!Uarbeiten, in voelcffcr mich alle übrigen jagdlichen Be- timmnngen aus den verschiedenen Gesetzen und Verordnungen zusammen gefaßt sind, und zwar unter Berücksichtigung mehrerer von den Ausschußmitgliedern ausgestellten Vorschläge. Ein solcher Vorschlag des Abg. Köhler lautet: Wenn in einer Gemeinde mehr als die Hälfte der tzftmnd- besitzer auf Grund des Reichsgcsetzes, betr. die Erwerbs- und Wrrtschaftsgenossenschaften, zu einer Genossenschaft mit dem Zweck der Ausübung der Jagd in der betr. Gemarkung Zusammentritt, so soll es gestattet sein, daß diese Genossenschaft die bezügliche Gemeindejagd pachtet und dieselbe durch jagdfähige Personen ausüben läßt." — Der Ausschuß beriet weiter noch die Vorlage inbetreff der Räumungsfristen bei Mietswohnungen und die Vorlage inbetreff der Entschädigung bei Reblaus gefahr. Der Ausschuß ist der Meinung, daß entgegen der: diesbezüglichen Bestimmungen nicht der einzelne Grundbesitz, sondern das Land in seiner Allgemeinheit bei Reblausschüden eintreten soll.
Der Petitionsausschuß erledigte heute verschiedene Petitionen imd Vorstellungen, darunter auch eine Anzahl Gesuche um Erlaß der Hundesteuer. Von dieser hat man allerdings schon lange nichts mehr gehört!
Zum Tode des Fürsten v. Hohenzollern.
Die Trauerfeierlichkeiten. für den Fürsten Leopold von Hohen- Fvllern finden nach einer Anordnun>g des Kaisers am Dienstag vormittag in der St. Hedwigstirche statt. Gestern fuhr die Kaiserin, schwarz gekleidet, am Sterbehause vor und wurde vom Erbprinzen Wilhelm empfangen. Die Sterbesakramente spendete dem Verstorbenen der katholische Feldpropst der Armee, Bischof Vollmar. Am Trauergottesdienst wird das Kaiserpaar teilnehmen. Die Leiche des Fittsten wird zur Aufbahrung nach der kath. Hedwigskirche und von dort am Dienstag gleich nach der Trauerseier nach Sigmaringen gebracht werden.
Die Gräfin von Flandern, eine Schwester des Verstorbenen, erhielt in Brüssel die Todesnachricht, als sie im Begriffe war, sich an das Krankenlager ihres Bruders nach Berlin zu begeben. Noch am Donnerstagabend traf ein Beileids- Telegramm des deutschen Kaiserpaares in Brüssel ein. Die Gräfin reiste nach Berlin.
In Rumänien rief die Nachricht von dem Tode des Fürsten große Trauer hervor und gab zu Beileidskundgebungen gegenüber dem König, der bekanntlich An jüngerer Bruder des Verstorbenen ist, Anlaß. In der Hauptstadt wurde mit Trauerfahnen geflaggt. Die Deputiertenkammer und der Senat hoben ihre Sitzungen zum Zeichen der Trauer auf.
Volilisthe Tagesschau.
Zur Fiuanzreform.
Ueber den Verlauf her Beratung der Reichsfinanzresorm- Vorlage im Bundesrat dürste die Oeffentlichkeit ebensowenig etwas erfahren, wie seinerzeit über die Zolltarif-Verhandlungen dieser Körperschaft. Schon der Umstand, daß zwischen der ersten und zweiten Lesung die große Sommerpause liegen soll, läßt erkennen, daß eine Uebereinstimmung der Bundesregierungen in dieser Frage noch nicht besteht. Die erste Lesung wird wohl nur eine Aussprache über die Grundlagen darstellen, auf denen das Reformwerk ruhen soll. Darauf deutet auch die vor kurzem seitens des württem- bergischen Finanzministers im Landtag gegebene Erklärung hin, daß die Vorteile und Nachteile der einzelnen Vorschläge von den Staatsregierungen noch zu erwägen sein werden. In ein bedeutungsvolles Stadium tritt die Frage der Reichs- ftnanzreform also erst mit dem Beginn der zweiten Lesung, die im Hochsommer stattfinden dürste. E§ braucht wohl kaum hervorgehoben zu werden, daß gerade die süddeutschen Staaten ein Interesse daran haben, den Frhrn. v. Stengel bei diesem Reformwerk zu unterstützen und dadurch sein Verbleiben im Reichsschatzamt zu sichern. Es würde nicht leicht sein, einen tüchtigen Schatzsekretär zu finden, der gleich dem Bayern Frhrn. v. Stengel darauf achtet, daß den süddeutschen Staaten ihr volles Recht wird.
