Ausgabe 
8.3.1905 Drittes Blatt
 
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er zahlt jährlich 2000 Mk.

G. Büdingen, 7. März. Einen ungeahnten Auf­schwung haben in diesem Jahre die karnevalistischen Veranstaltungen in unserem Städtchen genommen. Am Sonntag fand eine große Damen- undHerren-Sihung unter der Beteiligung einer Abteilung dec 115 er Kapelle statt. Am gleichen Abend mar großer Maskenball mit Preis­verteilung. Heute wurde eine Herrensitzung sowie ein Kappen­abend veranstaltet. Der geplante Zug ist leider wegen der geringen Beteiligung in pekuniärer Hinsicht nicht zur Aus- ührung gekommen.

Frankfurt, 6. März. Eine der hervorragendsten Er­scheinungen der neueren Zeit sind die großblumigen Varietäten derAmaryllis", die wir in der Blütengallerie des Palmen- garte ns jetzt in schönster Ausbildung gruppiert sehen. Prunkend und herausfordernd treten diese stolzen Blumen auf, die in ihrer Farbenpracht, in der Leuchtkraft der ein­zelnen Töne und in ihrer Größe allgemeine Aufmerksamkeit erregen. Das Ganze macht einen prächtigen Eindruck auf dem grünen Hintergrund. Eine andere, weniger der Mode unterworfene Psianze ist der Flieder, der immer beliebt und in gefüllten sowie einfachen Varietäten vertreten ist. Schöne Hyazinthen in reichem Sortiment, Schneeglöckchen, Primeln und Tulpen sind alte Bekannte, denen wir in dieser Jahres­zeit gerne begegnen. Ständige Verbesserung erfahren auch die Alpenveilchen, von denen in den neuen Pflanzenhäusern im Anzuchtgarten noch schöne Exemplare zu sehen sind. Von den Begonien blüht jetzt sehr reich die Manschettenbegonie, B. manicata, mit zahlreich verästelten Stempeln und hübschen rosafarbenen Blütchen. Wir werfen dann noch einen Blick in dieVermehrung", wo man beobachten kann, in welch müh­samer Weise alles das herangezogen wird, was den Besucher im Laufe des Jahres durch Blätter und Blüten erfreut.

Kleine Mitteilungen aus Hessen Und den Nachbarstaaten. Die Familie Adam Mueller'Netscher schenkte der Stadt Eltville ihr Grundstück nebst Villa und Nebengebäuden int Werte von 170000 Mark und 20 000 Mark in bar zur Errich­tung eines Krankenhauses. Die städtischen Behörden haben dieses Geschenk angenommen. Am 2. und 3. Juli d. Js. feiert der KriegerveremHassia" Leihgestern sein 31 jähriges Stiftungsfest. Der Verein hat um Verleihung der Kaiserschleife nachgcsucht. Am Sonntag wurde in Reiskirchen ein Sängerbund unter dem NamenVolkssängerbund Chattia" gegründet, der aus 10 Vereinen der hiesigen Untgegend besteht und sich zur Hauptausgabe die Pflege des Volksliedes gestellt hat. Bei einem Privatmann in Mainz wurde ein Einbruch verübt; es wurden nahezu 14,000 Mark ge­stohlen. Als der Einbrecher wurde ber eigene Sohn des Bestohlenen von der Polizei ermittelt.

Südwestasrika.

Wie diePost" erfährt, werden die in den nächsten Lagen dem Reichstage zugehenden dritten Nachtrags­etats für Südwestafrika enthaltenen Forderungen sich zum weitaus überwiegenden Teil auf militärischem Gebiet bewegen. So befinden sich in dem Etat die Kosten für das Bataillon von Kampty, für zwei Feldtelegraphen-Abteilungen, eine Funken-Telegraphen-Abteilung, das besondere Etappen- kommando für den Süden und mehrere Proviantkolonnen- Abteilungen für den Süden. Wahrscheinlich werden in diesen Etats auch die beiden Depeschenboote figurieren, die in Kap­stadt gemietet worden sind und die zwischen Lüderitzbucht und Swakopmund fahren sollen.

