Ausgabe 
2.10.1905 Erstes Blatt
 
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831 Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Montag 2. Oktober 19051

Erscheint «glich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebener LamMenblSttrr" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Etzelstich« Lair-Vkl" erscheint rnonatlich einmal.

Eichener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ich« Univerfitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieße».

Eeneral-Anzeiger, Amts- und Aszeigeblatt str den Kreis Gießen.

Aeutsch-HstafriKa.

Ein Telegramm des Kommandanten derThetis" aus Dar-eS-Salaam vom 30. September meldet: Ein Seesoldaten­detachement ist am 26. September von Dar-es-Salaam nach Mohoro abgegangen zur Ablösung der Vusiardmannschaft unter Oberleutnant Paasche; Paasche bleibt dort; ferner ist Hauptmann v. Schlich tin g mit 21 Marinesoldaten nach Kibata abgegangen. Das Tangadechatement geht anfangs Oktober auf der Ugandabahn nach Muansa, und wird durch ThetiSpersonal ersetzt. Der ,Bussard4 geht am 30. September nach Süden, um die BusiarddetachementS in Lindi und Mikindani gegen Verstärkungen auszutauschen und zum Ein­ziehen seiner Detachements in Kilwa und Mohoro. Die Thetis" bleibt vorläufig in Dar-eS-Salaam.

Bezirksamtmann Lambrecht meldet, daß nördlich des großen Karamanenweges im Bezirk Mrogoro alles ruhig ist. Im südlichen Teil hat Hauptmann Fönk die Ruhe her­gestellt. Hauptmann Hasse aus Mahenge meldet, daß die Benediktiner-Missionare und der Tiermaler Kunert wohlbehalten auf der Militärstation sind. Der Posten an der Jffekarafähre ist von den Aufständischen aufgehoben und die Poststraße noch gesperrt. Infolge der Kämpfe herrscht im Bezirk Nahrungsmangel. Uhehe und Usiunga sind ruhig. Der Missionar Neuberg wurde im Bezirk Songea auSgeplündert, befindet sich aber jetzt in Kidu- gale in Sicherheit. Oberleutnant Klink hart hat in Wied- Hafen eine Besatzung gelaßen und marschiert jetzt auf Songea; die für den Schutztruppendienst angeworbencn Massaualeute werden Ende Oktober erwartet; sie werden dann einexerziert und dürften Ende des Jahres zur Verwendung kommen. Menn alles gut geht, kann der Aufstand in acht bis zehn Monaten unterdrückt sein.___________________________________

Kusstsche Neuigkeiten.

In Odessa ist am 1. Oktober die Leiche des Gene- e-ald Kondratenko, des Helden von Port Arthur, ein­getroffen. Bei der unter Teilnahme der ganzen Bevölkerung abgehaltenen Trauerfeier gedachten die Vertreter der Gene­ralität und der Behörden der Verdienste des Gefallenen. Der Sarg war mit Silberkränzen bedeckt, die von der mand- ichurifchen Armee, den Generalen Linewitsch und Stössel, der Stadtverwaltung von Odessa und anderen Städten gewidmet waren. Von Odessa erfolgte die Ueberführung des Sarges auf einer Lafette ruhend unter dem Geleite einer Ehrenwache, die aus Mannschaften der ehemaligen Besatzung von Port Arthur zusammengesetzt ist, nach Petersburg, wo die Beisetzung im Anwesenheit des Kaisers erfolgen soll.

Aus Lodz wird gemeltxt: Als der 63jährige Groß- wdustrielle Kunitz er von der Vorstadt Widzew auf der Straßenbahn in die Stadt zurückkehrte, wurde er auf dem Stehplatz des Hinteren Perrons von einem mit zwei Re­volvern bewaffneten mitfahrenden Arbeiter überfallen und durch drei Schüffe in die Herzgegend getötet. Der Täter versuchte zu entkommen und beschoß auf der Flucht die ihn verfolgenden Polizisten. Der Mörder wurde aber verhaftet; er ist etwa 30 Jahre alt, nannte sich Adolf Schultz, Fabrik­arbeiter. Der Attentäter war betrunken. Der Ermordete war einer der Lodzer Millionäre und Präsident der Wohl- sahrtseinrichtungen.

