kindischen RaffenfanatiSmuS ent)prang, verachtete er, wie Goethe, Kant ttnb Herder; aber er wußte die besondere Erscheinungsweise des Sittlichen, wie sie durch die natürlichen Bedingtheiten der Nationalität gegeben sind, in den einzelnen Staaten zu würdigen und hat die besondere Aufgabe seine? Volkes nie verkannt. Er stellte sein Deutschtum nicht über
Menschentum, sondern liebte in jenem dieses.
Was er wünschte, war, unserem Volke jene Totalität des Charakters wieder zu gewinnen, welche der Lauf der Kulturgeschichte, im Interesse einer höheren Kultur selbst, hatte zerstören müssen. So ist sein Kulturideal enthalten und bc« schlossen in dem Gedanken eines in sich ruhenden, vollendeten und harmonischen Menschentums, bei gleichmäßiger Entfaltung aller geistigen Kräfte. Unsere Nation ist heute in einer glücklicheren Lage, als zu Schillers Zeiten; wir haben uns, wenigstens nach außen hin, in schweren und blutigen Kämpfen zu einer staatlichen Einheit durchgerungen; aber der Streit und Zank der Parteien, Rassen und Konfessionen im Innern ist heute so schlimm wie nur je. Hier können wir von Schiller lernen; hier sollen wir das Ideal unserer klassischen Dichter und Denker in uns wieder lebendig machen und in der Erkenntnis der sittlichen Einheit de§ Menschengeschlechts die Brücke finden, welche uns über die Gegensätze des Tages hinweghilft. In allen Mitmenschen die Menschenwürde zu achten, das dünkt mich die sittliche Forderung für alle kommenden Zeiten.
UotMsche Tagesschau.
Eisenbahmdeale.
Daß wir uns inmitten einer Periode von Eisenbahn- tebolutionen befinden, kommt dem Einzelnen bei der Langsamkeit, mit welcher in Deutschland die Tarifresorrnen sortschreiten, kaum mehr zum Bewußtsein. Aber schon ist von militärischer Seite das Wort gefallen, daß die Feld- züge jetzt durch die besten Eisenbahnen entschieden werden. Und wenn unsere Zukunft auch auf dem Wasser liegen soll, so gilt dies Wort doch von den wirtschaftlichen Feldzügen und Völkerwanderungen fast noch mehr. Der Westen der nordamerikanischen Union ist von den Eisenbahnen urbar gemacht worden. Die Schienenwege rücken in den nächsten 10 Jahren Kanada als eine große .Handelsund Industriemacht in den paeifischen Wettbewerb. Und der Schöpfer des asiatischen Großhandels ber Union ist kein anderer als der König der amerikanischen Eisenbahnfürsten, Mr. Hill, der Präsident des Great Northern und der befruchtende Geist in der Northern Pacific! Wenn sich Südafrika von den Kriegsschlägen so rasch erholen konnte, so verdankt es dies im wesentlichen der Eisenbahnpolitik, die in Transvaal unter Miln er s Aegide nach dem Friedensschluß als erste große Organisationsarbeit in Angriff genommen wurde. Alle die großen Fortschrittsnationen fassen die Eisenbahnen nicht mehr nur als eines unter vielen oder gleichwertigen Kolonisationsmitteln auf, sondern schlechtweg als den Kolonisator, und zwar den Kolonisator auch im dichtbesiedelten Heimatlande. Wan hat deshalb auch die amerikanischen Hill-Linien nicht mit Unrecht das „Preußen" des Imperium Amerikanum genannt. Es ist wohl unrecht, zu sagen, in den deutschen Kolonien könnten Bahnen nicht auch wirtschaftliche und kulturelle Erfolge ausweisen. Die Union Pacific wurde durch die Salzwüste von Utah gebaut, überklomm die Nocky Mountains an ihren unwirtlichsten Stellen und durchquerte die Prairie. In Frankreich sind die Jungkolonialen jetzt zu der Erkenntnis der Notwendigkeit gelangt, den Handel des Mittelmeers mit großen Bahnsträngen an sich zu klammern, und nicht umsonst haben französische Patrioten ihr Geld in die zinslosen spanischen Bahnen gesteckt. Ms Bismarck ein ft den großen Gedanken einer fran- rösisch-deutsch-österreichischen Zollunion ins Auge faßte, von dem er nur wegen französischer Empfindlichkeit Abstand nahm, waren die preußischen Bahnen nicht verstaatlicht. Anderenfalls wäre eine mitteleur o päisch e Eisenbahngemeinschaft , die den amerikanischen Systemen sich an die Seite stellen konnte, und das industrielle Deutschland zur Schlagader des nach drei Ozeanen pulsierenden europäischen Wirtschaftsverkehrs machte, die unausbleibliche Ergänzung gewesen. Auch nachdem die Verstaatlichung der Bahnen dem Privatkapital den Anreiz zu gewaltigen Entwürfen genommen hat, wird sich Europa mit größeren Eisenbahnidealen rüsten müssen, wenn es den Platz in der ersten Reihe behaupten will.
