Ausgabe 
9.9.1905 Zweites Blatt
 
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Tokio, 7. Sept. Die Stadt ist jetzt puhig. Wahrend Rier Nackt ist es nirgends zu ernsten Ruhestörungen gekommen.

Tokio, 8. Sept. In der letzten Nacht kamen m Kobe /Ruhestörungen vor. Das Standbild des Marquis I to ittnrrbc vom Sockel gerissen und durch dre Straßen ^SoVio^ 8. Sept. Die ZeitungAsahi", macht die Re­gierung wegen des Starrsinns, den sie gezeigt habe, und Tür die Angriffe au f die christlichen Kirchen verant- »Plortlich. Latte die Regierung, so schreckt das Blatt, der Sttnrme des Volkes ihr Ohr geliehen und das Volk nicht dur ch ihre Verstocktheit ausgebracht, wäre Tokio die Sckwnde und Demütigung eines Pöbclaufstandes eripart geblieben, der zur Zerstörung von Missionseigentum führte und dadurch die Empfindlichkeiten des Auslandes getroffen habe !Wir bedauern das Vorkommnis in hohem Grade" DieAsahi tadelt sodann besonders den Minister des Innern und den Polizeichef und erklärt, beide sollten zurücktreten. ,,3ui .Shimpo" spricht sich mißbilligend über die Erniedrigung aus, die in der Verhängung des Standrechts liege und fordert den Rücktritt des Kabinetts. . ~

Tokio, 7. Sept. Dem Wuryche des Volkes und dem Rate der polittschen Parteiführer nachgebend, hat die Regierung beschlossen, den Wortlaut des Friedensvertrages zu -veröffentlichen. . ... _

Endlich meldet noch der LondonerStandard aus Lokio, daß ein kaiserl. Ukas den Grafen Katsura ermächtigt, .alle Zeitungen zu unterdrücken, welche gegen die öffentliche Ordnung auf reiz en. Bisher wurde von der Erlaubnis einmal Gebrauch gemacht und die aufrüljre» fische ZeitungNiroku" suspendiert.

Die Kaiser-Uarade bei Kombnrg v. d. K.

n.

^Original-Bericht desGieß. Anz.")

Statt im weichen Ruhebette nächtlicher Weile m den Msenbahnkoupees zu sitzen und die noch müden Glieder vor­sichtig zusammen nehmen, um die empfindlichen Nachbarn, chie uns in eine fürchterliche Enge keilen, nicht zu belästigen, -ist zweifellos etwas Außergewöhnliches; ein Vergnügen ist es »einstweilen noch nicht. Aber die Erwartung des Kommenden »zeitigt bemerkenswerte Unterhaltungen. ,Es regnet", sagt »der Eine vielleicht war es auch eine Vertreterin des -schonen Geschlechts, die das konstatierte. .Nein, es regnet uoch nicht, aber cs kann noch kommen", meinte der behäbige Gatte,aber siehst du nun ein, daß ich recht hatte, als ich dich aufforderte, die weiße Bluse heute abzulegen, und einen wetterfesteren Anzug zu nehmen?"Ach was", sagt da der sorgsam in einen weichen Lodenmantel und eine Filzkoppe gehüllte Onkel,wenn Ihr immer vom Regen sprecht, wird er schließlich auch kommen. Da, sieh mal, was ich da hab!" Und er wickelt ein umfangreiches Paket auf, dessen Inhalt sich schließlich als eine große Wurst entpuppt. Man lacht. .Ich hab' aber noch mehr", und es beginnt eine all­gemeine Kontrolle der Futterage, jeder holt das Seinige aus der Tasche, wobei einer selbzufriedener ist als der andere.

Unterdessen fiel zwar kein Regen mehr, aber die Sonne, ckie eben aufging, beleuchtete schwach das durchnäßte Erdreich, ckas den Reisenden nichts Gutes versprach. Wie man auch (auf das Paradefeld gelangen wollte überall mußte man jcine ziemliche Strecke Wegs durch die Felder schreiten, wenn »man auf die Autofahrzeuge, die allerdings zahlreich vertreten 'waren, verzichten wollte weil mau eben keines hatte. >Nicht Wenige aber hatten, da sie des Weges unkundig waren, Idas Pech, an der unrichtigen Stelle auf das Paradegelände izu stoßen, so daß sie aufs Neue mühevolle Strapazen auf sich nehmen mußten, um in wilden Eilmärschen noch recht­zeitig auf der Tribüne einzutreffen.

