Das HauS stimmt darauf dem Staatsvertrag mit Preußen einstimmig zu.
Der Entwurf eines Gesetzes, bctr. das
Spiel in anherhessischen Lotterien,
-wird vom Ausschuß ebenfalls zur Annahme empfohlen und darauf ohne Debatte in seinen einzelnen Artikeln angenommen.
Die Kammer tritt darauf- in die Beratung der Regierungsvorlage betr. die
Erhebung von Gemeindeabgaben ein. Mit dieser Vorlage soll den Gemeinden die Möglichkeit gegeben werden, besondere, nicht in gleichinäßiger Dauer fließende Einnahmequellen bei bestimmten Anlagen zu erschließen und zwar durch die Einführung einer Wcrt- z u w a ch sste u er, sowie einer Bill et- und Tanz st euer.
Der Ausschuß beantragt, die beiden ersten Steucrquellen zu genehmigen, die Tanzlteucr dagegen abzulehnen.
Abg. Dr. Frenap führt aus, er sei mit den Ausschußbeschlüssen im allgemeinen einverstanden, cs wäre ihm aber lieber gewesen, wenn die Festsetzung der Wertzuwachsltcuer nicht dem Belieben der Gemeinden anheimgestellt, sondern obligatorisch durch Gesetz bestimmt worden wäre. Jedenfalls aber bilde die Vorlage einen willkommenen Fortschritt für eine gesunde Gemeindcbcstcuerung und er werde deshalb dafür stimmen.
Abg. Ulrich führt aus, er wolle keine Billet- und auch teinc Tanzsteuer, wohl aber eine kräftige Zuwachssteuer. Er fürchte aber sehr, wenn die Einführung derselben in das Belieben der Gemeinden gestellt werde, daß die in nmnchcn Kommunen sehr einflußreichen Bodenspekulanten ihren Einfluß gegen die Einführung der Wertzuwachssteuer geltend machen werden. Die Festsetzung der Skala zwischen 10 und 20 Proz. sei nicht zu empfehlen; man sollte den Gemeinden auch einen Mindestsatz von 5 Proz. und einen Höchstsatz von 33*/s Proz. oder auch 50 Proz. als Spielraum überlassen. Rur durch eine solche Ausdehnung der Skala würden die Gemeinden in die Lage gesetzt werden, dem ungeheuren Bodenwuchcr gründlich entgcgenzutreten.
Abg. Dr. Buff wendet sich gegen die gewünschte obligatorische Einführung der Bodenzuwachssteuer. Man müsse den Gemeinden die Bestimmung darüber selbst überlassen. Die Steuer werde um so eher zur Einführung gelangen, als durch die in wenigen Jahren erfolgende Aufhebung des Oktrois sich für die Gemeinden unbedingt die Notwendigkeit der Erschließung neuer Steucrquellen ergeben werde. Der Redner wendet sich dann entschieden gegen die vom Abg. Ulrich vorgeschlagene Skala und die Progression bis zu 50 Proz. Die ganze Vorlage sei eigentlich nur der erste Mrsuch aus diesem Gebiete und da müsse mit Vorsicht zu Werke gegangen werden.
Finanzminister Gnauth schließt sich den letzten Ausführungen des Vorredners an. Hessen gehe in dieser Frage den anderen Bundesstaaten voran, und da sei eine Vorsicht ^besonders bei der Festsetzung der Skala geboten. Der Finanz- Minister wendet sich dann gegen die vom Ahg. Ulrich vorgeschlagene Erweiterung der Skala' nach unten und oben. Man wolle den Gemeinden die Autonomie aus Einführung dieser Steuer überlassen, das werde für die Einführung derselben nur zweckmäßig sein.
