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9.8.1905 Erstes Blatt
 
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i, am 7. August 1905. ien-Vramei Gießen. , egzugvHalbec \actC ich Freitag, Allgast nachm. 2 Uhr ' öahuhosstrave 1- öol): 1 Annen,chram, kchrauk, 'Lierpre,stou, L,Betten,Garte»' Podium sowie diverse jt^penheimer^ met-AM

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Mittwoch 9. August 1900

Die Heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.

ISS. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Nr. 185

©»eoelot tflellO außer Sonntag».

Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Vekftsche» Landwirt die Gießener Kamillen- wm« viermal tn der Woche beigdegt

RotattonSdruck a. Ver­lag der Brühl'ichen Unwerl^Buch-u. Stein- brudznri. 9t Bange. Btetafttm», Lrnedttw» unh Druckerei: vcholpeaße 7.

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'ermretS: . fTi.i2'?3fw ansrvärtS 'j -Ij-j. ei anlwor^t ch fiste den Doüt und (J ei t. Teil P. Wtttlo: für »Stadt und $?anb* und GerichtSsaaf: August Goetz, für den An­zeigenteil: dans Beck

Aas Kisenöahnungkülk Bei Spremberg ist, wie angenommen wird, durch Verspätung der abgegebenen Signale entstanden. Der Schnellzug in Spremberg wartete auf ein Signal, das die Abfahrt des Nachzuges melden sollte. Als dieses ausblieb, lvurde der Berliner Schnellzug abgelasscn. Später erst, nachdem der Nachzug von Schleife schon abgefahren war, kam erst die Meldung nach Spremberg. Das Unglück hätte verhütet werden können, wenn das Signal gleich­zeitig mit der Abfahrt des Zuges von Schleife abgegeben worden wäre. Das Unglück geschah an einer Stelle, wo die Gleise eine große Kurve bilden. Die beiden Züge näherten sich im Voll­dampf einander, ohne daß die Maschincnführer merken konnten, das; sie auf ein und demselben Gleise fuhren. Eine andere Ver­sion besagt, das Eisenbahnunglück sei, wie es scheine, durch eine Verspätung des fahrplanmäßigen S ch n e l l z u g e s aus Görlitz hervorgerufen worden.

Nach anderen Meldungen soll das Unglück dadurch ent­standen sein, daß die Einrichtung der Blockstation nicht richtig funktioniert hat. Endlich wird behauptet, daß durch eine V e r sie h e n der Berliner Schnellzug das Ausfahrts- Signal aus Spremberg erhalten habe und bei einer Kurve mit dem auf der Strecke befindlichen Nachzuge zusammengestoßen sein.

Das Ministerium hat zwei Räte als Kommissare nach Sprem­berg entsandt, die den Tatbestand aufnehmen und die Untersuchung leiten sollen.

Unter der Beschuldigung das Unglück verursacht zu, haben, ist der Stationsassistent Stolljuß vom Dienste suspendiert worden. Er soll den Berliner Schnellzug vorzeitig aus Spremberg Herausgelass en haben.,

Die Liste der auf dem Bahnhofe zur Rekognoszierung ausgestellten Leichen wies zunächst 13 Tote auf, die fast alle rekognosziert sind: 1. Iustizrat Rockau, 2. Frau Justizrat Rockau, 3. der vierjährige Sohn Rockau, 4. Arzt Dr. Nitschc aus Landshut, 5. eine Dame, wahrscheinlich Frau Tr. Nitsche, 6. HeinrichPelas, Grafvon Plauen, königl. Akademist aus Jenkendorf, Sohn des Prinzen Hein­rich XXVI. von Reuß j. L., 17 Jahre alt, 7. Oberstleutnant a. D. C r e t i u s aus Berlin, 8. Herr Grüning!, zirka 60 Jahre alt, Wohnort unbekannt, 9. ein Knabe von etwa 10 Jahren, 10. eine 50jährige Dame, 11. Hilfs­schaffner Noack-Kottbus, 12. Lokomotivführer Seid el- Kottbüs, 13. Heizer Walter- Kottbus.

Schwer verletzt sind: Hildegard Rockau, Heizer F r ö s e, Schaffner Hagen, Packmeister S ch e f t e r, Zug­führer Ruck. Der Lokomotivführer Krug ist im Kranken­hause zu Kottbus nachts an den erlittenen Verletzungen gestorben. Ihm war das Rückgrat gebrochen.