Als das militärische Schauspiel um 9 Uhr beginnen ffodte, hatte ein feiner Sprühregen eben aufgehört. Von den ITribünenplätzen aus sah man in der Nähe eine ungeheure !Zahl von Truppen aller Waffengattungen, aber der nebel- sumschleierte Fernblick, der uns in schwachen Umriffen rechts >das bergige Gelände der Vilbeler Gegend, links eine un­übersehbare Ebene darbot, gestattete nicht, das ganze Parade­feld zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach zu über» Micken. Auf der dicht mit Zuschauern besetzten Tribüne aber wartete man zunächst auf die Ankunst des Kaisers und der übrigen Fürstlichkeiten. Da oben war ein sehr bunt zusammen­gewürfeltes Publikum mahrzunehmen; auf den überdachten 15-Markplätzen ziemlich viel Ausländer mit ihren Damen namentlich Engländer daneben aber auch und wir »glauben nicht, daß die Plätze alle wirklich mit dem erheb- ilichen Preis bezahlt worden waren eine ganze Anzahl -von Gästen, die mit ihren deutschen Großmäulen und Un- iarten jede geringfügige Veranlassung benutzten, zu schwatzen -und sich Unhöflichkeiten an den Kopf zu werfen.

Endlich stellten sich kurz nach 9 Uhr die Erwarteten ein: f£)ie Kaiserin und die Kronprinzessin im vierspännigen Gala­wagen mit Spitzenreitern, die übrigen Herrschaften zu Pferde, der Kaiser in der Uniform seines 116. Infanterie-Regiments, den Marschallstab in der Hand, der Kronprinz in der Uni­form der bayerischen Ulanen, der Großherzog von Hesien, die anderen Fürstlichkeiten und zahlreiche hohe Offiziere, Kammer- Herren und Hofdamen. Unmittelbar vor der Tribüne hatten Reserveoffiziere und Aerztc Aufstellung genommen. Der Kaiser und seine glänzende Suite, auch der Wagen der Kai- serin und der Kronprinzessin, nahmen zunächst die Truppen­revue vor. Die Kriegervereine, die links von der Tribüne ausgestellt waren, sahen und begrüßten den kaiserlichen Herrn. Die Revue nahm verhältnismäßig kurze Zeit in Anspruch; die Zuschauer auf der Tribüne waren damit natürlich zu­frieden, denn sie sahen dabei in weiter Ferne nichts, als die langen, regungslosen Truppenkolonnen und das Reiterhäuflein, das an ihren Fronten vorbeisprengte. Für das Publikum draußen auf dem Feld war dies eine Gelegenheit, die fürst­lichen Herrschaften, vielleicht nur undeutlich, oder meist gar nicht, zu sehen.

Dann aber bot der Parademarsch aller Truppen auf dem Felde ein überaus glänzendes militärisches Schauspiel. Die Fürstlichkeiten und ihr Gefolge, voran der Kaiser, nahmen vor der Tribüne Aufstellung, um die Leistungen der Truppen, unter ungeheurem Aufwand von Mühe für diesen Paradetritt ringedrillt, zu examinieren. Dieser Parademarsch dauerte zwei volle Stunden. Dem Kaiser und seinem Gefolge gegen­über spielten abwechselnd die Musikkapellen der verschiedenen Truppenteile zum Parademarsch; hinter ihm standen die Reihen der Kriegervcreine. 40 000 Mann marschierten dazwischen »vorbei! Von besonderem Interesse war cs, wenn der Kaiser ,ober der Großherzog ober andere hohe Herrschaften ihre ^Truppenteileselbst vorführten. Die Prinzessin Friedrich

Karl von Hessen, ht ber Uniform de§ Regiments v. Gers- borff, ben Helm auf dem Haupte, führte als Chef ihrer Truppe, mit der Gerte salutierend, ihre Mannschaften den hohen Zuschauern vor, wobei freilich auch das unmaßgebliche Publikum in laute Hochrufe ausbrach. Der Kaiser, auf einem schwarzbraunen Pferde, führte sein 116 er Regiment und später daS badische Grenadierregiment Kaiser Wilhelm I. vor.