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Blinder Lärm.
Ein Flotten-Konfliktsartikel der „Köln. Volksztg." hat selbst in den Kreisen der Zentrumssraktion des Reichstags Befremden bervorgernfen. Der beabsichtigte Eindruck ist nach keiner Richtung erzielt, am wenigsten wohl bei der Regierung. Diese zeigte bei der Militärvorlage, daß ihre Forderung sich auf das unbedingt Notwendige und finanziell Erträgliche beschränkt, und auch bei der nächsten Flottenvorlage werden zweifellos diese die leitenden Gesichtspunkte fein. Es ist schlechterdings unverständlich, wie das rheinische Zentrumsorgan aus der Frage der Auslandskreuzer die Möglichkeit einer Reichstagsauflösung im Herbst ableiten konnte. Hat doch auch der Führer des Zentrums in der Flotteukommission des Jahres 1900, der Abg. Müller-Fulda, nicht bestritten, daß für die Notwendigkeit der Vermehrung der Auslands- kreuzer die Gestaltung der weltpolitischen Lage im Grunde bestimmend sei. Damals konnte die Marineverwaltung mit der Vertagung dieser Vermehrung sich einverstanden erklären, die Weltgeschichte hat aber seitdem eine Entwicklung genommen, die es geraten erscheinen läßt, der auswärtigen Politik Deutschlands ein besseres Rüstzeug an die Hand zu geben. Bis weit in die Kreise der bürgerlichen Linken hinein ist man von dieser Erkenntnis durchdrungen, und die Zentrumsfraktion sollte der Auslandskreuzer wegen es zum Konflikt, zur Neichstagsauflösung, treiben? Nun, die Parteipresse ist in diesem Falle nicht die Partei. Innerhalb der letzteren weiß man sehr wohl, daß eine Reichstagsauflösung aus einem solchen Anlaß den Zentrumsturm bedenklicher Erschütterung aussetzen wurde. Schließlich ist eS bis zum Herbst noch geraume Zeit hin, und auch das rheinische ZentrumSorgan vermag nicht zu sagen, welche für den Ausbau der Seewehr bedeutsamen Ereignisse der Sommer bringen kann. Daß ein angesehenes Preßorgan der ausschlaggebenden Partei gegen die Flottenpolitik der Regierung zu einer Zeit mobil macht, da Deutschlands Neider zu beioen Seiten des Kanals den Werl der deutschen Flotte herabzusehen suchen, ist zum mindesten unklug. Und wenn man sich der schwungvollen Rede erinnert, mit der beim Flottengesetz der jetzt maß- aebende Zentrumsmann, Abg. Dr. Svahn, für den Ausbau
der Marine cintrat, dann muß man es vollends für ausgeschlossen halten, daß die Zentrumssraktion bis zum Er- cheinen der Flottenvorlage die Konfliktsgelüste der „Köln. Volksztg." sich aneignet. *
Keine Marokko.Jnterpellation.