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Der Fürstentitel des Reichskanzlers.
Wenn das Fürstendiplom für den höchsten verantwortlichen Leiter der deutschen Politik bisher noch nicht aus- gesertigt worden ist — es pflegen erfahrungsgemäß bei allen Standesvetleihungen einige Monate zu vergehen, bis dies geschieht — so darf man wohl jetzt schon mit Bestimmtheit annehmen, daß sich darin der Kaiser als König von Preußen die Vererbung des Titels Vorbehalten wird. Dieser müßte sonst einst mit der Person des Reichskanzlers wieder erlöschen. Denn, wie bekannt, ist der Che, die der damalige Legationsrat v. Bülow mit Maria Anna Zoe Rosalie Beeadelli di Bologna, Marchesa (im eigenen Recht) von Altavilla, Tochter des Fürsten von Camporeale und Herzogs von Adragna, am 9. Januar 1886 in Wien schloß, kinderlos geblieben, während der ersten Ehe der Fürstin von Bülow mit dem derzeitigen preußischen Gesandten in Dresden Grafen Karl Dönhoff ein jetzt 34jähriger Sohn, der in Köln a. Rh. lebende Dr. Phil. Graf Siegfried Dönhoff, und eine Tochter entsprossen sind, die die Gemahlin des deutschen Gesandten in Brüssel, Grafen Nikolaus von Wallwitz ist. Schon die Verleihung des Grafenstandes an Herrn von Bülow, die der Kaiser am 22. Juni 1899 in Kiel vollzog, erfolgte unter Vorbehalt der Vererbung. Für diese käme naturgemäß einst ein Brudersohn des Kanzlers in Frage. Fürst Bülows Vater, der 1879 verstorbene Staatssekretär des Auswärtigen Amtes und preußische Staatsminister Bernhard von Bülow, hinterließ von seiner Gemahlin Luise, geb. Rücker (aus einem Hamburger Patriziergeschlechte, das inzwischen die Reichtümer und den Namen der Familie Jenisch geerbt hat), sechs Söhne. Diese sind: Ter Reichskanzler. Zweitens der Gener alm'aj or Adolf von Bülow, der 1897 in Darmstadt auf der Parforcejagd tödlich verunglückte und zweimal, erst mit der Gräfin Karola Vitzthum, dann mit der Gräfin Marie Schulenburg verheiratet war.. Drittens der deutsche Gesandte in Bern, Wirkt. Geh. Rat und Kammerherr Alfred von Bülow, dessen Gemahlin, Gräfin Marie von Dillen- Spiering, eine Württembergerin ist. Viertes der in Oberitalien lebende und mit seiner Cousine, Fräulein Jzabel Rücker vermählte Rittmeister a. D. Christian von Bülow. Ein anderer Bruder des Fürsten hat, soviel uns bekannt, Madrid zu seinem Wohnsitze gewählt und der jüngste von ihnen, der einzige unverheiratete, der Majo Christian Ulrich von Bülow, ist Flügeladjutant des Kaisers und Milü- tärbevollmächtigter bei der deutschen Botschaft in Wien.
