Nr. 106 Zweites Blatt.
155. Jahrgang
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Die ^Siehever Fa»MendlLtter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der *IW toeWrt* «tottot «Etüch etamal
Gießener Anzeiger
Samstag 6. Mai 1905
Rotationsdruck und Verlag da Brühl Ich«
Untversttätsdruckeret. 9L Laag«, Dtrße»
Redaktion. Expedition u.Druckeret: vchulstr.L>
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen.
Die Heutige Mmmer «mfaßt 18 Seiten.
VoiMsche Tagesschau.
Der Kaiser tmb die Burgermeistenvahl in Altona.
, Einern mrgetvöhnlichen 53erlauf hat die Oberbürger- Lneisterwahl in Mtona genommen. Schon vor der Präsentation der Kandidaten gingen Gerüchte von „Unstimmig- leiterr" im Magistrat und anderen maßgebenden Mtonaer Persönlichkeiten um. Zwei als Kandidaten in Aussicht genommene langjährige Mitglieder des 'Altonaer' Magistrats refüsierten von vornherein, und als nach langer Zeit der Wahlaussatz der Präsentationskommission erschien, zog der an erster Stelle präsentierte Oberbürgermeister von New- münster noch an demselben Tage telegraphisch seine Bewerbung zuÄck, und auch der Bürgermeister von Dortmund sah von seiner Kandidatur ab. Diesen beiden waren Gehaltserhöhrnrgen bewilligt worden, was als Grund ihrer ^Ablehnung angesehen wurde. Der verwaiste Wahlaufsatz wurde nunmeA: vervollständigt durch die Bürgermeister sRoth-Stettin und Oberbürgermeister Dr. Tettenborn-Rheydt, die neben dem einzigen dauerhaften Kandidaten, dem Beigeordneten Dr. Oppermann-Krefeld den durch diese Vorgänge sehr beunruhigten Mtonaer Bürgern vorgeschlagen wurden. Die 'Agitation, namentlich für Dr. Oppermann und Dr. Tettenborn nahm in den gegenseitigen Lagern geradezu wilde Formen an. Ein Stadtverordneter der Stadt Rheydt sandte einen Schmähbrief gegen Dr. Tettenborn und dessen Gattin nach Mtona, der unter der Hand vorbereitet wurde und der bezweckte, den Oberbürgermeister von Rheydt und seine Frau persönlich unmöglich zu machen. Aber schon nach wenigen Tagen erschien eine de- und wehmütige Erklärung des Verfassers dieses „Romans ans einer kleinen Stadt", in der der Stadtverordnete reuig zur Wahrheit zurückkehrte und sich mehreremale als Lügner hin stellte. Zur Sühne legte er außerdem noch sein Amt nieder. Für diese Erniedrigung ans Rheydt widerfuhr aber Dr. Tettenborn eine glanzende Erhöhung aus Berlin. Es wurde behorchtet, der Kaiser habe zu verstehen gegeben, man möge m Mtona einen Bürgermeister wählen, der repräsentative Vorzüge besitze, da beabsichtigt sei, den Posten des Mtonaer kommandierenden Generals mit einer Fürstlich- keit zu bestzen. Dr. Tettenborn, der früher Bürgermeister in Homburg v. b. H. war, ist dort mehrfach in Berührung mit dem Monarchen gekommen und soll vom Kaiser mehrfach ausgezeichnet worden sein. Deshalb galt Dr. Tettenborn als geeigneter Kandidat nach den angeblichen Wünschen des Kaisers.
Von maßgebendster Stelle in Altona wird mitgeteilt, haß amtlich von einem derartigen Wunsche des Kaisers nichts bekannt sei. Von einer gut informierten Persönlich- ikeit wird jedoch die Möglichkeit eines Wechsels im Generalkommando zugegeben und darauf hingewiesen, daß gegenwärtig der junge Gr ^Herzog von Mecklenburg ,ber militärisch Untergebene des Generals von Pol ach sei, was immerhin zu Nnzuträglichkeiten führen fönnte. Wenn es richtig fei, daß an allerhöchster Stelle dieser Wechsel im Generalkommando opportun erscheine, dann allerdings wäre der, vielleicht privatim geäußerte Wunsch nach einem repräsentationsfähigen Ersten Bürgermeister in Mtona sehr verständlich.
Ausland in Sturm und Drang.
