Nr. 135 Zweites Blatt.
154. Jahrgang
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Giehener ZamiNenblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der »hesfische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Giehener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Brü hl'scheu UniversttätSdruckerei. ÖL Lange, Gießen.
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Tel. Nr. 5L Telegr^-Adr. i Anzeiger Gießen.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.
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Die heutige Mmmer umfaßt 8 Seiten.
Bekanntmachung.
Betr.: Rotlaufseuche zu Inheiden.
Bei einem Schweine des Karl Albus zu Inheiden ist Rotlaufseuche festgestellt worden. Gehöftsperre ist verhängL
Gießen, den 30. Mai 1904.
Großherzogliches Kreis amt Gießen.
I. V.: Hechler.
Dolitische Tagesschau.
Enten.
Die Zeit für unverbürgte Meldungen — eine höflichere Bezeichnung für „Enten" — kommt heran, diesmal früher als in anderen Jahren. Da weiß soeben eine Information Mitteilung zu machen, daß Kaiser Wilhelm ein „ziemlich umfangreiches Handschreiben" an den russischen oberkommandierenden General Kuropatkin gerichtet habe. Es bedarf nicht erst eines offiziösen Dementis, um die Unwahrscheinlichkeit dieser Nachricht, die wie wir gestern schon erwähnten, der Zeitschrift „Asia" entstammt, darzutun. Im übrigen klingt ja die gestrige Meldung, Kaiser Wilhelm bringe dem Krieg das größte Interesse entgegen und informiere sich darüber täglich sehr genau, ganz wahrscheinlich Zu den minder haltbaren Tagesleistungen gehört ferner eine vom Bureau Lasfan gestern weitergegebene Erzählung des „Newyork Journal" aus Washington, von der wir gestern gar keine Notiz nahmen, daß der Kriegssekretär der Ber. Staaten den deutschen Botschafter längere Zeit im Vorzimmer warten ließ und ihn alsdann in Gegenwart anderer Personen, u- a. Journalisten, empfangen habe- Selbst die „Tagesztg", die von der Liebenswürdigkeit des Frhrn- Speck v. Sternburg gegen die Herren Amerikaner nicht entzückt ist, hält den Bericht für eine Erfindung. Herr v. Sternburg würde unseres Erachtens bei einem solchen groben Verstoß geaen Höflichkeit'und Herkommen kurzen Prozeß gemacht haben- Die „ungewöhnliche Behandlung des diplomatischen Vertreters des deutschen Kaisers" ist eins von den Stückchen der gelben Presse, dumm ersonnen zum Ruhm amerikanischer Furchtlosigkeit und Unabhängigkeit-
Der Kampf um den Ozean.
Eine Wirkung der Weltausstellung in St. Louis, die bis jetzt die hinsichtlich des Besuchs gehegten Erwartunaennicht ganz zu rechtfertigen scheint, macht sich bereits bemerkbar, nämlich in der Verschärfung des Wettbewerbs unter den nordatlantischen Dampferlinien- Eine Liverpooler Meldung bringt da zunächst den Morgan- schm Schisfahrtstrust in Erinnerung- Sein Begründer ist in nebelhafte Ferne verschwunden, und das Gefüge des Trusts hat sich so gelockert, daß der Zerfall eine Frage kürzester Zeit sein dürfte. Als Hecht im Karpfenteich wirkt die englische Cunardlinie. Sie erfreut sich der Unterstützung der Londoner Regierung und ist überdies umsomehr in der Lage, für die Ueberfahrt nach Amerika niedrige Tarife aufzustellen, als ihr auf Grund des Vertrages mit der ungarischen Regierung die Beförderung der dortigen Auswanderer zufällt, was einen erklecklichen Verdienst ab
wirft. Der einfache Selbsterhaltungstrieb nötigt also die Konkurrenzlinien trotz der Zugehörigkeit zum Morgan-Trust, die Passagepreise der Cunardlinie zu unterbieten, wenigstens ür diq .dritte Schiffsklasse. Dagegen protestiert nun der Präsident des Trusts- Doch er wird schwerlich etwas erreichen oder verhindern. Besser niedrigere Passagepreise und Fahrgäste, als höhere Preise und keine oder nicht ausreichend Fahrgäste. Die Geschäftsunkosten der Rhedereren wachsen ohnehin infolge der größeren Dimensionen und der vollkommenen Ausstattung der Schiffe- Wenn also ein Kom- pagniegeschäst nicht rentiert, so löst man es aus und sucht auf eigene Faust oder auf Grund einer aussichtsreicheren Koalition sein Fortkommen. So wird es auch mit dem Moraantrust geschehen- Vielleicht gehen aus dem ver- chärften Wettbewerb neue Inter essenverbände hervor, die besonders für die deutschen Großryedereien sich vorteilhaft erweisen. Es sei beiläufig bemerkt, daß die Hamburg- Amerika-Linie