umcunqcn. Nm Abend um 6 Ubr waren die Russen bis auf 400 Meter an die japanischen Stellungen beranqekouunen. Der russische Angriff wurde völlig abgewiesen und der Feind zurückgeworfen. Aus der japanischen Seite wurden 2 7 Mann verwundet. Der Verlust der Russen ist nicht genau bekannt. Er wird auf mehr als 200 Mann geschäht.
Arih und in Sturm und Drang.
Ein neuer Anschlag auf den Zaren?
In Petersburg sind Gerüchte in Umlauf, das; ein Anschlag auf das Leben des Zaren unternommen war, abci vereitelt worden sei. Die Londoner „Times" meldet au§ Petersburg:
Dian spricht hier nur noch von dem neuen Attentat in Zars- koje-Selo. E i n als Kosaken ober ü verkleideter ll n - bekannter wurde am Montag im Palalte verba'tet. In seinem Besin wurden zwei Bomben gen»,den. Montags einv^ängt der Zar die Offiziere, die während der Wod;e den Dienst versehen.
Der Petersburger Berichterstatter der „Times" fährt fort:
Der Offizier war tadellos gekleidet und seine Haltung war vollständig militärisch. Dennoch siel er _auf. Niemand kannte ibn und später entdeckte man auch Heine Dehler an seiner Uniform. Es wurde Verdacht geschöpft und zur Verbaftuog geschritten Bei der Leibesvisitation fanb man zwei kleine Bornb-it. Nach der Ver- baftnng des Eindringlings wurde eine strenge Untersuchung der Angelegenheit angeordner. Es ftefite sich heraus, das; zwölf G e h e i rn p o l i z i st e n die Helfershelfer des aiigeblicheii Obersten waren. Sämtliche zwölf Geheimpolizisten taten regelmäßigen Dienst in dem kaiserlichen Schloß.
Ein Pariser Telegramm besagt:
Ueber den Anschlag in Zarskofe-Selo wird ans Petersburg gemeldet, der angebliche Kosakenoberst sei erfannt worden an einigen Defekten an feiner Uniform. Er befand sich im Besitze eines Kastens mit zwei mechanischen Bomben. Er verweigert jede Aus- klinft über seine Person, aucf) wurden keinerlei Schriftstücke bei ihm oorgefimden. Infolge dieses Zivischenfalles sind bereits wiederum mehrere Verhaftungen vorgenommen worden; unter den Verhafteten befindet sich auch die älteste Tochter des Generals Leontijew, dessen Wohnung in der Nähe der beutichen Botschaft liegt. Die junge Tarne war durch anonyme Briefe der Polizei angezeigt worden. Eine bei ihr vorgenommene Haussuchung führte zur Entdeckung von E x p l o i i v st o f f e n unter ihre m Bett.
Wenn man bcm Gewährsmann der „Tiit,es" ©laubcn schenken darf, so ist der Zar durch die rechtzeitige Verhaftung des angeblichen Obersten einer schweren Gefahr entgangen, denn die kleinen Bomben hätten genügt, den Zaren in Stücke zu reißen. Wir hegen freilich allen diesen Meldungen gegenüber starken Zweifel.
Daß die riissischen Verschivörer sich gern militärischer Uniformen bedienen, um unter ihrem Schutz ihre Absicht zu vollführen, ist bekannt, zumal das russische OfNzierkorps den Umstiirzbestrebungen dilrchaus nicht in allen seinen Gliedern unzugänglich ist. Und die Verhaftung des Fräulein Leontijew beweist aufs neue, wie die allgemeine Empörung über Rußlands innere Zustände gleichmäßig alle Kreise der Bevölkerung erfaßt hat.
In Petersburg wurden in letzter Zeit auch wieder zahlreiche Proklamationen der anarchistischen Partei beschlagnahmt. Tas Militär wurde deswegen abermals verstärkt. Kosaken wurden nach Zarskoje Selo, Warschau, Riga und Reval dirigiert.
Andere Nnheimlichkeiten.
Petersburg, 6. April. Eine G.uvpe Armenier versuchte, ihre verhafteten Kameraden aus der Gefangenschaft zu befreien, indem sie R e v o l v e r s ch ü s s e aus den Polizeikommissar Mamedberg abfeuerten. Diese hatten jedoch nicht getroffen, dagegen einen Muselmann, welcher sich in Begleitung des Kommissars befand, getötet. — Unter den Studenten der Petersburger Universität herrscht eine Se l b st m o r d e p i d e m i e. In den letzten zwei Monaten haben 40 Studenten ihrem Leben ein Ende gemacht.
