Ausgabe 
7.10.1905 Erstes Blatt
 
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Dem

Abc

Abg. Wolf an die Negierung gerichteten festgestellt, daß am 1. Oktober gegen den Brünn abgegangenen Schnellzug, der

Herr eigentlich

In einer vom Interpellation wird 1 Uhr nachts von

Dreiakter folgte noch ein Einakter: Die Banauscnschlacht, Groteske von Leo Lenz.

eine große Anzahl Teilnehmer des deutschen VolkStageS in die Heimat znrückbrachte, ein Dynamitanschlag verübt wurde. Von verbrecherischer Hand war in derNähe der mäh­rischen Station BlanSko eine zur Explosion vollständig bereit­gestellte Dynamitpatrone otif einer der Schienen befestigt worden, die erst unmittelbar vor Passieren des Zuges vom Streckcnaufseher entdeckt und entfernt wurde. Die Patrone war stark genug, um die Maschine zu beschädigen und den Zug zur Entgleisung zu bringen. Die Interpellation, die von Abgeordneten aller deutschen Parteien gefertigt ist, ver­langt strenge Untersuchung und Veröffentlichung de§ Ergeb­nisses, damit ersehen werden könne, zu welch fürchterlichen Mitteln der tschechische Fanatismus im Kampfe gegen das Deutschtum greift.

-Lenz" führt, nach Kürschners Litteraturkalender, den poesieumwobencn Namen Schwanzara, er ist Negierungsbauführer bei den Kgl. sächs. Staatscrscnbahnen ' in Dresden und gleichfalls Wiener von Geburt. Auch er stellte einen Maler in den Mittelpunkt seines Stückleins. Herr Maler Dr. phil. Oskar Reimers, der im Besitze der Pariser großen Medaille ist, begibt sich auf die Freite in das Haue des ehemaligen BraucreibcsiherS Tullinger. Dieser brave Bürger, dem alle Kunst ein höchst überflüssiges Ding ist, hat nämlich eine ganz auS der Art geschlagene Tochter, deren feines Herzchen er auf der Straßenbahn im Fluge eroberte, um ihr dafür daS seine für alle Ewigkeit zu schenken. Der reiche Papa Tullinger aber will von dem »Hungerleider" nichts wpsen. Er ruft seiner Käte Nenntante nebst Gatten

Die Cholera.

Der preußischeStaatSanz." meldet: Vom 5. bis 6. Oktober, mittags, wurden zwei choleraverdächtige Erkrankungen im preußischen Staate amtlich neu ge­meldet. Von den Erkrankungen betrifft die eine einen Mann

etwas Gewolltes, nicht Ursprüngliches an sich. Kein Zweifel, zur Sentimentalen besitzt sie die besten Eigenschaften, nicht so zur munteren Liebhaberin. Allerdings trafen ihre kleinen Bosheiten gestern mit Grazie ins Schwarze. Di-e überaus spitze Abfertigung des Aufdringlichen im 2. Akte gelang ihr ganz köstlich.

In Herrn Goll besitzen wir jedenfalls auch einen vor- züglich geschulten Künstler. Vortrefflich war namentlich, wie er die richtige Tonmischung zwischen Behaglichkeit und bewußter Energie fanb. Seine Art ist ungezwungen, frei; obendrein hatte er seinen Part, auch in dem folgenden Einakter, recht verständig auf- und angefaßt, sodaß er den besten Eindruck machte. Herr Lüttjohann dagegen ist kein Bonvivant. Für Repräsentanten des allverführerischen Ewig-Männlichen fehlt ihm heute noch nahezu alles. Er besitzt wahrhaftig auch illcht den inindcstcn Stich ins Dekadente. Seine überaus treuherzige Liebenswürdigkeit, seine ganz unspitzfindige jugend- liche Frische und harinlose Heiterkeit verleugnete er ailch gestern abend nicht, am Platze aber war das alles nicht. Die Voraussetzung für solche Nollen bildet doch eine ganz besondere Portion an vielfältigen Lebenserfahrungen und pikanten Erlebniffen. Sie allein ist imstande, Schwcrenötereien glaubhaft zu machen.

b t, 6 Oft. Dre Spielzeit unsere? Hof- theaterS bat wahrend der ersten bcibcn Wochen in dem neuen prächtigen Hause einen vielversprcclienden An sang ae- 5n,nfe?n das Sckxiuspiel, wie die Oper, ist durch eine

