Gegen den Brauch.
Tie Erfahrungen, die der Zentrumsabg. Erzberger mit seinen kolonialen Enthüllungen in der „Köln. Volksztg." imachte, hätten ihn veranlassen sollen, seine weiteren Auseinandersetzungen mit der Kolonialverwaltung sich für den Reichstag auszusparen, wo den Angegriffenen die sofortige Entgegnung möglich ist. Statt dessen erhebt Erzberger in einer Berliner Kvmmunalwählerversammlung des Zentrums neue und noch schärfere Anklagen gegen das Ressort Stübels, die Beibringung des Beweismaterials für die Reichstagsverhandlungen in Aussicht stellend. Dergleichen war bisher nicht Brauch bei den Parlamentariern, und es macht keinen guten Eindruck, daß Abg. Erzberger als das jüngste Mitglied des Reichstages wiederholt jvon dieser Gepflogenheit abweicht. Dem Zentrum, der „regierenden Partei", kann das am ivenigsten angenehm sein, und es ist zu erwarten, daß der Führer, Abg. Tr. Spahn, den jugendlichen Stürmer aus Württemberg, nachdrücklich zur Ordnung ruft. Auch Abg. Gröber dürfte seinen Landsmann schwerlich mit anerkennenden Worten bedenken.
Deut-ches NeLc-.
Berlin, 5. Nov. Der Kaiser besuchte heute den ^Reichskanzler Fürsten Bülow und hörte den Vortrag des «Chefs deS Zivilkabinetts Wirklichen Geheimen Rats Dr. von LucanuS. — Ein Geschenk Kaiser Wilhelms an den Mikado befindet sich gegenwärtig auf dem Wege nach Japan. Es besteht in sechs Rapphengsten aus dem Königlichen Landgestüt Trakehncn.
— In der am Samstag stattgehabten Sitzung des ^Staatsministeriums haben der Allg. Fleischer-Ztg. zufolge Erhebungen darüber stattgefunden, inwieweit dem Anfrage auf Oeffnung der oberschlesischen Grenze ffür das erhöhte Schweine-Kontingent aus Ruß- Land heute schon stattgegeben werden kann. Preußen wird infolgedessen, wie das genannte Blatt weiter erfährt, beim Reichskanzler Fürsten Bülow beantragen, die Erhöhung des Kontingents von jetzt ab nach und nach eintrelen zu lassen.
Pr. Holland, 6. Rov. Amtliches Wahlresultat. Bei Iber Reichstags-Ersatzwahl im Wahlkreise Pr. Holland- Mohrungen wurden insgesamt 9902 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Rittergutsbesitzer H. O. Gluer-Gergehnen (kons.) 8682 Stimmen, Schneidemühlbesitzer Hermenau- lAllenstein (frs. 93p.) 740, Rendant Braun-Königsberg i. Pr. /Soz.) 406 und Amtsgerichtsrat Krebs-Liebstadt 64 Stimmen. tGluer ist somit gewählt.
Braunschweig, 6. Rov. Eine hier stattgehabte Versammlung von Tabakintercssenten nahm eine Resolution gegen jede Mehrbelastung des Tabaks an ,unb wählte eine Kommission zur Einleitung der Agitation Lagegen.
Ausland.
London, 6. Nov. Ungefähr 6000 Frauen und ^Töchter von Arbeitslosen sammelten sich heute mittag, um eine Frauendeputation zu dem Premierminister Balfour zu geleiten. Die Frauen trugen ein Banner mit der Aufschrift: „Tie Frauen verlangen das Stimmrecht. Bei Balfour wurde eine Lldresse verlesen, in welscher die Einberufung des Parlaments zu einer besonderen ^Session dringend gefordert wird, um über die Arbcitslosen- frrage zu verhandeln. Mehrere Frauen wiesen Balfour daraus hin, was hungrige, verzweifelte Leute zu tun im- fstande seien, wenn ihre Wünsche nicht befriedigt werden. iDalfour erwiderte hierauf, die Regierung erkenne und be- sklage die Leiden, die dur,ch bte Arbeitslosigkeit verursacht lwürden, betrachte aber den Vorschlag einer besonderen Session des Parlaments als inopportun. Er sei überzeugt, daß die in der letzten Session genehmigte Arbeitslosentakte zu einer Milderung des Arbeitslosennotstandes beitragen werde. Die Antwort Balfours befriedigte die Deputation nicht.
