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Die
Mittwoch, 8. März 1905
Gießener Anzeiger
155* Jahrg.
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe«.
Schluß 6 Uhr.
parlamentarische BerhanÄlnngen.
NachdcsL ohsL Vereinbarung nicht gestattet.
Dentlcher Reichstag.
16 7. Sitzung vom 7. März.
1 Ihr. Das Haus ist sehr schwach besetzt.
Au Tische des Bundesrats: Graf Posadowsky, Frhr.
3 Abg. Jtschert (Ztr.) befürwortet eine Resolution auf ^r» leouna eines Gesetzentwurfes, durch den bestimmt totrb, batz
1. die den Arbeitern zu gewährende Ruhe mindestens für ,eden Sonn- und Festtag 36, für zwei auf einander folgende Sonn- und Festtage 60 stunden beträgt, ~ -..,r
2. die Arbeit der Handlungsgehtlsen-Lehrlmge und Arbeiter, soweit sie nicht in offenen Verkaufsstellen beschaftrgt werden, auf höchstens 2 Stunden an Sonn- und Festtagen bcschrantt
3."eine ortsstatutarische Regelung der Sonntagsruhe auch dahm ermöglicht würde, datz die Zulassung der Beschäftigung an bestimmte Bedingungen geknüpft wird; ~
4. den in Gast- und Schankwirtschaften beschaftrgten Personen tunlichst an jedem Sonn- und Feiertag, mindestens> aber^an jedem zweiten Sonntag der Besuch des Gottesdienstes chrer Konfession ermöglicht wird. ..... , . »-
Redner führt zum Beweis der Notwendtgkett ferner Rew- lution eine ganze Reihe von Fällen, m denen am Sonntag ohne zwingenden Grund gearbeitet worden ist. So ä.
und Geländern am Berliner Opernhause (nach dem Chicagoer Theaterbrand); es sei auch am Sonntag gearbeitet worden, was doch nicht unbedingt nötig gewesen sei.
09 Abg. Dr Müller-Meiningen (fteis. Bp.): Ohne Gewährung von Diäten wird der Etat des Reicksamts des Innern mematt in Kürze erledigt werden können. Möge also der Staatssekretär für Diäten sorgen! Der einzelne Redner kann diesmal farbaS Tohuwabohu nicht verantwortlich gemacht werden. Kann das nächste Mal nicht wieder eine gruppenweise Behandlung der einzelnen Fragen stattfinden? Auf das sozialpolitische Wettrennen der einzelnen Parteien will ich nicht emgehen. L,och mutz auch tch mich ein wenig mit Sozialpolitik befassen. Redner verlangt hierauf die baldige Vorlegung des Gesetzes, bett, die Rechtsfähigkeit Her Berufsvereine, sowie ein einheitliches Rerchs-Verems- und -Ber- sammlungsrecht, und begründet zwei von ihm eingebrachte Resolutionen. Die eine verlangt, die verbündeten Regierungen möchten dafür sorgen, datz der Verkehr mit Automobilen auf oftent- lichen Stratzen, Plätzen und Wegen in Deutschland m einheitlicher Weise geregelt werde. Dies wird unbedingt notig sem,.denn letzt werden die Landstratzen geradezu nnstcher gemacht von den Auto». Dazu kommt noch die Staub- und die Benzingeruchssrage, die es verdienen, datz das Neichsgesimbheitsairtt sich derSacheannnmmt Wenn jemand jetzt seinen Hahn frühmorgens krähen latzt (Grotze Heiterkeit) dann'wird er bestraft, den Lärm der Autos mutz man sich ruhig gefallen lassen. Die zweite Resolution fordert den Reickskanster auf, eine eingehende Untersuchung zu veranstalten V das Bestehen und den Umfang der Mitzstände, welche durch
Bestechung von Angestellten durch Lieferanten zu Un- aunsten der Arbeitgeber im gewerblichen Leben herbeigefuhrt werden^und bei der Vornahme dieser Enquete m ers^r Lime die- An- aestellten selbst und ihre Vertretungen gutachtlich zu vernehmen Schon wiei^rholt hat man versucht, dem SchmiergeLerunwesen zu üeuern und es sind verschiedene Vorschläge , dazu gemacht. Ich
A/ hob man ehe man gesetzgeberisch vorgeht, genaue Unterlagen über den westeuropäischen Backschisch haben mutz. Hierzu soll meme Resolution dienen", die ich Ihnen zur Annahme ern-
sBeifaN.) r .
