Ausgabe 
9.1.1905 Erstes Blatt
 
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Aie heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.

Die Hypothekengläubiger von Grundstücken in der Ge­markung Gießen werden wiederholt auf die Vorlaae der Urkunden zur Beitragung der neuen Kennziffern und Flächen­inhalte aufmerksam gemacht. Die Frist für die unentgeltliche Beitragung durch das städtische Vermessungsamt läuft mit dem 1. Februar 1905 ab.

Gießen, den 7. Januar 1905.

Großherzogliches Ortsgericht Gießen.

Gros.

Bjö'rnson.

Rom, 8. Jan. DiePatria" veröffentlicht ein Jntev^ View mit dem angenblicklich hier weilenden norwegischen» Dichter Björnson über den Krieg. Björnson tadelt Md Emission der neuen russischen Anleihe. Die neu*, traten Regierungen verletzen die Reutr.alit ät, Wenns sie gestatten, daß eine kriegführende Macht in ihren LLw-' dern Anleihen ausnimmt, die zu Kriegszwecken Menen.

Politische Tagesschau.

Auch Sachsen gegen die Schiffahrtsabgadeu.

Der Dresdener Oberbürgermeister Beutler führte in der letzten Sitzung des dortigen Stadtverordnetenkollegiums aus, es seien schwere Gefahren für den Handel und die Jn- dllstrie Dresdens und Sachsens zu befürchten, wenn es den Vertretern einer Jnteressentengruppe in dem großen Nachbar- ltoat Preußen gelänge, Bundesrat und Reichstag für die Be- 'seitigung der Freiheit der Flußschiffahrt von Abgaben zu ge- winnen. Sei auch zu hoffen, daß (wie die hessische auch) die sächpsche Regierung nichts unversucht lassen werde, die vertragsmäßigen Rechte auf Nichterhebung von Schlffahrts- abgaben zu erhalten, so möge man sich "doch nicht in eine gefährliche Sicherheit einwiegen, sondern rechtzeitig dasjenige vorkehren, was zur Wahrung der in Betracht kommenden Interessen erforderlich sei.

AirsSanÄ.

Paris, 7. Jan. Die heutigen Blätter beschäftigen sich mit der Frage der Annahme des Gesetzes, wodurch fremde Arbeiter verhindert werden sollen, in London einzu­wandern. Diese Frage ist infolge des russisch-japanischen Krieges brennend geworden, da jede Woche Hunderte russischer Flüchtlinge in London einwandern. Die Arbeitsbedingungen sind schon heute schwierig, und sie werden noch durch die Einwanderung erschwert.

Konitantinopel, 7. Jan. Wie verlautet, sind die Verhandlungen zwischen der Pforte und der Ottomanbank wegen Ausnahme einer 200 Mi lli o n e n - A n l e i he dem Abschlüsse nahe.

Die russische Botschaft übermittelte der Pforte eine Note, in der sie die pünktliche Bezahlung der am 14. Januar fälligen Kriegsentschädigungsrate fordert. Der Minister des Aeußern versicherte dem Bot­schafter Sindwjew, daß die Zahlung der vollen Summe pünktlich erfolgen werde. Bisher seien 220 000 Pfund bei der Ottomanbank erlegt.

Kin neues Hefecht im Kott-*nfoltenkriege.

lieber neue,- schwere Kämpfe mit den Hottentotten ist eine Meldung des Generals v. Trotha eingelausen. Aus dieser Meldung ergiebt sich glich die beunruhigende Tatsache, daß die Herero mit den Alifständischen im Hottentottengebiete gemeinsame Sache gemacht haben und ihnen mit beträcht­lichen Streitkräften zu Hilfe gekommen sind.

Der offiziöse Telegraph berichtet:

Nach Meldung Generals v Trotha hatte Major Meister am 2., 3. und 4. Januar hartnäckige Gerechte beim Vorgehen von Stmnvneifontein bis Groß-Nabas. (Mit dieser Ortsbezeichulmg rst anscheinend G-i-Nadaknrus nenreinh) Groß-Nabas wurde nach s u n s z i g it ü n d i g e m Kampfe genommen. Der Feind war 1000 Mann stark, darunter nach Aussage Gefangener Friedrich M ah a re ro mit 250 Herero.

Genaue Nachrichten über die diesseitigen V e r l u st e konnten noch n i ch t übermittelt werden, da die Heliographenlinie durch dringend notwendige Telegramme über Truppenbewegungen | unb Nachschub von Verpflegung und Mlmition vollständig m An­spruch genommen ist.