Paris, 6. Nov. Die deutsche Kvlonie veranstaltete heute abend ein Abschiedsessen für den bisherigen Militär- vttachee der deutschen Botschaft Oberst von Hugo. Der Botschafter Fürst Radolin brachte einen Toast auf den Scheidenden aus, wobei er lehr lebhaft seiner Befriedigung über die Herzlichkeit der gegenwärtig zwischen Derctschland und Frankreich bestehenden Beziehungen Ausdruck gab unb die Hoffnung aussprach, daß dieses mit der jetzigen Regierung bestehende Einvernehmen fortdauere. Herr v. Hugo erhielt vom Präsidenten Loubet eine hohe OrdensauSzeichnung.
Budapest, 6. Nov. Obgleich die Koalitionsführer noch immer mit großem Terrorismus gegen das allgemeine Wahlrecht agitieren, werden in allen Teilen des Landes «große Volksversammlungen für das allgemeine Wahlrecht vorbereitet.
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Abg. Kohter-^anqsdorf vor Hericht.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.)
S. u.H. Gießen, 7. Nov.
Vor der hiesigen Strafkammer hat sich heute der Land- ^agsabgeordnete Köhler-Langsdorf in einem interessanten Beleidigungsvrozesse zu verantworten, den die Großh.Staatsanwaltschaft im Auftrage des hcssischcu Justizministeriums gegen «ihn angestrengt hat. Abg. Köhler wird beschuldigt, 1. den Droßh. hessischen Staatsanwalt Reuß, 2. den Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Sandmann, beide am Landgericht Gießen, 3. den Medizinalrat Dr. Haberkorn und >4. den Geheimrat Professor Tr. Pfannen stiel beleidigt ^u haben und zwar in einer Interpellation an den Landtag die vor ihrer Beratung in Der 2. Kammer in der „Landpost" veröffentlicht ttnirbc. Wegen dieser Veröffentlichung ist bekanntlich der Redakteur Holzinger dieses Blattes bereits zu 500 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Gegen den Abg. Köhler konnte damals nicht verhandelt werden, weck er unter Berufung ruf seine Eigenschaft als Landtagsabgeordneter zu dem Termin nicht erschienen war und das Gericht den vom Oberstaatsanwalt gestellten Antrag pus Verhaftung des Älbg. ablebnte.
Der Prozeß hat folgende Vorgeschichte: Anfang v. I. war auf dem Friedhof dec hessischen Ortschaft Eoerstadt die Leiche eines neugeborenen Kindes mit cingeschlagenem Schädel aufgefunden worden. Tie aufgeregte Bevölkerung bezeichnete ganz allgemein eine vornehme Dame als die Täterin, die jedoch ihre Schuldlosigkeit durch ein Gutachten -ihres Hausarztes dartun tonnte. Inzwischen war bei der Großh. Staatsanwaltschaft ta Gießen eine anonhme Denunziation eingelaufen, nach welcher entweder die Gattin ober die Tochter des in Eb.nita>. r. ahnenden Maurermeisters föocrlad) das ermord . geboren und erschlagen Laben sollte. Für die Unschuld dieser beiden Frauen ver- Mrüten sich nun deren Hausarzt. Dr. mcd. Schaad auS
Lich, der Bürgermeister des Ortes und ebenso der Ehemann Goerlach, und als trotzdem die Gießener Staatsanwaltschaft die Untersuchung weiterführte und sogar eine erneute ärztliche Diagnow seitens des Med.