Kräfte vorteilhaft ergänzt worden und auch bezüglich der Auswahl der Stücke, wie der Inszenierung macht uch Em erfreulicher Schwung bemerkbar. Tas Schauspieleirsemble hat uns vor allem die entzückende Aufführung des geistvollen

« Fahrplan- noch nicht alle Zwei haben, ist es un8 n Den TasklMsahrplan

" hessisch-^ ber heute fortgesetzte von 20000 Ml. au je 5000 Mk. auf ? je 2000 TK auf Ni 35842 30459 450 56186 59437 627c

M Promeno lV/2 Uhr in der ( 1. Ouvertüre zu Walzeck von Sir von Wagner, 4. l 1. Bat. Garde 18 Shgimenttfapette ir

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8" Hilfe, imd mm entflammt eine Schlacht zwischen dem jungen Künstler und den Banausen, in der auf beiden Seiten die Fetzen fliegen. Der Freier bekommt die allerärgsien Grob­heiten zu hören, einem gehörnten Siegfried gleich aber prallen alle krütengiftigen Pfeile von ihm ab. Ohne Achtung vor Tante Mühlmann's Schwarzseidenem, deren kubischer Inhalt von alberner Engherzigkeit rind gallenbittrer Niedrigkeit trieft, übertönter ihre Blechmusik, ärgert er sie zum Hause hinaus. Pvpa Tullinger wütet. Und da ein Prinzipien reitender Philister unbekehrbar ist, so muß endlich, um zum Ziele zu gelangen, Reimers den Kampf nut Kavalierswaffen aufgeben und zum Knoten greifen. Tullinger schickt den vermeintlichen Daumenlutscher zwar zum Kuckuck, aber Herr Reimers geht nicht zum Kuckuck, sondern vielmehr mit seinem Schwieger­vater in spe streng ins Gericht und »nacht ihm unverblümt klar, welch fürchterlicher Banause er ist. Tullinger begreift zwar gar nichts, wie er aber schließlich hört, daß Reimers große Reichtümer besitzt, von denen Vater und Tochter bis­her nichts ahnten, da giebt er gehorsamst zitternd seinen väterlichen Segen.

Man erfreute sich an icr frischen kleinen Offcnherzig- rert oev HerrnLeo Lenz" eoenso wie an der treffenden Darstellung. Herr Goll zeiate für den vornehmen, beworfe- nen und dennoch unantastbaren Gentleman das rechte über­legene und selbstsichere Wesen, und einzelne kleine Ruaneen, wie z. B. gleich der korrekte Eintritt, und dann, da er schnell bie Situation überschaut, die kordiale Begrüßung Tuumgers und das spöttische Kopfnicken vor Madame Mühl- mann usw. usw. bewiesen den respektablen Grad seiner Ebarakterisierunaskiinst. Tas Banausentum vertraten mit vollkommener Sachlichkeit d'2 Herren Lippert und Men- d e l nn Bunde mit Frau Fischer, und das schönh'alsiqe prl. Sch eilen berg offenbarte sich als ein von Gekünstelt- tem freies, gewinnendes Talent von natürlicher Anmut