Major Meister hatte bereits am 21. Dezember bei Stamprietfontein, einem östlich von Kalkfontein am Auob- Flusse gelegenen Orte, ein Gefecht mit den Witbois. Da­mals stand ihnl nut eine Truppe von etwa 80 Mann gegen­über. Mit größeren Witboi-Abteitlmgen hatte er es in einem zweiten Gefecht am 1. Januar zu tun. In diesem Gefecht war der Feind schätzungsweise 5900 Mann stark.

geglitten und zog sich eine leichte Zerrung an dem inneren Seitenband des rechten Kniegelenks zll. Der Prinz­regent konnte jedoch unmittelbar nach dem Vorfall die ge­wohnte Ausfahrt nach Nymphenburg linternehmen und der

Ehren des Prinzen Ludwig veranstalteten Familientafel beiwohnen. Zur vollständigen Wiederherstelllmg des Regenten werden voraussichtlich einige Tage Ruhe genügen.

Der Kriee.

Die Gefangenen von Port Arthur.

Tokio, 8. Jan. Die Ueberqabe der Gefangenen von Port Arthnr wurde heute abgeschlossen. Es sind im ganzen 878 Offiziere und Beamte und 23 491 Mann. Es heißt, die Babnver! . 'm m Sanho habe den Befehl erhalten, sich für den,Transport von 20 000 Russen von Schimonoseki nach Kure einzurichten. Wahrscheinlich werden die Gefangenen in der Räbe von Kure nutergebracht. Die Schwerkranken werden vorläufig in den Feldlazaretten von Vort Arthur bleiben. Alle Transportablen werden nach Japan gebracht, sobald die Einrichtungen für ihre Unter­kunft beendet sind.

Tokio, 8. Jan. (Amtlich.) Von den 878 russischen Offizieren der Armee Port, Arthurs gaben 4 41 ihr E h rle n - wort, nicht mehr gegen Japan kämp-fen zu wollen. Sie erhalten deshalb gemäß der Kapitulation die Erlaubnis, in die Heimat zu ru ckzu keh r en. Mit ihnen gehen 229 Ordonnanzen. Tie Generäle Fock, Smlirnpw und Gorb alto wls kv und Admiral Willmann zogen es vor, nach Japan in Gefangenschaft zu gehen. General Stössel tritt am 12. Januar von Dalny aus die Reise, nach Rußland an.

Paris, 7. Jan. Nach einer Meldung aus Tschifu sind dort tausend Zivilpersonen aus Port Arthur eingetroffen und in Baracken untergebracht. Zahlreiche Aerzte sind unterwegs von Shanghai nach Tschifu, wo keine Arznei­mittel mehr vorhanderl sind, weil alles verfügbare Ma­terial der Apotheken und Ambulanzen nad) Port Arthur verschifft worden ist.

Petersburg, 7. Jan. Der japanische Konsul in Tschifu äußerte, daß die Japaner schon seit Monaten die unlfmiiireichsten Vorbereitungen treffen, um Port Ar­thur zu einer uneinnehmbaren japanischer! Fe stung zu machen. Hierfür wurden am Jalu enorme Vorräte von Baumaterial bereitgestellt, andere aus den japanischen Häsen sofort eiligst in Angriff ge­nommen. Die schwerste Aufgabe wird sein, die Belagernngsarbeiten, wie gedeckte Laufgräben, Minengänge usw., die die Japaner selbst gegen die Ruffen angelegt haben, wieder zu zerstören. Tie eigentliche Festung soll nach japanischer Meinung in drei Wochen wiederhergestellt werden.

London, 7. Jan. Aus Schanghai wird gemeldet: Tie chinesische n Zeitungen äußern sich begeistert über den Fall von Port Arthur, der als Sreg der gelbe.nl

Die Hochzeit des Großherzogs.

sd. Darmstadt, 9. Jan. (Eigene r DrahtberichtH An den Feierlichkeiten bei der Hochzeit Sr. K. des Groß Herzogs werden, wie nunmehr bestimmt beJ könnt wird, teilnehmen: Der Kaiser, welcher nach beq Tafel alsbalb wieder abreisen wird, Prinz und Prin^ zessin Heinrich von Preußen, Prinz und Prin^ zessin Friedrich Karl von Hessen und Prinz unÄ P r inz e s s i n Ln d w i g v o n B a tt e n b er g. Ni ch t ko m lnein werden: Das Zarenpaar, die deutsche Kaiserin (die nach^ einer früheren Meldung mit dem Kaiser an der Feier tei(*j zunehmen gebaute) sowie die griechischen Herrschaften. Di«i Teilnahme des Großfürsten Sergius mit Gemahlin ist noch fraglich. In! übrigen ist das Programm für die Feierlich­keiten noch nicht festgesetzt, ebenso sind Reisedispositionen nach der Hochzeit noch nicht getroffen.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Jan. Am heutigen Sterbetage der Kaiserin Augusta hatte die Schloßverwaltung zu Char» lottenburg die Ruhestätte der Entschlafenen wundervoll ge­schmückt. Gegen 10 Uhr fuhr der Kaiser mit der Kaiserin an dem Mausoleum vor, nahm aus den Händen des Geh. Oberregierungsrates Mießner einen kostbaren Kranz mit weißer Atlasschleife entgegen unb legte ihn auf den Sarg seiner Großmutter, an dem er mit der Kaiserin längere Zeit weilte. Auch der Grvßberzog und die Großherzogin von Baden, so- lassen^ brbgroßherzogliche Paar hatten Kränze niebedegen