Tie Ministerkonferenz beschloß in der Frage der Unterbrechung des Betriebes der Hochschulen folgendes: Bei den Hochschulen, die die Kurse unterbrachen, finden keine Prüfungen statt: alle Hilfsanstalten, für die Studierenden, wie gemeinsame Wohnungen, Speiseräume ,usw. werden geschlossen. Für die Vorlesungen in diesem Semester wird kein Honorar gezahlt. Falls die Hochschulen das Studium im Herbst nicht wieder aufnehmen, sollen sie sofort geschlossen und alle Studenten und Professoren entlassen werden. Die Leiter der Hochschulen sollen Denkschriften über den Studienbetrieb aus- arbeiten, damit die verlorene Zeit wieder ein gebracht werde; ferner sollen sie behufs Erleichterung des Ueberganges der Schuljugend auf die Hochschulen die Frage der Schlußprüfung an den höheren Lehranstalten prüfen. Diese Beschlüsse der Ministerkonferenz wurden am 29. 'April vom Kaiser be- stätigt. .
Die Moskauer M o n a r ch i st en Parte: veröfsentlrchte ihr Programm. Es sei, so heißt es in demselben, bte Aufgabe der Partei, mit gesetzlichen Mitteln die Beseitigung der inneren Wirren anzustreben. Sollte der Kaiser die Anwendung streng einheitlicher rationeller und fester Diktaturmaßnahmen für nötig finden, so fei d:e Partei bereit, die Regierung zu unterstützen. Nach Beendigung der Wirren und der Besiegung der I ap an er breche dann her Zeitpunkt für Reformen an welche die unbeschränkte Selbstherrschaft noch mehr zu vefe,ttgen und bte orthodoxe Kirche zu verherrlichen geeignet seren, der nationalen Kultnridee im ganzen Reiche eine frete Entwickelung geben, zur breiten dezentralrstischen Entwickelung des lokalen WirtscbastSlebenS durch ununterbrochene Für- korae für das geistige und materielle Wohl der Bauern WbKÄtÄbc«, durch Einbürgerung des Rechts- Landes und der Ordnung in Stadt Land und Schule sowie durch die Vergrößerung des bäuerlichen GrundbesrM durch eine rationelle Organisation der.Ueöcrftebclunflyutam und ein starkes russisches Reich schaffen werden. Zur^ allgemeinen S e m st w o v e r s a nnn l u n g sind in Moskau etwa 80 Mitglieder eingetroffen. Die Versammlungen sind nrch t öffentlich. Es wurde beschlossen, feine MrtLerlungen über die Sitzungen zu veröffentlichen, ^n der ersten Sitzung fand die Besprechung des Planes einer neuen Organisation des Reiches statt. Die Berichterstatter erhielten bis-
In Pe^ersburg üb er fielen auf dem Palewskiprospekt acht Arbeiter einen im Diensst der geheimen politischen Po- tP,et stehenden und wegen seiner Denunziationen berüchtigten Menschen Namms Jmeljanoff, sch lugen ihm den Schädel ein und ließen ihn tot in fernem Blute liegen.
Ta das Publikum für die Arbeiter Partei ergriff, konnten die acht entkommen.
'Am 4. Mai wurde auf den P o l i z e i m e i st e r Hirschfeld in Ts ch e r n i g o w in dem Moment, als er in offenem Wagen die Brücke über den Fluß Desna passierte, von einem unbekannten, als Arbeiter verkleideten Individuum drei Schüsse abgegeben. Zwei Kugeln gingen fehl, die dritte verwundete den Polizeimeister leicht. Der Attentäter, der sich ruhig verhaften ließ, erklärte, das Attentat im Auftrage der revolutionären Partei verübt z: haben. In Odessa wurde eine Person verhaftet, die eine Sprengbombe bei sich trug. In Warschau wurde gegen eine Patrouille eine Bombe geworfen, die aber nicht explodierte. Nach einer Meldung aus Melitopol (Gouv. Taurien) kam e§ dort am letzten Montag zu Unruhen, wobei Juden mißhandelt, jüdisches, aber auch christliches Eigentum zerstört und geplündert wurde. Eine Reihe Bude wurden verbrannt. Auch in Mariapol, Malitopol, Sinte- ropol usw. fanden antisemitische Krawalle statt. Häuser und Geschäftsläden wurden geplündert. In Nischnin ow- gorod kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen. Militär und der Menge. Mehrere Personen wurden getötet, zahlreiche verwundet.