P. W.

MärchendramasG h ges und fein Ning" von Hebbel gebracht, das von den bewährten ersten Straften (Frl. Eichelsheim, Herrn Lvehr usw.1 mit vollem poetischen Zauber vor Augen geführt wurde.Romeo und Julia",Der letzte Briest' Ultimo" undD ie Siebz e hniä hr ig en", letzteres als Premiere (ein Jahr nach Gießen! D. Sieb.), schlossen sich an und boten den neuen Mitgliedern Gelegenheit zur Beibringung ihres künstlerischen Befähigungsnachweises. Frl. Göthe verkörpert« die leichtfertige, liebeslüsterne siebzehnjährige Erika mit großer Feinheit und Routine, cs fließt echtes Theaterblut in ihr, und derKadett Frieder" deS Herrn Walbera, eine unglückliche, ver­zeichnete Rolle, wurde dem Publikum mit viel Geschick und Talent sympathisch näher geführt. AlS eine echte Sbakespeare'scheJulia" voll südländischem Temperament und feinninstlerischer Charakte- nstik hat sich Frl. Treitz bei uns emgesührt. Ungleich reich­haltiger war das bisherige Ovemrepertoire. Hier bekamen wir nach demFliegenden Holländer"Carmen" und derWeißen D am e" denFreis chü tz",Z a r und Z im- vl er nt a nn",F au sck',Die M e i st er sin g e r" und Artftait und Isolde" zu hören. ImFreischütz" er- wies sich Frl. Neßler, eine erst frisch vom Konservatorium kom­mende Künstlerin, in der Rolle derAgathe" als eine stimm, begabte Anfängerin, die bei gutem Fleiß TüchtigeS zu leisten verspricht, während sich der Magdeburger Bassist, Herr Stephani durch sein herrliches Organ und sein vortreffliches Spiel als Kaspar" sofort . die volle Gunst des Publikums errang, die Uch . 'N den Partien alsMephisto" undPogner" noch mehr vertiefte. Herr Hillder wurde in seiner ersten Partie alSBeck- mesieck gleich vor eine sehr schwierige Aufgabe gestellt, bie ex ntd)t ganz den Anforderungen entsprechend löste, dagegen war [et ,-Erbforster_ Kuno' eine recht annehmbare Leistung. Die k6 Skr^au^nl^nm9 Eröffnung war zweifellosTristan und Isolde . t^wer trefflicher Heldentenor, Herr Spemann, fang vUnt J?laL ^*;n -Tristan" für den sein herrliches, auch^d'e groyten Schwierigkeiten sieghaft überwindendes Organ vorzüglich pradestmiert tft. Tie Szenen im dritten Akt mit

-,v£an r 1 $"Wska) standen gesanglich und darstellerisch Hohe und können auch von den berühmtesten Tristan- ^Ut*U^TtT°Än werden. DieDrangäne" fang ö-a?U Mosel-Tomschick, die ihre Aufgabe künst- Wa<meriä^erin . l>f "^ne Frage eine reichtalentierte

^1Lbcn kleineren Rollen desHirten" und des Ä ? lich auch bie Herren Dr. Kuhn und Day in h! bcr- der nach bestandenem Assessor

$Ihl-v/T8L öur Bühne überging, hatte auch "^avch denMeistersingern" eine flotte und gesanglich sehr ansprechende Leistung dargeboten.

Erstmifführin?V-« ? 2m Schauspielhause fand die

Ein-Dorrit", nach einer Idee von

S Vh statt Das Publikum nahm das

>_,tuck trotz vieler Längen und Flachheiten beifällig auf.

für eine friedliche Entwicklung der Kolomen unb als bestes Mittel, die unerfreulichen Ereignisse in Südwest- und Ostafrika zu ver­hindern. Gerichtsassessor Ramelow-Berlin behandelt den Ein­fluß der Auswanderung auf das Wirtschaftsleben des Mutter­landes. , , .

-Uebcr die badischen Land tags wählen tnt -ouh wird eine amtli'che Statistik veröffentlicht, aus der lick, . wie dieFr. Ttsche. Pr." schreibt, wieder einmal der W i de rjinn des indirekten Wahlsystems ergibt. Bei deii Urwahlen entfielen auf das Zentrum 1113 897, die Liberalen 65o 808, den Bauernbund und den Bund der Landwirte 224 38o, die Kon­servativen 29 308, die Demokraten 15 529, die Sozialdemokraten 463 789 Stimmen, unbestimmt und zersplittert waren 52 038 Stimmen. Wie dieMünch. Allg. Ztg." ausrechnet, kamen danach auf hundert abgegebene Stimmen 43,6 für das Zentrum, 26,3 für die Liberalen und Demokraten, 9,9 für die Konservativen, bie Bauembündler und den Bund der Landwirte, 18,1 für die Sozialdemokraten. Es hat also das Zentrum, das nahezu zwei Drittel aller Abgeordnetenmandate, 102 von 157, erlangt hat, noch nicht einmal die Hälfte der Wähler hinter sich. Nach der Zahl bcr abgegebenen Urwählerstimmen hätte das Zentrum nur Anspruch auf 70 Mandate, während auf die Liberalen, die tat­sächlich nur 23 erhalten haben, 43 entfallen müßten.

Mannheim, 6. Oft. Der heute wegen der Fleischnot erstmalig unter städtischer Regie abgehaltene Fi sch markt war so stark besucht, daß in kurzer Zeit der ganze Vorrat auS- verkauft war.