Unser Gießener Regiment hat sich außerordentlich gut gehalten; allgemein wurde anerkannt, daß es einen ber besten Parademärsche bargeboten hat. Großherzog Ernst Lubwig führte fein 115er Leibgarbe-Jnfanterie- regiment unb später bas hessische Garbcbragoner-Regiment Nr. 23 vor; bei dieser letzten Vorführung ritt auch Prinz Andreas von Griechenland vorüber, der bei dem Regi­ment st la snite geführt wirb. Die männlich schöne vnb schneibige Gestalt unseres Lanbesfürsten, ber im übrigen, wie ber Kaiser sehr wohl aussah, fiel sehr angenehm auf. Als er auf seinem hübschen, tänzelnden Pferde wieder zum Kaiser einschwenkte, ertönte ein lautes Hurrah, daS ihm besonders seine Heffenkinder darbrachten. Schier endlos waren die Truppen, die im Parademarsch vorbeidefilierten. Einen sehr guten Parademarsch machten die Fußartillerie und die Unter­offizierschule Biebrich. Aber auch die berittenen Truppen, besonders bie schmucken Ulanen nut ihren Fähnlein, erregten großes Gefallen und wurden vom Publikum viel bewundert. Die Bamberger Ulanen führte wieder der Kaiser, Prinz Leopold von Bayern und der Kronprinz beteiligten ich ebenfalls an diesem Vorbeimarsch. Als Großherzog Ernst Ludwig das hessische Felbartillerie-Regiment Nr. 25 führte, ritt auch Prinz Heinrich von Preußen in ber Uniform biescs Regiments mit. Den Schluß machte das hessische Trainbataillon Nr. 18.

Da das schlechte Wetter natürlich den Boden sehr auf» geweicht hatte, blieb c8 bei einem einmaligen Vorbeimarsch, ber schon kurz vor 12 Uhr beenbet war. Das Schauspiel fesselte das Publikum bis zum Schluß. Als ein armcS Häs- lein aufgescheucht auf dem Platz einherpurzelte, brach ein tobendes Geschrei auf der Tribüne los. So macht die Schau­lust aus sonst vielleicht vernünftigen Leuten kindische Menschen. Wenn cs dem Zaunpublikum, zu seinem eigenen Schaden, gelungen war, die Absperrung zu durchbrechen, um dann wieder zurückgejagt zu werden, brach dasselbe Geheule los.

Nach ber Parabe hielt der Kaiser eine kurze Kritik. Die Kaiserin unb bie Kronprinzessin fuhren in ihrem Wagen nach Homburg voraus.

Nach Homburg.

Das Publikum trat durch Treck unb Speck den Rück­weg an. Die große Mehrzahl, bie noch nicht genug hatte, lenkte nach Homburg ihre Schritte, über bie ungangbarsten Wege, über niebergestampfte Kartoffelfelder und Dickwurzel­leichen. Manche schüttelten aus Ucbermut Obst von den Bäumen, was ben geschäbigtcn Bauern derbe Verwünschungen entlockte. Aber weiter gings nach Nicdereschbach, wo alle Wirtschaften im Sturm genommen wurden, nicht in letzter Linie von den Militärvereinen, die so lange hatten stehen müssen. Der große Menschenstrom, ber keine Unterkunft er­hielt, wandte sich nach Homburg, wo selbstverständlich gleich­falls alle Hotels und Restaurants im Nu besetzt waren. Die Stadt beherbergte ein überaus bunt bewegtes Leben. Zu vielen Tausenden strömten die Paradebummler durch die Straßen. Homburg hatte zum Festschmuck außerordentlich viel aufgewendet; Fahnen, Guirlanden, Ehrenpforten usw. grüßten bie Ankömmlinge. Sehr geschmackvoll nnb prunkvoll war die große Pforte in ber Luisenstraße, die auf purpurnem Grunde m großen goldenen Lettern die WorteSalve Im­perator trug.

