg."wird der Wunsch des preuß. Handelsministers, von seinem Amt zurückzutreten, damit begründet, daß die Handelsver­träge nicht eine gleiche Vertretung von Licht und Lust zwischen Landwirtschaft und Industrie herbeigeführt hätten. Auch sei Möller deswegen einer Aus­zeichnung, wie sie den anderen Ministern zu teil tyrrrde, aus dem Wege gegangen".

Heute erfolgte im Auswärtigen Amte durch die Staatssekretäre des Innern und des Aeußeren, sowie dem österreich-ungarischen Botschafter die Unterzeichnung einer Zusatzbestimmung zu dem neuen Handelsver­trag mit Oesterreich-Ungarn, durch welche den Termin für das Inkrafttreten dieses Vertrages vom 15. Februar auf den 1. Mürz 1905 verlegt wird.

Die höhere P o st laufbahn ist bis auf weiteres für Zivilanwärter geschlossen, da in der Aera Stephan» zu viel Posteleven angenommen wurden. Wie nunmehr nach derSchles. Ztg." verlautet, werden bei der Wieder­annahme von Anwärtern für die höhere Postlaufbahn andere Anforderungen gestellt werden, indem man von ihnen den mehrjährigen Besuch einer Universität ver­langen wird. Bisher genügte die Reife eines Gymnasiums, einer Oberrealschule oder einer Realschule. An die erhöhten Anforderungen dürften sich andere Amtsbezeichnungen, wie Postreferendar bezw. Assessor knüpfen, denn der Titel Prak­tikant und O'berpostpraktirant erfreut sich in den beteiligten Kreisen absolut keiner Beliebtheit. Durch Schaffung vieler neuer Stellen ist die höhere Postlaufbahn zurzeit etwas aussichtsvoller geworden, doch wird es in den Kreisen der Oberposipraktikanten noch immer unangenehm empfunden, daß sie, anstatt in Bureaubeamtenftellen erster Klasse auf­zurücken, sehr oft no ch- mehrere Jahre Oberpostsekretär- stellen bekleiden müssen.

MUamentarisches.

Berlin, 28. Febr. Tie Budgetkommission des Reichstages beriet heute den Etat des Reichs Mili­tärgerichts. Die erste Rate von 225 000 Mk. für die Erwerbung eines Grundstückes für ein D i e n ft g e b ä u d e, dessen Gesamtpreis 1474 200 Mk. betragen soll, tvurde nach längerer Debatte einstimmig abgelehnt. Bei der Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Friedenspräsenzstärke des Heeres füljrt ber Kriegsminister aus: Die Vorlage sähe nicht danach aus, als ob wir uns jetzt bedroht sähen; denn sie verteile die Forderungen auf 5 Jahre. Der Redner legt dann den Wert der Kavallerie dar und verweist aus die Erfahrungen im russisch-japan. Kriege. Ohne Ka­vallerie wäre Sedan selbst dem Genie eines Moltke un­möglich gewesen. Hierauf wird die Kommissionsverhand- lung auf morgen vertagt.

Südwestasrika.

Die neuesten Meldungen haben die Kriegslage in einem weniger günstigen Lichte erscheinen lassen. Die Ar­beit, die der höchstkommandierende General v. Trotha im Süden zu verrichten hat, wird daher seinen Weggang vor­aussichtliche noch! weiter hinausziehen.

In Hamburg wurde am 28. v. M. ein Truppentrans­port für Südweftaftikä, bestehend aus 45 Offizieren, 5 Portepee-Unteroffizieren und 503 Unteroffizieren! und Mann­schaften verabschiedet. Der Truppentransport, zu dem 196 Pferde gehören, trat mit dem PoftdampferProfessor Wörmann" die Ausreise an.