Abg. Bruhn (Antis.) meint, es sei doch sehr^ bezeichnend, datz der Abg. Dr. Spahn gegen die Reformvorschlage des Staatssekretärs schon jetzt sein Veto eingelegt habe, ehe noch die Vorschläge dem Hause vorgelegt seien. Das Zentrum hctt tmebcr mal Veranlassung genommen, um der Regierung seine Macht M zeigen. Dem Staatssekretär, der sich beklagte, datz. ich ihn so scharf angegriffen habe, mutz ich erwidern, datz mich meine Wah^ nicht hierher geschickt haben, um mich m konventionellen Formen zu üben, sondern um die Notlage des Mittelstandes hier bekannt zu geben. Die Regierung mutz gegen ben Terrorismus ^r Sozialdemokraten vorgehen und die christlichen Arbeiter setzen. Das Streikpostenstehen muh ganz verboten, werden, denn letzt sagen me Sozialdemokraten einfach: Und willst Du nicht willig, so brauch ick Gewalt. Bedauerlich ist es, datz die Krankerckasten so ganz m die Hände der Sozialdemokraten geraten sind. Doch ist der Freisinn am wenigsten berechtigt, hier Vorwurfe zu erheben. Nirgends herrscht em solches Cliquenwesen als m dem freisinnigen Berlin. So war eine Arztstelle an der Charite ftei, aoer nur der Schwiegersohn eines jüdischen Stadtrats bekam sie. ,
Abg. Pauli-Potsdam stons.ft Wir sind zufrieden mit der Ankündigung des Befähigungsnachweises für das.Bauhandwerk, werden aber auf den allgemeinen Befähigungsnachweis nie derztchttn. Es ist gar keine Rede davon, daß die Handwerker selber chn mcht habw wollen. Nun zum Abg. Zubeil. Der Fall von.§ehrlrngszEerei bei einem Handwerksmeister, den er angeführt, ist em Ausnahme fall, der nur die Regel bestätigt, daß ine Handweeker sonst kerne Lehrlingszüchterei treiben. Dann hat nur Herr Zubeil noch den Vorwurf gemacht, daß ich im. Submissionswesen eme gary antan Praxis verfolge, als ich hier im Hause vertrete. Er sagte, es gM einen Tischlermeister Pauli in Potsdam der das Submisiwns- wesen in der unerhörtesten Weise ausubte, der betrn Bcm begJRe» gierungsgebäudes in Potsdam den weitaus billigsten.Anschlag machte und seine Kollegen um 20 .000 Mk. unterbot Was ist d^ für eine Kampfesweise? Was wurde H^Zubetlsagenw«m^ ihm sagen würde, es gab früher einen Gastwirt Zubeil m Berlm. Die ganze Gastwirtschaft war sehr schmutzig, . ^Ar^termutz^ aus schmutzigen Gläsern trinken. Ich .merne, derartiges sollte unterlaßen Wie verhielt sich aber denn der Fall m Potsvam. Der besagte Tischlermeister Pauli hatte eben bereits beim Bau eines Regierungsgebäudes m Frcmkfurt^Sesamm Kann man ihm da einen Vorwurf machen, daß er an derHE von Erfahrungen eine Berechnung aufstellte, die sich> fr taj der der anderen wesentlich unterschied?
Abg. Dr. Mugdan über, den Terrorismus m den Krankenrassep unterschreibe ick vollständig. ~ traten wird
Nur waschechte Genossen kommen heran.. Den merzten wwo gekündigt, wenn sie nämlich eine Gesinnung zemeN' dw n 3 dcmokrctte'n nicht paßt. Vorstände werden plötzlich en^en An deren Stelle kommen zielbewußte Sozialbemokraten ^ tst me Wirtschaft der Sozialdemokraten, wo sie m der Mehrhert sirw. ^cr Aba. Dr. Mugdan hat ganz recht. Oft werden bn. den Krankenkassen 'ordentliche Leute entlassen undmitg^unsähigen und unreellen Männern besetzt, die nur das Verdienst haben, daß sie tüchtige, waschechte Soizaldemokraten sind. Jeden Augenblick liest man ja: der und der Genosse ist mit der Kasse. durchgebr^ Die Gesetzgebung muß deshalb emgretfen, damit die Sozraldemo traten nicht mehr die Kassen so ausnutzen können.
