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9.1.1905 Zweites Blatt
 
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Grfchetnr «gNch mit vuSnahmr de« Sonntag-,

Die ^Sietzener Familienbiatter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich betgelegl. Ti", ^tzrlstjche CanOölrr erlchevu monaUtch einmal

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen UnwersttätSdruckerei. ÖL Lange. Dietz«.

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DeL Nr. 6L Telegr.-Adr. i An-eiger Dietzen»

^Weites Vlatt. löö. Jnl;rnn;rg Montag Januar

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen.

Politische Wochenschau.

Gießen, 9. Jan. 1905.

Der erste Tag des neuen Jahves brachte dem deut­schen Heere eine Ueberraschunq durch die Ernennung von vier neuen G e n e r a l f e l d m a r s ch ä l 1 e n. Man hat sich, vielfach darüber gewundert, und dieDeutschen Stimmen" des nationalliberalen Mg. Dr. Patzig schrieben:

Der eine der vier neuen G-neralseldmarsckälle, v. Hahnke. hat die Stufenleiter -zu den höchsten Wür­den als Militär in aller Hauptsache abseits von der Truppe erklommen. Im Jahre 1870 war er als Major beim Generalkommando des 3. Armee? vs, an der Spitze eines Regiments hat er nur kurze Ende der 70er Jahre gestanden, sonst war er fast ! ernd mit Wahr­nehmung von Verwaltungsgeschäften etraut, von 1888 bis 1901 war er Ehef de? Militärkabin lts, in dessen vier Wänden nicht gerade die Armeebefehlshaber ihre Aus­bildung zu empfangen pflegen. Seine Ernennung zum Generalfeldmarschall kann also lediglich als persönliche Gunstbezengung des Kaisers verstanden werden. Und hierzu mag ein Wort der Kritik gestattet sein. Wir richten es an den Kriegsminister, dessen Mitwirkung bei diesen Ernennungen ja vorausgesetzt werden darf. Bei aller geziemenden Ehrfurcht vor dem Throne hätte er dem Kaiser doch vorstellen sollen, daß es ratsamer wäre, einer hehren Tradition in der Armee treu zu bleiben und. wenn schon in Friedenszeiten Gcneral- feldmarschälle ernannt v erden sollten, so doch mit dieser Würde nur solche Militärs zu betrauen, die im Kriege den Anforderungen an einen Armeebefehlshaber gewachsen wären."

Andere deutsche Vorkommnisse, charakteristisch für die heutige Zeit, waren der S ch w a b e n st r e i ch in Heidel­berg und eine Photographie Hüsseners. Aus Anlaß einer Theaterkritik hatte das KorpsSu-evia" in Heidel­berg dem Kritiker und dem Chefredakteur eines Heidel­berger Blattes schwere Söbelforderungen zugehen lassen. Daraufhin sah sich der Staatsanwalt veranlaßt, sich mit der. Angelegenheit zu befassen. Hüssener, der auf Ehren­breitstein seine Festungshaft verbüßt, hat seinen sonntäg­lichen Kirchurlaub benutzt, um sich in Eoblenz an einem fidelen Trinkgelage zu beteiligen, worüber eine Photo­graphie ausgenommen ist, die in sozialdemokratischen Blät­tern veröffentlicht wurde. Darauf steht zu Füßen Hüsse­ners eine ganze Batterie Weinflaschen, zum Zeichen, wie angenehm es isst, Festungshaft abzubüßen. Der Kriegs­minister hat eine strenge Untersuchung eingeleitet. Der Fall dürfte im Reichstag zur Sprache kommen. Es dürste der Vorschlag gemacht werden, daß das Recht des Gouver­neurs einer Festung, den Festungsgefangenen die Abstatt­ung von Besuchen in der von den Festungswerken um­schlossenen Festungsstadt zu gestatten, aufgehoben werde.