Die Familie des Justizrat Rockau wurde aneinanderge- schmiegt gefunden. Die Tochter lebt noch, aber ber Arzt gibt wenig Hoffnung auf Erhaltung des Lebens. Wie bei allen Eisenbahnunglücken sind auch bei diesem die Verletzungen der unteren Gliedmaßen besonders schwer und totbringend gewesen.

Die totgeglaubte Frau Justizrat Rockau befand sich nach letzten Meldungen nicht im Zuge, sie war in Berlin geblieben. Wer also die unter 2. genannte Dame ist, weiß man noch nicht. Ein Görlitzer Bankier hat sich durch seine Geistesgegenwart gerettet, indem er sich platt auf den Boden legte; er wurde später nur leicht verletzt aus den Trümmern hervorgezogen.

Ein Augenzeuge erzählte: Mit unheimlicher Geschwindigkeit sausten die Schnellzüge aufeinander. Ein donncrähnliches Krachen erfüllte die Luft. Dann folgte einen Augenblick Todesstille. In der nächsten Minute ertönte der Schrei der Verwundeten, die unter den Trümmern begraben lagen. Die beiden Loko­motiven hatten sich buchstäblich in einander gebohrt, waren von dem Bahndamm heruntergestürzt und bildeten eine einzige unentwirrbare Trümmermasse. Die nachfolgenden Per­sonenwagen waren zertrümmert. Der erste Personen­wagen 2. Klasse des von Berlin kommenden Schnellzuges hatte sich auf die Trümmer des Gepäckwagens geschoben. Der zweite Personenwagen 1. und 2. Klasse hatte sich in den Vorwagen hm- eingeschoben, sodaß die Insassen der beiden Wagen zum größten Teile zermalmt waren. Die nachfolgenden Wagen zeigten weniger starke Beschädigungen, die der dritten Klasse wurden durch den Zusammenstoß weniger berührt. Bei dem Zug 112 waren die ersten drei Wagen zermalmt worden, jedoch befanden sich in diesen nur zwei Fahrgäste, die mit Knochcnbrüchen davonkamen. Die zunächst leicht Verletzten begaben sich zum größten Teile zu Fuß nach Spremberg, wo ihnen Notverbände angelegt wurden. ?Vür die schwer Verwundeten wurde an der UnglückMelle em Verbandsplatz angelegt und vier Aertte hatten reichlich zu tun, ihnen die erste Hilfe angedeihen zu lassen.

Von jedem Zuge blieben die drei letzten Wagen dritter Klasse völlig unversehrt. _

Tie Rettungs arbeiten gestalteten sich außer­ordentlich schwierig. Eisen und Holzsplitter hatten sich derartig in einander geschoben, daß die Toten und Ver­so un d eten mit Aexten aus den Trümmern heraus­gehauen werden mußten. Der Bremser wurde am ganzen Körper vetbrannt, aber noch lebend nach Kottbus geschafft. Das Personal der Maschine Nr. 112 liegt noch unter den Trümmern.

Tausende von Menschen umstehen die Unfallstätte. Die Rettungsversuche nehmen ihren Fortgang, da noch nicht alle Toten und Verwundeten unter den Trümmern hervor­geholt werden konnten. Die Hilfe der Spremberger Feuer­wehr mußte in Anspruch genommen werden.

Nach dem Eisenbahnunglück von JUgolstadt wenige Tage später die schrecklicke,bis jetzt noch nicht voll übersehbare Kata- strovhe bei Spremberg: das gibt denn doch zu ernstem Nachdenken darüber Anlaß, ob die Betriebssicherheit unserer Eisenbahnen so ist, wie sie verlangt werden kann. Von der Höhe, welche die Technik einnimmt, ist oft die Rede. Wer mit einiger Aufmerksamkeit die Leistungen der Technik ver­folgt weiß, daß eine bedeutende Anzahl von Erfindungen sich gerade mit der Verbesserung des Eisenbahnverkehrs beschäftigt Viele Patente sind erteilt auf Neuerungen, die speziell die Sicherheit des Betriebes, in bezug auf Ver­