Ein amtliches Telegramm aus Windhuk meldet: Jn- /endanturrat August Drewes, geboren 1869 zu Dietrichsdorf, ist am 23. Februar an Bord des Dampfers Vergranow" plötzlich verstorben. Reiter Bergemann verirrte sich 15 Kilometer nördlich von Dabiz beim Ochsen­tränken und wird seit dem 15. Februar vermißt. Gefreiter Hilscher wurde im Gefecht bei Gochas am 5. Januar durch einen Schuß in die linke Schulter leicht verwundet.

Aas Ktadt und Lm»d.

Gießen, den 8. März 1905.

* Der Lehrer-Turnverein für das Groß­herzogtum Hessen hält im Laufe dieses Jahr hier seine Hauptversammlung ab. Am Samstag hatte der hie­sige Bezirksverein eine Turnstunde mit anschließender Ver­sammlung, der auch Landesturninspektor E. Schmuck bei­wohnte. Es wurde hierbei ein vorläufiges Programm be­sprochen. Danach besteht die Absicht, gelegentlich der Haupt­versammlung eine Uebersicht über das jetzige System des Volksschulturnens zu geben. Zu diesem Zwecke sollen mehrere Volksschulklassen Gießen und der umliegenden Orte im Turnen vorgeführt werden. Voraussichtlich beteiligt sich auch die Präparandenschule zu Lich an diesem Schauturnen.

* Das hessische Eisenbahnnetz. Aus einer statistischen Zusammenstellung in derDarmst. Ztg." ergibt sich, daß das Großherzogtum Hessen von allen größeren deutschen Bundesstaaten das dichteste Eisenbahnnetz hat. Cs

Verrnischres«

* Köln, 6. März. In dem Restaurant Konrad brach Feuer aus, als das Lokal mit Karnevalgästen an gefüllt war. Während die Menge auA den hinteren Restau­rationsräumen flüchtete, stürzte der Kronleuchter von der Decke herab. Eine Gasexplosion entstand und setzte die ganzen Parterreräume in Brand. DaS zahlreiche Polizei­aufgebot konnte nur mit Mühe eine Panit verhindern. Tie Feuerwehr löschte nach mehrstündiger Arbeit Feuer, das große Verwüstungen anrichtete.

* Graf Guicciardini richtete ein Schreiben an mehrere Blätter, in d-ern er erklärt, daß sein Verkehr mit der Gräfin Montignoso streng konventionell gewesen sei und daß sich der ganzie Skandal auf Vermutungen ein­zelner Bediensteten gründet, welche verhetzt und aufgestacht?tt worden seien. Dieser gauy plunrpe Schwindel lasse er-

DalttMe Tagesschau.

Deutschland ohne Kavallerie!

Die Budget koni ui iis i o u des Reichstages oe- «mn am Dienstag die Spezialberatung der Vorlage betr. oie Frieden s pr a s en z st ä r k e des Heeres. Tie Msttmmung über die geforderte Stärke der Infanterie von 633 Bataillonen wurce ausgesetzt. An Stelle der geforderten 510 Eskadrons Kavallerie beantragt der Referent Roeren, nur 500 zu bewilligen, -oct Der Abstimmung werden zunächst die 5 10 E s k a d r o n s mit 16 gegen 70 Stimmen, gegen die Stimmen der Konservativen^ und Der Nationalliberalen, abgelehnt. Sodann wurde die Forderung von 500 Eskadrons, da Konservative,und NationIlliberale dagegen stimmten, mit allen gegen die (Stimmen des -o^mrumo gleichfalls gestrichen. Danach aber wäre das deutjwe Reick ohne alle Kavallerie. Aie für die

Feldartillerie eine Mehrforderung wurde debattelos genehmigt, ebenso nach kurzer Erörterung die Melmorderung für die Fuß- artillerie um 2 Bataillone.

