worden sei". Das Cityblatt ist in seiner Aufregung blind. Es verkennt den Unterschied zwischen beiden Reden. Lees Rede war eine Demonstration gegen die deutsche Flotten- politik. Sie gab einer Tröstung Ausdruck; sie stellte einen Neber fall auf die deutsche Flotte in Aussicht. Ter preußische Kriegsminister dagegen bat nur von Ver- teidigungsmaßnahmen gegen die russisch-französische Mi- klitärpolitik gesprochen» und das Recht, sich zu verteidigen, wird doch auch die ,.Times" hoffentlich noch gelten Innen. Nein, von der gehässigen Verhetzung der Leefchen Rede steht in der des preußischen Kriegsnrinisters nichts. Es wird trotz aller Anstrengungen dem englischen Blatte nicht gelingen, die offiziellen guten Beziehungen der beiden» Festlandmächte zu stören.
In der zweiten hessischen Kammer gap e§ in der vergangenen Woche zunächst eine fast dreitägige Eisenbahndebatte, bei der von 50 Abgeordneten nicht weniger als 46 das Wort ergriffen, um der Regierung alle möglichen und unmöglichen Wünsche vorzutragen. Namentlich gefielen sich wieder einmal die Sozialdemokraten darin, gehörig zum Fenster hinauszureden. Mit der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschast hat man sich, wie die Debatte zeigte, nunmehr allseitig abgefunden. Man hält sie, namentlich mit Rücksicht aus die finanziellen Erfolge, jetzt auch beim Zentrum für erträglich. Bei der an die Eisenbahndebatte sich anschließenden Besprechung der Gewerbeaufsicht war die Mitteilung des Negierungsvertreters Geh. Raits Braun sehr bemerkenswert, daß die Einführung des verstärkten Kinderschutzes gerade in der ärmsten Provinz unjers Landes, in inserem Oberhessen, sehr günstig gewirkt habe, da die Zahl der überhaupt beschäftigten Schulkinder auf weniger als die Hälfte (von 962 auf 460) zu- rückgegangen fei. Am 3. d. M. wurde die Budgetberatung mit der Erledigung des Finan^gesetzes beendigt, und mit Beftiedigung kann jetzt vor allem der Fmanz- minister Tr. G n a u t h auf den Ausgang der vierwöchigen Schlacht Zurückblicken, betragen doch die Abstriche bei dem 22 Millionenbudget weniger als 100 000 Mark.
Zm preußischen Abgeordnetenhause wurde fast die ganze Woche hindurch der Ku l tu s e t a t beraten. Ter Fall Fischer gab dem Abg. Hackenberg Anlaß, zu fordern, daß der Staat die innere lebendige Entwicklung der Religion fteilassen müsse. Man war im Hause nahezu einig in der Stellungnahme gegen die dominierende Nicht-, ung, die sich in einer Bevormundung und Maßregelung liberaler GeMicher gefällt. Ferner wurden Klagen über den Rückgang der Zahl der Theologie studieren den laut, denen der Minister entgegentrat. Man befürwortete eine Erhöhung der Gehälter der Geistlichen. Tie Volksschullehrerfrage samö eine sehr breite Erörterung. Von der verlangten Universitätsbildung, die der Minister für überflüssig erklärte, und weiteren Dingen, zumal auch von der Lage des Lehrerstandes in den Ostmarken war viel die Rede. Einen Mißton in die Debatte brachte das scharfe Vorgehen des Abg. Frhru. v. Zedlitz gegen die Linke, die er „gewissenlose Agitation und Verlogenheit", sonne ,Lrreführunb der öffentlichen, Meinung vorwarf. Viel dummes Zeug reden preußische Volksvertreter über Frauenkunst. Ein Antrag, Maßnahmen in Erwägung zu ziehen, um zur Beseitigung der die Sicherheit und Ordnung des Verkehrs aus dem Potsdamer Platz und im Straßenzuge der Potsdamer und Leipzigerstraße inj Berlin gefährdenden Zustände eine Erweiterung des Potsdamer Platzes und die Schaffung von Parallelstraßen nördlich der gedachten herb eizu führen, wurde nach längerer Debatte zurückgezogen. Minister v. Budde bemerkte, daß sowohl der Minister des Innern wie er selbst seinen ganzen Einfluß dahin geltend machen würden, irmi die Verkehrsverhältnisse in den Berliner Straßen zu verbessern. Er stehe auf dem Standpunkt, daß an dem Niveau der Berliner Straßen nichts mehr zu ändern fei, sondern daß nur Unt ertunn-elung helfen könne.
