allerdings ist zu berücksichtigen, daß die Preise in der letzten Woche bis zu fünf Mark emporgestiegen waren, sodaß also der normale Preis immer noch nicht erreicht ist. Während sich das Geschäft im Allgemeinen ruhig entw feite, hat eine vor Beginn des Marktes angeschlagene Verordnung der Negierung in Wiesbaden bei den österreichischen Händlern Verstimmung hervorgerufen. Diese Händler dürfen erst von 10^/z Uhr ab mit dein Verkauf beginnen, wie es heißt wegen Seuchengefahr. Gestern in der Generalversammlung der Gcoßviehunfallkasse der Fleischerinnung wurden nut Rücksicht auf die jüngsten Vorgänge einige Statutenänderungen be-- schlossen. Der Paragraph 2 des Statuts wurde vorläufig außer Kraft gesetzt. Er besagt, daß die Kasse den Schaden nicht ersetzt, wenn von einem Stück Vieh wegen Tuberkulose mehr als die Hälfte des Schlachtgewichts der Freibank oder Wasenmeisterei überwiesen wird, da dem Geschädigten ein Währschaftsanspruch an den Verkäufer zustehe. Die Händler haben diese Währschaft für die Folge abgelehnt. Die Generalversammlung nahm ferner eine Resolution an, in der sie gegen das Vorgehen der Händler Protest erhebt. (Frkf. Ztg.)
Frankfurt, 6. Jan. Emanuel Stockhausen, Mit- glied des Thalia-Theaters in Hamburg, veranstaltet den 8. Februar im Saale des Frankfurter Hofes Gedächtnisfeier für Wil hei in Jordan. Der 8. Februar ist der Geburtstag des Dichters. Stockhausen wird zwei Gesänge aus Jordans Nibelunge, erster Teil, rezitieren, und zwar den 23. und 24.: Sigfrids Tod und das Gespräch zwischen Krim- hild und Brunhild an seiner Leiche.
vermischte».
* Erfurt, 8. Jan. Am hiesigen Stadttheater wurde unlängst „Onkel Bräsig" gegeben, Ujnd der „Held und Bonvivant" des Ensembles brachte durch seine Unsicherheit die Vorstellung hin und wieder in Gefahr. Ter S ch au- spielrezensent einer hiesigen Zeitung, welcher in seinen Besprechung diese Tatsache durchaus sachlrch behandelte, war nicht wenig erstaunt, als er von dem Bonvivant ein Schreü- ben erhielt, in dem dieser den Referenten cmf forderte:,' sein Urteil über ihn umgehend öffentlich zurückzunehmen, andernfalls müsse er als „alter Akademiker" den: Theaterreferenten eine Forderung übersenden. Die Zurücknahme hat der Rezensent natürlich verweigert.
* Se lb stmord eines Studenten. Am 'Donnerstag abend kain ein juwger, gutgekleideter Mann in eine Badeanstalt in Weimar und verlangte eine Badezelle erster Klasse. Dem Einwand des Bademeisters, daß es eigentlich, schon etwas spät sei, begegnete der Ankömmling mit den Worten: „Ich bin. auf der Durchreise hier, es dauert nicht lange, ich bin bald fertig!" Die Zelle wurde ihm verabfolgt, der junge Mann ging hinein und verriegelte die Tür. Ms er nazchi längerer Zeit nicht wieder zum Vorschein kam, blickte man durch ein kleines Fenster in die Zelle, und der rasch hinzugerufene Polizeibeamte sah den jungen Mann entkleidet und blutüberströmt halb in der Badewanne liegen, deren Wasser ahgelassen war; er hatte sich mittels eines furchtbaren Schnittes mit einem Rasiermesser durch die Kehle den Tod gegeben. .Heute morgen wurde der Lebensmüde als der 20jährige Student Karl Zehrte gebürtig aus Essen a, Ruhr, zurzeit in Jena Jurisprudenz, studierend, rekognosziert. Er gehörte der Burschenschaft „Germania" an und war von einem Besuch seiner Eltern in Essen zurückgekehrt. In Erfurt trennte er sich von einem Reisegefährten und Studien genossen^ fuhr allein hierher nach Weimar und vollbrachte die Tat. Die Triebfeder zu derselben konnte vorläufig nicht ermittelt werden, nur soviel war zu erfahren, daß der Verstorbene in geordneten Vermögensverhältnissen lebte und seinen Studien mit Eifer und Erfolg obgelegen hatte.