mit dem Verkauf von Schnelldampfern an Rußland ein gutes Geschäft gemacht haben muß, ein besseres jedenfalls, als sich für sie ergeben hätte bei Belassung der Dampfer auf der nordatlantischen Fahrt jetzt zurzeit der Weltausstellung. Schon das läßt erkennen, wie schwer es unter den heutigen Verhältnissen selbst bei günstigerer Konjunktur den Schiffahrtsgesellschaften wird, ihren Betrieb gewinnbringend zu gestalten. Schlimmer noch als um die Passagepreise ist es um die Seefrachten bestellt. Eigentlich der niedrige Stand der letzteren hat ja die deutschen Großrhedereien zum Anschluß an die Morgansche Gründung veranlaßt. Und nun gar die Segelschifssrheder! Der letzte Jahresbericht der Hamburger Handelskammer stellt fest, daß es im vergangenen Jahre für Segelschiffe vielfach unmöglich gewesen ist, Frachten zu erlangen, die auch nur die baren Auslag. der Reise ohne jede Verzinsung und Abschreibung deckten. Unter solchen Verhältnissen muß ein Erwerbszweig dem Ruin entgegensteuern. Ta ist es denn begreiflich, daß die Interessenten sich zusammenfanden in dem Bestreben, eine Besserung der Lage der Segelschisfs- rhederei herbeizuführen.durch eine Verständigung über die Mindestfrachtsätze. Die zu diesem Zweck gegründete Internationale Vereinigung von Segelschiffsrhedern umfaßt deutsche, französische, englische und niederländische Firmen. Um die Organisation der deutschen Gruppe haben sich besonders bemüht die bekannten Rheder Sloman-Hamburg und Waetjen-Vremen. So zeitigt der erschwerte Existenzkampf auch zur See immer neue Gebilde, und es läßt sich schon aus diesen knappen Darlegungen entnehmen, welche Bedeutung die als Vorbedingung für einen blühenden Ausfuhrhandel unentbehrlichen Handelsverträge für die tzee- wirtschaft haben.
Kolonialpost.
D i e Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft in Stettin, die in diesen Tagen stattfand, eröffnete der Präsident Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg mit einer bemerkenswerten Rede, in der er unter anderem ausführte: Den hohen Wert richtig erschlossenen Kolonialbesitzes für die Allgemeinheit wird heute niemand in Deutschland mehr bestreiten. Und Stimmen, die früher etwa laut geworden sein mögen, daß unser Kolonialbesitz uns keinen Nutzen brächte und wir am besten täten, ihn möglichst vorteilhaft an andere Interessenten abzutreten, könnten heute kein Gehör mehr finden, wo das Ansehen und
die Ehre des deutschen Namens es erfordern, nicht ein Unternehmen feige und mutlos zu verlassen, an das viele tausende unserer Volksgenoffen, und wahrlich nicht die schlechtesten, ihr Leben und ehr Vermögen gewagt haben. Aber fragen muffen wir uns, auf die jetzt zwanzigjährige Entwickelung zurück- chauend, ob die Nation, ob auch der Einzelne bisher hm- reichend den Verpflichtungen gerecht geworden ist, die uns unser kolonialer Besitz und unsere überseeischen Interessen auf- erlegen. Wollen wir ehrlich gegen uns selbst sein, so können wir diese Frage nicht schlechthin bejahen. Wohl haben unsere Schutzgebiete jährlich Zuschüsse des Reiches erfordert, wohl ind bisher etwa 300 Millionen Mark an PrivaUapitalien in ihnen angelegt worden, aber eS fehlt in unserer ganzen kolonialen Entwickelung noch der große Zug des kühnen Kaufmanns, der veranschlagt, wessen ein Unternehmen bedarf, um prosperieren zu können, und trotz augenblicklicher Opfer und vorübergehender Enttäuschungen alles daran setzt, um zum Ziele zu gelangen. In unseren Schutzgebieten hat man bisher sich ängstlich bemüht, nur dasjenige zu fordern, was augenblicklich erreichbar schien und unbedingt erforderlich war, um den Zusammenbruch zu vermeiden. Daß halbe Maßnahmen nicht zum Ziele führen, und daß es sich darum handelt, für unseren Kolonialbesitz alles daran zu setzen, wenn wir nicht die verhängnisvollsten Ueberraschungen erleben wollen, lehren die jüngsten Vorgänge in Deutsch-Süd- westafrika. Die Deutsche Kolonialgesellschaft ist der lieber* zeugung, daß das Deutsche Reich moralisch verpflichtet ist, denjenigen, die im Vertrauen auf den Schutz des Reiches Leben und Gut eingesetzt haben, die erlittenen Verluste zu ersetzen und sie nicht mit einem Almosen abzufinden. Sie hofft, daß auch der Reichstag sich diesen Erwägungen nicht verschließen und zu einer entsprechenden Beschlußfaffung kommen wird.
