Ausgabe 
10.5.1905 Erstes Blatt
 
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Sodann nahmen die Studenten in Wichs und mit den zahlreichen Fahnen der Verbindungen nm Goethe-Schiller- Denkmal Aufstellung, und zwar an Schillers Seite, wo sie nochmals Kränze niedcrlegten. Am Nachmittag fand ein gemeinschaftliches Festessen aller auswärtigen Vertreter statt.

Für den Abend waren die Studenten sämtlich vom Groß­herzog zur Festvorstellung im Hoftheater eingeladen.

Schiller-Ieiern.

Aus allen Teilen Deutschlands liegen heute Meldungen jtb et festliche Veranstaltungen zum 100. Todestage Schillers vor. In Laubach veranstaltete, wie uns von dort ge­schrieben wirb, daS Gymnasium im festlich mit Tannengrün unb Blumen geschmückten Zeichensaale eine Schillerfcier, zu der Graf Karl von Solms-Laubach auS Arnsburg erschienen war. Gymnasialprofessor Kull mann hielt die Gedächtnisrede. Zum Schlüsse verteilte der Direktor aus einer der Anstalt gewordenen Stiftung an die Schüler, die durch gutes Betragen und regen Fleiß sich auszeichneten, zum Andenken an den'Schillertag einige Geschenke, z. B. Schiller­bildnisse, Schillermedaillen 2C.

In Friedberg hatten, wie uns geschrieben wird, zahlreiche öffentliche und private Gebäude geflaggt. Am Montag abend wurde ein Höhen feuer abgebrannt. In dem Gymnasium (Augustinerschule) wurde eine Kolossal - statue Schillers enthüllt. Ein Schiller-Volksfest findet am 28. Mai in dem Schloßhofe statt.

Die akademische Feier des Schillerjubiläums zu Darm­stadt wurde, wie unser dortiger Redakteur beute schreibt, am Dienstag mittag im städtischen Saalbau abgehalten. Auch I. K. H. der Groß Herzog und die Groß Herzogin, sowie die fürstlich battenbergischen Herrschaften, ferner die Minister, der Oberkonsistorialpräsident, der Oberbürgermeister, die Professoren der technischen Hochschule usw. wohnten der Feier bei. Der vom Mozartverein gebildete Gesangschor eröffnete den Festakt mit Mozarts ChorO Isis und Osiris". Privatdozent Dr. Alt hielt die Festrede. Tie ideelle Frei­heit ist eS nach einem Wort Goethes, die ihm, so führte u. a. Dr. A. aus, zu schaffen macht und in seine reisen Dichtungen übergeht, und mit der Vertiefling der Freiheitsidee gehen in den späteren Werken andere Veränderungen Hand in Hand: An die Stelle der Tendenz tritt das Streben nach Objektivität, an die Stelle des Naturalismus ein hoher, bewußt über die Wirklichkeit erhobener Stil. Der höchste Zauber der Schiller- schen Kunst besteht darin, daß sie der ganz persönliche Aus­druck eines großen Menschen ist. Die richtige Kraft im Kampf des Lebens, die strenge Selbstzucht, das unermüdliche Ringen nach den höchsten Zielen reißen immer aufs neue zu staunen­der Bewunderung hin. Mit mächtiger Wirkung trug Hof­schauspieler Porth Goethes Epilog zu Schillers Glocke vor und den Schluß der Feier bildete Schillers Nänie in der Komposition von Bernhard Scholz. Mit dem heute abend im Hoftheater zur Aufführung gelangten Wilhelm Tcll und einem daran anschließenden Epilog des heimischen Schrift­stellers Karl Hepp sand die Schillerseier in Tarmstadt ihren Abschluß.