Tie Pflege der deutsch-amerikanischen Freunidschlaft ist jetzt in ein neues Stadium getreten: Es soll nun ein Professorenaustausch zwischen hüben und drüben stattfinden, deutsche und amerikanische Wissenschaft soll gegenseitig ausgewechselt werden, um so das Verständnis der beiden Völker für einander mehr zu entwickeln. DerHann. Eour." erfährt, daß zwischen der Harward-Universität und der Berliner Verhandlungen an­geknüpft sind. Die Absicht geht dahin, daß jährlich 1 bis 2 Professoren in Berlin und Harward auf einige Monate beurlaubt würden und je auf der anderen Universität Vor­lesungen hielten. Man muß abwarten, wie sich die Idee verwirklicht. Recht bemerkt wurde, daß Amerika das­jenige Land ist, welches zuerst eine Schill er feier veranstaltete. Es geschah das in der Universität E a m- bridge in Massachusetts. Jeder Versuch intellektueller Annäherung ist mit Freuden zu begrüßen. Aber was können solche Freundschaftsbeteuerungen nützen, wenn man fleht, wie die wirtschaftliche Konkurrenz immer schärfere Formen annimmt. So beabsichtigt man in den Vereinigten Staaten die Einführung einer Tonnagebesteuerung für aus­ländische Schiffe. Was nützen akademische Freunoschasts- beteuerungen, wenn die Tatsachen so aussehen, wie in der Wrrtschafts- und Handelspolitik der Vereinigten Staaten?

Immer noch unerledigt ist der deutsche Handels- bertrag mit Oesterreich. Die Verhandlungen wer­den zurzeit in Berlin fortgeführt und sollen angeblich rm Lause dieses Monats beendet werden, nach einer Meld- ung sogar bis zur Wiedereröffnung des Reichstages. Die

Gerftenzoll-Differenzen dürften inzwischen behoben sein und neuerdings wird in Wien versichert, daß eine Annäherung auch in der Veterinärftage stattgefunden hat, sodaß nun­mehr mit aller Bestimmtheit auf eine baldige Verstän­digung gerechnet werden kann. In Berliner Finanzkreisen war sogar am Samstag das Gerücht verbreitet, die Ver­ständigung sei bereits zu stände gekommen. An der Wiener Börse gingen e n Samstag Eisenwerte zurück, weil verlautete, d' Oesterreich-Ungarn in eine Herabsetzung der Eisenzölle eingewilligt habe.

Im R u h r r e v i e r hat am Samstag ein S t r e i k d e r Bergarbeiter begonnen. Auf der ZecheBruchstraße" war nur ein geringer Teil der Belegschaft angefahren. Tie Behauptung, daß den Bergleuten die Deputatkohlen für ihren Hausbrand verweigert worden seien, und daß deshalb 'der Ausstand ausgebrochen sei. wird vom Berg­bauverein als falsch bezeichnet und erklärt:

In normalen Zeiten werden von 1600 Wagen Förder­ung noch nicht 30 Wagen täglich für Teputatkohlen ver­langt, während in den letzten Tagen 40 Wagen täglich dafür geliefert wurden und heute jeder siebente Wagen, also über 200 Wagen für diesen Zweck für die nächsten Tage angeboten waren. Die Belegschaft verlangte des­wegen eine schriftliche Zusicherung, daß sie bis nächsten Dienstag mit Kohlen für diesen Monat zu versorgen wäre. Diese Zumutung wurde abgelehnt. Die gleichfalls als Beschwerdegrund angeführte. Dauer der Seilfahrt von einer Stunde ist auf der Mehrzahl der großen Zechen von jeher tn Hebung.

Eine in Neumühl abgehaltene von 2000 Personen be­suchte Bergarbeiter-Versammlung erklärte sich mit der Beleg­schaft von Zeche Bruchstraße solidarisch und beschloß, keine Ueberschichten mehr zu verfahren. Tie Versammlung be­schloß, vor allen Dingen solle ein eigenmächtiges 'Vor­gehen vermieden werden. Es wurden drei Vertreter ge­wählt, die mit der Direktion der Zechen behufs Älbstellung der Mißstände verhandeln soll. In einer Versammlung der Belegschaft der Zeche Bruchstraße versprachen die Vertreter anderer Bergarbeiter-Organisationen materielle Hilfe. Die Führer erklärten nachdrücklich, der Ausstand solle lokal bleiben. Der Sekretär Husemann des sozialistischen Ver­eins machte bekannt, daß die Streikbureaus Montag er­öffnet werden würden. Er bat alle Bergleute, der Zeche fern zu bleiben und schloß mit einem wurmen Appell an die Streikenden. Er forderte sie auf, die Achtung vor dem Gesetz und seinen Beamten unter keinen Umständen zu vergessen und die Beamten weder durch ein böseS Wort noch eine hämische Miene zu reizen. Eine Konferenz der leitenden Kreise des Syndikats und des Bergbau-Vereins glaubte feststellen zu können, daß der Ausstand belanjg- l o s sei. Die Kohlenvorräte und die Organisation ver­hinderten den Erfolg. Im Essener Revier ist alles ruhig.

