Nr. 56 Zweites Blatt. 155. Jahrgang
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Die „sretzemr §a«Mmbl8tter- werden dem 1 DHU O BZ O W O Ij J i X OI FU O S
.Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der BF U N W W ik_, W d vL, M. W M H |! BUB R. M.
kavdwtrl" erscheintmonatlich einmal. ® M K V ■ ▼ g.|3 xr x^ 1Wr
Dienstag 7. Marz 1905
Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen UniversttätSdruckerei. R. Lange, Gieß«.
Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.K.
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.
Teuere KLatsöeratungen.
Niemand wird behaupten wollen, daß der Parlamen- tarismns in Deutschland während des verflossenen Dezenniums an Sympathien im Volke gewonnen hätte. Im Reichstag! wird seit Jahren schon das Blaue vom Himmel heruntergeredet und die Dauerredner lösen sich aus in Selbstsucht, Eifersüchtelei und niedrigem Parteihader, oder sie ereifern sich gegenseitig in ödester Prinzipienreiterei. Und wie im großen Reichsparlament, so hat der Unfug der Vielrederei auch! tu den Volksvertretungen der meisten Bundesstaaten längst seinen Einzug gehalten, leider — müssen wir sagen — auch in unser Hessenland, dessen zweite Kammer mit allen Kräften darnach strebt, den Siegespreis der Eloqnenzia zu erringen. Wenn sich in Preußen mit fernem Milliardenetat und seinen 433 Volksvertretern die Debatten in die Länge ziehn und langatmige politische Erörterungen gepflogen werden, so wird man oas bei der hervorragenden Stellung des großen Vundes- nachbars im europäischen Konzert begreiflich oder entschuldbar finden können, aber wenn in einer Kammer von 50 Abgeordneten sage und schreibe 46 zu einer einzigen Etatsposition (Staatseisenbahnen) das Wort nehmen und drei Tage lang ohne Unterlaß ihre Klagen und meist sehr kleinlichen Nörgeleien zum Vortrag bringen, so ist das doch eine Zeit- und Kraftversch Wendung, die den auch vom Regierungslisch betonten Niedergang des Parlamentarismus in schlagendster Weise illustriert.
Es ist noch nicht lange her, da war es auch mit der hessischen' Volksvertretung besser bestellt. Man redete zwar auch in den früheren Legislaturperioden frisch von der Leber weg, aber man hatte zur Etatsberatung nur alle drei Jahre Gelegenheit^ und man arbeitete auch energische dabei, besonders gründlich in den Ausschüssen, jo daß, die Beratungen im Kammerplenum einen flotten, von allerlei unnützem Beiwerk gesäuberten Verlauf nehmen konnten. Der Staatsvoranjchlag für 1885/88 wurde in 11 Sitzungen erledigt, der für 1888/91 nahm infolge der Mitberatung verschiedener anderer Themata 18 Sitzungen, der Etat für 1891/94 14 Sitzungen uind der für 1894/97 16 Sitzungen in Anspruch. Erst der letzte dreijährige Staatsvoranschlag für 1897/1900 brachte eine allgemeine Ueberraschung. Er bildete schon dadurch ein parlamentarisches Unitum, daß die Beratung für die am 1. April 1897 begonnene neue Finanzperiode erst am 8. Februar 1898 ihren Anfang nahm; aber man wurde noch mehr überrascht durch die nach dem Muster des Reichst tags zum ersten Mal auch in Hessen eingesüyrte dreitägige Gen-eraiLdebatte über den Etat, oer sich dann noch 31 weitere Sitzungen für die Einzelberatung anschlossen. Der dcmralige Staatsminister Dr. Finger hatte gleich am ersten Tag die Sache richtig durchschaut und nach den mehrstündigen Reden der Abgg. Ulrich undi Dr. Schmitt seine warnende Stimme gegen diese Muer- ung erhoben:
