Zkrf efaenf Kahn auf der Netze vei Na-rel verstarb ein Kirrd an Cholera, ein anderes Kind erkrankte cholera- verdächtig. Erkrankt sind ein Eigentümer bei Schönlanke, zwei Kinder, ein Weichensteller und ein Steinschläger in Gnesen. .
In Marienburg (Westpr.) und Umgegend sind 12 choleraverdächtige Erkrankungen und 6 Todesfälle festgestellt worden.
Die „Neuen Westpr. Mitt." melden endlich, daß in Schillna ein Flößer unter choleravcrdächtigen Erscheinungen erkrankt und bald gestorben ist. Auch ein zweiter Flößer ist dort unter choleravcrdächtigen Erscheinungen erkrankt.
Bei der Arbeiterin Lange aus Warnikheim, die am letzten Sonntag in das Krankenhaus zu Rastenburg! (Ostpr.) ein geliefert wurde, ist amtlich die Cholera feftgestellt worden.
Die Stadtverwaltung von Stettin gibt bekannt, daß (m ganzen Gebiet von Stettin die Oder abwärts und aufwärts irgend ein Fall von Choleraerkrankung nicht vorgekommen sei. Aus einer Mitteilung, daß eine aus Stettin kommende Schiffersfrau in Posen an Cholera erkrankt sei, könnte geschlossen werden, daß die Frau in Stettin infiziert sei; dieser Schluß sei unrichtig, da eine Wasser fahrt von Stettin nach Posen mindestens zehn Tage in Anspruch nehme, die JUkubationsdauer bei asiatischer Cholera aber längstens fünf Tage währt. Tie Stadtverwaltung habe im Einverständnis mit der Regierung alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, um etwa eingeschleppte Fälle von Cholera sofort zu isolieren.
Aus Petersburg wird gemeldet, daß die Cholera kN der Mitte der Stadt ausgebrochen sei. Bisher seien zehn Erkrankungen zur Kenntnis der Sanitätsbehörde gekommen, aber die Annahme ist begründet, daß die Infektion bereits weiter um sich gegriffen hat. Es wurde festgestellt, daß die ersten erkrankten Personen aus Russisch- Polen zugereist sind.
Kin Aückölick auf den ostastatrfchen Krieg.
(Schluß.)
Belebt wurde aber der Mut durch die Nachricht von dem endlich erfolgten Auslaufen der baltischen Flotte, dieser letzten Hoffnung Rußlands, die endlich am 11. September non Kronstadt aus in See gegangen war. Das erste Debüt dieser dem Admiral RvschdjestwcnÄi unterstellten, aus allen Schiffstypcn bunt zusammengewürfelten Flotte war das Bombardement auf die englische Fischerflotte an der Doggerbank in der Nordsee, wo harmlose englische Fischerboote für Torpedoboote angesehen und beschossen wurden. Dieser ungeheures Aufsehen erregende Zwischenfall hätte wegen seiner Folgen die Weiterfahrt des ganzen Geschwaders fast in Frage gestellt. Doch es gelang dem Admiral, sein Geschwader nach Madagaskar und in die Gewässer des indischen Ozeans zu bringen und hier die Ausbildung seiner Mannschaften einzuleiten. Freilich mnßtc er etwa ein Vierteljahr lang lediglich dieser Ausbildungstätigkeit gewidmet, müßig vor Madagaskar liegen bleiben, ohne in die Geschicke seiner Landsleute in Ostasien irgend wie helfend einqreifen zu können.
