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Nr. 212
Erstes Blatt.
15 ».Jahrgang
Samstag 9. September 1905
Erscheint täglich anher Sonntags.
Dem Gießeuer Anzeiger werden int Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Zarnilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Steindruckerei. R. Lange. Redaktion, Spedition und Druckerei:
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Amis- und LzetzeNM für Lm Kreis Gießen
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VezngSvret»: monatlich 75 Pf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole» u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.— viert el- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnuminer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 13Pf^ auswärts 20 Pfg.
Verantwortlich für den polit und allgem. Teil: P. Wittko; für „Stadt und 2anb* und „Gerichtssaal": August Goetz; für den An- zeigentell: Hans Beck.
Die Heutige Wummer umfaßt 14 Seiten.
Vorbereitungen für die Wahlen.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß alle bürgerlichen Parteien ohne Mrsnahme es an Agitationskraft und nachhaltiger, stetiger itnb unermüdlicher politischer Arbeit mit Her Sozialdemokratie nicht aufnehmen können. Während diese oft schon am ersten Tage nach der verflossenen Wahl die Propaganda für die kommende aufnimmt, huldigen die bürgerlichen Parteien zumeist einem sträflichen Gehen und Geschehen lassen und pflegen auch nreist erst wenige Wochen vor den Wahlen aus ihrer Lethargie und Gleichgiltigkeit auszuwachen. Die Schlacht kann aber nur dann gewonnen werden, wenn bei Zeiten der Aufmarsch der Truppen erfolgt und die gesamte Wahltechnik bis aufs ü-Tüpfelchen vorher ausgearoeitet ist.
Jetzt trifft uns eine Zuschrift, die sich gerade mit dieser Frage beschäftigt. Sie lautet:
„Als im Jahre 1903 der sozialdemokratische „Dreimillionensieg" den „Vorwärts" zu dem stolzen Ausruf verleitete: „Unser die Zukunft, unser die Welt!", da mag mancher sich die wohl- berechtigte Frage vorgelegt haben, wie cs möglich war, daß drei Millwnen reife Männer sich betören lassen koimtcn, der Fahne des Umsturzes zu folgen. Mancher ängstliche Philister mag aber auch an den so ost provhegeiten Kladderadatsch gedacht und geglaubt hal>en, mm müsse doch unbedingt die große Umwälzung kounnen und das Reich bet Herren Bebel und Singer auf den Trümmern der gestürzten Ordnung ausgebaut werden. Und wenn man den Helden des „Vorwärts", der „Leipz. Volksztg." Glauben schenken wollte, so mußte der Umsturz alles Bestehenden unmittelbar bevorstehen.
Es kam anders! Dem Begeisterungstaumel und Siegesrausch folgte in Dresden die Ernüchterung und die Nachwahlen brachten den Katzenjammer. Der bissige Hohn, mit dein die Sozialdemokratie ihre Gegner überschüttete, die stolze Ueberheb- ung, die jeden „Genossen" mir Verachtung auf die „bourgeoise Kanaille" herabblicken ließ, hatten die bürgerlichen Parteien ans- gepettscht, und so kam es, daß dem weiteren Vormarsch der Sozialdemokratie ein Halt cntgegcngerufen nrrrbe. Vielen würbe es klar, daß unser Staatsschiff eine weitere Belastung mit sozialdemokratischer Fracht nicht ertragen könne, wenn cs nicht zu Grunde gehen wollte. So hatte denn der sozialdemokratische Millionensieg etwas Gutes geschaffen: den Streitigkeiten und Interessengegensätzen innerhalb der bürgerlichen Parteien wurden die schärfsten Kanten abgestoßcn und einem gern eins amen Vorgehen gegen die Sozialdemokratie die Wege geebnet.
In bürgerlichen Kreisen herrscht kein Zweifel mehr darüber, daß ein, geschlossenes Vorgehen gegen die Sozialdemokratie notwendig ist. Nur über das „Wie?" ist man sich noch nicht recht einig. Der eine liebt eine schneidige Neiterattacke, während der andere einem zwar langsamen, aber ausdauernden Vorwärts- gehen den Vorzug gibt. Jeder nach seinem Temperament. Welche der beiden „Gefechtsarten" besser ist, das soll hier nicht erst untersucht werden. Sehen wir lieber einmal zu, wie die Sozialdemokratie marschiert, was ihr zu ihren geradezu unglaublichen Erfolgen verholfen hat und — lernen wir.
