Nr. 6
Zweites Blatt
155. Jahrgang
NotattonSdruck unb Hi erlag öer Brühl Iche» UntoerfttätSbrucferet UL Lange Dtetz«.
Redaktion. Expedition a. Druckerei: Schulftr.f.
Lei. Nr. 6L Leiegr^-Adr. i Anzeige* GietzeM
Grlcheint «glich mti vn-nahme des Sonntag».
Die ^Siehener Familienblätter- werden dem ,yn^etqei otermal wöchentttch beigelegt. Der mhekstl^r £anöwur erichemi monatlich einmal.
_ .. _ Samstag?♦ Januar 1905
Gletzener Anzeiger
General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.
Aus Südwellafr.La.
Reue Kämpfe.
Bersin, 6. Jvn. (Amtlich.) General von Trotha meldet ans Windhuk unterm 5. Januar: Oberst Deimling beabsichtigte am 4. Januar die Gochas konzentrisch anzugreifen mit der Abteilung Meister (4., 5., 7. Komp, und Batterie Stähl'» den Auob abwärts, mit der Kompagnie Ritter und der Halden Batterie Stuhlmann von Gibeon über Goamus und mit der Abteilung Lengerte (8. Komp, und 8. Batterie) von Koes über Persip. Major Meister stieß bereits am 1. Januar um 6 Uhr abends bei S t a m p - rietfontein auf 500 bis 600 Hottentotten. Diese hielten trotz wiederholter Bajonettangriffe bis 9 Uhr 30 Minuten abends nach Eintritt völliger Dunkelheit Stand und zogen sich erst unter dem Schutz der Nacht auf beiden Ufern des Auob in der Richtung auf Gochas zurück. Meister folgte am nächsten Morgen. Die Verluste des Feindes, welche b e d e u te n d gewesen sein müssen, sind noch nicht festzustellen gewesen. Der Hererokapitän' Friedrich von Omburo gab am 4. Januar zu Omarnru seine Gewehre ab. Seine Werft will diesem Beispiel folgen. Bis jetzt sind 50 Männer und 150 Frauen in Omarnru zugelaufen.
Unser englischer guter Freund und getreuer Nachbar.
Tie „Köln. Ztg." bringt folgende, offenbar auf amtlicher Auskunft beruhende Note: Die Behauptung, daß Hottentotten und Bastards aus der Kapkolonie in Trupps die Grenze überschreiten, um ihren Stammesgenossen in dem Aufstand gegen die Deutschen zu helfen, und daß diese Angelegenheit jedenfalls auch schon in Berlin im Auswärtigen Amt zu diplomatischen Verhandlungen in Erwägung «gezogen sei, entbehrt, wie wir hören, des tatsächlichen Hindergrundes. Es ist nichts darüber bekannt geworden, daß die Aufständischen in beträchtlichen Masse aus dem englischen Südafrika Zulauf erhalten. Der Räuberbande des Morenga, zu der von allen Seiten kriegt- und beuteln uig^s Gesindel stößt, werden auch sicherlich einzelne Leute ans den naheliegenden Gebieten der Kapkolonie zulaufen. Ties würde aber auch von einer starken englischen Grenzwache bet ernstlichem Bemühen nicht verhindert werden können. Aber der llmstand, daß Hendrik W i t b o i, dem sicher die feigen, hinterlistigen Mordtaten seiner Stammesgenossen gegen wehrlose Europäer in erster Linie mit zur Last zu legen sind, anscheinend auf englischem Gebiete eine Zuflucht gefunden hat, weist wieder einmal energisch darauf hin, wie notwendig es ist, daß die in Aftika kolonisierenden europäischen Mächte internationale Abmachungen treffen, damit nicht die Verfolgung verbrecherischer Eingeborenen an den Grenzen der kolonialen Gebiete Halt zu machen gezwungen ist.
Hoffentlich wird dieser Einsicht entsprechend nun auch von der deutschen Regierung gehandelt. Bedauerlich ist die Meldung, daß Witboi, anstatt gefaßt und gehängt zu werden, nunmehr wahrscheinlich auf englischem Gebiet sich seiner Mordtaten freut.
Die ZZergarbeiteröewegung im Mvhrrrvier.
Langendreer, 6. Jan.