Tie Studentenkonflikte sind im wesentlichenn deigelegt, obwohl es in Hannover noch brodelt. Ter preuß. Ministerialdirektor Dr. Altstoff hat die von Rektor und Senat in Hannover verfügte Relegation und Erteilung des eonsilium abeundi zurückgenommen und in einen Verweis verwandelt. Ter Studentenausschuß wird auf Grund der alten Bestimmungen neu gewählt. Der Rektor Barkhausen setzt jetzt aber öffentlich die Bemühungen des Prof. Launhardt, den Frieden herbeizuführen, herab und Laun- hardt desavouiert öffentlich den Rektor. Hoffentlich kommt es deswegen zu keinem neuen Konflikte. Mit Ausnahme der Erlaubnis zur politischen Betätigung wurden alle studentischem Forderungen, die sich auf studentische Organisation, Berufs- und Standesfragen, beziehen, bewilligt. Tie Frage der konfessionellen Studenten-Ver- brndungen blieb nach wie vor ein Kräutchen Rührmichnichtan. In Braunschweig erzielte die Studentenschaft in der Ausländerfrage einen Erfolg. Tie Studentenschaft sämtlicher Wiener Hochschulen beglückwünschte die deutsche Studentenschaft zu ihrem durch mannhaftes Auftreten erreichten Siege. Nun müßte eigentlich die öst- reichische Regierung gegen die Wiener Studentenschaft einschreiten, weil sie sich zu einer deutschen Reichsangelegen- heit eine Sympathiekundgebung erlaubt habe. Man sieht, zu welchen Konseguenzen man kommt, toenn man das, toa§ geistig und national zusammen gehört, künstlich aus- ernanderhalten will.
Zn Ungarn hat durch Audienzen des Grafen Esaky, öes Barons Daniel und des Präsidenten Iusth die Idee eines Koalitionsministeriums leine starke Förderung erfahren. Nach wie vor bilden die militärischen Forderungen das größte Hindernis für die Koalition, weil Kaiser Franz >zosef durch diese seine Hosteitsrechte für tangiert erachtet. Die wirtschaftliche Trennung würde er als ungarischer König nicht hindern.
$ 2 Liebte einen Eis e n b ah ner-Au s st a n d,
.Pi1.? Unlaß der Verstaatlichungsprojekte eine finanzielle Berücksichtigung der Eisenbahnarbeiter in den neuen Vorlagen erzwingen wollte. Ter Regierung gelang es nicht, ihn zu besiegen, und es blickb dem Ministerium nichts anderes übrig als zu demissionieren. Der Rück- tritt des Ministeriums erfolgte am Samstag. Ter Ministerpräsident schrieb dem Könige natürlich von der üblichen angegriffenen Gesundheit, und der König nahm darauf die übliche Rücksicht. Tie Obstruktion der Eisenbahner hörte sofort auf, da mit dem Ministerium ohne Zweifel auch die Eisenbahnvorlage fallt. Als Nachfolger Giolottis werden der Kammerpräsident Marcora und der Minister des Aeußeren Tittoni genannt. Tie oppi- sitionelle Presse nennt den Rücktritt des Ministeriums eine Flucht, da es gerade demissionierte, während das Agitationskomitee im Begriff war, mit den Vertretern der großen proletarischen Körperschaften einen definitiveni energischen Beschluß zu fassen. Das Ministerium hatte
Furcht, zu spät zu kommen, und eilte Den unvermeidlichen Ereignissen voraus. Die offiziösen Blätter dagegen behaupten, das Ministerium falle nicht, weil es in seiner politischen Aktion besiegt sei. Eine Influenza habe mehr angerichtet, als alle Opposition und Obstruktion.
