Ausgabe 
4.2.1905 Erstes Blatt
 
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155* Jahrgang

Samstag 4. Februar 1905

Erstes Blatt

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Netzen

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Die Heutige Wummer umfaßt 14 Seiten

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rfticiet ««glich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden tm Weckiel mit dem Hessischen Landwirt die Giehener Famtiien« Wut viermal in der Woche beigelegt.

Notationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Umvers.-Buch-u. Stern- druckerei. 9L Lange.

Kedaktton, Lrvedttton und Druckerei:

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Adresie für Depeschen: Anzeiger Gietzeu.

FernsprkchanlchlußNr.51.

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^utdeuplatz 12

die Expedition zu besuchen. Tier Firi cm Minister bemerkte bet < diesem Anlaß, daß die Expedition dieses Zeichen hoben Wohl- i wollens verdiene. Ten Arbeitern wurde, darauf gestattet, das \ Große Palais zu besichtigen: auch wurde ihnen von der Schloß- , Verwaltung ein ^nbT Geboten. j

2te Getöteten der Petersburger Unruhen.

Petersburg 3. Febr. Nach einer heute veröffentlichten amtlichen L i st e der Personen, die bei den Unruhen am 22. Januar getötet wurden, bezw. an den erhaltenen Wunden } in Petersburger Krankenhäusern verstorben, sind im ganzen 130 Menschen ums Leben gekommen: unter diesen sind nur 11 nicht rekognosziert worden und ihre Namen also nicht anzugeben.

Die Lage im Lande.

Petersburg, 3. Febr. (P^ersb. Tel.-Ag.) Amtlich wird bestätigt, daß in ganz Rußland die Ruhe w i e£ e r e i jv tritt. Tie Arbeiter nehmen die Arbeit wieder auf. Tte Kund­gebungen auf den Straßen haben aufgehört.. Schwimig bleibt die Lage nur noch Im Weichselgebiet, aber die kritische Zett! für Warschau ist vorüber: allmählich geht auch hter alles wieder seinen geordneten Gang.

Warschau,^ Febr. Dem Polizeibericht zufolge smd wah rend der Unruhen 57 Personen getötet worden oder infolge erhaltener Verletzungen gestorben, btmmier sechs Fra u e n und drei Kinder. In allen polnischen Zuckerfabukm und ebenso in den Kohlenbergwerken von Tnmbrowa sind die Arbeiter in den Ausstand getreten: die Kohlenförderung wurde eingestellt. Tie Kohlenpreise in Warschau steigen.

Warschau, 3. Febr. (W. B.) Der bei den letzten Unruhm getötete Student Dseribitsky wurde heute mittag irntcr der Beteiligung einer groben Volksmenge, namentlich vieler Lä­dierender, beerdigt. Dabei wurde eine Anzahl von Verhaft­ungen vorgenommen. _ ,

Odessa, 3. Febr. (W. B.) Die Hockschulkurse sur Frauen wurden wegen der Sttdmtniimrnhen geschlossen.

Der neue Minister Bulygin.

Bulygin ist 55 Jahre alt: er ist ein Zögling der Petersburger Rechtsschule und hat eine Reihe iuristischer Aemter bekleidet, bis er 1887 Gouverneur von Kaluga und später unter dem Groß- fürsten Sergius Gouverneur von Moskau wurde. Aus ieiner dortigen Tätigkeit ist er als eng konservati v bekannt.

Kattowitz (Schlesiens 3. Febr. Tie 30000 Arbeiter, die unmittelbar an der russischen Grenze streiken, ver­folgen nur zum kleinen Teil wirtschaftliche Zwecke. In der Hauptsache handelt es sich bei ihnen um eine politische Demon­stration. Tas Arbeiterkomitee hat bisher Zerstörungen^ von Eigen­tum nicht geduldet, hält eine eigene Polizei und stellt Posten zur Bewachung der Fabriken ans. Von einer eigentlichen Leitung des Streikes ist trotzdem nicht die Rede, wenigstens kennt mau die Führer nicht. Heute morgen wurden mehrere, deutsche Ve- triebsbeamte von den Ausständigen in Sosnowice aus den Betten geholt und notdürftig bekleidet nach den Zeckensälen gebracht, wo man fruchtlos gebliebene Verhandlungen mit ihnen führte. Tiefer Auftritt hat in den Betroffenen so unangenehme Empfindungen ausgelöst, daß sie mit dem nächsten Zuge über die Grenze fuhren; vor der Hand dürften sie kaum nach Ruß­land zurückkehren. Im übrigen wird feder Mann drüben, auch die Polizei, gezwungen, sich an den Protestaufzügen wider den Zaren und Rußland zu beteiligen. t r

