Ausgabe 
6.12.1905 Erstes Blatt
 
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noch tm Reichstage bei wichtigen ^Ebftnmmmgen erscheinen zn können: an eine volle Wiederaufnahme seiner hervorragenden Tätigkeit dort ist reicht zu denken. Obwohl wir fast in allen Punkten zu den schärfsten Gegnern des £>emt Rickster gehört haben, bedauern wir doch sein Scheiden aus dem Ab- yeordnetenhause und die Einschränkung seiner Tätig­keit im Reichstage aufrichtig. Er war nicht nur ern fleißiger, kluger intb ernster Politiker, sondern ein Mann in der besten Bedeutung des Wortes. Je seltener die aufrechte und entschiedene Mannhaftigkeit in unseren Parlamenten wird, um so mehr ist es zu beklagen, wenn ein solcher Vertreter seine Tätigkeit vor der Zeit beenden oder eirrschränken must. Für seine Part-'i ist der Rücktritt Richters »in geradezu unersetzlicher und in hohem Maße bedenklicher Verlust. Es ist sehr fraglich, ob sie ihre Einbeit und Geschlossen­heit auf die Tauer wird erhalten können. Was uns den Abg. Richter in letzter Zeit besonders sympathisch machte, war die Klarheit, mit der er die sozialdemokratische Gefahr erkannte und die rücksichtslose Entschiedenheit, mit der er diese Erkenntnis vertrat.

Ausstiche Deuigkeiten.

Nach einer Meldung derTimes" aus Petersburg Hot der deutsche Botschafter am russischen Dos, Graf Alvens- leben, dem Zaren einen eigenhändigen Brief des deutschen Kaisers überreicht. Ter Inhalt des kaiserl. Schreibens ist unbekannt.

Rach einer weiterenTimes"-Meldung versucht Graf Witte, den ehemaligen revolutionären Führer Pater Gapon als Verbündeten der Negierung zu gewinnen. Gapon weilt in Petersburg, seitdem die allgemeine poli­tische Amnestie gewährt wurde: es scheint, daß er ruhiger und besonnener als die übriger Sozialisten ist. Jedenfalls scheint er geneigt zu sein, die Regierung zu unterstützen, denn die unversöhnlichen Revolutionären fangen eine regelrechte Hetze gegen den ehemaligen Priester an, indem sie ihn als Werkzeug der Reaktion hinstellen. Rach anderen Meldungen steht die Wiedereröffnung der nach den Januar- uirruhen geschlossenen Abteilungen der von dem Priester Gapon organisierten Arbeitervereine und die Rückgabe der beschlagnahmten Summen bevor. Tie sozialrevolutionäre Partei erklärte, in einer Resolution, daß die von Struve und Gapon vorgeschlagenen Maßnahmen den Arbeitern nur Unheil bringen könnten. Warum, wird verschwiegen. Wie behauptet wird, ist im Laaer der Sozialdemokraten eine Spaltun g eingetreten.

Tie PetersburgerHandels- und Jnd.-Ztg." erfährt auS zuverlässiger Quelle, die Regierung stimme dem Projekte des allgemeinen Wahlrechts zu. Rach Informationen desRuß" soll die Einberufung der Reichs­duma spätestens am 28. Januar erfolgen.

Ter Streik der Post- und Telegraphen- beamten dauert unverändert fort.

In Warschau wurde auf dem Wittkowski-Platz ein Polizeiunteroffizier erschossen.