Staatssekretär Graf Posadowsky erinnert daran, daß in Amerika in einigen Staaten der Befähigungsnachweis für das Baugewerbe herrschte. Die deutschen Arbeiter auf der Weltausstellung in St. Louis hätten sehr darunter zu leiden gehabt und sich bitter darüber beklagt...... r r ...
W Abg Dr. Dahlem (Ztr.) stimmt einen Lobgesang auf dn sozialpolitische Tättgkett des Zentrums an und befürwortet eme Zentrumsresolution, datz nur der Lehrlinge halten dürfe, der den Meistertttel besitze, und eine zweite Resolution, bte eme ausreichende Sonntagsruhe für die Binnenschiffer fordert.
' Hierauf vertagt sich das Haus auf M i t t w och 1 Mr. (Initiativanträge Der Freisinnigen und der Polen verr> anderweitige Mgrenzung der ReichstagSwahlirerie.).
von den Arbeitern unabhängig zu fern. Dieses Ve^ahren aber hat sich bisher als prakttsch nicht herausgestellt. Es hat sich auch herausgestellt, datz die Gefahr der Übertragung von ansteckenden Krankheiten nicht so nahe liegt, wie man früher glaubte. Wenn speziell auf die Übertragung der Tuberkulose hingewiesen wurde^ so muß entgegnet werden, daß, wenn der Speichel m den Magen gelangt, eme Infektion nicht wahrscheinlich ist. Daß jeder Arbeiter ein eigenes Mundstück haben soll, hat sich praktisch als undurchführbar erwiesen. Die Sache wird aber von mir Wetter verfolgt.werden. Bei einer Revision der Apothekengesetzgebung ist Voraussetzung die Ablösung der Apothekerkonzession. . Mmi hat sich nun in Preußen mit dieser Ablösung auf. das eingehendste beschäftigt, aber man ist dabei auf unübersteigbare Hindernisse gestoßen. Ich habe nun den preußischen Kultusminister gebetenem Erwägung darüber einzittreten, ob nicht auf anderem Wege ohne die Ablösung der Apothekerrechte eine Reform des Apothekenwefens herbeigeführt werden könnte. Man scheint nun in Preußen bet Ansicht zu sein, diese Frage landesgesetzlich zu regeln, ^ich kann stdoch nicht leugnen, daß eine reichsgefetzliche Regelung sehr erwünscht wäre.
zu enffcheiden hatte, bestand aus vier Arbeitgebern und acht Abett- nehmern. Unter diesen waren nur zwei Sozialdemokraten, ivorr, hört! bei den Sozialdemokraten.) Herr Dr. Mugdan hat hier die Unwahrhett zum Besten gegeben, wenn er davon sprach, datz der Vorstand sozialdemokrattsch war. Von diesem nicht sozialdemokratischen Vorstände wurde Oswald Grauer nut Emstimnugkett gewählt. (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Alle übrigen Bewerber sielen durch. Herr Dr. Mugdan, Sie hatten die Moglich- keit, dies sofort festzusteven, Sie brauchten nur das Telephon m Bewegung zu setzen. Sie haben es nickst getan, Sie haben es vorgezogen, hier die Unwahrheit zu sagen. Sw müssen l^tzt alles widerrufen, was Sie gegen die Sozialdemokraten gesagt haben. Ebenso verhält es sich mit dem anderen Fall von. dem Schneider, der mit Gefängnis beitraft worden sir. Es gehört wirklich em großer Teil eines — es ist wirklich ickwer, dieser Beziehung Zich auszudrücken. Herr Dr. Mugdan mußte selber sehr gut wissen, warum der Mann bestraft worden ist, daß er nichts Ehrenrühriges begangen hatte. Hätte er das getan dann Ware er von der Auft sichtsbehörde gar nicht bestätigt worden. Herr Mugdan, C e scheuten sich auch, den Namen des Betteffenden W nennen, wen doch noch soviel Schamgefühl in Ihnen vorhanden ist. lGroße Un ruhe.) Hier in Berlin wißen Hunderttausende diesen Namen, und Sie wißen, daß der Mann vollständig ehrenhaft ist und nur eme politische Strafe absitzen mußte. „
Herr Mugdan, Sie haben durch Ihre Ausführungen Ihrer Partei wohl nicht den besten Dienst erwiesen. Hosfentlich werden Sie in Aukimst etwas vorsichtiger fern. Tas Urteil über Nr Ver^ halten überlasse ich jedem ehrenhaften Mann. Ob freilich m Ehrern Verein der Aerzte ebenfalls solche Sachen als ehrenwurig angesehen werden, das will ich nicht entsch-ld-n. Nden krenen der Arbeiterschaft sind Sie für immer gerichtet. (Bestall bet den
^Staatssekretär Gras Posadowsky: Der Abg. MWer-Meiningen r 4. aÄe?ivr Beratung des Etats in Verbiiidung gebracht Mit hat bte ..^^nge ^lbg. Müller-Meiningen hat ja sonst em
ber • hr- f g Aer?, ich hoffe, daß er mich nicht als Geisel
so wenschenfteuMchesHerz, , v (Heiterkett.)