Es besteht nun ein hoher Grad von Wahricheinlichkeit, daß das Zentrum bei der entscheidenden Abstimmung rm^Plenum: an dem von den Abgg. Roeren _intb Grober gswmll^en Abstrich von 10 Eskadrons festhält, sofern die Militärverwaltung sich nübt entschließt, die ganze Vorlage auf ein ^>ahr zurückzustellen. Eine entsprechende Anregimg ist gleich zu Beginn der Kmnmigion.- beratung wiederum vom Zentrum gegeben worden. Doch man muß aereckterweise hinzufügen, baß, die Regierung c» selbst verlchuldet hat, wenn das Parlam^it auf solchen Ausweg bEist Sie hat von der lebten Heeresforderung 7 00 0 Mann sich streichen lasten und' mit diesemManko" nicht nur für die Miuer des Quinauennats, sondern noch ein weiteres Jahr auskömmlich ge­wirtschaftet. Es ist also dem Reichstag am Ende nicht zu ver­denken wann er das von der Militärverwaltung ms r)-eld ge­führte Motiv der Dringlichkeit nicht ohne weiteres respektiert. Insofern hat der Vorgänger des Generals v. Einern diesem die Stellung dem Parlament gegenüber erschwert.

Das internationale landwirtschaftliche Institut.

Der Vorschlag des Könias von Italien, in Rom eine inter­nationale LandwirtschÄftskammer eiuzurichten,, steht unter dem Zücken der internationalen Verbrüderung mit der Beimischung der Idee der Förderung des Friedens. In Italien kann das Institut sehr wohl der dort noch sehr im Argen liegenden Land­wirtschaft, die von rationeller Tätigkeit sehr wenig Ahnung hat, aushelsen. Bei uns in Deutschland aber liegt es doch sehr wesent­lich anders, und wir dürfen wohl annehmen, daß Inland sowohl wie Ausland ein wenig überrascht sein werden von den dcmnachstigen Leistungen unserer Landwirtschaft, nachdem sie im Körnerbau und in der Viehzucht ganz besonderen Schutz erhalten haben wird. Daraus dürfte nebenbei ein inländisches Verbraucho- gebiet für Jndustrieerzeugnisse entstehen, das eine nicht unerheb­liche Mehrerzeugnisse aufnehmen kann, und zwar zu den guten Inlandspreisen. _ , . . .

Von größter Wichtigkeit wäre bei den Arbeiten des inter­nationalen Instituts in Rom zunächst die wirksame Verhin­derung des jetzt üblichen Mordens der Singvögel und sonstigen nützlichen Insektenfresser, das int Italien immer noch beliebt wird. So lange die italienische Be­völkerung und der italienische Staat diese große Quelle der Schädigung nicht nur ihrer eigenen Landwirt­schaft, sondern noch viel mehr der der nördlich davon gelegenen Länder nicht abstellen können, haben sie keine Berechtigung, i'm internationalen Schutz der Landwirt­schaft mitzureden. Möglicherweise hat der König seine Idee nut unter dem unausgesprochenen Gedanken vorgebracht, aiu ine]em im ganzen vielleicht sehr erfreulichen Umwege seiner Bevölkerung den notwendigen Schutz der Vögel leichter plausibel machen zu können, wenn eine hohe internationale Behörde solchen verlangen würde.

Bayrische Bauern und das Landtagswahlrecht.

In Jngelstadt fand dieser Tage die Generalverfarmn- /ung des Bauernvereins für das nördliche Oberbayern statt. Sie beschloß einmütig, an die Staatsregierung das Ersuchen zu stellen: 1. das Wort des Ministers Grafen Feilitzsch einzulösen, kleinere Wahlkreise zu bilden, weil große Wahlkreise das Wahlrecht der ländlichen Bevölkerung sehr gefährden, da in denselben Wahlmänner oft zwei Tage unterwegs sein müssen; 2. auch hinsichtlich der Urwahlbe­zirke liegt es im Interesse der ländlichen Bevölkerung, das Wahlrecht derselben dadurch zu erleichtern, daß da, wo mehrere Gemeinden zusammen wählen müssen, dort kleine Urwahlbezirke gebildet werden. In solchen Fällen soll daran fest-gehalten werden, daß die kleinsten zulässigen Wahlkreise gebildet werden, damit nicht Hunderttausende von länd-- lichen Wählern ihr Wahlrecht nicht ausüben; 3. wir glauben hoffen zu dürfen, daß die Wahlen für die Urwahlen in eine Zeit gelegt werden, in welcher die landwirtschaftlichen Ar­beiten weniger dringlich sind, da in einer anderen Lösung erfahrungsgemäß»eine sehr fühlbare Beschränkung des rechts der ländlichen Bevölkerung erstehen würde.