Keer und Illotte.
— Bedeutung der Artillerie. Aus Marine- kveisen wird uns geschrieben: Der Verlauf des Seekrieges in Ostasien zeigt, daß die deutsche Marine Verwaltung auf dem rechten Wege ist, wenn sie beim Ausbau der Flotte das Schwergeloicht auf die Schlachtschiffe legt- Kreuzer und Torpedoboote leisten im Gefecht gute Dienste, die Entscheidung aber liegt bei den Linienschiffen, und hier wieder bei der Artillerie. Die der Japaner ist zu Wasser und zu Laude d^er russischen überlegen, und es erscheint zweifelhaft, ob die Minderwertigkeit der japanischen Kavallerie hier ausgleichend wirken wird. Es ergibt sich für Deutschland die Notwendigkeit, der Vervollkommnung seiner Artillerie zu Lande und zu Wasser das Hauptaugenmerk zuzuwenden. Bei ersterer wird es sich handeln um die Einführung der Rohrrucklaufgeschütze, ohne die eine moderne Armee nicht mehr auskommt. Bei der Schiffsartillerie ist in Betracht zu ziehen der Uebergang zu einem stärkeren Kaliber der Schnellfeuergeschütze. Er bietrifst speziell die Mittelartillerie, für die zurzeit das 17 Ztm.-Kaliber sestgelegt ist. Von fachmännischer Sette wurde vor einiger 'Zeit in der „Marine- Rundschau" dargelegt, daß als kleinstes Mittelartillerie-. Kaliber das 21 Ztm-Geschütz den voraussichtlichen Anforderungen eines Kampfes gewachsen sein wird, und daß das alte Batterieschiff in modernisierter Form wieder auf der Bildfläche erscheinen muß. Ob die maßgebenden Stellen
Sidney-Singapore via Aeutsch-Aeu-Kuirrea.
Reise-Notizen von E. T. (1904).
(Fortsetzung.)
jedoch findet auch durch Nichtverschulden der Weißen eine leider gar zu häufige Auflehnung de r Papuas statt, denen vor kurzem ein Angestellter von Hernsheim st. . Co. auf der Durour-Jnsel (Nordküste von Neu-Gumea) sowie einige Chinesen
Slu^^der^^nördlich von Herbertshöhe gelegenen reizenden kleinen Insel Ma tu Pi befindet sich die Handelsniederlassung s-r Hamburger Firma Hernsheim u. Co., deren liebenswürdigen und gKrettn Chef, Herrn. M T. ... „aus Köln gebürtig wir die angenehmsten und interessantesten Stunden im Archipel verdanken Von der Terrasse seiner Privatwohnung bietet sich ein herrlicher Fernblick bis nach Herbertshöhe hinaus; es kommt mir nicht zu und es Ware vergebliche Mühe, all' die großen und kleinen Aufmerksamketten, die echt rbcmhche und fröhliche Gastlichkeit und die vielen persönlichen Verdienste des Sultans von Matupi, wie Herr T. fcherzhafi benannt ist, in das gebührende Lickt' au stellen. Bemerkt sei nur noch der vergnügte und interessante Bierabend, den Herr T. den Passagieren des „Prinz Sigismund" gab, wozu der Korvettenkapitän K. mit fernen Lifttieren von S. M. S. „Condor" ebenfalls erschien. Faßbier von unserm Schiff, Musik der Kapelle des „Condor" sowie em Eingeborenen-Tanz bei Fackelbeleuchtung hieltdie Gesellschaft bei herrlicher Abendlust bis tief in die Nacht hinem zusammen, und es kam die einstündige Ruderfahrt zu unserm im Simpson- Hasen liegenden Schiff manchem erhitzten Kopfe als willkommene ^^Am^Sonntag den 13. März verließen wir die bergbekränzte schöne Bucht von S i m p s o n h a f e n, um zu Entladungszwecken unmittelbar vor den Kontor- und Lager-Häusern der Firma Hernsheim u. Co. auf Matupi nochmals Anker zu werfen. Vom naheliegenden „Condor" klangen deutschen Märsche herüber und aus