Aus Frankfurt, 9. Mai, geht uns folgender Bericht zu: Nachdem gestern abend das Freie deutsche Hochstift eine. Feier abgehalten hatte, bei welcher Prof. Dr. Köster-Leipzig die Festrede hielt und nachdem ferner in zwei großen Versammlungen die organisierte Arbeiterschaft Schiller gefeiert hatte, fand heute mittag vor dem Schillerdenkmal die offizielle Feier der Stadt statt. Der Scknllerplatz war mit Guirlandcn und Festons festlich ausgcschmückt, die Häuser der Umgebung hatten Flaggen- schmuck angelegt, am Denkmalssockel batte der Magistrat einen Kranz niederlegen lassen mit der Aufschrift:Dem unsterblichen Sänger die Stadt Frankfurt a. M." Die Mitglieder des Frank­furter Sängerbundes, der Sängervercinigung und des Sänger­chors des Lehrervereins trugen unter der Leitung des Professors Fleisch die Scholz'sch-e Komposition der ..Nänie" vor, worauf Direktor Pros. Ernst Keller die Festrede hielt. Er betonte den Zwiespalt im Charakter der Feier, gemischt aus Wehmut über den frühen Tod deS Dichters und aus Stolz darüber, daß er unser eigen war. Die hundertjährige Wiederkehr seines Todes­tages möge zugleich ein Tag der Prüfung sein, ob wir wert sind, daß er uns geschenkt ward. Einer Würdigung deS Charakters des Dichters, namentlich seiner Freiheits- und Sr'ttlichfeitsidee, schloß der Redner die Mahnung an. treu zu dem Volkstum zu halten, dessen reinste Ideal- Schiller verkörperte, und mehr als es heute geschehe, im Schillerschen Sinne brn Blick ans das Ganze zu richten und aus die großen Ideale, welche die Menschheit vorwärts bringen. DerFestgesang an die Künstler" in der Vertonung von Mendelssohn beschloß die Feier.

Der Rhönklub in Fulda ließ am Abend des 9. Mai auf den kahlen Scheiteln der Berghäuvtcr in der Rhön Schiller- feuer anzündrn. Beim Festaktus aus der Wassersuppe hielt Psr. Dr. Trute aus Gersfeld dre Gedenkrede und dieLiedertafel" sang mehrere Lieder.

Einen schönen Ausdruck der Schiller-Begeisterung bildete in ter Hauptstadt des Heimatlandes des Dichters, in Stuttgart der von dem Bürgertum und den Vertretungen von Landwirtschaft. Gewerbe und Handel veranstaltete Festzug, der von großer malerischer Wirkung war und in dem das württembergische Win- zeraewerbe. die Landwir'fchast. das Bau- und Kunstgewerbe und viele andere Gew^rbezweig' dargestellt wurden. Die Varbeifahrt des Zuges, bei dem sich acht, zum Teil berittene und kostümierte Musikkapellen und ca. 50 Festwagen befanden, dauerte eine volle Stunde.

Schillers GeLurtsstadt Marbach beging den 9. Mai als Feiertag. Es wurde eine Schillerlinde gepflanzt und ein Huldigunqszug der Bürger mit verschiedenen Fcstwagen, bir Landwirtschaft, Handel und Grwrrbe darstellten, bewegte sich durch die Straßen der Stadt nach dem Schillerdenkmal. Der Abend brachte einen Fackelzug und auf dem Galgcnberge wurde ein Höhenfeuer abgebrannt.

Aus Weimar meldet man unS folgendes vom 9. Mai: Kn den Morgenstunden versammelte sich eine mehrere tausend Köpfe zählende Menge vor dem Rathause, um den Festzug zu sehen. Um 9 Uhr setzte sich dieser unter dem Geläute sämtlicher Glocken nach der Fürstengruft in Bewegung, nachdem vom Bal- kone des Rathauses Fanfaren erklungen waren und zwei Strophen des SchillerliedesFreude, schöner Götterfunken" gesungen wor­den waren. Im Zuge befanden sich ü. a. eine Deputation der Studentenschaft aller deutschen Hockschulen. Bergakademien und Universitäten, Vertreter der Gemeindebehörden. Regierungs-Ver­treter, die Mitglieder der deutschen Schillerstiftung und Abord­nungen literarischer Gesellschaften. In der Fürstengruft legten Staatsminister Rothe, der Direktor des Goethe- und Schiller- Archivs Prof. Suphan u. a. d-en Kranz der Stadt Weimar nieder, Prof. Suphan im Namen des Urenkel- Schillers, de- Frhrn. v. Gleichen-Rußwnrm, während die Abordnung der deutschen Stu­dentenschaft ebenfalls Kränze im Vorüberziehen niederlegten. Ansprachen wurden nicht gehalten. Heute mittag fand eine im- >*pntfe Huldigung vor dem Hoftheater an dem Doppels-andbild Schillers und Goethes statt. _ Dem Denkmal gegenüber unter einem Baldachin hatte der G r o n Herzog Plap genommen: außer­dem waren das Staatsminil erium, die städtiswen B-börden, Ver­treter der deutschen Studentenschaft, Deputationen und ein zahl­reiches Publckum erschienen. D.e Feier begann mit dem Gesang

eines vom Geh. Staatsrat Dr. Kuhn gedichteten Und vom Leipziger Kapellmeister Zöllner komponierten Hymnus. Hierauf hielt Prof. Dr. Scheidemantel eine kurze Ansprache, worauf bte Niederlegung zahlreicher Kranzspenden am Denkmal erfolgte. Die deutsche Studentenschaft defilierte am Großherzoge vorüber. Am Abend wurden im HoftheaterDemetrius" und dasLied von der Glocke" aufgeführt. .

