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General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen.
Redaktion. Expedition u. Druckerei: Schulstr.I, Tel. Nr. 61 Telegr.-Adr. i Anzeiger Gietzm»
Von der Perliger Au1omo6ikausli-llung.
Die Ansprache des Präsidenten des französischen Automobil-Klubs, Baron de Zuylen, an Kaiser Wilhelm bei Ueberreichung der goldenen Erinnerungsmedaille (vgl. unsere gestrige Mitteilung) hat folgenden Wortlaut: »
Tai le grand honneur d’offrir L Votre Majeste au nom de PAntomobile Club de Franee notre ^rande plaquette d’or en temo- jo-nage de gratitnde pour la protection et les encouragements qu Elle a^bien voulu accorder ä Pindustrie naissante de 1'automobile.
Nous n’nonblions pas la maniere si gracieuse avec laquelle Votre Majestä a daignd recevoir au Taunus les Membres de PAuto- mobile Clnb de France et les constructeurs franqais et ce souvenir restera o-rave d’une maniSre imp^rissable dans nos memoires?
Der Ka iser erwiderte folgendes:
Ur. le Baron! Je suis infiniment reconnaissant pour les paroles Avec”lesquelles vous avez bien voulu accompagner la Präsentation de la plaq nette commdmorative.
Je Paccepte avec plaisir et je me flatte qn’eUe est une marque ddlicate de reconnaissance pour les jours de Hombourg qni, je suit henreux de constater, ont laissd chez vous messieurs et vos compa- triotes d’agrdables Souvenirs.“ M „
Die Ausstellung ist von mehr als 300 Ausstellern beschickt. Vom Auslande hat Frankreich die meisten Aussteller aufzuweisen. Besonderes Interesse erwecken die drei prächtig ausgestatteten Motorwagen des deutschen Kaisers, die alle in zarter weißer Farbe leuchten.
SrtchetM tSgllch mti Ausnahme deS Sonntags.
Die Lietzener FamMenblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «hristichs Landwirt" erjchemi monatlich einmal
schäften diese Sünden auf dem Gewissen. Es gehe das Wohl zumeist so, wenn es nichts Mtrt. Mit der Resolution erllärte sich d--r Vertreter des l?cmdw''rts^aftsministeriums nicht einverstanden, weil sick die landwirtsck^ftli^e Verwaltung nicht auf bestimmte Tunkte ^eAeaen könne. Was den eventuellen Ankauf der ftaat- fidV-n Kornh'iuser seitens der Kornhausgenossenschaften betrifft, so habe sieb ac""'at, daß die Preise seitens der Genossenschaftenl auf c-n-m s"-r den Staat unannehmbaren Punkt herab geschraubt wurden. Ein besonders krasser-Fall liege in Reu-Stettin vor. ^'ie Gesamtko'"'en des Baues bezifferten sich Huer auf 171000 Mark. Ie't bftte die Genossenschaft 40 000 Mark. Tas seren unannehmbare Bedinau.ngen. Würde die Regierung darauf ern- aehm. so mühte sie auch 'die Vollmachten, welche ihr der Landtag bezüglich der für d'e Kornhäuser bewilligten fünf Millionen erteilt hat. wesentlich überschreiten. Es bliebe da asto nur übrig, fcicm Landtag einen entsprechenden neuen Gesetzentwurf ein- zu bringen. Hinsichtlich der Streichung des Schlußsatzes des Antrages iO der Re gi erun s v ertr et er der Ansicht des Herrn v. Erffa^ aber, fuhr er fort: Sie mögen verzeihen, wenn ick 'dabei noch ünen schwarzen Verdacht crusspreche: Sie hoffen vielleicht daß k'in anderer, als Sie bieten wird, und daß Sie so die Kornhauser sür ein Butterbrot bekommen. Aber da würde doch wohl em Mindestpreis feßgesebt werden. Ter Verein der Getreidehändler in Halle habe ein Gebot auf das Hallesche Kornhaus abgegeben, dem sich die Negierung unter Umständen, da das Kornhaus leer ffp'fft, nicht werde entziehen können. Frhr. v. Wangenheim lKl. Sviegel) meinte: Es handelte sich bei den Kornbäusern nm einen Versuch, der immer noch Aussichten hat. Die Fehler seien wohl von beider! Teilen, Genossenschaften und Regierung, gnnacht worden. Iedmfalls müßten die Genossenschaften die Kornhauser zu einem Preise bekommen, bei welchem sie bestehen können. Möge man also unter den Versuch einen Strich machen imb eventuell an den Landtag gehen. Ter könne die Sache dann gleich mit m die Kanalvorlage einpacken. .