Ferner brachte die vergangene Woche mehrere Mi­nister krisen. In Dänemark traten vier Minister zurück. Sie verlangten kürzlich, daß der Marineminister Jähnke gleichzeitig mit dem Kriegsminisber Modien zurück­trete, da angeblich der Zwiespalt Mischen beiden den Kriegs­minister zum Rücktritt veranlaßte. Der Ministerpräsident Deuntzer weigerte sich, den Marineminister zu diesem Schritt zu zwingen. Darauf gaben die anderen Minister ihre Ent­lassung.

Besondere Beachtung begegnete dem Minister- wechsel in O e st e r r e i ch, Ast Stelle Körbers hat Herr v. Gautsch die Ministerpräsidentschaft übernommen. Die deutschen Parteien beginnen Vertrauen zu dem neuen Manne zu gewinnen. Gautsch will allen Nationalitäten gegen­über neutrales Entgegenkommen zeigen. Die Parteien wollen vorläufig abwarten, wie die Regiernngsmaßnahmen aussehen, smit denen Herr v. Gautsch sein Regiment er­öffnen wird. Es hat den Anschein, daß Herr v. Gautsch mit den gegebenen Faktoren rechnen und keine einseitige Politik treiben wird. Er verhandelt ununterbrochen mit Parlamentariern. Das Arbeitsprogramm des Reichsrats, dessen Tagung vom 23. Januar bis 15. April in Aussicht genommen ist, soll hauptsächlich besprochen worden sein. In der Erledigung des Budgets, der Notstands- und Ne- fundierungsvorlage, der italienischen Hochschulfrage, des Rekrutengesetzes und der Delegationswahlen, sowie der Aus­arbeitung dieses Materials sollen von keiner Seite ernste Hindernisse in den Weg geleigt, insbesondere soll tsche­chischerseits dem neuen Regierungschef Zeit und Gelegen­

heit gewährt werden, die friedliche Lösung der deutsche tschechischen Fragen anzustreben. Dementiert wird die von derWiener Mlg. Ztg." gebrachte Nachricht, der deutsche Kaiser habe an Herrn v. Körber ein längeres Telegramm mit dem Ausdruck seines Bedauerns über die Demission des Ministerpräsidenten gerichtet.

Die Kabinettskrisen in Griechenland und Ru­mänien haben keine weitere Bedeutung.

Das bedeutungsvollste Ereignis vollzog sich im fernen Osten. Der Fall Port Arithukrs kam, trotzdem er als bevorstehend gelten konnte, überraschend-plötzlich' Nach einer neuen Meldung aus Tokio hat die Zahl der Gefangenes von Port Arthur eine wichtige offizielle Korrektur erfahren. Es waren 326 Offiziere und 9481 Mann, die Kranken und Verwundeten natürlich nicht inbegriffen. Nach allem, was bekannt wird, hätte die Nebergabe noch hintangehalten wer­den können, wenigstens bis zu dem Augenblick, wo es gewiß war, daß die baltische Flotte ihre Fahrt aufgegeben habe oder sonstwie nicht in der Lage sei, ihren Zweck zu erfüllen.' Ter Mangel einer einheitlichen Heeresleitung macht sich hier wieder für die russische Kriegsführung bemerkbar. An­gesichts der Besetzung der ganzen Halbinsel Liaujung durch die Japaner wurde die Blockade aufgehoben, allein gegenwärtig keinem Schiffe außer beuen, die in Diensten der japanischen Regierung stehen, gestattet^ in den Hafen von Port Arthur einzulaufen.

Englische und amerikanische Blätter wußten im An­schluß an den Fall Port Arthurs von Friedensvor­schlägen zu berichten. Tie russische Militärpartei hofft aber unentwegt auf Siege und will darum keinen Frieden. Inzwischen schläft die NeforMbewegung in Ruß­land täglich höhere Wellen, und die Zahl der Attentate gegen verhaßte absolutistische Beamte mehrt sich. So wurde am 6. Januar auf den Polizeimeister von Jeka- terinoslaw, Tager, ein Anschlag verübt. Der Edel­mann Jvanitchy, der als Bittsteller erschien, gab auf den Polizeimeister einen Schuß ab, der aber fehlging. Der Täter wurde verhaftet, verweigerte aber jede Erklärung über den Beweggrund zur Tat. Das Ministerkomitee bereitet unter­dessen Maßregelungen zum Schutze des Loses der Fabrik­arbeiter vor und will in den nächsten Tagen über die Frage der Beteiligung von Vertretern der Semstwos an Negierungsanbelegenheiten und über die Abschaffung der für die Presse bestehenden Beschränkungen beraten. Es S, ein neues Manifest des Zaren sei in Vorbereitung.

weilen aber hat der Erzreaktionär Pobjedonoszew noch das Heft in Händen und besitzt das volle Vertrauen des Zaren.