Ueber Eydtkuhnen wird von einem Privatkorrespon- benten gemeldet: Ter Kommandeur des 7. Armeekorps, General Möller^Lakomelski, teilte mit, daß bei der Be- schießungder Kaser nenvonSewa st opol vier Ma­trosen und drei Revolutionäre getötet wurden. 2000 Mann ergaben sich, davon 1000 Matrosen und 400 Mann, wovon der größte Teck Agitatoren in Zivil und der Rest Infanteristen sind. Obgleich die letzten 400 Mann ebenfalls über Waffen verfügten, trat bei ihnen jedoch der größte Mangel einer Organisation zutage. Die Meuterer verrieten trotz ihrer großen Zahl und ausgezeichneten Be­waffnung keine Energie und Gewandtheit. Aus diesen Gründen seien auch die Menschenverluste geringer, als irgendwo bei einem Zusammenstoß mit schlecht oder gar nicht bewaffneten Volksmassen. (Dem stehen Meldungen gegenüber, nach welchen 1800 Matrosen gefallen fein sollen.) Von dem Vrestschen Regiment ist ein Soldat gefallen; zwei wurden DcriDunbet Von den Revolutionären wurden drei Mann getötet und vier Matrosen verwundet. Es geht das Gerücht, daß die Zahl der von den Einwohnern fortgeschafften Verwundeten erheblich größer fein soll.

Aus Kischinew und K o l o r a s trafen Nachrichten von neuen antisemitrichen Exzessen ein. Tie agrarische Bewegung in Südrußland nimmt immer ernsteren Charakter an. Mehrere hundert Gutsbe­sitzer sollen überfallen und zum Teil getötet wor­den sein.

Wie Londoner Zeitungen melden, bleibt die Lage in Ost-Sibirien höchst gefährlüb. In Charbin wurden einige Regimentskommanoeu re von ihren Mann­schaften auf grausame Art und Weise ermordet. In Wladiwostok ließ der kommandierende General die Straßen von Truppen besetzen. Ter Verkauf von Spirituosen ist überall verboten, da die russischen Soldaten in wilde Bestien umgewandelt werden, sobald sie Wutki trinken. Viele Offi­ziere in Wladiwostok Haven öffentlich für die Meuterer Partei ergriffen und erklären, daß vor Weihnachten ganz Rußland von den Sozialisten regiert werden wird.

Ausland.

Paris, 5. Tez.Echo de Paris" meldet aus Mont- pelier: Gendarmen verhafteten gestern einen Mann, der erklärte, er sei der Urheber des Bomben -Atten­tats in Paris gegen den König von Spanien und L o u b e t. Er heißt F e r r a s.

Ly on, 5. Dez. Vor einigen Tagen versuchte der Haupt­mann de Guyot int Hotel d'Univers den General Audard zu erschießen. Tas Attentat wurde durch das Tazwischentreten eines Adjutanten verhindert. Der Hauptmann hat sich jetzt erschossen.

Wien, 5. Tez. (Abgeordnetenhaus.) In der fortgesetzten Beratung der Regierungserklärung ermahnt "Abg. Breiter (Ruthene) die Regierung, sich von den Gegnern des allgemeinen Wahlrechts nicht e i n s ch ü ch t e r n z u l a s s e n Herrnansky (Deutsche Volks­partei) tritt für den Schutz des a g r ar p o li t ischen Be­sitzstandes bei der Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts ein.

Konstantinopel, 4. Dez. Ter Botschafter von Ca- lice erhielt in der vergangenen Rocht eine Note derPforte, welche die Annahme der Finanzkommission, jedoch mit zahlreichen Abänderungen des Regle­ments enthält.

Washington, 5. Tez. Tie dem Kongresse zugegan­gene Botschaft des Präsidenten Roosevelt erflärt u. a.: Es soll in Erwägung gezogen werden, ob es nicht wünschenswert sei, daß die Zollgesetzgebung die An­wendung der Minimal- und Marimaltarife gegenüber an­deren Nationen gestatte, um eine geNüsse Gegenseitigkeit zwischen anderen Nationen und Amerika zu ermöglichen. Sparsamkeit sei zu empfeh.en, jedoch wären Abstriche an der Marine ein Verbrechen an der Nation. Ter neuen Haager Konferenz tvünfchc er besten Erfolg: er werde mit allen Kräften nritarbeiten, und er hoffe, daß schließlich

verunglückt. Er war beim Einladen der 6nc und geriet zwischen einen rangierenden Wagen und ein Wand, wobei ihm der Brustkorb eingedrückt wurde sroJr' arbeitet brachten den Schwerverletzten nach seiner SSobnunn 2chon auf dem Transport starb er. Jung ist aus Klej/ Li n d en gebürtig, er steht tm Alter von 52 Jahren nnlT hinterläßt eine Witwe mit mehreren unmündige:: »rindern Früher war Jung im Eisenwerk Margarethen tH bei Gießen tätig, das vor ca. 7 Jahren den Petris einstellte.