„JÄ habe bei meinem Eintreten in die Kammer zu meiner Ueberraschung bemerkt, daß sich eine neue Sitte scheint einbürgern zu wollen. Ich kann mich nicht erinnern, so lange ich auch schon parlamentarisch und im Dienst tätig bin, daß eine Generaldebatte über das Budget in der Weise, wie sie hier nun entriert worden tst, jemals stattgesunden hätte. Ich überzeuge mich auch, nachdem ich die Reden der beiden Herren Vorredner gehört habe, daß das eine Sitte ist, die uns vielleicht nicht sehr weit bringen wird. Es kann da gesprochen werden über alles und einiges andere noch; es werden Themata berührt, die sich einer Beurteilung im Augenblick vollständig entziehen, denn es steht jedem Redner frei, in alle Gebiete der Staatsverwaltung hinüberzugreifen, alle möglichen Details, die man allenfalls bei den Spezialetats besprechen könnte, hier zur Sprach^ zu bringen und dadurch Verhandlungen iherbeizuführen, die an und für sich gar kein Resultat haben, als allenfalls das eine, daß zum Fenster üin aus g e s pro che n wird 1"
Diese scharfblickende Kritik des erst vor kurzem Heimgegangenen Staatsmannes trifft auch bei der am Freitag, beendeten Etatsberatung den Nagel auf den Kops. Es ist auch diesmal wieder über altes und noch einiges andere sehr viel gesprochen worden und zwar ohne jeglichen Erfolg, aber in der besonderen Absicht, zu m F e n ste r h i n- aus zu reden. Der Wähler, der im nächsten Herbst! zum ersten Mal direkt zum Worte kommen soll, wird sich vor allem darüber klar sein, daß mit schönen Reden in der Kammer nicht viel getan ist und daß sie auch eine recht kostspielige Sache sind. Wir haben schon ftüher einmal darauf hingewiesen, daß dem Lande jedeKam- mersitzung praeter propter 500 Mark kostet und die nächste Sitzung ist schon die 100. in dieser Tagung. Durch die von Dr. David in leichtfertiger Weise hervorgerufene zweitägige Debatte über den GießenerGym- nasialdirektor sind dem Lande also 1000 Mark Kosten erwachsen; dieselbe Summe kostet das fast alljährliche Vorführen seines Steckenpferdes über die Schulreform, die Ulrich'sche Polemik gegen die Eisenbahngemein-
Kteines KeuitleLon»
— Der Kaiser undSchiller. „Schiller" in dem Jahrhundert nach seinem Tode, von Prof. Dr. Edw. Schröder ist der Titel einer Festrede von der Kaisergeburtstagsfeier der Universität Göttingen. Prof. Schröder teilt hierbei folgende persönliche Erinnerung mit: Es werden im Herbst 30 Jahre herum jein, da stand ich eines Tages auf dem Hofe des Lyeeum Fridericianum zu Cassel in der Nähe einer Gruppe von Schülern, die mit mehr Altklugheit als eigenem Urteil und Empfinden das beliebte Thema erörterte: Wer ist größer: Schiller? — Goethe? Soeben hatte sicki einer von ihnen mit großer Sicherheit der Formel entledigt: Schiller müsse vor Shakespeare als dem größereil Dramatiker, vor Goethe als dem größeren Dichter zurücktreten. Ta ergriff in sickstlicher Erregtheit ein schlanker Jüngling das Wort, der wie wir alle die rote Mütze der Primaner trug: „Hat Shckkefpeare em Stück geschrieben, das uns .hinKureißetr vermag wie der Don Carlos? — konnte Goethe iberhaupt ein solches Stück schreiben?!" Der so sprach, war kein anderer als Prirnz Wilhelm von Preußen, der jetzige deutsche Kaiser. _ v . _
— Im Berliner Lessing-Theater wurde am Sarns- rlag zum ersten Male Gerhart Haupt manns Bühnendichtung E l g a" (vor kurzem in der „Neuen Rundschau", Verlag von 05. Fischer in Berlin, erschienen) gegeben. Es ist eine freie Dramatisierung der düstcr gefärbten Novelle von Grillparzer „Tas L'loster bei Sendomir", in welcher ein Mönch zwei zureisenden deutschen Rittern das Unglück seines früheren weltlichen Lebens berichtet. Hauptmann hat daraus mit Hinzufügung der Mutter
schäft, der unfruchtbare Streit über die beiden neuen Ober- landesgerichtsräte und den dritten Senat, dazu kommen 1500 Mark für die dreitägigen Jeremiaden der 46 Redner über den Eisenbahnetat u. s. f. alles Ausgaben, die man dem Steuerzahler sehr wohl häjtte ersparen können.
