in das Ministerium Fejervary legte Lanyi sein Mandat nieder, unr dem außerparlamentarischen Charakter des Ministeriums Genüge KU tun, bewarb sich aber bei der Neuwahl von neuem darum und kam, da inzwischen auch die Kvssuthpartei einen Kandidaten aufgestellt hatte, diesmal nur in die Stichwahl mit dem Slowaken. Für die Leidenschaft, mit der der Kampf gegen das „ungesetzliche" Ministerium geführt wird, ist es nun höchst bezeichnend, daß nicht nur Baron Banffy (seiner ciaen Meinung nach der kommende Mann), sondern auch „Alkotmany", das Organ der klerikalen Bolkspartei, die Kossuthisten aufforderte, lieber für den Slowaken als für den Minister zu stimmen. Aber selbst die ingrimmigste Parteileidenschaft erwies sich dem magyarischen „Patriotismus" oder besser gesagt, den Wcchlkünsten der Regierung gegenüber machtlos. Lanyi blieb auch diesmal mit 33 Stimmen Sieger, wohlgemerkt, in einem Wahlkreise, dessen Wähler zu 99 Proz. Slowaken sind. Wie das hat kommen können, erklärt ein Bericht, den ein Augenzeuge, Tr. Ambros, in der Prager „Politik" veröffentlicht. Wochenlang hat unter den armen Gebirgsbewohnern, Bauern und Waldarbeitern, die schamloseste Bestechung gearbeitet. Um feste Summen wurden die Stimmen verkauft, andere Wähler tagelang im Wirtshaus beim Branntwein sestgehalten, bis sie ganz mit „Patriotismus" erfüllt waren. Zum Wahlakte selbst wurden die Wähler größtenteils sinnlos betrunken von den ebenso betrunkenen Wahlmachern geführt. Kaum, daß sie den Namen Lanyi herausbrachten In den Dörfern aber, deren Wähler zu dem Slowaken hielten, ist, wie die „Politik" behauptet, nicht weniger als dreimal Feuer angelegt worden, um die Wähler nicht nach dem entfernten Wahl orte gelangen zu lassen. Man kann diesen uno ähnliche Züge in dem Berichte des tschechischen Blattes, das sich natürlich lebhaft über die an den slowakischen Stammesgenosserr begangenen Ungerechtigkeiten entrüstet, fiir überleben halten, Tatsache bleibt, daß das jetzige ungarische Wahlsystem und seine Handhabung die Wahlen in brutalster Weise fälscht. Inzwischen sind begreiflicherweise auch aus den Reihen der in diesem Falle mitbetroffenen Koalition die schwersten Anklagen erhoben worden und die ungarischen Blätter sind voll von dem Streite über die Liptauer Wahl.
Aus Stadt und Laad.
Gießen, 8. September 1905.
- Auszeichnung. S. K. H. der Großherzog haben dem Hauptmann v. Hake, Batteriechef im 3. Garde-Feld- Artillerie-Regiment, seither Adjutant der 25. Feld-Artillerie- Brigade (Graßh. Heff.), das Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
•• Das Großherzogliche Regierungsblatt, Beilage Nr. 24, enthält: 1. Verzeichnis der Vorlesungen, Hebungen und Praktika, welche im Wintersemester 1905/06 in den sechs Fachabteilungen der Großh. Technischen Hochschule zu Darmstadt abgehalten werden. 2. Ordensverleihungen. 3. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens. 4. Dienstnachrichten. 5. Ruhestandsversetzung. 6. Sterbefälle. 7. Berichtigung.