Tie Resolution des Referenten wurde hierauf unter Streichung des Schlußsatzes angenommen. ,
Anstand.
Paris, 6. Febr. Der Senat nahm mehrere Artikel des Militärgesetzes an. General Billot verlangte die Trennung der Artikel, in denen die Dauer der Dienstzeit festgesetzt wird. Er behauptete, die Durchführung der zweijährigen Dienstzeit sei unausführbar in einer Zeit, wo der Krieg in der Mandschurei den Weltfrieden schwer bedrohe. Der Berichterstatter bekämpfte die Trennung, welche sodann mit 214 gegen 50 Stimmen verworfen wird. Der Artikel, in welchem die Dauer der aktiven M il i t är d i en st ze i t auf zwei Jahre festgesetzt wird, wurde schließlich mit 220 gegen 25 Stimmen angenommen.
Wien, 6. Febr. (Abgeordnetenhaus.) Der sozialdemokratische Wbg. Duszynski kritisiert das Vorgehen der Polizei in Galizien, die vierzig Leute verwundet habe, weil sie ein Bild des Zaren vernichten wollten, als Dr. Kramarz, ein Russenfreund, ruft: „Besser keine Verfassung, als eine solche wie in Oesterreichs" antwortet Duszynski unter stürmischer Heiterkeit: „Tie Russen wären froh, wenn sie dieselben Rechte hätten, wie die Tschechen in Oesterreich !" Duszynski weist die passive Halt- und des Polenklubs zurück, der den Kugelregen meide und den Ordensregen vorziehe. Duszynski rief unter dem Beifall seiner Parteigenossen: Nieder mit dem Zarismus! Der Präsident erllärte, er begreife das teilnehmende Interesse an den russischen Vorgängen, müsse jedoch die Angriffe gegen den Zaren zurückweisen. Nach Duszynski, der auch von der Brutalität der russischen Behörden im Falle Kischi- new sprach, erllärte der Minister des Innern Bylandt- Nheidt: „Die Polizei mußte die Verbrennung des Zarenbildes verhindern. Er gebe aber zu, daß ohne Befehl von der Polizei die Säbel gezogen wurden. Die Negierung müsse bei der Erregung, die wegen der Vorgänge im Nachbarreiche in Galizien herrscht, auf die Wahrung der öffentlichen Ordnung bedacht sein. Ter tschechisch-radikale Fresl meint: WaA Dom Zaren gesagt werde, gelte auch vom österreichischen Kaiser. So wie man in Krakau das Bild des Zaren verbrannte, werde man in Böhmen das Bild des deutschen Kaiser s verbrenn en müssen.
Belgrad, 6. Febr. Oesterreich-Ungarn hat Serbien den Handelsvertrag und die Vieh- seuchenkonvention zum 15. Februar 1906 geküw- d i g t.
S o f i a, 6. Febr. Auf eine n e u e r l i ch e E i n l a d u n g des Kaisers Wilhelm reist Fürst Ferdinand heute nach Berlin zum offiziellen Besuch ab.
Wercin deut Her Studenten.
Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich haben bekanntlich jüngst ein Fest des Vereins deutscher Studenten in Berlin besucht. Daran hatte .sich eine um- angreiche Preßerörterung geknüpft, und wir hatten ein« Auslassung im ,H>cmnov. Cour." zum Abdruck gebracht. Jetzt schreibt uns dazu ein Mitglied des Berliner unv des Gießener V. d. St. folgendes:
Tie Bewegung, aus der die Bildung des V. D. St. ^rvov- gegangen ist, ist nicht eine „konservative und antisemitische ,2tröm- ung" gewesen. Sie steht auch zu dem Nobilingick-n Attentat und der darauffolgenden Zeitftrömung nicht in Beziehung. Sre ist entstanden als Reaktion gegen das Neberwuchern JudenitnmS zunächst in Berlin zur Zeit der „Berliner, Notabelnerklarung? und „Antisemitenpetition". Es fanden sich in dem gemeinsamen Gefühl deutschen N a t i o n a l st o l z e s Angehörige der verschiedensten Korvorationen zusammen und gaben damit ihrer Zustimmung Ausdruck. Sie dachten n i cht im geringsten daran, damit sich einer Politischen Partei anzuschließen, auch. bildeten sie ftchnnA ein, „irgendwelche Befähigung zum antisemitischen und!wnser-- vativen Parteimann zu haben". Turch korporative Gestaltung des V. D. St. schieden naturgemäß eine Menge Mitglieder des: früheren „Vereins" aus. Den § 1 der Satzungen des Kyffhauser- Verbandes des V. V. D. St.: „Den Verband bilden Vereine,, welche 1) nur an den Hochschulen des Teutschen Reiches iulmatri- kulierie christliche Studenten deutscher Nation aufnehmen, 2) als Zweck sich setzen die Förderung des Verständnisses für nationale Fragen und Aufgaben unter ihren Mitgliedern, sowie Klärung und Kräftigung des Nationalbewußtseins in der grämten deut-» scheu Studentenschaft", drückt klar die Ziele aus. ^amit ist die rein nationale Arbeit gefordert, unabhängig von jeher Barter-* richtung. Nicht im Dienst und für den Dienst einer Partei, solle» die Mitglieder erzogen werden. Tas zeigt auch der Wahllpruch: „Mit Gott für Kaiser imh Reich". Der monarchische .Ge^nke begleitet allerdings die Bewegung von Anfang an. An eine Ver-« pflichtung auf ein politisches Programm hat man nie gedacm. Das war ja gerade der ideale Gesichtspunkt, Jön§ der nationale Gedanke allein einen Zusammenschluß deutscher Studenten ermöglichte. Von einer Schwenkung zu „fteimütig-soziÄenAus- firssungen" kann also nicht geredet werden, zumal in den Kreisen der V. V. D. St. die „Kaiserliche Botschaft vom 17. Nov. 1881 die lebhafteste Zustimmung fand, die in der Errichtung des „Botschaftsgedenksteins" auf dem Kyffbäuser durch den Verband zum Ausdruck kam. Ter Geist der 80 er ist beute noch derselbe geblieben. Ter Verband als solcher kamt für die Lauheit einiger A.-H. A.-H. nicht verantwortlich gemacht werden. Zu beklagM ist freilich das Abschwenken einiger A.-H. A.-H. zur Sozialdemokratie. _
Zur speziellen Berichtiguitg ist zu bemerken, daß Herr von Gerl ach auf dem Wege ehrenrätlichen Versahrens aus dem Verband aus schied. _ ,
Wir begrüßen es allerdntgs von unserem Standpuntt, daß zu den „Führern der Aktivitas alle diese Männer' nicht gehören. Taß seit „bald 30 Jahren immer wieder dieselben nur für einen sehr einseitigen Geschmack erträglichen Reden" zu höreni sind, entspricht nicht den Tatsachen. Man vergleich nur die Reden des letzten Kommerses. Da sind doch die verschiedensten! Gedanken ausgesprochen werden, aber alle einig in der natwnalen Tendenz. Daß sozialdeniokratische Redner anftreten, ist selbstverständlich ausgeschlossen. „Wie viele von den Zungen Menschen, die am Donnerstag nach 'dem 10. und 15. Schoppen anerkannr schleckten Dünnbieres den Herren von Lieb ermann und Graf Reventlow und Tiedrick Hahn, dem Kilometerredner, zu- iubelteii, in 10 bis 20 Jahren noch einen Bündler oder erneu Antisemiterr wählen mögen", diese Frage fällt aus dem Rahmen der ganzen Feier heraus. Oder sollte dieser Kommers etwa dazu dienen, für irgendwelche Partei dieser Herren zu keilen? Nur die gemeinsame Erinnermig an den nationalen Gedenktag und das Gefühl der Zusammengehörigkeit, die Begeisterung für die große gemeinsame Sache gibt einer solchen Feier den Zweck und die Weihe. Und diese Feier wird sich in jedem Jahr wiederholen und dieselben Mahnungen zur iiationalen Pflicht werd«i erschallen. Das Urteil, daß damit „diese oftiziellen VeranstUtt^ ungen zumeist einen so wenig erfreulichen Charakter ttagerr, ist demnach für einen nationalgesinnten Deutschen wenigstens miverständlich. ,
Zur Oriciitierung erlaube ich mir weiter hinzuwcflen auf. „12 Jahi'e akademischer Kämpfe" . . . von Hermann von PeterK- dorff und auf die 21. Nummer der „Akad. Blätter", ZEchrift des KvffHäuserverbandes der V. V. D. St. vom 1. Flckr 1905. Hier finden Sie die Reden abgedruckt, ebenso die Prenstmrm«u
Tie Worte S. K. Hoheit des Kronprinzen zeigen, daß nicht „der Anschein erweckt wurde, als smnpathülere derselbe mit den Antisemiten" (vgl. „Gieß. Anz." vom 30. Januar 190a, Nr. 25), vielmehr daß das Erscheineir der Prinzen bei oan Kommers eine Anerkennung der nationalen Tendenz der V. V. D. St. bedeutet. Tas dürfte aber wohl fern „seltsame, Vorgang" sein. r ,, Ä
Wenn wir die von nnö wredergegebene Zuschnft deA
Keer und Alotte.