Abg. Dr. Gutfleisch hebt alsAusschußr^'ferenthervor, /man mache in Hessen mit der Einführung des vorliegenden 'Gesetzentwurfs einen bedeutenden Fortschritt auf sozialpolitischem Gebiete, und er bitte deshalb um Annahme des- lselben in der Ausschußfassung. — Die Kammer nimmt daraus die einzelnen Artikel des Gesetzes nach den Ausschußanträgen — also unter Ablehnung der Tanzsteuer — an. —
Ohne Debatte genehmigt darauf das Haus den Entwurf eines Gesetzes, betr. die
R'äumnngsfristen bei der Wohnungsmiete, .und zwar nach den Ausfchußanträgen. Nach den Bestimmungen dieses Gesetzes wird den Gemeinden mit Städtcord- nung das Recht emgcräumt, mittelst Ortsstatuts über diejenigen Fristen Bestimmungen zu erlassen, innerhalb deren Kte Räumung der Wohnung zu erfolgen hat.
Zur Beratung kommt nun der Gesetzentwurf, betr. die Herstellung mehrerer Nebenbahnen.
Abg. Häusel empfiehlt warm den Bahnbau Höchst— .Aschaffenburg, 'Abg. Hauck plädiert in längeren Ausführungen für den Bau einer Nebenbahn von Babenhausen— Schaafheim—bayerische Landesgrenzc.
Finanzminister Gnauth empfiehlt, sich zunächst mit dem zu begnügen, was die Negierung mit dieser Vorlage in Vorschlag bringe. Die vom Vorredner ausgesprochenen Wünsche gingen entschieden zu weit.
2lbg. Bähr beantragt, in 'Rücksicht auf den Umstand, daß der Ausschuß bei Beratung des Antrags Hauck den Antragsteller nicht eingeladen hatte, die Sache an bdTt Ausschuß zurückzuverweisen. — Dieser Antrag wird vom Hause angenommen. Darauf schließt die Sitzung um IV2 Uhr.
Nächste Sitzung morgen früh 9 Uhr. *
Der Wahlrechts ausschuß der zweiten Kam- Mer setzte gestern seine Beratung über die von der ersten Kammer abgcänderte Wählrcchtsvorlaae fort und faßte darüber definitive Beschlüsse. Mer Die Art dieser Beschlüsse, die ja nach der ganzen Sachlage kaum zweifelhaft sein kann, bewahren die Ausschußmttglieder strengstes Geheimnis.
Der Finanzausschuß der ersten Kammer ist heute vormittag zur Beratung der von der zweiten Kammer fertiggestellten Vorlage über die Gemeindeumlagenreform zusammen getreten. Die Beratung war sehr animiert. Namentlich beteiligten sich an ihr Dtaats- ininister Dr. Rothe und Ministerialrat Becker. Man zweifelt in parlamentarischen Kreisen sehr stark daran, daß in der kurzen Spanne Zeit bis zum Schluß des Landtags noch eine Verständigung über diese so wichtige Gesetzesmaterie erreicht werden dürfte. Heute nachmittag haben übrigens, sicherem Vernehmen nach, an maßgebender Stelle eingehende Erwägungen darüber sta^gefunden, ob man nicht die Landstände in der nächsten Woche vertagen und dieselben im September d. J8. (also unmittelbar vor der Landlagswahl) zu einer kurzen Tagung znsammenberufen solle.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. Juli. Tie Jacht ..Meteor" mit dem Kaiser, sie „Iduna" mit der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise, die „Hohenzollern" in Begleitung des Kreuzers „Berlin" und das Depeschenuoot „Slcipncr" sind am Montag abend in der Bucht bei Gjenner (Schleswig' eingetroffen. Heute nachmittag ging die „Hohenzollern" bei der Einfahrt zum Kolbin^- tzord (Jütland) vor Anker. Gegen 5 Uhr untcrnabm bk Kaiserin
ehren Spaziergcnm mit Befolge am SkrÄM. Dle Sckstste gMgen vor Anker zwischen Loberodde und Dreines.