Riga, 3. Febr. Während der letzten drei Tage haben noch verschiedene Zusammenstöße zwischen den Kundgebern und den Soldaten stattgefunden, wobei 40 Personen getötet und 100 v erletzt worden sind, darunter 12 Studenten und 5 Soldaten getötet. Tie Ruhe ist noch nicht wieder her- gestellt. In Petersbirrg hat der Empfang der A r b e 11 e r d e l e- gation seitens des Zaren nicht den erwarteten Erfolg gehabt. Tie Mehrzahl dar Delegierten soll, wie behauptet wird, ver- kleidete Polizisten ans Mmnoks gewesen sein.

W a r s ch a u , 3. Febr. In der Vorstadt Budki wurden mehrere plündernde Individuen von Arbeitern erschlagen.

Lodz, 3. Febr. Auf dar Fabrik von Kunitzer wurde vom Militär eineSalve abgegeben, wodurch sechsPersonen getötet und 48 verwundet wurden. Ein Teil der Arbeiter nahm die Arbeiter wieder auf. In der Fabrik von Mer wurden die Arbeiter von der Menge an der Arbeit gehindert. Tas Militär gebrauchte die Schußwaffe.

Kielz, 3. Febr. In dem hiesigen Gymnasium fanden Ruhestörungen statt. Tie Sckmler der oberen Klassen ver­langten von dem Tirektor Unterricht in der polnischen Sprache, Ernennung ausschließlich polnischer Lehrer und Abschaffung des Verbotes bett, die Zulassung i ü bischer Sch ul e r Tie Schüler begaben sich in großer Zahl zur Mädchenschule und verlangten Einstellung des UnterricbtS. In der Stadt herrscht große Unruhe. Die Läden sind geschlossen.

£ e w qung.

Essener Meldungen zufolge sind am 1. Februar 4218 Wagen gestellt worden, gegen 3987 am 31. v. M. Weiter wird gemeldet, daß im Kieler Hafen innerhalb weniger Tage 12 große Kohlendampfer eingelaufen sind. Die un­gehinderte Benutzung des eisfreien Nordostseehafens er­leichtert die beschleunigte Kohlenversorgung sehr. Nackte frage nach nordenglischen Kohlen m Newcastle hat zugr- nommen.^o^ Drgnn Zechenbesitzer wird daraus bin-

Aer Krieg.

Gripenberg.

Petersburg, 3. Febr. (Petersb. Tel.-Ag.) General Gripenberg bat aus Gesundheitsrücksichten den Oberbefehl über die zweite Mandschureiarmee an den Korpskommandeur General Myloff übergeben..

Tokio, 3. Febr. (Reuter). Aus einem ausführlichen. Berichte des Marschalls Oyarna über die Kämpfe vom 2 5. dis 2 9. Januar, die er unter dem Namen der Schlacht von Heikoutai zusammensaßt, geht hervor, daß die an den Kämpfen beteiligten Streitkräfte zahlreicher und der Kampf selbst weit heftiger als bisher gemeldet waren. Die Schlacht ging in einem starken Schneesturm vor sich, der jeden Ausblick erschwerte. Die Nächte waren bitter kalt. Der Kampf hing, wie berichtet wird, einige Zeit in der Schwebe und die Lage der Japaner war kritisch. Dreißig russische Geschütze, die geschickt rund um Heikoutai nufqeltcdt waren, bestrichen die Stellungen der eingreifenden Japaner. Der linke Flügel der Japaner erlitt schwere Verluste; der äußerste Teil desselben wurde zum zeitweiligen Zurückgeben gezwungen und eS kam da­rauf zu erbitterten Kämpfen Mann gegen Mann, doch gelang es den Japanern schlieblich, die Russen zurückzu- s ch l a g e ii. Die russischen Abteilungen, die sich in einer ver- borgenen Stellung bei Sumapao auftsielten, feuerten am Morgen des 38. Januar gegen die Nachhut der Japaner; diese umgin gen die Russen, griffen sic dann an imd rieben 'sie 'fast völlig aus; nur 200 Mann von den Ruffen ergaben sich. Da die Japaner überall an Zahl schwächer waren, beschloß Oyama, einen allgemeinen Nacht- an griff aller Abteilungen zusammen zu Unternehmern Mehrere Angriffe wurden gemacht, wobei die Japaner te- doch schwere Verluste erlitten. Nach wiederholtem An­griff der Japaner begannen die Russen zurückzugehen. Am 29. Januar um 5 Uhr früh unternahmen die Japaner einen Sturmangriff auf Heikoutai und waren um 9 Uhr tm völligen und festen Besitz des Platzes. Das werte russische Infanterie-Regiment wurde so gut tote ganz ansgeriebe n.