-Rats Dr. Haberkorn und des Geh. Rats Prof. Tr. Pfannen- fti e l einforderte, reichte der davon benachrichtigte Abg. Köhler die erwähnte Interpellation ein, in der behauptet wurde,daß der Gießener Staatsanwalt R e u ß unter Mitwirkung des Gerichtsarztes Dr. Haberkorn die 25jährige Minna Goerlach und die 39 Jahre alte Ehefrau Marie Goerlach, geb. Kneipp, unter der Wucht der grauenhaften Anklage durch Drohung und Ueberredung zur Duldung einer Leibesuntersuchung veranlaßt hätten. Ebenso habe der Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Sandmann, zwei Tage später trotz eines ärztlichen Zeugnisses des Dr. Schaad-Lich, welcher die Minna Goerlach auf Veranlassung ihres Vaters untersucht lyatte, wobei als Resultat sich gänzliche Schuldlosigkeit des Mädchens ergab, die Goerlach verhaftet und ohne weiteres wieder den Aerzten Prof. Psannenstiel und Dr. Haberkorn zur LeibeSuntersiichung überantwortet, welche diese mit modernen Folterwerkzeugen, anscheinend unmenschlich, vorgenommen hätten, robaß diese ihrem Vater gegenüber, der sie auf dem Wege von der Klinik nach dem Gerichtsgebäude zu sehen bekam, weinend die Worte zu- gerufen haben soll: Vater, was habe ich schwer ausgehalten ! Als das Resultat des Vorgehens der Staatsbehörde erklärt die Interpellation: Tre Beschimpfung der weiblichen Ehre der Ehefrau Goerlach und der ihres Ehemannes und Die Vernichtung des Lebensglückes der nach Kühlers Meinung unschuldigen Minna Goerlach, eine gewaltige Aufregung Der Bewohner von Eberstadt und Umgegend und das gänzliche Absterben des Rechtes von Glauben an öffentliches Recht und Gerechtigkeit. Die Interpellation enthält dann sechs Fragen an die Großh. Regierung. Unter anderem heißt es in Frage 3: „Welche Maßregeln gedenkt die Gr. Regierung zu ergreifen gegen diejenigen Beamten, die die geschilderten, empörenden ärztlichen Eingriffe angcorbnct und ausgeführt haben, die in der Meinung aller Vorurteilslosen als Verbrechen gegen die persönliche Freiheit und die allgemeine Sittlichkeit sich charakterisieren." Köhler verlangt dann eine Anweisung der Regierung an die Staatsanwälte, daß diese anonyme Anzeigen unberücksichtigt lassen soUen und fragt an, warum der Untersuchungsrichter Die Minna Goerlach immer noa) in Untersuchungshaft hielt, trotzdem „der praktische Arzt Tr. Schaad die gänzliche Schuldlosigkeit als seine wissenschaftliche Erkenntnis zu beschwören sich erbietet und antb Professor Dr. Pfannenstiel von der Schuld Minna Goerlachs nicht überzeugt ist." ,
In diesen Ausführungen erblickte das Justizministerium eine Beleidigung der ihm unterstellten Beamten, umsomehr, als späterhin Minna Goerlach eingestanden hat, ein Kind geboren und umgebracht zu haben. Es erhob deshalb Die Anklage, die nach dem Schluß des Landtags nunmehr auch gegen den Abg. Köhler zur Verhandlung gelangt und ein für Die Presse interessantes Gesicht noch dadurch erhält, daß von der Verteidigung eingewendet wird, die Veröftent- lichung einer solchen Landtagsinterpellation sei nach § 12 des Str.-G.-B. straflos. Bekanntlick bestimmt dieser Paragraph, daß wahrheitsgetreue Berichte über Verhandlungen eines Landtages ober einer Kammer von jeder Verantwortlichkeit frei bleiben. Demgegenüber verweist die Großh. Staatsanwaltschaft jedoch darauf, daß die Veröffentlichung der Interpellation am Tage vor ihrer Ueberreichung an die zweite Kammer erfolgt ist. Neben den beleidigten Amtspersonen sind u. a. die beiden Frauen Goerlach, der prakt. Arzt Tr. Schaad-Lich, der Bürgermeister von Eberstadt und die mit der Untersuchung in der Kindesmordaffäre betrauten Beamten als Zeugen geladen worden. Den Vorsitz im Gerichtshof führt Landgerichtsdirektor Prätorius, die Anklage vertritt der Ob er staats anvmlt Theobald.