mit Hilfe solcher K-onferenzen daS Schiedsgericht einen regel­mäßigen Austrag von intern« ttonalen Streitigkeiten bilden werde, indessen fei, wie heute die Tinge liegen, nur die Nation für den Frieden gerüstet, welche zu kämpfen verstehe. Tie Vereinigten Staaten haben keine Vergrößerungsgelüste, sondern nur das Gedeihen aller Republiken im Auge. Tie Armee und die Marine seien bei höchster Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Madrid, 5. Tez. Ter Papst hat seine Zustimm­ung zu der Heirat des Königs mit der Prinzessin von Battenberg unter bet Bedingung genehmigt, daß die Prinzessin vor der Hochzeit zum katholischen Glauben übertrete.

Spezialbericht

von Baruch Strauß, Bankgeschäft.

In dem Augenblick, wo die Börse durch die Deroute auf das Rus senmarkt jeden Halt verloren hat, wo Besonnenheit und ruhiges Urteil abhanden gekommen sind, und der Handel mn nochnach dem Gefül)l", nicht mehr nach 'Unterlagen vor frä zu gehen scheint, ist es ni 't unangebracht, einen Blick auf W russischen Verhältnisse zu werfen.

Vorgänge, wie die russischen, sind m den Annalen der Börsengeschichte nicht vereinzelt, sic wiederholen sich btm 3« zu Zeit, werden auch wieder vergessen, und es wirkt rifüri" beruhigend, wenn man an einem ähnlichen Fallen minia« iure", den Spiclhagenkrach, erinnert. Auch damals bemerftt man, wie heute, kopflose Angstverkäufe, jeder wollte sich. Besitzes noch rasch um jeden Preis entledigen, und dabei über­legte man nicht, daß es einKursminimum" gab, welches betn größten Manco Rechnung getragen.

Frankreich, das zu keiner Zeit in seinem Vertrauen zu den Finanzen Rußlands schwankend wurde, verkauft seit einigen lagen enorme Posten seines Besitzes und diese ftnden natürlich nur Aufnahme unter großen Kursverlusten.

So stehen 4'/s proz. Russen, welche am 30. Sept. 98> Pro;, notierten, beute ca. 88 Prozent. 4 pro;. Russen, welche am 30. Sept. 92V» Droz, notierten, heute ca. 81 Proz.

Russen, welche am 30. S<wt. 85 Proz. notierten, heute ca. 72Prov Also auf einem Niveau, das jeden überlegen lassen muß, vv nicht schon viel Ungünstiges in demselben ausgedrückt iU und das Veranlassung geben könnte, mindestens gelassen abzuwartm- Außerdem sollte man nicht vergessen, daß Rußland troy ferner Reaktion ein Land von immensem Reichtum ist, dem viele na tut* lick ' Hists- und Einnahmequellen zur Verftigung stehen, imb das cs nut der Wiederkehr geordneter Zustände unb einer festen Der*

Ans Stadl und Land.

Gießen, 6. Dezember 1905.

** Zum landesherrlichen Einweis ungSkorn- missär für die erste Kammer wurde, wie uns aus Darm­stadt drahtlich gemeldet wird, Geh. Staatsrat Krug von Ridda von S. K. H. dem Großherzog ernannt und zu Mitgliedern der landesherrlichen EinweisungSkoinmisfion für die zweite Kammer die Ministerialräte Gehennerat Braun und Weber.

Der zweite Vortrag der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde findet morgen Donnerstag abend 81/« Uhr in der großen Aula der Universität statt Hofcat Dr. F Nölting aus Tübingen wird einen Licht­bildervortrag über Birma halten.