In England bemühen sich die Liberalen um den Sturz Balfours und unternahmen einige, bisher allerdings erfolglose Ueberrumpelungsversuche. Aber die Zahl der Mehrheitsstimmen des Ministeriums ist sehr gering, und bei den letzten Ersatzwahlen zum Parlament haben die Liberalen bemerkenswerte Siege erfochten. Ter Premierminister Balfour erklärte bei Gelegenheit der Erörterung eines Maeedonien betreffenden Unterantrages zum Adreßentwurfe, daß England sich der Politik Rußlands und Oesterreich-Ungarns auf dem Balkan vollständig angeschlossen habe und kein eigenes maeedonisches Programm verfolge. Um dem Erlaß des Finanzreglements für Maeedonien, das der türkische Finanzminister mit der Ottomanbank ausarbeitet in Konkurrenz mit dem vo'w Oesterreich-Ungarn und Rußland bereits unterbreiteten Finanzplan, zuvorzukommen, haben diese beiden Mächte der Pforte eine Note überreicht, in der sie auf einer schnellen Entscheidung inbetresf ihres Projektes bestehen.
Frankreich beschäftigte sich ebenso wie England und Deutschland in der vergangenen Woche mit Marine- und Ärmeefragen. Ter Gesetzentwurf betreffend die T r e nn- ung von Kirche und Staat ist in der Kammer nun der Hauptberatungsgegenstand. In einer Konferenz ,des Kultusministers mit der Kommission für Trennung vom Staat und Kirche wurde ein vollständiges Einvernehmen über den Wortlaut der Regierungsvorlage erzielt.
Der Jahrestag der Aufhebung der russischen Leibeigenschaft sollte nicht ohne eine bedeutsame Kundgebung des Zaren im liberalen Sinne vovübergehen. In einem Reskript gestand Nikolaus II. einer gewählten Volks- vertretung die „Teilnahme an der Ausarbeitung und Beratung legislativer Entwürfe" zu. Auf den ersten Blick möchte man in diesem Reskript einen großen Schritt zur Entwirrung der inneren La^e des Zarenreiches sebem Aber bei näherem Zusehen wrrd man erkennen, daß oem Erlaß des Zaren beinahe alles fehlt, was ihn zu einem Friedensspender machen könnte. Er ist nur eine prinzipielle Erklärung. Eine Volksvertretung soll geschaffen werden, aber nichts wird gejagt über die Zahl der Vertreter, über den Modus, nach dem sie gewählt werden sollen. Ob die Volksvertretung cruS direkten oder indirekten, geheimen oder offenen, allgemeinen oder Ständewahlen hervorgehen soll — erst die Beantwortung dieser Fragen entscheidet über den Wert des Zugeständnisses. Tie 2lb geordneten sollen nur beratende, nicht beschließende Stimme haben. Tas ist der schwächste Punkt der Kundgebung. Tie Liberalen haben inzwischen einen Verfassungsentwurf ausgearbeitet, der die Schaffung einer zweikammerigen Volksvertretung vorsieht nach', westeuropäischem Muster. Tie; Mitglieder der zweiten, der eigentlichen Volkskammer sollen aus allgemeinen, direkten, geheimen Wahlen hervorgehen, und! diese Abgeordneten sollen sich betätigen wie ihre Kollegen in irgend einem europäischen Parlament. Ob die zarische oder die liberale Verfassung dem Kulturzustande des russischen Volkes entsprechender ist, diese Frage, die wir nicht ohne weiteres zu Gunsten der zweiten beantworten möchten, hat nichts zu tun mit der