* Zu dem Pistolenduell, das kurz vor Weihnachten /M Juditter Walde bei Königsberg i. Pr. stattfand und in dem einer der Duellanten fiel, werden der „Königsb. Hart. Ztg." folgende Einzelheiten mitgeteilt: Der Getötete ist der Baron Julius v. Oelsen auf Kockenhof bei Livland. Er mar mit einem Fräulein v. Sch., der reichsten Erbin Livlands, verheiratet, die ihm über 10 Millionen Rubel mit in die Ehe brachte. Der Ehe sind vier Kinder entsprossen. Frau v. Oelsen ist im höchsten Grade nervös, und diesem Umstande ist es wohl zuzuschreiben, daß sie sich eines Tages verpflichtet fühlte, ihrem Gatten die Mitteilung zu machen, sie stehe in Beziehungen zu einem ihrer Gutsnachbarn. Als daraufhin der Gatte jenen zur Rede stellte, gab dieser sein Ehrenwort, daß durchaus nichts Unerlaubtes geschehen sei, sein Verkehr mit Frau v. Oelsen sich vielmehr nachbarlich- fieundschastlich gehalten habe. Da Baron v. Oelsen im Hinblick aus das Geständnis seiner Gattin in beleidigender Weise das Ehrenwort des Herrn anzweifelte, so kam es zu einer Forderung, die in Juditten ausgetragen wurde. Die Bedingungen lauteten auf dreimaligen Kugelwechsel bei zehn Schritt Entfernung und 5 Sekunden Zielzeit. Gleich im ersten Gange erhielt Baron v. Oelsen einen Schuß durch die Leber, an dessen Folgen er später in der Klinik starb.
* Humor aus der Schule. Bei der Prüfung in seiner Schwarzwälder Schule wollte neulich der Herr Visitator im Kopfe eines ABC-Schützen das vergessene Zerlegen der Zahl 5 wieder auffrifchen und gleichzeitig dem Lehrer eine kleine Anleitung zum praktischen Unterrichten zu geben, rvobei sich folgendes Gespräch entspann: Visitator (freundlich): „Gelt, Kleiner, Du haft schon Geißen gehütet?" — Büblein (zutraulich): „O ja, schon vielmal." — „Gut. Denk Dir mal, Du hütest eben 5 Geißen. Nun läuft aber mitten durch die Wiese ein Wassergraben. Von deinen 5 Geißen springen 2 hinüber, weil es dort schöneres Gras gibt. Wie viel Geißen stehen dann noch auf Deiner Seite?" — „Auch zwei Geißen." — „Ungeschicktes Bürschlein, denk nochmal ein klein bischen nach. So, antworte jetzt besser als vorhin. Wie viel Geißen also stehen noch bei Dir?" — „Zwei Geißen." — „Wenn Du gedankenloser Knirps mir aber iiicht endlich besser aufmerkst, schlag ich Dir eine hinter die Ohren l Wie viel Geißen hütest Du im ganzen? Antwort!" — „Fünf Geißen." — „Wie viel davon hüpfen über den Graben?" — „Zwei Geißen." — „So. Und wie viel Geißen bleiben also noch bei Dir zurück?" — „Auch zwei Geißen! (In höchster Angst, da jeneu schon zum Schlag aiisholt.) Die ander' ist halt ein Bock!"