Aus Mit au wird berichtet, daß der Bahnhof von Marianow angegriffen worden sei. Der Stationschef und seine Gattin sollen dabei getötet worden sei. Die Lokali- täten wurden vollständig ausgeräumt.

Deutscher Reich.

Rominten, 1. Okt. Der Kaiser und die Kaiserin wohnten heute dem Gottesdienste bei. An der Mittagstafel nahm der heute hier eingetroffene Landwirtschaftsminister v. Podbielski teil. Am Nachmittag beabsichtigen der Kaiser und die Kaiserin das Johanniterkrankenhaus in Szitt- kehmen zu besuchen.

Berlin, 1. Okt. Wie dieZukunft" behauptet, hat k>er Kaiser in einem sozialpolitischen Gespräch erklärt, er habe zum Reichskanzler gesagt,nun sei die Kompott­schüssel voll und vorläufig genug für die Ar­beiter geschehen. (Wir glauben selbstverständlich an dieses neueste Kaiser-Bonmot" nicht. Mit dieser Unart vonBon­mots" wird überhaupt in der letzten Zeit in der Presse viel Unfug getrieben. Daß angesichts der gegenwärtigen Fleisch­teuerung Kompott gewissermaßen als Volksnahr­ungsmittel hingestellt worden sein soll, scheint uns eine bare Unmöglichkeit. Oder soll man die Hauptmahlzeit schon als vorausgegangen ansehen? D. Red. d. G. A.)

Wie dieB. Z." bestimmt erfahren haben will, wird Justizminister Schönstedt noch vor Beginn der parla­mentarischen Kampagne durch den Kammergerichtspräsidenten v. Schmidt ersetzt werden. Schönstedt werde den Posten v. Schmidts übernehmen. (Das ist sehr unwahrscheinlich! D. Red.)

Der Vorstand des deutschen Städtetages tritt tun 9. Oktober hier zu einer Sitzung zusammen, um die Maßnahmen, welche gegen die Fleischteuerung zu treffen and, zu beraten.

Hamburg, 1. Okt. Der PostdampferEleonore Woermann" mit den von der Studienreise nach Togo und Kamerun zurückkehrenden Reichstagsabgeordnetcn 'st heute nachmittag im hiesigen Hafen wieder eingetroffen. Me Mitglieder befinden sich in bester Gesundheit; sie äußerten 4ch hoch befriedigt über den Verlauf der Reise.

Dresden, 30. Sept. Die Negierung wird gleich ««ach dem Zusammentritt des Landtages wegen ihrer Stellung zur Fleisch not interpelliert werden.

Baden-Baden, 1. Oft. Der italienische Minister des Nutzem Tittoni ist heute ab gereist.

Ansrcmd.

Stockholm-, 1. Ott. Die Wahlen! zur Zweiten Kammer snrd jetzt abgeschlossen. Sie zeigen, daß eine Ver­schiebung nach links stattgefunden hat. Von 230 Wahlen sind 61 Neuwahlen; zehn Neugewählte sind Sozialdemo­kraten,- welche früher vier, und jetzt vierzehn Ver­treter haben, mindestens 34 gehören der liberalen Partei an. Seitens der Rechten rechnet man darauf, das; 107 Mitglieder der Rechten und Moderate, 109 Liberale und 14 Sozialdemokraten gewählt sind, während nach Meinung der Linke!- 6 Mitglieder der Lücken, 100 der Rechten und 14 Sozialdeme.eaten gewählt sind. Hinsichtlich der Stellung der Gewählten zur pr o po rti o- nalen Wahlmethvde meint die Rechte, daß 131 Gegner derselben gewählt seien, während die Linke die Zahl auf 150 veranschlagt.

Madrid, 1. Okt. Auf den Personenzug, der 40 Minuten vor dem Hofzuge, der die königliche Familie nach Madrid zurückbrachie, vorauffuhr, wurden auf der Strecke bei Cora- eampo große Steine geschleudert.

Wien, 1. Okt. Bei einem Fackcl ' ug zu Ehren des deutschen Volkstags in Brünn kam es zu sammenstößen zwischen Deutschen und Tscheche,. . die den Fackelzug stören wollten. Unter den Verletzten auf deutscher Seite be­finden sich der Vizebürgermeister Rohrer mit einem Kvpshieb und sein Sohn. Auch bei den Tschechen gab es viele Verletzungen. Viele Fensterscheiben wurden eingeschlagen und die schwarz-rot-goldenen Fahnen herabgerissen.