Aus Jena liegt uns vom 9. Mai folgender Bericht vor: Nachdem gestern in der Literarischen Gesellschaft Universitäts­professor Schlösser über Schillers Beziehungen zu Jena ge­sprochen hatte, fand heute die Bekränzung deS Denkmals des Dichters im Schillergarten durch Abordnungen der Universität der Studierenden, der Stadt und anderer Körperschasten statt, wobei der Oberbürgermeister Singer eine Ansprache hielt. Heute vormittag ertönte daS Geläute aller Kirchenglocken. Heute mittag fand die Feier der Universität statt. Prof. Michels ge­dachte Schillers Bedeutung für die Universität. Am Wend sand eine allgemeine Festfeier im Volkshause statt, welche in Musikaufführungen unter der Leitung des Professor.Naumann und dem Vortrag Schillerfcber Dichtungen bestand. Die Festrede dielt Professor Eucken. In dem NackBarorte Meningen- Jena, in dessen Kirche Schiller einst getraut wurde, ist ein Schiller-Denkmal enthüllt und eine Schiller-Linde gepflanzt wor­den. Am nächsten Freitag werden auf Befehl des Herzogs von Sackisen-Meiningen die Meininger Hofschauspr'eler in dem Jenaer TheaterKabale und Liebe" als volkstümliche Vorstellung geben.

Die Schiller-Feier der Universität Berlin ging , im kgl. Overnhause vor sich. Um 11 Uhr erschien der Kronprinz zu dessen Begrüßung das gesimte HauS sich erhob. Der Feier wohnten ferner bei der Reichskanzler Graf ti. Bülow mit Ge­mahlin. Minister Dr. Studt, Eisenbahuminister v. Budde und Staatssekretär v. Tirpitz. Als der Vorhang emporging, erblickte man die Kolossalbüste Schillers, aus grünem Lorbeerhaine em­porragend. Banner und Standarten, von Chargierten der Korps und Burschenschaften gehalten, überragten den Opcrnchor. der durch Studierende verstärkt war. Unter Kapellmeister Dr. Mucks Leit­ung ertör^ zunächst die Schillersche Dithyrambe in Bruchs Ver­tonung : hierauf hielt Professor Erich Schmidt die Festrede. Das Reiterlied ausWallensteins Lager", von dem.Chor der Studierenden vorgetragen, beschloß die Feier. Um Mittag sand am Scbiller-Tenkmal vor dem kgl. Schauspielhause die Scbiller- feier der Berliner Bürgerschaft statt. Ueber 20000 Personen mögen bei der Feier zugegen gewesen sein. Auf der großen Freitreppe dis Schauspielhauses batte ein Chor von 1500 Schulkindern Aufstellung genommen. Gegen 12Vs Uhr leitete Glockengeläut die Feier ein. In langem Zuge kamen die Chargier­ten der Studentenschaft mit ihren.Bannern von per akademischen Feier im Opernhause und gruppierten sich gleichfalls auf der Freitreppe. Eine Fanfare von Militär-Musikchören eröffnete den Festakt, worauf von 600 Sängern des Berliner Sängerbundes unter Leitung des Prof. Felix Schmidt der Mendelsohnsche Fest­gesang au die Künstler angestimmt wurde. Nach der von dem Musikchor unter Leitung von Professor Roßberg gespielten Tell- Ouverture sang der Kindcrchor das LiedAn die Freude" und dasElensisckie Fest". Tie Festrede hielt der auch als Schrift­steller bekannte Bürgermeister Reicke, der etwa ausführte: Wir feiern nicht einen Historiker oder einen Gelehrten in Schiller, sondern einen Wegweiser, Führer und Erzieher des Volkes: zu Kunst, Sittlichkeit und Freiheit, zum Schönen und Guten hat der Dichter uns den Weg gewiesen. Die Kampfe des täglichen Lebens schläfern die Seele ein und machen sie unem­pfänglich für Schönes und Edles: da tritt der Dichter und Künstler auf den Plan, ackert mit dem Pfluge der Leidenschaft die Seele aus und macht sie empfänglich. Wir wollen nicht aufhören, im Namen Schillers in Selbstzucht und Arbeit mit Liebe und Be­geisterung zu kämpfen, dann wird der deutsche Manu für keinen von uns umsonst gelebt haben Das walte Gott? Die philo­sophische Fakultät zu Jena ernannte Herzog Georg von Meiningen und den genialen Bildhauer Rodin in Paris zu Ehrendoktoren.