Der Schreiber dieses hat gegen zwei Jähre in einem Reichstagswahlkreise gewohnt, der mit einiger Mühe sehr wohl der Sozialdemokratie wieder abgerungen werden könnte. Trotzdem
die Sozialdemokratie dort über eine ziemlich gute Organisation verfügt, konnte sie den Wahlkreis erst in der Stichwahl behaupten. Ter Kreis war auch schon in der verflossenen Legislaturperiode sozialdemokratisch vertreten. Das Ergebnis der Wahl wurde zwar von al: : „Genossen" freudig begrüßt, aber das Parteiblatt des Kreises wies darauf hin, daß bei der nächsten Wahl der Kreis schon im ersten Wahlgange genommen werden müsse, um dadurch zum festen, unverlierbaren Besitzstand der Sozialdemokratie zu werden. Die „Genossen" nahmen denn auch sofort die Arbeit wieder auf und entfalteten eine Werbetätigkeit, wie man sie nur bei Sozialdemokraten antrifft. Im Laufe eines Jahres wurden nicht weniger als sechs verschiedene Flugblätter in einer Gesamtauflage von w e i t ü b e r 200 000 Stück in die Wohnungen getragen, und das ohne besonderen politischen oder kommunalen Anlaß. Vier Flugblätter, die sich mit kommunalen Angeleg-'beiten befaßten, lvurdcn außerdem noch verteilt. Als „Gratisbeil " gab's dami auch noch einen Volkskalender. Acht große und gut besuchte Volksversammlungen, in denen sozialdemokratische Abgeordnete über aktuelle politifche Zettereignisse sprachen, waren für die Agitation auch nicht gerade gering zu veranschlagen und die regelmäßigen Monats- und Vier.zehntags-Versammlungen der Gewerkschaften füllten etwa vorhandene „Agitationslücken" zur Genüge aus, denn „Gäste" sind in diesen Versammlungen stets willkommen und gern gesehen. Wohin man auch blickte, im ganzen sozialdernokratischen Lager pulsierte ein reges Leben und im Lager der bürgerlichen Parteien schien alles tot. Eine Abvnnementscinladung eines unparteiischen Blattes war das einzige, was an „Gedrucktem" zur Bekämpfung der Sozialdemokratie verteilt wurde, unb in einer von liberaler Seite einberufenen Volksversammlung sprach ein Herr aus Berlin über Nie politische Lage. Das war aber auch alles imd diese einzige Versammlung war noch dazu mehr als schwach besucht.
Sollte es in anderen Wahlkreisen besser sein? Nach den Mancherlei gemachten Erfahrungen dürfte man das wohl bezweifeln. Ja, so ungefähr sechs oder acht Wochen vor der Wahl, dann erinnert man sich wohl daran, daß auch auf bürgerlicher Seite etwas geschehen nruß, aber dann iü es nickt selten schon zu spät. Fehlt es vielleicht an Waffen? Nun, so greife man getrosten Mutes in das Waffen - arscnal der Sozialdemokratie; denn die schlechteste Gefechtstaktik ist es nicht, die darauf ausgeht, den Gegner mit seinen eigenen Waffen zu bekämpfen. Es gereicht wahrlich keinem zur Schande, wenn man von seinem Gegner zu lernen sucht und das Gute, das ihm eigen, sich selbst zu eigen macht. Das Gute aber ist in diesem Falle Organisation und Agitation. An guten Federn, die sich in den Dienst einer guten Sache stellen, fehlt es indes an vielen Orten und Männer, die zur Ausbreitung guter Aufklärungsschriften hm und wieder eine Stunde opfern, sind leider auch nicht überall zu finben i
So wie die Sozialdemokratie in dem angeführten Wahlkreise arbeitet, so arbeitet sic auch anderwärts. Selbst in Berlin, 8-amburg, Chemnitz, Breslau, Nürnberg, in Offenbach und M ainz, die man als Hochburgen der Sozialdemokratie bezeichnen
kann, werden die Wähler unausgesetzt mit Flugblättern überschüttet. Volksversanrmlung folgt auf Volksversammlung, und lebe Parteiaktion findet die einzelnen „Genossen" an ihrem Platze. Ohne Murren zahlt jeder obendrein noch seine nicht geringen Parteisteuern. Die Agitationstouren zur Verbreitung der Vartei- presse und die Flugblattverteilungen sind so gut organisiert und wirren mit einer solchen Sicherheit, daß in den meisten Fällen der Wahlkreis schon n:it den Blättern belegt ist, wenn die 2ln- gehörigcn anderer Parteien sich noch den Schlaf aus den Augen reiben. Es klappt alles wie mit einem Präzisions-Mechanismus geleitet. Wahrlich, es ist an der Zeit, den übrigen Parteien und jedem einzelnen Nichtsozialdemokraten die Worte der Bibel entgegen zu halten: „Gebet hin u n d t u e t d e s g l e i ch en!"