Wirkung des Zarenerlasses auf die russische Intelligenz und das Volk, soweit es sich deren Forderungen angeeignet hat. Auf' diese Wirkung kommt es aber an und es wird uns berichtet, daß das Manifest kühl ausgenommen wurde. Tie Blätter freilich begrüßen es als ersten Schritt der Erfüllung der sehnlichsten Wünsche des Volkes und geben der Hoffnung Ausdruck, die Kunde von der Entschließung des Kaisers werde beruhigend aus bie Gemüter einwirken und dem im ganzen Reiche ausgebrochenen Aufruhr ein Ende machen. Tas erste, am Freitag vormittag erschienene Manifest soll, wie privatim 'gemeldet wird, dem Kaiser von der reaktionären Partei abgerungen worden sein, die das Ultimatum der Arbeiter und die Drohungen mit dem Gesamtausstande mit einem Aufruf au das Volk habe beantworten wollen. Die Wirkung dieses Manifestes sei unheilvoll gewesen, da man in ihm eine Aufforderung zum Bürgerkrieg zu erblicken geglaubt habe. Der Kaiser habe eingesehen, daß das Schicksal des Regimes und vielleicht überhaupt Rußlands auf dem Spiele flehe und er habe den Lcrndwirtschasts- minister Jermolow und oen Finanzminister Kokowzow nach Zarskoje Sselo berufen, und am Wand noch sei das zweite Manifest veröffentlicht worden. Aus anderer Quelle verlautet dagegen, daß beide Manifeste gleichzeitig fertiggestellt worden seien. Durch das erste habe bekräftigt werden sollen, daß der Zar seine vollständige Aktionsfreiheit zu wahren gedenke und durch das zweite habe verkündet werden sollen, daß er nus eigenem Antrieb die Erwählten des Volkes an! die Regierung teilnehmen lassen wolle.
Tie Japaner setzen inzwischen ihre Offensive gegen Kuropatkin erfolgreich'fort und verdrängen die Russen aus einer Position nach der andern; die Kämpfe spitzen sich auf der ganzen Front immer mehr zu einer entscheidenden Schlacht zu. Die Ehcmcen der Russen sind dabei keineswegs günstig; ihr rechter Flügel ist von den Japanern bereits umgangen worden, der F"ind steht dicht vor Muk- den, und es erscheint mehr als zweifelhaft, ob die Russen^ noch länger im stände sein werden, den Japanern dort. Widerstand zu bieten. Aus Petersburg kommen sogar bereits Meldungen von einem Rückzüge Kuropatkins, der Mukden aufgegeben haben soll. Unsere heutigen Kriegs- depischen zeigen jedenfalls, daß Kuropiatkins Armee bereits so g'.ut wie umklammert worden ist und ihrem Untergänge entgegensieht.
^arftitncntatif(fie$ aus Keffeu.
Folgende dringende Anfrage haben die Abgeordneten v. Brentano, Dr. Frenay, Hirschel, 5lorell, Leun, Molthan, Reinhart, Schlenger, Dr. Schmitt, Seelinger, Wolf und Windecker an die Negierung gerichtet:
Sft die Grofh. R-»weruna geneigt, der Kammer Auskunft tu gebm über das Rc-suckat der Untersuchung, welche auf Antrag des Großh. Ghmnasiwdirektc'rs Tr. Schädel in Gießen gegen iolcfm eingelcitet worden ist?
Die Absicht der Interpellanten ist gewiß sehr löblich, aber sie hätten ihre Anfrage doch in etwas besserem Deutsch abfassen können.
Der Entwurf eines Gesetzes, betr. die Förderung der Bodenkultur im oberen Vogelsberg liegt nun im Drucke vor. Wir kommen auf ihn noch zurück.