München, 6. Oft. Tor ehemalige bayrische Justizminister v. L e o n r o d ist heute hier gestorben.

bung, Hebung der Volksgesundheit, Berücksichtigung von Geschlecht und Alter bei Verteilung der Arbeitslast und für Verkürzung der Arbeitszeit im Hauptberufe unter gleichzeitiger Ausbilduiig in einem Nebenberufe ganz an­derer Art. Vor allem sollten bie für Leib und Seele vor­teilhaften Beschäfttgungen mehr ausgebreitet werden.

Zur Einigung der Liberalen

hatten wir einer Zuschrift eines l)essischenTeilneh­mers" am Wiesbadener Parteitage der fteifin- niaen Volkspartei Raum gegeben. TieFreie Deutsche Pr." bedenkt darob den Einsender mit einigen Liebenswürdig­keiten.

Es ist wirklich zwecklos so schreibt uns heute der Verfasser jenes Artikeln auf diese freundlichen Zeilen des Hauptorgans der Parteileitung einzugehen, denn das Blatt war leider schon immer ein Störcnftied einer Einig­ung der Liberalen und nur dem aufrichtigen Bestreben, die bei uns in Hessen bereits erfolgten Schritte zu einer alle entschieden liberalen Elemente umfassenden Verstän­digung nicht schettern zu lassen, entsprang die Zuschrift, welche den Zorn derFr. T. Pr." heraufbeschworen hat. Ucber die Art der in bcr Zimmerstraße in Berlin beliebten Polemik ist ja gerade in Parteikreisen nur zu oft geklagt worden, als daß man sich darüber noch weiter auftegen könnte. Man wird sich eben damit absinden müssen, daß dieFreie Deutsche Presse" auch fürderhin geneigt zu sein scheint, jedermann in der Partei in den Bann tun zu wollen, der sich nicht seine Zustimmung in der Berliner Zimmerstraße abstempeln 'äßt. Daß uns Hessen das ziem­lich kalt läßt, wird uns wohl niemand verübeln, dafür aber umso begreiflicher sein, als wir selbst wohl am besten wissen müssen, was zu einer Belebung der freisinnigen Be­wegung in Hessen beitragen kann. Soviel aber sei hier doch gesagt: TieFreisinnige" sel. Angedenkens hätte klüger getan, sich einmal auszulassen darüber, ob nun die Ver­ständigungen der Liberalen in Bayern und in Baden, der Freisinnigen in Schleswig-Holstein und in .Darmstadt, woran überall die bösen Nationalsozialen beteiligt sind, zunichte gemach! werden sollen, und schließ­lich auch darüber, ob die Eisenacher Parteigenossen die von den Nationalsozialen angebotene Waffenbrüderschaft für die bevorstehende Ersatzwahl zum Reichstag ablehnen sollen.

nächste Zeit in Aussicht genommen fein. Die Japaner würben in ähnlicher Weise gefeiert werden, wie kürzlich das franzö­sische Geschwader.

Belgrad, 6. Okt. Der ,Dnevni ßift* meldet: Die Regierung beschloß, gegen den Expremierminister Wladan Georgewitsch wegen Verletzung von StaatSgeheim- nissen, begangen durch die Veröffentlichung von Staats­akten in feinem Werke ,Da§ Ende der Dynastie^ die An­klage zu erheben.

Konstantinopel, 6. Okt. Die Polizei verhaftete deS Nachts in Skutari den armenischen Bisch of Vehablian, sowie dessen Gehilfen.

Das allgemeine Wahlrecht in Oesterreich abgelehnt.

Wien, 6. Okt.

(Abgeordnetenhaus.)