In Wiesbaden wurde in den Kuranlagen vor dem Kgl. Theater das von Prof. Uphues entworfene Schiller-Denk- m a l enthüllt.

In der Festhalle zu Karlsruhe fand eine Schillerfeier statt, zu welcher das großherzogliche und erbgroßherzogliche Paar erschienen waren. U. a. kam ein Festspiel von Chefredakteur Albert Hertzog, zu welchem Professor Keller einen stimm­ungsvollen Bühnenraum geschaffen hntb' zur Ausführung. In der Sterbestunde Schillers wurden alle Glocken geläutet.

Auch aus Auslande gingen uns zahlreiche Berichte über Schillerfeiern zu. So wurden z. B. in russischen Ostsee- Provinzen und in Moskau Schillerfeiern veranstaltet. In den deutschen Schulen von e t e r sbu r g sanden Festausführ­ungen statt. Auch die russischen Bühnen ehrten den Dichter durch Aufführung seiner Dramen. Rußlands illustrierte Zeit­schriften und viele Zcitungsbrilagen brachten auf den Schiller- gedcnktag bezügliche Zeichnungen und Aussätze.

In Hermannstadt und allen von Sachsen bewohnten Städten Siebenbürgens wurden großartige Schillerfeiern veranüaltet. In Schäßburg wurde im Hofe des Gymnasiums eine Schiller-Linde gepflanzt.

In Laibach kam cs infolge cme? Hetzartikels eines slawi­schen Blattes während der Schillerstier in der Realschule zu einer wüsten Demonstration. Eine Anzahl Slowenen versuchte unter Johlen und Schrei n die Feier zu stören. Polizei mußte einschreiten und die Dcmonüranten zerstreuen.

Auch in Japans Hauptstadt Tokio hat eine Sckiiller-Feier rtpttnefunbcn, und zwar am 8. Mai in der deutschen Gesandtschaft. Bros. F-rorrenz hielt die Festr-ae. Japanische Studenten, der Minister für Unterricht, der Präsident brr Universität und andere hervorragende Vertreter der Kunst und Wissenschaft wohnten der Feier bei. Am 9. Mai hielten die japanischen und die deutsche Schule in ToUo eine Gedenkfeier zu Ehren Schillers ab.

Aus Slsdl und Kund.

Gießen, 10. Mai 1905.

** Personalien S. K. b*^ Großherzog haben hem Rentner Dr. jur. Bernbard Schröder aus Darmstadt aus Anlaß seines Ausscheidens aus der ehrenamtlichen Stellung eines AusschußmitgliedeS des Laudesgewerbevereins die Krone zum Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. In den Ruhestand wurde versetzt die Lehrerin an der Volksschule zu Mainz Sophie Herke auf ihr Nachsuchen unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste. Uebertragen wurde nm 3. Mai b. I. dem S lillehrer Weber zu Dannenrod, im Kreise Alsfeld, die Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Deckenbach, in demselben Kreise. Am 5. Mai d. I. wurde bflr Fincmzakzessist Fourier au§ Butzbach zum Regierungs- asscssor ernannt.

** Hnndesperre. Auf cn uns ergangen* Anfragen weisen wir nochmals ausdrücklich darauf hin. daß bi* am 22 Mär' d. I. nug-orduetc Hnndef^erre sich selbstverständ­lich auch aus die Gemarkung Schi ff en berg erstreckt. Das Polizeipersonal ist, wie aas Gr. Polizeiamt mitteilt, mit d*r Feststellung beauftragt, ob auch in der G^ma^kuna Gi-ßen einschließlich der G*m^rfung Schiffende.g die streng zu beachtenden Besiin.mm-An der Hundesperre veobachtct werden.