— Der „Staatsanz." veröffentlicht eine Bekannitmachung des Ministers der öffentlichen Arbeiten unb des Ministers des Innern, welche besagt, daß künftighin die in ganz Preußen erlassene einheitliche Polizeivcrordmmg für den Fährverkehr auf öffentlichen Wegen, nach welcher rechts auSzuweichen und links zu überholen ist, sowie die anderen Fahrbestimmungen, strenger als bisher zu handhaben sind. Insbesondere wird der Bevölkerung, unter Hinweis auf die steigende Verwendung von K r a f t w a g e n und den künftigen Herbstmanövern die genaue Beobachtung der Polizeivorschriften unter Androhung uNnachsichtlichcr Llhndung bei Uebertretungen, eingeschärft.
— Im „Reicksanz." wird folgender Erlaß über den Rang der etatsmäßigen Lehrer an tierärztlichen Hochschul en sowie der Departements«- und Kreistierärzte veröffentlicht:
Auf den Bericht vom 17. Juni b. I. bestimme ich folgendes: 1) Die etatsmäßigen Lehrer der tierärztlichen Hochschulen werden unter Bezeichnung ihrer Stellen als Professoren von mir ernannt und gehören der vierten Rangliste an. 2) Die etatsmäßig angestcllten Departementstierärzte sind den technischen Mitgliedern der Regierungen mit dem Range der Räte fünfter Klasse und dem Stimmrechte der Negierungsassessoren zuzu'ählen. Sie können mir, sofern sie sich in ihrer Stellung bewährt haben, zur Verleihung des Charakters als „Vet e- rinärrat" vorgeschlagen werden. Veterinärräten, die diesen Charakter mindestens 10 Jahre besitzen, jedoch nicht mehr als der Halste der Gesamtzahl der Departementstierärzte, will ich auf Antrag den persönlichen Rang der Räte vierter Klasse verleihen : auch will ich einzelne Veterinärräte, bie den Rang Der Räte 4. Klasse mindestens zehn Jahre besitzen, in besonderen Fällen durch die Verleihung oes Charakters als „Geheimer Veterinärrat" auszeichnen. 3) Die K r e i s t i e r ä r z t e
ungen nicht, mn'aüfstrDenMi TonTünflRtn gistlcherke ExlsrenM zu schassen. Dazu wären allerdings andere Maßnahmen von Nöten: welcher Art diese sein müßten, darüber äußert sich Herr Challier nicht, und es scheint uns, daß sich auch kaum Mittel und Wege dazu auf legislativem Wege finden ließen. Den Schriftstellern und Dichtern, den Malern und Bildhauern geht es ebenso, solange sie nichts allgemein Anerkanntes geschaffen haben, und es wird wohl auch immer so bleiben hier unter dem wechselnden Mond.
— Der Umbau des Kgl. Schauspiel-Hauses ia Berlin. Wir teilten schon mit, daß die veranschlagte Umbausumme um rund 3A Millionen Mark überschritten worden sei. Int ganzen sollten die Umbaukosten sich auf etwa 1 900 000 Mk. belaufen, von denen etwa 600 000 Mk. auf die Krone fielen, während der Rest vom Staate zu zahlen sei. Es war ferner hervorgehoben worden, daß durch die Beschleunigung des Umbaus infolge der vom Kaiser gewünschten Einweihung vor Beginn seiner Mittelmcerreise sich in cm,3einen umgebauten Teilen des Hauses die Dielen geworfen hätten. Dies würde sich wahrscheinlich im Parkett wiederholen und zu erneuten Reparaturen und Kosten führen. Hierzu wird nun erklärt, daß, falls die in erster Linie verfügbaren Summen, die Tür den Umbau des Schauspielhauses in Betracht kommen, überschritten werden sollten, hieran allein die ungenügende statische Sicherheit des Gebäudes die Schuld tragen würde. Der^ bauliche Bestand des Hauses nötigte infolge seiner mangelhaften Beschaffenheit die Fachleute zu viel wcitcrgehcndm Eingriffen, als von irgend einer Seite vorhergesehen werden konnte.
— Auguste Prasch-Grevenberg beginnt in einigen Tagen eine größere Gastspielreise, die sie zunächst imcb Magdeburg, Warmbrnnn, Baden-Baden, Nauheim und Karlsr''be führt. Die Künstlerin tritt als Nora, Zaza, Fran?illon, Ganetta („Die rote Robe"), Cameliendame und Minna von Barnhelm aus.
