Ausgabe 
4.12.1905 Drittes Blatt
 
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He. 285 Fünftes Blatt.

scheint Ägliä) mit Ausnahme des Sonntags. Y

' Eie ..««efjener ZamllienblStter- werden dem S 8 .ÜnActaei viermal roöchcnthdi beigelegt. Der IfJ U .hetftlch« Landwirt" cildjetni monatlich ernmaL

General-Anzeiger,

f>euHcbcs

Berlin, 3. De,. Der Kaiser, der z. Zt. in Schlesien i.)t, hat der Schwester Eva v. Tiele-Winkler eine reichhaltige E),r mlung von Büchern für die Kinder der unter ihrer ! gritvnq stehenden Anstalt FriedenShort in Miechowitz sowie ^tlch-ostafrikonischen Kaffee geschenkt. Dem Grafen von Itli »Winkler schenkte der Kaiser zwei Vasen Kadiner Ur- '.-.iinqefl.

Unter Berufung auf dieManchester Daily DiSpatch* mt»en, so lesen wir in der offiziösen ,Südd. Korr.", aus London im AuSlande Angaben über eine bedenkliche Gr- trank ung Kaiser Wilhelms verbreitet, die nur durch (inf !von einem englischen Spezialarzt vorzunehmende Operation hhoLen werden könne, nachdem die deutschen Kavazitaten rkkio gt hätten. Wenn die Operation mißglücke, sei Schlimmes |u befürchten. (Man wird auch im LluSlande gut tun, nicht 4n lie M ä r vom kranken Kaiser Wilhelm zu glauben.)

Dem preußischen Landtage wird eine Vorlage mgm Erhöhung der Lehrergehälter zugehen. Zur Llichfühning deS VolkSschnllastengefetzes sollen 10 Millionen tu9 «Staatsmitteln in Anschlag gebracht sein.

Dem Reichstage ist heute eine im ReichSmarineamte frarbcitele Sammlung statistischen Materials zugegangen über ^Entwicklung der deutschen Seeinteressen in dem Wen Jahrzehnt. Die Einleitung sagt: 1879 mar. die lieber» jeuging allgemein, daß dec Aufwand für eine starke Flotte nur trine Risikoprämie sei. Die Aufgabe, die zunehmende Be. oiltarung zu ernähren und zu beschäftigen, sei nur erfüllbar, wmiu diejenigen Zweige volkswirtschaftlicher Betätigung ge­frört werden, welche dem Kapital und der Arbeit aller die Wesenheit zum Erwerb geben. Rur so können die Materialien touetrnb bezahlt werden, die als steigender Einfuhrüberschuß allm Schichten der Bevölkerung zugute kommen. Der Um­fing deS Schutzaufwandes muß mit dem Werte der zu frlst«nben Objekte und mit dem Aufwande anderer Mächte frißt ru Deutschlands Ausgaben hierfür sind gewachsen, doch nicht der Vermehrung der zu schützenden Jntereffen voran- pttUU, auch nicht dermaßen, daß andere Staatsaufgaben zu lug gekommen sind.

Hagen L W., 2. Dez. Der Abg. Eugen Richter hat ^Rücktritt von seinem Landtag«inandat (vergleiche fylitt Wochenschau) dem Kreiswahlkomitee der Freisinnigen BollMpartei deS Wahlkreise« Lagen-Schwelm und den Wahl- mlnTiem in folgendem Schreiben zur Kenntnis gebracht:

Gebt geehrte Herren I An zuständiger Stelle habe ich heute p,ste, eigt, daß ich mein Mandat zum Abgeordnetenhause llir den Sablfrei« Hagen-Schwelm niederlege. Daß mir der Entschluß da- Gt frau« schwer gelallen ist, brauche ich meinen Freunden nicht ,ffff jiu sagen; habe ich doch den Wahlkreis schon seit 1870 im 'Ästeordnelenhause vertreten und bin seitdem sieben mal im Wahl- flrtiS iviedergewählt worden. Aber ich konnte mich länger der fltber leugung nicht verschließen, daß mir die Beibehaltung eine« top o e 1 m q n b n 1 6 für Reichstag und Landtag nicht -nie s s ch ist. Da4 Augenleiden ist nicht gebannt, und zx-ttweilig verschwundene RheumatiSmlt« hat sich wieder imachiellt. Deshalb muß ich mich auf den Reichstag beschränken, -in ivkklchem gerade in der nächsten Zeit überaus wichtige Fragen pirS nlscheidung kommen. Unter Verzicht auf da§ Landtagsmandat Joie ich eS zu ermöglichen, demnächst an besonders wichtigen Ab- hinnungen im Reichstag teilnehmen zu können. Derart Htlbe ich mit dem Wahlkreis und der Wählerschaft auch fernerhin uv« rdindung, wenngleich ich aufhore, Mitglied deS Abgeordnelen- kcule» zu sein. Für den Landtag kann es ja auch nicht schwer Mein, einen Ersatz zu finden, sei es im Kreise selbst, sei es arißer- Wb desselben. Mit dem herzlichen Dank für daS mir auch bei '-LanbtagSwahlen viele Jahre hindurch beioiefcne Vertrauen mrdiiide ich den aufrichtigen Wunsch, daß die Nachwahl des Kreises mltntr LandlagSsraklion wieder ein vollkräsligeS Mitglied zu- hien wird.