Soweit die Zuschrift. Auch im Landtagswah l- kreise Gießen-Land heißt cs jetzt für die bürgerlichen Parteien: keine Arbeit sparen und keine Mühen sich verdrießen lassen, um durch die gleiche Art der Organisation, wie sie die Sozialdemokratie in geradezu mustergiltiger Weise zu schaffen gewußt hat, sich zu einer unbesiegbaren Phalanx zusaim men zuschließen. Um dies zu können, dazu ist die freudige und opferbereite Mitarbeit aller politisch einsichtsvollen Männer in Stadtund Land von Noten, an die wir daher den Nus ergehen lassen: Auf die Schanzen zum Kampf und zum Sieg!____________________
Borr den französischen Manövern.
Bar für A ube, 8. Sept. Der Oberbefehlshaber, General Brugöre, gab gestern ein Dinerzu Ehren der fremden Offiziere, die den großen Manövern beiwohnen. Brugere trank auf das Wohl der Staatsoberhäupter der 22 vertretenen Länder und auf das Gedeihen dieser Länder, besonders auf die aus drei Generälen bestehende amerikanische 'Abordnung, auf das große Amerika, sowie auf den Präsidenten Roosevelt, den er als wahren Soldaten bezeichnete, der durch Klugheit, zielbewußte Festigkeit und Lauterkeit des Charakters soeben der Menschheit einen unvergeßlichen Dienst erwiesen habe. Der dänische Genera^ Hegermann-Lindencrone dankte namens der fremden Staaten für den Empfang und trank auf Frankreich und den Präsidenten Loubet. Sodann trank der amerikanische General Chaffee, der ausführte, er glaube nicht an eine baldige Verwirklichung der Friedensträume, auf die französische Armee.
St. Etienne, 8. Sept. Während der Man över brach unter einer Reservekompagnie eine Meuterei aus. Die Soldaten, welche sich bei ihrem Hauptmann beklagt hatten, verließen ihr Regiment und zerstreuten sich unter W- singen revolutionärer Lieder narb allen Richtungen.
Ausland.
Budapest, 8. Sept. Die Polizei hat die Anmeldung der Sozialdemokraten, anläßlich der Eröffnung des Parlaments einen Massenaufzug mit Fahnen, Emblemen und Musik zu veranstalten und an den Präsidenten des Abgeordnetenhauses eine Deputation mit der Forderung des allgemeinen Wahlrechts zu entsenden, genehmigt.
Belgrad, 8. Sept. Auf der Grenze nächst Kurschumlja erwartete eine starke albanesische Bande die fünf Mann zählende serbische Grenzpatrouille in einem Hinterhalt. Vier Serben wurden getötet, einer schwer verwundet. Infolgedessen herrscht in Kurschumlja große Aufregung, da man einen Ueberfall der 'Albanesen mrf die Stadt selbst befürchtet.
Washington, 8. Sept. Präsident Roosevelt hat bekannt gegeben, daß der Sollicitor des Staatsdepartements, Richter Penfield, beauftragt worden ist, eine Untersuchung über die Handelsbeziehungen mit den Ländern Südamerikas und Europas im Hinblick auf das Ziel anzustellen, den Handel Amerikas mit den südlich der Vereinigten Staaten liegenden Ländern zu heben. Enfield wird binnen kurzem nach Brasilien abreisen und wahr- scheinlich ebensowohl Europa als Südameri^k besuchen.
und Ilotte.
— Der „Reichsanz." veröffentlicht die Verleihung des Kronenordens 2. Klaffe mit Schwertern am schwarz- und weißgestreiften Bande an den Generalmajor a. D. Leutwein zu Freiburg im Breisgau, bisher Gouverneur von Deutsch- Südwestafrika.
Zur Fleischteuerung.