In der fortgesetzten Verhandlung der Tringlichkeits- anträge betr. daS allgemeine Wahlrecht tritt Abg. Romanczuk (Ruthene) für rasche Wahkreform ein, während der Abg. Ebenhoch (Ztr.'i seinen Antrag begründet unter Hinweis darauf, daß die Einführung des allgemeinen Wahlrechts ohne vorherige Feststellung der unbedingt un­erläßlichen Grundlagen eine große Gefahr bedeuten würde. Ministervräsident Frhr. v .Eiautsch erklärt, die vorgebrachten Reden hätten ihn von seinem bereits gekennzeichneten Standpunkt hinsichtlich der Wahlrechtsfrage nicht abzu­bringen vermocht. Er könne dem Hause bei der Zlbstinnnung keinen theoretischen Grundf.-ch als Richtschnur empfehlen. Nach der Zahl der Generalredner wird über sechs Dring- lichkeitsanträgc, welche die Regierung zur sofortigen Ein­bringung einer Vorlage über das allgemeine, gleiche, bireFte und geheime Wahlrecht auffordern, gemeinsam und nament­lich abgestimmt. Gegen die Dringlichkeit stimmen 140, dafür 155. Tie Dringlichkeit erscheint, da die Zweidrittelmajorität fehlt, abgelehnt. Gegen de Dringlichkeit stimmten die Polen, das Zentrum, der konservative und verfassungstreue Großgrundbesitz, ein Teil oer Fortschrittlichen und ein Teil der Italiener. Die Abstimmung der bäuerlichen Mgeord- neten, die gegen die Dringlichkeit sttmmen, lvird von den Tschechisch-Radikalen mit Pftlirufen begleitet. Hierauf wird der Tringlichkeitsantrag Ebenhoch, der nur die Regierung zu Studien über die Wahlreform auffordert, mit 137 gegen 124 Stimmen abgelehnt. Gegen den Antrag sttmmen die Tschechen, Polen, Südslawen,''sowie die konservativen Groß­grundbesitzer .Somit erlanate kein Ant rag die Zwei­drittelmajorität. D-e Sozialisten Schumajer und Ellenbogen rufen:Hoch mir dem allgemeinen Wahlrecht. An diese Llbstimmung wird daS Haus denken. Darauf wird die Straße antworten."

Nach Erledigung mehrerer Imunitätsangelegenheiten verliest der Schriftfi'hrer eine Zuschrift des MinisterpräsiM deuten, wonach daS HauS vertagt wirb. Hierauf wird bie Sitzung geschloffen.

Kirche und Schule.

Kirchlich-positive Vereinigung für Hessen. Arn Mittwoch versammelten sich in Frankfurt aus Hessen unb Frankfurt gegen 150 Freunde eines positiv-kirchlichen Glaubens­standpunktes, um Stellung zu nehmen gegenüber den neuesten Erscheinungen unb Ereignissen auf theologischem und kirchlichem Gebiete. Das Referat hatte Pfarrer Widmann- Darmstadt, der die Notstände schilderte, wie sie durch eine immer radikaler werdende Strömung in der sogenannten modernen Theologie km kirchlichen Gemeindeleben hervorgerufen würden. Es könne so nickt mehr weitergehen, da andernfalls die bestehende Kirche dem Zusammenbruch entgegengeführt werde. Man dürfe nicht länger zusehen, wie allmählich aste Lehrstühle auf den Universitäten unb Prcbigerseminaren, und alle 5ianzcln mit Vertretern einer glaubens- unb pietätslosen Richtung besetzt würben. Es gelte, fick mehr zu rühren unb zu zeigen, baß deralte Glaube" noch mutig vertreten werbe. Ergänzt würben bie Ausführungen von Pfarrer Werner-Frankfurt, Wahl-Langen, Fritsch-Ruppertsburg, Geh. Kirchenr.tt D. Kalbheun, Scriba-Erbach, Wolf-Rumpenheim, Pros. AllenborftOffcnback, Prof Geist-Friedberg, Schloßhaupt­mann Baur-Schönbcrg, Pfarrer Lepdhecker-Auerbach, Walz-Darm- slabt. Man beschloß die Gründung einer kirchlich-positi­ve n Vereinigung für bas Groß Herzogtum Hessen, die mit der in Baden bestehenden Gruppe Z-ühlung nehmen soll. Eine in Frankfurt demnächst zu gründende positive Vereinigung dürfte sich angliedern.