Einzug.

Der Einzug ber fürstlichen Herrschaften soll sich sehr glanzvoll gestaltet haben. Der Kaiser mit ber Kaiserin fuhr vierspännig ä la Daurnont mit Spitzreitern. Der Kronprinz, in der Uniform der bayrischen Ulanen, mit der Kronprinzessin, die ein wenig blaß aussah, zweispännig unmittelbar hinterher. Vor unb nach diesen beiden Wagen ritt je eine halbe Schwadron bayrischer Ulanen, mit ihren blauweißen Lanzenfähnlein, von des Kaisers Regiment, das sich jüngst erst im Sennelager bie Zufriedenheit seines hohen Chefs in dem Maße verdient hat, daß der Kaiser seiner Freude in einem Telegramme an ben Prinz-Regenten Ausbruck verlieh.

Im alten Lanbgrafenschloß stellte bann Oberpräsident o. Windhcim bie Spitzen der Zivilbchorden vor.

Besuch auf der Saalburg.

Nach dem Frühstück begab sich die kaiserliche Familie mit zahlreichem Gefolge hinauf zur Saalburg in einer langen Reihe von Automobilen über bie neue Brücke, die so geweiht wurde. Hier hat man einen ber alten Homburger Stadttürme mit einem Durchgang für Fußgänger versehen, freigelegt und gegenüber eine Warte errichtet, in jenem von der Saalburg bekannten römischen Stil: Feldsteine unb Fachwerk aus rötlich schimmernden sauber behauenen Balken.

Der Kaiser verweilte beinahe zwei Stunden auf der Saalburg; er wurde nicht müde, mit dem Geh. Baurat Jakobi-Homburg über die sonnenbeschienenen Plätze, die schattigen Wälle zu wandern und die Sammlungen in ben fertig überdachten Baulichkeiten zu besichtigen, überall mit eingehendstem Interesse hörend, sehend unb seinerseits den Damen und Herren seiner Umgebung erklärend. Die Kaiserin, bie Prinzessinnen unb Prinzen folgten dem Kaiser auf feinen Nundgängen, sie ließen sich auch plaudernd auf ben alt- römischen Holzbänken nieder, und die Herren, am Rande des großen Zugbrunnens lehnend, nahmen eine Zigarette. Nach­dem bie Majestäten bie Rückfahrt nach Homburg angetreten hatten, erschien noch Prinz Harald von Dänemark im Castell.

Rahrungssorgeu.

Wenn wir berichten konnten, daß Homburg im Festes­schmuck Außerordentliches aufgeboten hat, können wir von dem größten Teil der Besitzer von Hotels und Restaurants nicht dasselbe sagen. Es war wirklich oft kümmerlich, daß die Bedienung und ebenso dre Ausschankstellen so überaus spärlich waren. Am besten wurde man noch im Kurhaus und auf dessen hübscher Terrasse versorgt, wo denn auch schon nachmittags ein bewegtes Treiben herrschte.

Paradetafel.

Tas schönste Schauspiel im Kurgarten blieb aber dem Abend Vorbehalten. Um V26 Uhr wurden die Pforten ver­schlossen, um die Vorbereitungen zu dem angekuudigten