— Der französische Geograph Elysöe Reclus ist ge-
^Bczirkslierärzte in den Hohenzollernschen Landen) erhalten den Rang zwischen der 5. Nangklasse und der Klasse der Referendarien der Landeskollegien. Als Auszeichnung kann für ältere K'reis- tierärzte die Verleihung des Charakters als ..V e te r in ärra t" mit dem persönlichen Range der Räte 5. Klasse beantragt werden.
Bremen, 5. Juli. Die Bürgerschaft forderte durch einen Antrag den Senat auf, die Schuldeputation zu einem Bericht zu veranlassen, wie der Religionsunterricht in der Volksschule zu ersetzen ist, durch religionsgeschichtlichen undSittenunterricht, derdiecdelstenSchätze der Weltliteratur einschließlich der Bibel umfaßt, soweit sie das mod-mn" Kulturlcstm berühren.
Demilebte».
* Von b er Popularität unseres Ka isers in Normeqen leqt folgender Brief Zeugnis ab, den fünf normeqische Backfische an das „Berl. Tagebl." gerichtet haben:
C h r i st i a n i a, Juni 1905. Geehrte Zeitung!
Wir finb junge, norwegische Mädchen üon der Sorte, roa* man in Deutschland „Backfisch" Nennt, und wir sind auch dort gewesen.
Wir sind sebr betrübt, daß der liebe, reizende, entzückende Kaiser Wilhelm dies Jabr nicht nach Norwegen kommt. Wir haben jetzt schwere, ober auch große Tage in Nor- wegen und hoben nach 500 Jahren unsere Freiheit und Selbständigkeit, welche sehr notivendig ist für ein gebildetes Land. Ter finge Kaiser Wilhelm will wahrscheinlich die Schweden nicht ärgern, und warum soll man diese mehr ärgern als notwendig? Wir hoffen, jetzt einen eigenen König zu erhalten, welcher immer hier ivohnt und lebt. So etwas rote Kaiser Wilhelm können wir wohl nicht bekommen, welcher auf das Wohlsein von allen Nationen denkt und grübelt, — denn das ist ein ganz merkwürdiger Zufall, — aber kann er denn nicht einen Prinzen finden?
Seine eigenen Kinder wollten wohl nicht kommen, weil wir nnr zwei Millionen sind, und haben etwas zu roeniq Soldaten, — aber Kaiser Wilhelm keitnt ja so viele Prinzen. Tantt kommt er wohl auch wieder zu uns, nicht wahr?
Wenn Sie liebes Tageblatt, dieses drucken wollten, und der Kaiser es dann vi.ellcicht lesen könnte, imirbcn sich sehr freuen
Dagny, Ellinor, Gudrun, Ragnhild, Karen.
• Ein Kaiserde nk st ein in der Nominier Heide (Ostpr.) ist von den dortigen Forstbeamten errichtet worden atts Dankbarkeit für die 28 000 Mark-Spende, die der Kaiser für die Forstbcamten der Heide und ihre Hinterbliebenen gestiftet hatte. Der Denkstein trägt auf der Vorderseite die Inschrift: „Von hier erlegten Se. Majestät Kaiser Wilhelm II. am 1. Oktober 1904 auf der Äbendpürsche einen kapitalen Hirsch von 28 Enden und stifteten zur Erinnerung daran am 3. November 1904 die St. Hubertus-Stiftung für die Forstbeamten der Rominter Heide."
• Ein kö stlicher Nachtregen hat uns Gießenern endlich die lange ersehnte Abkühlung und damit einen er
storben.
e»criifit5iaaL
Leipzig, 5. Juli. Das Reichsgericht v erwar f die Revision des bisherigen Chefredakteurs der „Nat.-Ztg.", Arthur Dix, der am 29. April vom Landgericht Berlin wegen Beleidigung des Ministers R u h ft r n t und des ersten Staatsanwaltes in Oldenburg zu 600 Mark Geldstrafe verurteilt wurde.
