Ausgabe 
8.6.1905 Erstes Blatt
 
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ErfteS Blatt.

ISS. Jahrgang

Donnerstag 8. Juni 1905

Hchulstrabe 1.

Ndrefie für Depeschen: Nuzetger Gtetze».

FernsprechantchlußNr 51

Nr. 133

»fettet Helte

außer Sonntags.

Dem (Btefeenei Anzeiger «erden im Wechsel mit dem KeWchen Landwirt die Giebeser SamilUn* Hattet viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Vrühl'schen Untverh^Vuch-n. Stein» bnufettL «. Bang«.

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neuen Hausstcmd ein. ( Das Volk hat seine

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große Festsaal bot ein farbenprächtiges Bild, unten die Studentenschaft, auf den Galerien ein Kranz schöner Frauen in herrlichem Gewände. Der Vorstand wurde von der Landsmannschaft Guilelmia (stud. jur. Krohn), der Ver­bindung Alcmia (cand. jur. de Martincourt), dem Verein Deutscher Studenten (cand. theol. Lorentzen) und dem Aka- demischen Turnverein Berlin (stud. Phil. Buch) gebildet. Gegen V2IO Uhr eröffnete stud. Phil. Buch den Kommers. Die Schläger blitzten und es ertönte das gemeinsame Lied: Komm Bruder, trinke froh mit mir." Dann brachte stud.

in einen

Nachklänge zu den Berliner Aestlagen.

Der Trinkspruch des Kaisers

bei der Zeremonientafel im königlichen Schlosse lautete: Meine liebe Tochter Cecilie! Gestatte mir, daß sch, Dich in meinem Hause und in, meinem Familienkreise zugleich im Namen meiner Gattin und meines ganzen Hauses von Herzen willkommen heiße. Du bist bei uns ein gezogen, wie eine Königin des Z-rühjahrs unter Rosen und Gurrlauben, unter beispiellosem Jubel des Volkes, wie ihn meine Residenz seit langem nicht mehr erlebt hat. Ein Ktanz erlauchter Gäste hat sich eingefunden, um dieses hohe Freudenfest mit uns zu feiern. Aber die Nichtanwesen­den,auch diejenigen, die leider nicht mehr sind, sie sind im Geiste heute bei uns. Dein erlauchter Vater und meine Eltern. Als einzrge Repräsentanten der damaligen Zeit sehen wir noch meine erlauchte Tante und meinen Onkel von Baden; sie fetten uns zu den vergangenen Zeiten über, und wenn auch in der Festesfreude unsere Herzen höher schlagen, soll auch der ernste Ton nach guter deutscher Art nicht fehlen. Himderttauseude freudestrahlende Gesichter haben Dir entgegen- gejubelt. Sie haben aber nicht nur aus Freude geleuchtet, sondern wer tiefer in die Seele der Menschen zu blicken vermag, hat auch in den Augen dieser eine Frage gelesen, eine Frage, die einer Antwort bedarf, durch Euer ganzes Wesen und Leben, die Frage: Wie wird es werden? Ihr tretet zusammen

Der Brautkranz der deutschen Kronprinzessin

ist ein schlichtes, schmales Gewinde aus lebenden Myrten­zweigen mit achtzehn künstlichen Blüten, das sich um den unteren Rand der Prinzeffinnenkrone schmiegte und sich in den Haarwellen unter dem herabwallenden Schleier verlor. Der Brautkranz mußte vorher aufprobiert werden, wozu die Herzogin Cecilie von dem Wiener Friseur, der ihr an ihrem Ehrentage das Haar ordnete,Probe coiffiert" werden mußte. Als alles zur Zufriedenheit der Braut und ihrer Mutter ausgefallen war, es war am Tage vor der Trauung, wurde der Kranz wohlverwahrt durch eines der Zimmer ge­tragen, in dem der Kronprinz auf seine Braut wartete. Er bat darum, den Kranz besichtigen zu dürfen, und blickte gespannt nach dem Karton, der diegrüne Zier" einschloß eine Dame der Umgebung der Herzogin verhinderte je­doch die Besichtigung mit dem Hinweis auf einen .alten Aberglauben, wonach der Bräutigam den Brautkranz zuerst auf dem Haupte der Braut sehen dürfe. Lachend fügte sich der Kronprinz den Wünschen der Dame und wendete sich schnell ab, um nur kein Zweiglein der Myrte zu erblicken. Man sieht, daß auch an Fürstenhöfen all die kleinen Sagen von Mund zu Mund gehen, die sich im bürgerlichen Leben an Feste und Zeremonien knüpfen. In jedem Lande wechseln sie ein wenig die Form, der Kern bleibt überall derselbe.