Inzwischen hatte sich die Lage der Russen in Port Arthur immer mehr verschlimmert. Der rastlose Feind war näher und näher an die inneren Umwallungen herangekommen, und wenn auch jeder Sttrrm Hunderten der Japaner das Leben kostete, immerhin fiel auch mancher Russe und konnte nicht ersetzt werden. Dazu wurde die Munition, wurden die Lebensmittel in der Festung immer knapper. Als Fleisch gab es nur noch Pferdefleisch unb auch dieses nur für denjenigen, der es bezahlen konnte. So verging unter ständigen Kämpfen, wobei die Japaner bald im Westen, bald im äußersten Osten angriffen, und dadurch dae Russen zwangen, ihre Reserven durch die erforderlichen Manche immer mehr herunter zu bringen, der Monat November. Am 30. November wurde der 203 Meter-Berg im Nordwesten der Festung von den Japanern genommen. Die Anstrengungen der Russen, diese wichtige, die Festimg und den Hafen beherrschende Stellung zurückzuerobern, kosteten ihnen Mrge von Leichen, führten aber zu keinem Erfolge, da die Japaner alles daran setzten, ihren SSorteit zu behaupten. Die „Ssewastopol", dre sich vor der Beschießung ins Meer hinaus retten wollte, fiel den japanischen Torpedobooten zum Opfer. Ms dann Ende Dezember die wichtigen Nordostforts, vor allem die Forts Kikwanschan und Erlungschan in die Hände der Japaner fielen, wobei General KvNd ratenko noch ben Heldentod starb, da ergab sich General Stössel am 1. Januar 1905 dem General Nvgi. 25 000 Russen gerieten in Gefangenschaft, die Offiziere wurden auf ihren Wunsch auf Ehrenwort freigelassen.
Auch auf die Russen wirkte diese Niederlage anfeuernd. Bei ihrer großen Armee in MuDen waren inzwischen Mißhelligkeiten zwischen den Führern ausgebrocken. Namentlich war es der General Gripenberg, der sich Kuropatkin nicht fügen wollte, dessen Handlungen kritisierte und sich Pinter dem Rücken Küropat- kins bei dem Zaren über diesen beschwerte. Kuropatkin tat sein möglichstes, um mit Gripenberg gut auszukoimnen, letzterer durchkreuzte aber alle Pläne Kuropatkins und gehorchte den Anordnungen des Oberbefehlshabers nicht. So griff er am 25. Januar auf eigene Hand bei Heikoutai an der mongolischen Grenze die Japaner an, erlitt aber eine eklatante Niederlage und verlor auch den Ort Heikoutai. Er behauptete nachher, Küropatkin habe ihn absichtlich 'nicht untefitützt und reifte einfach nach Petersburg zurück, wo er allerdings keinen besonders gnädigen Empfang hatte. Inzwischen rückte, die vor Port Arthur frei gewordene Armee des Generals Nogi nach dem Schaho-Tal vorwärts und Mitte Februar war die japanische Armee bereits auf etwa 500 000 Mann angewachsen, denen etwa 450 000 Russen gegenüberftanden.
Marschall Oyama begann nun seine Vorbereitungen für den Vormarsch und den Angriff auf die russische Armee und amJ 1. März nahmen die Kämpfe ihren Anfcmg, die man allgemein als die Schlacht bei Mulden bezeichnet. Es handelt sich, was Streiterzahl und namentlich die Arttllerie angeht, zweifellos um die größte Schlacht der Weltgeschichte. In mächtigem Halbkreise Mulden umfassend, drängten die Japaner auf das Zentrum der russischen Stellung. Im Westen griffen die japanische Armee unter Nogi und Oku gleichzeitig die Rückzugsftraße der Russen an und beschossen die Bahnlinie, während im Zentrum Nodzu und hn Osten in der Gegend von Futschun und des Taling- passes der den Krieg im gebirgigen Gelände so trefflich kennende General Kuroki die Russen zurückwarfen. Oku überschritt am 1. März den Hunho bei Sandepu und schlug nach einer Reihe von Vorgefechten die Rusien entscheidend bei Schalinpu 18 Kllo- meter südwestlich von Mulden. Die geschlagene Armee drängle nach Mulden hinein. Für Nogis Armee war der l^rentag in dieser zehntägigen Schlacht der Sieg bei Dinschan- t u n, wo der russische General Kaulbars und Kuropatkin selbst sich vergeblich