Politische Tagesschau.

Dom Arbeitgeberverbande.

Wie erinnerlich, warneben der Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände für diejenigen Verbände, die sich dieser vom Zentralverband Deutscher Industrieller ins Leben gerufenen Hauptstelle nicht anschließen zu können erklärten, einefreie Vereinigung von Arbeitgebern und wirtschaftlichen Verbänden" unter Führung des Ge­samt - Verbandes deutscher Metall - Industrieller gegründej worden. Sie nahm später den NamenVerein deutscher Arbeitgeber-Verbände^ an und verfolgt dieselben Ziele wie die Hauptstelle, wenn auch teilweise auf anderen Wegen. Von Anfang an war hiernach diese Trennung nur eine formelle, in den Zielen herrschte jederzeit volle Ueberetn» stimmung, ebenso darüber, daß erforderlichenfalls beide Ver­bände gemeinsam zu handeln bereit sein würden. Deshalb war bereits in den Satzungen der Hauptstelle die Möglichkeit des Abschlusses von Kartellverträgen vorgesehen worden und von dein Verein von Anfang an ein solcher Kartell­vertrag mit der Hauptstelle in Aussicht genommen. Er­freulicherweise ist dieser Kartellvertrag nunmehr zu stände gekommen und vollzogen worden. In dem Vertrage wird die gemeinsame Förderung der in den beiderseitigen Satzungen bereits sestgelegten Ziele ausgesprochen und zur Durchführung dieser Zwecke der Austausch der gesammelten Materialien und Nachrichten, sowie gemeinsame Hilfe für die von un­berechtigten Streiks oder Boykotts betroffenen Arbeitgeber beschlossen.

So ist denn da? Ziel, die gesamte deutsche Ar-

Medca,

Tragödie von Franz Grillparzer.

nv, ?^e// Mittwoch hier zur Aufführung kommende Tragödie Medea, bildet den letzten Teil einer Trilogie, die Franz GriA- parzer^im Jahre. 1822 unter dem NamenTas goldene ~Ve jL' krjtnQtiJcfye3 (ftebidjt in drei ylbtcilunqen, erscheinen ließ. Sie reiht sich der Wallenstein-Trilogie Schillers, ohne sie zu erreichen, m vielen Beziehungen würdig an: eine bedeutende Kraft tritt uns hier, besonders in den leidenschaftlichen Szenen derMedea' entgegen, die ohne Gewaltsamkeiten tragisch er­schüttert. Als em wahrer Dichter hat sich Grillparzer in der ganzen Trilogie bewährt, die in ihrer Heldin Medea eine wirklich groß empfundene Gestalt enthält.

Der erste TeilTer Gast freund" schildert die Ankunst von Phrvrus mit dem aus dem Delphischen Tempel geraubten goldenen Vließ im Kolcherland und feinen Tod durch den König Aietes, der unter Verletzung der Gastfreundschaft den Phrvxus tötet, um seiner Schätze und des goldenen Vließes habhaft zu werden. Der erste Teil schließt mit den Worten von Aietes Tochter Medea: Vater! Was hast Tu getan? Ten Gastfreund erschlagen! Weh Dir! Weh uns allen! ....

Medea verläßt das ihr nun Abscheu einflößende väterliche Haus und lebt iu der Wildnis, Zauberkünste übend. Dort trifft sie Jason, den Führer der Argonauten, der auszog, das wunder­tätige goldene Vließ nach 'Griechenland zurückzubringen. Den Aufenthalt der Argonauten in Kolohis schildert der 2. Teil der Trilogie, betiteltT't e Argonauten", Tragödie in vier Auf­zügen. Jason gewinnt die Liebe der Medea, sie verhilft ihm zur Gewinnung des drachenbehüteten goldenen Vließes und folgt ihm nach Griechenland. Ihr Bruder Absvrtus, den Jason als Geisel vorläufig behalten wollte, um einer Verfolgung durch Aietes' zu entgehen, gibt sich durch einen Sprung ins Meer selbst den Tod, und AieteS schleudert Medea seinen Fluch nach:Aus­

gestoßen sollst Tu sein, wie das Tier der Wildnis, sollst in der Fremde sterben, verlassen, allein. Folg' ihm, dem Buhler, nach in seine Heimat, teile sein Bett, sein Jrwsal, seine Schmach? Leb' im fremden Land, eine Fremde, verspottet, verachtet, ver­höhnt, verlacht! Er selbst, für den Tu hingibst Vater und Vater­land, wird Dich verachten, wird Dich verspotten, wenn erloschen die Lust, wenn geMlt die Begier: Dann wirst Tu stehen und die Hände ringen, sie hinüber breiten nach dem Vaterland, getrennt durch weite, brandende Meere, deren Wellen Dir innrmelnd bringen des Vaters Fluch!"