* Kleine Tagcschrouik. Ter Berliner Schrift- st e l f.'C r Georg Stockhausen hat sich auf bem Laudgrafeuberge bei Jena erschösse u, Stockhausen ist durch das von ihm herauSgegcbcue Sammelwerk: ^,Ta-s deutsche Jahrhundert" bekannt geworden. — Den „.Hamburger Nachrichten" zufolge ist der Fischd ampfer „Athlet", der int Skagerag
fischte mckx außer der Besatzung auch Passagiere an Bord haben soll, als verloren zu betrachten. Auch der Fischewer „H. F. 111", der zum Fischen in die Nordsee hinausgefahren ist, ist wsher noch nicht zurückgekehrt. — Am Sonntag wurde auf dem Bahnhof Nieder sch ö n w e i d e - I o l a n n i s t h a l ein Türschließer beim Ueb erschrecken des Geleisen von Kottbus iiach Berlin im Dienst von dem einfahrenden Personenzug Nr. 1466 überfahren und tödlich verletzt. Es liegt eigenes Verschulden vor. — In der Geburtsgrotte zu Betlc em kam es am Freitag bei einem Streit zwischen einem Fran ckaner und einem griechi- ichen Priester zu einer Schlägerei, bei der ein deutscher und ein italienischer Mönch verwundet wurden. Ter deutsche Konsul beantragte die Einleitung des Strafverfahrens. — In der letzten Nacht brach in einem kleinen Hotel in der Nähe von Brüssel ein Brand aus, wobei die Frau des Besitzers in den Flammen u m k a m. Ta die Eheleute in Uneinigkeit lebten, lag die Vermutung der Brandstiftung nahe. Ter Ehemann, tvelcher sich mit einem 11jährigen Töcbterchen gerettet hatte, wurde verhaftet. Er erklärte bei einem Verhör, daß er mit seiner Gattin in einen Wortwechsel geraten sei und hierbei die Petroleumlampe umgeworfen habe. — Ter von Konditor Lächel mit Erpress n ngen verfolgte und in Berlin in Haft befindliche Land- g e r i ch t s d i r e k t o r Hasse hat noch einer Breslauer Meldung beim dortigen Amtsgericht die Eröffnung des K o n k u r s e s beantragt. — In einer zerfallenen Burg der römischen Campagna vergifteten sich "ein 25jähriger Student der Chemie und eilte 19jährige Studentin der Medizin, lucil die Eltern die Heirat zu verhindern suchten. Ter junge Mann ist Sizilianer, die Tome Norditalienerin und von großer Schönheit.
Kunst und Wyjenlchaft.
Eino Hypertrophie des Gedächtnisses. Ein interessantes Inserat finden wir in Münchener Blättern. Der Vertreter des S ch r i s t st e l l e r s Liebe in Augsburg giebt darin bekannt, daß zwischen Liebe und L e u t n a n r H e rnin et n n folgender Vergleich geschlossen wurde: 1. Herr Leutnant Hennnann erklärt bezüglich des von ihm veröffentlichen Buches „Eairies Briese"; In den in diesem Buche eingeflochtenen Reskexlonen sind Sentenzen enthalten, welche dem Buche des Schriftstellers Herrn Liebe „Jahr- hundert^inoderne und Seelenaristokraten" entnommen sind, bezw. welche Stellen aus diesem Buche zur Grundlage haben. Die Entlehnung ist nicht in der Absicht des Nachdruckes geschehen, sondern infolge des starken seelischen Eindruckes, welchen der Inhalt des Liebeschen.Buches auf mich gemacht hat. Gerade die verwandten Stellen brachten meine Empfindungen, für welche mir selbst die geeignetsten Wdrte fehlten, zum Ausdruck. Ich gebe meinem liefen Bedauern darüber Ausdruck, daß ich Herrn Schriftsteller Liebe diirch die Tatsache der Entnahme jener Stellen aus seinem Werke m seinen Autorrechten verletzt habe. 2. Herr Leutnant Hentmami trägt die Herrn Liebe in dieser Sache erwachsenen Anwaltskosten.
— Karl Spitteler, der schweizerische Dichter, hat den ihn: vom Wiener Baue-rnfeld-Kuratorium für sein Werk ,,Olym- Pischer Frühling" zuerkaunteu Bauernfeld-Preis von 1000 thronen einem anderen, in Nordbeutfchland lebenden Dickster zugewendet.
Kttcratur.
