Ausgabe 
7.4.1905 Zweites Blatt
 
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehrn.

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Freitag 7. April 1905

Rotattxmflbrud und Verlag der Vrühlffche» UntDerfUätdöruderd. R. Laag«. Vtetz«,

Redaltton, Expedition n. Druckerei: Schulstr.R.

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Volitlsche Tagesschau. i

Wanderarbeiter. j

M Berlin, 5. Avril. An den Bahnhöfen der Reicks- bauvtstadt siebt man fttrt wieder täglich große Scharen land- ; wirtschaftlicher Wanderarbeiter. Die Leute kommen - miä ten Ostprovmzm und S°hen nach Rittet., Nordwest- und . Südwcstdeutschl-nd, wo Mer° Löhne M^n

Um die ArbeiterverhAtnifse auf dem Platten Lande des Osten? wird es in diesem Jadre besonders ftBMt bestellt fnn «xU mit einem bedeutenden Ausfall an ausländischen Saisonarbeitern aereckmet werd-n must Di- ^lrbeltsmarkt-Kvrresp" schadt den Bedarf der deutschen Landwirtschaft an ausländischen Arbeitern <mf jährlich 300 000 Köpfe, von denen allem Russisch-Polen in normalen Zeiten etwa 250 000 stellt. Daß diese Viertelmillion in diesem Jahre über die Grenze kommt, ist ganz unwabrschnnuch. Die wiederholten und noch in Aussicht genommenen Mobittsier- ungen entziehen dem russischen Polen einen, beträchtlichen £eil der arbeitsfähigen Männer. Auch dürften die russischen Grenz- behärden bei der Aushändigung der Pässe ein beschränktes Ver­fahren belieben, weil der Verdacht nicht unbegründet ist, daß die Saisonarbeiter mit dem rn Deutschland verdienten Geld über See gehen. Die Leutenot in der ostelbischen Landwirtschaft wrrb wohl erst schwinden, wenn den heimischen Arbeitern bessere Lohne gezahlt werden. Nach der Erhöhung der Getreidezölle sollte dreie Lohnaufbesserung möglich sein. *

Politische Touristen.

Die Touristik hat in der Neuzeit eine über den sportl-'chen Begriff weit hinausgehende Bedeutung erlangt. .Sie .ist nicht nur allgemein ein kultureller, sondern besonders em wirtschafts­politischer Faktor von hervorragendem Wert geworden. Ja sogar politische Erfolge versucht man jetzt mittels Touristik wenn nicht zu erreichen, so doch arnubahnen, und zwar sind es die.Fran­zosen, die das Kimststück zu Wege bringen wollen. Eme in Paris begründete Gesellschaft hat sich die t o u r i st i s nie Be - arbeitu ng der Vogesen und des Elsaß zur Aufgabe gemacht. DasLoch in den Vogesen" soll Mit rastlosen Bemüh­ungen zunächstüberspannen" werden dadurch daß bei den ''Bru­dern" im Elsaß das ftanzösische Empfinden wieder geweckt und gestärkt wird. Sie wollen überzeiigt werden von dem Fortbestand der inneren Zusammengehörigkeit der Reichslande mit Frank­reich. Deutscherseits unterschätzt man dieses Beginnen keineswegs. Die Verkehrsvereine in Kolmar, Rappoltsweiler und anderen reichsländischen Städten entfalten eine lebhafte Propaganda zu­gunsten des deutschen Touristenverkehrs in den Vogesen, und es sei auf ihre Bestrebungen, da der Beginn der Reisezeit nicht mehr fern ist, auch an dieser Stelle hingewiesen. Die Touristtk ist ein kleines Mfttel, im nationalen Interesse zu wirken, aber kein untaugliches. *

England für seinen Handel.