ist be^lt worbem datz bas Gesetz.über bie Kauf- m A a oer ubt e nod) nicht überall durchgesuhrt ist.. Ich hcbe m G ^r1 trAA» nn die Bunbesregierungen gerichtet, tote wett bte wlnprvnT Gesetzes gediehen ist und nach den erhaltenen
Ausführung dieses Gesetzes^ gemey n @nbe ?anuac im
S'Ä? au"Ä woLen ist. Es ist richtig, d-tz ..m großen unb g 2 Stellung der Hanbelsagenten nicht völlia -um Ausdnlck gekommen ist, indem sie mit den Hausierern
Kttihäi sind ü Die hier angeregte Frage verdient ernste tLÄ ich werde sie in Verbindung mit den preußischen iStaSberHben.^ Weiter sind Ausführungen gemacht worben Ressorts vern ie ibatbeamten. Man verlangt Rechtsglc'ch- £ tcdmiidicn und kaufmännischen Beamten einerseits und
hett zwischen t Es sind Verhanblungen mt bcm preußt-
die namentlich die Stellung der schen Juitizm öec s^vioatarbeiter in den Bureaus der x’Züiare ^^^ruanniüälte betreffen. Diese Verhandlungen sind aber noch ^^^A^sckilossen Zur Untersuchung der Frage ber Hhgtene m a ? h ii t t’e n habe ich ben technischen Rat des Reichsamts den G l a aM tion Glashütten bereisen lassen. Es wurde
^n5;*nDarauf tfingetoiefen, wie gefährlich cs sei in hygienischer namentlich darauf yntgew , ^tcn bc§ GlaSblasenS verschiedene mit demselben^ Jnsttilment das Glasblasen besorgen, da
Gefahr der Uebertragung von ansteckenden Krankheiten ©Otocit sich das hat feststellen laßen, wird nur sehr uahe^ l g . einigen Fabriken wollen wir sagen, das Glas- Anwendiing von Apparaten mit kompromierter Luft blasen durch ' ^c;c5 Verfahren namentlich beim Blasen von
gÄ’n Eewendet, in die menschliche Lunae zu ersetzen und
d. Riqthofen u. a.
Aif ber TagesordTiUng steht an erster Stelle das N a ch - trag ^Übereinkommen vom 23. Februar d. I., zu dem am. 25 Januar d. I. abgeschloßenen neuen Handelsvertrag mit Oesterreich-Ungarn (Jnttafttreten des deutsch-öster- reichischn Handelsverttages am 1. März 1906).
Dasselbe wird ohne irgend welche Debatte in erster und «Wetter Beratung erledigt.
Heraus setzt ba§ Haus die gestern abgebrochene zweite Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern fort, immer noch beim Tttel „Staatssettetär". Die Zahl der Resolutionen die hierzu vorliegen, ist mittlerweile auf 26 angcwachstn.