— Kaiserin Alexandra von Rußland, Ches des 2. preuß. Gar de-Dr a g oner-Re gim en ts, hat diesem ihr von Kaulbach gemaltes Bildnis für das Offizierkasino geschenkt. Das Porträt ist am Donnerstag durch den russischen Militärbevollmächtigten, Obersten von Schebeko, dem Regimente überreicht und gelegentlich eines Festmahls im Beisein von Vertretern der russischen Botschaft, vom Regimentskommandeur Oberstleutnant Graf von Rödern übernommen worden. Es sand im Speisesaal des Kasinos einen Ehrenplatz. .. .,
Berlin, 6. Febr. Die „Norddeutsche" schreibt: Dem Vernehmen nach soll bei einigen Bataillonen der Armee die Zweckmäßigkeit einer Feldbelleidung ausprobiert werden. Es wurde hierzu die Farbe des Klauen Mantel luchs gewählt. Als Muster für den Rock rst der blusenartige Schnitt, welcher von den Manu-
Die agrarische Woche, n.
Tas preußische Landesökonomiekollegium verhandelte am Samstag über die Regelung des Verhältnisses zwischen Koruhausverwaltung und Fiskus nach Maus der für Benutzung der Kornhäuser vereinbarten Pachtgebiete. In der Diskussion wies Major a. D. v. Busse-Halle darauf hin, daß die Kornhausgenossenschnst in Halle an ihrem Kornhaus 200 000 Mark eingebüßt habe; dennoch hat das Kornhaus segensreich gewirkt Ter Fehler sei nur, daß das Betriebskapital nicht au§= reichte daß die Maschinen und der Betrieb viel zu groß emge- richtet'waren und daß, last not least, die Mitglieder zwar Getreide liefern konnten, aber nicht brauchten, also Rechte, aber keine Pflichten batten. Ter Landtagsabg. Frhr v. Erffa erklärte, bei dem Hallenser Kornhause lägen die VeryaltNisw tatsächlich heute so daß dasselbe nur noch vom Standpunkt der landschaftlichen Schönheft zu betrackften ist. Daß hier so große Fehler gemacht wurden, das möge wohl an- dem etwas zu sanguinisck>en Temperament des verstorbenen Hernr v. Mendel-Steinfels gelegcm haben Tann sei aber auch Halle gewiß ermaßen das Versuchskaninchen gewesen. Sehr entscheidend sei wohl auch der Mangel des Lieferungszwaiiiges für die Mitglieder gewesen. So kam es, daß die Genossenschafter dem Kornhaus nur das Getreide zuwiesen, welches ihnen kein anderer abnehnren wollte.
Abg. v. Brockhausen hatte ente Reiolutivn beantragt, welche die Regierung ersucht, _ r .
ine Verhandlungen mit den Kornhausgenossenschaften ivegen Weitervermiettma oder Verkauf der aus staatlichen Mitteln gebauten Getreidelagerhär-ser nunmehr bald zum Abschluß zu bringen dabei aber nicht nur die staatlicherseits ausgewendeten Bmikosten sondern auch den Gebrauchswert unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse der einzelnen Genossenschaften Auacunde zu legen und, wo sich eine Einigung nicht erzielen läßt die Gettridelagerhäuser zur öffentlichen Versteigerung zu bringen/bei der sich auch die betreftenden Geuosscnsckmften E^Frbr^v ^Er^fa war mit dieser Resolution einverstanden nnfcpr mit dem Vorschlag der öffentlichem Versteigerung, weil, so iülnte <ms eine öffentliche Versteigerung der Kornhäuser nur dazu führen würde, daß sich die Händler, mit anderen Worten ^^ObmÄ«rungsrÄ Ka°p v aus tan Laudwirtschafts-Mi- ntfilertum erklärte, er könne die Grunde, die für das Mißlingen KftTfpnf« Kornlfauses geltend gemacht sind, nicht anerkemien.
teuer gÄmut wurde, so hätten die Gcnasscu-
Zweites Blatt. 155. Jahrgang Dienstag Februar 1905
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Glchener Anzeige- -
schäften der ostasiatischen Vesatzunasbrigade getragen wird, angenommen. Jodoch haben die Röcke, da die Klapp- krcrgen sich bei den angestellten Versuchen in der Armee nicht bewährten, einen niedrigen Stehkragen erhalten. Tie Sichtbarkeit der b l a n k e n Knöpfe auf die verschiedensten Entfernungen soll bei dieser O^elegenheit ausg-eprobt werden. Es wurde daber eine Vorrichtung getroffen, daß diese sowohl verdeekt als auch durchgekncpft getragen werden können. Tie Offiziere sollen Waffenröcke aus gleichem Stoff wie die Mannschaften, und Bcinlleider aus grauem Tcvtot* stoff tragen. .... .