Der 2. Alisschuß der Zweiten Kammer vermag dem Beschluß der Ersten Kammer bezüglich der staatlichen Schlachtviehversicherung, d. h. bei Art. 4 auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage, nicht beizutreten. Er beharrt auf seinem ersten Beschlüsse und hält die Wertgrenze j
des Entschädigungsanspruches von 25 Mk. als zu hoch gegriffen und eine solche von 15 Mk., wie anfänglich von ihm beantragt, geeigneter, und zwar dies umsomehr, als 1. Kostenersparnisse durch Untersuchungen bei den hier fraglichen Wertansätzen nicht eintreten werden und 2. der Geschädigte, wenn in bedürftigen Vermögensverhältnissen stehend, jeglichen Verlust ohnedies als eine Härte emvftndet. Demgemäß beantragt der Ausschuß: Beharren auf dem früheren Beschlusie zu Art. 4.
Die Bürgermeisterei Friedberg bittet, den Entwurf eines Gesetzes, die Errichtung und Leitung von technischen Privatunterrichtsanstalten betreffend, an den Gesetzgebungsausschuß zur nochmaligen Beratung znrückzugeben, „weil durch dieses Gesetz in der beantragten Fassung die gedeihliche Weiterentwickellmg der Friedberger Anstalt ernstlich gefährdet erscheine und bei deren Aushebung oder Verlegung nach einer anderen Stadt außerhalb Hessens sowohl der Stadt Friedberg, als auch ein größerer Teil ihrer Bewohner finanziell ganz erheblich geschädigt werden würde".
Ferner liegt ein weiterer Bericht des zweiten Ausschusses über die Negierjmasvorlage, betreffend das Beerdigungs- wesen, vor. Der Ausschuß ist im wesentlichen mit dem Gesetzentwurf erwidert. Aus eine Vorstellung des Hess, evangelischen Pfarrvereins hat die Großh. Negierung erschöpfend beantwortet. In der Antwort heißt es:
Tie Großh. Regierung erachtet cs als selbstverständlich, das; auf den öffentlichen Friedhöfen, die zu Beerdigungen für die Angehörigm aller Konfessionen bestimmt sind, auch die mit den Begräbnissen zusammenhängenden religiösen Kultusbandlimgen voraenommcn werden können. Tie Aufnahme einer ausdrücklichen diesbezüglichen Bestimmung in den Gesetzentwurf dürfte umsomehr entbehrlich erscheinen, als den staatli'ch anerkannten Religions- gemeinsckaften die freie öffentliche Ausübung ihres Religions- Kultus drirch Artikel 21 der Hessischm Verfassungsurkunde und durch das Gesetz vom 2. Älugust 1848 die religiöse Freiheit betreffend, gewährleistet ist und als die Gemeinden schon aus diesem Grunde die Vornahme von Kultushandlungen, die sich auf Beerdigungen beziehen, auf den in ihrem Eigentum stehenden Friedhöfen nickt würden verbieten könnem Sollte es dagegen der Absicht des Antragstellers entsprechen, daß eine Bestimmung in das Gesetz ausgenommen werde, wonach die freie und unbeschränkte Ausübung auch solcher Kultushandlungen, die nicht unmittelbar niit den konfessionellen Beerdigungen Zusammenhängen, auf den ösfent-- lichen Friedhöfen gewährleistet wird, so dürfte diese Forderung im Hinblick aus die Bestimmung der Friedhöfe für den allgemeinen Gebrauch als zu weitgehend erscheinen. Tie Beantwortung der Frage, ob eine bestimmte religiöse Feier als Kultushandlung aufzufassen ist, bietet, wie die Verhandlungni der Hessischen Landessynode vom 26. Oktober 1003 die Jnterpellcckion. das Verbot der F r i e d ho f s w e i h e in Gießen betreffend, mit denen der vorliegende Antrag in gewissem Zusammenhang stehen dürfte, dartun, in manchien Fällen nicht geringe Schwierigkeiten. Unter allen Umstünden dürften die kirchlichen Organe die alleinige Entscheidung dieser Frage für sich in Anspruch nehmen. Gerade hieraus könnten bei Aufnahme der vorgrschiagenen Bestimmung in den Entwurf 'ztvffchen dcn Gemeindeorgancn und den Kirchenvorstanden T>ifferenzpunkte erwachsen, deren Entstehung besser vermieden wird.