Hamburg, 5. Juli. Ein außergewöhnlich hartes Urteil fällte das Kriegsgericht der 18. Division "ber zwei Landwehrleute. Tic Schiffer Strauer und Kargmenn 'hatten sich wegen Gehorsams-Verweigerung und mehrfachen Fluchtversuchs auf dem Transport zum Arreftlokel zu verantworten. Sie wurden deshalb zu 7Vs bezw. GVi Jahren Gefängnis verurteilt. Strauer machte bei der Abführung einen Selbstmordversuch.
Detmold, 5 Juli Der auf heute anberaumte Sensations- Prozeß gegen die Bückesturgisck gff'nn'e Tages'tg. wegen Beleidigung der Voftbcbörde durch Bezweiflung der Wahrung des Telegramm-Geheimnisses im Thronstreit ist auf unbestimmte Zeit vertagt worden.
Verurteilt, seine Frau zu küssen. Ein merkwürdiges Urteil fällte dieser Tage der Richter Higginbotham in Brooklyn. Er befahl einem Manne, der ongcklagt w^r, . seine Frau und sein Kind verlassen zu haben, einmal wöchentlich seine Familie nach dem Ausflugsort Coney Island zu bringen,, seine Frau wenigstens einmal täglich zu Ässen, ihr wöchentlich 24 Mark zu geben, und ihr einmal in der Woche einen Blumenstrauß zu bringen. Fern.er soll er seiner Schwiegermutter nicht erlauben, sich in seinen Haushalt zu mischen. Dieses Urteil gilt für vier Wochen. Nach Mlauf dieser Zeit sollen Mann und Frau wieder vor dem Richter erscheinen und die Frau Bericht erstatten. Wenn der Angeklagte dem Urteilsspruch nicht Folge geleistet hat, wird er wegen Mißachtung des Gerichtshofes verurteilt werden. Mit seinem Kinde auf dm Arme verließ der Angeklagte das Gerichtsgebäude.
Das Gordon-BerrrieLt-Renncn.
Laschamvs, 5. Juli. In dem heutigen Gordon-Bennett-Rennen siegte T h 6 r y - Frankreich (der Sieger des vorigen Rennenst mit einer DurchschnittSgcschwindigkeit von 70,9 Kilometer die Stunde. Nazzari wurde. Zweiter, Cagno Dritter, Caillais Vierter. — Die kleinen Ortschaften in der Umgebung von Clermond-Ferrand wimm'lten von Fremden, die aus allen Himmelsrichtungen cingctrofftn waren. Nach dem ge^rigen starken Sturm herrschte heute, am Renntage, prächtiges Wetter. Die au die Rennstrecke grenzenden Felder waren v>m Tausendeti von Neugierigen belagert. Um 0 Uhr morgens^ fuhr Th6ry als Erster am Start ab. Die Fahrzeiten nach der ersten Runde waren folgende: Lancia (Italien» 1 St. 34 Min. 57 Sek.. Thäry 1 St. 40 Min. 07 Sek., Braun (Oesterreichs 1 St. 54 Min. 06 Sek., Earv (England! 1 St. 54 Min. 11 Sek, Jenotzy Deutschland) 2 St. 09 Min. 04 Sek. — Bei einer Automob'lsahrt, d'e der Direktor und ein Svort-Redakteur W „Eclair" gestern unternahmen, schlug der Wooen um. Hierbei erlitt Ack'^rd, der Geschäftsleiter des sranzösischm Automobilklubs, einen doppelten Beinbruch, mehrere andere Personen erlitten leichtere Verletzungen.