Pobjedonoszew.
Bisher hat der Zar oas Lemisstonsgesuch des Oberprokureurs Pobjedonoszew noch nicht erledigt. Als Kandidat für den Posten des Patriarchen gilt der Metropolit Antoni.
Polnische?.
Warschau, 6. April. k>ei der Beerdigung der Opferder Unruhen vom vergangenen Sonntag drohten durch eine Ansammlung von Israeliten und Arbeitern vor dem Hospital neue Unordnungen. Tie Beerdigung wurde daher aufgeschoben. In Papianize in der Fabrik von Ender kam eine Massenvergiftung von Arbeiterinnen vor, welche durch absichtlich ausgestreutes Arsenik veranlaßt worden war.
Warschau, 6. April. Zwei Fabrikarbeiter, welche vor einigen Tagen sich an den Unruhen beteiligt hatten, ohne jedoch jemanden zu verletzen, wurden vom Gericht zum Lode durch den Strang verurteilt. Alle Teilnehmer an den Demonstrationen werden vor ein Kriegsgericht gestellt. Ter Mann, welcher vorgestern auf einen Schutzmann im Prager Hospital geschossen hat, wurde verhaftet. Ter vor einiger Zeit schwer verlebte Polizeikommissar Rastigajew ist ir r f innig geworden.
Dom Cholerakoagreß.
Moskau, 6. Ap-il. ^.uda.-ber des bereits geschlossenen Eholera-Kongresses wollten heute im Konserva- Loriumssaal eine Sitzung abhalten. Tie Polizei besetzte jedoch vorher die Zugänge des Gebäudes und gestattete niemand den Eintritt.
nturrickes.
Studentische Schläger Mensuren. Der PetitionS» kommission des Reichstags lag eine Petition vor, die verschiedene alle Herren studentischer Korporalionen zu Dresden an den Reichstag gerichtet hatten. Tie Petition verfolgt den Zweck, daß Schlager- Mensuren nicht a l s D u e l l e angewßl iverden, und daß Kariell- iräger, Ehrenratsmitglieder, Sekundanten, Zeugen, Aerzle und Wundärzte straflos bleiben. Tie Pelilwuskommisiou hat beschlossen, dem Sleidjstage Ueber gang zur Tagesordnung zu em- pfeblen.
<Leec uno ^».oue.
— Der hessische Gardcjuger in Sens. Der /»Hessische Kamerad" veröffentlicht bte Urieilsgründe des Reichsgerichts, das bekanntlich die Revision des Geschäftsführers der „Mainzer BoltSztg." gegen das Urteil der Mainzer Strafkammer verworfen har. Aus den Entscheidungsgründen sind folgende wichtig: 1. Tie Revision hatte m erster Linie die Berechtigung der antragstellenden zwei Offiziere und 17 Unteroffiziere und Juger per damaligen 8 Lomp des 1. Hess. (Garoe-) ZägerbaraUlons bestritten. DaS Reichsgericht erkennt sie völlig an, da genau fesizu- stellen sei, welche Ojsiz-ere und welcher Truppenteil die
behaupteten Schändl''chkeiten begangen haben sollte. 2. Tas Reichsgericht stellt fest, daß die angebliche Plünderung von Sens durch die genannte Kompagnie durchaus unwahr und durch die Hauptvcrhandli.ng als ans der L'.'ft gegriffen erwiesen sei. 3. Die Behauptung der Revision, es liege von feiten Kretschmans eine Verwechslung vor, die in den Briefen erwähnten Swandtaten seren von anderen Truppenteilen begangen worden, wird ebenfalls vom Reichsgericht zurückgewiefen, „weil nicht erwiesen ist, daß Sens von anderen Truppen geplündert, und daß von nichthessischen Offizieren das, was im Briefe des Generals v. Kretschmann behauptet ist, begangen worden ist". (Damit dürfte wohl die Glaubwürdigkeit dieser Kriegsbricfe, trotz Frau Lilli Brauns Broschüre „Wahrheit oder Legende" endgiltig abgetan sein.)
KrciSturrrtag in Saarbrücken.