B e r l i n, 8. Sept. Der Magistrat beschloß, den gestrigen Beschlüssen der Stadtverordneten inbetreff der Fleischnot beizutreten.
hl. Heppenheim a. d. Bergstr., 8. Sept. Ein hiesiger Landwirt verkaufte gestern ein Rind von zirka 2 bis 2V2 Jahre zum Preise von 561 Mk. Der „glückliche" Käufer war ein Metzgermeister von Weinheim. Während dort Rindfleisch bereits mit 84 Pfg., Schweinefleisch mit 90 Pfg. verkauft wird, zahlen wir fyier noch 74 Pfg. für Rind- und 84 Pfg. für Schweinefleisch. Die Hausfrauen in dem benachbarten Lorsch brauchen sogar^ „nur" 80 Pfg. für Schweinefleisch zu erlegen. Selbstverständlich sind zu diesen Preisen nicht die besseren Stucke, tvie Lenden usw., erhältlich.
14. Deutscher Pfarrertag.
Neustadt a. d. Hardt, 8. Sept.
Der Verband deutscher evangelischer Pfarrervereine fand sich dieser Tage hier zu seiner 14. Tagung zusammen. Fast 10 000 evangelische Geistliche Deutschlands finb zur Zett in diesem Verband vereinigt. Er wurde am 1. November 1892 gelegentlich der Einweihung der renovierten Schloß- frcdje zu Wittenberg gegründet. Jetzt sind es 27 Vereine mit über 9500 Mitgliedern, so daß von der Gesamtheit -der evangelischen Geistlichen Deutschlands mehr als zwcidrittel in Pfarrvereinen zusammengeschlosseu sind. Das war eine kaum geahnte
Entwickelung, welche das im Jahre 1890 in Hesse n begonnene Wesen der Pfarrvcrcinsbcwegung in den evangelischen Kirchen,' Deutschlands genommen hat.
U. a. kam zur Beratung die Frage: „In welcher Richtung ist das gegenwärtige g e i st l ich e Ge ri cht s versa hre n einer Reform bedürftig und fähig?" Der Referent P. Pasche-Dieskau stellte eine Reihe von Lettsäven auf. Und auch der Korreferent! Pfr. Wahl-Langen meinte: Das bestehende geistliche richtsverfahren bedürfe einer Reform hauptsächlich in der Richtung/ daß die Lehre und die Jmiwnderabilien der Amtsführung einte Behandlung unterliegen sollten, bei der das „geistliche Richten^ der Schrift, vor allem »uch das Prinzip der Gemeinde mehrt zur Geltung käme, wobei er anheimgab, ob sich nicht eine Reform! des gesamten geistlichen Gerichtsverfahrens empfehle. Die Ver-i schärfung der thevl. und kirchlichen Gegensätze.! sowie das Anwachsen der Gemeinschaftsbewegung, die doch aucht eine Art von religiös-demokratischer Reaktion des- Laienchristentums gegen das akademisch-theo- logische F a ch ch r i st e n t u m darstelle, fcegünfrige die Entstehung von Konflikten. Dabei handle es sich um Schutz und Sichev-i ung ebensosehr der Rechte und des Gewissens der Geistlichen wie! der Gemeinden. Das Gemeindliche, Kirchliche Lime bci dem gegen-! toiirtigcn, den Staatskirchenbehörden in erster Linie übertragenen! geistlichen Gerichtsverfahren zu kurz. Eine Erweiterung der ent* scheidenden Instanz sei auch um der Kirchenbehorden selbst willew erwünscht. Ein stehender Disziplinargerichts Hoß neben der KirckMbehörde, wie er im Großherzogtum Hessen feit 1883 bestellt sei, bedeute schon einen Fortschritt. Doch das In-- teresse, bei Gewissenskonflikten das „geistliche Richten" dem „iu-i ristischen Richten" und „disziplinären Ahnden" so wett als möglich übcrzuordnen, spreche mehr für nach festen Gesichtspunkten von Fall zu Fall zu ernennende, gemischte Kommissionen, eine Art Ehrenrat oder geistliches Schiedsamt. Daß auch bei solcher Regelung in der Praxis starke Schwierigkettew zu überwinden fein würden, dürfte nicht verkannt werden; doch dränge die Not der Zett darauf, der ganzen Frage Beachttmst zu schenken, deren Lösung auch mit abhängig erscheine von der Entwickelung und Ausreifung des kirchlichen Einigimgsgedankens und dem Maße von Mitwirkung, das hierbei den synodalen Orga-. nifationen zukommen werde. Der Korreferent empfahl schließlich in llebereinstimmung mit dem Referenten: Borberatung der ganzen Frage in den Einzelvereinen zum Zweck der Dorlags fertiger Vorschläge und Anträge beim nächsten Pfarrertage, vow wo ans die weiteren gesetzlichen Wege zu beschreiten seien.