Das Brautbukett der Kronprinzessin bestand im wesentlichen aus schönen Exemplaren von schneeweißen Nelken, den Lieblingsblumen des Kronprinzen. Orangeblüten und Myrten springen zwischen den weißen Blüten hervor. Weiße Bänder umwinden in künstlerischer Weise das Arrangement. In seiner schlichten und doch so entzückenden Einfachheit stellt daS Bukett, das im LouiS« Seize-Stil gehalten ist, ein Meisterwerk der Blumenbinde­kunst dar.

Fürst Bülow im Glanze der Bundesfürstenhuld.

Der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin schenkte zum Andenken an die Vermählung seiner Schwester mit dem Kronprinzen dem Reichskanzler Fürsten Bülow seine Büste in Marmor. In dem begleitenden Handschreiben gedenkt der Großherzog auch der alten Beziehungen, die den Reichskanzler mit dem Lande Mecklenburg verbinden.

Der Großherzog von Oldenburg besuchte den Reichskanzler und verlieh ihm die Kette und die goldene Krone zum Oldenburgischen Hausorden.

Der Kommers der Berliner Studenten.

meine Tochter, bei uns ausgenommen, gehegt und gepflegt sollst Du werden. Euch Bechen gemeinsam wünsche ich von ganzem Herzen Gottes reichsten Seg-en. Gegründet seiEuerHaus- stand auf Gott und unfern Heiland. Wie er die be­deutendste Persönlichkeit gewesen ist, die ihre feuchtenden Spuren bis zum heutigen Tage auf der Erde hinterlassen bat, welche in den Menschenherzen wachsMagen und sie zwingen, ihnen nach­zuleben, so möge auch Euer Lebenslauf dem seinigen nachstreben, bann werdet Ihr »auch den Gesetzen und Traditionen unseres Hauses entsprechen. Möge Euer Hausstand ein glücklicher sein und ein Beispiel werden für die junge Generation gemäß dem schönen Satze, den einst Kaiser Wilhelltt der Große als junger Mann als sein Glaubensbekenntnis ntederschmeb:M eine Kräfte ge­hören der Welt und demVaterlande!" Nehmt hin meinen Segen für (Sirren Lebensgang! Ich trinke auf das Wohl de§ jungen Ehepaares!"

Die Glückwünsche Roms.

DerNorddeutschen" zufolge überreichte Kardinal D. Kopp in einer Audienz dem Kcriser ein eigen­händiges Glückwunschschreiben des Papstes. Das iBermählungs'geschenk des Papstes, welches Kardinal Kopp der Herzoginbraut überreichte,. ist eine Mosaikdarstellung der Aurora, des berühmten großen Deckengemäldes im Palaste Rospigliori zu Rom, von Guido Rem auS der päpstlichen Mosaikfabrik. Das Bild stellt den Sonnengott auf einem mit vier Pferden bespannten Vagen von den Horen umgeben dar, wie er die Nacht ver­treibt. Bei dieser Audienz hielt Kardinal Kopp eine Ansprache, in der er sagte, er überbringe im Auftrage des Papstes den Ausdruck jener innigen Gefühle der liebevollsten Teilnahme, mit der der Papst heute des Kaiserhauses gedenke und für die hohe Braut bete. Der Hinblick auf Millionen katholischer Unter- tcnren, die in treuer Liebe zu dem Kaiser als einem gütigen und gerechten Landesvater emporblicken, die erhabene Stellung des Kaisers, dessen Einfluß von einem Pole zum andern sich geltend mache und mit fester aber auch sanfter Hand den Verkehr der Völker auf die ewigen (Grundsätze christlicher Ordnung zurückzuführen be­strebt sei das Band der versöhnlichen und vertrauens­vollen Beziehungen, die der Kaffer in seiner Wür­digung der segensvollen Bedeutung des kirchlichen Friedens zu dem früheren wie zu dem jetzigen Papste pflege, alles dies dränge den Papst zu der innigen Teilnahme an der heutigen Feier. Kardinal Kopp fuhr fort, er überbringe auch die Glückwünsche des preußischen Episkopates und der )vl dem Fuldaer Bo nifa eins-Jubiläum versam- J "ttschen Bischöfe, Aebte und Prälaten, die betend Brautpaares gedenken. Zu der Herzogin-Brant