Schwurgericht.

th. Gießen, 2. Okt.

AM Samstag verhandelte das Schwurgericht bis abends 11 Vs Uhr gegen den -am 13. 'April 1879 zu Glashütten bei Stuttgart geborenen, zuletzt in Worms wohnenden Maurer Gottlob Karl Bauer wegen Totschlags. Die 'Anklage vertrat Staatsanwalt Reuß, die Verteidigung führte Rechts­anwalt Mendelsohn. Nach dem 'Anlla geb eschluß wird Dauer beschuldigt, am 11. September d. I. in Büdingen den Fuhrmann Wilhelm Bieber mittels eines Nevolver- schusses vorsätzlich getötet, die Tötung! jedoch nicht mit Ucber- legung ausgeführt zu haben. Der 'Angeklagte ist bis Ostern dieses Jahres in Büdingen 'bei Kanalarbeiten beschäftigt gewesen. Während seines dortigen 'Mfenthaltes hatte er wt Dezember v. I. in einer Wirtschaft einmal einen Ms- tritt mit Karl Bieber, dem Sohn des Getöteten; die 'An­klage nimmt an, daß ein gewisser Groll wegen dieses Ren- kontres die blutige Tat des ^Angeklagten gezeitigt hat. Der 'Angeklagte will am Tage der Tat morgens von Worms ab gereist sein, um in Büdingen von seinem früheren Qüar- tiergeber Wasche und Kleidungsstücke zu holen. Bauer hat, als er nach Frankfurt kam, Wirtschaften besucht und mehrere Glas Mer getrunken, das Gleiche unternahm! er auch in Büdingen, ehe er abends kurz vor 8 Uhr in der Döttgerschen Wirtschaft an der Schloß goss e anlangte und hier an einem Tische Platz nahm, an dem der Kutscher Heinrich Ditzel und der Fuhrmann Wilhelm Meber saßen. Der Angeklagte erklärt, daß ihm ftüher schon und auch am 11. September mitgeteilt wurde, der junge Bieber und Hessen Kollegen woll­ten ihn verhauen. Er habe kaum ein Glas Bier vor sich stehen gehabt, da sei Bieber aufgestanden und habe das Lokal verlassen, und fast gleichzeitig habe Ditzel sich fort- begeben. Diesem sei er auf dem Fuße gefolgt, weil er angenommen habe, der alte Meber wolle den Sohn und dessen Kollegen ihm auf den Hals schicken. IM Hofe habe Bieber sich mit einem Knüppel bewaffnet, und da habe er, ohne zu zielen, zwei Schreckschüsse aus einem Revolver ab­gegeben. Er sei noch am 'Abend in Büdingen verhaftet worden und habe erst 6et seiner Vernehmung von dem Amtsrichter erfahren, daß er seinen Gegner tödlich getroffen habe. Die sehr umfangreiche Beweisaufnahme ergibt, daß der Getötete, der als ein nüchterner, friedlicher Mensch geschildert wird, keinesfalls etwa dem Angeklagten feindlich gesinnt gewesen ist und nicht die Absicht gehabt hat, mit Bauer anzubinden. Der Sohn des Getöteten erklärte, sein Vater sei an jenem 'Abend kaum eine Viertelstunde von zu Hause weg gewesen, als man ihn tot zurückgebracht habe. Es sei unwahr, er oder sein Vater sei dem "Angeklagten feindlich gesinnt gewesen. Eine Reihe von Zeugen, die am 11. September gegen abend mit dem' 'Angeklagten zusammen waren, erklären, daß sie an demselben keine Trunkenheit wahrgenommen hätten. Der Gendarm', der den Angeklagten verhaftete, sowie 'Amtsrichter Klietsch, welcher noch am Abend der Tat das erste Verhör vornahm, erklären überein­stimmend, daß der '^lngeklagte sich dabei wie ein nüchterner Mensch benommen habe. Der Gendarm' hatte dem Festge­nommenen nur mitgeteilt, daß er den alten Bieber verletzt hätte. Als ihm der Amtsrichter sagte, er habe einen Men­schen getötet, erklärte er im ersten Moment ganz bestürzt, dann bin ich zum Mörder gestempelt. Er erging sich dann in gemeinen Schimpfteden über sein Opfer und zeigte nicht die geringste Reue über die Tat. Dem Büdinger Polizeidiener war bekannt, daß der 'Angeklagte vielfach leichtfertig mit einem Revolver um gegangen ist. Man beobachtete ihn des­halb abends scharf. einem Falle erhielt er eine Strafe, weil er in der Nacht auf zwei Straßenpassanten ohne jede Veranlassung zwei scharfe -Schüsse abgegeben hatte. 'Auf Befragen erklärt der Angellagte, er habe damals niemand treffen, sondern nur die Patronen aus seiner Waffe entfernen wollen.