großen Gartenfeste zu treffen. Vor dieser Veranstaltung die viele Hunderte im Besitze von Einlaßkarten mit großer Spannung erwarteten, fand von 7 Uhr an bei den Maje­stäten im Kurhaus Paradetafel statt. Dabei saßen der Kaiser rechts von der Kaiserin, gegenüber General v. Eichhorn. Rechts vom Kaiser folgten zunächst die Kron­prinzessin, der Großherzog von Hessen, die Groß­fürstin Georg Michailowitsch von Rußland, der Kronprinz von Griechenland, Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Großfürst Georg Michailowitsch von Rußland, Prinz An­dreas von Griechenland, Prinz Heinrich von Preußen, Prinz Adalbert, Prinz Max von Baden, Herzog von Urach, Earl of Lonsdale, Oberhofmeister von Eulenburg, Generalleut­nant v. Hülsen-Häseler, Generalleutnant v. Voigt usw. Links von der' Kaiserin der Kronprinz, die Kronprinzessin von Griechenland, Prinz Arthur von Großbritannien und Ir­land, Prinzessin Andreas von Griechenland, Prinz Harald von Dänemark, Prinz Leopold von Bayern, Prinz Eitel Friedrich, Prinz Friedrich Wilhelm, der großbritannische Botschafter Sir Frank Lascelles und deutsche Offiziere und Würdenträger.

Tie Rede des Kaisers.

Der Kaiser brachte bet der Paradetafel folgenden Trinkspruch aus:

Sic haben seit der Neuformierung des 18. Kdrps zum ersten Mal heute Gelegenbeit gehabt, in der großen Revue sich vor mir zu zeigen. Ich spreche Eurer Exzellenz nochmals mein« volle Anerkennung aus über ben Zu stand, in dem Sie mir das Korps vorgcfuhrt haben. Ich erinnere mich gern und dankbar der Vorarbeiten, die General v. Lindeauist und Sic bei der Zusammen- schweißung des Korps erledigt haben. Es ist gewissermaßen heute das Korps mllitärisch aus der Taufe gehoben worden, unter Assistenz hoher Paten. Baverischc unb badische Kontingente sind dabei gewesen unb haben die Schönheit des militärischen Bildes unb den Stolz des heutigen Tages erbeben helfen. Ehe ich das Glas auf das Wohl des Kvrps erhebe, möchte ich eher, nicht vergessen, daran zu erinnern, daß seit dem Jahre 1897, wo dieselben Truppenteile vor mir in Parade standen, manches Auge sich geschlossen hat, das damals noch aus ben Reihen bes Korps leuchtete. Meine hockselige Frau Mutter ist heimgegangen, und die Chefstelle des Flsilierregiments v. Gersdorff ist in die Hand der Tochter übergegnngen. Der von unserem Heere so hoch­geehrte und geliebte Monarch, der treue Verbündete, König Hum­bert von Italien, ist auch heimgcgangen. Wer seit diesen ^ageti haben sich die Reihen des Korps in tadelloser Ordnung erhalten, unb die angestrengte unb emsige Friedensarbeit hat andauernd Gutes geschaffen. Ich erhebe mein Glas auf das Wohl _ des Kvrps. indem ick gleichzeitig die anderen Kontingente und sämt­liche Kontingentsherreu, die anwesenden unb die abwesenden, tn diesem Wohl mit einschließe, mit dem Rufe: Es lebe das 18. Ar­meekorps, Hurra, Hurra, burrn!"

Erwiderung.

'Auf den Trinkspruch erwiderte der kommandierende General v. Eichhorn folgendes:

Euer Maiestät spreche ick den untertänigsten Dank für btt gnädigen Worte aus, die Eure Majestät an das 18. Korps gerichtet haben. Wenn das Armeekorps vom Rhein unb Mam heute die Zufriedenheit Eurer Majestät sich erworben har, so kann Eure Majestät sich versichert haten, daß cs em Sporn für uns alle sein wird, vom General bis zum letzten Musketier und Sviclmann, ihr Bestes zu tun unb herzugeben, damit Eure Majestät an dem 18. Korps immer eine kriegstüchtige Waffe. m der Hand hat. Eure Majestät, ich bin Soldat, und als solcher darf ich aussprecken, daß kein brennenderer Wunsck^'in unseren Herzen ist, kein sehnenderes Verlangen in unseren Seelen glüht, als Eurer Majestät und unseren Kameraden in Afrika zu zeigen, wie wir für Eure Majestät unb für des Vaterlandes Ehre und Ruhm auf dem Schlachtfelde zu sterben wissen. In btefem Geiste rufe ich: Seine Majestät, unser attergnädigstec Kaffer, König und Kriegsherr, Wilhelm TL dreimal Hurra!"

