Nr. 125
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Erstes Blatt.
154. Jahrgang
Dienstag 31. Mai 1904
Gietzener Anzeiger
K*' General-Anzeiger v
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Ker Oroßherzog von Meckleuöurg-Strelih
Der Grobherzog, der an einem Blasenleiden litt, ivar schon viele Monate bettlägerig. Am 29. d. M., nachmittags, verschlimmerte sich plötzlich der Zustand und rapider Kräfteverfall trat ein. Von ungefähr 7 Uhr abends an war der Großherzog bewußtlos. Von 9 Uhr bis zum Eintreten des Todes verließ das Erbgroßherzogspaar das Sterbezimmer nicht mehr. Montag vormittag 11 Uhr erfolgte die Vereidigung der Truppen auf den neuen Landesherrn.
Großherzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz war der älteste der deutschen Bundesfürsten und der zweitälteste der Monarchen überhaupt; nur der König von Dänemark ist älter. Der Verstorbene folgte 1860 seinem Vater in der Regierung. Er war preußischer General der Kavallerie und Doktor des bürgerlichen Rechts der Universität Oxford. Seit 1843 war er mit Augusta Karolina, Prinzessin von Großbritanien, vermählt.
Der nunmehrige Nachfolger, der einzige Sohn des Verstorbenen, bisheriger Erbgroßherzog Adolf Friedrich, steht im 56. Lebensjahre; er ist, wie wir bereits berichteten, mit Elisabeth Prinzessin von Anhalt vermählt. Der Erb- großherzog, jetzige Großherzog, war ein alljährlich wiederkehrender Kurgast Wiesbadens und weilte zuletzt im April dss. Js. einige Wochen dort; infolge andauernder Kränklichkeit seines Vaters, der schon seit anderthalb Jahren das Bett nicht mehr verlassen konnte, lag die Regierung in letzter Zeit schon größtenteils in den Händen des jetzt succedierten Großherzogs.
Die verwitwete Großherzogin, die sich in London aufhält, wurde vom Tode ihres Gemahls benachrichtigt; sie wird am 31. ds. M. nach Deutschland abreisen. Die geistes- und willensstarke Frau macht den Eindruck einer Sechzigerin und läßt kaum ahnen, daß sie schon der Krönung des Vorgängers der Königin Viktoria auf dem englischen Thron beigewohnt, in jungen Jahren den interessanten Gesprächen eines Talleyrand, als ihres Tischnachbarn, gelauscht hat und ihren Zweitgeborenen von Wellington über die Taufe halten ließ.
Adolf Friedrich traf am gestrigen Montag um 10*/, Uhr vormittags von Potsdam in Neu-Strelitz ein. Die Leiche des Großherzogs wurde einbalsamiert und vorläufig im Erkerzimmer des Schlosses aufgebahrt, wo abends eine Familienandacht stattfand. Den Ehrendienst bei der Leiche des Großherzogs vergehen Freiherr v. Grote und Kammerherr v. d. Wense. Ueber die Todesursache wird noch bekannt, daß zu dem Blasenleiden des Großherzogs Lungenentzündung mit heftigem Fieber hinzugetreten ist.
Der „Reichsanzeiger" widmet dem Großherzog folgenden Nachruf:
„Mit aufrichtiger Teilnahme gedenken wir beim Heim- gaoge des ehrwürdigen Fürsten der durch sein Hinscheiden in Trauer versetzten Großherzoglichen Familie und der ihr verwandten Fürstenhäuser, wie der Bevölkerung von Mecklen- burg-Strelitz, die den Verlust des geliebten Landesvaters beklagt. Die Sympathien weiter deutscher Kreise sind dem verewigten Großherzog noch vor nicht langer Zeit bekundet worden, als eS ihm am 28. Juni vor. Js. vergönnt war, mit seiner erlauchten Gemahlin die seltene Feier des 60jährigen Ehejubiläums zu begehen. Wie an jenem festlichen Tage erinnern wir uns heute an der Bahre des greisen Bundesfürsten seiner vortrefflichen Eigenschaften, die während seiner langen Regierung seinem Lande und Volke zum Segen gereicht haben." ______________
Ker Krieg zwischen Japan und Zrußland.