Z7 kürzlich verstorbene Herzogin Alexandrine von Sachsen-Koburg unb Gotha hat in ihrem Testament zu chrem Universalerben den Herzog Karl Eduard von ^achsen-Koburg unb Gotha eingesetzt. An Legaten vermachte sie 200 000 Mk. für eine Ernst-Stiftung, 120 000 Mk. für Errichtung eines VolkbadeS in Koburg und 200 000 Mk. für eine Ernst-Alexandrinen-Witwen-Stiftung.

Der R eichskanzler empfing am Samstag nach­mittag den Obersten Leutwein.

^ec Mitteilung einer Korrespondenz hat der Graf v. Wels bürg gegen das Großherzoglich olden- Vr $auS ^ne Klage auf Anerkennung als voll- Mitglied dieses Hauses angestrengt. Der Graf v. Welsburg ist eiir Sohn des verstorbenen Herzogs Elimar von Oldenburg, eines Stiefbruders be§ früheren Großherzogs P^er aus dessen morganatischer Ehe mit der Freiin Vogel von Friesenhof.

Der Fortbildungsschulzwang für weib­liche Han dlungsgehilfen und Lehrlinge besteht in Wiesbaden, Mannheim, Frankfurt a. M., Offenburg i. B., Schwege, Freiburg i. B. und bat sich nach Aeußerungen der Behörden wohl bewährt. Durch Ortsstatut wird im April der Fortbildungsschulzwang eingeführt werden in Sorau, Kassel, Königsberg i. Pr., Kreuznach. Von der Stadtverord­netenversammlung zu Berlin wurde bei der Genehmigung der Magistratsoorlage, welche die Fortbildungsschulpflicht für das männliche Geschlecht festsetzt, eine Resolution angenommen, in der 'die baldige Ausdehnung auf die weiblichen kaufinänni- ichen Angestellten gefordert wird.

Straßburg i. Els., 8. Jan. Eine gestern auf Ein­ladung der Straßburger Warenbörse zahlreich besuchte Ver­sammlung der Interessenten des Handels und der Industrie hat einstinimig eine Resolution angenommen, in der sie sieh zu Gunsten des oberrheinischen Schiffa hrtLkanals als einzig günstiger Lösung der oberrheinischen Schiffahrts­trage aussprach.

München, 7. Jan. Der Prinzregent ist gestern nachmittag in seinen Gemächern auf dem Parkett aus-

Aus Sladt und Land.

Gießen, 9. Januar 1905.

** Em pfänge. S. K. H. der Großherzog empfingen, am 7. d. M. u. a. den Amtsrichter Ha ns ult von Ulrich» stein, den Geheimen Baurat Reuling von Gießen.

** Personalien. In den Ruhestand versetzt murbtf der Zugführer in der .^ess.-Preuß. Cisenbahngenieinschash Schäfer zu Frankfurt a. M., der WagerlwEer in diesey G<meiuschast Petri zu Tarmstudt, der Baknrtvärter iw dieser Gemeinschaft . in ; Erzhausen und der Bahn­wärter I u g e n h e i m e r zu icubeün. S. K. H der Groß^ Herzog haben d.-em Bnrcauasfiswnteti in der Hess.-Preuß. Eisenbahugemeinschaf r . o l 1 a nzu TEfftndt'aus ^HUa^

Uber die weiße Ra!sse betrachtet wird. Zahlreiche dM> neffsche Publiffsten veröffentlichen Ausrufe an ihre LcmdÄ- leute, in welchen sie das chinesische Volk ansporneu,' dem Beispiel d^r Japaner zu folgen.