Die Frau Schwiegermutter.

In Berliner Hofkreisen fällt -s auf, daß di- Groß. Herzogin Anastasia, di- während der Hochzeitsfeierlich, leiten im Schlosse wohnte, am Mittwoch nach dem Hotel Bristol übergestedelt ist.

des hoben Brautpaares geöenten. ZU oer yerzogin-Maiii aewendet, sagte Kardimft Kopp: Htnnmlsücht und Himmels- & möae nach dem Wunsche des Papstes ihrer Laufbahn vrnrnüeften wie die Morgenröte dem Tagesgestirn auf Renis SRHh unb gleich dem Beispiele der Kaiserin und ihrer be/den Vorgängerinnen mögen die Hünde der Braut Rosen tarne auf den Lebensweg ihres Gemahls und in bte E des deutschen Wolle?. In der Weihegabe wolle der^Bapst sein Ideal der künftigen Königin und Kaiserin versinnbildlichen, welches die Braut mit «Lottes Gnade und Beistand verwtrftichen werde. ....

Eailer dankte mit wärmen und gnädigen Worten indem er seine Freude über die Aufmerksamkeit des fS üud se^e BerVhruug für die Person des Vavstes cmssprach. Er dankte zugleich yerzlicy ftir die Glückwünsche des preußischen der deutschen

Bischöfe, Aebte uno Prälaten. Auch dw Kr onpr insesjin dankte für die Freude, die der Papst ihr bereitet habe.

Vorbilder, nach, denen eS sich richtet, die Dir, liebe Cecilie, voraugegangen fir Munde heute schon genannt worden: i.- _______

und die anderen Fürstinnen auf dem preußischen Thron, sie bilden den Maßstab für bre Beurteilung Deines Lebens seitens des Volkes, während, mein teurer Sohn, Dein Leben und Wirken gemessen werden wird an den großen Vorbildern, die Dir in Deinem erlauchten Großvater undUrgroßvater von der Vorsehung gegeben sind. Mit offenen Armen bist Du,

In der Brauerei Friedrichshain veranstaltete die Stu­dentenschaft der Berliner Universität anläßlich der Ver­mählung des kronprinzlichen Paares einen Festkommers. Etwa 90 farbentragende Verbindungen mit fast 2000 Stu­denten hatten sich eingefunden. An der Ehrentafel be­merkten wir u. a. Geh. Rat Prof. Dr. Schwarz, Privat­dozent Dr. v. d. Goltz und einige jüngere Lehrer. Der farbenprächtiges Bild, unten die Galerien ein Kranz schöner Frauen

Phil. Buch das Hoch auf den Kaiser aus.