Die Schlacht bei Heikoutai oder Sandepn.

London 3 ,t br Ter Korrespondent biv jiLittcr|Ci)in Bureaus in dem ussischeu >?ou, quartier meldet aus Muk- den vom 1. Februar: Ne Russen schreiben tlyre roaupt-

Sosnowiee, 3. Febr. Die Zahl der Ans ständigen beträgt etwa 40 000. Heute sand eine Versammlung statt. Ste verlangten den Achtstundentag, Msckaffung der BeamsicMigung der Arbeiter beim Verlassen der Fabrik, das Recht bei Sntennung üon Werkführern mitzureden und eine Aufsicht über die Krauken- fa«en und gesundheitlichen Arbeitereinrichtungen ausübeu zu dürfen Ferner fordern sie für Männer einen Minimallohii von 1 Mbel 50 Kopeken, für Frauen einen solchen von 1 Rubel 20 Kopeken, eine Altersversicherung und Entfernung der polizei­lichen Aufsicht aus den Fabriken Nach Schluß der Versammlung zogen 12 000 Arbeiter in großer Ordnung über Berdme bt.s nach Dombrowo, wobei sie überall die Einstellung der Arbeit veranlaßten Später zerstreuten sie sich. -Tank den von der Polizei getroffenen Maßnahmen ist es zu Ruhestörungen nM gekommen. Die Schulen sind geschlossen. Patrouillen durch- ziehen ^bic Straßen.^Information" aus

Petersburg berichtet wird, bat die Untersuchung über den EiU- sturz der über den Fontan k a - F l u ß füllenden H an ge­hr g Z e ergeben, daß es sich Nickt um einen Zufall handelt, solidem um eine T a t d e r R e v o l u t i on ä r e._______

Eichener Anzeiger

** General-Anzeiger

5>te Ereignisse in Uuiland.

Ter Zar und die Arbeiter.

Petersburg, 3. Febr. (Petersb. Tel.-Ag.) Kaiser Ni­kolaus empfing heute in Zarskoje Sselo s ü n f A r b e i t e r aus der Zahl der Vertreter, die die Arbeiter der Werkstätteii und der Expedition zur Herstellung der Staatspapiere gewählt haben. Tie Arbeiter wurden in einem Hofwagen von dem Bahn­hofe nach dem ehemaligen Lyeeumsgebäude und von da nach dem Alexanderplatz gebracht, wo sie von dem Kaiser in dem großen Empfangszimmer empfangen wurden. Finanzminister Kv- kow,°w.un» ber Vorstand dor Wteilung für Swatspapicre, Fürst Golitziu, waren hierbei anwesend. Ter Kaiser befragte leben ber ShMtcr eingchond übet dir Art scincr Arbeit und die Tauer seines Dienstes in der Expedition. Zum Schlüsse der Unterhalt­ung sprach der Kaiser den Arbeitcrverttetern seine Zufriedenheit darüber mis, daß sie ihre Pflickien ehrlich und gewissenhaft erfüllt hätten, und beauftragte sie, in seinem Namen ihren Kameraden zu danken. Ter Kaiser sprach auch den Wunsch aus,

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auswärts -'9 3'j. Verantwortl'ch< den polit und Teil: P. Wittto' für w©tabt und Sanb* und ^Gerichtssaal": August Goetz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

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Sen.M. 5000

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KroßÜerzog Krnst Ludwig und Kotki.