Wie andere Leute als die Deutschen verfahren, um ihre handelspolitische Gleichberechtigung ge­wahrt zu wissen, das sehen die Franzosen an dem Bei­spiel der von ihnen jetzt über alle Maßen geschätzten Eng- länder. Tie letzteren nehmen Anstoß daran, daß im Handels­verkehr des deutschen Kolonialgebiets der M ar - schallinseln eine deutsche Firma die Führung hat, die Jaluit-Gesellschast. Und es ist der englischen Kon- kilrrenzfirma durch fortgesetztes Beschwerdeführen in der Tat gelungen, aus der Sache eine Staatsaktion zu machen und die d eu tsch e R e gierun g auf diplomatischem Wege zu einer Untersuchung zu veranlassen. Hoffentlich werden die Interessen der deutschen Firma seitens der Regierung energisch gewahrt, denn es handelt sich um deutsches Schutzgebiet, dessen ohnehin nicht besonders um­fangreicher und ertragreicher Handel naturgemäß zum größeren Teil in deutschen Händen sich befinden muß. Wo der Fall umgekehrt liegt, wo im überseeischen England die kommerziellen Interessen Deutschlands gegenüber den britischen zollpolitisch nnd sonstwie benachteiligt werden es sei nur auf Südafrika und Kanada hingewiesen , da wird auch nicht e i n Wort verloren über die handels­politische Gleichberechtigung Deutschlands. Man hat auch noch nichts davon gehört, daß dieMonopolstellung" einer englischen Firma auf englischem Kolonialgebiet zum Gegen­stand diplomatischer Verhandlungen zwischen Berlin und London gemacht worden wäre. Bei dem Fall mit der Jaluit-Gesellschaft spielt im Grunde die von der britischen Regierung protegierte Tendenz der Zurückdrängung des deutschen Handels im ganzen Südseegebiet eine Rolle. Aber es ist doch charakteristisch, daß den Deutschen tm eigenen Hause sozusagen ein Ordnungsruf erteilt wird. Demgegenüber muß die Einmischung Deutschlands zugunsten seines Handels im unabhängigen Marokko ge­radezu mild erscheinen, auch den Franzosen.

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bestimmungen. _.

In den folgenden Artikeln, welche nähere Bestimmungen über die Sonderbestimmungen in den Provinzen treffen, bean- ^Abg. Wolf wiederholt, anstatt Sonderausschüsse zu setzen: Provinzialausfchüsse". . £ , . m ...

Abg Dr Weber weist darauf hm, daß nach der Bestimm­ung des Art. 37 k der Deamtenapparat ein außerordentlich umfang­reicher werden würde. Er schlage deshalb vor, für jeden Sonder­ausschuß, der schon aus 15 Mitgliedern bestehen soll, nur noch je ein Mitglied anstatt zwei zu wählen, sodaß die Aussck üsse nur aus 30 anstatt 45 Mitgliedern bestehen. Der Antrag Dr. Weber wird angenommen, der Antrag Wolf abgelehnt. ,

Bei Art. 37 l beantragt Abg. Wolf, daß die Mittel, welche die Sonderausschüsse zur Erfüllung ihrer Aufgaben nötig haben, je nach Leistung der einzelnen Provinzen in den Voranschlag ein­gestellt werden. Auch dieser Anttag wird abgelehnt.

Die weiteren Artikel des Gesetzes werden nach unwesentlichen Erörterungen nach den Anttägen des Ausschusses genehmigt, ebenso Ueberschrift, Einleitung und Uebergangsbestimmungen Die Schlußbestimmung in Art. 64 lautete: Das Inkrafttreten dieses Gesetzes wird dirrch landesherrliche Verordnung bestimmt.

Abg. Wolf beantragt dagegen, für das Inkrafttreten des Gesetzes den 1'. April 1906 zu bestimmen. Da von der Regierung kein Widerspruch dagegen erhoben wird, beschließt das Haus dem Antrag Wolf gemäß. ,

Die Beratung des Gesetzentwurfs ist damit erledigt.

Das Haus genehmigt darauf die Ausschußanträge, die Vor­stellung der Gemeinde Zell (Oberhessen) in betreff der Dienst­anweisung für das Faselwesen und die Vorstellung des Kauf­manns W. Menges in Mainz betr. der Leitung des St. Rochus- Hospitals daselbst für erledigt zu erklären.