** Der Hessische Lehrer-Turnverein hält seine 2. Hauptversammlung in Gießen am 23. September ab. Der Ehrenausschuß setzt sich aus folgerrden Herren zusammen: Althoss, 1. Sprecher des Gießener Turnvereins; Geh. Rat Dr. Breidert, Provinzialdirektor; Medizinalrat Tr. Haberkorn, Kreisarzt; Hahn, Rektor der städt. Schulen; Helm, Vertreter des Gaues Hessen, Stadtv.; Jann, Realgymnasiallehrer, Stadtv'.; Rechtsanwalt Kaufmann, Vorsitzender des Männerturnvereins; Kleinschmidt, Kreisschul- inspektor; Mecum, Oberbürgermeister; .Val. Müller, Vorsitzender des Gießener Lehrervereins; Geh. Schulrat Dr. Rausch, Direktor des Realgymnasiums; Geh. Schulrat Dr. Schädel, Direktor des Gymnasiums; Dr. Stoeriko, Direktor der Höheren Mädchenschule; Dr. Wagner, Regierungsrat. Am 22. September findet bereits ein Begrüßungsabend im Sotcl Lenz statt. Die Hauptverscrmmlung beginnt am Tage darauf vormittags 9Ve Uljr in der Turnhalle des Turnvereins, Steinstr. 3. Zuerst findet ein Schauturnen statt und zwar a) 3. und 4. Schuljahr (Roth-äranggöns): b) 5. Schuljahr (Wehrheim-Gießen): c) 7. und 8. Schuljahr Schneider-Heuchelheim); d) 7. und 8. Schuljahr (Jung-Leih- gestern); e) einklassige Schule (Wolf-Bersrod); f) Oberhess. Riege, Stabturnen (Bach-Großen-Linden); g) Bereinsriege Grünberg, Barren (Wolf-Bersrod); h) Riege des Landes- Vereins (Turninspektor Schmuck). Dann folgen Borträge über „Guts-Muths"" (Züller-Watzenborn-Steinberg) und über die Versammlung zu Quedlinburg (Wolf-Bersrod). Um 2 Uhr wird daun im Cafe Ebel gespeist und nach geschäftlichen Verhandlungen bringt endlich der Nachmittag einen gemeinsamen Spaziergang.
•• Vom Pferdemarkt. Unserem gestrigen Bericht haben nur noch nachzutragen, daß bei der Vorführung von Reitpferden eine 5 jährige Fuchsstute des Bauunternehmers Rinn allgemeine Bewunderung fand. Sie gehorchte betn Reiter, Gendarm Iansohn, aufs Wort, und jede Gangart bis 3um rasenden Galopp machte den besten Eindruck. Herrn Rinn wurde der 1. Preis in der Abteilung für Rennpferde 8u teil. — Die zehn ersten Hauptgewinne der Gießener Pferdelotterie fielen wie folgt: 1. auf Nr. 18 662 nach Gießen (Frl. Ettel), 2. auf Nr. 988 nach Darmstadt, 3. auf 4650 nach Gießen, 4. auf Nr. 4919 nach Alsfeld, 5. auf Nr. 18 950 nach Lollar, 6. auf Nr. 14 556 nach Gießen, 7. auf Nr. 12 375 nach Allendorf b. Biedenkopf, 8. auf Nr. 7147 nach Hirzenhain (Ob.-Heffen), 9. auf Nr. 110 nach Gießen, 10. auf Nr. 10 972 nach Gießen.
•• Wegen Mordes wurde ein gewisser Albert Klein aus Kröge bei Battenberg verfolgt, der, wie wir kürzlich ausführlich berichteten, auf dem Pferdemarkt zu Fritzlar während einer gräßlichen Schlägerei einen Gegner erschossen hat. Die hiesige Gendarmerie, der dieser Mann bekannt ist, nahm alsbald die Verfolgung des aus Fritzlar
alsbald geflohenen Mörders auf und ermittelte, daß die Frau des Klein sich in Leihgestern aufhalte. Dort stellte man fest, daß da? Ehepaar Klein von dort über Steinberg nach Grüningen gewandert war. In Grüningen wurde Klein gestellt. Er gab zunächst einen falschen Namen an, sagte, er wolle seine Legitimationspapiere herbeischaffen und entwich über eine Böschung aufs Feld. Ein Gendarm gab sofort einen Schreckschuß hinter ihm her ab, und mit Hilfe doh, Ortseinwohnern wurde er bald festgenommen und hierher transportiert. Gestern ist er nach Kaffel spediert worden.