Eine Idylle aus Usakos, der bei Karibib ge­legenen Station der Stavi-Eisenbahn, wo neuerdings eine katholische Missionsftation errichtet wurde, schildert ein Brief eines Offiziers, der zur Erholung nach einer schweren Typhus- und Ziuhrerkranknng aus Swakopmund sich dabin begeben haft Einer Einladung des Cheftngenieurs der Otavibahnbaugesellschaft, Solioz, und seiner Gattin fol­gend, besichtigte ich den Bau genannter Bahn. Den Bau leitet hier ein Oberingenieur, Poppe, nnt einem großen Stabe von Beamten. Außerdem ist hier zur Deckung des Bahnbaues Oberleutnant Heise früher Garde-Fußartillerie­regiment) mit einigen Leuten stationiert. Es ist dies nötig, da die in den Erongobergen (zwischen Usakos und Oma- ruru) steckenden Herero die Eigenschaft besitzen, Vieh zu klauen^, und sie in Ausübung dieses Sports kürzlich einen Vieh Wächter mit Kirris totgeschlagen und einem anderen den Hals ab geschnitten habens Bedient werde ich von einem gewandten Ovambo, der die sonst den Schwarzen eigentümliche Eigenschaft, zustinken", nicht besitzt. Ein katholischer Pater hält jeden Morgen im Schatten eines großen Kameldombaumes Schule ab, zu der alle Kinder sauber gewaschen sein müssen. Es ist inter» essant, die schwarze Gesellschaft bei ihrer Schultätigkeit zu belauschen. Im allgemeinen passen sie gut auf, doch kommt es auch vor, daß sie einander hinter die Ohren schlagen, währerck) der Pater doziert. Den Eingeborenen ist es urlverständlich, daß, Weiße schwer arbeiten. Sie sagen, die Italiener müssen mit deutsches Menschschwer Orlog" gehabt haben, da sie Bambusen von letzteren sind. .. . Morgens esse ich Kaktus feigen, Granatäpfel und wunder­volle Tomaten, des mittags erscheinen zu Tisch Blumen­kohl, Kohlrabi, Radieschen, auch Gurken eigener Zucht. Nur Kartoffeln wollen nicht recht gedeihen, da bei der großen Hitze die Pflanzen zu sehr ins Kraut schießen. Landschaft- lich ist es auch sehr schön, im Osten erheben sich bisl 800 Meter Höhe der Usakos und die Abbabisberge, deren blaugeaderte Hänge auf Kupfererze schließen lassen. Im Norden sieht man die grotesk geformten Erongoberge, um die die Eingeborenen einen Sagenkreis gewoben haben. EH soll dort, wie Ovanrbos und Kaffem erzählen, noch Menschen geben, die wie Affen aussehen. Er­forscht sind sie noch nicht. Jedenfalls sind sie aber Schlupf­winkel zahlreichen Diebsgejindels. Im Osten und Süden jenseits des Khanriviers erstreckt sich eine weite Hochfläche, aus der zahlreiche Springbockherden weiden.

Aus Stad! und ZanS.

Greßen, 1. März 1905.

** Sitzung des Provinzial-Ausschusses. Vor dem Provinzialausschuß stand am 25. v. M. die Ent­eignung ifür das Hauptsiel und die Klär-- an lagen der Stadt Gießen, hier die Besitzein­weisung und die Entschädigung, zur Verhandlung. Von der Stadt Gießen als Unternehmerin ist "Antrag auf Ent­eignung einer größeren Anzahl (60) Grundstücke undt Grundstücks teile, die für das! Hauptsiel und die Kläranlagen der städtischen Kaüalisation benötigt iverden und mit deren Eigentümer eine gütliche Einigung über die zu gewährende Entschädigung nicht erzielt werden konnte, gestellt worden.' Der Provinzialaus schuß wies die Stadt Gießen in den Besitz einiger dieser Grundstücke ein, nachdem von der Stadt der Nachweis der Hinterlegung einer Sicherheit für die von der Lokalkommission gutachtlich vorgeschlagenen Enp- jchädigungen erbracht worderl war. Die Verhandlungen über die Festsetzung ber Entschädigungen durch den Pro- vinzialausschußl wurden sodann begonnen, werden aber vor­aussichtlich noch mehrere Sitzungen und die Einnahme eines Augenscheins an Ort und Stelle erfordern.