— Unter unserer sozialen Gesetzgebung ist das J uv aliden- versicherungsgesetz vom 13. Juli 1899 wohl das be-- deutendüe unb am tiefsten in das alltägliche Leben einschneidende Gesetz. Der Zweck des Jnvalideuversicherungsgesetzes ist, auch demjenigen, der durch allmähligen Verfall der Kräfte, durch Kranksein, durch sonstigen Unfall und durch Alter erwerbsunfähig wird, der Gesamtheit gegenüber einen begründeten Anspruch auf staatliche Fürsorge zu sichern. Unerläßlich ist für jeden Versicherten, zu lvisseu. wie er seine Versickerung bewirken und wie er seine erworbenen Rechte erhalten kann usw., damit er vor Schaden bewahrst bleibt. Tie erforderliche Kenntnis sich anzueignen, dazu bietet das von PH. Sckserf über das Jnoaliden- versicheriingsgesetz herausgegebene Werkchen ein gutes Hilfsmittel. Der Verfasser hat sich zur Aufgabe gemackst, uickst den einfachen Gesetzestext, der für den Laien keinen Wert hat, zu geben, sondern er hat es als seine Pflicht empfunden, nur das zu besprechen, was für die Erkenntnis des sozialpolitischen Zweckes des Gesetzes notwendig ist. So schreibt die Zeitsck)rift „Die Jnvaliditäts- und Altersversicherung im Deutschen Reich": „Unter dem Titel: „Arbeiter fürsorge" nach dem Jnvaliden-Versiä-erungs- gesetze vom 13. Juli 1899 ist oou Philipp Scherf ein Werk- clj-en herausgegeben worden, und in der Hofbuchhandlung von H. L. Schlapp, Darmstadt, Schulstr. 5, erschienen, das in' leicht faßlicher, übersichtlicher Darstellung in feinem erften Teile dm Zweck des Gesetzes und feine Vorteile für den Versicherten und in seinem zweiten Teile in. ausführlicher Weise die Frage der Versicherungspflicht, die Befreiung von der Versicherungspflicht und das Versicherungsrecht bespricht. sticht die einzelnen Paragraphen des ganzen Juvaliden-Versicherungsgesetzes will das Werkchen kommentieren, lonbern es greift aus der ganzen Gesetzesmaterie nur diejenigen Fragen heraus und beantwortet sie, die für die mit Durchführung des Gesetzes betreuten unteren Verwaltungsbehörden die wichtigsten find: der Versicherte selbst findet darin Aufschluß über alles, was er selbst von dem Gesetz zu erwarten hat. Insbesondere ist der wichtigsten Aufgabe der Versicherungs-Anstalten, das Heckverfahren in geeigneten Füllen auf ihre Kosten zu übernehmen, die ihr gebührende Beachtung und Besprechung zuteil geworden. Laß die zahlreichen, vielfach schwer verständlichen Bestimmungen des Gesetzes, die das große Publikum und namentlich die Versicherten nickst interessieren, unerwähnt geblieben finb, läßt das äußerst billige Werkchen für alle Laien, für Arbeitgeber und Versicherte nur um so empfehlenswerter erscheinen." — Tie „Darmst. Ztg." sck)reibt: „Arbeiterfürsorge nach dem Jnvalideu-Versictzerungsgesetz vom 13. Juli 1899", herausgegeben von Philipp Schers. .Von unseren sozlalpolitisck>en Gesetzen bedarf das hier fragliche sowohl löcgen seiner teilweisen Neuheit, als auch wegen seiner Anlage unb seines Inhalts vornehmlich einer populären Tarlegung, um seine segensreichen Bestimmungen dem Verstülrdnisfe weitester Kreise nüber zu bringen. Unkenntnis und falsche Auffassungen sind gcrobe auf diesem Gebiete noch so stark vertreten, daß eine klar geschriebene, gemeinverständliche Auseinandersetzung des Stofies, zumal lvenn He sich nicht allzu sehr in Einzelheiten vertiert, sondern in erster Linie die höheren svzialett Gesichtspunkte betont und die Wohltaten dieses Gesetzeswerts gebührend hervorhebt, guten Erfolg haben wird. Eine solche Arbeit ist bic vorliegende Schrift, die hauptsächlich dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer bienen füll. In systematischer 'Anordnung bespricht sie nach einer Darlegung der Entwickelung unserer Sozialpolitik die Grundzüge des Juvaiiden-Verjicherungs- gesetzes uno erörtert alsdann dassecoe im einzelnen unter praktischer Veraufchauiillmng durch Beispiele. Ein übersichtliches, ausführliches Jnhaltsverz-eichuis erhöht den Gebrmichswert der Schrift, deren besonderer Vorzug in einer immer öfteren Hervorhebung der idealen Seiten des neuen Gesetzes besteht.
Derselbe Verfasser hat in einem durch den Verlag dec „Ar- beiter-Versorgung"-Berliu zu beziehenden Werkchen die Recht- s p r e ch u n g s g r u ndsätze über die B r u ch s ch üben behandelt. Tie Bearbeitung dieser Frage bildet ein Hilfsmittel für jeden, der mit der Durchführung der Unfallversicherungsgesetze betraut ist, insbesondere auch für die Herren Aerzte.
ArveUrrvkwegung.