Abi Zubeil (Soz.) befürwortet folgende Resolution:
,dem Reichstage baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den ein Arbeitgeber ober Stellvertteter eines solchen, der sich nit einem anderen Arbeitgeber oder deßen Stellvertreter veralredet oder vereinigt, um Arbeitern deshalb, weil sie an ben hn S 152 der Gewerbeordnung gedachten Vereinigungen teil- genonmen haben oder an denselben ferner teilnehmen wollen, ihr ferneres Fortkommen oder die Arbeitsgelegenhett zu er- schwcen, sie nicht in Arbeit zu nehmen oder sie aus der Arbeit zu ettlaffen, mtt Gefängnis bis zu drei Monaten bedroht totrb sofern nicht nach dem allgemeinen Sttafgesetz eme höhere Straft einiritt, und der Versuch solcher Sttaftat für strafbar ^R?mer^fiihtt eine Anzahl Fälle an, welche die Notwendigkeit eines Vdrgehens im Sinne ber Resolutton rechtfertigen tollen. Dem Terrorismus ber Arbeitgeber, die ben Arbeitern das Koali- ttonsreckt rauben wollen, mutz endlich einmal em Ende gemacht werden. Wir fordern keineswegs etwas Unrechtes, wir fordern nur gleiches Recht für alle und wollen nur, datz solche Taten bestraft werden, die, wenn sie von Arbettern gemacht waren, stets von den Gesichten auf das schärfste geahndet tourben. Redner wendet sich bann gegen den Abg. Pauli und gegen bte Forderung des Befähigungsnachweises. Wenn man etwas für die Handwerker tun will, bann muß man zu allererst Maßnahmen gegen die schamlose Lehrlingszüchterei und die Ausbeutung der Lehrlinge treffen. Unser Standpunkt zu dem Submissionswesen ist bekannt. Wir verlangen, daß alle öffentlichen Bauten von dem Staat bezw. von ben Kommunen in eigene Regie übernommen werden. Wenn das geschieht, bann werde mit einem Schlage das ganze Stw- ottssionswesen verschwinden. In welcher Weise selbst von Jn- nungsmeistern bei Submissionsbauten vorgegangen wird, zeigt em Fall m Potsdam, wo der Tischlermeister Pauri-Potsdatn ferne sämtlichen Kollegen um 20 000 Mark unterboten hat. Webner führt die Einzelheiten dieses Angebots an. Dann «och einige Worte über den Hausierhandel. Kollege Erzberger toandte sich gegen ben Hausierhanbel, in Berlin hat man schon überall Schilder angebracht mit ber Inschrift: „Mitglied des Vereins gegen Verarmung und Bettelei". Man will eben nicht fünfmal täglich vom Elend heimgesucht werden. Wenn nun erst der neue Zolltamf m Kraft tritt, wirb der Hausierhandel noch viel Wetter sich au§behnen. Wir können uns aber nicht entschließen, gegen ben $ajmerbanöel Stellung zu nehmen, weil sich gerabe die ärmsten her Amnen vom Hausierhandel ernähren. Herr Abg. Mugdan wandte sich rn längerer Rebe gegen bte Krankenkaßenvorstände und. machte mnen zum Vorivurf, daß sie nur Sozialdemokraten an stellten. -Iber
machen es denn die ärztlichen Vereine anders? Sie machen es sogar noch viel schlimmer als die Krankenkaßenvorstande, ste erklären jeden Kollegen für minderwertig und unehrenhaft, _ber nickt ihrem Verein beittitt. Wie können Sie sich dann darüber entrüften, daß wir, wenn bei einer Krankenkaße eine Stelle frei wird, dort einen unserer Gesinnungsgenoßen, . einen .Sozialdemokraten, anstellen? Unwahr ist es, datz jemals em nicht sozialdemokratischer Arzt von einer sozialdemokratischen Kasse wegen seiner Gesinnung gemaßregelt ist. Legen Sie uns doch einmal ein solches Exemplar unter ihren Kollegen hier auf ben Tisch des Hauses nieder, Herr Mugdan. (Heiterkett.) v^rr Mugdan, es gab eine Zeit, da haben Sie gan^ anberS über Krankenkaßenvorstände gedacht, da verschmähten Sie eS nicht, viele Sttrnden des Tages mit den Krankenkassenvorständen ttßarnmen- zusitzen. Da hatten Sie von diesen Vorständen noch keinen Futz- tritt erhalten, da klammerten Sie sich tagaus, tagem an bte Rock- schötze biefer Vorstände. (Unruhe bei den Freisinnigen.) Rach- dem aber die Vorstände den Charakter des Arztes Dr. Mugdan — natürlich außerhalb dieses Hauses — kennen gelernt hatten, da war es vorbei mit ihrer Freundschaft, da haben die Vorstände ein- gesehen, wetz Geistes Kind der Arzt Dr. Mugdan — außerhalb dieses Hauses — ist.
Präsident Graf Ballesttem sunt erbrechend): Herr Abgeordneter, Sie dürfen nicht die Verhältnisse eines Abgeordneten außerhalb dieses Hmtses in den Bereich Ihrer Erörterungen ziehen.
Abg. Zubcil: Ich spreche ja von dem Herrn Dr. Mugdan, ehe er Abgeordneter war.