V o n d e r I a g d ! Mit dem 1. März wird, so schreibt uns ein Jäger, wiederum die Speisekarte um einige Lecker­bissen verkürzt, denn nun beginnt die Schonzeit für den Rehbock, der Zeit haben will zur Entwickelung seines Ge­hörns, und die Wildenten, die an manchen Orten bereits mit dem Legen begonnen haben und bald mit dem Brut- geschäst beschäftigt sein werden. Allerdings ist in Ober- yessen durch besondere Verordnung die Schußzeit auf Enten bis zum 1. April verlängert, doch ist zu wünschen, daß die Jäger nicht allzuviel von dieser Erlaubnis Gebrauch machen, um die Enten nicht an der Sorge für den Nachwuchs zu hindern. Die Herren Jäger können sich doch lohnende Arbeit

seine Emzelheilen, aufopfernde Hingabe und cm im Gesamt- durchschmtt hervorragend tüchtiges technisches Können zustande zu bringen vermögen. Und hierfür gebührt ihnen allen, Herrn Trautmann in erster Linie, unser aller herzlichster Dank, wie er ja auch durch den herzlichen Beifall bezeugt wurde, trotzdem die Stellung des Werkes am Schluffe ber Vortragsfolge und der unvermeidliche hastige Aufbruch bei den Garderobevcrhältnisseu! so manchen davon ab­hielten, hier, wo's einmal am Platze gewesen wäre, von der Kraft seiner Hände den richtigen Gebrauch zu machen.

Mit Recht hat der EmführungSartikel betont, gegenüber dem Strauß'schen Werke sei nicht das Vorurteil, sondern das Geschmacksurteil am Platze. Gießen ist nicht berufen, einem Richard Strauß den Boden zuzuerkennen oder über ihn den Stab zu brechen. Seien wir dankbar, daß uns dieser Ein­blick in die Strauß'sche Kunst durch unsere Aufführung gegeben wurde; in so manchem, der vielleicht leichthindu moderne Radaumusik" verächtlich vom stolzen Standpunkte des Klassikers aus bisher von sich gewiesen hat, ist ein Funken ausgeglommen, was die moderne Milsik doch vermag. Ver- gleiche zu ziehen, lag ja am Sonntag so nahe. Mich hat meinGeschmacksurteil" will ich offen sagen das Werk tief erschüttert, beim zweiten Hören noch viehr wie beim ersten, hat mich bis ins Innerste ergriffen und ein Stück Leben fühlen lassen, dessen Erlöschen und verklärtes Uebergehen in das Ueberirdische noch lange nachschivingen wird.Unschönes" habe ich nichts, aber auch gar nichts daran finden können; die Schilderung des Fieberkampfes, des gewaltigen Ringens zwischen Leben und Tod, ist Klinger'sche Kunst in Tönen;

wer diese häßlich findet, mag auch dort ]o ernpftnoen; das ist halt Geschmackssache; Schönheit im Sinne desabsolut Schönen" hat Straiiß nicht schaffen wollen; wer nur in ihr sein Ideal sieht, dem gab der Mozart das Seinige. Von Einzelheiten bezüglich der Wiedergabe des Werkes sei ab­gesehen; war doch der Gesaniteindruck so vollendet. Mög­lich, ja sicher, daß ein noch stärkeres Orchester, eine noch stärkere Betonung derKraststellen" eine noch grandiosere Wirkung hervorgerusen hätte; den hiesigen Naumverhältnissen hätte es kaum entsprochen, und die geschickte Ausgleichung der vorhandenen Kräfte gegeneinander ließ den Wunsch nach einem Mehr von Kräften nicht auskommen.

Ließ die Malerei der Verklärung das Konzert wechevoll ausklingen, so entsprach dem die Eröffnung des Abends durch Vorspiel und Schluß des dritten Auszuges ausPar- sifal". Tie Wiedergabe war, rein technisch, was Präeision und Reinheit anlangt, nicht ganz einwandfrei und blieb hinter der der Strauß'schen Dichtung; wenn sie trotzdem, wenn sie namentlich aber trotz der wie ein Hohn auf Parsisal- stimmung wirtenden äußeren Umgebung o Saalbau! eine so tiefernste und feierliche, so verinnerlichende Stimmung ausstrahlten, wie wunderbar ist dieses Werk, die Krönung von Wagners ganzem Lebenswerk!

Unmittelbar aus Wagner folgte Mozart, und es gab einen schönen Zusammenktang; zwei solcheGroße" tun sich keinen Abbruch. Auch schlagt gerade das Ls-ciur-Konzert in seinem Adagio Töne an, die nieunmodern" um das Wort einmal zu gebrauchen werden können, die lich mit Wagner wie mit Strauß zusammen hören lassen tonnen,