Dr eSden, S. Dez. Heute wurden hier sieben Protest- ntrfiammlungen gegen daß bestehende Landtags - nistlplrecht abgehalten. Rach Schluß der Versammlungen falben sich die Teilnehmer in geschloffenen Zügen nach der knccen Stadt, wurden von der Polizei in kleinere 9lb- ihilungen aufgelöst. Als die Demonstranten Brücken zu über» ffyeiilen suchten, wurden sie von der Polizei mit blanker Kaffe daran gehindert. Dabei wurden einige Per- j|;n r n verletzt. Vor dem königlichen Schloß veranstalteten gna 1000 Personen eine Kundgebung, wurden aber eben- 115 von den Polizeimannschaften mit der blanken Waffe gjnirfgeroorfen. Auch hierbei wurde eine Anzahl Personen wrlctjt und mehrere verhaftet. Versuche zu fiunbgebungen eot der Wohnung deS Staatsministers v. Mehsch wurden D:n der Polizei gleichfalls unterdrückt. Die Gesamtzahl der D,n onstranten dürste 16 000 überschritten haben. Die Ail itärwachen standen unter Gewehr.

Eine Versammlung sächs. Tabaksabrikanten, $nlbler und Arbeiter protestierte gegen die weitere 06ie ue r beiq ftu ng be§ Tabaks, da die Industrie schwer sch ädigt und zahllose Arbeiterentlaffungen unvermeidlich seien.

Chemnitz, 3. Dez. In fünf verschiedenen Lokalen *H*n heute Verstnnmlungen statt, in welchen gleichlautende Wutionen zu gunflcn des allgemeinen gleichen tiiskten und geheimen Landtagswahlrechts an» jtncunmen wurden. Rach Schluß der Versammlungen zogen Basiere tausend Teilnehmer unter Veranstaltung von Kund- ;ibumgen gegen daS bestehende sächsische Landtagswahlrechi ^icS, die Straßen. Am Rathausplatz trat ben Manifestant-'n m starkes Polizeiaufgebot entgegen und zerstreute die Wenge. & wurden sechs Verhaftungen vorgenommen.

Rudolstadt, 2. Dez. In der heutigen Sitzung des l&nätageS wurde die Forderung der Regierung, die K a m e r a l- :«ntle des Fürsten um 32 000 Mark zu erhöhen, ab- ,;k!«hnt. Staatsininister Freiherr von der Recke erklärte :biramf den Landtag für aufgelöst.

Karlsruhe, 2. Dez. Ter Großherzog hat u. a. den «fthsiren ReichStagSabg. Wirkl. Geheimrat Albert Bür kl in in) den Profcffoc an ser Akademie der bilbenben Künste,

155. Jahrgang

Amis- und Anzeigcblatt für

Dr. HanS Thoma, zu Mitgliedern der Ersten Kammer ernannt. Zum Präsidenten der Ersten Kammer wurde Prinz Karl, zum ersten Vizepräsidenten Graf Franz von Bodmann, zum zweiten Vizepräsidenten Dr. Bürklm ernannt.

Straßburg, 2. Dez. Wie amtlich mitgeteilf wird, ist zur Restaurierung der HohkönigSburg ein Bar» betrag von 850 000 Mark über den ursprünglichen Kosten­betrag von 1 400 000 Mark erforderlich. ES sind Verhand­lungen eingeleitet, um Elsaß»Lothringen und das Reich (? WaS hat das Reich mit dieser Kaiserburg zu tun? D. Red.) zur Deckung dieser Mehrforderung heranzuziehen.

Teutsch-OsiasritanischcS.