Svr fte und Sdiute,
Durch einen Teil der Presse geht gegenwärtig die Mitteilung, daß an die Stelle des aus dem Vorsitze des Evang. Bundes geschiedenen D. Grafen v. Wintzingerode der Konsistorialrat D. Goebel in Halle getreten sei. Diese Nachricht beruht auf einem Irrtum. D. Goebel ist schon seit langer Zeit als stellvertretender Vorsitzender bet Verhinderung des Grasen Wintzingerode im Vorstände tätig gewesen, ^lls solcher leitet er auch jetzt nach dem Rücktritt des Grafen die Geschäfte. Ein Vorsitzender des Evang. Bundes ist aber noch nicht wieder gewählt worden.
MMrschk Tamsschau.
Des Reichskanzlers Gehalt.
In der offiziösen ^Südd. Reichskorresp." wird es als irrtümlich bezeichnet, daß Graf Bülow als Minister» Präsident an der den prertßischen Ministern durch Gewährung von Repräsentationsgeldern zugedachten Gehaltserhöhung mit beteiligt sei. Dem offiziösen Organ wird im Anschluß hieran aus Berlin geschrieben:
„Im Etat des Staatsministeriums für 1905 find je 14 000 Mark Repräsentationsgelder nur für die sieben Ressortminister ausgeworfen, nicht für den Ministerpräsidenten. Aus dem Reichs- kanzlerposlen ist es, seitdem Fürst Bismarck ihn übernahm, bis auf den heutigen Tag dabei geblieben, daß ein Reichskanzler, der die Pflichten der Repräsentation in einem der Würde, des Retches entsprechenden Umfang wahntehmen will, dies nur mit erheblichen Jahreszuschüssen aus seinen privaten Mitteln leisten kann/
Fürst Bismarck und Graf Caprivi haben als Retchs- kanzler ein weit geringeres Gehalt bezogen als Graf Bülow. Das Gehalt des Reichskanzlers hat bis 1898 54 000 Mk. betragen. Damals erfolgte eine Erhöhung um 46 000 Mk. auf 100 000 Mk.
Revolutionen in Sud-Amerika.
Wieder einmal wird in Südamerika ein bischen Revo- iution gespielt. In der Hauptstadt Argentiniens, Buenos Aires, sowie in einigen argentinischen Provinzen haben die Aufständischen Bluttaten begangen. Auf beiden Seiten hat es Tote gegeben, indeß behauptet die Regierung Herrin der Lage zu sein und binnen Kurzem den Aufstand unterdrücken zu können. Bedenklich ist es, daß auch HeereS - Abteilungen revoltieren.
Man weiß jetzt, daß die Soldaten des Regiments in der Provinz Santa M, welches sich gegen die Regierung erhoben hatte, durch Offiziere getäuscht worden waren. Letztere sind allein kompromittiert. Die Soldaten waren der Meinung, sie sollen gegen die Aufständischen kämpfen. Als sie ihren Irrtum erkannten, stellten sie den Kampf ein. Die Offiziere entflohen.
Ferner meldet ein Newyorker Telegramm, es sei Grund vorhanden, anzunehmen, daß auch eine Revolution in Venezuela geplant sei. Geld und Waffen seien zu diesem Zweck beschafft.
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Febr. Heute unternahm der Kaiser einen Spaziergang im Tiergarten, besuchte den Reichskanzler und stattete der Gräfin Bülow Glückwünsche zum Geburtstage ab. Im Königlichen Schlosse empfing Se. Majestät den Grafen Alexander Münster und hörte die Vorträge des Ministers v. Podbielski und des Chefs des Zivilkabinets, Wirkl. Geh. Rats Dr. v. Lucanus.
— Das Abgeordnetenhaus hat heute die zweite Beratung der Kanal-Vorlage fortgesetzt und die General- Diskussion beendet. Mit großer Mehrheit wurden Schleppmonopol und Schiffahrtsabgaben nach dem Kom- missionsbeschluß angenommen. Bei der Besprechung der §§ 1 und 2 Rhein-Hannover-Kanal und Beitrag der Interessenten trat Vertagung ein.
Breslau, 6. Febr. Anton Graf zu Stolberg- Wernigerode, Majoratsherr auf Peterswaldau, Kreis Reichenbach, erbliches Mitglied des Herrenhauses, ist heute gestorben.