hütung von Zusammenstößen, Entgleisungen usw., zu ver­stärken bezwecken. Eine gcurze Literatur von Untersuchungen und Vorschlägen ist demselben Gegenstand gewidmet. Von diesen fortschrittlichen Bestrebungen sehen wir die Eisen­bahnverwaltungen >im allgemeinen nur in bescheidenem Maße Nutzen ziehen. Zweifellos befindet sich doch unter den Neuerungen manche, die eine wirkliche Verbesserung dar­stellt, deren Einführung als ein Gewinn zu betrachten wäre. Prüfungen werden denn auch vorgenommen, nur allzu gründliche und langwierige, als daß die Sache vom Fleck käme. Ein Beispiel für viele: noch immer befindet sich die nicht gar zu komplizierte Frage im Stadium der Erwägungen und Versuche, wie die Abteile so zu beleuchten sind, daß man, ohne Augenschmerzen zu bekommen, lesen kann. Und noch ein Beispiel: das Problem der seitlichen Kuppelung der Wagen gilt immer noch nicht für gelöst, obwohl schon vor einer Reihe von Jahren, auf ber Ber­liner Unfallverhütnngsausstellung, Wagen mit seitlicher Kuppelung zu sehen waren, die nach dem Urteil der Sach­verständigen ausgezeichnet funktionierten.

Aber nicht nur die lange Dauer der Prüfung und Er­wägung, auch die Kosten spielen eine Rolle. Noch zu viel ist in die Hand eines einzelnen Menschen ge­geben, oft eines durch seinen Dienst übermäßig ange­strengten, dem die Nerven und Muskeln nicht mehr ge­horchen. Der soeben vom Amte suspendierte Beamte ist auch ein bedauerliches Opfer seines Berufes.

Noch zu wenig wird fernerhin von mechanischen Sicherungen Gebrauch gemacht, die berufen sind, einen jener verhängnisvollen menschlichen Irrtümer durch rechtzeitige Warnung gut zu machen. Endlich und vor allem: noch zu sehr beherrscht das Sparsamkeitsprinzip den Betrieb. Nach dem Eisenbahnkatastrophen-Jahr 1900 wur­den in Preußen, nach einer vom preußischen Landtag ge­übten scharfen Kritik zahlreiche Beamte mehr eingestellt, besonders in den äußeren Dienst. Doch es ist nicht minder- wichtig, daß an den Bahnanlagen nicht gespart wird. Der sonst der Regierung sehr ergebeneLok.-Änz." schrieb gestern abend:Eines steht fest: das Unglück wäre vermieden wor­den, wenn die Bahn einen zweigleisigen Ausbau hätte. Eine so umfassend befahrene, mit Schnellzügen ausge­stattete Strecke, die nur über ein Gleis verfügt, ist eine Gefahr für das Leben der Fahrgäste. Die öffentliche Mein­ung hier (in Berlin) behauptet, daß die erste Frucht der folgenschweren Katastrophe, die der Eisenbahn eine sehr er-, hebliche materielle Last des Schadenersatzes anferlegt, der zweigleisige Ausbau der Strecke sein werde." Das wird die öffentliche Meinung allenthalben behaupten. Noch schärfer drückt sich dasBerl. Tagebl." ans:Bei dem Millionen­etat des Eisenbahnwesens, bei den gewaltigen Ueberschüssen dieses Etats hält es die Eisenbahnverwaltung für erträglich, eine sehr verkehrsreiche Strecke eingleisig zu lassen und auf dieser eingleisigen Strecke obenein noch Schnellzüge mit einem Fahrplan Verkehren zu lassen, der bei der kleinsten Unachtsamkeit, bei dem geringsten Irrtum eines Beamten Katastrophen wie die vorliegende herbeiführen muß. "