(Fortsetzung in Matt 2.)
Ans AUiöt nuö Land.
Gießen, 7. November 1905.
"Der neue hessische Reichsgerichts rat. Der „NeichSanz.E veröffentlicht die Ernennung des Oberstaatsanwalts Schmidt in Mainz zum Reichsgerichtsrat als Nachfolger des zum Justizminister ernannten Reichsgerichtsrats Ewald.
** Schwurgericht. Behufs Bildung der Spruchliste für die am 4. Dezember vormittags 9 Uhr beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts Gr. Landgerichts der Provinz Oberhessen wurden die Namen folgender Hauptgeschworenen aus der Jahresliste für 1905 gezogen: 1. Hvhann Heinrich Storch, Pferdehändler in Trais-Münzeuberg. 2. Wilhelm Spamer, Buchhändler in Homberg a. d. Ohm. 3. Georg Sartorius I., Landwirt in Merlau. 4. Heinrich Karl Wolf, Bürgermeister in Effolderbach. 5. Heinrich Welter, Landwirt in Holzhausen bei Vilbel. 6. Heinrich Lißberger IV., Müller in Groß-Felda. 7. Johs. Bork II., Rentner in Schotten. 8. Johannes Stock, Landw,rt in Blitzenrod. 9. Albrecht Freiherr Riedesel zu Eisenbach, Rentner in Sickendorf. 10. Richard Breidenbach, Landwirt in Beienheim. 11. Johann Wilhelm Moscherosch, Beigeordneter und Landwirt in Burggräfenrode. 12. Otto Diegel, Kaufmann in Alsfeld. 13. Heinrich Weber VIII., Landwirt in Eschenrod. 14. Heinrich Adam Köhler, Kaufmann in Hungen. 15. Karl Skühler, Landwirt in Hainbach. 16. Heinrich Walter II., Landwirt in Stumpertenrod. 17. Karl Vogt, Landwirt in Altenstadt. 18. Heinrich Weber II., Land- wirt in Hartmannshain. 19. Gottlieb König L, Oekonom in Ober-Mörlen. 20. Jakob Die hm H., Kaufmann in Lauterbach. 21. Johannes Schmidt VH., Landwirt in Dauernheim. 22. Georg Lerch, Bürgermeister in Allmenrod. 23. Max Trapp, Fabrikant in Friedberg. 24. Konrad Schepp IX., Landwirt in Pohl-Göns. 25. Wrlhelm Germer II., Landwirt in Klein-Linden. 26. Georg Hensel I., Bürgermeister in Schwalheim. 27. Wilhelm Roth I., Beigeordneter in Bettenhausen. 28. Heinrich Sames IX., Landwirt in Dorf-Gill. 29. Friedrich Zöller II., Fabrikant in Schlitz. 30. Ferdinand Lauckert II., Landwirt in Staden.
" Jahrb undertausstellung. Herr Professor Dr. B. Sauer schreibt unS: Die Aufforderung, Werke von Malern deS 19. Jahrhunderts (genauer der Zeit von etwa 1775 bis etwa 1875) dem Gießener Kunst verein zu einer Ausstellung im Turmhaus am Brand zu überlasten, ist überraschender Weise fast ohne Wirkung geblieben. Wüßte man es nicht bester, man könnte glauben, es sei in Gießener Privatbesitz nichts der Art vorhanden. Vielleicht denkt mancher zu gering von seinem Besitz; auch scheint sich die 'Dieinung gebildet zu haben, es handle sich um spezifisch hessische Kunst und Künstler. Es sei deshalb noch einmal betont, daß die Ausstellung Gemälde bestimmter deutscher Meister jener Zeit vereinigen soll. Es ist kaum
zu zweifeln, daß manches Wertvolle und Jnterestante dabei anS Licht kommen würde, das auch in der großen Berliner Jahrhundertausstellung seinen Platz beanspruchen dürfte; aber natürlich bleibt eS dem Ermesten der Aussteller überlasten, ob sie ihre Bilder — direkt ober über Darmstadt — auch nach Berlin schicken wollen. Tas überaus rührige Zentral- fomitee, dessen Seele der hervorragende Kunsthistoriker und Museumsleiter Lichtwark-Hamburg ist, wird nächstens die verschiedenen Lokal- oder Vorausstellungen bereisen lasten — es wäre doch schade, wenn es dann in der Universitätsstadt Gießen nichts zu sehen gäbe. Wie viele Porträts z. B. von Trautschold mögen hier und in der Umgegend vorhanden sein, wie manche? ältere Düsseldorfer, Frankfurter, Münchener Bild. Darum noch einmal die dringende Bitte: zu dem halben Dutzend Bilder, die bis jetzt eingegangen sind, möge Gießener Gemeinsinn und Kunstintereste noch ein paar Dutzend beisteuern, damit nächste Woche eine wirkliche Jahrhundert- ausstellung im Kunstverein sich auftun kann.