bemühten, das Kriegsglück zu Gunsten der Russen zu wenden. Nodzu nahm am 7. März den so heiß umstrittenen Puttlvw-Hügel und Kurvki durchbrach das russische Zentrum am 9. März bei Küschan und besiegelte damit die russische Niederlage. Die Russen gingen, zum Teil in voller Auflösung, bis hinter Käijuan zurück, sie hatten in der Schlacht etwa 50 000 Gefangene und 100 000 Tote verloren, während die Japaner etwa 50000 Mann verloren. Der Siegespreis waren 2 Fahnen, 60 Geschütze, 60 000 Gewehre, 150 Munitionswagen, 1000 Eisenbahnwaggons, Munition und Vorräte in ganz gewaltigen Massen. Am 10. März hielt Oyama seinen Einzug in MuDcn. Trotz des großen Erfolges hatten die Japaner aber auch selbst genug mit sich zu tini. Die Verfolgung wurde daher auch nicht besonders scharf betrieben und die Russen setzten sich südlich der Linie Tschangtschun-Kirin-Hailungtschöng wieder fest, ohne von den Japanern zunächst weiter behelligt zu werden, die in Achaugtu und Kaijuan ihr Hauptquartier errichteten. Für
die Russen brachte die Schlacht bei Mukden aber eine neue Kvn- stellation. Man verlor ht Petersburg das Vertrauen zu Kuropatkin und an seiner Stelle wurde der General Linewitsch, Kurokis Gegner, am 16. März zum Oberkommandierenden ernannt. Kuropatkin behielt lediglich "baS Kommando der ersten Armee. Line- wttfch hat zwar stets den Mund sehr voll genommen, es ist ihm aber, vielleicht zu seinem Glücke, nicht beschieden gewesen, sich mit den Japanern ernstlich im Kampfe zu messen. Er wird somit in der Heimat der unbesiegte General bleiben. Die. nächste Zeit verging unter Vorpostengefechten mit wechselndem Erfolge. Die Japaner wandten augenscheinlich ihre Hauptaufmerksamkeit der Baltischen Flotte zu, die allmählich mit ihren Vorbereitungen zu Ende war und faßten außerdem den Angriff auf Wladiwostok ms Auge. Eine Armee unter Hasugawa wurde in Gensan gebildet und drängte die in Ostkorea stehenden Russen allmählich bis an den Tumenfluß zurück, welcher das koreanische von dem russischen Gebiete scheidet.
Sv verstrich der April und die baltische Flotte lichtete in Nossi-Bö die Anker und steuerte den japanischen 6)ewässern zu. Ihr Aufenthalt an der Küste von ftanzösisch Hinterindien gab zu diplomatischer Kvnflikten Anlaß, die aber Roschdjestwenski nicht im Mindesten genierten. Aber der 27. Mai machte seinen Wagemut zu Schanin. Admiral Togo hatte bei Tsuschima vor Anker gelegen, und empfing die russische Flotte, deren Chef gleich zu Beginn der Schlacht schwer verwundet wurde, Jo warm, daß sie bald völlig gesprengt war. Die Schlacht löste sich in Einzel- gesechte aus, die meisten und schönsten der russischen Schiffe sanken. Admiral Nebogatow ergab sich mit vier Schiffen und nur eine geringe Anzahl von Schiffen konnte sich retten. Jetzt hatten die Japaner überall freie Bahn. Zunächst wurde Sachalin besetzt, dann Truppen nach dem sibirischen Festland hinübergesevt, Ochotsk wurde genommen und die Aktion gegen Wladiwostok eingeleitet.
Jekt griff Präsident Roosevelt ein und bot sich am 9. Juni zum Vermittler an. Beide Mächte nahmen den Vorschlag an und ernannten ihre Bevollmächtigten. Am 25. Juli trafen die japanischen Unterhändler in Newyork ein. wenige Tage später die russischen. Am 10. August fand die erste Friedensverhandlung in Portsmouth statt und am 29. August wurde der Friede geschlossen. Während der Verhandlungen hatten zwischen reit Armeen die Feindseligkeiten so gut wie geruht.
Japan hat eine weise Mäßigung in seinen Forderungen bekundet, vielleicht wollte es bamit die Furcht vor der gelben Gefahr als unbegründet hinstellen. Aber wenn es auch nicht den vollen Sieg über seinen Gegner erfochten hat, ben großen moralischen Erfolg wird ihm niemand streitig machen können. Dankbar wird ihm aber vor allen das russische Volk selber sein.
VevMLichte».