Wir sind der Meinung, daß es zu geringer Be­ruhigung gereicht, daß alsbald zur Aufnahme des Tat­bestandes zwei Räte des preußischen Verkehrsministeriums an die Unglücksstelle entsandt worden sind. Daß von ihnen ein Schuldiger gefunden und für eine folgen­schwere Unterlassung mit Dienstentlassung bestraft wurde, damit ist der Oeffentlichkeit nicht gedient, sondern nur mit einer hoffentlich sehr bald erfolgen­den amtlichen Erklärung, daß, was nur in den Kräften der Verwaltung steht, geschehen wird, derartige Katastrophen durch Ausbau von Gleisen und anderen Sicherheitsvorkehr­ungen zu verhüten. Auch die Ueberfüllung der Eisenbahn­züge, ein Anblick, den man fast jeden Feiertag auf allen Bahnhöfen deutscher Städte haben kann, gehört in das Ka­pitel der Verkehrsunsicherheit. .Heute teilen mehrere Berliner Blätter mit, daß ein Passagier, der nach ärztlichem Urteil eine schwere Hcrzaffektion durch Aufenthalt in einem über­füllten 'Abteil sich zugczvgen hat, eine Klage gegen den Eisenbahnfiskus geltend machen will, falls dre Ersatz­ansprüche abgewiefen werden. Es scheint, daß vor zweifelhaften Tarifreformen zunächst einmal auf dem Ge­biete der Betriebssicherheit reformiert werden muß.

Der Aeichstag und Südafrika.

Die klerikaleKöln. Volksztg/ schreibt zu der gestern von uns an leitender Stelle mitgetcilten Auslassung der Nat.-Ztg." in der südwestafrikanischen Angelegenheit in sehr gereiztem Tone:

Eine fernere Nichtachtung der Reichstagsrechte werde die Suppe im November gewaltig versalzen. Tie Regierung habe allen Anlaß, für eine bessere Stimmung im Reichstage zu sorgen, wenn fie im Begriff stehe, mit neuen Steuern sowie mit einer neuen Flottenvor ° Inge zu kommen. Das jetzige Vorgehen der Regierung sei ein ungemein fruchtbarer Boden für die tm Frühjahr bereits vorauS- gesagtcn Konflikte. Jedenfalls liege es nicht tm Interesse des Reiches, jetzt schon so viel Zündstoffe aufzuhänsen. Selbst bei der denkbar größten Beschleunigung des Trttppeutransports hätte die Regierung sich wenigstens mit den Führern der Parteien im Reichstage ins Einvernehmen setzen können.

Die Zentrumsführer werden von diesem ungestümen Ruf zu den Waffen kaum sonderlich entzückt sein, denn wenn man auf Reisen ist und sich des sauer verdienten Ur­laubs freut, will man nichts von Oieschäften wissen, am wenigsten von parlamentarischen, die nichts einbringen. Einem Prinzip zuliebe, und selbst einem so kostbaren und mit Eifer verfochtenen wie dem Budgetrccht des Reichstags, opfert man nicht angenehme Ferientage. Es ist ja doch viel wirkungsr im Herbst die Unterlassung der Reickstags­

einberufung mit gefurchter Miene zu rügen, um daran groß­mütige Verzeihung zu knüpfen, als jetzt einer lästigen Pflicht nachzukommen und obendrein die Regierung ob ihres korrekten Verhaltens loben zu müssen. Doch wenn Fürst Bülow ein wenig boshaft sein und sich nebenbei gegen ähnliche Forder­ungen für die ganze Zeit seines Amtes sichern wollte, dann hätte er die Berufung des Reichstag? bewirken sollen. Ein heiteres Schauspiel, wieviele Mitglieder des Hause? sich entschuldigen ließen als ganz und gar unabkömmlich durch höhere Gewalt, mit dem nicht ungewöhnlichen Resultat hoff­nungsloser Beschlußunfähigkeit des Reichstags. Vor hundert und noch etlichen getreuen und fleißigen ReichSbotcn hätte Fürst Bülow dann seine Rede gehalten, warum General v. Trotha eine Truppensendung für notwendig erachtet und dann war es auch noch so. Fürst Bülow als stets liebenswürdiger und höflicher Mann erspart dem Reichstag diese Sommersitzung und läßt es lieber darauf ankommen, daß ihm im Herbst die Verletzung des Budgetrechts vorgeworfen wird. In der vorigen Woche, da am Horizont der auswärtigen Politik Wolken aufstiegen, wurde von übereifrigen Leuten des Kanzlers Anwesenheit in Berlin gefordert. Sogar der alte Fürst Hohenlohe wurde dem Badegast von Norderney als Beispiel vor Augen geführt. Fürst Hohenlohe, so behaupteten die Tadler, würde in so kritischer Zeit in Berlin weilen. Der gute Fürst Hohenlohe! DaS hätte er sich, der seiner dekorativen" Bedeutung stets eingedenk war, nicht träumen, lassen, daß man ihn einmal als Muster entschlossenen Han­delns zitieren könnte! Wir möchten einmal sehen, welche Bestürzung es hervorriefe, hieß es: der Reichskanzler ist ge­nötigt, seinen Urlaub zu unterbrechen und nach Berlin zurück­zukehren l Gut, daß es nicht geschehen ist und daß die Welt photographische Momentaufnahmen betrachten kann, die den glücklichen Erben als harmlos dahinwandelnden Spazier­gänger oder auf tänzelndem Roß darstellen.