Personalien. Am 9. Oft. wurde der Lokomotiv­führer in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschast Karl Zöller zu Darmstadt wegen geschwächter Gesundheit, am 12. Oft. der Lokomotivheizer in der Hessisch.Preußischen Eisenbahngemeinschast I. Schuchmann zu Darmstadt wegen geschwächter Gesundheit in den Ruhestand versetzt.

** Erledigt ist eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Schule zu Buchklingen (Gemeinde Lohrbach), Kreis Heppenheim.

* Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Am heutigen zweiten Ziebunqstage der 1. Klasse der 7. Lotterie fiel eine Prämie von 75 000 Mk. auf Nr. 25094, datz zuletzt mit 400 Mk. gezogen wurde (nach Rendel), ein Ge- winn von 1000 Mk. auf Nr. 15246, ein Gewinn je 400 Mk. auf Nr. 15057 35463 90355. (Ohne Gewähr.)

Fld eler Ausflug. Eine Anzahl Mitglieder des Bäckervereins »Frühanf* hatten am verfloßenen Sonntag einen Ausflug nach Wieseck gemacht. Dort kam eS zum Streit und einer wurde kräftig mit dem Messer bearbeitet. Die Angelegenheit wird zum gerichtlichen Austrag kommen.

Mißhandlung. In einer Bäckerei hatte sich gestern früh ein Gehülfe mit Schnaps bekneipt und sich dann zu Bett gelegt. Seine Mitarbeiter holten ihn, angeb­lich auf Geheiß des Meisters, aus dem Bett und bearbeiteten ihn mit einem Besen und einer Peitsche derart, daß er ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte und dnnn Anzeige erhob.

** Aus dem Dureau des Stadttheaters Am Freitag geht als 7. FreitagSabonnementsoorstellung Scribcs »GlaS Wasser* nach mehrjähriger Pause wieder in Szene. Die Hauptrollen sind mit den Herren Wittmann und Lüttjohann, sowie den Damen Maurice und Bayrhammec besetzt. Die Rolle der Abigail hat Frl. Donecker in liebens­würdiger Weise für ein unpäßliches Mitglied übernommen. Was die Anregung im »Eingesandt* der vorgestrigen Nummer dieses Blattes betrifft, »Durchs Ohr* auch im Freitag» abonnement zur Aufführung zu bringen, so war dies von vornherein die Absicht der Direktion. Sie ist jedoch durch öfter sich wiederholende Krankheitsfälle eines Fachmitgliedes zurzeit bei Aufstellung des SpielplaneS sehr behindert. Die Direktion deS Stadttheaters kommt stets gern billigen Wünschen aus den Kreisen deS Theaterpublikums entgegen, doch spielen bei der Erfüllung solcher Wünsche oft interne Gründe mit, wie Krankheitsfälle, Urlaubsabwesenheit von Mitgliedern, Rücksichten auf den Marburger Spielplan u. a. m., Gründe, die dem großen Publikum natürlich nicht bekannt ein können. Bei dieser Gelegenheit fei auch bemerkt, daß die Heizung und Beleuchtung deS Theaterlokals nicht der Direktion des Stadttheaters untersteht, daß also die im er­wähnten »Eingesandt* gegen den guten Willen der Direktion gerichteten Schlüffe hinfällig sind.

Griedel, 5. Dez. Die Gelder für d ie Bäume, welche in der Gemarkung Griedel in das Terrain der Butz- bach-Licher Eisenbahn gefallen sind, werden.nächsten Donners­tag in der hiesigen BezirkssparkaffeMathildenstift* ausbe­zahlt. Es kommen ca. 7000 Mk. an 66 -Besitzer von etwa 380 Bäumen zur Auszahlung. Der Preis für den ein­zelnen Baum schwankt zwischen 2 und 100 Mark.

(Butzb. Ztg.)

Darmstadt, 5. Dez. Gestern hat sich der Unter­offizier Wilch von der 2. Kompanie des 115. (Leibgarde)- RegimentS auf feiner Stube in der Kaserne (Wilhelminen- traße) erschossen. DaS Motiv zur Tat ist n. d. Tägl. Anz. unbekannt. DaS neue Heim der hiesigen vereinigten Ortskrankenkassen, und schmuckes Gebäude mit zweck­mäßiger architektonischer Anlage und hübscher Innenaus­stattung wurde gestern Nachmittag eingeweiht.