Von einem Führer der Londoner russischen Revolutionspartei wurde einem Journalisten folgende Information: Mle revolutionären Organisationen haben kürzlich auf die Initiative des Vater Gapon hin eine Konferenz abgehalten. Es wurde beschlossen, ein Zentralkomitee zu errichten, das alle Handlungen der einzelnen Vereine letten und ctts Zentrale für die Sammlung von Hilfsgeldern dienen soll.
2>er Krieg.
Die letzten Nachrichten vom Kriegsschauplätze in der Mandschurei bestätigen, daß größere Operationen vorläufig nicht zu erwarten find. Die russische Regierung trifft inzwischen Vorbereitungen, um neue Truppen nach Ostasien zu senden. So sind in den letzten Tagen mehrere Maschinengewehr-Abteilungen nach dem Kriegsschauplatz abgegangen. Neuerdings geht das Gerücht, die Gesundheit Kuropatkins sei ernstlich erschüttert, so daß er demnächst ganz den Kriegsschauplatz verlassen werde.
Wie aus Singapore vom 5. Mai Reuter meldet, passierte dort an jenem Tage daß dritte russische Geschwader in einer Stärke von 6 Kriegsschiffen und 4 Transportschiffen.
Amtliche chinesische Meldungen verzeichnen die Anwesenheit de§ größten Teiles der Flotte Roschdjeswenskys in der Leongsoi-Bucht an der Südküste der Insel Hainau.
Aus Saigon meldet vom 5. Mai „Havas": Das russische Geschwader, das bei der Hon-Kohebucht nördlich von der Kamranhbucht am 2. Mai vor Anker lag, beabsichtigte am Morgen des 3. Mai seinen Ankerplatz zu verlaffen. Der russische Admiral hat die französische Behörde davon in Kenntnis gesetzt.
Gegenüber einer Mitteilung der „Agence Havas", nach der Admiral Roshestwenski der Admiralität mitteilte, daß sich die Japaner in den Territorialgewässern der Insel Borneo befinden und die russische Regierung bei den Niederlanden Einspruch erheben werde, wenn die Meldung Noshesiwenskis richtig sei, erklärt die Petersburger Telegraphen- Agentur, daß der Marinestab bisher keine Meldung von Roshestwenski erhielt.
Wie in Paris verlautet, will die dortige japanische Gesandtschaft infolge der Meldung, daß die Flotte Roshestwenskis am 30. April im Hafen Port Dcryot in der Bucht von Penghoi Anker geworfen habe, ihren Protest betreffs Verletzungen der sianzösischen Neutralität erneuern. Der Gesandte Motono habe bereits die Aufmerksamkeit Delcaffäs auf diese Angelegenheit gelenkt. Es heißt, die französische Regierung habe am Dienstag eine Abteilung des französischen ostasiatischen Geschwaders unter dem Befehle des Admirals Jonquiöres nach der Penghoi-Bucht entsandt, um über die genaue Beachtung der französischen Neutralität zu wachen.
Die Polizei in Lübeck verbot die Ausfuhr eines für Rußland von der Germaniawerst in Kiel hergestellten Torpedobootes, weil darin ein Bruch der Neutralität zu erblicken wäre. Das Boot wurde in einzelne Teile zerlegt und mit der Bahn von Kiel nach Lübeck befördert; es sollte hier mit dem finnischen Dampfer „Aegir" nach Helsingsors verladen werben.
Zu Ehren des Prinzen Karl Anton von Hohenzollern fand un kaiserl. Schlosse zu Tokio am 5. d. M. ein Frühstück statt. Der Mikado, der wegen Unwohlseins nicht daran teilnehmen konnte, beauftragte den Kronprinzen mit seiner Vertretung. Unter den Gästen befanden sich kaiserliche Prinzen, Minister, hohe Offiziere und der deutsche Gesandte. Bei dem Mahle sprach der Prinz von Hohenzollern seinen Dank aus für die freundliche Aufnahme, die er in Tokio, wie auf dem Schlachtfelde gesunden habe. Am Abend gab der Prinz ein Diner im Sblibapalast.
Kriegsgefangen in Japan.