Man schreibt uns:
Am Samstag und Sonntag den 1. und 2. April sand Kreisausschuß- und 67. Ke. ist. rn!ag-S'.tzung in Saarbrücken statt. 302 Vertreter hatten sich cingefunden. Tic Verhandlungen des Kreisausfchnss.s nahmen die Zeit von 2 bis gegen 11 Uhr nachts in Anspruch; die Tagesordnung umfaßte, außer derjenigen für den Turntag, zahlreiche Grcnz- regulierungen, G^ündrng eirrr Kreiszeitung, Ausbildung für Turnwarte, Vorturner usw.
Am Sonntag f .üy um 7 Uhr fanden sich die Vertreter des Turntages und zahlreiche Freunde am tt marckdenkmal ein zu einem Ausfl-ige nach d:m Schlachtfeldc von 18.0/71 Spicherer Höhen, Ehrental. Auf den Spicherer Höhen sprach Herr Turninspektor Schmuck und im Cst-reutale Herr Schaum. Ter Kreisvertreter legte an beiden Stellen Kränze nieder.
Ter Kreistag begann seine Tagung um IP/2 Uhr im Saalbau. Bürgermeister Feldmann begrüßte die Vertreter des Turnkreises Mittelrhein aufs herzckchste und wünschte, indem er auf die mächtigen und edlen Bestrebungen der deutschen Tuunerfchaft hinwies, den Verhandlungen den besten Verlauf.
Aus dem Berichte des Kreisvertreters ist besonders zu bemerken, daß die deutsch-österreicher Turner mit 60 000 Mitgliedern aus der deutschen Turnerschaft ausgeschieden sind, was sehr zu bedauern, aber nicht zu ändern gewesen ist. Der 9. Kreis Mittelrhein der deutschen Turnerschafl setzt sich zusammen aus 23 Gauen mit 886 Vereinen und 87 350 Turner, gegen das Vorjahr ein Mehr um 7352 Mitglieder oder 9,12 Proz. Tie Zahl der Zöglinge ist von 11337 auf 11924 gestiegen. Frauenabteilungen bestehen 155 (mehr 37) mit 1063 Teilnehmerinnen.
Schulpflichtige Kinder nehmen Turnunterricht 2700 Knaben und 824 Mädchen.
Kreisturnwart Bolze aus Frankfurt verbreitete sich des weiteren über den Turnbetrieb im Jahre 1904, welcher recht erfreuliche Fortschritte gemacht hat.
Nach dem im Druu erschienenen Kassenbericht betrugen die Einnahmen in 1901 8883,50 Mk., die Ausgaben 8750,95 Mark, mithin Ueberschuß 132,55 Mk.
Ter Antrag des Gcfchüftsf. A. auf dauernde Erhöhung der Kreissteuer um 1 Psg. pro Mitglied wurde genehmigt, mit der Weisung, daß die Hälfte des Betrags der Rothermel- [tiftung und der Kasse zur Unterstützung bei Ausbildung von Turnwarten und Vorturnern Verwendung zu finden hat.
Ein Anttag, den Geschäftsf. A. um ein Mitglied zu vermehren, das die besondere Ausgabe hat, eine werbende Tätigkeit durch die Presse zu entwickeln, wurde angenommen und hierzu Herr Professor Wämser aus Butzbach gewählt.
Der Antrag zur Einrichtung des Spichererberg-Turn- und Spielfestes für den ganzen 9. Turnkreis wurde mit erdrückender Majorität angenommen.
Tie übrigen Punkte der Tagesordnung betrafen rein turnerische Angelegenheiten, die gründliche Erledigung sanden. Nach 4 Uhr nachmittags schloß der Kreisvertreter den Kreistag mit einem 5üoch auf die Deutsche Turnerschast.
Aus Sluöl u::d Lund.
Gießen, 7. April 1905.
' Personalien. Se. Kgl. Hoheit der Groß Herzog Haben den Finanzaspiranten Kratz aus Ruppertenrod zum Ministerialrevisor bei der Buchhaltung der Ministerien des Innern und der Justiz und den Finanzaspiranten Weber auS Dannstadt zum Ministerialregiftrator bet bcm Ministerium des Innern ernannt, der Oberlehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Alzey Prof. Dr. Zimmer wurde zum Oberlehrer und Leiter der höh. Bürgerschule zu Bad Nauheim ernannt. S. K. H. der Großherzog haben dem Forstwart der Gemcinde- forstwartei Altkönig Scheuer zu Oberstedten, aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand den Charakter als „Förster" verliehen — Uebertragen wurde am 1. April d. I. dem Schullehrer Keil zu Dorndicl, im Kreise Dieburg, eine Lehrerstelle an der Gimcindcschule zu Heidesheim, im Kreise Bingen. — In den Ruhestand versetzt wurde der Lokomotivführer in der Hess.-Preuß. Eisenbahngcmcinfchaft Eolloseus zu Frankfurt a. M.
*• Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse fiel em Gewinn von 100 000 Mk. auj Rr. 26351, ein Gewinn von 40 000 Mk. auf Rr. 42632, ein Gewinn von 10l)00Mk. auf Nr. 75722 (sämtlich nach Mainz), Gewinne von 5000 Alk. auf Nr. 1003 28708 41554 44768 62429. (Ohne Gewähr.)
** Sch neider st reik. Gestern abend verhandelten im „Kaiserhof" die aus 7 Mitgliedern bestehenden Kommissionen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer miteinander, ohne daß jedoch eine Einigung zustande kam. Tie Arbeitnehmer haben oen von ihnen angebotencn Tarif etwas ermäßigt, aber die Arbeitgeber gingen dennoch nicht darauf ein. Es wird also weiter gestreikt. Es stteiken im ganzen 80 Gesellen. Heute früh haben sämtliche unverheirateten Arbeiter im Schncidergewerbe Gi'ßen verlassen.
8. Lauterbach, 6. ?lpril. Das 14 jährige Mädchen, das sich ertränkt hat, hat keinerlei sträfliche Handlungen begangen; der Selbstmord ist, wie man uns mu- tcilt, nur auf vorübergehendes körperliches Unwohlsein zurück- zuführen. Ter Fall i|t sehr zu bedauern.
Nonne nr oo, 6. ^p.ct. H^r wurde bei Erdarbeiten ein Topfmitmittelalterlich en M ü nzen gesunden. Wie mau hört, soll der Fund dem Provinzialniuseum in Gießen übermittelt werden.
R.B. Tarmsladt, 6. April. Die Annahme des Artikels, welcher die Einführung o^s indirekten Wahlrechts für die Landwirtjchaftskammer sestsetzt, erfolgte heute in der Kammer ohne Debatte mit allen gegen 7 Stimmen. Artikel 55 bestimmt, daß die Umlage zur Deckung der Ausgaben „in der Siegel' 20 Pfg. auf 1000 Mk. des der Umlage unterliegenden Vermög-ns nicht übersteigen darf. (Die Regierungsvorlage hatte 25 Psg. festgesetzt.) Ter Mindestbetrag der auf einen Umiagcp.l.chttg.n entfallenden
Umlage ist 50 Psg. Tie Umlage wird für je 100 Mk. nach unten abgerundet.
Pennifd)te>.
• Bci dem Zweikampf in der Tegeler Heide bei Berlin, der, wie ivir meldeten, zwischen dem 26 Jahre alten Farmer aus Südweslafiika Zipplitz und bcm 25jäb- rigen Ingenieur v. K 0 blinsky ftnttfanb, bat bekanntlich der Farmer Zipplitz den Tod gefunben. Zipplitz war er ft feit sechs Monaten nut der 21 jährigen Tochter des Kaufmanns Zeitz glücklich verheirgtet. ZiPpUtz hoffte bis zuletzt auf einen gütlichen Ausgleich — schon seiner jungen Frgu wegen, mit der er in einigen Wochen nach Afrika gehen wollte! — Ter Angreifer und Beleidiger v. Kobliusky aber lehnte, wie cs heißt, jeden gütlichen ''Ausglcich ob. Er batte sieh vor vierzehn Tagen in der Boifigfchcn Fabrik llilaub genommen und die Zeit dazu beniitzt, sich einzuschießen. Zipplitz hatte fiel) einem Ehreuciericht unterworfen, bas zum Teil aus jüngeren Studenten des ziveilen Semesters beftaud. Tic Distanz betrug fünfzehn Schritte, v. Kobliusky zielte genau.