Der Ausschuß steht auf dem Standpunkt, daß durch die Antwort der Großh. Regierung wesentliche Bedenken beseitigt sind. Er erachtet es ferner für wünschenswert, daß auch die religiösen Gefühle der christlichen Konfesfionen bei den Leichentransporten, bei der Bestellung von Leichenmeistern u. s. w. möglichst geschont werden. Er schlägt deshalb vor, einen Artikel folgenden Wortlauts einzufügen:
Für jede Gemeinde ist durch Ortsstatut eine Begräbnis- und Friedhossordnung zu erlaiffen, welche die religiösen; ^n^'mnmaen der Konsessionsgemeinden und religiösen Verbände zu berücksichtigen hat und von unserem Ministerium des Innern zu genehmigen ist. Tie vorhandenen Begräbnis- und Friedhofsordnungen bleiben in Kraft, soweit sie mit diesem Gesetz nicht ut Widerspruch stehen.
Kirche und Schule.
Berlin, 4. März. Professor Mellmann, besten Wahl zum Direktor der Nealabteilung der Hohenzollernschule in Schöneberg das Kultusministerium nicht bestätigt hat, sendet an die „Tägl. Nundsch." eine Berichtigung. Es sei unrichtig, daß Frau Mellmann an die bei der Bestätigung beteiligten Personen in Massen anonyme Briese geschrieben habe. Sie habe vielmehr nur im Jahre 1898 während einer schweren Krankheit einige anonyme Briefe an ihn selbst und an einige ihm damals befreundete Kollegen gerichtet.
Südwestairika.
— In dem dem Reichstage demnächst zugehenden Rach» trags-Etat für Deutsch - Südwestafrika wird auch eine Summe gefordert werden zur Errichtung, Unterhaltung unb> Bewachung von Konzentrationslagern für gefangene Hereros und Hottentotten.
— Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Reiter- Gottlieb Geiger, ist an Typhus, Reiter Friedrich Schmieg in1 Waterberg an Erbrechen erstickt.
Eingesandt.
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cv , . . Gießen, 6. März 1905.
•ölt „letzter Stunde war es einigen begeisterten Bergsteigem noch möglich, für kommenden Dienstag ein „alpines Fest* ,ju arangiei'ein und zwar fall es auf der sogenannten „ Krache- bürg stattsmden. Auf die Ausschmückung des Daches, die Dienstag morgen vorgenommen wird, soll besondere Sorgfalt ver- weiwet werden. Um das ganze Bild natürlicher zu gestalten, haben die Bergfexe nicht die Mühe und Unkosten gescheut, einige kletter- gewande Kühe und Ziegen zu engagieren; auch finden junge bliche Sennerinnen eine jeder Zeit liebenswürdige Aufnahme» Der allgemeine Aufstieg erfolgt von der Neuen Baue; die Errichtung einer Unfallstation wurde selbst von maßgebender Stelle für unnötig gehalten, da die schräge Lage der Frontseite keinen regelrechten Absturz erwarten läßt. Für warme und kalte Speisen wwie Getränke soll aus der Nachbarschaft ans's beste gesorgt sein, W dan selbst die verwöhntesten Bergsteiger volle Befriedigung finden.
t tf)nuern jedoch ist es ernstlich verboten, etwa mit Eonietti, Papierschlangen oder gar Kreppeln zu werfen, da hierdurch sehr leicht der Einsturz des schönen altertümlichen, eine Zierde der Stadt bildenden Hauses zu befürchten wäre.
Mehrere Fexe.
n P®* ‘ '-.'.Oe, brechd'irc rail, l •'irmkatarrh.
Jtbewahrh