— Kriegsgefangen in Japan. Eine interessante Schilderung des Lebens der russischen Kriegsgefangenen in d?r japanischen Stadt Matsuyama entwirft in dem 15. Heft der Zeitschrift „Neber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags- Anstelt> der amerikanische Ariegskorrespoudent E. Einersou, der mit einem sranröiischen Kolleg"n in die Gefangenschaft der Japaner a-xiet. „Matsuvama", schreibt Emerson, „ist eine in dec Nähe der Jnlandsee hübsch gelegene Stadt, welche die Gefangenen narb ihrer Landung auf einer kleinen schmalspurigen Eisenöayn erreichen. D-e Swdt enthält Kasernen, ein modernes Spital und eine Anzahl Budd da- oder Schintotenrpel, die zeitweise aufgelassen sind und den Gefangenen als Quartier dienen. In der Nachbarschaft sind berühmte warme Quellen mit Badestanstalten, die den Gefangenen ofsenstehen. Ueberall kann man russische Gefangene,
gesunde oder Rekonvaleszenten, sehen, die zu zweien oder dreien, von ihrer Woche gefolgt, sich im Freien ergehen. Sic tragen! die russische Uniform, doch haben viele den weit bequemeren! Kimono adoptiert, den ihnen die Javaner ht liberaler Weife zur Verfügung stellen. Meistens steht der Gefangene mit setorr Wache imb den Städtern auf ausge^eichnetenr Fuße. In bat| Tempeln, die ihnen zur Unterkunft dienen, kann man die Ge-, sang men oft gr u vpenweise versammelt sehen, wie sie KOrteni svielcm oder stumvfsinirig javanische Zigarettm rauchen, von denen! sie bebaupien, daß sie wie Hm schmeckm. Denjenigen, die irgend eine KunstfertiglciL besikm, ist bte Ausübung derselben gestattet^ so daß sie im stände sind, von ihren Kameraden etwas zu verdienen. Ich sah übrigms nur wenige bei der Arbeit. Das für Kriegsgefangme gelümde Reglement ist gleichmäßig durch-, geführt: für einen Offizier find Pro Dag 1- Den und 20 ©en,; für Unteroffiziere und Mannschaft etwa ein Drittel btcfeq Summe ausgewogen. Kleine Betrage, deren Größe wmfallÄ dem Range nach bestimmt ist, sind als Taschengeld anstandslos' gestattet. Wer unter den Gefarmmen Geld hat, kann damit nach' Belieben schalten und walten. Tos Gefan-genenburcau in Tokio übermittelt gratis Zuscudungm aus der Heimat, Briefe und Pakete fin.d portofrei. We Gefangenen erhaltm ärztliche Hilfe! obne jede Verzögerung, sind iedoch gewissen sanitären Vorickwiften, wie zum Beispiel öfterer Bewegung hn Freien, regelmäßigem Vaden und so weiter unterworfen. Sämtliche Regeln waren fnr$ vor meiner Ankunft bedeutmd verschärft worden, da drei Ge- sangme einen sehr unzeitigen Fluchtversuch machtm und tatsächlich erst an der Stadtgrmze eingeholt werden konnten. Dieser gänzlich aussichtslose Rutsch war, wie mir bestimmt versickert wurde, die logische Folge unerträglicher Langeweile gewesen^ Natürlich nahmm die Japaner die ganze Sache sehr ernst. Die Flüchtlinge wurden vor ein Kriegsgericht gestellt und zu längerer Einzelhaft verurteilt. Alle Maßregeln toirtben sofort verschärft und u. a. die standrechtliche Erschießrrng wieder gefangener Ausbrecher verfügt."
Ausland.
London, 5. Mai. König Eduard' ist gestern aus Paris hier eingetroffen und Hatte sofort längere Unterredungen mrt den Ministern Balfour und Landsdottnre In hiesigm politischen Kreisen beschäftigt man sich eingehend mit dm Konferenzen,' welche König Eduard in Paris mit dem Präsidenten Loubet und Delcassö hatte. Der König habe sich, heißt es, keineswegs ver-, giiügungZHalber in Paris aufgehalten. Sein Besuch habe vielmehr politischm Charakter gehabt und bei dm Konfermzen fei! sowohl die maro kkanische Frage wie der Krieg in Oftafren erörtert worden. M . ..
— Die „Times" meldet aus Paris, daß der Versuch Deutschlands, die Embcrufimg einer Marokko-Konferenz herbeiznsübren, vollständig mißlungen ist. Die deusichej Regierung beschränke sich jetzt auf den Gedankm-Austansch 'mir anderen Regierungen. Frankreich, England ünd Spa-> nien seien aber unerschütterlich abgeneigt, beit aent* scheu Forderungen nachzukommen.
— Graf Tattenbach überbringt dem Sultan, wie <mÄ Tanger gemeldet wird, an stelle der üblichen Geschenke, dis zu besorgen keine Zeit war, den Stern des Roten Adlerordens mit Brillantm.