Heute fand hier eine Belegschaftsversammlung der Mittagsschicht der Z"che Bruch st raße statt. Dietz berichtete über die Verhandlung der Kommission und nannte das Verhalten der Zechenverwaltung eine Herausforderung. Husemann-Bochum kritisierte bas Verhalten der Zechen- verivaltung. Ein italienischer und ein polnischer Redner erklärten, daß bei einem eventuellen Streik die polnischen und italienischen Arbeiter sich mit den deutschen solidarisch erklären würden. Ein anderer Redner machte die Mitteilung, daß Mülheim sich bereits Militär gesichert habe und bei Ausbruch eines Streikes auch hier in Langendreer binnen vier Stunden Militär zur Hand habe. Der Vorsitzende des Bergarbeiterverbandes, Reichstagsabg. Sachse, erklärte, daß die Verlängerung, der Schichtzeit nicht nur für das Ruhrgebiet, sondern für den ganzen Bergbau in Frage kornme. Er schlägt folgende Resolution vor:
„Die Belegschaftsversammlung protestiert nochmals gegen das Verhalten der Zechenverwaltung, sodann protestiert sie auch gegen das Verhalten des Betriebsverwalters Knepper, der die Kommission geradezu durch sein Wiederbestellen und Hinziehen vernarrte. Die Versammlung protestiert ferner gegen das Vorenthalten der Kohle an Belegschaftsmitglieder. Sie betrachtet auch dieses als eine Provokation. Die. Versammlung erwartet von den Vermittelungsverhandlungen vor dem Oberbergamt in Dortmund die Zurücknahme des Anschlages, da die Belegschaft verlängerte Seilfahrten nicht anerkennen wird. Mag es biegen oder brechen: wir wollen den Frieden, aber unter keinen Umständ en verlängerte Schich t."
Die Resolution wurde einstimmig angenommen.
Dortmund, 6. Jän. In den Verhandlungen bezüglich der Angelegenheit des Anschlages auf Zeche Bruchstraße, an welcher der Reichstagsabg. Sachse und das Vorstandsmitglied des deutschen Bergarbeiterverbandes Husemcmn teilnahmen, lehnte das Oberberg amt die Vermittelung ab und v erwies die Belegschaft an das Einigungsamt des Berggewerbegerichts.
Bochum, 6. Jvn. In der zwe i ten B ele g s ch a f t s- Versammlung der Zeche Bruchstraße hntrbe die Resolution gleichfalls angenommen. Das zuständige Einigungsamt, an welches das Oberbergamt die Kommission verwiesen hat, ist in Witten. Dre Belegschaft soll Samstag zur Stelle sein. Wenn die Kohlcnscheine nicht wie ftüher abgegeben werden, soll die Einfahrt unterbleiben.
Essen, 6. Jan. Die Belegschaft 25 der Zeche Herkules hält am Sonntag Versammlungen ab. Es besteht die Hoffnung, den wegen der Maßregelung des Knappschaftsültesten Wagner entstandenen Konflikt friedlich beizulegen.
Volitilche Tagesschau.
Für ein Tobakmonopol
sucht nun auch die .Deutsche TageS.stg.* Stimmung zu machen. Das Organ des Bundes der Landwirte stellt die Reichs-Regierung als viel zu zimperlich hin bei der Inangriffnahme neuer Steuerprojekte. Die „Deutsche Tagesztg." ruft wie folgt nach einem starken Mann für die Durchdrückung neuer Steuerprosekte:
„Durch einen Teil der linksliberalen Preise geht ein Artikel, der in der Beiürchtung ausklingt, daß ein Tabakrnonoool nicht außerhalb des Bereichs des Möglichen liegen könnte. Es ist eigentlich überflüssig, besonders itnb ausdrücklich hervorzubeben, daß derartige Befürchtungen ganz uud gar unbegründet sind. Eine Ne-- gierung, die nur die Kunst des Möglichen versucht und innere Krisen grundsätzlich und mäalichst meiden will, kann nicht aus den Gedanken fommcn, die Eiwübrung des Tabaknwnapols zu fordern. Dazu gehört eine Nervenstärke und eine Entschiedenheit, deren Vorhandensein heute wohl niemand bebauvten wird. Soviel ist ja zwestelles richtig, daß, wenn der Tabak unbedingt mehr hinten müßte, das Tabakmonopol ein kleineres Hebel sein würde a l s die Erhöhung der Tabak Ü euer. Aber wir sind und bleiben der Meinung, daß es, wenn man nur suchen und .mgrei'en will, andere einwandfreiere Sleuerobjekte gibt, als den Tabak."
