Gruppe auf der Seite der Linksliberakar, insbesondere auch au der Seite der süddeutschen Demokratie sich vi-ckteicht doch finden.
Arn Sonntag Kat in Stuttgart d-re Landesversamm- tuu g der Deutschen Parier Württembergs stattgefunden. Nach enter Begrüßungsansprache des 1. Vorsitzenden des Landes- auSschusses. Reichs- und Landtagsabg. Pros. Tr. Hieb er erstattete der Senior der bcutfchportcilTdxm Landtagsfraktion Rcichs- aerichtsrat a. D. v. Ges; das Referat über die Arbeiten des Landtages. Er konstatierte eine allnmHlicl>e Besserung der Finanzlage des Staates und besprach im Anschluß hieran die Notwendigkeit einer Aenderung des Eisenbahnwesens im Sinne einer Erhöhung der Rentabilität. Tie Einnahmen aus den württem- bergischen Eisenbahnen reichen auch im neuen Etatsjahr wieder nicht aus, nm auch mir die Zinsen für die Eisenbahnsch-iUd zu decken. Der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß die bevorstehenden KifenbahngemeinschaftsVerhandlungen zu einem ifür die beteiligten Staaten ersprießlichen Mschluß führen möchten. Don größerem Interesse waren auch die Mitteilungen des Abgeordneten. über die mutmaßlichen Hauptgesichtspunkte der in Aussicht stellenden Verfassn ng srefor m. Hiernach soll es in Ler Absicht der Regierung liegen, in dem den Ständen zu unterbreitenden Gesetzentwurf eine reine Volkskammer, die sich nur aus gewählten Abgeordneten zusammensetzt, vorzuschlagcn, und hinsichtlich der ersten Kam in er eine Beschränkung der Zahl der standesherrlichen Sitze unb eine Vertretung der ver- schiedcnen gesetzlich organisierten Berussstände zu, fordern. Ter ersten Kammer sollen vier Vertreter der evangelischen und zwei der katholischen Kirche, sowie sechs vom König zu ernennende Mitglieder an gehören.
Ten zweiten Hauptvortrag hielt Reichs tag sabg. Patzig- Berlin über Reichstag und Reichspolitik. lieber die Fortschritte der jung liberalen Bewegun g in Württemberg berichtete Kaufmann Stübler-Stuttgart. Ten Jahresbericht der Partei erstattete der Geschäftsführer Tr. Fetzer. Ein schon im vorigen Jahre behandelter Antrag der Ortsgruppe Feuerbach, den Namen Deutsche Partei in nationalliberale Partei umzuändern, wurde, da die einzelnen Ortsgruppen noch nicht vollzählig zu diesem Llnttage Stellung genommen haben, auf die nächstjährige Lar^esversammlung zurückgestellt; er soll dann definitiv erledigt werden. Nach etwa vierstündiger Tauer wurde die Versammlung mit einer Schlußansprache des Vorsitzenden geschlossen.
Wie sich im Verlaufe der Versammlung aufs neue zeigte, W ebenso wie im übrigen Süddeutschland auch in Württem-- Kerg eine langsame Annäherung der einzelnen liberalen Parteigruppen — der Deutschen Parteiund der Volkspartei — im Gange, und zwar ist es hier die Ablehnung des Schulgelbentwurfes durch die erste Kammer, welche diese Parteien zusammenführt. Von beiden Seiten wird eine Verständigung angesttebt, und ivenn nickst unerwartete Hindernisse in den Weg treten, durste sich eine solche wohl auch sicher erreichen lassen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 10. Januar 1905.
** Die Bestrebungen S. K. H. unseres Großherz o ig s zur Hebung der Wohnstättenkultur bespricht Gras Kuno von txrrbenbcrg im neuesten Hefte der? „Deutschen Kunst und Dekoration", Januar, aus Anlaß der Eröffnung der ersten Wanderausstellung des Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein. Er entwickelt in seiner Abhandlung die große, kulturelle Idee, die dem fürstlichen Schützer der Kunst schon seit Jahren vorschwebt
und die durch den Znsrmrmenschilnß des obengenannten Vereins ihrer VerwirMchnng wieder ein gutes Stuck naher- aekommen ist. Es ist der zweite Teil des Großherzoglichen Programms, der in dieser Ausstellung zur Durchführung gekommen ist, jetzig da die Wohnstättenkultur sich in gesunder und kräftiger Entwicklung befindet und es also nur nötig ist, ruhig weit zu schaffen und am Gebäude des neuen Stils zu feilen und zu meißeln. Im übrigen überrascht das Heft auf den ersten Blick ganz besonders durch seine prächtige farbige Ausstattung. Den Reigen eröffnet Willi Geiger, ein noch junger aber stark talentierter Münchener Künstler, ein Schüler von Prof. Franz Stuck. Die Blätter, die 'der Publikation in der „Deutschen Kunst und Dekoration" zu Grunde liegen, betonen vorzugsweise nur eine Seite von Geigers Wesen; er erscheint hier lediglich als freier, lyrischer Phantast, der groteske Variete-Motive mit ungebundener Laun: behandelt. Die kalte nordische Schneelandschast, das Zagere struppige Renntier, das un- gefügte Nilpferd und der zerzauste Eisbär passen sich dem rauhen Geiste seiner Kunst und ihrer harten Strichel-Technik vorzüglich an. Dabei sind die Blätter in ihren einfachen Farben von feinster Wirkung. Von Professor Ludwig Dill, dem begeistcrreu Schilderer der träumerischen Schönheit des Dachauer Moores folgt dann eine größere Gruppe au- ztehendster Gemälde. Die Wiedergabe der Stimmung der Originale ist in dem sorgfaltigst ausge führten Truck vorzüglich ausgefallen. In Walther Schmarje wird uns ein Plastiker von feinem Geschmack und ernstem Wollen vorgeführt. Er ist nicht übermodern, doch fern von falschem Pathos; cs ist eine ehrliche Kunst, die er uns zeigt. Von Professor Heinrich Metzendorf folgen einige Ansichten aus der Tiele einer Villa. Margarete von Brauchitsch, die bekannte Kunstgewerblerin in München, bietet reizende Aäo- tivc in ihrer Ausstattung eines Bade- oder Ankleidezimmers mittels grober Leinenstickerei. Die Dekorations- Formen sind sparsam angewandt, es scheint eine der Haupte bestrebungen dieser tüchtigen Künstlerin zu sein, mit wenig Mitteln vieles zu erreichen. Tann folgt eine Serie Grabreliefs und Grabmäler, preisgekrönte Entwürfe, das Ergebnis eines Wettbewerbes und Entwürfe zu Reklame-Inseraten, ebenfalls aus einem Wettbewerbe hervorgegangen. Die Aussätze, die die Llbbildungen begleiten, verdienen vollauf das Interesse, das ihnen allgemein entgegengc- bracht wird; sie sind anregend und belehrend, ohne bevormunden zu wollen.