Lang-Göns, 4. Rov. Mit Freuden begrüßt man hier» daß Zigarrensabrikant Nattmann-Gießen in der geräumigen Hofreite deS Anliegers Spieß eine Zigarren fabrik gegründet hat. Mit einer stattlichen Anzahl Arbeiter und Arbeiterinnen nimmt die Fabrik am 6. d. M. ihren Betrieb auf. Arbeiter von Watzenborn, Steinberg, Großen-Linden usw. werden in ihr tätig.
b. Rodheim a. d. Bieber, 4. Nov. Die gewerbliche Fortbildungsschule, zu der durch OrtSftatut alle jungen Leute bis zu dem 17. Lebensjahr verpflichtet sind, ist in ihr zweites Unterrichtsjahr eingetreten. In Ermangelung ländlicher Abendschulen in den benachbarten Gemeinden be- suchen diesmal auch von außerhalb mehrere jungen Leute unsere Abendschule.
? Gedern, 5. Nov. DieWasserleitungsarbeiten nehmen ihren ungestörten Fortgang und man ist gegenwärtig mit dem Legen der Seitenstrange beschäftigt. 9(uf dem sog. „Schloßberg" gestaltet sich die Sache etwas schwierig, da hier Basaltfelsen zu sprengen sind. Jedenfalls wird die ganze Leitung erst mit Beginn des Frühjahres fertig gestellt sein. — Bei dem zuletzt am „Oberfeemer Berg" dec neuen Nebenbahnlinie ausgeführten Durchstich fand man starke Quellen. Diese sind jetzt gefaßt und finden zur Speisung einer nach der hiesigen Station im Bau befindlichen Leitung Verwendung.
Frankfurt a. M., 6. Rov. Die Direktion der Diskonto-Gesellschaft teilt mit, daß der Prokurist der Frankfurter Filiale, Friedrich Panse, der sich grobe Unregelmäßigkeiten hat zu Schulden kommen lasten, seiner Stellung enthoben und der Prokura entkleidet worden ist. Eine Schädigung der Gesellschaft ober Dritter Personen liegt nicht vor. Wegen deS groben Vertrauensbruches ist Anzeige zur strafrechtlichen Verfolgung gemacht. Wie ein Berichterstatter meldet, handelt eS sich um Unter- schl agun gen im Betrage von 8 5 000 Mk. Panse wurde bereits verhaftet. Er hat sich selbst gestellt und die Veruntreuungen bereits zugegeben. (Kl. Pr.)
„tiobef urd werkel r. Molksrvirtschall.