Tie Debatten über die früheren dreijährigen Finanz? Perioden — die wir natürlich keineswegs wieder herbeisehnen, — waren durchschnittlich in 12 bis 15 Sitzungen! beendet. Jetzt ist der Etat durch die Einführung des einjährigen Budgets wesentlich vereinfacht worden; es wurden auch im neuen Etat nur ganz minimale Beanstandungen vollzogen unoe doch hat man auch diesmal wieder über 15 Sitzungen zu seiner Erledigung gebraucht; das macht für zwei einjährige Etats 45 bis 50 Sitzungen oder rund 25 000 Mark bloße Tagungskosten Am deutlichsten zeigt sich die Verteuerung unserer Kammerberatungen in der betreffenden Etatsposition. Mr Etat für die Land- stände hat iim Jahre 1897 nur 63 000 Mark erfordert, im neuen V o r a n s ch l a g ist die Summe auf nahezu 120 000 Mark an gewachsen, also fast das Doppelte. Das Gesamterträgnis, der Staats ein kommen und der Vermögenssteuer beläuft sich für 1905 auf 12 700 000 Mark; es wird also rund ein Prozent der direkten Steuern Hessens durch die „Landstände" absorbiert.
Man wird aus vorstehenden Angaben ersehen, daß der parlamentarische Apiparm bei uns zu Laude eine recht kostspielige Sache ifi hervor gerufen in erster Linie durch! den unbezähmbaren Redeeifer einer Anzahl Volksvertreter. Sie sind im Gegensatz zu dem bekannten Sprichwort der Meinung, daß Reden Gold und Schweigen Silber — oder gar nur Blech ist. Es liegt eine köstliche Ironie in der Tatsache, daß die Mehrheit der Kammer die WHaltung! ihrer 100. Sitzung am nächsten Dienstag verlangte, der Präsident aber aus eigener Machtbefugnis den Mittwoch dafür ansetzte. Ein Redejubikaum der zweiten hessischen Kammer am Fa schingsdiens tag — hei, was das für Heiterkeit auch über die rotweißen Grenzpfähte hincuuS gegeben hätte!
Keutjchkk ZLktchstag.
156. Sitzimg vom 6. März.
1 Uhr. Das Haus ist äußerst schwach besetzt.
Arn Bundesratstisch: Graf P o s a d o w s k y u. a.
Tie zweite Beratung des Etats des Reichsamts des Innern wird beim Titel „Gehalt des Staatssekretärs" fortgesetzt.
Abg. Tr. Pott ho ff (freii. Vergg.) spricht sich gegen die Einsck-runkung des Hausierhandels aus und wünsckü, daß auch das FeuerversickZerungskartetl in die Kartellenquete einbezogen werde. Ferner verlangt Redner sozialpolitffche Fürsorge für die Privatbeamten und die Techniker; zuerst sei es nötig, daß eine amtliche Statistik über die Lage dieser Leute veranstaltet würde, darauf müßte sich dann sinngemäße Uebertragmrg der Arbeiter- pchutzgesetze aufbauen. Er verzict-te darauf, bestimmte Anträge zu stellen, um die Flut von Resolutionen nicht zu vermehren.