Offenbach, 5. Dez. Der Raubanfall auf den Fabrikarbeiter Eduard Kopp aus Klein-Krotzenburg hat eine überraschende Aufklärung gefunden. Nachdem die Gendarmerie während der vorgestrigen Nacht erfolglos nach den von Kopp genau beschriebenen beiden Räubern gesucht hatte, setzte sie ihre Nachforschungen mit erneutem Eifer fort und unterzogen insbesondere den Tatort im Beisein deS beraubten Kopp einet eingehenderen Besichtigung. Bei dieser Gelegenheit entdeckte man zwar das defekte Portemonnaie, sowie die zerrißene Krawatte und später auch den zerfetzten Hemdenkragen KoppS; allein eine Menge Umstände ließen den Verdacht erstehen, Kopp habe die ganze Raubanfallsaffäre fingiert. Dec Verdacht hat sich unterdeffen bestätigt. Kopp sollte schon am Mittwoch letzter Woche im Aufttag seines Vaters den Be- trag von 17.40 Mk. einer sozialistischen Parteikaffe in Offen» bad) guführen; er verjubelte indessen daS Geld und beglich die Schuld erst am Samstag mit seinem Wochenlohn. Zur Verdeckung seiner Mittellosigkeit ersann er dann daß Märchen eines Raubanfalles. (Offenb. Ztg.)

0 D n r gsolrns, 5. Tez. Gestern nachmittag ist in oem hiesigen Hüttenwerk der Platzmeister L. Jung tödlich ,

DermifdHe».

* T i e neuesten Ei'envahnunfalle. Auf dem Bahnhof Herbesthal sBelgtcn) ftteß infolge des dichter Nebels eine von Aachen kommende Schnellztzgslokomottve auf einen Rangierzug. Der Anprall tocir so gewaltig, beide Lokomotiven schwer bc-cbädigt wurden, ein Packwon- in Trümmer ging und eine Attzahl Güterwagen mehrer weniger beschädigt wurden Ter Materialschaden ist sehr erheblich. Ter Lokomottvführer der Rangiermaschine erlitt chwere Verletzungen an der Hand, der Heizer imb Zwei Rangierer trugen leichtere Verletzungen batwn. Gin großes Unglück geschah ferner auf Dem Londoner Bahnhof Charing Croß, wo das südliche Ende des 50 Meter weiten eisernen Daches der großen Bahnhofs­halle plötzlich ein stürzte. Tem Dicht an den Bahnhvi angrenzenden Avenue Theater wurde das Dach ein- geschlagen. Angeblich wurden mehrere Tbeaterarbcitrr daselbst verletzt. Zwei Züie standen zur Abfahrt bereit Tie Lokomotiven beider Züae wurden beschädigt. VielleiLt wurde auch Zugpersonal getötet. Ein Expreßrug vom Kontinent traf 5 Minuten nach dem Eintreten des Unglücks ein und blieb außerhalb der Bahnhofshalle. Alle Zugänge des Bahnhofs wurden sofort abgesperrt unb der Verkehr nach dem Bahnhof Cannon Street verlegt. Auf >em Dache der Halle waren 50 Arbeiter beschäftigt. Auch waren verschiedene hölzerne Hütten oben auf dem Tack, in denen die 'Arbeiter Werkzeuge und Material aufbo wahrten. Eine dieser Hütten ftel herab in einen Hof, in )em Droschken stehen, zerschmetterte dort zwei Troschkm und töteten zwei Pferde. Die anderen Pferde liefen wild umher. In der Granen Street wurden Drei Hauser burdi )ie Erschütterung so baufaO. g, daß die Bewohner sie räum' ten Bisheb ist nur bekannt, daß ein Theaterarbeitc: getötet, acht Arbeiter schwer verletzt unb Personen leicht verletzt sind. Unter letzteren liest man Namen Leibenthal und Brand.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 5.