Präsident Gras Vallestrem: Was Herr Dr. Mugdan getan 4at, ehe er Abgeordneter war, das geht uns hier nichts an. Wir haben hier nur seine politische Tätigkeit als Abgeordneter selbst zu betrachten, und ich bitte Sie, nicht mehr auf ba5 andere zurückzu- kommen. (Abg. viamp ruft: Das patzt nun aber mal in fern
Konzept.)
Abg. Zubett sforffahrend): Sie und Ihre Gesinnungsgenossen, Herr Dr. Mugdan wollen davon sprechen, daß wir ^nach Gunst verfahren, daß wir auf die Gesinnung sehen. Wie ist es denn bei Ihnen? Hhre Kollegen scheinen die Fähigkeiten ernes Arztes nur darnach einzuschätzen, ob er Mitglied Ihres Vereins, des Vereins freigetoäblter Kassenärzte ist. Bevor ein Arzt beitritt, ist er ein unfähiger Mensch. Von dem Moment an, wo er Mitglied wird, stehen alle Ihre Kollegen hinter ihm, da'vereinigt er mit einem Male alle Vorzüge auf sich. Herrn Dr. Mugdan ist es auch nicht darauf angekommen, von diesem Platze aus, stets bei ber Wahrheit zu bleiben. Er hat den Fall von dem Parteigenoßen Oswald erzählt. Nun will ich den Namen ganA verraten. Oswald ist nur fein Vorname. Der Betreffende heißt Oswald Grauer. Es ist nicht wahr, daß ihm zwei Kneipen gegeben worden sind. Er hat sie sich sekbst unter schwierigen Berhältnißen eröffnet. Er ist arich nicht Expedient am „Vorwärts" gewesen, sondern er ist von feinen Parteigenoßen in Lichtenberg zum Spediteur gewählt worden. Wie ging es bann weiter? Als ber damalige Kranken- kaßenrendant sich soviel Unregelmäßigkeiten zu schulden kommen ließ daß ihm gekündigt werden mußte — selbst der Aufsichtsbehörde wurde die Sache zu bunt —. da meldeten sich zu dieser Stelle außer Oswald Grauer auch noch acht andere Bewerber, darunter zwei Korvettenkapttäne a. D. Der Borstand, der darüber
Das Gesetz zum Schuh der Photographien hat etnA nochmaligen Umarbeitung unterzogen werden müßen. Es totrb seinerzeit schon vorgelegt werden. Die Feuerversicherun g 3* Kartelle in die allgemeine Kartell-Enquete einzubeziehen, wäre sehr schwierig, weil es sich hier ja nicht um warenproduzierende Kartelle handelt. Die Frage der Bestechungsgelder mt privaten wirtschaftlichen Verkehr wird nach Umfang und TragN^tte noch näßer untersucht werden müßen, ehe gesetzgeberisch eingegriffen wird Man wird am besten zunächst die Handelskammern darüber hören. Die vom Abg. Zubeil heute angeführten Falle von Verrufserklärungen fallen nicht unter bte Vor^tften ber Gewerbeordnung. Ich mißbillige ben Verruf in jeder gönn, mag er ausgeübt werden, von wem er will. Dann muß man aber auch konseauent sein. Das Stteikpostenstehen und bte Warnung „Zuzug verboten!" fft auch eine Art Verruf. Was ben K t n b e f - schuh betrifft, so kann man nicht erwarten, baß em derartiges Gesetz sofort überall und in vollem Umfang burebgefußrt totrb. Es Bat jedenfalls zunächst die Folge, datz das öffentliche Getmßen,ge- schärft und eine gute Sitte geschaffen totrb. Dte Vorschrtften über die Sonntagsruhe werden einer allgemeinen Nachprüfung unterworfen werden. Man ist geneigt, über, den „engltschen Sonntag" zu spotten. Und doch liegt in ihm eme Cuetfe .^ Segens für das englische Volk. (Sehr nchttgl) $n den Prtontatssttett ber Parteien, wer zuerst für Sonntagsruhe hter emgetreten, will, ich mich nicA mengen. Jemand rief scherzend: Man konnte da bis auf Moses zurückgeben! Das kann man auch tm Ernst. Dte Gesetzgeber des Alten Testaments, des alten indtschen Volkes wcnen tiefe Kenner des Volkslebens und tiefe Kenner der menschltchnt Seele. Wenn wir die Sonntagsruhe ausdehnen, so dtenen toti damit der geistigen und leiblichen Wohlfahrt unseres Volkes.