Dem Fürsten Bülow ist übrigens, wie schon erwähnt wurde, eine recht ko st bare Erbschaft des Hamburger Millionärs Godeffroy zugefätten. Jetzt ist die Erbschaftssumme zur Auszahlung gelangt, und es ist ein hübscher Posten. Die Hinterlassenschaft beträgt 2 3Vz Millionen Ter Reichskanzler erhält davon nach dem ,Ber'l. Tagebt." 5Vs Millionen. Weitere 9 Millionen erhielten andere Erbberechtigte, und 9 Millionen wurden zu einem Fond für wohltätige Zwecke gestiftet. Gerade am
5. JUnt lieferte der Testamentsvollstrecker dem Reichskanzler die Summe aus, und am nächsten Tage erfolgte die (St» Hebung des Grafen in den Fürstenstand._________________
Ruß'and in Sturm und Drang.
Wie das Gerücht vom Tode des Zaren ent- and, darüber schreibt eine russische Korrespondenz: Mit dem in diesen Tagen verbreiteten Gerücht vom Tode des Zaren hat eS eine interessante Bewandtnis. Eine Persönlichkeit aus der nächsten Umgebung deS Zaren kam auf den (unglaublich törichten) Gedanken, den Eindruck der vom Osten her kommenden Hiobspost durch ein Gerücht von einem Attentat auf den Zaren abzuschwächen. Mit den örtlichen Verhältnissen in Zarskoje Selo und den Gewohnheiten des Zaren genau vertraut, fabelte der Hof- beamte eine derartige Geschichte, die auch als wahr angesehen werden konnte. Interessant ist es, daß dein Vertreter der offiziösen Russischen Telegraphen-Agentur, der die telegraphi- chen Anfragen vom Auslande beantworten wollte, erst nach zwei Tagen eine Auskunft aus Zarskoje Selo erteilt wurde, o daß die Russische Telegraphen-Agentur erst am Mittwoch, dem Geburtstage der Zarin Alexandra, der Welt von dem Wohlergehen des Zaren Nikolaus verkünden konnte.
Eine Deputation des Sem st wo- Kongresses ist noch Zarskoje-Sselo gefahren, wo sie ohne Vermittlung des Ministers des Innern einen Empfang beim Kaiser herbeizuführen beabsichtigt, um die (gestern in unserem Depeschen- eil wörtlich mitgeteilte), Adresse des Kongresses zu überreichen. Unter den Abgeordneten befinden sich die Fürsten Dolgorukow, Lwow und Schachowski, Graf Heyden und Herr Schipow. Die Verständigung aller politischen Parteien erscheint als ein Ereignis von größter Tragweite. Man erwartet, daß der Zar die Deputation empfangen werde.
Am 8. d. M. durchschwirrten Gerüchte von Unruhen die Stadt Minsk. Sofort wurden die Läden und die Haustüren geschloffen. Wie sich ergab, hatten die Mannschaften der 40. Division die Fenster eingeworfen und Israeliten mißhandelt, weil ein Israelit einem Soldaten seinen Geldbeutel gestohlen hatte. Die angesannnelten Israeliten gaben einige Revolverschösse auf die Soldaten ab, die sich dann auf den Kathedralplatz begaben, wo sich ihnen die Soldaten der 55. Brigade anschlossen. In die anliegenden Häuser flogen nun Steine. Die Polizei beantwortete die Schüsse der Israeliten, wobei viele verwundet und einer getötet wurde. Kosaken und Dragoner zerstreuten alsdann die Menge. Einige Schutzleute wurden verwundet, mehrere Soldaten verhaftet. Patrouillen durchziehen die Stadt.
Auf Grund einer vom Kaiser erteilten Genehmigung macht die unter dem Vorsitz Gorsmykins tagende Kommission zur Beratung der Fragen über die Befestigung des bäuerlichen Besitzes bekannt, daß die Einberufung der von den Bauern zu wählenden Vertrauensmänner rechtzeitig (Was heißt das?) bestimmt und der Bevölkerung bekannt gemacht wird. ____________________________________
Aus Stadt und Land.
Gießen, 10. Juni 1905.