Ditzel schildert die Tat in folgender Weise: Vor dem betreffenden Wirtschaftslokal, etwa in der Mitte der Straße, stellte der 'Angellagte den Bieber, tupfte ihm mit der linken Hand an die Brust und sagte:Geh' heim, hole Deinen Sohn und dessen Kollegen." Mit der rechten Hand hielt Bauer dabei den schußbereiten Revolver auf dem Rücken. Bieber bat, Bauer solle ihn in Ruhe lassen, er habe mit ihm ja nichts vor und sei ein kranker Mann. Ms der Angellagte trotzdem von Bieber nicht abließ und seine Aufforderung, den Sohn herbeizuholen, wiederholte, sagte Bieber, indem er sich wieder nach der Wirtschaft wandte:Da können wir auch ins Höfchen gehen". Der Angellagte folgte. Als er das offen stehende Türchen be­trat, wandte sich der vor ihm gehende Bieber, wohl infolge der gehörten Schritte, Mm, und in diesem Moment gab der Angellagte aus allernächster Nähe zwei Schüsse auf jenen ab, von denen ein Schuß vorbeiging, der andere aber auf der Stelle tödlich wirkte. Prof. Dr. Sommer erstattet darauf ein eingehendes Gutachten, wonach der 'Angeklagte

als geisteskrank nicht bezeichnet werden kann; zweifellos aber halte er den Angeklagten für einen erblich belasteten Menschen, der durch den 'Rlkoholgenuß degeneriert sei und deshalb für seine Handlungen nicht voll verantwortlich ge­macht werden könne. Der Angeklagte habe sich zweifellos^ von dem Bieber bedroht geglaubt, und so sei er zu dev Tat gekommen.

Ten Geschworenen wird vom Gerichtshof die einzige S ch n l d f r a g e nach Totschlag vorgelegt. Auf Antrag der Verteidigung aber wurden weitere Fragen wegen Körper­verletzung mit tödlichem Erfolg event. wegen fahrlässiges Tötung formuliert, bei den beiden ersten noch die Frage nach mildernden Umständen gestellt.

Hierauf nimmt Staatsanwalt Reuß das Wort zur Begründung der 'Anklage. Es sei eine furchtbare Tat, durch die Kugel des Angellagten sei ein biederer, nüchterner und friedfertiger Mann, der Vater von drei Kindern, seiner! Familie ;äh entrissen worden. Ohne Grund und ohne Ur­sache habe Dauer auf Meber feine Waffe losgedrückt, der ihm nie etwas zu leid getan habe. Die Entrüstung in- dingen über die Tat sei so grop gewesen, daß die Bevölkerung drauf und dran war, Lynchjustiz zu üben. Der Staats­anwalt geht auf die Beweisaufnahme ein und kommt zu dem Schluß, daß die Tat des 'Angeklagten sich als Tot­schlag darstelle. Der 'Angellagte sei mit dem Revolver in der Hand am Abend der Tat dem ahnungslos die Wirt­schaft' verlassenden Meber gefolgt, es sei unwahr, daß der Getötete einen Prügel in der Hand gehabt und damit ben Angellagten bedroht hat. Aus Groll über die Affäre, welche er mit dem jungen Bieber gehabt, hat der Angeklagte dessen Vater niedergeschossen. Ein Mensch, der so handle, verdiene keine Milde, ihn müsse die ganze Strenge des Gesetzes treffen. Der Staats anwalt beantragt, die Frage auf Tot­schlag zu bejahen, die mildernden Umstände aber zu versagen, damit man den 'Angellagten dahin bringe, nwhin er gehört.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Mendelsohn, steht auf dem Standpunkt, daß der Totschlag nicht nachgewiesen sei, es sei nicht wiederlegt, was der 'Angeklagte nach dieser Richtung vorgebracht, und em Beweis dafür, daß es der Wille seines Klienten gewesen, den alten Bieber zu töten, sei nicht erbracht. IM vorliegenden Falle stelle sich die Tat des 'Angellagten als Körperverletzung mit tödlichem Erfolg dar, und als solche bittet der Verteidiger die Ge­schworenen, sie auch anzusehen. Jedenfalls' aber müßten bie Geschworenen dem 0ln geklagten nach dem Autachten des Prof. Dr. Sommer mildernde Umstände bewilligen, gleichviel, ob sie die Toffchlagsfrage oder die wegen Körperverletzung bejahen würden.