freulichen Witterungswechsel gebracht. Andere Gegenden wurden indes von schweren Unwettern heimgesucht. So gingen über Elsaß von Weißenburg bis Sundpau schwere Gewitter mit Hagelschlag nieder, in deren Folge der Verlust von Menschenleben zu beklagen ist. Das Hagelwetter brachte hühnereigroße Schlossen, durch die viele Menschen verwundet wurden. Der Schaden in Feldern und Gärten ist sehr groß; 300 Leitungen wurden durch Blitzschläge zerstört. — Auch über Brüssel und Umgebung ging em furchtbares Gewitter mit Hagelschlag nieder. Alle Telegraphenverbindungen sind dort gestört. — In Spanien hat ein äußerst heftiger Sturm Bäume entwurzelt, Wagen umgeworfen und in Madrid ein Standbild in der Kathedrale herabgestürzt. Mehrere Personen wurden verwundet. In Musoceo stürzten infolge des Sturmes zwei Schornsteine einer Münzwerkstätte ein. Beim Einsturz eines Gebäudes wurden Arbeiter unter den Trümmern begraben. Fünf Arbeiter wurden dabei getötet und sieben schwer verletzt. — Die unbeschreibliche Hitze fordert in Italien viele Opfer. In Venedig wurde mitten auf der Lagune ein Gondelier vom Hitzschlag getroffen. Er war sofort tot. Beim Passieren des Apennin-Tunnels ' bei Prachia wurden viele Passagiere des Schnellzuges Rom-Mailand infolge der fürchterlichen Hitze von Krämpfen befaßen und wollten sich aus den Fenstern werfen. Auch in Florenz und Umgebung sind zahlreiche Fälle von Sonnenstich vorgekommen. In Nom kamen am Mittwoch 44 Fälle von Sonnenstich vor, von denen eine Anzahl tötlich verlief.______
KimK und Wifltnschaft
In einem Aufsätze in der Zeitschrift „Die Musik" weift uni'er trefflicher alter Ernst Challier an der Hand interessanter Zahlen, die ihm der Breitkopf und Härtelsche Konzert- Programm-Austausch ein Jahr lang geliefert hat, nach, daß die Beftimmrmqen des neuen Urheberrechtes keineswegs dazu geeignet sind, die wirtschaftlich Schwackren unter den Komponisten zu unterstützen, sondern im wesentlichen nur die Einnahmen der anerkannten großen Tonkünftler, tie bereits stattliche Verlegerhonorare beziehen, sehr erheblich zu steigern. Das ist ja n. C. auch schon ein sehr schä"enswerter Vorzug gegen früher; daß wahrst'st Bedeut.ndee schc.sfende Musiker am Hungertuche nagen, daS kommt heute infolae des Urheberrechts nicht mehr vor. ?kbec immerhin genügen die heutigen gesetzlichM Bestimm-
JRrßeiffrßero^itntT.
München, 5. Juli. Eine Metallarbeiter-Versammlung nahm mit große'- Mehrheit, die im Ministerium des Aeußeren vorg'schleflm"n Vereinbarungen zw'schen den Ver- fretmt der Metallinduftrsttten und denen der M<-tallarbeiter an. Nach diesen Vereinbari'nam sollen die Reverse zurückgegeben und den Industriellen emysohlen werden, die Arbeitszeit aus 58 Stunden herabzusetzen, soweit sie noch längere Arbeitszeit haben und namentlich die niedrigen Löhne sollen um 3 Pfennig die Stunde ausgeb^ssert werden. Di-' B'ldung einer ständigen Kommission aus Arbm'g"bern und Arb^'tnehmcrn wurde abgelehnt, doch soll für den Bedarfsfall eine solche in Aussicht genommen werden. Die W i ed e r e i n st e l l un g der Arbeiter soll nach Maßgabe der Wiederaufnahme des Betriebes erfolgen, dabei sollen die Verheirateten und etter en bevorzugt werden. Maßregelungen sollen nicht ftatlsindm. Bei der Mstimmung über die Annahme der Vm-einbarungen sprachen sich 559 Mitglieder für die Fortsetzung, 1245 für die Beendigung des Ausstandes aus.
Nürnberg, 5. Juli. Tie Metallarbeiter beschlossen, die Mstimmuug 'über die Vereinbarungen zwischen den Arbeitern und den Industriellen erst morgen vorzunehmen.
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