Ausgabe 
7.6.1905 Drittes Blatt
 
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als Vertreter des Landeskonsrstoriums Konsistorialrat Dr. Knaur-

Vor Eintritt in die Hauptverhandlung machte der Vorsitzende den Parteien den Vorschlag, die leidige Sache auf dem Vcralerchs- tocflie zn beseitigen. Nachdem von dem Angeklagten bte Zurück- nlalmre der Beleidigungen verlangt wurde, und dieser erklärt hatte, er könne sich dazu nur bereit finden, soweit eS bte Wahrheit, seine Ehre und seine Ueberzeugung zuließen, wurden wettere Vergleichsverhandlungen als absolut erfolglos abgelehnt. Der Eröffnungsbeschlust, auf Grund dessen gegen Pastur Ebeling verbandelt wurde, lautete im wesentlichen tote folgt: Der Pastor Ebeling erscheint verdächtig, den Geh. Rat Professor Dr. Wach, den Pfarrer Rausch und den Geh. K'irchenrat, .Professor Dr. Rietschel in Leipzig, öffentlich beleidigt und zugleich öffentlich in Beziehung auf diesen nicht erweislich wahre Tatsachen behauptet und verbreitet zn haben, welche denselben verächtlich zu machen und in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet sind, insofern er erstens in dem von ihm verfassten und in der ZeitschriftDer Hausvater" unter der UeberschriftDer Dom zu Meisten" veröffentlichten Artikel das Verfahren des Professors Dr Wach alsim höchsten Grade rücksichtslos" bezeichnete und weiter hervorlwb, dast gegen Professor Dr. Wach hrlsher von dritter Seite der Vorwurf desHochmuts" undprovokatorischen Auftretens erhoben worden fei* ferner einer von ihm verfasstest und an eine gröbere Anzahl Personen verteilten Schrift in Be­ziehung auf das Verhallen des Pfarrers Rausch gegen ihn (den Angeklagten^ in einer Angelegenheit bemerkte, dast auf dieses ein recht bedenksiches Licht gefallen sei" und Rauschein un­würdiges Dovpelspiel" zum Vorwurf machte: zweitens insofern er schriftlich und mündlich den Geh. Kirch en rat Prof. Dr. Rietschel als einen u n z u v e r l ä s s i g e n und ung laub- würdigen Zeugen bezeichnete, ihn der Unwahrhafttgkeit, des Stimmenfangs (für die kirchlichen Gemeinden,ahlenl: eines brüsken Auftretens sowie der Erhebung leichtfertiger Anklagen gegen ibn lden Angeschuldigten), die er nicht habe aufrecht er­halten können, des Sichdrangens zur Eidesleistung in einem

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Rom, 5. Juni. Der König empfing heute in besonderer Audienz als Vertreter des Exekutivkomitees für die unter dem Ehrenvorsitz des deutschen Botschafters stattgebabte Schiller-. feier den Grafen San Martino, die italienischen Schriftsteller Baffieo, Lucio, Ambra, Oliva Falena und Cortese, sowie die deutschen Journalisten Barth (93eil. Lagebl.), Zacher (Frkf. Ztg.) und Philipp (Wolssbureau).

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Wahrnehmungen im Pfarrhof am Vorabend des Mordes.

Lehrerin Fräulein Elisabeth Meinhardt bekundet, daß sie am Mcnddes 11. November im Pfarrhof verdächtiges Ge-

Die^nntsh^ttrin des ermordeten Pfarrers, Fräulein Sulz­bach hat dieselben Wahrnehmungen gemacht. Letztere erzählt, dast sie in der Rackst einen Schrei gehört habe. Sie sei tut» dem Bett gesprungen, habe das Fenster geöffnet: da sie aber nichts weiter gehört, habe sie sieb wieder zu Bett gelegt und bis zimt folgenden Morgen geschlafen.

Da8 AngenscheinSprotokoll.

Es wird danach das Augenscheinsprotokoll verlesen. Als­dann werden noch einige Zeugen vernommen, die nach Entdeckung der Mordtat ins Pfarrhaus gekommen sind fcteTCiuf wird die Verhandlung auf Mittwoch, vorntittags 9 Uhr, vertagt.

(Fortsetzung im Ersten Blatt.)

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. gegenüber der Stadtkirche.

Disziplinarverfahren gegen ihn (den Au geschuldigten), um da­mit sich selbst zu nützen, des Mangels an Gewissenhaftigkeit und Pflichtgefühl sowie sonstigen unlauteren d o ppel ngt-! gen und überhaupt sittlich verwerflichen Ver>- haltens beschuldigte überdies aber betreffs Rietschel ins­besondere behauptete, dieser habe, bei seiner in,dem Disziplinar­verfahren vor der Kircheninspektion erfol,'ten eidlichen Vernehm­ung als Zeuge einen fahrlässigen Kalscheid geleistet und gegenüber der daraufhin wider ihn en gereichten Strafanzeige die Strafverfolgungsbehörden durch unto hre Angaben und Ent­stellungen zu seinen Gunsten getäuscht und zu unrichtigen Auf­fassungen verleitet, ihn (den Angeschuldigten) aber aus diesem Anlast in unverantwortticher Weife verdächtigt und herabgesetzt.

Wir werden das Urteil mitteilen.

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G-iu sensationeller BeleidigungSprozetz.

Leipzig, 6. Juni.

Seit Mitte der 90 er Jahre waren in der Kirchmg-memde zu St Nikolai in Leipzig M e inun gsv erschiedenheiten entstanden, die im c>aufe der 3eit zu' grüsteren Auseinandersetzungen führten. Schlststlich hattt sich auch die Staatsanwaltschaft mit der Materie zu befassen. Eine Folge dieser Auseinandersetzungen war dew gegenwärtige ex officio 9egen den Diak0nus an der Niknlaiaemeinde Pastor Ebeling eingeleitete St r a s- verfahren wegen Beleidigung, dem sich Geh. Ktrchen- rw Rietschel, 'der derzeitige Rektor magnisieus unserer Uni­versität, Geb. $?ofrut Dr. W a ch, und Pastor R a u s ch als Neben­kläger anqeschlossen haben. Den Ersitz führt Landgertcht-direktor Dr Müller Als Verteidiger Pastor Ebelings fungieren die Rechtsanwälte Dr. Drucker-Leipzig und Giese-Dresden, als Ver­treter ür den Nebenkläger Rietschel Rechtsanwalt Dr. Mtttel- städt ür &ucb Justizrat Dr Peter. Der Verchandlung wohnt

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