Tie Militärstationen Tabora, Kilimatinde und Muanza melden, daß die Ruhe in ihren Bezirken nunmehr ge­sichert erscheint. Tie Wahehc aus dem Kilossabezirk haben an der Südgrenze des Bezirks Mpapua die Eingeborenen beruhigt. Ter Stationschef von Mpapua hat Leutnant Lade­mann mit 15 Askari in ftibö postiert.

TerKöln. Vztg." wird aus Tabora gemeldet, Anhänger der Araber verbreiteten dos Gerücht, daß an der Küste, sowie im Süden die Häu,er aller Europäer verbrannt, diese selbst niedergernetzelt wurden, dasselbe gcsck^he auch im Innern. Tie Nachrichten rufen große Beunruhigung hervor

Kcer und A otie.

Loudon, 3. Tez. Heute ist ein Blaubuch erschienen, das wichtige Mitteilungen über die P o l i t i k d e r Omi- mi rali tat enthält. Tarin wird aus geführt: Tie Ver­teilung der Kriegsschiffe in Friedenszeiten hängt in hohem Maße von den kaleidoskopartigen Veränder­ungen in den internationalen Beziehungen ab Ter Bestand der Kanalslotte ist feit März dieses Jahres auf 17 Schlachtschiffe erhöht worden und jedes der Kreuzer» geschwader auf sechs Schiffe vom neuesten Tvp. In den für Juni 1906 angeseyten Manövern wird jedes für den Kampf bestimmtes Schiff in See gehen und es wird eine ausgedehnte Erprobung des neuen Planeszum Schutze des Handels" slattfinden. Tie ständigen Än- forberungen werden binnen kurzem den Dau von vier großen armierten Schiffen jährlich notwendig machen, es wird aber keine «Schwierigkeit bestehen für alle weiteren Vermehrungen, die notwendig sind zum Äusgle'.ch gegenüber den fremdlandiiclien Flotteuvermehrungen. Tas Blaubuch nimmt sodann Bezug ans die Besuche^ englischer Schiffe in ausländischen und kolonialen E^ewässern und bemerkt dazu: Eine so imposante Entfaltung der Flagge und der M a cy t der britischen Marine in fast allen Teilen der Erde ist noch niemals eingetreten, wie in diesem Jahre. Nichtsdestoweniger wird der Marineetat im kommenden Jahre um IV? M i l l i o - neu Pfund Sterling herabgseht werden.

ZLusstlche FeuigLeiten.

Ta alle telegraphischen Verbindungen mit und in Rußland unterbrochen sind, Hegen heute nur sehr wenige Nachrichten über die dortigen Ereignisse vor. Nach brieflich eingetroffenen Meldungen aus Warschau drohen )ie streikenden Telegraphenbeamten alle Linien zu zerstören, falls die Behörden Repressalien gegen sie ausüben würden.

Tie Telegraphenbeamten der Eisenbahnen weigern sich, Regierungs-, sowie Privattelegramme zu befördern, er­klärten sich dagegen bereit, zunächst noch die auf den Zug­verkehr bezüglichen Telegramme abzufertigen. Falls die Telegraphenbeamten der Eisenbahnen den Dienst einstellen, was stündlich erwartet w rd muß der Zugverkehr ein­gestellt werden. Tie gesamte sortschrittliche Presse fordert den Rücktritt des Ministers des Innern Turnowo, der für die Zuspitzung der Lage verantwortlich gemacht wird. All gemein heißt es, daß für die nächsten Tage ernste Ereignisse bevorstehen. Tie Sozialdemokraten und Revolutionäre wollen die Gelegenheit benutzen, um den Generalstreik in allen Gebieten zu proklamieren. Tie Regierung ist ent­schlossen, alle Revolten rücksichtslos zu unterdrücken. In Petersburg wurden 25 Mann vom Preobashenski- schen Leibgarderegime nt verhaftet, von denen 15 in der Peter Paulsfestung interniert wurden. Seit einigen Tagen werden in Petersburg keinerlei Zeitungen und Brrefe ausgetragen.

Tie Meldung aus Zarskoje Selo, daß auch dort Massenverhaftung en von Soldaten stattgefunden hätten, wird mit folgendem unsinnigen Zusatz veröffentlicht: Ein Großfürst soll sich zum Tiktator haben erklären und den Zaren verhaften lassen wollen. Tabei habe er sich auf die Unterstützung der Sozialisten mit dem Versprechen vollständiger Reformen verlassen. Seine Agen­ten seien jedoch bei ihrer Agitation unter der Garde zu unvorsichtig gewesen. Ein Adjutant des Zaren habe den Plan entdeckt, worauf sofort Massenverhaftungen vorge­nommen wurden. Irgend eine Bestätigung dieser Nachricht liegt natürlich nicht vor.