Gartenfest.

Nach der Paradetafel begaben sich die Herrschaften aus die Terrasse des Kurhauses. Es toar, 3,49 Uhr geworden, und der Kurgarten war d^rch allerlei Beleuchtungskörper in ein wahres Märchenreich verwandelt worden. Das Kur­haus erstrahlte im Glanze aller seiner Lichter, die Terrasse war von einem prunkvoll geschmückten Baldachin überragt; dort wurden von den Zuschauern, die auf beiden Seiten des Gartens, von der Mitte durch Postenketten abgesperri, geduldig seit zwei Stunden auf ihren Plätzen harrten, bte fürstlichen Herrschaften und der Beginn des großen Zapfen­streichs erwartet. Bunte Lampions leuchteten wie milb glühende Kugeln von den hohen Bäumen des Kurgartens, grüne und violette Flammen kletterten in Schlangenwin­dungen an den Stämmen hin auf. Große Ketten und ^An­ordnungen von Lichtern in bunten Gläsern erhellten den Garten, auf den an diesem schönen, milden Wend die Sternö im vollen Glanz nieder schauten. Sowie oben der Kaiser intb sein fürstliches Gefolge erschien, ioarfem Scheinwecho vom Dach des Kurhauses aus ihr helles Licht auf Jte Veranstaltung zu Füßen der Fürsten. Der Hintergrund deS Gartens, wo eine Fontaine sprang, tauchte sich in bengalische Glut, und unter dem mächtig erdröhnenden Klang von 1500 Musikinstrumenten marfgierten die Militärkapellen, voran eine Wachabteilung mit Gewehren, begleitet öort Fackelträgern, im Paradeschritt heran. Professor Roß- berg, der Armeemusikinspizient, nahm! auf feiner Dun- gententribüne Platz und es begann ein Konzert, wie man es nur in den allerseltensten Fällen zu hören bekommt. Daß es ein hoher künstlerischer Genuß war, kann man nicht behaupten; wie der ganze festliche Beleuchtungsschmuck machten die musikalischen Dcrbietnngen, begleitet von den militärischen 'Aufmärschen, nur den Eindruck ber Großartig« Feit. Mitten in dieser Darbietung tauchte unwillkürlich die Frage in uns auf, welche ungeheuren Unkosten, welche Summen für Anschaffungen und Arbeitskräfte dieses Ge­pränge wohl verschlungen haben mag? Die Schaulust ist aber ein ganz unabweisbares Bedürfnis für die Menschen. Wie viel mögen alle diese mehr oder minder bemittelten Paradezuschauer für den so sehnlich erwarteten Genuß aus- gewendet haben. Während das Militär marschierte und übte, schlug das Publikum die Schlachten. Doch wir wollen über die Mmpfe um die Heimfahrt, um Billet und Sitz im Coupö den milden Schleier der Verschwiegenheit breiten. Sonst würden die zwei Menschen, die auf dem Trittbrett eines Eisenbahnwagens die lange und, ach, so häufig unter­brochene Fahrt nach Friedberg machten, am Ende noch er* mittclt und bestraft. Die Eisenbahn hätte aber jedenfalls gut getan, wenn sie in Homburg für die Züge nach Friedberg und Usingen mehrere Fahrkartenausgaben an diesem drang­vollen Tage ausnahmsweise eingerichtet hätte. Man hat« hier noch einmal das Bild wie bei den Ausschänken v» ben Restaurants und Hotels. Schwamm drüber!

Die Konferenz der Verbündeten Kansmänuischen Ber« eine weiblicher Angestellter

fand, wie uns von dort geschrieben wird, in Frankfurta. M in ben Räumen bes dortigen K. V. w. A. am 4. unb 5. d. M. statt. Der wichtigste Punkt ber Tagesordnung Ivar bte Besprech­ung der Neuorganisationsplänc. Nach lebhafter ^-ts- kussion einigte man sich dahin daß die dem neuorganisierter Bunde angeschlossenen Vereine Standesorganisationen un ctflciw licken Simte dieses Wottes sein sollen. Am X- Farruar