Im Beginn des 3. Teils der Trilogie, derM e d e a", finden Mir Jason und Medea in Griechenland, vor den Mauern von Korinth, Scbutz suchend bei dem König Kreon.

Die Ausführung der Trilogie füllt, wie bei dem Wallenstein, zwei dkbende. Während aber bie beiden ersten Teile seltener ge­geben werden, hat sich der dritte, dramatisch wirksamste Teil von Anfang an auf den Bühnen behauptet. Tie schwere Rolle der Medea war stets eine Lieblingsrolle der großen Tragödinnen, wie der Fanny I a n a u f ch e k und namentlich der Klara Ziegler .deren Medea allen, die sie gesehen haben, unvergeßlich ist. In Gießen istMedea" einmal im Winter 1897, in einer Theatervereinövorstellung durch A n n a F ü h r i n g , in dein da­mals noch sehr engen Rahmen der ursprünglichen kleinen Bühne gegeben worden. Tie erhebliche Vergrößerung der Bühne und die Verbesserung der gesamten szenische Verhältnisse seit 1897 wird der Mifsührung am Mittwoch wesentlich zugute kommen. Ter Tarstellerin der Medea, Fräulein Riza Bajor, gdit ein guter künstlerisclier Ruf voraus. Tie fünf Akte der Tragödie sind auch bei uns, wie üblich, in vier Akte zufammengezogeu.

Seit der Freigabe von Grillparzers Werken ist übrigens die Medea" in allen Buchhandlungen für wenige Pfennige cr- hältlich Gute Grillparzer AuSg^n sind bei Eotta in Stuttgart und Hesse iu Leipzig erschienen. Luch ole Ausgabe in den Meper schm Volksbüchern (pro Heft 10 Pfg.) ist empfehlenswert.

Neber Wilhelm II. und Ludwig Pietsch, den 80jährigen Jubilar derVoss. Ztg.", schreibt Marimilian Harden in derZukunft", und man muh ihm leider Recln geben:Ter Kaiser telegraphierte ihm:Herzlichste Glückwünsche und Gottesl reichsten Segen dem lichtvollen Historiographen und alten, treuen Kriegskameraden meines VaterS zu seinem 80. Geburtstage. Mög? der Himmel ihm einen gesegneten Lebensabend bescheren! Wil­helm." Herr Pietsch 'hat als Berichterstatter den Krieg mit­gemacht, aber nie nach 'Kriegerart mitgefochten.Lichtvoller Historiograph": Tas erinnert ein bißchen an dieReitende Artilleriekaserne". Lichtvoll soll doch wohl die Pictschische Historie fein, nicht der Geschichtschreiber. Ms Kollegen der Buckle, Ranke, Mommsen, Treitschke kannten wir den alten Reporter aber über­haupt noch nickst. Das einzige historiographische Werk, das ich von ihm kenne, trägt den Titel:Ter Kaiserkeller, ein Gast­haus ohnegleichen", und hebt mit dem folgenden Hvmnus an: Ein Gasthaus ohnegleichen: dies viel mißbrMlchte und ost sehr unberechtigt angewendete Beiwort gebührt mit desto besserem Recht und Grund dem im Oktober 1899 in Berlin eröffneten derartigen Institut, das seitdem eine der größten, meistbesuchten Sehenswär>igkeiten der Re'chshauptswdt bildet: dem Ka.'ser Keller in der Fi'iedrichsk'aße 178." So gebts auf 27 kleinen Seiten weiter: auf der 28. steht daun:Mau konnte mit ziemlicher Sicherheit Voraussagen daß es einem folcfam Institut an starkem Besuch nicht fehlen könnte: aber bei- Erfolg geht doch weit über jede Erwartung hinaus! öftrer mich die tad^uos bereiteten Speisen, die guten Weine und die mäßigen Preise tragen nicht iren-.g zu diesem Erfolg bei. L. Pietsch" Tas ist der lichtvolle Hntono- or* m

Paris, 8. Jan. Heftern verftar b der A |t r o u o m Js a u l H e n r l>. S'iu Bruder ist vor einigen Tagen in den Alpen in­folge eine8 Unfälle-.' um Leben gewmmeN. Beide Brüder haben zusammen 11 Planeten entdeckt.