Wie verlautet, sind in Moskau große Feuers­brünste ausgebrochen, von streikenden Arbeitern angelegt.

In der Fabrikstadt Zawierze in Polen, Baumwoll­spinnerei A.-G. brach aufs neue ein Streik aus, weil die Forderung der 'Arbeiter, daß ihnen die Löhne für die Streikzeit voll bezahlt werden sollten, nicht erfüllt wurden. Kosaken intervenierten und icuerten auf die Arbeiter. Tiefe antworteten mit Revolverschüssen. Mehrere Arbeiter wurden getötet und verletzt. Tie Zahl der Toten läßt sich noch nicht feststellen, weil die Leichen weggeschafft und heimlich beerdigt wurden. Tie Sozial-Revolutionäre ent­ölten auf dem Lande eine rege Tätigkeit. Sie fordern die Bauern auf, sich gegen die autokratische Regierung zu er­heben und die Vottsherrschaft in Polen aufrurichten, warnen aber eindringlich vor den Provokaftonen der Polizei.

Skns-nnd.

D i e nenefte Eisenbahnunfälle. Am 2. Dez. um 10 Uhr 30 Min. abends überfuhr ein G üterzu g baS Haltesignal am EmfahrtSsignalmaft am Bahnhof Werb o hl (Westfalen) und stieß mfolgedeffen mit einem and-

Montag 4. Dezember 1905

JT.'trtHonehnirf und Vertag der Brübl'tcb« V UnwerfuälSdruckerei. ÖL Lange, Gieße».

US «C ff Redaktion, Expedition u. Druckerei? Echulftr.U, Tel. 91t. 5L Lei egt.-Adr.: Air-erger «Liebe».

den Kreis Eichen.

fahrenden Güterzug zusammen. Em Bremser wurde getötet ein Zugführer leicht verletzt. Der Materialschaben ist er­hebt'd), ber Personenverkehr wirb burch Umsteigen ausrecht- erbnltcn. sDaher wohl bie erheblichen Verspätungen ber Züge auf ben Bahnhöfen unseres Bezirks. D. R.)

Lonbon, 2. Dez. Der »Daily Telegraph^ meldet auS Tokio, daß in ber koreanischen Hauptstadt Söul Un» ruhen ftntlgefunbcn haben. Der frühere koreanische Minister Binve ikam , ber Führer ber ruffophilen Partei in Korea, verübte Selbsi morb. Gleich banach v ergiftete sich seine Frau und starb unter großen Schmerzen. Dieser Vorfall erregte das Vol. und eine große Menschenmenge griff die Japaner in Söul an. Die japanische Gendarmerie in Söul griff ein und jagte die Koreaner auseinander, aber erst nach heftigen Straßenkämpfen, bereu politische Bedeutung auch m Tokio nicht verkannt wirb.

Rom, 2. Tez. Rach bem »Echo be Paris" herrscht in Wien eme Verstimmung über den Ankauf 50 alter Kanonen burch Montenegro in Italien Montenegro bereitet, wie e3 heißt, gegen bie Rüstungen Oesterreichs an ber Grenze von Herzegowina bei Rovibgzac eine Verteidigung vor. Montenegro hat eine Unterofsisterschule, ein Geniekorps und einen Artilleriepark eingeführt und hält beständig zwei Bataillone Rekruten zur Ausbildung nach europäischem Viuster unter Waffen. Montenegro kann nach gänzlicher Modernisierung bcs Kriegswesens 60,000 Mann ins Feld stellen.