Bezüglich des Antrags Brauer und Gen. wogen ander­weitiger Erhebung der Sprunggelder genehmigt die Kammer einen Ausschußantrag, die Regierung zu ersuchen, und unter Ver­meidung eines Ausfalls für die Staatskasse demnächst ein Deck­geld von 5 Mark und ein Fohlengeld von 10 Mark für Stuten hessischer Besitzer zu erheben. .

Zur Beratung kommt nun em Antrag Erk und Brauer, betr. das Gesetz vom 30. Juli 1887 über die Bäche und die nicht ständig fließenden Gewässer. Der Ausschuß beantragt hierzu, die Regierung zu ersuchen, daß sie noch auf diesem Landtag eine Vorlage einbriuge, in welcher das erwähnte Gesetz nach Maßgabe der in dem Schreiben des Justizministeriums enthaltenen Vor­schläge geändert bezw. ergänzt wird und daß die Regierung überall dort, wo Verhandlungen wegen Erbauung von Wasserleitungen im Gange sind, die Gemeinden in geeigneter Weise veranlassen, sich mit den in Benutzung der seitherigen Wasserläufe etwa ge­fährdeten Triebwerksbesitzern zu verständigen.

Die Kammer sttmmt dem Ausschußantrag zu.

In betreff der Rückäußerung der ersten Kammer über den Antrag der Abgg. Erk und Brauer betr. der Sonntagsarbeit und Nachtarbeit in Mühlenbetrieben beschließt das Haus dem Ausschußantrag entsprechend, auf fernem ftüheren Beschluß zu beharren. , , , _ . ,, ,CM

Bezüglich des Antrags Leun rnbetreff der Gebühren für die Fortführung der Grundbücher beanttagt der Aus­schuß, deir Antrag Leun in vorliegender Fassung abzrilehnen und an die Regierung das Ersuchen zu richten, die rn der Verordnung vom 18. Dezember 1874 festgelegten Gebührensätze wieder her­zustellen. , , . _ . ,

Mg Leun begründet ferne Forderung naher und erklärt sich mit dem Ausschußantrag einverstanden. Weiter beklagt Reimer die Kostspieligkeit des JnsNtuts der Kreisgeomete^

Abg Wolf erläutert als Ausschußberichterstatter den Antrag näher und bespricht dann noch ausführlich die jetzt vorhandenen vielen Unzuträglichkeiten bezüglich der Grundbuchanlegung Dar- mif wird der Ausschußantrag angenommen und dann die Sitzung

Nächste SitziMg nrvrgen früh 10 Uhr.

Berlin, 6. April. Die Budgetkommissr'on des Reichstages beriet heute das Totalisatorgesetz. Minister von Podbielski warnte vor einer allzu hohen Besteuerung des Totalisators. Wir gebrauchen die V o l l b l u t zu ch t. Ohne gute Reiterei sei im Kriege nichts auszurichten. Das Gesetz habe den Zweck gehabt, mebr Einnahmen zu schaffen, aber das Gegen­teil war der Fall. Die Rennbureaus seien entschiedest zu be­kämpfen. Er bitte um eine Herabsetzung der Steuer, damit die Bureaus zu Grunde gehen und die Einnahmen nicht leiden. Auf eine Anfrage erwidert der Minister v. Podbielski, daß Frankreich 8 Prozent aus dem Totalisator erzielt. M ü l l e r - Sagan be* kämpft das Spiel am Totalisator. Prinz v. Aren berg meint, man könne Rennm nnd Wetten nicht verbieten. Graf Orivl<r führt 'wus, die Bedeutung dec Rennen für die Vollblutzucht ser nicht in Abrede zu stellen. Gegenüber dem Abg. Singer erklärt Minister v. Podbielski, man müsse dem Wunsche, sich «r vernünftigem Glücksspiel zu beteiligen, Rechnung tragen. Gr öbtri sagt, hinsichtlich der Unterstützimg der Wettburemis sei sich! die Kommission einig. In der Spezialberatung wird § 1 an- genvmmen, der den Betrieb eines Wettunternehmens jut öffentliche Pferderennen nur mit der Erlaubnis der Behörde zuläßt. § 2, nach welchem die Erlaubnis zur Veranstaltung, von Pferde­rennen nur solchen Vereinen erteilt werden darf, die die Sicher­heit bieten, daß die ihnen aus dem Betriebe des Wettunterney- mens zufließenden Einnahmen ausschließlich zum Besten ber Lan­despferdezucht verwendet werden, wird nach dem Anträge P a a s ch e angenommen. Angenommen wird ferner auch ein Antrag zu § 3, nach welchem geschäftsmäßig vermittelte Wetten ür öffentliche Pferderennen nicht gestattet sind.