Deutsches Reich.

Truppenübungsplatz Posen, 8. August. DaS heutige Exerzieren der vereinigten Kavallerie-Regimenter kommandierte der Kaiser selbst. Der Kaiser nahm nach der Truppenübung eine Reihe militärischer Meldungen ent­gegen, darunter diejenige des spanischen Herzogs de la Victoria, der sich als Militär-Attachee meldete. Das Früh­stück nahm der Kaiser im Osfizicrkasino des Barackenlagers ein, ebenso am Abend das Diner. Das Barackenlager war von den Soldaten überaus reich mit Flaggenmasten, Guir- landen und Ehrenpforten ausgeschmückt. Vom kaiserlichen Feldlag"r genießt man eine gute Aussicht über die Warthe­niederung.

Berlin, 8. Aug. Der König von Spanien wird als Gast des Kaisers an der Parade bei Hom­burg v. d. H. am 8. September mit großem Gefolge teil­nehmen.

Die Vorsitzenden sämtlicher landwirtschaft­lichen Kammern sind für den 11. August zu einer Kon­ferenz im landw. Ministerium einberufen, die Ursachen und die Wirkungen der neuerdings beobachteten Steigerung der Fleischpreise, namentlich der des Schweinefleisches, sowie über die Aussichten für die weitere Preisbildung dem Minister Vortrag zu halten. Im Zusammenhang damit soll auch die Frage der Preisnotierung auf den öffentlichen Schlachtoiehmärkten, sowie die Mitwirkung der Kammern bei der Bekämpfung der Viehseuchen erörtert werden.

Die Aufbesserung des Wohnungsgeld» zuschuss es für die Unterbeamten steht im Reichs­haushaltsetat für 1906 zu erwarten. Wenigstens werden, wie offiziös gemeldet wird, bei der Bearbeitung, der jetzt die sämtlichen Ressortvorschläge für jenen Reichshaushaltsetat im Reichsschatzamt unterzogen werden, diese Pläne zur Er­wägung kommen. Es ist erinnerlich, daß der Anstoß dazu von preußischer Seite gegeben ist. Im Reiche war man so­fort bereit, in gleicher Richtung vorzugehen, jedoch war eS klar, daß eine solche Neuregelung hier zusammenfa^len müßte mit der neuen Klasseneinteilung der Orte, wie sie durch das letzte Servistarifgesetz für den 1. April 1906 als not­wendig bezeichnet war. Än der entsprechenden Novelle zum Servistarifgesetz wurde seit längerer Zeit gearbeitet, so daß sie sicher dem Reichstage in der nächsten Tagung wird unter­breitet- werden können.

Hamburg, 8. Aug. Die Preßkommission der Ham­burger sozialdemokrat. Partei bewilligte 50 000 Mk. für ein nach Berliner Muster zu erbauendes Gewerk - s ch a f t s h a u s.

Bremen, 8. Aug. Von dem Kaiser ist auf ein Tel» gramm, das den Dank des Norddeutschen Lloyd zum Voll­züge der Hafen erweiterun g in Bremerhaven aus­sprach, dem Norddeutschen Lloyd folgende Antwort zu­gegangen:

Truppenübungsplatz Posen.

Ihr freundliches Telegramm von gestern betreffend den Vok zug der Hasenerweilerung von Bremerhaven, habe Ich mit Genug­tuung erhalten. Wie bisher kann der Norddeutsche Lloyd Meiner kais. Fürsorge auch in Zukunst stets versichert sein. Ich bin der gewissen Zuversicht, daß es seiner erprobten, weitblickenden Tat­kraft gelingen wird, die ihm nunmehr gestellte große Aufgabe zu lösen und daß daraus dem Lloyd ein weiteres Auiblühen und dem gesamten Vaterlande ein bleibender Segen erwächst.

gez. Wilhelm I. B.