Dem Kaufmann L. K. hier ging cm Strafbefehl üb>- 2 Mark zu, weil er es unterlassen hatte, einen Dien»' knecht anzumclden. Er erhob Einspruch und machte mUm daß die angezogene Polizeiverordnung in diesem Fall nicht <mui- wenden sei, da der Kneckst nicht bei ihm, sondern in der gewohnt habe. Er hätte zwar später erfahren, daß er öße- m seinem Anwesen genächtigt habe. DaS Schöffengericht iriS den Einspruch zurück, wogegen K. Berufung einlegte Als tr zum Termin etwas verspätet eintraf, war seine Berufung f/ reits verworfen. Der Tienstknccht I. A von war bei einem Pachter zu Fr i e d c l h a u s e n beschäftigt. er erfuhr, daß er wegen eines Fahrraddiebstahls fa-» brieflich verfolgt wird, verschwand er nachts unter Mitnabm' der Effekten und Kes Bargeldes seiner drei Mitkmcküe. Er noch von verschiedenen Behörden wegen Diebstahls verfolg Angesichts der Tatsache, daß er seine drei armen Mitknechle n» die ganze Habe gebracht hat und er mit Rücksicht auf seine mein Doritrasen sclMerlich noch zu bessern ist, hielt ihn das ©end, für das Zuchthaus reif. Es wurden ihm 1 Jahr und frfr Monate zudiklicrt, ihm die bürgerlichen Ehrenreck^te auf 5 aberkannt und die Zulässigkeit der Polizeiaussickü ausgcsvrocber ^n der Molkerei zu Tors-Güll gewahrte man h/i. größere Geldbeträge aus der Kasse errtwendet muttK ; flUQ merkte man das Whandenkommen von Geld an- verschichenk- Stellen des Hauses. Die dort bedienstete 17 jährige K A. tm Rohrbach, machte sich durch Ausgaben größerer Geldbenäa- verdächtig. Sie wurde auch eiirmal in verdächtiger Steift dem Bureau, in dem sich die Küsse befand, betroffen. Aus 5^. halt gestand sie zu, daß ffie mehrfach Beträge von 30 bis 5 Mark, zusammen 190 Mark, entwendet hat und zwar häw stets der Schlüssel an der Kasse gesteckt, oder er hätte in y Aähe der Kasse gelegen. Ties wird jedoch von ihrem Tiensth^ bestritten. Sie gab weiter zu, aus Kleidern ihres DienstheTD und von dessen Schwester Geldbeträge genommen zu hoben, mir bestritt sie zwei zu Missions^wecken aufgestellte Opftrbüchjn geplündert zu haben. Da die Zeugen in ihren Angaben ftk unbestimmt waren, konnte nur soweit Verurteilung kintnin. als das Ojeständnis reichte. Tas Gericht hielt in LÜchettactt der Jugend eine milde Strafe am Plahe und erkannte aus btn Monate Gefängnis. Der Tüncher D. A. Sch. von N iedkv Eschbach, kaum 18 Jahre alt, stand das dritte Mol tnega Diebstahls vor Gericht. Er hat einem betrunkenen schlofmda Kameraden das Portemonnaie entwendet, indem er nach Tasche», diebenmanier die Kleider durchschnitt. Er wurde zn 6 M 0021,1 Gefängnis verurteilt. Der 60jährige vielfach und r.1 hoher Zuchthausstrafe vorbestrafte Knecht M. H. aus fei« bringen, sehnt sich bei Herannahen des Winters, nxtn« rrauf frei.em rftlß befindet, nach einer Unterkunft. So yt> schaffte» er sich in diesem Jahr eine solche, indem er mehnv Betrügereien verübte. Er begab sich an drei verschiebnia Tagen zu einem hiesigen Kaufmann und verlangte, angeblich lm ^"fkrag seines Dienstherrn, eine Anzahl Körbe, die er dann ju Geld machte und dieses in Branntwein anlegtc. Das Gericht erkannte auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis und spmch ihm die bürgerlick>en Eln-enr''chte auf 5 Jahre ab.