Nach dem Liede:Der Gott, der Eisen wachsen ließ" erhob sich. cand. theol. Lorenhen zur Festrede. Wahrhaft frei ist so führte er aus nur der, der in starker Pflicht sich bindet an die Aufgaben für sein Volk. An und mit den Hohenzollern ist unser Volk erwachsen. Daß wir heute staatlich klar umrissen denken, danken wir unseren Fürsten. Jtt dem Kampf der Parteien aber wollen wir uns das köstliche Gut der Jugend nicht nehmen lassen, unseren Blick auf das Ganze zu richten. Die sozialen Spal­tungen lasten schwer, noch nie so tief wie heute. Da lenkt sich unser Blick auf unsere Monarchie, die stets ein offenes Ohr für alle berechtigten Forderungen gehabt hat. Eine starke Dynastie über den Parteien verhindert, daß die stärkere Partei die schwächere vergewaltigt. Unsere Jugend gehört nicht der Partei, sie gehört dem Baterlande und dem Herrscherhause. Einer soll herrschen, damit alle sich in ihrem Werte behaupten. Und dies möge weiter gelten in der Zukunft, wo im letzten Hintergründe das Schwert steht. Gewiß, das Volk soll in seinen einzelnen Gliedern sein letztes geben, aber wann diese Kraft eiusetzt, das soll ein Wille entscheiden. Der Weg führt über die See. Möge unseres Kaisers Oberleitung uns noch lange erhalten bleiben, wenn dereinst die Rohre der Flotte ihre scharfe Sprache reden. Aber von der Meeresküste kommt auch heute unseres Thronfolgers Braut, wie unsere Kaiserin und wie die Königin Luise. Die Liebe, die zur Königin Luise int Volke noch lebendig, legen wir der Urenkelin zu Füßen. Ein Sala­mander dem Thronfolger und seiner hohen Braut!

Die Versammlung sang die Nationalhymne. Es erklang dann die alte WeiseO alte Burschenherrlichkeit". Weiter­hin begrüßte cand. jur. de Martincourt (Verbindung Alania) die Vertreter der Dozentenschaft, der Presse, die zahlreichen Damen und alle übrigen Gäste. Noch manches Lied er­klang, erst nach Mitternacht trat die Fidelitas in ihre Rechte.

Im Auslande.

In Madrid gab am 6. Juni die deutsche Kolonie unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung ein Festmahl. Mit großer Begeisterung wurde eine Rede des deutschen Bot­

schafters v. Nadowitz auf den König von Spanien und Kaiser Wilhelm, sowie eine Rede des Pfaue cs Albrecht auf das kronprinzliche Paar ausgenommen. An den Kaiser und das kronprinzliche Paar wurden HuldigungZ- und Glück­wunsch-Telegramme abgesandt.

In Belgrad fand in der deutschen Gesandtschaft ein feierlicher Empfang beS diplomatischen Korps statt. Der König sandte einen Adjutanten auf die Gesandtschaft. Am Abend war die deutsche Kolonie zu einem Gattenfest im Park der deutschen Gesandtschaft eingeladen.

Der welsische Hof in Gmunden hat dem kaiser» lichen Hof anläßlich der Hochzeit des Kronprinzen ein Glück­wunsch-Telegramm, das erste seit 1866, übersandt.

Zur Vorgeschichte des Sturzes Z-elcassös.