Die Geschäftsvrdnungskommission des Reichstages beschloß einstimmig, es für erwiesen zu erklären, daß die Untersuchungs­handlungen gegen Jessen (Däne), den Abgeordneten für HaderS- leben-Sondersburg, bei dem Haussuchung abgehalten, toum, während der Dauer der Legislaturperiode ohne vorherige Ge­nehmigung des Reichstages einen Verstoß gegen di« Reimsverfassung darstellt.

Keffischer Landtag.

R. B. Darmstadt, 6. April.

Um Ministortisch: Staatsmirnster Rothe, Geheimrat Braun, Oberregierungsrat H ölzinger.

Das Haus setzt heute in Anwesenheit von 15 Mitgliedern die Beratung über die Regierungsvorlage, bett.

die bernfsstandische Vertretung der Landwirtschaft fort. In der Spezialdebatte erhebt zunächst Abg. Wolf Wider­spruch gegen die gesttige Behauptung eines Redners, als habe er durch seine gestrigen Ausführungen der ganzen Vorlage ein Bein stellen wollen. Redner wendet sich dann ausführlich gegen die Ausführungen des Abg. Haas. Dabei kommt er auch auf allgemeine Gesichtspunkte zu sprechen und wird dafür vom Prä­sidenten Haas nochmals Mr Sache gerufen. Redner beanttagt schließlich für Art. 1 der Vorlage folgende Fassung: Die Land­wirte des Großherzogtums bilden nach näherer Vorschrift dieses Gesetzes Berufsverbände. Diese sind die Provinztalverbände und der Landesverband. t . .. .

Abg. Molthan richtet an den Vorredner die Bittender Vorlage, wie sie vom Ausschuß mit der Negierung vereinbart wurde, doch keine weiteren Schwierigketten 8U bereiten; das könnte für die Landwirtschaft nur schädlich sein.

Abg. Korell schließt sich dem Vorredner an und ersucht, den Anttag Wolf abzulehnen. , . << ; _ .

Abg. Schill ist itoar mit bet Vorlage tm allgemeinen wenig einverstanden, hält es aber im Interesse der rheinischen Land­wirtschaft doch für besser, für die Aufnahme der Vorlage zu stimmen Wolf wird darauf gegen zwei Stimmen abgelehnt und der Ausschußantrag folgendermaßen angenommen: Die Landwirte des Großherzogtums bilden nach näherer Vorschrift dieses Gesetzes einen Berufsverband, dessen Interessen in einer durch die Verbandsangehörigen zu wühlendenLandwrrt- Schastskammer" vertreten werden.

Bei Art. 2 beanttagt Abg. Wolf die Vermögensgrenze für die Verbandszugehörigkeit von 3000 auf 5000 Mark mid den Landwirten mit 3000 bis 5000 Mark auf ihren Anttag die Ver­bandszugehörigkeit zu gestatten. . _

Abg. Molthan befürwortet diesen Anttag, ebenso Abg. Schill, wahrend sich die Abgg. Korell, Orb , Dr. F r e n a y, W e b e r , K ö h l e r und H ä u s e l gegen den Anttag aussprechen. Derselbe wird schließlich abgelehnt und der Ausschußanttag an­genommen. _ ,, ,.