Englische Zeitungen behaupten, die Freilassung Gorkis bestätige sich nicht. Von den Verhafteten sei nur Prof. Hessen freigelassen worden. Professor Karejew werde wahrscheinlich ebenfalls freigelassen werden. Gorkis Freund, Kopiatnitzky, hätte Gorki besucht. Gorki befinde sich in Einzelhaft in einer schlecht geheizten kleinen Zelle mit steinernem Fußboden. Filzschuhe würden ihm verweigert. Er müsse Gesangenenkleidung tragen und hat auch kein Schreibmaterial. Gorki bat seinen Freund um englische und französische Bücher, sowie um Bücher über Biologie und Physiologie, da er wahrscheinlich un° bestimmte Zeit in Haft bleiben werde. Er wisse nicht, ob er vor Gericht komme oder administraüv ver­bannt werde.

Von anderer Seite wird dagegen berichtet: Die Frei­lassung Gorkis erfolgte aus einen direkten Befehl de§ Zaren, welcher durch die Zarin infolge eines vom Darmstädter H^ofe zugegangenen Brieses ver­anlaßt war.

Wir Hessen haben wahrlich guten Grund, dieser letzteren Nachricht Glauben zu schenken und die englischen Meldungen in das Reich gehässiger Phantasie zu verweisen. Unser Großherzog Ernst Ludwig also hat die Frei­lassung des genialen russischen Dichters er­wirkt! Ihm gebührt dafür der begeisterte Dank der ge­samten Kulturwelt, und wir Heflen blicken erneut mit be­sonderem Stolze auf unseren Fürsten und seine kaiserliche Schwester. Wieder einmal dürfen wir mit herzlichster Genug­tuung vor aller Welt verkünden, daß der hessische Großherzog unter den gekrönten Häuptern unserer Zeit hervorragt durch wahre Humanität, durch Größe der Lebensbetrachtung, durch edelmütige Achtung allen Menschengeistes, durch hochsinniges Verständnis für die Weltauffassung ehrlich Andersdenkender. Der hessische Großherzog Ernst Ludwig war es, der dem Vor­kämpfer der Freiheit eines fremden Volkes, einem Dichter, dessen Werke ein unverlierbares wertvolles Besitztum der ganzen Kultur­welt sind, die Tür zur Freiheit geöffnet hat. Daß unter den ^Krallen eines gewalttätigen Regiments, dem der Zar, dieser zartsinnige und sanftmütige Fürst, dessen weiches, mitfühlen­des Herz eigentlich nur die Bewohner unserer hessischen Landes­residenz kennen, ganz gewiß im Innersten recht abhold ist, es aber für unerläßlich hält, ein Mann von so tiefer Religiosität, von so unbeirrbarer Christlichkeit wie der Dichter desNachtasyls^ verbluten solle, empfand Groß­herzog Ernst Ludwig als eine ungeheuerliche Fceveltat. Darum vewandte er sich für den Geknebelten bei dem ihm herzlich so nahestehenden russischen Kaiserpaare. Und daß der von Darmstadt nach Zarskoje Selo gelangte Brief Erfolg hatte, daß Zarin wie Zar den Vorstellungen unseres Hessenfürsten gegenüber nicht unverschlossen blieben, dieser Erfolg der Großherzigkeit unseres Großherzogs bringt dem Herzen der Welt auch das Zarenpaar wieder um ein Erkleckliches näher. Der berühmte Dichter ist zweifellos dem russischen Selbstherrschertum unbequem, ja gefährlich. Das steht außer Frage. An Tatsachen-Material, um ferne Ver­urteilung oder Verschickung nach Sibirien zu begründen, fehlte es gewiß nicht. Und dennoch hat das Zarenpaar ihn freigegeben, dennoch ist es davon zurückgetreten, diesen Gegner unschädlich zu machen. Das Zarenpaar hat sich dem tieferen Feinsinn, der besseren Einsicht unseres GroßherzogS gebeugt. Die Jntellektualität triumphiert über die Brutalität.