Einladung des Kommandanten vereinigte uns ein Nachmittagskonzert und Kaffee an Bord seines Schiffes nochmals mtt dem Gouverneur Dr. Hahl und seiner liebenswürdigen Gemahlin sowie mit Herrn T. und anderen Bekannten. Nachher erfolgte nochmals ein Rundgang über Matupi, ein Ansammeln, von Speeren, Boaeu Pfeilen, Schmucksachen der Eingeborenen wie z. D. Halsbänder ans Eber- und Hmrde-Zähnen, Muschel-Armbänder, Muschelgeld (Dewarra) usw., das man vielfach gegen Taschenmesser, Tabak und Streichhölzer eintauschen konnte.
Hiermit schloß der nur unvergeßlich bleibende Aufenthalt aus diesem kleinen aber idyllisch schönen Fleckchen Erde (Matupi), das leider aber seiner dauernden Existenz Nicht ganz sicher zu sein scheint, denn ein Erdstoß erinnerte — wie schon häufig vorher — so am Tage unserer Anwesenheit, an die zahlreichen Vulkane der vorliegenden Nordküste von Neu-Pommcrn.
Den berühmten Duk-Duk-Tanz bekamen wir leider nicht zu sehen. Dieser ursprünglich, als religiöse Feier betrachtete und meist nur einmal im Jahre zur Ausführung aelangende Tanz ist eine Nachahmung der Bewegungen des Kasuars ulid
dient heute mehr als Gelegenheit zu einem Festgelage und zur Einnahme von Muschelgeld seitens des Häuptlings als tote zur Abhaltung einer mysteriös religiösen Feier, welche das Erscheinen der Geister versinnblldeii soll. Der Körper solcher Duk-Duk- Tänzer ist vom Hals bis an die Knie mit einem dichten Blätterrock bedeckt, den Kops verhüllt eine bemalte Maske und die Tänzerei dauert oft wochenlang, nur von Männern ausgeführt und vom männlichen Publikum besucht, während Weiber scheu im Hintergrund bleiben. ,,
Die Anwesenheit des alle 6 Wochen fälligen Norddeutschen Lloyddampfers ist für die denllchen Ansiedler stets ein frohes Ereignis und bis zur letzten Minute vor Abgang wurde an Bord der lieben deutschen Heimat beim Gläserllang und fröhlichen Geplauder gedacht. Der Bismarck-Archipel soll gesunder als Neu-Guinea sein; jedoch herrschen Mala r i a und selbst Schwarzwasse r - Fieber noch gar zu häufig daselbst und dieser Umstand bildet eine dunkle Wolke am sonst heiteren Horizont dieses Tropenbesitzes.
Besonderer Erwähnung bedarf die Tätigkeit der Missionar-Gesellschaften im Archipel. Die einflußreichste scheint die in Herbertshöhe zu sein (Mission vom heiligen Herzen Jesu), bereit doppeltürmige katholische Kirche auf sonniger Anhöhe liegt unb weit vom Meere aus sichtbar ist. Die protestantische Mission liegt auf der nördlichen Seite des Ortes, doch ist es bebauer- lich, baß an einem. Platze zwei Missione n oerschiebener Konfessionen tätig sinb unb sich gegenseitig ihre Anhänger abspenstig machen; sie verfeinden dadurch indttekt nicht nur Mitglieder desselben Stammes oder selbst einer Familie untereinander, sondern oft ganze Stämme gegeneinander und geben häufigen Anlaß zu Streitig- leiten unter den dem Christentum erworbenen Eingeborenen. Ich bin weit entfernt davon, die segensreiche Tätigkeit und die Aufopferung der Missionare zu bekritteln, jedoch erscheint es rationeller, daß jeder M i s s io n eine bestimmte Inselgruppe angewiesen würde, sodaß nicht zwei verschiedene Konfessionen an einem und demselben Orte gegeneinander wirken und oft vor den Eingeborenen „von der christlichen Liebe und Eintracht" ein eigenartiges Bild entwickeln!