(♦♦) Allendorf a. d. Lahn, 7. Sept. Hier wurde vor ein paar Tagen ein Bursche aus Lützellinden von hiesigen Burschen, anscheinend ohne jeden Grund, überfallen. Mit einer Bierflasche erhielt er einen so schweren Schlag auf den Kops, daß er bewußtlos zusammenbrach. Nach einiger Zeit erholte er sich indes wieder und konnte nach Hause wandern, er befindet sich aber noch in ärztlicher Behandlung. Die Gendarmerie ist den Tälern auf der Spur.
cb. L a u b a ch, 7. Sept. Am 3. und 4. Sept, hielt bei hiesige Schützen verein sein Hauptpreisschießen ab. Wenn es auch am Sonntag durch Regenwetter beeinträchtigt war, so war der Besuch am Montag um so besser; aus Alsfeld, Büdingen, Gießen und Wetzlar waren Schützenbrüder herbei geeilt, sodaß insgesamt 4200 Schüsse abgegeben wurden. Am ersten Tage errang die Ehrenscheibe mit dem Ehrenpreise einer Etagere Gg. Franz III. in Laubach, am zweiten Tage Rechtsanwalt Keil aus Bedingen, Ehrenpreis eine Kupier-Weinkanne mit einem Becher. Im übrigen erhielten die ersten Preise a) auf dem Zentrum- stand Buchbinder Göbel-Laubach, b) auf dem Freihandstand: Rechtsanwalt Kaufmann-Gießen, c) auf dem Auflegestand: Gastwirt Högy-Laubach. IM 'Schützenhofe fand ein Festessen statt, bei oem der Grünberger Musik- Verein konzertierte.
jh. Bad-Salzhausen, 7. Sept. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, beabsichtigt die Großh. Regierung, das für das Soolbad längst projektierte neue Bade- Haus nunmehr zur Ausführung bringen zu lassem Es ist dies umsomehr zu begrüßen, als schon seit mehreren' Jähren ein dringendes Bedürfnis dafür vorliegt. Bon zahlreichen Badegästen wurde fortwährend Klage darüber; geführt, daß sie der wenigen Badezellen wegen oft stunden-^ lang auf Verabreichung eines Bades warten mußten. ES wäre nun zu wünschen, dag für das neue Badehaus der rechte Platz gewählt würde. Am geeignetsten scheint mrH der Platz, auf dem sich das sogen. Laboratorium befindet, ein altes, unschönes Gebäude, das dem Badeort keineswegK zur Zierde gereicht. Sollte dieser Vorschlag den maßgebenden Nauheimer Behörden nicht passen, so könnte die Neuanlage in nächster Nahe der Hauptguelle (Nr. 3) errichtet werden, weil dadurch die Betriebskosten des Badehauses reduziert: und die Wünsche der Badegäste und Pensionsbesitzer am besten erfüllt würdem
Mainz, 7. Sept. Der flüchtig gegangene chemalige Kontrolleur der Wach- und Schließgesellschaft von Koblenz, der wegen Brandstiftung steckbrieflich verfolgt wird, wurde hier verhaftet. — Seit einigen Tagen sind die erwachsenen Töchter zweier Familien spurlos verschwunden. — Für Stabt und Kreis Mainz ist eine neue MilchverkaufSordnung in Kraft getreten; sie ist wesentlich strenger, sowohl in Bezug auf die Milchoiehhaltung, als auch in Bezug auf Transport und Verkauf der Milch.
Die ßyolera.
Vom 6. bis 7. September mittags sind im preußischen Staate 15 Erkrankungen und 6 Todesfälle an Cholera neu gemeldet. Unter den neu Erkrankten befinden sich ein Fährmann, ein Flößer und ein Schiffslehrling, sowie 7 Arbeiter,; die mit russischen Arbeitern engen Verkehr gehabt haben. Die Gesamtzahl der Erkrankungen und Todesfälle beträgt jetzt 105, bezw. 32. Neue Strom- überwachungSstellen sind eingerichtet in Pogorzelice, Posen, Schrimm und Wromke. Zur Anordnung der für die Bekämpfung der Cholera erforberlichen Maßnahmen findet tag» lrch im Kultusministerium zu Berlin eine Konferenz statt. Das ReichScmri des Innern, sowie da§ kaiserliche Gesundheitsamt werden über die in Preußen ergriffenen Maßregeln seitens der preußischen Mebizmalverwaltung auf bem Laufenden gehalten.