Nach der „Nat.-Ztg." hat Reichskanzler Graf Bülow nicht die Absicht, im Reichstage über die Marokkofrage das Wort zu ergreifen, solange über den Gang derselben nicht mehr Klarheit ist.
Graf Bülow wird also auch nicht auf dem Wege der Beantwortung einer Neichstagsinterpellaticm den Minister Delcasss der Verpflichtung entheben, Klarheit in die durch dessen Verschulden unklar gewordene Marol'koangelegenheit zu bringen. In parlamentarischen Kreisen ist, wie zu dieser Meldung hinzugefügt werden kann, bisher nicht bekannt geworden, daß bei irgend einer Partei die Absicht besteht, demnächst eine Marokko-Interpellation einzubringen. Negierung und Reichstag sind offenbar darin einig, daß die Reihe, das Wort zu nehmen, nach wie vor an Herrn Del- easse ist._______________________________________________
Aus Stadl Land.
Gießen, 9. Mai 1905.
** „Nun laßt die Glocken von Turm zu Turm........." Der vortreffliche Vorschlag, zur Feier
des Schillertages alle Glocken läuten zu lassen, hat erfreulicherweise im Großherzogtum Hessen Verständnis gefunden. Das Großh. Oberkonsistorium hat, wie wir aus bester Duelle erfahren, angeordnet, daß am Nachmittag des heutigen 9. Mai zur Sterbestunde Schillers um 5 Uhr allgemein es kirchliches Geläute stattfindet. Damit wird das ganze Volk, ohne Ausnahme, seine würdige Schillerfeierstunde begehen können, ob bei der Arbeit oder in der Ruhezeit. Daß es die Sterbestunde des Dichters ist, wird die feierliche Stimmung besonders heben und alle Herzen, die sich für unseren Dichterfürsten begeistern mögen, höher schlagen lassen. Eine gleiche Anordnung haben auch die Behörden in Frankfurt und der Hamburgische Senat getroffen. Das Ausschreiben des Großh. Oberkonsistoriums an die evangelischen Kirchenvorstände des Landes bat folgenden Wortlaut:
Um der nationalen Bedeutung der 100. Wiederkehr des Todestages Friedrich Schillers einen die Gemeinden unseres Landes vereinigenden festlichen Ausdruck zu verleihen, des Mannes, der unserem deutschen Volke von der Heiligkeit der idealen Güter der Menschheit mit hoher Krast, sittlicher Begeisterung und gott- verliehener gewaltiger Dichtergabe gepredigt und das Lied von der Glocke gelungen hat, empfehlen wir Ihnen, am Nachmittag des 9. Mai, zur Sterbestunde Schillers, um 5 Uhr, kirchliches Geläute mit allen Glocken anfluorbneii.
** Tagesordnung für die Sitzung der Stadt- v e ro r dn e t en-V er sa mm lun g,DonncrStag, den 11. Mai 1905, nachmittags 4 Uhr, pünktlich: 1. Baugesuch des I. P. Pfeiffer für die Neustadt; hier: DispenS. 2. Baugesuch der Firma Abermann u. Kling für die Blockstraße; hier: Dispens. 3. Baugesuch des Karl Haas V., für die Frankfurterstraße; hier: Dispens. 4. Baugesuch von Gebrüder Rosenbaum und Genossen für die Margaretenhiit^e: hier: Dispens. 5. Gesuch der Firma Kreuder u. Komp, dahier um Erlaubnis zur Anbringung eines Schaukastens am Hause Bleichstraße Nr. 6. 6. Uebertragung des Pachtverhältnisses mit L. Frees wegen seiner Wasserbude am Walltor an A. Gerstenberg. 7. Verpachtung eines Stückchens Wiese an der Wiesenstraße an Julius Hahn Nachfolger. 8. Ersatz der Dienstkteidcr für die städtischen Tacstöhner. 9. Vergebung der Schreibmaterialien und Drucksachen für das Rechnungsiahr 1905. 10. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. 11. Bewilligung von Mitteln für die Erweiterung des Wasserwerks in Queckborn. 12. Genehmigung von Rechnungen. 13. Beseitigung der Niveaukreuzung am Schiffenbergerweg. 14. Bahuprojekte zur Erschließung des Vogelsbergs. 15. Der Waldbrand am 4. August 1904. 16. Gesuch des L. Feidel um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hanse Sonncnstraße 3. 17. Desgleichen des Martin Langsdorf für Crednerstraße 34. 18. Desgleichen des Karl Rühl für Bahnhofstraße 57.