* Tas Schneetreiben, das die Apr'.llaune gestern über Gießen herabgesandt hatte und das hier mit Sonnenschein abwcchselte, hat auch eine große Zahl anderer Orte überrascht. In Berlin gabs leichten Schneefall. Im Fu ldatal wütete ebenso wie in der Rhön em heftiger Orkan mit wottcnbruchartigcm Siegen, der um Mitternacht in ein starkes Schneegestöber überging. Aehnliche Nachrichten tomnien aus dem Saartal und dem Taunus sowie aus Thüringen, der Gegend von Würzburg, der Schweiz usw. In dem Sprcewalddorfe Ra. dusch wurden bei einem Gewitter zwei junge Mädcyon v 0mBlitz ersch la gen.
* Die Opfer bei dem letzten Erdbeben iß Lahore (Indien^ werden auf 5 0 — 100 Personen geschätzt. Europäer befinden sich nicht darunter. Tie Zahl Der Vermißten und ebenso auch die Zerstörung des Eigentums sollen, obgleich fait kein Haus vor Beschädigung bewahrt worden ist, nicht so groß fein, als anfangs befürchtet wurde. T r a g i k 0 m i f d; e Szenen haben Jicb in dem Savoy-Hotel in Lahore abgespielt. Als die Erdstöße begannen, verließen die Damen in Nachtgewüudern in aller Eile das Hotel und liefen in den Garten, wo sie in Todesangst auf d i e B äume kletterten; dort oben blieben sie, kaum bekleidet, das Haar gepudert vom Gips und Mörtel einstürzender Häuser, schreckensbleich sitzen.
"Kleine Tageschronik. In Warschau schoß aus Ellersuchl ein S Indent seinen Si i v a l e n n i e d e r. — In Königs m acher (Elsaß) wurde der Gutsbesitzer Bredunus von seinem früheren Kned;te durch Alesserstld)e ermordet. Ter Täler ist nad; Luxemburg geflohen.
Domprobst Malzt vor Gericht.
(Original-Bericht des „Gießener Anzeigers")
(b.) Mainz, 6. April.
Der Andrang zum Zuschauerraum ist gewaltig. Zu verantworten hat sich Propst Franz Adam M a l z i, bisher in Worms, 1865 zu Darmstadt geboren. Ihm wird zur Last gelegt: daß er zu Worms durch verschiedene selbständige Handlungen 1) am 17. Januar 1905 den Lehrling Franz Werner vorsätzlich körperlich mißhandelt und widerrechtlich durch Gewalt und Bedrohung mit dem Vergehen der Körperverletzung zu Handlungen, nämliche zu bestimmten Aussagen und zur Niederschrift einer Erklärung genötigt zu haben. (Vergehen gegen §§ 223, 240 und 74 des St.-G.-B.) 2) am 18. Januar 1905 als Religionslchrer^unc> in Veranlassung der Ausübung dieses staatlichen.Amts die Schülerin Katharina Zimmermann durch Schläge auf den Kopf uiifr. in das Gesicht vorsätzlich körperlich mißhandelt und an der Gesundheit beschädigt habe. (Vergehen gegen die §§ 340, eventuell 223 und 74 des St.-G.-B.) 3) und.4) am 18. Januar 1905 als Geistlicher und Lehrer mit seinen minderjährigen Schülerinnen, nämlich: a) der ia.m 29. November 1890 geborenen Hedwig Schmitt, b) der am 28. Februar 1891 geborenen Katharina Zimmermann, unzüchtige .Handlungen vorgenommen und. weiter durck; dieselbe Handlung den Entschluß, die letztgenannte noch nicht 14 jährige Person zur Verübung und Duldung unzüchti-' ger Handlungen zu verleiten, betätigt zu haben, worin der Anfang der Ausführung des Verbrechens enthalten ist. (§§ 174 Abs. 1, 176 Abs. 3, 73, 74 und 43 des St.-G.-B.) — Die Staatsanwalt-- schäft hat 30 Belastungs- und die Verteidigung, Justizrat Dr. Schmitt, 29 Entlastungszeugen geladen. Während der Verhandlung wurde die O e f f e n t l i ch k e i t ausgeschlossen, nur das Urteil wird öffentlich verkündet werden. Die Vernehmung des Angeklagten und der Zeugen wird ixm, ganzen heutigen Tag in Anspruch nehmen, die Plaidoyers der Staatsanwaltschaft und des Verteidigers werden auf Freitag vormittag vertagt und dann gegen mittag das Urteil verkündet werden. Die Gendarmerie ist in großer Anzahl vertreten und ließ, außer den Zeugen, auch 'aus den Gängen niemand zu.