kommen hier nämlich auf 1000 Q-m. Bobenfläche 170,77 Km. Eisenbahnen; in Sachsen dagegen nur 167, Rheinprovinz 159, Westfalen 149, Hannover 84,2, Baden 129,59 Km. und im ganzen Deutschen Reiche durchschnittlich nur 108,25 Km.

** A u s e i n e m A u f r u f z u r B c g r ü n d u n g eines BundesH e i m a t s ch u tz" sei folgendes mitgeteilt:Wir haben nicht die törichte Absicht, die außerordentlichen Er­rungenschaften der Gegenwart auf praktischem Gebiet zu­rückdrängen zu wollen. Wohl aber dürfen wir einen Aus­gleich anstreben zwischen jener herzlosen Ausbeutung des Heimatbodens und den Forderungen des Gemüts, dessen Wurzeln keine Lebensnahrung mehr finden Warden, wenn wir in gleichem Maße fortfahren, die Schönheiten des deutschen Landes achtlos zu vernichten. Würden wir diesen Ausgleich nicht finden, so wäre das gleichbedeutend mil­der Zerstörung des besten und bedeutungsvollsten Teiles unserer Kultur. Manches zswar geschieht schon zur Besser­ung. Als Anfang staatlicher Fürsorge ist zu begrüßen das Gesetz für Denkmalschutz im Großherzogtum Hessen, in dem auch die landschaftliche Natur Berücksichtigung 'indet. Aber es fehlt an einem Zusammenschluß aller vereinzelten, ähnlich gesinnten uüd strebenden Elemente^ der in ihnen das Bewußtsein weckte von dem gemeinsamen Ziel, das es zu erreichen gilt, und das in dem Worte Heimatschutz" umfassenden Ausdruck finden würde. Schaffen wir also einen sich über ganz Deutschland er­streckenden Bund aller Gleichgesinnten, denen es darum zu tun ist, deutsches Volkstum unbeschädigt und unverdor­ben zu erhalten, und was davon unzertrennlich ist: die deutsche Heimat mit ihren Denkmälern und der Poesie ihrer Natur vor weiterer Verunglimpfung zu schützen!. Immer­hin bleibt für die private Tätigkeit noch eine reiche Fülle von Anlässen übrig, um ergänzend und helfend einzugreifew Tas Arbeitsfeld wäre demnach in die folgenden sechs Gruppen zu teilen: 1. Denkmalspflege. 2. Pflege der überlieferten ländlichen und bürgerlichen Bauweise; Er­haltung des vorhandenen Bestandes. 3. Schutz der land­schaftlichen Natur einschließlich der Ruinen. 4. Rettung der einheimischen' Tier- und Pflanzenwelt, sowie der geo­logischen Eigentümlichkeiten. 5. Volkskunst auf dem Ge­biete der beweglichen Gegenstände. 6. Sitten, Gebräuche, Feste und Trachten. Für jede dieser Gruppen soll ein besonderer Leiter ernannt werden, dem ein Geschäftsführer und eine Anzahl von Vertrauensmännern zur Seite zu stellen sind usw. Der Ausruf, zu dessen Unterzeichnern: auch Prof. Felix Dahn, Prof. Harnack-Berlin, Geh. Ober- baurat Hofmann-Dai'mstadt, Peter Rosegger, P. Schultze- Naumburg, Hans Thoma gehören, schließt wie folgt:Und so wenden wir uns an alle, die Herz und Sinn haben für unser teures Vaterland, an den Städter wie an den Land­mann, an das Alter, dessen Erinnerungen in dem Deutsch­land von ehemals leben, an die Jugend, die den Wider­spruch zwischen dem Land der Dichtung und dem Land der Wirklichkeit dunkel empfiirdet, an den Pfarrer, dem Lehrer, den Künstler, dessen Jungbrrmnen verschüttet zu werden droht, an alle Stände und Berufsarten, damit sie sich mit uns vereinigen zum Schutz der deutschen Heimat."