Abg. Werner (Antts.) meint, die beiden Herren, die sich hier der Hausierer angenommen hätten, wohnten in Berlin, hätten ein Schild an der Tür „Betteln mü> Hausieren ist verboten" und würden daher von Hausierern nidrt belästigt. Anders sei es aus dem Lande, dort herrsche förmlich eine Hausiererplage, die beinahe so schlimm sei, wie die Zigeunerplage. Tie Warenhäuser nehmen leider immer mehr zu. Tie Warenhäuser müßten von jedem bekämpft werden, der den soliden Handel liebte. T-er von dem Staatssekretär befürworteten Zusammenlegung der drei Versicherungsgesetze würde auch er zustrmmm, ebenso dem Gesetz zum SäMtze der Bauhandwerker. Doch müßte für das Bauhandwerk auch der Befähigungsnachweis eingeführt werden.
Abg. H o r n-Sachsen (Soz.) befürwortet eine Resolution, durch die die verbündeten Regierungen ersucht werden, twch im Laufe dieses Jahres eine Verordnung zu erlaßen, durch welche die Arbeit an Sonn- und Festtagen in Glashütten verboten wird, mit Ausnahme der Hilfsarbeiter, die zur Unterhaltung der Glasösen notwendig sind. Er hält hierauf seine alljährliche Glasrede, und verbreitet sich in ausführlichen Darlegungen über die Verhältnisse in den Glasfabriken.
Abg. Dr. THaler (Ztr.) befürwortet eine Resolution, bte einen Gesetzentwurf fordert, welcher bezüglich der Gehilfen der Rechtsanwälte, Notare und Gerichtsvollzieher, ferner der Beamten und Angestellten der K r a n k e n k a s s e n über die Arbeitszeit, die Kündigungsfristen, die Sonntagsruhe, bte berufliche Aus- und Fortbildung die gleichen ober ähnliche Schutzvorschriften Vorsicht, wie sie das Handelsgesetzbuch und die Gewerbeordnung hinsichtlich dec Handelsangeftellten enthält.
Abg. Merten (stets. Vp.) tritt für erweiterten Kinderschutz ein. Das Kinderschutzgesetz ist eine sozialpolitische Tat ersten Ranges. Leider wird es nicht in alletr Teilen so durchgeführt, wie der Gesetzgeber es sich gedacht hat. 2er Widerstand gegen das Gesetz kam von dem engbegrenzten Kreis derer, die in der Kinderarbeit eine nie versagende Quelle der Heimarbeit erblickten und an dieser ein Interesse haben. Wie kommt es, daß die Bestimmungen des Gesetzes nicht beachtet werden? Schuld trägt daran die Fassung der Gesetze, die einen Verstoß gegen Sinn und Geist des Gesetzes gestattet. Ferner iü das Gesetz in den Kreisen,
die es rnigebt, zu wenig bekannt,^ resp. es wird mißdeutet. und umgangen. Man müßte in intensiverer Weise, als dies bisher geschehen, die Lehrer und die S ch u l e zur Kontrolle heran- ziehen. In diese Schäden muß man unbarmherzig mit dem Seziermesser der Kritik bineinleuchten. (Große Heiterkeit.) Dre Jugend soll und muß des Schutzes wirklich teilhaftig toerben, der ihr durch das Gesetz zugebacht ist.
Abg. Tr. Wolff (Wirtsch. Vg.) äußert sich dahin, daß ehtt gesunde Sozialpolitik nicht nröglich sei ohne Agrar- und Mrttel- standspo litik. Ein schönes Wort heiße: „Immer strebe zum Ganzen". Bedauerlich sei, daß der Staatssekretär sich verschiedenen Forderungen des Vttttelstandes so wenig zugänglich gezeigt habe, vor allem in der Frage des allgemeinen Befähigungsnachweises.
Tie Weiterberaumg wird auf Dienstag vertagt. Außerdem- Nachtragsübereinkommen mit Oesterreich.
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Dolttisthe Tagesschau.
Englands Flotte.