Vetersburg, 7. Jan. Tie Nachricht von der KapE- tulatron Port Arthurs hat in den verschiedensten Teilens des russisch en Reiches dumpfe Trauer hervorge-, rufen. In den Gouvernements- und Tistriktshcruptstadte« wurden Traucrdmdgebungen veranstaltet. In Rostow amj Ton hatte die Bewohnerschaft den Bürgersaal, in dem eine Versammlung abgehalteu wurde, mit schwarzen Stoffen dr^ viert. Am Schlüsse dieser Versammlung kam es infolge, oer allgemein au.sbrechenden Erbitterung über die Regier^ ung zu heftigen Debatten. Ter Polizei meister, de« eme patriotische Ansprache halten wollte, wurde durchge-^ geprügelt und durch einen Stockhieb nicht unerhebliM verletzt.

Aus der Mandschurei.

Kuropatkin meldet unterm 8. Jan.: In der NachL auf den 7. Jan. begannen die Javaner die Front unserer, Mittelstellung zu beunruhigen. Sie wurden aber vo-M unseren Posten bemerkt und mit Gewehrfeuer empfangen.^ Sie zogen sich hierauf zurück. Wir hatten drei Tote unkt 18 Verwundete. In der Nacht zum 5. Januar führte einer Abteilung Kavallerie auf unserer linken Flanke eine- Erkundung des Taiffvkhe-Tales in der Richtung auf Tsinn- tschan aus. Unsere Kavallerie griff dabei einen jcgxnrk j sch en Vorposten an. Ein japanischer Unteroffizier und 20 Soldaten wurden verwundet und fünf Mann gefangen*- genommen.

Newporter Drahtberichten zufolge wird in anreritcv- nischen amtlichen Kreisen die baldige Zurücktziehungj der russischen Armee vom S'chahv erwartet. Iw Washington eingetroffene Tepeschen melden, der russische Rückzug nach Tieling habe bereits begonnen. Kuro- patkin werde voraussichtlich in Eharbin festen Fuß fassens Die Geschwader.

Suda, 8. Jan. Die russischen KreuzerDIeg",Jsurrv^ rud",Tniepr" und ,,Rion" sind mit den Torpedobootens Grasnp", ,.Gromskp" undRezvy" heute nachmittag nachj Port Said abgegangen.

Petersburg, 8. Jan. Das dritte Geschwaders bestehend aus fünf Pan-er schiffen, mehreren Kreuzern mcht Torpedobooten soll enn 28. Januar die Ausreise von Lib«r nach Ostasien antreten. Wie verlautet, werde ein vier-, les Geschwader im Mai folgen, und bis zur Aw-, kunft sämtlicher Schiffe habe die Flotte Roschdesi^i wenskys in Madagaskar zu verbleiben. (?)

Nr. 7

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem GießenerAnzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Giehener Famtlien- dlätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'schen Univers.-Buch-u. Stein­druckerei. 9L Lange. Redaktion, Erveditton rmd Druckerei:

Sch ulst ratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gtetzeu.

Fernspcechanscülnß Nr. 51.

Die Hüller Untersuchung.

Aus London wird gemeldet, daß dierussischenV tretet bei der internationalen Untersuchungskommissiow in Paris, welche die aenauen Taffachen des russischen lieber*! falles auf die englischen Fischerboote in der Nordsee fefb-i stellen soll, dokumentarische Beweise beigebrachch! haben, die das Vorgehen des Mimirals Roschdjest*! wcnskivollständigrech' mente sollen beweisen, oaß die

wenski vollständig rechtfertigen. Diese Dokip-i mente sollen beweisen, daß die Japaner 12 dänisches Lotsen bestochen haben, die russischen Kriegs'-^ schiffe, welche sie durch den Großen Belt resp. den Sund^ steuern sollten, auf einen Fels ein zu führen, sodatzt sie Schiffbruch leiden müßten.

In Paris fand am 8. d. M. im Auswärtigen Amte bet) Zusammentritt der Hüller Kommission,statt. Admiral Foui^ nier hielt als Vorsitzender eine furze Ansprache.

BckanntmaSnmg.

Großherzogliches Ministerium der Justiz hat als Tag, an welchem mit der Anlegung des Grundbuchs der Gemar­kung Mainzlar zu beginnen ist, den 20. Januar 1905 be­stimmt.

Gießen, den 7. Januar 1905.

______________Großherzogliches Amtsgericht.

Dekanntmachung.

Wegen Vornahme von Kabelverlegungsarbeiten wird die Marktstraße von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt.

Gießen, den 9. Januar 1905.

Großherzogin^ . iamt Gießen.

I. V.: Roth.

Erstes Blatt. 155. Jahrgang Montag 9. Jannar 19O5|

MetzenerAnzeigerD

General-Anzeiger y o roartä

? erantworU'H für

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WW

' zeigenteil: Hans Beck.