** Genick st arre in Fried berg. Man schreibt uns aus Friedberg: Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, ist in Ober-Mörlen, Kreis Friedberg, ein 12jähriger Knabe unter Genickstarre verdächtigen Erscheinungen erkrankt und am 6. 1. M. gestorben. Ob wirklich Genickstarre vorliegt, ist zurzeit noch nicht festgestellt; es kann sein, daß es sich nur um einen Fall von Hirnhautentzündung handelt. Sicheres wird erst die im hygienischen Institut in Gießen stattfindeude bakteriologische Untersuchung ergeben. Vom Kreisgesundheitsamt und vom Kreisamt sind an Ort und Stelle sofort alle Vorsichtsmaßregeln in umfassender Weise getroffen worben. Zu Besorgnissen gibt der Fall zunächst keine Veranlassung.
•* Oesterreichisches S ch lacht nieh. Gestern wurden für unseren heimischen Fleischbebarf 16 Stück fette Ochsen aus Oesterreich-Ungarn nach Gießen eingeführt. Es ist in bieicni Jahre ber erste berartige Transport Fettvieh, bem je nach Bebarf, ben unsere Metzger haben werben, weitere Transporte folgen werben.
** Nochmals ber merkwürdige Storch. Unsere Vermutung über den in den Wiesen ber Gemarkung Burg- Gr äsenrob e sich aushaltenben zutraulichen Storch wirb burch eine uns heute zugegangene Zuschrift ber Firma Pfalz. Thonwerke Hagenburger Schwalb & (So. in Hettenleibelheim (Pfalz) bestätigt. Meister Langschnabel ist in ber Tat ein zahmer Storch, welcher seit 3 Jahren bis Ostern 1905 frei in ber Fabrik der genannten Firma und in der dortigen Umgegend umherspazierte, von den Arbeitern und sonstigen Leuten gern gesehen und gefüttert mit Fröschen, Fischen unb Fleisch. Drei Winter brachte ber Storch in ben Warm- räinnen ber Chamottesabrik zu unb fühlte sich berart heimisch, baß nicmanb ein Wegfliegen für möglich hielt. Der zahme Storch, auf ben Nam- n „Hans" hörenb, würbe von ber ermähnten Firma gegen Vergütung ber entstehenben Kosten mit Dank zurückgenommen werben.
Fulba, 8. Mai. Der Beginn ber preußischen Bischofskonferenz ist auf ben 5. Juni festgesetzt worben. Den Vorsitz wirb Karbinalfürstbischof Kopp führen.
Ale Schisserfeier zu Hießen.
in.
Schiller-Kommers.
Heber ben Kommers am Samstag geht uns heute fofgenber Bericht zu, ben wir im Interesse ber Vollstänbigkeit ber Berichterstattung zum Abbruck bringen:
Der am Samstag abenb im festlich geschmückten Neuen Saalbau von der Studentenschaft veranstaltete Schiller-Kommers war außerordentlich zahlreich besucht, unb es mußte
außer bem großen Saale auch noch ber kleine Saal in sprach genommen werben.
stud. Doepfer (Alemannia) führte bas Präsibium unb hielt bie Rebe auf Kaiser unb Großherzog. Die zweite Rebe auf bie Gäste hielt kstud. Schlie (Arminia), stad. West hoff (Starkenburgia) hielt bie Rebe auf den Lehrkörper ber Lanbes- uniocrfität.