Der Wahrspruch der Geschworenen lautete aufi schuldig des Totschlags und ®erneinnng herüber Umstände, worauf der Gerichtshof auf eine Zuch thausstrafe von 10 Jahren und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die gleiche Dauer ernannte.. Der Staatsanwalt Halle 12 Fabre Zuchthaus beantragt.

MM mit Land.

Gießen, 2. Oktober.

Personalien. S. K. H. der Großherzog haben am 27. September d. J§. dem Pfarrer Friedrich Schick zu Burg-Gemünden die evangelische Pfarrstelle zu Queckborn, Dekanat Grünberg, übertragen, dem Architekten Ludwig Becker zu Mainz anläßlich der Einweihung der von ihm erbauten St. Elisabethenkirche zu Darmstadt zum 30. September den Charakter alsProfessor" erteilt, dem Kommunalforstmart, Förster Karl Lang zu Vilbel, aus An­laß seiner mit Wirkung vorn 1. Oktober an erfolgenden Ver­setzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Dienste" verliehen. S. K. H. der Großherzog hat mittelst Entschließung vom 23. d. MtS. den Präsidenten der OberrechnungSkammer, Ludwig Ewald, von den Funktionen des Vorsitzenden der Staatsschuldenverwaltung enthoben und den Ministerialrat und Vorsitzenden der Ministerialabteilung für Finanzwillschaft und Eisenbahn­wesen, Ernst Karl Süffert, zum Vorsitzenden der Staats- schuldenoerwalstmg bestellt.

Personalien. AuS Darmstadt wird uns draht­lich gemeldet: Lehramtsakzessist Willy Böck am Real» gyinnasium zu Gießen wurde zum LehramtSaffeffor ernannt. Der Schullehrer an der Volksschule zu Gießen, Johs. Braun, wurde auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober 1905 ab in den Ruhestand versetzt und ihm das silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Der Forstakzessist Ernst Eckhard aus Gießen wurde zum Forst» assessor ernannt.

* Zur 100jährigen Geburtstagsfeier des ältesten Einwohners unserer Stadt, Herrn Geometer 1. Klaffe Georg Euler, veranstalteten die Geometer 1. Klaffe von Gießen und Umgegend gestern abend eine gesellige Familienfeier im Hotel Schütz, zu der sich außer dem Jubilar und dessen Tochter noch der Vorsitzende des hessischen Ver­eins der Geometer 1. Klasse, Großh. Revisionsgeometeri Rechnungsrat Bergauer, und sämtliche Kollegen des Jubi­lars aus Gießen und Umgegend eingefunden hatten. Die> Feier verlief in schönster Weise und der alte Herr nahm ini bester Stimmung bis zum Schluß an ihr teil. Im Saufe des Tages waren von hier und außerhalb bereits zahlreiche briefliche und telegraphische Gratulationen eingetroffen. Nach­stehend seien noch einige Daten aus dem Leben des Jubilars mitgeteilt: Georg Euler wurde am 1. Oktober 1805 als Lehrersohn zu Usenborn im Kreise Büdingen geboren, war seit 1841 als Geometer 1. Klasse hier in Gießen tätig und erfreute sich stets hoher Achtung und Beliebtheit. Dem ehr­würdigen, fleißigen und strebsamen Herrn war es jedoch nicht vergönnt, für seinen so überaus langen Lebensabend Glücks­güter aufzusparen, weshalb ihm von der hessischen Staats­regierung und der Stadt Gießen eine Ehrenpension gewährt wurde, die dem Greise hoffentlich einen sorgenlosen Lebens­abend zu bereiten imstande ift.