Maxim Gorki aber wird in Zukunft gut tun, den Bogen nicht zu sttass zu spannen. Handlungen, die sich nach den Gesetzen des Landes als Hochverrat qualifizieren, kann eine Regierung ausnahmsweise einmal ignorieren, auf die Dauer jedoch nicht ungestraft lassen. Wer eine Revolution macken will, muß sich darüber klar sein, daß es dabei ohne gewalt­same Maßnahmen nicht abgeht, und daß nicht bloß hin­über, sondern auch herüber geschossen wird. Sollte Maxim Gorll durch seine Taten der russischen Regierung nochmals eine plausible Handhabe zur Verhaftung bieten, so wäre es sehr zweifelhaft, ob zum zweiten Male die öffentliche Meinung für ibn mobil zu machen wäre. Die öffentliche Meinung würde sich setder ibm entgegenstellen müssen. Fühlt er sich also durch seinGewissm gedrungen, seinerevolutionäre Tätigkeit ftrtzusetzen, so gebietet ihm die Klugheit, sich zuvor ins Ausland zu begeben.

gewiesen, daß eine längere Tauer des Streiks schwere ted> nische Schädigungen mit si'ch bringen werde und infolge­dessen nach Beendigung des Streiks eine erheblich geringere Anzahl Bergleute angenommen werden würden.

Weiter ist zu melden, daß sich die Werke, die zur Be» triebseinstellung gezwungen finb, mit jedem Tage» mehren. Die belgische Kohle können die Walzwerke nicht verwenden und die englische kommt um 80 bis 90i Mk. teurer als die einheimische; die Betriebe^ werden deshalb eingestellt und die Arbeiter auf bessere Zeiten vertröstet.

DieKöln. Ztg." erfährt aus maßgebenden Kreisen dep Zechenbesitzer, daß nach deren Auffassung Mißstände allgemeiner Art nicht vorhanden seien, über deren Abstell­ung mit den Arbeitern verhandelt werden könne, sodaß sie auch weiterhin an dem Standpunkte festhalten, sich^auf keinerlei Verhandlungen mit den Ausstän- d i g e n einzulassen. Jedes von den Zechenbesitzern gemachte! Zugeständnis führe zur Erhebung weiterer Forderungen^ und diene nur zur Verlängerung des Ausstandes. Anderer­seits werden es die Zechenverwaltungen nicht ablehnen,, einzeln mit den "betreffenden Belegschaften zu verhandeln- wenn diese wegen Wiederaufnahme der Arbeit an sie heran- tteten. Maßregelungen sollen nicht vorgenommen werden^ bindende bezügliche Erklärungen werden indessen abge- lehnt. .

In Essen traf am Freitag Minister v. Hammerstern, Tberpräsident Nasse, Regierungspräsident Schrewer und ^,wei Negierungsräte ein. Sie fuhren nach den Zechen Her­kules, Graf Beust und Gustav, dann über Altenessen brs Horst und kehrten dann nach Essen zurück. Es fand nuri im Landratsamt eine Kon feren z statt, an der dre Herrenj vom Bergbauverein nicht teilnahmen. Es wurden dre poll- ?eilichen Maßnahmen besprochen, die der Mrnrster brllrgte und für ausreichend erachtete. Alsdann begab sich derk Minister nach Dortmund. .. .

Eine in Essen von dem Hirsch-Tunker,chen Gewerkverern einberusene Fr auenv er s ammlung nahm eine Ev- llärung an, die die Frauen aufforderte, die Männer zu unterstützen. Der Saal war so dicht besetzt, daß einige Frauen ohnmächtig wurden.

In den 18 Bergwerksrevieren des Oberbergamtsbezirks Tortmrlnd und auf der Zeche Rheinpreußen fuhren am Freitag von der Gesamtbelegschaft von 2159 446 902#^: unter und über Tage 62361 Mann an gegen 245 957 beM 52 089 Mann am 1. Febr., aber ohne Reinpreußen gerechnet: mifl Rhein Preußen sind heute 2992 von 4506 Mann ungefährem Tie 4800 Mann starke Belegschaft der nichtstreikenden Zechstt des Dortmunder Bezirks sind vollständig angefahren.

Ein scharfer K o n s l i k t ist zwischen den Angehörigen der verschiedenen Arbeiterverbände ausgebrochen. Wah­rend die christlichen Verbändler beschlossen, die Ar­beit wieder aufzunehmen, beschlossen die sozial­demokratischen Streikenden, im Aus stände zu be­harren. Der christliche Gewerkverein soll geneigt settl, den Streik für beendet zu erllären, wenn die preußische Regierung die Berggesetznovelle baldigst vorlegt und di6 Garantie übernimmt, daß der Landtag sie annimmt.

chen ^oifrägeit 629 Ter Vorstand.

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und ferner PrwlU' 6*