Aas Stadt niiö la"d.
Gießen, den 7. Januar 1905.
* * Personalien. Se. Kgl. Hoheit der Groß Herzog haben den Oberlehrer am Gpmnasium und der Oberrealschule pt Worms, Dr. Rebb, auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlassen. — Nachdem der Brasilianische Vizekonsul in Mainz mit Genehmigung der brasilianischen Negierung den Kausmann Goebel in Mainz zum Brastlianischen Handelsagenten daselbst bestellt hat, ist der Genannte in dieser seiner Eigenschaft anerkannt und zugelassen worden.
• • Provinzialausschuß-Sitzung. Am nächsten Mittwoch, vormittags, findet eine Sitzung des Provinzial- Ausschusses der Provinz Oberhessen mit folgendcr Tagesordnung statt: 1. Gastwirtschaft des Helfrich Reichard von Himbach, hier Antrag auf Entziehung der Konzession. 2. Zurücknahme des der Elisabethe W e i g a n d von Ober-Widders- beim, jetzt in Rommelshausen erteilten Wandergewerbescheins. 3. Zurücknahme des dem Wilhelm Weigand von Ober- Widdersheim, jetzt in Rommelshausen erteilten Wandergewerbescheins.
• • DieMeldepflicht. Wie aus einer Bekanntmachung deS Großh. Polizeiamts zu ersehen ist, werden die Bestimmungen über die Meldepsticht hier vernachlässigt. Namentlich wird in vielen Fällen die Anmeldung der von auswärts zuziehenden Ehefrauen unterlassen. Auch verspätete Meldungen, hauptsächlich der Wegzüge, sind bisher in größerer Zahl zu bemerken gewesen. Der Eintritt militärpstichtiger Personen zum aktiven Dienst und umgekehrt die Rückkehr in den elterlichen Haushalt oder die frühere Stellung wird vielfach nicht gemeldet. Wir weisen deshalb darauf hin, daß jede Person, welche in Gießen zu- oder wegzieht oder ihre Wohnung verändert, alsbald dem Polzeiamt Mitteilung zu machen hat. Wird diese Meldung unterlassen, so ist derjenige, welcher dem Zu- oder Wegziehenden Wohnung oder Unterkommen gewährt hat, zur Meldung verpflichtet. Ferner ist jeder Dienst- bote oder gewerbliche Arbeiter, sobald er in einer Stelle eintritt, oder sie verläßt, zur Meldung verpllichtet, und falls diese Personen die Meldung unterlassen, sind die Gewerbetreibenden selbst oder die Dienstherrschaften dazu verpflichtet. Um sich vor Strafen zu schützen, ist deshalb in Zukunft geboten, die Bestimmungen der Meldeordnung, wie sie in dem amtlichen Teil zum Abdruck gebracht sind, genau zu beachten.
* • Konzertverein. Ondrieek-Konzert. Aus der neuesten Zeit liegen uns Berichte aus Darmstadt, Karlsruhe, Baden-Baden und Berlin vor. Ueberall wird seine bewunderungswürdige Technik anerkannt, vor allem aber, daß er ein tiefer echter Künstler ist, dem jede Effekthascherei' fernliegt. Seiner Geige entlockt er, schrieb man in Darmstadt, eine Welt überirdischer Harmonien bei absoluter Reinheit des Striches unb vollendetem Adel der Auffassung. Sein durchgeistigtes Spiel hat in Herrn Josef Fa m era einen ebenbürdigen Partner, der die Begleitung auf das künstlerisch beste aus- sührt unb in seinen Solostücken den stürmischsten Beifall de8 Publikums gewinnt. Alles in allem steht uns ein ganz außerorbentlicher Genuß bevor, so daß jedermann diesem Rivalen eines Sarasate, dem er dazu an männlicher Kraft unb Vornehmheit überlegen ist, sicherlich ein ausgezeichnetes Angebenken bewahren wirb.