Die Art. 3, 4 und 5 enthalten nähere Bestimmungen über die Abgrenzung der Verbände usw. nnd werden auf Vorschlag des Ausschusses gestrichen, die Art. 6 bis 10 über die rechtliche Stellung und die Aufgaben der Verbände angenommen.

Die Art. 11 bis 27 enthalten nähere Bestimmungen über den Bezirksverband, den Provinzialverband und , die ^^rausschüsse und werden auf Anttag des Ausschusses gestrichen, 2lrt. -837, worin die Zusammensetzung der Landwirtschaftskammer und deren innere Organisation festgesetzt wird, nach 'ben dlusschußaittragen angenommen, desgleichen ein neuer Artikel 37,a des Ausschusses, in welchem bestimmt wird: Die Wahl der Mitglieder zur ^.and- wirtschaftskammer ist eine indirekte und erfolgt durch die von den Verbandsangehörigen gewählten Verttauensmanner 'Wahl- männer). Weiter wird darin bestimmt, daß zur Wahl der Ver­trauensmänner in jeder Provinz 15 Wahlbezirke mit annähernd gleicher Zahl Verbandsmitglieder gebildet werden und jeder Wahl­bezirk in je 15 Vertrauensmännerkreise zerfällt, deren Kber einen Vertrauensmann wählt. Die'e Kreise sollen in der Regel 100 bis 120 wahlberechtigte landwirtschaftliche Betriebe enthalten. Die Wahl der Verttauensmanner und der Mitglieder der Land­wirtschaftskammer soll in geheimer Absttmmung mittels Stimmzettel erfolgen. Dieser Art. 37 a wird ohne Widerspruch angenommen. Ebenso genehmigt das, Hmis die weiteren, vom Ausschuß aufgestellten Art. 37 b bis i über die näheren Wahl-

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deutsches Reich.

Berlin, 6. April. Für die feierliche Einholung der Braut des Kronprinzen ist der 4. Juni in Aussicht: genommen. Am 5. Juni ist im königlichen Schloß für sämt­liche Hochzeitsgäste eine Galatafel vorgesehen. Die Trauung indet am 6. Juni statt. Der kronprinzliche Hofstaat siedelt in den ersten Tagen des Juni nach dem Marmor-PalaiS über.

An Stelle des auf seinen Antrag aus Gesundherts- rücksichten von Tanger abberufenen und bis auf weiteres beurlaubten Gesandten Frhrn. v. Men hin gen ist der bisherige Geh. Legationsrat im Auswärtigen Amte Dr. v. Rosen zum kaiserlichen Gesandten in Marokko ernannt worden.

Der Bundesrat genehmigte in seiner heutigen Sitzung die Ausführungsbestimmungen über die Ge w ähr- ung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer und stimmte den einheitlichen Vorschriften über den Verkehr mit Acetylen und über die Lagerung von Karbid zu/

Das Abgeordnetenhaus beriet heute zuTrächsti den Anttag Faltin (Zentrum) wegen des Ausbruches der( Genickstarre in Oberschlesien. Kultusminister Dr.- Studt erklärte, die Regierung werde alles tun, was nach dem gegenwärtigen Stand und der Kenntnis der Seuche' zu ihrer Bekämpfung geschehen könne. Dann gelangte ehr Anttag Limburg-Stirum (kons.) auf Zurückverweisung des Gesetzentwurfs betr. die Verwaltung gemeinschaftlicher^ Jagdbezirke zur Annahme. 5Mrauf wurde der Anttag des Grafen Douglas auf Schaffung eines Volkswohl­fahrtsamtes in zweiter Lesung nach dem Beschluß der Kommission angenommen. Auch der Antrag Bodelschwingh bett, die Fürsorge für arbeitsuchende^ und mittellose Arbeiter gelangte in der Komnriffions- fassung zur Annahme.

Ausland.