Hierauf bankte ber Rektor Geheimrat Prof. Dr. Voss ins im Namen bes Lehrkörpers, sagte u. a. ben Stubierenben ben Schutz bet akademischen Freiheit zu unb ge* bachie weiter ber stäbtischen Behörbe unb ber Stabfücrorbnetcn mit Dank für bie materielle Unterstützung ber Schillerfeier, sowie ferner sämmtlicher an bem Zustanbekommen bes schönen Festes im Theater unb in ber Turnhalle beteiligten Personen unb brachte ein Hoch auf sie, im speziellen auf ben Leiter ber Festlichkeiten Prof. Dr. Krüger aus. Weiterhin sprachen noch Provinzialbirektor Geheimrat Dr. Breibert, Land- gerichiSpräsibent Kullmann, Oberst v. Linbenau um, Oberbürgermeister Meeum. Auch Pros. Dr. Krüger bankte für bas ihm bargebrachte Hoch.
Nach 12 Uhr begann ber inoffizielle Teil bes Kommerses, ber erst nach 3 Uhr sein Enbe fanb unb sehr animiert unb harmonisch verlies._____________________________________
vermischtes.
* Graz, 8. Mai. Samstag unternahmen ber Professor für Kirchenrecht an ber Grazer Universität, Dr. Vietor Wolf Ebler v. Glanvell, berPrivaibozent für politische Oekonomie Dr. Leo P et ritsch unb ber Lanbesrechnungs- Ofsizial Gottlieb Stopper eine Tour auf bie Hochschwab. Alle brei finb gestern beim Fölzstein abgestürzt unb blieben tot. Die Leichen würben geborgen unb nach Asienz gebracht. Wolf, ber Schwiegersohn bes Professors Hofrates Luschin ist 35, bie beiben anbern finb 30 Jahre alt Sie machten bie Tour mit noch zwei anberen Touristen, von benen sie sich trennten. Die Abgestürzten waren ausgezeichnete Alpinisten, bie schon zahlreiche Bergtouren gemacht haben.
* Gräfin Montignoso. Gegenüber ben verschiebens Äußerungen in ber Presse kann bas „Dr. g/ mit* teilen, baß sich am 2. Mai ber sächs. Staatsminister Dr. Otto im allerhöchsten Auftrage nach Florenz begeben hat, uni mit ber Gräfin Montignoso zu verhanbeln. Es ist bort auch ein ber Genehmigung des Königs bedürfender neuer Vertrag vereinbart unb niebergefchrieben worben. Dr. Otto ist nach Dresben zurückgekehrt. Das Blatt schreibt weiter: „Heber ben Inhalt bes Vertrages Mitteilungen zu machen, finb wir nicht in ber Lage, weil bie Entschließung Sr. Majestät zurzeit noch aussteht."
* Der „Musen-Seppel". In ber Monatsschrift be5 Allg. Deutschen Schulvereins, „Das Deutschtum im Au8- lanb", nagelt ber bekannte nationale Schriftsteller Karl Pröll einen brastischen Fall von betrügerischer Irreleitung ber nationalen Hilfsbereitschaft unserer ftuben- tis ch en Kreise fest. Zur Warnung aller derer, bie es angeht, sei ber Fall hier erzählt: „Ein Herr Josef Wobu- schek, mit bem felbstgewählten Beinamen ber „Musen-Seppel", treibt sich in ben letzten Jahren auf reichsbeutfchen Hochschulen umher. Mit stubentischen Gewohnheiten vertraut weiß er sich in akabemische Kreise einzübrängen. Er legte biesen Kreisen ben abenteuerlichen Plan eines „allbeutschen akabemischen Vergnügungs-HauseS^ in einer „reizenben Gegenb HntersteiermarkS" vor. Nach seinen eigenen Angaben in einem gebrückten Nunbschreiben smb bereits gegen hunbert stubentische Korporationen veranlaßt worben, in ihren Kneiplokalen Sammelbüchsen für bieses Luftschloß auszusiellen, bereu Inhalt ihm von Zeit zu Zeit eingehänbigt wirb. Ja, er