Lau dach, 6. Jan. Dem „Gr. Anz." wirb mitgeteilt, daß mit Wirkung vom 1. Januar 1905 durch Entschließung der Vormundschaft des derzeitigen minderjährigen Chefs des gräflichen Hauses Solms-Laubach der gräfliche Kammerrat Bröckelmann auf sein Nachsuchen von den Geschäften bes Leiters bcr gräflichen Generalkasse unb Mit- gliedS der gräflichen Nentkammer entbunden und in den Ruhestand versetzt, unb bem Großh. GekichtSasseffor Birnb a u m unter Ernennung zum gräflichen Kammcrdirektor die Leitung der gräflichen Nentkammer unb Generalkaffe übertragen worben ist.
Wormv, 6. Jan. Mit einem Neubau hat mau die alte ^Ntarti nspf orte" wieber aufleben lassen. Diese stand am nördlichen Ende der alten Befestigung und verschloß den Zugang zur Hauptstraße, der in ihrem heutigen Zuge schon zu Römerzeiten vorhandenen jetzigen Kämmererstraße. Die neue Martinßpforte gibt den alten Baugedanken im wesentlichen wieder. Ntußte auch der ganz andere Zweck deS Neubaues, in welchem sich im Erdgeschoß Geschäftsräume
befinden, während die Obergeschosse zu Wohnräumen auS- gebaut sind, mitbeftimmenb auf die äußere Gestaltung einwirken, so sind doch namentlich in dem an der Straßenkreuzung siebenden Turmbau die Hauptmotive des alten Stadttores wieder verwendet. Die spitzbogige Durchbrechung des Erdgeschosses, der reichgeschnitzte offene Erker aus Eichen- holz, wie der weitere Aufbau mit einem prächtigen in Stein gehauenen Stadtwappen, daneben die den Uebergang zu den rückwärtigen Bauteilen vermittelnden Erkertürme, lassen die alte Martinspfotte in frischer, moderner Auffassung wieder aufleben. Die Fassaden des Turmes, sowie das ganze Erdgeschoß, die Fenster und Giebelumrahmungen sind in rotem Pfälzer Sandstein ansgesührt. Der Neubau ist von der Stadt Worms errichtet unb wurde vom Stadtbauarn^ entworfen unb ausgetührt.
Hanau, 5. Jan. Aus Hörst ein wirb berichtet, daß dort aus einem Postwagen ein Wertstück von etwa 1500 Mk., enthaltend gerolltes Silbergelb, cntroenbct worden ist. Das gestohlene Wertpacket enthielt eine Vorschußlieftrung der Postbezirkskasse für die Postagentur Wasserlos. Der Inhalt bestand aus 1000 Mk. in Fünfmarkstücken unb aus 500 Mk. in Kronen. Der Diebstahl erfolgte abends um Uhr, als der Postwagen zur Abfertigung vor bem Postgebäude hielt. Mit dem Postpacket ist gleichzeitig auch der von Dettingen nach Wasserlos bestimmte Postbeutel verschwunden. — Der landwirtschaftliche Kreisverein Schlüchtern beabsichtigt, die Errichtung eines Kornhauses für den Kreis Schlüchtern in die Wege zu leiten.
(Sin Aaubmord in Merlin.
Berlin, 6. Jan.
Schon wieder ist mitten in einem lebhaften Stadtteil der Reich sh auptstadt ein Kapitalverbrechen verübt worden. In der Wilhelmshavenersttaße wurde in der Nacht die Hauseigentümerin und Zigarrenhändlerin Witwe A u g u st e Sinnig geb. Heinrich in ihrem Hanse eruwrdeh und beraubt
Frau Sinnig, die 1858 zu Kirchhain (Kurhessen) boren wurde und schon länger verwitwet war, erwarb lhrj Haus vor sieben Jahren und betrieb durin ihr Zigarren- qeschäst. Sie wohnte für sich allein hinter dem Laden. Ein Bruder von ihr betreibt in ihrem Hause einen Sarg- han bei. Gestern abend schloß die Frau wie gewöhnlich ihren' Laden und ging dann weg. Wett ist sie wahrscheinlich nicht gegangen, denn sie truq zu dem graukarrierten Kleide, das sie im Laden angehabt hatte, keinen Hut, sondern nur ein schwarzes Kopftuch Wann sie zurückgekehrt ist/ weiß man bis jetzt nicht.