Ich erwähnte schon vorher, daß jeder Stamm auf dem Bismarck-Archipel seine eigene Sprache hat; als Umgangssprache dient das sog. Pidjin-Englisch, was als Verkehrssprache aus dem Malayischen Archipel herübergekommen ist und eine Mischung von englischen und anderen Sprach-Elcinenten sein soll. Recht komische Ausdrücke und öiedewendungen gibt es darin; ber Herr und Gebieter wird durch „big sellow master", die Herrin durch „big sellow Mary" ausgedrückt. Ter „Kops" wird mtt „coconut" bezeichnet und Tr. Pflüger erzählt in seinen Reise- plaudereien, wie ein derzeitiger kahlköpfiger Landeshauptmann in Neu-Guiiiea von den Eingeborenen genannt wurde: „big fellow master, plenty too much coconut belang him, groß no stop", b. * der Herr mit ber dicken Kokosnuß (Kopf), worauf kein Gras wuchs. . , r . . ~ ,
Am 16. März hielten wir vor Peterhafen auf der H-rench- Jnselgruppe an unb bekamen als Passagier eüien an den Füßen
gefesselten gutmütig drein schauenden Kannibalen, der an den jüngsten obenerwähnten Europäer-Morde beteiligt war und nun fünf anderen Genossen ins Gefängnis nach Friedrich Wil- helmshafen folgte, wo sie wohl zum Tode durch denStrang abgeurteilt werden.
(Fortsetzung folgt) *
— Friedrich Hahn, Dämonen, Erzählung, geheftet 2 Mark. Verlag von Albert Langen in München. Der junge Men er Autor gibt in dieser Erzählung ein psychologisches Wieisterwerk, das bei allen Lesern Interesse erregen wird. Er hat sich ein Thema gewählt, das schon öfter behandelt worden ist, selten aber wohl mit solcher Treue und Sachkenntnis wie hier. Er schildert, wie einen durch Vererbung und durch schwere Schicksale belasteten jungen Mann die Ketten des Wahnsinns immer fester umschlingen, bis der schreckliche Ausbruch erfolgt. Zuletzt nimmt sich der Held im Jrrenhau.se das Leben. Was uns der Dichter gibt, ist eine peinliche treue Studie über den Verfolgungswahn, es ist aber zugleich eine spannende, stimmungsstarke und künstlerisch bedeutende Erzählung, die das Interesse des Lesers nicht einen Augenblick ermatten läßt und ihn von der ersten bis zur letzten Seite fesselt
— Knut Hamsun, Abendröte, Schauspiel in drei Aufzügen. Geheftet 2 Mart". Verlag von Alb. Langen in München. Mas Hamsun in der „Abendröte mtt wehmütiger Ironie behandelt, ist die Komödie des Al« t e r n s. Er zeigt uns, wie die Jahre, die Lebensumstände, die Familie, der wachsende Wohlstand aus dem über« zeugungstreusten Feuertops, der alles für seine Idee opfern möchte, schließlich einen Utilitarier und Philister machen Es liegt eine bittere, aber helläugige Lebensweisheit in diesem Stücke, die sagt: nicht in ttgend welchen anderen Zwecken liegt der Sinn des Lebens, sondern im Leben selber. Und das gibt dem Ganzen einen ttöstlich ernsten^ versöhnenden Ausllang ttotz allem bitteren Spotte, mtt dem das Stück schließt.
— Süddeutsche Monatshefte unter MittmrV ung von Paul Nikolaus Coßmann, Josef Hofmttler, Fried rich Naumann, Hans Pfttzner, Haus Thoma herausgegeber von Wilhelm Weigand. Nack einem Aufsatze von Fried rich Naumann über den Liberalismus alsPrin- zip folgt einer des württembergischen Pfarrers Csenwett über die Psychologie des württembergischer Bauern; ihm schließt sich die Geschichte eine' schwäbischen Weißzeu gnäherin, eine liebevolll Studie aus dem süddeutschen Volksleben an, die der kürzlich verstorbenen Dr. Schnapper-Arndt zum Verfasser hat. In bedeutsamer Weise sind einige Größen der