London, 6. April.Daily Chronicle" meldet aus St. Louis, Präsident Roosevelt sei gestern früh bei­nahe das Opfer eines Dynamitattentates geworden. Ter Präsident traf in Fortscott im Staate Missouri ein. Kurz vor der Ankunft des Zuges fanden Bahnbeamte auf dem Geleise eine Dynamitbombe, welche den Zug in die Lust zu sprengen genügt hätte. Amtlich wird beritchet,. daß kein Attentat, sondern nur Nachlässigkeit von Bahnarbeitern vorliegt, doch glaubt man, daß die Dynamitbombe von verbrecherischer Hand gelegt worden sei. Die Vorsichtsmaß­regeln während der Reise des Präsidenten wurden ver­schärft.

London, 6. April. DieTimes" melden aus Tanger,^ der Sultan von Marokko habe einen deutlichen Wink erhalten, daß er eine Anleihe in Deutschland be­kommen könne. Der Berliner Berichterstatter desStcmd." meldet, Deutschland wünsche die französische Kontrolle über Marokko durch eine internationale Kontrolle zu ersetzen. Diese solle durch diejenigen Mächte ausgeübt wer­den, welche an der Madrider Konvention von 1880 teil­nahmen. e

Paris, 6. April. Senat. Bei der Beratung des Kriegsbudgets erklärte der Kriegsminister, die aus der HerabsetzungderDienstzeitsich ergebenden Mehr­ausgaben bettagen für dieses Jahr nur ungefähr 20 Millionen Francs.

Madrid, 6. April. Das Staatsministerium sprach sich günstig aus für die Schaffung von Freihäfen auf den kanarischen Inseln. Die Unruhen auf den Uni­versitäten dauern an.

Rom, 6. April. Die Kammer nahm in geheimer Ab­stimmung mit 213 gegen 46 Stimmen den dentsch-italie- , nischen Handelsvertrag an.

Konstantinopel, 6. April. Im Dorfe Oranico ver^ sammelten sich 3000 Ljumesen unter Ramazan Zaskok und beabsichtigten, in Prisrend einzudringen. Sie erhalten stetig Zuzug. Es wird ein Angriff gegen die Christen befürchtet. Nach türkischen Nachrichten fand am Sonntag bei Dchnovze, , nördlich von Perlepes, ein Kampf mit einer bulga- ; rischen Bande statt. Drei Komitadschis sind getätet' und 17 Gewehre erbeutet worden. Eine griechische Bande tötete in Escric (Bezirk Kruiptschta) acht Bulgaren. Eine bulgarische Bande steckte das Kloster Libesovo im BezirL Kastoria in Brand und ermordete drei. Personen.

ibfran, mßjg Über aun. 1895 , Hardt I.

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eyeruhavS, aße 7.

Deutscher Reichstag.

180. Sitzung vorn 6. April 1 Uhr.

Die erste Beratung des Gesetzentwurfes betteffend die Auf- bebuna des Paragraphen des Reick sbeamtengesetzes, welcher die volle Anrechnung auch von Gehaltsbezügen über 12000 Mark bei der Pensionsbemessung verlangt. Ohne wesentliche De­batte wird die Vorlage gleich in zweiter Lesung genehmigt.

Die Novelle zur Grundbuchordnung wird debattelos in zweiter Lesung angenommen Es f°lF Ke zweite Beratung i>es Eraünzungs-Et-rts hauptsächlich fnr Südweftasrika und betreffend Vemiehrung der Kameruner Schutztrupye _ .

Aba Ledebour (Soz.) bezeichnet es als nicht angängig, den frprmia ibr Land als Privatbesitz einfach wegzunehmen. Die Sozialdemokraten lehnten, alle Forderungen für Südwestaftika ab.

Die Redner der übrigen Parteien erklären, daß fie die zur llntprtncrfunn des südweftattikanischen Aufstandes erforderlichen Mitte? bewilligen werden. Schließlich wurde der Etat für Südwestafrika und derjenige für Kamerun angenom- men.

dritte Lesung des Ergänzungsetats, des Reichs­beamtengesetzes.

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Nr. 83 Zweites Blatt 155. Jahrgang

Em Gießener Anzeiger