Der ,Thormr Pr." zufolge fällt nach einer Mitteilung des Kriegsministeriums auf Befehl des Kaisers die große FestungskriegsÜbung bei Thorn au8. — Mit Rücksicht auf die Choleragefahr find überhaupt von bet; Militärverwaltung weitgehende Vorsichtsmaßregeln' für die im Manöver befindlichen Truppen angeordnet worden.. In der Hauptsache erstrecken sich diese auf die ErnährungS-^ weise her Soldaten der in Privatquartieren liegenden Truppen. Die Bewohner, bei denen die Mannschaften in Quartiere kommen, werden angewiesen, vor allem für die Verpflegung, nur abgekochtes Wasser zu verwenden. Im KriegS- ininisterium finden gegenwärtig Erhebungen darüber statt, ob Rekruten in die von Cholera verseuchten Provinzen, speziell Ost- und Westpreußen, anfangs nächsten Monats gesandt werden dürfen. Für alle Fälle ist den zu den in diesen Provinzen stehenden Armeekorps AuSgehobenen vom Bezirkskommando mitgeteilt worden, daß sie wahrscheinlich erst int November die Einberufungsordre erhalten werden.
Zn dem dritten Cholerafall in Hamburg ist festgestellt worden, daß die hoffnungslos erkrankte Prostituierte zwei Schiffer bei sich beherbergte, nach denen eifrig gesucht wird.
Zur Mwehr der Choleraemschleppung in Hamburg wurde eine Kontrollstation jür Oberländer Schiffer bei Entenwärder eröffnet. Die Station, die Tag und Nacht geöffnet ist, ist mit zwölf Beamten, besetzt.
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Goecheslraße 38, p hmW lonotliche Vergütung such! A. Goldschmidt, Alchen.
Nr. 811
Zweites Blatt.
155. Jahrgang
Freitag 8. September 1905
Erscheint Sgllch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener KamMenblStter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der JMIWt taebWitl** erscheint monatlich einmal.
S? ▲ A Ä AA Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch«
i Unwe<..Ltg^,ck^ R. Lang«,
SS BJBC. . 8 B WL M. n tkjl HL IL Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.?.
V V O NF Br V V v V vA V y W Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieß«.
General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Sieben.
Bekanntmachung.
Betc.: Feldbereinigung in der Gemarkung Berstadt.
In der Zeit vom 9. bis einschließlich 23. September l.I. liegen in dem Gastwirt Völbelsch en Saale zu Berstadt die Arbeiten des III. Abschnittes obiger Felbbereinigung, nämlich
11 Hauptkarten,
2 Bände Zuteilungsverzeichnis,
2 Bände Gütergeschoffe,
1 Band Zusammenstellung der Gütergeschoffe, das GelbauSgleichungSverzeichnis über zu viel und zu wenig empfangenen Geländewert,
2 Bände Abschätzungsverzeichnis der Obstbäume, die geschoßweise Zusammenstellung der Obstbäume, sowie dflS Protokollbuch
zur Einsicht der Beteiligten offen.
Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen und event. Wahl eines Schiedsrichters nebst Stellvertreter findet daselbst statt:
Montag, den 25. September l. IS., vormittags von 9—10 Uhr, wozu ich die Beteiligten mit dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen auSgeschloffen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufaffen und zu begründen.
Büdingen, den 6. September 1905.
Der Großherzogliche Fetbbereinigungskommissär:
Schnittspahn, Regierungsaffeffor.
Volltische Tagesschau.
Ein unerquicklicher Streit.
Ter Professor der Theologie in Gießen, Walter Köhler, hat in der „Christlichen Welt"" über bas Goetzsche Buch „Ter Ultramontanismus als Weltanschauung auf Grund des Syllabus quellenmäßig dargestellt"", ein vernichtendes Urteil gefällt. Jetzt bezeichnet der „Reichsbote"" Professor Köhler als einen” „protestantischen Eideshelfer des Ultramontanismus"". In der neuesten Nummer der „Christlichen Welt"' (Nr. 36, 7. September 1905) antwortet der Gießener Gelehrte, ohne auf die „persönliche Verdächtigung" seiner „wissenschaftlichen Qualifikation" durch den „Neichsboten"" einzugehen. Rein sachlich legt Prof. Köhler seinen Standpunkt dar, indem er schreibt:
Ich habe nienrals geleugnet, daß prinzipiell die katholische Kirche die Kultusfreiheil von ihren Grundsätzen aus verwerfen muß; da sie semper eabent ist, Fairn sie den Grundsatz der Alleinberechtigung ihres Kültus nicht offiziell desavouieren. Wohl aber taim sie ihn praktisch unwirksam machen, und zwar nicht nut temporum rationc habita. Diese praktische Aufhebung ist der Schwerpunkt der Enzyklika Levs XIII., während der Syllabus die Prinzipien in schroffster Form hiwauskehrt. Hier liegt der Gegensatz zwischen beiden. Solcher praktischer Umbiegungen der Grundsätze gibt es nun urt Katholizismus eine ganze Reihe; und mein Bestreben in den verschiedenen kirchenvolitischen Artikeln geht lediglich dahin, ir'.t den innerkathvlischen Strömungen dieser Richtung Fühlung zu suchen und sie zu stärken.