• * Ordensverleihungen. S. K. H. der Großherzog haben dem Rendanten Wolf sch midt zu Schotten das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des-Großmütigen verliehen. — Dem Schullehrer an der Volksschule zu Darmstadt Wenzel wurde anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
• * Pfing st wünsche. Wie der Mensch oft auf das große Los in der Lotterie hofft, so hofft er in der Pfingst- zeit aus gutes Wetter. Auf äußeren Putz und äußere Noblesse braucht der Mensch nicht unter allen Umständen zu allen Zeiten zu sehen, aber was nützt der netteste Sommeranzug zu Pfingsten, wenn er sich in himmlischer Feuchtigkeit präsentieren muß? Die Festesfreude, die erhoffte, muß im Extrakt dann Monate lang genossen werden. Ja, es gibt nach dem Pfingstfest noch viele schöne Tage, außerordentlich viele so^ar, aber es gibt im Jahre bloß ein Pfingsten. Spaziergänge und Ausflüge machen nicht unser Pfingsten, auch neue Kleider und elegante Erfindungen der Mode machen es nicht, wohl aber die herzensfrohe und herzensfreudige Stimmung macht es, die gern auch auf den äußeren Schmuck sieht. Und ist die Stimmung im Regen verwässert, dann ists mit allem aus, der Aerger darüber, daß die Stimmung verloren, ist größer, als der über ein tüchtiges Durchweichen. Mit allem äußeren Putz will man dem Pfingstfest eine Ehre erweisen, eine größere gewissermaßen, als sich selbst. Geht alles krumm, dann gibts ein Zürnen. So wollen wir hoffen, daß uns das „liebliche" Fest recht gutes Wetter beschert. Vergnügte Feiertage!
** Gemälde-Aus st ellung am Brand. Wir wollen es nicht unterlassen, unsere Kunstfreunde nochmals auf die gegenwärtige reichhaltige und interessante Ausstellung hinzuweifen. Gleich nach Pfingsten wird ein großer Teil, darunter die Kollektionen Willroider, Dumler, Stegmayer, Pretorias und andere, sowie auch ein Teil der erst seit 8 Tagen ausgestellten Bilder weitergesandt werden. Die Ausstellung ist an den Feiertagen von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen geöffnet. Eintritt für Nichtmitglieder des Kunst- vereins 20 Pfg. Donnerstag und Freitag kommender Woche bleibt die Ausstellung wegen Wechsels der Gemälde geschlossen.
• * Großer Preis vonGießen. Prachtvolle Kämpfe werden sich, so schreibt man uns, am Pfingstmontag auf dem Sportplatz a. d. Hardt abspielen. Dort stehen sich 22 Berufsfahrer in den Fliegerrennen gegenüber, darunter der Meisterfahrer von Süddeutschland, Julius Bettinger-Ludwigs- hafen, die rheinischen Meister Thiel-Odendal und Heck-Köln, Reimer-Ludwigshafen, Moeser, Schaffner-Frankfurt a. M., Röß, Kirchhöfer, Knapp, Wallau-Mainz und Beese-Leipzig. Im Großen Preis von Gießen ist leider der Start deS Negers, da dieser in Magdeburg beim Training gestürzt ist, fraglich geworden. Der Arzt hat dem Neger einige Tage Schonung empfohlen. Trotz eifrigen Depeschenwechsels konnte der Schwarze noch keine bestimmte Nachricht geben. Als Ersatz für den Amerikaner wurde sofort der alte Dauerfahrer Andreas Gräf-Franksurt a. M. verpflichtet, der mit dem Münchener Raffler, Seidenspinner-Mainz und Fröhlich-
Frankfurt den Großen Preis von Gießen „bestreitet^. (Kein guter Sportausdruck. D. Red.) Die Direktion hofft, daß der Neger bis zum Montag soweit hergestellt ist, um ebenfalls an dem Stundenrennen teilnehmen zu können, fühlte sich jedoch verpflichtet, das Publikum von dem bedauernswerten Vorfall in Kenntnis zu setzen. Die Rennen beginnen bei jeder Witterung nachmittags 3 1/2 Uhr.
a. Lich, 9. Juni. Hier fand ein Vortrag über Wohnungsreform statt. Bürgermeister Heller eröffnete die dazu erschienene Versammliing und erstattete einen kurzen Bericht über die Wohnungsverhältnisse der kleinen Leute hier. Wohnungsinspektor Gretschel hielt darauf einen Vortrag über die Mittel und Wege, die zur Verbesserung der Wohnungen einzuschlagen sind. Nach lebhafter Debatte wurde eine Resolution gefaßt, die die Gründung einer gemeinnützigen Baugenossenschaft ins Auge faßt.