* AuS Furcht vor Erblindung hat in Berlin der 24 Jahre alte Bergschüler Artur L. auf Pfürtendorf in Sachsen-Altenburg Hand an sich gelegt. Der junge Mann wohnte seit neun Tagen in einem Fremdenlogis in der Nähe des Anhalter Bahnhofes. Seit vormittags um 10 Uhr kam er nicht mehr zum Vorschein. Das fiel auf, weil er tags vorher gesagt hatte, daß er um 10 Uhr ausgehen wolle. Um 3 Uhr nachmittags ließ der Wirt sein verschloßenes Zimmer öffnen und fand den Gast in seiner Kleidung tot auf dem Fußboden liegen. Ohne daß der Knall gehört worden war, hatte er sich eine Revolverkugel in das Herz geschoßen. Auf dem Tische lag ein Brief, in dem L. seine Mutter um Verzeihung bat und erklärte, daß er aus Furcht vor Erblindung zum Revolver gegriffen habe.
* Verunglücktes gräflich Pücklersches „Reiter- fest^. Zu dem für Sonntag angekündigten großen Reiterfest des Grafen Pückler war aus Glogau und Umgegend eine nach Tausende zählende Volsmenge nach Klein-Tschirne geströmt. Die Besucher des „Festes" erlitten aber eine arge Enttäuschung, da die „ergeben st ein geladenen" Bauern den Grafen vollkommen im Stiche gelassen hatten, so daß das Reiterfest nicht zustande kam. Eine große Menschenmenge strömte nun vor das gräfliche Schloß, das durch Scheunenruinen und eingefallene Schweineställe romantisch umrahmt wird. Hier benutzte nach der „Bresl. Ztg." der Graf die Gelegenheit, vom Schloßfenster aus eine antisemitische Rede zu halten. Seine Tiraden wurden mtt ironischem Applaus und großer Heiterkeit ausgenommen. Die johlende Volksmenge rief den Grafen mehrfach „heraus". Diesem Ruf folgte der Graf jedesmal und verneigte sich dankend wie ein Künstler vor dem mit ihm seinen Ulk treibenden Publikum. Nachdem seine Kapelle noch einige Stücke zum besten gegeben hatte, verabschiedete sich der Graf mit einem Hoch auf das „deutsche Roß", das den Mann von Sieg zu Sieg trage und zu einem schneidigen forschen Kerl erziehe. Den Ausfall des Reiterfestes hatte der Graf damit entschuldigt, daß die „dusligen Bauern" nicht gekommen seine. In der „Deutschen Musiker-Ztg." Nr. 35, zweite Beilage, findet sich das folgende Inserat:
Ich suche für mein berittenes Trompeterkorps sofort einige tücht. Trompeter. Nur gewesene Kavalleristen oder Artilleristen werden berücksichtigt. Offerten an Graf Pückler, Klein-Tschirne, Kr. Glogau, R.°Bez. Liegnitz i. Schl.
* Der Nachlaß einer „armen" altenFrau. Am 28. v. M. wurde die 85 jährige Witwe Friederike Großmann in ihrer Wohnung in Berlin in geradeztl grauenhaftem Zustande bewußlos aufgefunden. Ihr zum Skelett abgemagerter Körper starrte von Schmutz und Ungeziefer. Die völlig entkräftete Greisin starb zwei Tage später in der Charitee an den Folgen mehrtägigen Hungers. In der Nachbarschaft galt die gänzlich vereinsamt lebende Alte als Bettlerin, die sich das Notwendigste für ihren Unterhalt in verschiedenen Haushaltungen zusammenzubetteln pflegte. Nur tvenige Personen wußten, daß sie als Witwe eines kleinen Beamten eine Pension bezog, die nach ihrer eigenen Angabe kaum für die Deckung ber Miete hinreichte. Frau G. war nicht nur im Hause, wo sie 30 Jahre lang gewohnt hatte, sondern auch bei ihren außerhalb Berlins wohnenden Verwandten wegen ihres Geizes wenig beliebt. Um so größer war das Erstaunen, als bei der Revision des Nachlasses in einem Schrank ein Kasten mit 7000 Mk. in Gold und mehrere Wert- und Hypothekenpapiere aufgefunden wurden, die nach vorläufiger Schätzung auf nahezu 3 0 00 0 M k. bewertet werden. Kein Mensch aus der Umgebung der Alten hatte eine Ahnung, daß die Frau in jahrzehntelangem Hungern solchen Mammon aufgespeichert und in Börsen- und Hypothekengeschäften so viel gewinnbringende Sachkenntnis beseßen hatte.