Heute morgen wunderten sich ihr Bruder und andere Hausgenossen, daß sie ihren Laden nicht aufmachte. Als man öffnete, fand man die Frau in einer großen Blutlache ermordet vor dem Ladentische liegen. Die Revierpolizei benachrichttgte die Kriminalpolizei, deren l5hef alsbald mit vielen Beamten und der Kommission für besondere Vorkommnisse am Tatorte erschienen. Bald kamen auch Erster Staatsanwalt Steinbrecht und Gerichtsarzt Dr. Stürmer. Die Besichttgung der Leiche ergab, daß Frau Sinnig von dem Mörder durch Beilhiebein den Kopf rtteder- gestteckt und getötet wurde. DaZ Kopftuch war nach dem Genick zurückgescholben. Die Hande hatte das Opfer wie zum Schutz emporgestreckt. Die Hnlbschuhe waren von den Füßen gestteift. Die linke Wange zeigte in der Höhe des Jochbeins eine klaffende Wunde mit glatten, schmsen^ Rändern. Die Wrmde ist sieben Zentimeter lang und geht durch den Knochen. Sie rührt von einem Beil oder Hackbeil her. An der Sttrn besinden sich zwei ebenfalls scharfrandige Verletzungen. Die Ladenkasse war erbrochens und ihres Inhaltes beraubt. Die Ermordete lebte in guten und wohlgeordneten Verhälttttssen. Es ist cmtzw- nehmen, daß sie ihre Hypothekenverbindlichkeiten schon vor Weihnachten geregelt und aus den letzter: Mietenmehrere tausend Mark zu Hause hatte.
Die Ermittelungen ergaben Zunächst, daß die Schuldienerfrau der dem Hanse gegenüberliegenden Schule in der Nacht gegen 1 Uhr in dem Sknnigschen Hanse laute Rufe hörte, ohne darauf weiter zu achten. Es wurde auch festgestellt, daß in der Nackt in dem Hause Licht brannte, das durch die Fugen des Rollvorhanges schimmerte.
Die der Mörder in den Laden gekommen ist, steht noch nicht fest. Der Laden hat an der ©trage ein Schaufenster und eine Tür. Der Raun' ist durch einen Vorhang in zwei Teile geteilt. Der hintere Teil, ein Aufenthaltsraum, grenzt an einen Korridor, dessen Tür zürn Treppenaufgang des Hauses führt. Dahinter liegt nock) eine Art Berliner Zimmer mit dem Bett und den anderen Möbeln der Ermordeten. Wabrsckeinlick hat der Mörder die Korridortür mit einem Nachschlüssel geöffnet oder e,r ist der Ermordeten bei der Rückkehr gefolgt. Die Kriminalpolizei setzt für zweckdienliche Mitteilungen zu seiner Ermittelung eine Belohnung von 1000 Mark au5, die ausdrücklich nur für Privatleute bestimmt sind, nü’1- für die Polizeibeamten.
c-H’tidMgfflitt.
tb. Gießen, 7. Jan. Wegen Uebersckreituitg bc£ 3 ü cht i gü n g Src ch t e s in zwei Tüllen stand gestern ein Volks- s ch n l l e h r e r cnS dein Kreise Schotten vor der Sttafkammcr. Ter Angeklagte, dem bn-3 Zeugnis eines tüchtigen Schulmannes oegeb'n wird, der allerdnrgs etwas hitzig sei, ist bereits wegen der glcich'n Tat mit einem Verweise von seiner Vorgesetzten Hörde besttast worden. Trotzdem hat er ein neunjähriges Mädchen, von dem er behauptet, es sei faul und unmifmerksam, uud welches in der Heimatskunde eine Fraae nicht beantnnntcn konnte, mit dem starken Ende eines fingerdicken Rohrstockes derart über die Schulter geschlagen, haft, wie dessen Angehörige bekunden, rote Striemen an der Stelle sichtbtir würben; der Pfarrer will nur noch eine gerötete Haut am andern Ttrge iwBraenontmm hakvn Trr Vermittelung des Geistlichen gelang es, die Eltern des Mädchens davon abzuhalteu, vorerst Anzeige zu erstatten. Der CVIfl- liche nahm aber ans Anlaß dieses Falles Veranlassuna, den Lehrer zu ermahnen, füt die Folg ba.-? ZüchttgungsreäTt vorsichtiger auSzuüben, oder am besten libcrbanpt nicht zu schlagen.