Durch den unfreiwilligen Rücktritt Deleassss hat bie französisch-englische Freundschaft und Ver­brüderung ihre wertvollste Stütze verloren. Delcasss war es, der nicht müde wurde, den Anschluß an Englaich zu empfehlen, als eine ArtRückversicherung" für den Fall, daß eines Tages das Vundesverhältnis mit Rußland unhaltbar werden würde. Jtt Petersburg hat mau diese Absicht der Sicherung, worin zugleich eine Geringschätzung Rußlands lag, von Anfang an ertattttt; man wußte dort nur zu gut auf Grund der höchst sorgfältigen Beobacht- tungen, welche die russische Regierung allen ftanzös. Staats­männern durch ihre Agenten widmen läßt daß Delcasss, vor die Wahl zwischen England und Rußland gestellt, un­bedenklich für das erstere sich entscheiden würde. Die ruff. Regierung hat Delcassö, solange er im Amt war, nie recht über den Weg getraut. Seine Begeisterung für das Bündnis mit Rußland, Die er von Zeit zu Zeit an den Tag legte, wenn dies die Umstände zweckmäßig und populär erscheinen ließen, galt nie für echt. Was aber Delcasss ganz besonders bei der russischen Diplomatie verhaßt machte, war seine furchtbare Starrköpfigkeit. Delcasss behauptete immer. Recht zu haben, den richtigen Blick für die Ereig­nisse zu besitzen. Er ging nur soweit mit der russischen Diplomatie Hand in Hcmo, wie es seiner Laune beliebte. Als die maccdonischeu Wirren spielten, spottete Deleasss geradezu jedes freundschaftlichen Winkes der russischen Re­gierung. Es gefiel ihw, eine Balkanpolitik auf eigene Faust zu tzreiben, nur um lauf seine Selbständigkeit zu pochen, mit dem Erfolge, daß in Bulgarien die Ueberzeug- ung Platz griff, Frankreich werde im Notfall über Bulgarien! den Schild halten. Hierdurch kühn gemacht, ließ die bul­garische Regierung immer offener den Aufständischen ihren Schutz angedeihen, durch Duldung der Agitation, der Waffenlieferung usw. Däese rücksichtslose Durchkreuzung, der russischen Balkanpolitik ist Delcassö in Petersburg nie ver­ziehen worden. Wir wissen bestimmt: nicht von Berlin aus ist auf die Beseitigung Delcass6s gearp beitet worden, aber unablässig vott-russi- scher Seite. Delcasss wird davon gewußt Häven. Daß er in neuerer Zeit versuchte, Rußland sich gefällig zu erweisen durch Nichtsehenwollen offenbarer Nentralitätsverlehung, bat ihm nicht geholfen. Japan und dadurch wieder Eng­land ttrurben durch den nicht genügend ü6 erlegten Schach- zug in Harnisch gebracht. Frankreich geriet durch die höchsh persönliche Politik Delcassös in die Gefahr, in alle mög­lichen Konflikte hineingezogen zu werden. Das voll st än- d ige Fiasko der Marokkopolitik schprg dem Fatz den Boden aus. Man erkannte mit Schrecken, daß Deutsch-. land es auf den äußersten Fall ankommen lassen würde. Delcasss hatte sich mit seinen großen Worten viel zu weit gewagt. Er mäßigte sich nur auf kurze Zeit, nachdem König, Eduard unwidersprochenermaßen bei seinem Besuch in Paris Delcasss trockenen Tones hatte wissen lassen, daß Frank­reich int Marokko-Konflikt nur auf diplomatische, keinen- falls auf Waffenhilfe Englands rechnen könne. ES scheint, daß Delcasss sich neuerdings wiederum anschickte, über Deutschlands Ansprüche zur Tagesordnung überzugehen, unbekümmert um die Folgen da endlich zogen die be­sonneneren Ministerkollegen den Trennungsstrich.

Delcasss hat Frankreich, hart an bett Rand einer Kata> strophe gebracht. Wenn von seinen Verdiensten gesprochen wiro, so steht auf der Gegenseite diese kolossale, unver­zeihliche Torheit. Denn Frankreich hätte in einem etwaigen Kriege mit Deutschland, ohne Unterstühung, weder von Ruß­land noch von England, mit mattematifdjer Gewißheit eine zerschmetternde Niederlage erlitten.

Es steht fest, daß Rouvter das Ministerium deS Aeußern definitiv behalten wird. Auch darf man annehmen, daß er Verhandlungen mit Berlin sofort zu eröffnen versuchen wird. Rouvier empfing am Mittwoch die diplomatischen Vertteter des Auslandes, die vollzählig erschienen waren. Die Nachricht von einer liebenswürdigen' Auszeichnung, womit Kaiser Wilhelm am Mitt- toixfy in Döberitz die französischen Offiziere be­handelte, erweckte in der parlamentarischen Welt Frankreichs, wo sie sofort verbreitet wurde, wahre Freude und wirkte nach der letzten Panik wie eine erleichternde Erlösung.

Bemerkenswert ist, daß dieNordd. Allg. Ztg." mit keinem Wort Telcassss Rücktritt erörtert. Es ist ebenso klug wie großmütig, nicht einenTriumph-" über den Gegner festzustellen.

DerTemps" bespricht eingehend die Demission Del- cassss. Er hebt zunächst lobend dessen Politik hervor und, die Annäherung an die Mttelmeermächte Italien, Spanien und England. Bedauerlicherweise hätten jedoch unlluge Freunde Telcassss dieser Polittk eine drohende Spitze gegen Deutschland zugeschriebeu. Delcasss tat, um die durch die marokkanische Frage her­vorgerufene Spannung zwischen Deutschland und Frmü^ reich zu beseitigen, lediglich solche Schritte, loelche uw,