Nachdem die Personalien des Angeklagten festgestellt und der Anllagebeschluß verlesen ist, stellt der Vorsitzende an den Oberstaatsanwalt die Frage, ob er einen Antrag auf Ausschluß ber Oeffentlichkeit zu stellen habe. Der Oberstaatsanwalt bemerkt, daß er dazu keinen Anlaß habe. — Bert. J.-R. Dr. Schmitt: Jchs bin vollständig der Ansicht des Herrn Oberstaatsanwalts. Ich, bin aber auch deshalb gegen den Ausschluß der Oeffentlichkeit, da alsdann in der Lesfcntlichkeit die Ansicht Platz greifen könnte, der Herr Angeklagte habe Dinge begangen, die das Tageslicht zu scheuen haben. Die Verhandlung könnte jedoch ergeben, daß dies durchaus nicht der Fall sei. Angeklagter: Ich bitte ebenfalls den hohen Gerichtshof, die Oeffentlichkeit nicht auszu-^ schließen. Andernfalls wirb in ber Außenwelt die Meinung entstehen, ich hätte Dinge begangen, die nicht öffentlich verhandelt werden dürfen. — Nach längerer Beratung des Gerichtshofes verkündet der Vorsitzende: Der Gerichtshof habe beschlossen, die Oeffentlichkeit auszuschließen, da hier doch Dinge erörtert werden müssen, wodurch eine Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit zu besorgen sei. Auf Antrag eines Wormser Zeitungs-^ berichterstatters beschließt der Gerichtshof, den Vertreter^' der Presse ben Zutritt zu gestatten.
Es wird hierauf der Angeklagte vernommen. Er erklärt auf Befragen des Vorsitzenden: Er sei vollständig unschuldig. Es sei ihm aber von glaubwürdiger Seite mitgcteUt worben, baß zwei feiner Schülerinnen mit einem seiner Sieligiousschüler, einem vierzehnjährigen Knaben, Unzucht treiben. Er habe beshalb die Mädchen in energischer Weise zur Siebe gestellt. Da ,ie beharrlich leugneten, habe er den Knaben zu sich in die Kirche bestellt. Dieser habe ebenfalls geleugnet. Naa),bem er ihm aber ein paar Ohrfeigen gegeben, habe er alles zugeslanden. Er habe alsdann den Knaben genötigt, seine Aussage nach Diktat nicberzuschreiben, um dadurch die Mädchen zu einem Geständnis zu bewegen. Letztere habep schli.ßli.l) nach längerem Weigern bas Diktat durch Unter» jchrist befläiigt. Rach geschehener Unterschrift habe Katharina üünmermann gesagt: Wir haben wohl unterschrieben, es ist aber, alles erlogen. Daraufhin habe er dem Mädchen ein paar Ohrfeigen gegeben. Die Grenzen des ihm zustehenden Züchtig- uugsrechts habe er aber nicht überschritten. — Es wirb banach ber jetzt 15jährige Handlungslehrling Franz Werner als Zeuge aufgeruseu. Er befreitet, mit den beiben Mädchen Ungehörigkeiten begangen zu haben. Da er vom Propst zur Rebe ge- stclli, bies bestricken, habe ihn der Propst geohrfeigt und ihn genötigt, ein Schriftstück zu unterschreiben. Er wisse aber nicht, was er unterschrieben habe. Der A r beiter Werner, Vater des 15 jährigen y-ranz, erklärt: Sein Sohn fei ein sehr braver Junge. Er glaube nicht, datz er m unzüchtiger Weise mit Mädchen verkehrt habe. Der Knabe erzählte: er sei infolge der Schläge jo eiugejchüchtert gewesen, bap er zu allem Ja gesagt habe.
Ner
n
Orlgl 6- Ha Vie t'orto ?pfe
"all
Jed<”
G
Ast N ur N, 1 ^fircm Iiicin s z'l> Nj
hi ifm 0 iir^t b's
flitTTtn unb iinb
a'isbe Toir' H • <^inb sei e getrei
sV" D'l
wolle von imb 1
irirb iinter' pm ^cb*1 gchmb Q^ClH irrt ( kow b'e
ritfit berf stess
Zeuge: .Angell, bat die habe si Irtofgui Me^°r
Lw
M I tni I Prossi