• Ein Opfer der Sonnenfinsternis. Die Preffe hat in ihren Berichten, welche von der Möglichkeit ocr Beobachtung der Sonnenfinsternis vom 31. v. M. handelten, wiederholt darauf hingewiesen, daß die Beobachtung des Phänomens ohne Benutzung von Blendgläsern oder rauchgeschwärzten Glasplatten gesundheitsgefährlich werden könne. Aus Wels (Oesterreich) wird nun gemeldet: Frau Marie Ettinger hatte Mittwoch durch längere Zeit die Sonnenfinsternis ohne Zuhilfenahme eines farbigen Glases mit einem Fernrohr beobachtet. Die bis dahin gesunde Frau kehrte mit stark ge
rötetem Gesicht nach Hause zurück, begann bald über Stopf* schmerzen zu klagen, wurde bewußtlos und starb noch au selben Abend infolge von Gehirnschlag, offenbar ein letaler Fall von Ueberanstrengung der Augen.
Kunst und Wissenschaft.
— Tie UebertragbarkeitderRindertuberkuloss au? den Menschen. Die pathologische Sektion des in 58ubar pest tagenden internationalen Veterinär Kongreffes sprach sich bei Behandlung der Frage ber Uebertragbarfcit der Tuberkulös von Rind auf Mensch laut „Voss. Ztg:" dahin aus, daß di, Rindertuberkelbazillen den Menschen infizieren können, daß beim Menschen Tuberkelbazillen anzutreffen sind, die bent Rinde sehr gefährlich fern können, baß also eine gegenseitige Infektion in gewißen Fällen möglich unb es daher wünschenswert ist, weiter zu erforschen, in weicher Beziehung die GeflügeltuberkuloseeineGefahrfürdenMenschep unb die Säugetiere bilbet.
— Ter Magistrat in Frankfurt a. M. beantragt bei ber Stadtverorbneten-Versammlung, jährlich 10 000 M. in ben Etat einzustellen zur Förderung der Malerei und bet verwandten Künste. Es soll eine „Gemälde-Deputation" gebildet werden, die für bas Gelb Kunstwerke kaufen bezw. in Auftrag geben soll.
Zlniversttäts-Bachrichten.
— In Breslau ist ber Unioersitätsprofeffor der Anatomi- Schaper 42 Jahre alt, gestorben.
Kerichtslaak.
-e- Mainz, 7. Sept. Ferien ft rafkammer. Ein „Künstler" hatte sich heute in ber Person bes 21 jährigen Fessel- sprengers Artisten P a r b o m m aus Köln wegen Urkundenfälschung, Betrugs rc. zu verantworten. Der Angeklagte nannte sich früher bei seinen Probuktionen stolz ben „KönigderFesselspreng er". Doch gelang es ihm heute nicht die Fesseln, die ihm ber vorführendo Genbarm angelegt hatte, abzustreifen, hier war seine Kunst zu Enbe. Ten Angeklagten kann man aber auch ben „König ber Schwindler" nennen, beim es gelang ihm in kurzer Zeit m ben Monaten April bis Juni hauptsächlich Witwen in Köln, Frankfurt, Bonn, Tarmstabt, Worms, Mannheim, Lubwigshafen, Harburg unb Mainz um Vas Kostlogisgelb, sowie bare Darlehen zu betrügen. Er gab sich als Charakterkomiker, Gesangslehrer, Schauspieler oder Gerichtschemiker aus unb fälschte auch unter bieser Vorspiegelung Mietverträge. War er einen Tag in Miete, so verlangte er schonj am nächsten Tage Darlehen, um sein „Gepäck" am Bahnhof aus» zulösen, ober er mußte seine „Musiker", mit denen er Vorstellung geben wollte, vorher auslöhnen. Der Angeklagte gab sich in Ludwigshafen als den bekannten Komiker Reut ter ait§, auf dessen Namen er auch ein Schriftstück fälschte. Alle die vielen Betrugsfälle, die er verübt hat, im einzeln aufzuführen, würbe zu weit führen. Das Gericht verurteilte ben „Fesselsprenger" zu 1 Jahr Gefängnis — Der 32 jährige hiesige Taglöhner P a u I n verbüßte im Julk eine 3 tägige Haftstrase. Seiner Frau ließ er bei Antritt ber Straft