Und der .Herausgeber der „Christlichen Welt"", Prof. Rade in Marburg, schreibt seinerseits:
Zu dieser Erklärung unseres Herrn Mitarbeiters bemerke ich, daß ich mit der T ndenz seines Artikels völlig einverstanden war und bin. Den Ton, welchen der Reichsbote gegen einen anerkannten Gelehrten, der ruhig und sachlich seinen Weg geht, cmschlägt, kann ich nur tief bedauern. Wenn wir dem Terrorismus, den gewisse Zeitungen zur größeren Ehre der evangelischen Wahrheit glauben ausüben _gu müssen. Widerstand leisten, so hoffen wir damit der protestantischen Sache einen höchst zert- gemäfien Dienst zu tun. _ _____
Einen zweiten Artikel des „Neichsboten" (Nr. 197, 22. August 1905) gegen den „protestantischen Eideshelfer des Ultramontanismus" widmet Professor Rade selbst eine kurze Erwiderung. Unter anberm weist er dem Verfasser des Artikels nach, daß er den Aufsatz Köhlers über das Goetzsche Buch gar nicht verstanden hat. Am Schlüsse dieser Ausführungen heißt es scharf: „Solchen Unsinn traut der Mann Köhler und uns zu! So leichtfertig arbeitet dieser Kalumniator! An Stelle des „Reichsboten"" würde ich diesen Mitarbeiter abschaffen." Und Professor Rade fährt fort:
Ich darf nicht schweigen gegen den wiederholten Versuch, einen Gelehrten von. fleckenlosem Rufe persönlich herunterzurerßem Schon im vorigen Artikel war fonftatiert, daß dieser fälschlich als „Professor"" Umgehende „Eideshölfer des Ultramontamsmus — Privatdorent sei. Diesmal schließt der Artikel: „Wir wollen also hiermit diesem Privatdozenten, von der ultramontanen Presse praermnierando zum Professor ernannten Echeshelfer ^hrer Sache zur gebührenden Beachtung verhalfen haben. Der -L>atz ckiarak- terisiert diese ganze Art Journalistik. Nun, wenn K. noch Privatdozent wäre, so wäre das auch keine Schande. Aber der Reichsbote pocht hier darauf, daß er beit Eideshelfer urkundlich als Privatdozentcn entlarvt habe. Tatsächlich steht es so, ba& ft. zur Feier des Geburtstages Philipps des Großmütigen (13. November 1904) vom Großherzoge von Hessen zum außerordentUchen Professor ernannt worden ist. Verdient bat er es reichlich Allen wissenschaftlichen Theologen ist er als Herausgeber des Theologischen Jahresberichts bekannt; außerdem durch eme Reche zum Teil gruiidgelehrter Publikationen, etm Spezialfach tlt Reformatiousgeschichte. Bereits zweimal itmrbe der Drchenhlstorl- ker vertretungsiveise durch die philosophische Fakultät mrt vrosan- historischcu Vorlesungen betraut nach dem Tode shwf. Ho hl- bau m s und jetzt nach dem Tode Prof. Onckens. Und das alles schützt nicht vor derartigen persönlichen Verunglimpfungen. Besiegt man mit solchen Künsten —. den Ultranwntanismus?
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Wie man in Ungarn Wahlen macht.
Angesichts der jetzt in Ungarn hvchgehenden Bewegung für das allgemeine Wahlrecht getoatyn «in Blick auf die fast unglaublichen Vorgänge, die sich Lls ein -typisches Bild des jetzt üblichen Wahlverfahrens -jüngst bei der Stichwahl in dem oberungarischen Wahlbezirk Don Libtau abgespielt haben, doppeltes Interesse. Der Wahl- ckrcis war bis zu den Wahlen im Januar durch den Slowaken Stodola vertreten, bis diesen damals der jetzige Justizminister Lanyi als Kmrdidat der liberalen Mrrtei mit 48 stimmen Majorität aus dem Felde schlug. Beim Eintritt