Im englischen Unteryause legte <rm Montag der lln* * tersta.atssekretär Pcetymnn den Mar in e e tat vor. Ep betont die Veränderungen, die durch Vevwendung gepan^ zerter Kreuzer in großer Zahl umü> durch die Einführung! der druhtlosen Telegraphie hervorgerufen wurden, undi fährt dann fort: Der ganze Plan der Admirulität beruht auf diesen beiden Faktoren, mrd erst zur gegenwärtigen; Zeit konnte die Admiralität slünelle Schiffe rn homogenens Geschwadern; konzentrieren und infolge der neuen Erleich?- teru'ngen der Nachrichtenübertnittelung die schnellen gepanzerten) Kreuzer^nach Verlauf weniger Stunden nach einer bestimmten Stelle senden, statt w Schift von geringerer Starte nahe einer Stelle, wo es erwünscht war, stationier zu hallten. Die Entfernum.g von 160 Schissern aus der ersten Schlachftinie schließt nicht ein, daß diese! Schiffe notwendigerweise für irgend welchm Kriegszwech nutzlos toären. Viele von den Schiften, die so entjerub wurden, jmd Schifte, für welche die Äiegführenden in Ostajien gro»ße Su-rnmen Geldes zahlen wurden. Tie gänzlich veralteten Sa/iffe werden beseitigt werden. Aber drei dazwischen liegende Klasse von Schiffen, die zu Kriegszeiten! zu Hilsszweäen oder zuün Ersatz vonf Schiisen der ersten! Schlachriiuie äußerst nützlich jein kann, wird in der Nähe der Hauplschiffsloerfteu vor dinier gehalten werden und! kann danii im Verlauf von drei Monaten im Kriegsfälle verwendbar gemacht werden. Zum Schluß seiner Ausführungen bespricht Pretyman die Frage der Unterseeboote und ertlärt, der neueste Typ Emine mit neun Seemeilen! Geschwindigkeit unter Wasser fahren. Er weist sodann auf die Wichtigreit der Unterseeboote für die Verteidigung von Häfen mid aus die moralische Wirkung hin, die sie auf den Feind ausuben würden. 'Das Programm für die Neubauten sei das Ergebnis einer Erwägung, bei der man die Le chungs fähig reit un Auge gehabt habe, und es sei ent- worsen worden unter Hinblick aus die Flotten aller Mächte und auf die Erfordernisse der britischen.
Im Verlaufe der Beratung beantragt MrStae (lib.) eine Resolution, in welcher! die Beftiedigung über die Herabsetzung des Marinevoranschlags, aber andererseits das Bedauern darüber ausgedrückt wird, daß die Regierung! keine Schritte getan habe, um mit anderen Mächten! behuss Herabsetzung der Flottenrüstungen üy Verbindungen zu treten.
Unter iiULts^etretär Pr et hm an erklärt, es sei unmöglich, unseren Atarineetat unter Beratschlagung mit anderen Äiächten aufzustellen. Aber einer von den bedeutenden Fatwren für unsere Entscheidung über die Stärke unserer Flotte sei naturgemäß der Stand unserer Beziehungen zu den fremden Ntächten.
Die Resolution MrErae wurde ab gelehnt.
Muszano.
London, 6. März. Im Unterhause erklärte Balfour, daß der Chessekretär für Irland, Wyndham, seine Demission eingereicht habe.
— Der Fürst von Bulgarien ist heute abend hier eingetroffen. Er wurde vom Prinzen von Wales am Bahnhof herzlich empfangen. Der Fürst fuhr nach dem Bucking- hamp.alast, wo er vom König und der Königin bewillkommnet wurde. Der Fürst reist am 10. März ab.
— Sir Thomas Barklay erklärte in einer Maffen^ Versammlung, daß eine neue Genossenschaft uuter dem Namen „Die internationale Brüderschaft" gegründet würde, deren Zweck die Förderung der Freundschaft zwischen Leuten verschiedener Naiionalltät durch persönlichen Verkehr sei. Es handelt sich hauptsächlich um England, Frankreich, Deutschland und die Union.