Gießen, 4. Nov. Marktbericht. Auf heutigem WockemncnN. kosteten: Butler pr. Pfd. 1.10—1.15 Mk., Hühnereier I St. 8—9 Via. 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 15—00 Psg., Enteneier 6—7 Ptg., Raje. vr. Stck. 6—8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5—6 Pig. Erbten vr. Liter 21P1g^ Linsen vr. Liter32 Pfg., Taubenvr.Paar0,80—0,90Mk., Hühnerpr.St. 1,00—1,60 Mk„ Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pid. 60—75 Pfg., Lchsensteisch pr. Md. 72—82 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 70—72 Pfg., Schweinefleisch pr. Pstmd 80—90 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 70—80 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund- 50—76 Pfg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln vr. 100 RgJ 5,00—5^0 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,00—6,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepiel per Pfund 10 bis 25 Pfg„ in Körben 00 Pfg./ Rüste 100 Stück 30—40 Pfg., kirnen per Zentner 8 bis 10 Mk.: Weißkraut 0.07—0.10 Mk. Marktzeit 8—2 Uhr.
Die Marktpreise für Dietz und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotprcise am 6. November 1905.
Höchste Schlachwiehpreise in F r a n t f u r t a. M.
Fleischpreise in Gießen
Ochsen
Kälber Schweine
50 Kg. Schlachtgewicht 78-80 Mk.
Kg. Schlachtgem. 86—90 Pf.
„ 79-00 „
V, Kg. 72-82 Pfg.
»/, , 70—80 , »/, „ 80 90 ,
Getreidepreise in Mannheim
Brotpreise «in Gießen
Weizen 100 Kg. 19.00 Mk.
Roggen 100 Kg. 17.50— 00.00 Mk.
Weißbrot 2 Rg. 52 P'g.
Schwarzbrot 2 Kg. 48 Pfg.
Bank für Handel und Industrie, Depositenkasse Gießen in Gießen. Es ist noch vielen Lesern unterer Zeitung unbekannt, daß dieses Institut eine Zweigniederlassung der in Darmstadt im Jahre 1853 gegründeten allgemein, besonders auch in den Kursblättern, „Darmstädter Bank' genannten Bank für Handel und Industrie ist. Da, wie wir misten, die Aktien dieser Großbank in unserer Gegend stark verbreitet sind, io haben wir seither auch in unserem Blatte oster über die Geschäfte der Geiamt- bank in der Regel unter dem kürzeren Namen „Darmstädter Bank^ berichtet und wir halten es für angebracht, gerade über die hiesige Niederlassung einiges zu sagen, weil wir annehmen, daß es nicht allein die Aktionäre, sondern auch viele unserer Mitbürger in Stadt und Land mteressiert. Die hiesige Abteilung, die sich, wie wir hören, in den letzten Jahren ganz bedeutend entwickelt hat, wird von den Herren Gustav Müller und Conrad Tietz geleitet; sie hat im Jahre 1903 eine Agentur in Herborn und im Juni d. I. eine solche in Alsfeld errichtet und bejchä'tigt zusammen 22 Personen. Wir haben oft wahrgenommen, daß die hiesige Bank vom Publikum mit „Süddeutsche Bank' bezeichnet wird und wir verfehlen nicht, darauf hinzuweiien, daß die „Süddeutsche Bank^ seit 1. Juni 1902 aufgelöst tft. Dieses Institut hatte als Notenbank nur einen beschränkten Wirkungskreis, während die „Bank für Handel und Industrie" oder kurz genannt .Darmstädter Bank" alle Baukgesckafte macht. Tas Kapital der Gefamtbank beträgt zuzüglich der Reserven 181 Millionen Mark und kann das Jnstitrck somit als drittgrößte Privatbank Deutschlands genannt werden.
verinnchtes.
* Ein Doppelraubmord erregt in Ostroms (Posen) großes Auffehen, der von zwei Inf an er ist en verübt wurde. Ter in Mielcarek wohnende Händler Glapa und dessen 20jähriger Sohn begleiteten Gäste zum Ostrowoer Bahnhof. Auf dem Nachhausewege wurden sie von zwei Infanteristen überfallen und mit den Seitengewehren niedergeschlagen Glapa war auf der Stelle tot, tväbrcnd der Sohn schwer verlest ist. Als er zur fBcfinnum, gekommen war, Tonn'.: er ?.? -.:r bezeichnen. In der Kaserne wurde
foioct eine Untersuchung der Seil eng wehre oorgenommen, wobei die Schuldigen ermittelt und sestgenommen wurden^