über 20 Mark zurück. Nach Verbüßung ber Strafe fand» er seine Wohnung leer unb hörte von Nachbarn, baß seine FrauT a g und N a ch t sich h e r u m g e t r i e b e n habe. P. suchte nun alle Wirtschaften ab und es gelang ihm endlich seine teure Ehehälfte betrunken in Gesellschaft eines Mannes in einer Wirtschaft aufzufinden. Der erzürnte Ehemann zog seinen Leibgürtel aus unb trieb seine Frau unter Schlägen burch bie Stabt nach seiner Wohnung. Da sie auch bie 2 0 Mark bis auf ben letzten Pfennig in ben brei Tagen verjubelt hatte, erhielt sie in der Wohnung noch mit einem Gummischlauch Hiebe. Dis Polizei brachte bie Mißhandelte ins Hospital unb ben Mann ins Uiftersuchungsgesängniß. Heute wurden beide aus ber Untersuchungshaft vorgeführt, da inzwischen auch die Frau wegen fitten- oolizeilicher Uebertretungen in Haft kam. Die Frau verweigert« jede Aussage. Mit Rücksicht auf die Gereiztheit, ber sich ber Angeklagte infolge ber Führung seiner Frau befand, erkannte bas Gericht auf 2 Monate Gefängniß.
Thorn, 7. Sept. Das hiesige Kriegsgericht oentrteilte be® Feldwebel Fleischer vom 176. Infanterie-Regiment tvegenj versuchten schweren Diebstahls in zwei Fällen zu siebe» Monaten Gefängnis, Degradation und Versetzung in die zweite^ .Masse des Soldatenftanbes. Fleischer hatte sich des Nachts inj die Ulanenkaserne eingeschlichen und versucht, schlafenden Ulanen, ihr Geld aus den Brustbeuteln zu entwenden.
Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde.
Am 12. Sonntag nach Trinitatis, den 10. Septembers Gottesdienst. 3
In der Stadtkirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe.
Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus betj Markusgemeinde.
Vormittags 9'/, Uhr: Repetent WaaS.
In der JohauneSktrche.
Vormittags 8 Uhr: Pfcnn-er Euler.
Zugleich Christenlehre für bie Neukonfirmierten au5 bei Lukasgemeinde.
Vormittags 9*/2 Uhr: Pfarrafsistent Sattler.
Katholische Gemeinde.
Samstag, ben 9. September 1905.
Nachmittags um 5 Uhr unb abenbs um 8 Uhr: Gelegenheit zuH hl. Beicht.
Svnntag, den 10. September 1905.
13. Sonntag nach Pfing sten.
Mariae Geburt.
Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur hell. Beicht.
„ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor unb in ber-> selben Austeilung ber heil. KommunioLj „ um 8 Uhr: Die zwefte heilige Meffe.
„ um 91/, Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 21/, Uhr: Andacht.
Israelitische Religionsgemeinde.
Gottesdienst in der Synagoge (Südaukage).
Samstag den 9. September 1905:
Vorabend: 6.30 Uhr. Morgens 8L0 Uhr.
Nachmittags 4.00 Uhr.
Sabbathausgang 7L5 Uhr.
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
September
1905.
I Barometer auf 0° reduziert
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der Luft
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
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3
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Windstärke
Wetter
7. 2"
743,9
23,0
12,9
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2
Bew. Himmel
7. 916
741,7
19,2
14,9
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Beb.
8. 7»5
747,0
15,4
11,3
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Höchste Temperatur am 7. September — 23,0® C.
Niedrigste „ 7. — 17,0® „
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Ähren, Gold- und Silberwaren
Marktplatz 11 am Kriegerdenkmal Telephon 407. 46öH