Ein A u s stan b auf den Naphtawerken des Kau-» k a s u s. Am 5. Januar fanden bei Bibi Eibat Z n s a in m e u st vße zwischen zwei Arbeitcrgrnppen statt. Eine zerstörte das Besitztum friedlicher Arbeiter, wobei ein Arbeiter getötet unb 10 verwundet wurden. Am 6. Januar wurden in Balachany bei der Wiederherstellung der durch grobe Ausschreitungen von ausständigen Arbeitern gestörten Ruhe fünf P e r s o n e n getötet und 26 verwundet. Seit dem 6. Januar sind bis jetzt 6 0 Bohrtürme verbrannt und seil Beginn des Feuers überhaupt uwa 100. Der Ausstand wird fotlgejetzt. Die Vertreter der Naphlawert'e- Arbeiter schlugen neue Bestimmungen vor, nach denen die n e-u u-
stundige Arbeitszeit eingeführt wird, alle anderen sttmmungen jedoch nicht verändert werden. Tie Ausständiaew wurden aufgefordert, die Arbeit bis zum 10. Januar wieder auf» zunehmen. Falls dies nicht geschehen sollte, sollen alle Meister und Arvecker entlassen werden. Die Msständigen scheinen der Aufsorderung Folge leisten zu wollen. — In Balachanu ist eine neue Feuersbrunst ausgebrochen. — Börsenmitglieder von Nuchm-Nowgorod wandten sich telegraphisch mit der Bitte an den Finanzminister, dem Ausstand ein Ende zu machen Sie begründeten ihre Bitte damit, daß eine längere Stockung in der Naphtagemmimng bedeutende Verluste der Wolgaschiffahrts-Jn- dnstrie bedeute, uud er)liebten um Einsetzung einer Regierungskommission zur Untersuchung der Gründe der Zwistigkeiten zwischen den sltaphta-Jndustrietteu und ihren Arbeitern.
Kerichtsjaal.
„M a u s ch e l n" i st Glücksspiel. 2er Strafsenat des Oberlandesgerichts in Frankfurt a. M. entschied, daß „Mauscheln" als Glücksspiel gilt, wenn nach der gesellschaftlichen Anschauung um ein Objekt gespielt wird, das die Bedeutung eines Vemwgeiiswertes hat. Sabei kommt die Vermögenslage der einzelnen Spieler gar nicht in Betracht. Aus diesem Grunde wurde ein Wirt zu 20 Mk. Geldstrafe wegen Duldung von Glücksspielen verurteilt. Vom Schöffengericyt war er seinerzeit freigesprochen worden. Das Reichsgericht hat entschieden, datz „Niau-^ schein" im allgemeinen nicht als Glücksspiel aufzufassen ist.
M o s k a u , 8. Jan. Tas Zivildepartement des Senats verurteilte den Oberpolizeimeister General Trepow zur Zahlung von 40000 31 übel Schadenersatz cm eine Frau, Dementowa. Trepow hatte unberechtigterweise das Bureau der Stellenvermittlerin schließen lassen.
Kandel und MerKeyr. Dolkswirtschaft.
Deutsche Bank. Bekanntlich verlautete, daß die Deutsche Bank eine der neuen russischen Anleihe feindliche Stellung eingenommen habe und dieselbe heimlich bekämpfe. So soll sie es hauptsächlich gewesen sein, die durch Abgaben russischer Werte in Paris dort vergangene Woche die Russenbaisfe her-vorrief und ausdrücklich jede Beteiligung an der neuen russischen Anleihe abgelehnt habe. Demgegenüber erklärt nun ein Vertreter der Ttrektiön der Bank einem Vertreter der „F. Z.", daß sie sich m keiner Weise feindlich gezeigt habe und feindlich zeigen iverde, obwohl das Syii- ditat ilir weder eure Crigiimlbeteihgimg noch eine sonstige Diit- Wirkung an der Subseription offengehalten habe. Aus welchen Gründen, ist bis jetzt noch nicht befamit geworden.
Z n r Lage tm Ru h r t o h l e n r e v re r. lieber die Streit- geiahr in den rhemlsch-westfälischen Ruhrkohleiibezirten ist man, ivie leicht begreiflich, an der Börse recht beunruhigt. Die Börse ivendet der Llrbeiterbeweguug ihre volle Aufniertsa'mkeit zii. Vorläufig wird nicht geglaubt, daß es zu einem allgemeinen Arbeiter- aussland kommt, da überall auf deu Zechen noch große Vorräte lagern. Jminerhin mtiß die Lage als bedenklich angesehen werden und es sind aiich bereits ziemlich erhebliche Rückgänge d e r K o h l e n a k t i e n zu verzeichnen.