Madrid, 6. März. Heute wurde vor dem Hause des-
des Mönchs und einem veränderten Sck/mtz die szenische Darstellung eines Traumes gemacht, »en cm Ritter in demselben ^urmgemach erlebt, wo der Mönch, der Begründer des Klosters, von seinem Weibe in heimlicher Liebesleidenschast betrogen wurde. In sieben Bildern, die mit ganz kurzen Unterbrechungen an dem hindmiier vorbeiziehen, offenbart sich dem Wanderer bei seiner nächtlichen Einkehr die Tragödie eines Mannes, mit deck er, wie wir mehr vermuten als erfahren, vielleicht irgendwie verwandt ist. So wirkt diese TraumdickMmg als eine ernste Mahnung und Frage, ob die Untreue dieser Frau sich bei einer andern nicht wiederholen könne. Während des Szenenwechsels, so lesen wir in Ider „Nat.-Ztg.", ertönten Orgclklänge und der Gesang der Totenmesse, die im Kloster zur Nack-t abgehalten wurde, während jedesmal sich zuerst eine schsvarze Gardine zusammenzog und dann der gewölMickM Vorhang sich lenkte. Ter fortwährende Wechsel des SckMuplatzes, die flimmernden Tekorattons- und Be- leuchtungseffelte, die Mitwirkung von Vokal- und Jnstnlmental- miffik versetzten das Pubtitum in eine Art Betäubung, nach deren Schluß HEptmann häutig vor den Vorhaiig gerufen wurde. Bei der Darstellimg zeichnete sich lurmeiUlrd) ö'rau Triesch aus.
Berlin, 6. dMrz. Die königl. Akademie der Künste veranstaltete 'heute eine Gedächtnisfeier für Adolf von Menzel, welcher der Kaiser und die Kaiserin, die Herren der Umgebungen, die Minister Studt und Frhr. v. Rhcinbaben, Hausminister v. Wedel, namhafte PerfvnlMeiten der Hofgesellschaft und der Tipwmatie, die ®titernhmt, Künstler und Gelehrte beiwohrttcn. Tie Feier begann mit einem Traueraesang für ge- misclsten Chor Prof. Anton v. Werner hielt die Gedächtnisrede. Er feierte den großen Einsamen als einen der Ersten unter den
Künstlern aller Zecken, als leuchtendes Vorbild an eisernem Fleiß und strenger Selbstkritik, als Teutschlands getreuesten Sohn, Den Schluß der Feier bildete Beekhovens fünfte Symphonie.
— Wagner-Festspiele in Frankfurt a. M. Tie Intendanz des Stabltheaters in Frankfutck veranstaltet an zehn Abenden, in der Zeit vom 10. bis 31. Mai. Muster-Aufführungen Wagnerscher Werke, in denen die besten Wagnersänger deutscher Bühnen mitwirken werden. Zur Ausführung gelangen: „Lohengrin", „Tannhäuser", „Tie Meistersinger", „Ter fliegenbe Holländer", „Menzi", „£er Ring des Nibelungen" und „Tristan und Isolde". „ <
— In Osnabrück wird die Errichtung eines Stadt«, tHeaters mit einem Kvstenauflvande von etwa 700 000 Mk. beabftätigt. .. „ ,
* Heijermans, ein Plagiator? Eine lebhaft/ Polemik wurde in holländischen und belgischen Zeitungei darüber geführt, ob das Sujet von Herjermans auch u Gießen bekannten Drama „Ho f s ninn g" einem Roman v i Mason-Forestter entnommen ist oder nicht. Dieser Ro». j „Baraterie" betitelt, ist 1803 ersehenen. Heijermans b- 4 sichert jedoch, hmß er den Roman gar nickst gekannt Ijuj Wahrscheinlich liegt nur ein merkwürdiges Zufammentref sttr vor. Mason-Forestier ist Advokat m Le Havre gctuefei^ Heijermans lebt viel unter Seeleuten; dieselben Verhall- nisse haben also ähnliche Ideen in den beiden DMern entstehen lassen.