** Eckhard. In der ,Boss. Zig 11 wird dem im patriorchalischen Alter von 83 Jahren dahingeschiedenen her­vorragenden Physiologen der Gießener Universität folgender Nachruf gewidmet:

Konrad Eckhard der in 65reisen gestorben ist, war der a l t e st e der ordentlichen Professoren der Physiologie an

den Universitäten de? deutschen Sprachgebietes Seine wisienschastlichen Ansangsjahre reichen noch in die Zeit zu­rück, wo die Physiologie dank der Arbeit Johannes Müllers und seiner Schule der beiden Weber^ Tnrkinjes u. a. den vollen Eya- ratter einer 'exakten und vorwiegend experimentellen Wissenschaft annahm. Dreien der Rkänner, denen mit dieser grundlegende Wandel zu verdanken ist, Johannes Müller, Karl Ludwig und Ludwig Fick stand Eckhard als Schüler und den letzteren beiden später auch als Gehülse nahe. Eckhard hat sich unter vielen Mühen den Weg zur wifsenschastlichen Laufbahn erschlossen. Er war, ehe er Medizin zu studieren begann, Lehrer, (undzrvarDolksschul- l e h r e r in seiner Heimatstadt Homberg a. d. Elze. Tie Red. d. Gieß. Anz.) In Gießen legte E. alle Staffeln der akademischen Laufbahn zurück. Zuerst Privatdozerit und Prosektor wurde er nach der Berufung Bischoffs nach München 1855 außerordentlicher Profeffor. Später wurde ihm in der Eigenschaft als ordentttchem Profeffor der Doppellehraustrag für Anatomie und Physiologie (beide Disziplinen ivarcn damals noch» im Unterricht vereuugl) übertragen. Verhältnismäßig sehr spät, erst 1891 wurde die Dopvelprofessur geteilt. Eckhard behielt den Unterricht m der Physiologie bei. Zu Anfang seines wisienschastlichen Schaffen- be­trieb Eckhard unter dem Einfliisie Johannes Alütlers vorwiegend vergleichend anatomische Studien. In Mullers Anstalt entstand Eckhards erste Arbeit, über daS Zungenbein der Säugetiere. Es folgten mikroskopische Untersuchungen über die Hautdrüsen der Kröten. Dann ging Eckhard zu erperimentell-phystologischen For­schungen über. Ihre erste Frucht war ein Beitrag, zu dem viel umstrittenen Hauptstück von der Wirttlnq bes Nervus vagus, barm widmete Eckhard lange Zeit seine Arbeit der allgemeinen,Bhysto- logie der Nerven. Im einzelnen stellte er Untersuchungen über die Eiliwirttrng der Temperaturen deS Wassers auf die motorischen Nerven des Frosches, über die chemische Reizung dieser Nerven, über die Reflexbewegungen der vier letzten Nervenpaare des Fro­sches, über die Beziehungen der Nerven zu der Milchabsonderung, der Harn- und Speichebildung u. a. m. Aus der einvrmgllchen Beschäftigung mit diesem Gebiete ging EckhardsExperimental- Physiologie des Nervensystems", eine zilsammen'affeiide Darstellung dieses Hauptstückes, hervor. Die allgemeine Physiologie bereicherte Eckhard durch Studien über Filtration u»h HydrodiffuNon. Ab­seits von der vorherrschenden Studienrichtung Eckhards liegt eine Arbeit über die Entwicklungsgeschichte der Herzmuskulatur. Zu vermerken bleibt noch Eckhards »Lehrbuch der Anatomie des Menschen".

* Eine Schillerseier de8 hiesigen Regiments. Wie wir hören, ist des gestrigen SchillertageS auch bei unserem hiesigen Infanterieregiment gedacht worden. Bei der Parole­ausgabe gestern nachrnittag wurde jedem Soldaten des Regi­ments eine eigens für diesen Zweck hier gedruckte Broschüre überreicht, worin auf Schillers Schöpfungen, die den Wehrstand, daS Soldatenleben unb die Vater­landsliebe behandeln, hingewiesen wird. U. a. sind in der Schrift das Gedicht »Die Schlacht" und einzelne Stellen ausWallensteins Lager" abgedruckt.

**Vom hiesigenRegiment. Nachdem die Bataillone deS hiesigen Regiments in der vorigen Woche vom komman­dierenden General des 18. Korps inspiziert morden sind, be­geben sie sich am 15. Mai auf den Griesheimer Exer» z i e r p l a tz bei Darmstadt. Dort finden größere Schießübungen und das Bataillonsexerzieren statt.