'Subermtenhcnt Meudels.ohn beantragte, das bisherige Material den einzelnen Vereinen hinauszugeben, und auf dem; nächsten Pfarrertag das Desinitive zu beschließen. Dieser kntixig; touübc angenommen.
Aus Stadl Md Mud.
Gießen, 9. September.
*• Hundesperre abermals verlängert. Wie machen die Hundebesitzer auf die in vorliegender Nummer enthaltene Bekanntmachung Großh. Polizeiamts Gießen auf* merksam, nach der infolge neuerdings festgestellter Tollwuv die für Gießen verfügte Hundesperre bis auf unbestimmte Zeit ausgedehnt wird.
** Zur Landtagswahl finden wir im ,Bad-Nauh/ Anz.^ folgendes „Eingesandt^:
Mit größtem Erstaunen lesen wir in der „Butzb. Ztgck: ,9ei| der Landtagswahl im Bezirk Bad-Nauheim wird außer dem bis-- herigen Kandidaten Justizrat W i n d e ck e r Oekonom W e i t h (der frühere Landtagsabgeordnete für unseren Bezirk) kandidieren und« zwar wird dieser vom Bauernbund aufgestellt werden." Man> wird wohl nicht sek)l gehen, wenn man annimmt, daß hier eine Verwechslung vorliegt. Es wird wohl nicht Herr Wetth in Nieder- Wöllstadt sein, welcher sich durch die Gunst des Baliernbundes nochmals das Landtagsmandat für unfern Bezirk erringen will,, nachdem er vor zwei Jahren freiwillig auf dasselbe verzichtet hat,, sondern es wird wohl Herr Oekonom Breidenbach in Dor-, beim sein, der, wie wir hören, seitens des Brnrernbundes gegen; Herrn Wmdecker für unseren Bezirk ausgestellt werden soll. Es ist; zu bedauern, daß sich hier in Nanhemi, als dem größten Wahlord^ des Bezirks, nicht jemand findet, welcher das Mandat für beit Landtag übernimmt, resp. Aussicht hat, in denselben gewählt zu werden. Mit Nauheims Interessen sind doch bekanntlich die Interessen des ganzen Bezirks verbunden; dies sieht doch jeder vernünftige Mensch auf dem Lande ein! Stimmen hierfür aus unserer direkten Nachbarschaft, welche gar nicht zu unserem Bezttk geboren,, bestätigen das in vollstem Maße. Was kann ein Mann, selbst miti dem besten Willen und den besten Absichten, für Nnuheim leistens wenn er nicht genügende Kenntnisse des Platzes hat? Auch kann es uns und dem Bezirke nichts nützen, wenn er einer bestimmten Partei angehört. Wir haben keine Parteisachen, sondern ledigli^ Lokalinteresicn zu verfechten. Nauheims Vorwärtsschreiten ist Aufblühen der Umgegend! Deshalb wollen nrir die Kandidatur Windecker so lange fe st halten, bis uns Gelegenheit geboten ist, durch direkte Wahl einen Nauheimer in den Landtag zu bringen!
** Ein Rohrbruch der Wasserleitung ereignete sich am Freitag zwischen 10 und 11 Uhr auf dem Seltersweg: vor dem Reinig'schen Haufe. Er entstand dadurch, daß ein Kanalarbeiter mit einem Hammer versehentlich auf das gußeiserne Rohr schlug, so daß es platzte. Der Waffersttah! sprang gegen 2 Dieter hoch. Das Rohr wurde jedoch sofort, so gut es ging, verstopft, bis es vom Wasserwerk aus abgestellt wurde.
” Weidmanns Heil. Hotelbesitzer B. hier, iw Jägerkreisen wohl bekannt, wurde vor einigen Jahren- morgens um 4 Uhr von feinem Hausburschen geweckt, der ihm allßer Atem meldete, daß ihm im Keller, den er hatte betreten wollen, ein großes Tier begegnet sei, daS wie wahnsinnig in den unteren Räumen des Hauses umher wirtschaftet Kaltblütig begab sich B. mit seiner Kugelbüchse ausgerüstet, in daS stockfinstere Kellergeschoß, wo er zuerst das elektrische Licht aufdrehte, um das Terrain zu rekognoszieren. Wohl durch das plötzlich aufflammende Licht überrascht, saß im äußersten Winkel des Kellers ein feister Fuchs, dem ein wohlberechneter Meisterschuß des Herrn B. zwischen den Lichtern den Garaus machte. Freudig zeigte der glückliche Schütze beim Frühschoppen den auf so leichte Weise erbeuteten