4. Hungen, 6. März. Die 6000 Morgen umfassende Feld- und Waldjagd wurde gestern zum zweiten Male verpachtet; Höchstbietender war Poppelbaum-Frankfurt;

kennen, welchen Machienschiaften die Gräfinzum Opfer fallen ist und wie weit dieselben zurückreickn mögen.

Budapest, 7. März. Der Hausbesitzer D arm ft ä fetet wurde von seinem 32jährigen Sohne mit inetn Messer überfallen und schwer verletzt. Der Mer riß sich los, holte einen Revolver und gab auf den inzwihen von Haus­genossen und Polizisten festgenommenen Soh zwei Schüsse ab, die diesen sofort töteten. Der Vater mgt mit dem Tnde. Die Ursache waren Geldforderungen ds Sohnes.

» Verbrecherstudien eines Schauspelers. Sehr ernst nimmt anscheinend der sranzösisehe Sckuspieler Max Drarly seinen Beruf. Er hat im Pariser CbL'let inTom Pitt, der Räuberkönig", die Hauptrolle zu spiien, und um darin genügend echt zu sein, hat er, wie erzähltwird,unter bem Schutze eines englischen Lords" im Londorr East End Studien unter Verbrechern gemacht. Er hatte einmal auch zum Mittagbrot eine Anzahl Taschendiebe eingetoen und sah nun, wie sich einer von ihnen die Tasche mit Eiwaren voll- stopste. Darauf nahm Drarly ruhig eine Wasscflasche, goß deren Inhalt in die Tasche nach und sagte:Ou hast jetzt genug zum Essen, alter Bursche, nun mußt Du auch etwas zum Trinken dazu bekommen."

Eisenbahncrausstand und Eisenbahnmsall in Newyork.

Die Angestellten der Verbindungsbahnen ttt Newyork sind am 7. d. M. auf den Unter-rund- und Hochbahnen in den Ausstand getreten infolge der Weigerung der Verwaltung, die Forderungen zu bewilligen. Dr Ausstand erstreckt sich auf 5000 Angestellte und hemmt fast den ganzen Verkehr, sodaß es für viele Stadtbewohner der uneren Stadt unmöglich ist. zur richtigen Zeit die Osefchäftsstellen u erreichen. 3000 Polizeibeamte bewachen die Stationen der Untegründ- und Hochbahnen. Tie Züge sind mit neuem Personal lesetzt. Nach 4 Uhr morgens wurde dem Publikum gestattet, auf dn Unter­grund- und Hochbahnen auf eigene Gefahr zu fahren. Abteilungen von Ausständigen stehen an den Eingängen zu den Stationen und warnen die Fahrgäste vor dir Fahrt, die infolge der Unerfahrenheit der Man r schäften gefährlich sei. Nach 8 Uhr besserte sich die £<ge auf der Untergrundbahn. Tie Züge verkehren häufig, auch fchren einige Schnellzüge.

Unerfahrene Motorführer verursachten aber doch eine Kolli» sion in einem Tunnel. Einer Frau wurde der Kopf vom Rumpfe getrennt, ein Mann wurde er bückt und 20 V er so nm wurden schmor verleyt.

Kunst und Wissenschaft.

Wien, 7. März^ Im Raimund-Theater verlief die Uraufführung von A!damus' DramaSchneVz der Nibelungen" sehr stürmisch, brachte aber in der Haupt­sache Erfolg. Das Thema behandelt die Schicksale eines jüdischen Studenten, der kerndeutscher Gesinnungl nach in eine alldeutsche Verbindung eintreten will mid trojl augenblicklicher Verleugnung seines Vaters ausschcidcn muß. Die Genre-Szenen sind gut, das'Stück selbst ist schwach.

Htü^iverstiäts-Pachrichten.