** Zur Landtag swahl für den Bezirk Schotten- Gedern-Laubach. Donnerstag den 12. d. M. wird im Rathaussaale in Schotten die Wahl eines Landtags- abgeordnetcn für den Bezirk Schotten-Gedern- Laubach an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Weidner in Herchenhain stattfinden. Von den aufgestellten Kandidaten, Oberförster Weber, Konradsdorf (liberal) unb Bürgermeister Metren Heimer, Eichelsachscn (Bauernbünbler), i)at ber zuerst genannte, so wirb uns berichtet, bie meiste Aussicht, gewählt zu werben. Schon bei ber letzten Lcmd- tagswahl erhielt Oberförster Weber trotz ber Beliebtheit seines bamaligen Gegners Weibner eine so große 'Anzahl von Stimmen, baß ber Herchenhainer Bürgermeister nur mit
knapper Majorität ben Sieg bavontrug. Nun erfreut flch aber ber Kandidat bes Bauernbundes, Mettenheimer, bet der Landbevölkerung durchaus nicht der Sympathie, wie sie der frühere Landtagsabg. Weidner besessen hat, so daß ein glatter Sieg Webers zil erwarten steht, zumal dessen rebnerische Begab!, ng, sein leutseliges Wesen und seine großen Verblenste um ben Vogelsberg allgemein bekannt sind. Der einzige Einwand, der von gegnerischer Seite gemacht wird, ist der alte — er ist Beamter. Wie aber z. B. der RelchstagSabg. Dr. Wal lau, der ja auch Beamter ist, glanzend bewiesen hat, daß ein Beamter die Interessen aller Stande aufsbeste zu vertreten versteht, so darf man wohl auch zu dem Oberförster Weber allseitiges volles Vertrauen haben. Auf je ben Fall ist ec ein Mann, der schon längst durch die Tat be- iviesen hat, daß er ein offenes Auge für die Bedürfnisse der Landwirtschaft im Vogelsberg hat.
'""Promotionen. Im Monat Dezember 1904 wurden an der Landes-Universität promoviert., Zum Dr. p h 11. honoris causa Ministerialrat i. P» Wilhelm Soldan in Darmstadt; ferner: Zum Dr. med. Nikolaus Heß, approbierter Arzt au§ Wadgessen. Zuni Dr. phil. Frau Wera prilitsch ewsky-Tu bandt, cand. ehern, aus Odessa, Albrecht Offen bä ch er, Regierungsassessor aus Sellnrod, Richard Gonder, cand. rer. nat. aufi Friedberg, Jakob Hoffmann, Oberlehrer aus Feil-Vingert.
4- Hungen, 8. Jan. Der seit einem Jahre hier be* stehende gemeinnützige Verein hielt heute feine Mitgliederversammlung ab. Wenn auch die Tätigkeit be5 Vereins iin abgelausenen Jahre infolge der Bürgermelstermahl rc. keine so ausgedehnte war, wie sie vielleicht erwartet wurde, so ist doch mit Freuden zu konstatieren, daß die Aufgaben, welche sich der Verein gesteckt hat, in verschiedenster Hinsicht zum Vorschein traten und daß ivimerhin recht bemerkenswerte Erfolge zu verzeichnen sind. Das äußerst lebhafte Interesse, welches man dem Verein entgegen bringt unb welches in ber heutigen Versammlung vielseitigen Ausklang fanb, beweist, baß bie beschrittene Bahn bie richtige ist und baß ber Verein in nicht zu ferner Zukunft weitere Erfolge, bie bem Gemeinbe- wohl bienen, erringen wirb. Alle Fragen, bie ein öffentliches Interesse habe«, kommen im Verein zur Bearbeitung; damit ist auch der Stadtverwaltung, an bie sich ber Verein anschließt, bie Behandlung öffentlicher Fragen erleichtert, denn im Verein äußert sich der Wille der Bürgerschaft. Vor allen Dingen erstrebt der Verein die Hebung des Gemeinwohls, wie es in ber Erbauung von Wohnungen, Förberung geschäftlicher Interessen, Schaffung unb Verbesserung von Wohlfahrtseinrichtungen aller Art zu Tage tritt.
Frankfurt, 9. Jan. Die Viehmarktbank, bie zu Streitigkeiten zwischen Fleischerinnung unb Hänblern geführt hat, ist schon beim heutigen Markt in Tätigkeit getreten, unb zwar soweit es sich um ben Verkauf von Vieh, auf eigene Rechnung hanbelt. Die Preise für Ochsen sinb bnrchschmttlich um zwei Mark pro Zentner gefallen;
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