*

Pfarrer Bernbeck in Okarben, Mitglied bcr Hess. Landes- synobe, schreibt uns: Derbie hessische Landeskirche im ersten Halbjahr 1905" überschriebene, bcrChronik bcr christlichen Welt" entnommene Artikel in Nr. 221 unb Nr. 222 besGieß. Anz." beschäftigt sich u. a. auch mit einem gelegentlich ber letzten Tagung bcr Lanbesfpnode von einigen Svnodalen ber Neckten", zu, benen auch ich gehöre, gestellten Antrag, ben Vorsitz bcr Geistlichen im Sckulvorftanb betreffend, in dem Auf­hebung ber Bestimmung gefordert worden ist, nach bcr die Geist­lichen verpflichtet sind, ben Vorsitz im Schulvorstand, falls sie damit betraut werden, zu übernehmen. Den Darlegungen des Verfassers gegenüber stelle ich folgendes fest: 1 > Es ist unwahr, daß bcr fragliche Antrag dur> einen Artikel des Pfarrers Korcll- Königstädten imSckulösten" veranlaßt worben ist. Schon längst, ehe bicser Artikel erschien, war bcr Antrag beabsichtigt und vorbereitet. 2) Es ist unwahr, baß die Antragsteller sich lebiglich aus politischen Grünben zu diesem von ihrer Seite verblüffenden Antrag verstanden" undin bcr unbewußten Tiefe ihres Gemüts feine Verwirklichung nicht eben sehr energisch ge­wünscht hätten." Eine berartige Unterstellung weise ich, zugleich auch für bie Mitantragsteller unb die Mitglieber bcrRechten", die für den Antrag gestinrmt haben, entlüftet zurück. 31 Es ist unwahr,doch bicLinke" dem Antrag mit Freuden beigetreten ist unb bie Synode ihn einstimmig angenommen hat." Der An­trag wurde vielmehr in non mir beantragter namentlicher Ab­stimmung mit 32 gegen 19 Stimmen angenommen. Unter den Synodalen, bie, gegen ihn gestimmt haben, befanden sich 11 Mit- glieder derLinken" und nur 2 bei organisiertenRechten".

Ausland.

London, 6. Okt. Dem ^Daily Expreß" zufolge soll der Besuch eines japanischen Geschwaders unter dem Kommando des Admirals Togo in England für die

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Ausstiche Memgkciten.

In einer Petition protestieren Anwälte gegen das voll­ständige Versagen der Polizeiorgane. Infolgedessen sind mehrere Anwälte wegen der Kritik in die Verbannung geschickt worden.

Auf den KreiS-Polizeichef Saikin deZ Gouvernements Saratow wurde im Dorfe Kliutschi ein Attentat verübt. Fünf Individuen feuerten auf Saikin Revolverschüsse ab unb verwundeten ihn tätlich. Die Täter entkamen.

In Tiflis wurde von Tataren eine Bombe vor einen 2ttaßenbahnwagen geworfen. Sie explodierte. Der Wagen wurde zertrümmert. Zahlreiche Passanten erlitten Ver- wundungen.________

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Ott. Der Kaiser hörte gestern im Jagd­schloß Rorninten bie Borträge des Staatssekretärs von Tirpitz und deS Chess des Mattnekabinetts, Frhr. v. Senden-Bibran. Wie verlautet, beabsichtigt der Kaiser mit dem Turbinen- bampserKaiser" in Begleitung des Staatssekretärs v. Tir- pitz eine Probefahrt zu unternehmen.

Heute vormittag hielt ber Kolonialkongreß feine zweite Plenarsitzung ab. Den ersten Vortrag:Die AuSwandcr- umi als weltgeschichtliches Problem" hält Professor Dr. Rathgcn- Heidelberg.Die politische, militättsche unb volkswirtschaftliche Bebeuttmg einer starker Seemacht" ist bas Thema des zweiteri Dorttagcs von Generalleutnant z. D. v. Siebert, früheren Gou­verneur» von SÜbwestaftika. Am Nachmittag sprachen Professor Dolkcns-Berlin über bie wichtigsten K'autschukarten, Schulte im Dofe-Berlrn über das Stadium bei tropischen Agriknlturchemie, verschiedene Redner über Tropcnftankheiten und deren Behand­lung. Pastor Froberger, der Provirrzialobcre bcr Weißen Väter in Arier, und Pfarrer Richter-Schwanebeck bekämpften ben I lam als eine Gefahr für die afrikanischen Kolo­nie ir. Daurat G<rebcrtz richtet ben Appell an den Reichstag, intjcm SMomcn bie Möglichkeit zur Entwickelung zu geben burch Schaffung ber unumgänglich notwendigen Verkehrsmittel Stabsarzt Arning-Hannover empfiehlt eine reiche Srebel- uug curvväischer Einwanderer als die beste Gewähr