§ Bad-Nauheim, 9. Juni. Bis zum 8. Juni 1905 sind 8527 Kurgäste angenommen, wovon am genanntem Tage noch 5666 anwesend waren. 86 197 Bäder wurden bis zum 8. Juni abgegeben. — Unter den angekommenen Fremden befindet sich Seine Durchlaucht Heinrich XIV., Negierender Fürst Neuß j. L., Regent des Fürstentums Neuß ä. L.
fc. Offenbach, 9. Juni. Weil sein Bräutigam eine andere gefreit hat, sprang in der vergangenen Nacht ein 18jähriges Dienstmädchen namens Koch aus Büdingen, das zuletzt als Amme in Frankfurt in Stellung war, in den Main. Zuvor hatte sich das Mädchen entkleidet. Es mochte wohl alsbald Rene über seinen Schritt empfinden, denn es schrie ans den kühlen Fluten heraus jämmerlich um Hilfe. Leute, die die Fähre benutzten, zogen die Bedauernswerte denn auch heraus und brachten sie ins Krankenhaus, wo sie schwer krank darniederliegt.
Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. Seinen 90. Geburtstag begeht Metzger- meister M. Marx in Homburg am 17. Juni. Er ist der älteste Besucher des Viehmarktes in Frankfurt a. M., auf dem er seit seinem 15. Lebensjahre regelmäßig an allen Wochenmärkten verkehrt. — Die Vorarbeiten zu dem am 2. und 3. Juli d. I. in Heuchelheim stattfindenden fünfzigjährigen Stiftungsfeste des Gesangvereins „Teutonia" sind bereits abgeschlossen. Bei einer vor einigen Tagen stattgehabten Sitzung der Vorstände sämtlicher Heuchelheimer Vereine wurde einstimmig die Teilnahme und Unterstützung zugesagt. — Bei der Bürgermeisterwahl in Groß-Karben fielen von 176 abgegebenen Stimmen 138 auf Landwirt Friedrich Röthe, der somit gewählt ist.
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I Für Haushaifu.Kücheisfdiecondensirfe
j unentbehrlich,säuert nicht, stets gebrauchsfertig als c Sahne f.Kaffec STe e. als Milch f. Kakao.Chocol. & Speisen.
(SmtfitslaaL
(n.) Gießen, 9. Juni. Von der S t r a f ka m m e r wurde heute ein Urteil des Schöffengerichts Alsfeld bestätigt, das der Taglöhner Johannes W. von Ober-Breidenbach angefochten hatte. In einer Wirtschaft zu Ober-Breidenbach kam einem Gast ein Portemonnaie mit über 20 Mark Inhalt abhanden. Man kam zu dem Schluß, den Bürgermeister Herbeiznrufen, um eine Untersnchungi der Gäste vorzunehmen. Während der Bürgermeister diesem Ersuchen nachkam, verließ W. die Wirtschaft auf kurze Zeit, womit der Verdacht auf ihn gelenkt wurde, da die Untersuchung resultatlos verlies. Ein Dienstmädchen erblickte den Angeklagten in verdächtiger Stellung alt einem Gartenzaun, und als män an der betreffenden Stelle nachsah, fand man das Portemonnaie. Nichtsdestoweniger leugnete W. an dem Schöffengericht sowohl, als auch an der Sttafkammer die Täterschaft: insbesondere versuchte er einen Zeugen als den Täter hinzustellen. Das Schöffengericht schenkte diesen Angaben keinen Glauben und verurteilte den Angeklagten zu 2 Monate Gefängnis. Das.Berufungsgericht schloß sich den Ausführungen des Schöffengerichts^ an und hob hervor, daß W. die Tat wohl zuzutrauen ist, da er bereits wegen Diebstahls und Untreue bestraft ist, und um diese Untreue zu verdecken, vor einer Urkundenfälschungi nicht zurückgeschreckt