— Neber die Hinausschiebung der diesjährigen Manöver der mglischen Flotte wird amtlich' folgendes bekannt- gegebm: Es wurde der Befehl erteilt, die großen Flottenmanöver, die für den nächsten Monat vorgesehen waren, zu verschieben, da sie Unzuträglichkeitm mit sich bringen können, falls sre $n dieser Zeit in der geplanten Weise ausgeführt werden. SBettö sie aber nicht in vollem Umfange durchgeführt würden, wtkrden sie nicht lehren, was sie lehren sollen. Die Bekanntmachung nimmt offenbar Bezug auf die geplanten, über die ganze Erde sich er st reckenden Manöver, die am 10. Dezember 1904 angekündigt wurden. Es sollten alle Geschwader an* nehmen, ein Krieg sei ausgebrochen und sie sollten zu bat Flotten stoßen, zu denen sie gehören. Dabei sollten alle Kmw- mandanten nach eigener Initiative verfahren, ohne sich ’vat der Admiralität ins Benehmen zu setzen.
Rom, 5. 9)?ai. Der Kriegs- und der Marinemnnster Ratten gestern eine lange Unterredung mit dem Schatzminister über die geplante Mehransgabe für militärische Zwecke. DaS Programm des Marineministers umfaßt den Bau von vier Pan^ zerkreuzern zu je 10 000 T., drei Panzerschiffe für die Küsten- blokade und die Erneuerung der Torpedoflottille. Der Mehrbedarf beziffert sich auf 75 Mill., hie in 6 bis 7 Jahren zur Ausgabe! gelangen iölten. Das Programm des KriegsministerS enthäft die Erneuerung der Feldartillerie, den Ausbau der Werke ini Rom und an der Lande?grenze im Osten utnd Westen sowie die Erhöhung des Friedensstandes. Der ordentliche Etat soll nach Auslassungen des Kriegsministers, welcher die Vertrauensfrage hierup stellen wird, um mindestens 12 Millionen, der außerordentlich^! Etat, welcher 16 Millionen beträgt, um 10 Millionen erhöht! werden.
Wien, 5. Mai. In her Debatte über den Zolltarif uh Abgeordneten Hause empfiehlt der Allderftsche Stein wärmstens den wirtschaftlichen Anschluß Oesterreichs an, Deutschland, weit dies das einzige Mittel fei, um bat Untergang des Deutschtums in Oesterreich zu verhindern. Mg^ Seitz erklärte, die Sozialdemokraten werden gegen den Zoll-< tarif stimmen, der nur ein Mittel zur Ausbeutung der Arbeiterklassen durch Agrarier und Govßgrunb-< besitzer sei. Der Pole Koliscker stellte die Schutzzolls Politik Deutschlands als Muster hm und wünscht die! Sicherung der Agrarzölle im Zolltarif.,
Budapest, 6. Mai. Ministerpräftdent Tisza ließ Heutes abend den ?lbg. Poßgock (Koffuthianer), der ihm während einer-, Rede zurief: Sie find unverschämt, fordern. Das' Duelu soll morgen erfolgen. , M „
Newpork, 5. Mai. „Afiociated Preß" meldet: Herbert, der Präsident der Produktenbörse, ließ dem AuÄvärtigen Amte einen Protest gegen die anscheinend wohlüberlegte Absicht Deutschlands zugehen, unter dem neuen Z oll tarif, für den amerikanischen Handel besonders ungünstige Bedingungen aufzustellen, und sprach die Hoffnung aus, daß mit Deutschland ein Abkommen getroffen werde, das die amerikanischen Erzeumrisfej mit denen der konkurrierenden, Länder auf die gleiche Stifte stellte
S ibn et), 5. Mai., Der frühere Premierminister und Führen der Arbeiterpartei, Watson, hat in einer in Adelaide gchläteneni Rede konstatiert, daß die australischen Sozialisten königstreu seien und die Ehe heilig 7)alten.
Aus Stad! und KmrS.
Gießen, 6. Mai 1905.
** Personalien. Am 2. Mai wurden die Steuer^ aufscyeraspiranten Roßmann aus Darmstadt, Alles auS} Trais, Weber aus Gießen, Niklas aus Rohrbach, HaaN aus Lich und Fischer aus Gonterskirchen zu Steueraufseherft ernannt. — Durch Entschließung des Großh. Ministeriums des Innern wurde Professor L. Habich zu Darmstadt zum Mitglied des Ausschusses des GewcrbcvereinS für das Groß--