hofft, noch zweihimbert ähnliche Sammelbüchsen unterzubringen. Tie Hörer ber technischen Hochschule in Stuttgart waren vorsichtig. Sie wanbten sich an ben Vorstcmb bes Lanbesverbanbes Württemberg beZ Allgemeinen Deutschen Schulvereins um Aufklärung. Dieser crfimbigtc sich in Petiau, wo ber ersinbungsreiche „Musen- Seppel" jetzt wohnt. Der Verbanb erhielt bie Auskunft, baß Wobuschek wegen Gelb- unb Krebitmangels bort fest- gehalten sei, von bem allbeutschen Stubentenhaus jeboch niemanb etwas wisse. Der Mann scheint jahrelang aus Kosten beutscher Stubenten — unter bem Vorwanbe, für bie deutsche Sache zu wirken — ein flottes Leben geführt zu haben." — Auf diese Weise werben ber nationalen Schutzarbeit wertoolle Mittel entzogen. Um bas zu vcrmeiben, rät PÖll zum immer allgemeineren Anschluß an einen organisierten nationalen Schutzverein, ber burch seine vielfachen Verbinbungen stets in ber Lage sein bürste, berartige Schwinbelversuche als solche zu erkennen. Einem solchen Verein, etwa bem Allg. Deutschen Schulverein, wären auch bie Beträge zuzuführen, bie sich etwa in ben für biesen Herrn Wobuschek ausgestellten Sammelbüchsen noch vorfinben.
* Kleine Tages chronik. In Triest gab ein entlassener Werftarbeiter der „Stabilimento technico" auf offener Straße fünf R e v o l v e r f ch ü s se auf den Betriebschef Oberingenieur Jürgensen ab. Der Ueberfallene wurde schwer verletzt. Der Arbeiter beging Selbstmord. — Im Weitmarer Walde bei Linden a. d. R-, wurde ein junger Mann mit durchschnittenem Daye erhängt aufgefundeu. In der Nähe lag ein blutbeflecktes Rmier- Messer. Es liegt zweifellos Mord vor. Der mutmaßliche Tater ist verschwunden. — In Berlin kamen in den letzten Tagen verdächtige Erkrankungen vor. Nach dem Ergebnis genauer Unter* suchnng liegen weder Genickstarre noch schwarze Pocken vor. ~ Itnter dem Verdacht, ihr Kind ermordet zu haben, wurde m Zehlendorf bei Berlin eine Ticns^nad^lifeE^ua^^^hm^
VniverUläts-'Nalffricftten.
— Am 8. Mai fand eine große Studienten-D emon- stration der studierenden der tc ch n i s m c n D o ch s ch u le in Charlotte ii bürg statt. Ueber LV00 Studenten hatten sich Vor der Hochschule versammelt, wo zunächst das Lied: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ", angestimmt wurde. Da die Polizei verbot, mit Musik den Demoustrationszug zu begleiten, zogen die Studierenden zu je drei und drei in Korporationen eingeteilt, nach dem Spandauer Bock, wo der Zug mit Musik emvsangen wurde. An der ossiZiellm Schillerfeier der Professoren nahmen die Studierenden nicht teil. Die Feier auf dem Spandauer Bock wurde mit dem Lied „Burschen heraus" eingeleitet. Hierauf begrüßte der Studierende S e ck die Versammelten und dankte für ihr zahlreiches Erscheinen. Die Festtede hielt Herr I ä h n edie in einen Salamander auf die Freiheit, die Schiller so schön geschildert hat, ausllang. Der Zug bewegte sich hierauf wieder zur Technischen Hochschule zurück, wo er sich in Ruhe auf- löstc. Die Weimarer Kunsthochschüler hatten ein Sympathie- Telegramm gesandt, das sofort beantwortet wurde.
Freiburg i. Br., 8. Mai. Bei der heutigen zweiten. Immatrikulation für daL Sommersemester schrieben sich