ist. — Der Händler Wilhelm, K. hier hat gegen ein Urteil des hiesigen Schöffengerichts Berufung erhoben. Er kam in die Wohnung der von ihm getrennt lebenden Fran und versuchte mit einem Meißel die verschlossenen Türen zu öffnen. Als ihn ein Hausbewohner zur Rede stellte, brachte er ihm mit dem Meißel mehrere Verletzungen am Kopfe bei. Das Schöffengericht verurteilte ihn wegen Körperverletzung zu 4 Wochen Gefängnis. Als in der Berufnngsverhandlung — von der Staatsanwaltschaft war ebenfalls Berufung erhoben worden — Aussichten auf eine höhere Strafe vorhanden tpareit, zog er seine Berufung zurück, worauf die Staatsanwaltschast das Urteil ebenfalls anerkannte. — Wegen Diebstahls wurde der Dienstknecht Ludwig G. von Wallenrod zu 1 Jahr und acht Monate Gefängnis verurteilt. Er hatte „ einem Mitknecht und einem Dienstmädchen verschiedene Gegenstände durch 'Aufbrechen eines Behälters entwendet. Er hatte es offenbar auf Geld abgesehen, da er wußte, daß die Dienstmagd kurz vorher von ihrem Herrn einen Hundertmarkschein erhalten hatte. Das Gew war jedoch sicherer verwahrt, sodaß er sich mit minderwertigen Sachen begnügen mußte, die er alsbald in Geld umsetzte. — Ter noch jugendliche Taglöhnec Heinrich F. von Rüddmgs- hausen hat in der Nacht vom 5. auf 6. April d. I. ^mem Kameraden in angetrunkenem Zustande ein Messer mehrfach in die B ru st gestoßen. Das Messer ist in den rechten Brustfellraum gedrungen und hat anscheinend die Lunge verletzt, sodaß der Verletzte längere Zeit zwischen Leben und Tod schwebte. Nach Aussage des Sachverständigen wird er erst noch zwei Monaten seine Beschäftigung wieder aufnehmen können. Gericht ist der Ansicht, daß sich der Angeklagte die volle Tragweite seiner Handlung und die möglichen Folgen der Tat rm Moment nicht vorgestellt hat. Auch Jugend unb Trunkenheit wurden strafmindernd in Betracht gezogen; doch wrnde m ttn- betracht des Umstandes, daß es sich um einen Mesferhelden handelt, auf die immerhin erhebliche Strafe von_ « ■catjrcrt Gefängnis erkannt. — Ein polnischer Arbeiter, Nikolaus, ö. aus Bigota, hat zu Treis-Horloff in betrunkenem Zustande einen feiner Landsleute mit einem Messer gestochen, so oatz er drei Wochen arbeitsunfähig war. Da der Angeklagte zu Der Tat gereizt worden war, billigte ihm das Gericht .wildernoe Umstände zu und verurteilte ihn zu 10 Monate G^au?ni2. — Der Kellner Adolf G. von Offenbach wußte pch da^» L-Par- kassenbuch seines Bruders zu verschaffen. Er quittierte oen Betrag von 40 Mark mit dem Namen seines Bruders und erhob das Geld bei dem Spar- und Kreditverein zu p-rieoverg. Er wurde unter Annahme mildernder Umstände, cne m der ^hugend und in der Notlage, in der er sich befand, gefunden mürben, wegen Urkundenfälschung und Betrugs zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt. . , , , ,
Hanau, 7. Juni. Das S ch ö f f e n g e r: ch t veuirtcilte heute den Gutspächter 'H e y l von Geringshoi bei Hatteuheun wegen Ai i l ch p l a n t f ch e r e i zn 300 Mark Geldstrafe. von Heyl nach hier gelieferte Milch wurde wiederholt untersucht und zeigte stets Wasserzufatz bis zu 25%.