)(» Die erste diesjährige KreiSvorturner^ stunde fand am Sonntag, den 7. Mai in Darmstadt statt. Sie war diesmal von besonderer Bedeutung, denn mit ihr siel der Schluß des ersten Kursus zur Ausbildung von Turnwarten des Mittelrheinkreises zusammen. Schon vor einigen Jahren wurde eine Kaffe gegründet, um diesem wichtigen Punkt mehr Aufmerksamkeit schenken zu können. Der diesjährige erste Kursus war von 17 Teilnehmern aus 12 Gauen besucht. DaS Schlußturnen zeigte ein sehr er­freuliches Resultat. Es gab ein Bild der verschiedensten turnerischen Ucbunqen: Ordnung?-, Frei-, Stab-, Keulen- unb Geräteübungen, alles in methodischem Ausbau, zum Teil mit Nttisikbegleitung. Die Gauturnwarte traten zu einer Nebungsgruppe mit Schraubensoreizen am Seitenpferd und zum Keulenschwingen als Vorbereitung für das nächste deutsche Turnfest in Frankfurt a. M. an. Bei dem sich anschließenden Kreisvorturnertag wurden die Anträge des Turnausschusses auf Erhöhung der Punktzahl bei Freihoch ohne Brett, Frei- weit ohne Brett und Sturmlaushoch mit der Abänderung angenommen, daß bei der zweiten Hebung 2,60 Meter die obere Grenze sein soll.

(?) Nieder-Mockstadt, 9. Mai. Heute mittag gegen 1 Uhr ertönten hier die Sturmglocken. Bei Landwirt Theis brannte die Scheuer nieder. Der rasch herbeigeeilten Feuerwehr von hier und Ober-Mockstadt gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken.

sc. Vilbel, 9. Mai. Ein mit Vasaltsteinen schwer- beladenes Fuhrwerk des Fuhrunternehmers Sips auS Frank­furt a. M. nahm am oVilbelerberg" eS fuhr in der Richtung nach Vilbel ein sehr rasches Tempo an, sodaß der Lenker de§ GesährstS, der 43jährige Fuhrmann Franz Schuler aus Kreuzthal in Unterfranken heruntersiel. Er kam mit dem Kopf unter die Räder und war sofort eine Leiche.

Offenbach, 9. Mai. Ein furchtbares Unglück bat sich h*ute mittag auf b*r Lokalbahn zugetragen. Mit dem 12 Uhr-Zug war nach Bcendigung der Schillerfeier in der hiesigen Göethescbule der 13jährige Schuler Löffler nach Sachsenbausen, wo er wohnhaft ist, abgefahren. Als der :-tttg 12 Uhr 10 Min. in der Stetion Sachsenhausen Einfuhr, sprang Löffler zu früh ab, ehe der Zug hielt. Er alitt dabei auS und fiel unter die Räder, sodaß drei Wagen des Zuges ibm über die Oberschenkel gingen. Das eine Bein wurde ihm völlig abgefahren, das andere hing nur noch lose am Körper, ^er Unglückliche, der trotz der furchtbaren Verletzungen zeitweise noch bei Bewußtsein war, wurde ins Frankfurter Krankenhaus verbracht. Sein Zustand ist UörTig hoffnungslos.

Oberbiel, 7. Maü Vorgestern entstand int Herren­haus der FabrikEisenwerk Lah< Feuer, dessen Encstehungsuriache nicht begannt ist. Ta'kr^ftta fchrttt^schm:lr die hiesige Feuerwehr ein und die Fabrikarbeiter stellten sich sofort ganz in ihren Dienst. Balo war daher das ent- fesseste El-ment in seine Schranken zurückgewiesen. kW. A.)

* Kleine Mitteilungen trtt $ Hessen unb den Nachbarstaaten'. Tie Wasierkalamität der Stadt Bingen ist gehoben. Die Bohrungen in den Nbeinwiefen zwischen Gauls- heini und Gau-AlgeSheim hatten Erwlg. In verbältmSmäßiq geringer Ticte wurden in zwei Schachten Wasiermengen gefordert, welche allen gesundbeiilicheii^ Anforderungen genügen und außer­dem auf lange hinan- die Stadt mit dem nötigen Quantum ver­sehen können. In Oberbiel bei Wetzlar überfuhr, wie un­berichtet wird, ein Rcidlahrer einen Knaben, der sich durch den Fall einen Oberschenkelbruch fintog. Ob den Radfahrer eine Schuld trifft, dürfte noch festgestellt werden.- Tie Königin-Witwe Marguerita von Italien trifft am 18. Mai in Wies­baden ein. Der Kaiser will die Königin bei ihrer Ankunft dortselbs! begrüßen und dieS ist auch der Grund, weshalb der Kaiser zu der am 18. Mai in Aussicht genommenen Einweihung icht nach Frankfurt fontmeit kann.