Die Marktpreise für Vieh und Frucht uud die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 9. Januar 1905.
Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. 9)1.
Fleischpreise in Gießen»
Ochsen
Kälber Schweine
50 Kg. Schlachtgewichi 72—75 Alk.
72 Kg. Schlachtgew. 81—83 Pf.
7j_h_______v______59—60 „
7, Kg. 70-80 Psg.
1/t „ 70—74 , f- „ 60-72_„
Getreidepreise in M a n n h e i m
Brotpreise in Gießen
Weizen 100 Sxg. 18,85 Alk.
Roggen 100 „ 14,70 „
Weißbrot 2 Kg. 52 Psg.
Schwarzbrot 2 Kg. 48 Psg.
Eingesandt.
(Für den Inhalt der unter Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Die o ber h e f s i schen Bahnen scheinen sich nicht der besonderen Fürsorge und des Wohlwollens von feiten der Eisen- bahnochörde zu enicnen, wenigstens was die Personenbeförderung betrifft. Am Freitag vor Weihnachten waren in den beschleunigten Personcuzug ab Fulda 2.46 nachm. Wagen eingestellt, wie sie nur noch für Lok.ckzüge oder auf Nebenbahnen Verwendung finden sollten. In den Wagen 3. Klasse herrschte empfindliche Kühle. An Reinigung schien man überhaupt nicht gedacht zu haben. Denn überall an den Wänden und Decken Hebten dicke Svnrnwccheu. Die Fenster waren so von Staub und Schtnutz überzogen, daß man feinen freien Ausblick hatte, und tvas noch schlimmer war, sie sstlossen überhaupt nicht pest zu. Alle Augenblicke fiel eines herunter und konnte nicht mehr ordentlich zu- gem iverden, sodaß es ganz erbärmlich zog. Da konme man
es a-s ciu sonst recht zweifelhaftes Vergnügen nennen, daß das Evupö belllindig überfüllt war Tenn die wenigen Wagen genügten lange nicht für ixm starken Verkehr an jenem Tage. Auf anderen auch nickst stärker benutzten Strecken läßt man meist einen bis zwri Reservewagen mitlaufen; auf ber oberhessischen Bahn scheint man es dagegen ängstlich vermeiden zu wollen, daß ja einmal ein Anteil unbenutzt bliebe. 9ln den Tagen vor Fcrertagen nimmt man gewiß manches in Kauf und ist froh, wenn man überhaupt von der Bahn mitgenommen wird. Aber alles hat seine Grenzen. Warum stellt man denn in einem Zuge ohne 4. Wagenklasse, der doch wohl in erster Linie dem Durchgangsverkehr dienen soll, nicht Wagen mit getrennten Abteilen und Seiteutürcn ein, die außerdem sowohl für Publikum wie für Balmbcdienskete viel bequemer sind? Ein paar solcher Wagen Hütte man auch noai vor Weihnachten auftreiben können.
Tas sind nur die allergröbsten Mißstände. Sie scheinen auch nicht bloß vorübergehend zu Iwsteheu, soudern leider chronisch zu sein. Wenigstens habe ich schon recht oft von Bekaimtew Klagen gehörst über die schlechten Wagenverhältnisse der ober* lstsftftnen Bahnen. Von der jetzigen preußischen Verwaltung werden die oberhessischen Strecken, wenigstens in dieser Beziehung, etwas stiefmütterlich behandelt. Vielleicht genügen diese Zeilen, damit ein höherer Bahnbeamter sich die Sache etwas näher au schaut unb für Abstellung ber Mißstände Sorge trägt.
Ein OberHesse.
(Dr. St. in H. in Pr.)
L i e b i g str a ß e r.
Die Polizei legt sich hin en..
E i u
Gießen, 10. Jan.
Wie Straubinger in Mesopotamien Gewandert durch 'des Euphrats Schlamieu, So watschelt stillvergnügtermaßen
Ter Bürger durch die L i e 1» i g st r a ß e n.
Hier geht er äußerst zart und meirb,
VClÖ wär' ber Boden Kuclwntcig: Wie nirgends bietet hier der Schmutz Tem Steuerzcttel kräftig Trrfti!
So zeig' vom Gleise Ins .zu Pfeiffer Oh Tiefbauamt, ein wench Eifer!
Sonst könnt' es sctüicßlich möglich fein:
Seide V. 95 pf.
D
Zollfrei! - Muster au Jedermann! —
Seidentabrikt, lieiiucberg-, Zürich.