Das Studium der Theologie in Deutschland. Die Zahl der immatrikulierten kathol. Theologie-Studenten beträgt insgesamt 1701 (gegen 1792 im Sommer 1904 unb 3672 im Winter­semester 1903/04). Jlmen stehen gegenüber 2136 Studierende bet evangelischen Tbeologie, Berlin hat die stärkste Fregnenz (335), e? folgen Halle (309), Leipzig (293), Tübingen (250), Erlangen (150), Marburg (117), Göttingen '105), Greifswalb (85', Bonn (77), Gießen (76), Breslau (65), Heibelberg (59), Straßburg (53), Königsberg (53), Jena (38), Rostock (37), nnb Kiel (32k

Dresden, 6. März. Tas hiesige Schwurgericht verurteilte den Gelbbriefträger Hermann Pribus wegen ver­suchten Gattenmordes zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Er hatte wiederholt seiner Frau Kamilla, einer ehemaligen Gouvernante, Arsenik in die Speisen und in den Kulree aemisch-t.

Fandet und Werkefir. ^olkswinschaft.

Lokomotiven iiir Javan. Eine amerikanische Firma erhielt ben größten Teil eines Auftrags auf 152 Lokomotiven für bie japanische Regierung. Es sei bies ber größte Abschluß in Lokomotiven, ber je in ben Vereinigten Staaten mit einer fremben Regierung vollzogen worben ist.

Deutsche R e i ch s b a n L Der Geschäftsbericht ist nun er» schienen unb bie Gesamtbivibenbe für 1903 auf 7,05 °/0 festgesetzt, gegen 6,18 °/0 im Vorjahr, 5,47 % in 1902, 6 1I?IO in 1901 unb 10.96 °/ in 1900. Der Nettogewinn betrug im abgelaufenen Jahr 29 459 555 Mk. gegen 25 381 035 Mk. im Vorjahr 33 965 457 Mk m 1900. Die Generalversammlung genehmigte bie Divibenbe. An Stelle des ausscheidenden Fürsten Henckel v. Donnersmark wurde ir den Zentralausschust Graf Doenhoff-Friedrichstein und als Stell­vertreter Graf Franz Thiele-Winckler gewählt. Die ausscheidenben Dr: Schwabach, Hecker, Delbrück unb Direktor Koch würben wieber gewählt.

Eingesandt.

(Für Form unb Inhalt aller unter bftser Rubrik stebenben Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 7. März.

Dem alten Gießener" des gestrigen Eingesandt zur Nach»- richt, daß ich es war, welcher der Schnakenvertilgungs- kommision sagen ließ, bei mir könne sie ihres Amtes nicht mehr walten. Denn:

1. Habe ich die Schnaken in meinen Kellerräumen selber mit dem Sviritusanzünder vertilgt, bevor noch eine städtische Kommission ausgerüstet war.

2. Habe ich mir gesagt, bis ca. 1800 Hofraiten behandelt find, könnte manche S.'hnake ausgeflogen sein und deshalb fei es Bürgerpflicht sofort e i n z u g r e i f e n.

3. Habe ich mich persönlich von dem Erfolg überzeugen unb eine ungefähre Zählung feststellen wollen. Hierbei bin ich zu bem Schlüsse gekommen, daß eine Nachlese imbcbingt erforberlich ist, weil viele Tiere hinter Utensilien versteckt sitzen unb nur bei Sonnenschein sich bem Kellerfenster nahen.

Möge ein jeher Hausbesitzer, ein jebet Mitbewohner Nach- tese halten, auch wenn bie Schnakenvertilgungskommission in bem Keller war, benn jetzt wenige Schnaken vertilgen, bebeuten hunbert- tausenbe bis zum Spätsommer. Hochachtungsvoll

Louis Emmelius, Stabtverordneter.*)

*) Wegen Raumm angels leider um einen Tag verspätet.

Die Ziehung V; Klaffe der 5. Hessisch-Thüringischen Staatslotterie findet am 14. März d. I. statt. Die Inter« effentcn werden auf die rechtzeitige Loserneuerung aufmerksam gemacht. ss29-n

Rheinisches Technikum Bingen

für Maschinenbau und Elektrotechnik. 3S«/0