Wien, 2. Dez. DaS Herrenhaus beginnt die Debatte über bie gestrigen Erklärungen beS Muüsterpräsibenten. Graf Thun glaubt nicht, baß bie Regierung bem Anstürme Vir Einführung beS allgemeinen Wahlrechts in ben Lanbtagen Widerstand werde entgegensetzen. Fürst Auers­perg macht bie Regierung für den Bankerott des bestehen­den Parlaments verantworlich. Lamm asch erklärt sich mit ber von ber Regierung geplanten Wahlreform ein­verstanden aber nur unter gewissen Einschränkungen und Voraussetzungen. Eine unbedingte Voraussetzung sei, baß die Regierung vollständige Fertigkeit und Entschieden­heit beweise gegenüber allen Versuchen, durch Gewalt, Droluingen ober Einschüchterungen auf den weiteren Gang ber Dinge ein viroirfen. MattuS spricht sich für AuSbehnung de« aktiven Wahlrechts auf breitester Grundlage auS. Edler v. V lener bezweifelt, ob eS der Leistungsfähigkeit deS Parlaments gelingen werde, die große Aufgabe der Wahl­reform zu lösen. Gras Pin in Ski erklärt RamenS der Polen, baß sie keineSivegS Gegner ber Ausdehnung de« Wahlrechts sind. Graf Schönborn spricht bie Hoffnung auS, baß, wenn die Wahlreform eine greifbare Form ange­nommen habe, bie vom Herrenhaufe unb allen anderen 93er- tretnngSkörper in entsprechender ernster Form behandelt werden. Ministerpräsident Frhr. von Gautsch verwahrt sich gegen ben Vorwurf ber Schwäche. Die Regierung mußte sich bie Frage vorlegen, ob eS wahr sei, sich den Ruhm der Konsequenz um feben Preis erwerben, ober ob sie anch bann anhänglich bleiben falle, wenn man burch ein starres Fest­balten an ihrem Stanbtpunkt ben Staat und eine ruhige Entwicklung offenkundiger Gefahr ausgesetzt sind. Die Re- gierung werbe auf bem Wege, ben sie betreten auch weiter schreiten, trotzaller Schwierigkeiten und Hemmnisse. Für bie Ueberwinbung bieser Schwierigkeiten gebe es gegenwärtig nur zwei Wege, entweder nichts zu tun unb bafür bie Verantwortung zu übernehmen, ober sich der Ausgestaltung des Wahlrechts in ber Richtung beS allge­meinen Wahlrechts anzuschließen. Angesichts ber Erfolglosig­keit aller Heilungsoersuche bes parlamentarischen LebenS sei nichts anberes möglich, als den Weg zu gehen, ben bie Re­gierung vorgezeichnet habe. Diesen Weg werbe sie bis zu Enbe gehen, unb baS Enbe könne nur sein: ber Erfolg ober Stnrz (Bewegung)! Ich werbe bas eine wie daS anbere mit Ruhe unb Kaltblütigkeit zu ertragen wissen, wie es einem Patrioten unb einem Manne geziemt, ber nichts anberes will, als bie Größe seines Vaterlandes unb ben Frieben feiner Völker. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)

Budapest, 2. Tez. Wie verlautet, soll demnächst der Beschluß, zu einem Kompromiß ml kommen, gefaßt werden, auf ber Grundlage, daß die Forderung der ungarischen Kommandosprache zurückgezogen, dagegen die des allgemeinen Stimmrechts von einem aus ge­mäßigten Mitgliedern der Koalition bestehenden Ministerium vor das Parlament gebracht werde.

Konstantinopel, 3. Tez. Die hiesigen Blätter melden offenbar auf Grund von Nachrichten, die von der Pforte ausgehen, es seien 15 Bulgaren, die dem Revo­lutionskomitee angehören, verhaftet worden. Man habe bei ihnen Listen gefunden über alle schon begangenen und noch zu begehenoen polirrschen Mordtaten. Auf diesen Listen seien mehrere Christen, darunter eine Anzahl vornehmer Fremder als zum Tode ver­urteilt bezeichnet.

Tie gestrige Besprechung der Botschafter hat aber­mals die volle Einigkeit der Mächte erwiesen. Das Programm der Flottenrundgebung wird ttxeiter, dur"chgesührt

Versammlung des hessischen Bolksvereins.

(Original-Arükel des Gießener Anzeigers.) (ft>.) Mainz, 3. Dezember.

Der Verband ber hessischen VerkchrSvercine hielt heute Nach« mittag hier seine Hauptversammlung ab. Den Vorsitz führte Stadtv. Stemmer aus Darmftodt. Ter Ersitzende gab dem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Bemühungen des Ver- bmdcs wegen Sdxiff-.mg besserer Zugverbindungen zwischen Mainz. Darmstadt imb Asch'ff'nbiirg, sowie mit der Bergstraße faß ohne jeden Erfolg geblieben seren. Auch d'.s Aufhängen der! Pl.-kate in den B hnhöfen nsw. stoße aus Schwierigkeiten. Man müsse bemüht sein, den V.rkehrsvereinen eine Vertretung in den Bezirkseiienbiihnbeiräten *u sichern. Nach einem Bericht deS Stadlv. S ch m a h l aus Main^ wurde beschlossen, von bet E»