Der Fall Port Arthurs.
Man zweifelt jetzt nicht mehr daran, daß der Fall Port Arthurs in nicht allzu ferner Zukunft sicher ist, und die nächste Folge dürfte dann sein, daß die ganze dritte Armee, die jetzt von den Operationen auf der Kwantung- Halbinsel in Anspruch genommen wird, zu der ersten und zweiten Armee unter General Kuroki stoßen kann, um das Hauptheer der Russen unter Kuropatkin mit überwältigender llebermacht anzugreifen. Das sind allerdings Spekulationen, deren Wert vor der Hand noch ein sehr zweifelhafter ist, aber es kann doch nicht abgeleugnet werden, daß der Fortschritt der Japaner in den letzten Tagen ganz außerordentlich gewesen ist.
Bericht des Generals Oku.
Dem „Daily Telegraph" wird aus Tokio der Bericht des Generals Oku über die letzten Kämpfe auf der Liautunghalbinsel in folgender ausführlicherer Fassung gemeldet:
Wir beendeten, berichtet der General, die Vorbereitungen zum Angriff am 25. Mai und begannen um Mitternacht desselben Tages vorzugehen. Das Wetter war stürmisch und tiefe Dunkelheit herrschte. Trotzdem unternahm ein Teil der Streitmacht den Angriff auf Kintsch au, das bald eingenommen wurde. Der Angriff auf Rausch a n sollte um 4 Uhr 40 Min. früh beginnen. Infolge des herrschenden Nebels sing keines der Geschütze, die dem Befehl des Generals Utschijama-unterstanden, zu feuern an- Erst von 6 Uhr Morgens an erhielten wir Unterstützung von vier unserer Kriegsschiffe von der Kintschanbucht- Der Feind erwiderte dieses Feuer mit sämtlichen Geschützen. Ein heftiger Kampf entspann sich. Nach drei Stunden ließ das Feuer der russischen Infanterie nach- Darauf rückte unsere Infanterie vor- Auf der Höhe von Dalny lag ein Dampfer, auf den die Russen Geschütze gebracht hatten. Diese be
gannen auf unsere dritte Division zu feuern- Um 10 Uhr vormittags versuchte der Feind bei der Luangdutubai aus fünf dicht besetzten Booten Truppen zu landen. Ms diese unsere Mannschaften vorrücken sahen, zogen sie sich zurück. Bei Tadufangduschen und im Süden von Hauhau hatten die Russen vier Geschütze ausgestellt, welche aus einer Entfernung von 7000 Metern bis 7 Uhr abends auf unsere dritte Division schossen und unser Feuer unwirksam^ machten. Unsere Geschütze taten ihr äußerstes, aber die russische Infanterie verteidigte sich hartnäckig und es konnte bis 5 Uhr abends keine Bresche für einen Vorstoß unserer Infanterie gelegt werden- Während des weiteren Kampfes drang unsere Division so weit vor, daß sie vom Feinde ganz umzingelt wurde. Die Russen verstärkten ihre Infanterie zu unserer Linken- Zwei russische Batterien beteiligten sich bei N a u k w a n g lin g an dem Gegenangriff, der sich gegen unsere dritte Division richtete. Der Schießvorrat unserer Batterien wurde knapp; die Geschütze waren beinahe zurückgezogen. Daher entschlossen wir uns zu einer letzten großen Anstrengung mit gesammelter Macht- Unsere Batterien gaben schärfstes Feuer und die Infanterie unserer ersten Division ging mit unglaublicher Tapferkeit vor; sie erlitt durch das feindliche Feuer schwere Verluste und wurde aufgehalten, ehe sie die vorderste Stellung gewinnen konnte. Glücklicherweise begannen unsere Schiffe wieder auf die linke Flanke zu feuern, unterstützt durch unser viertes Mtillerieregiment- Unsere vierte Division griff mit gewaltiger Anstrengung die Russen auf dem linken Flügel an und gewann die Höhen mit einem mächtigen Ausbruch der Begeisterung. Darauf nahmen die Truppen der ersten und dritten Division, die über die Leichen ihrer Kameraden fortstürmten, die -russischen Laufgräben und Forts im Kampfe Mann gegen Mann, der mit Schwert, Pistole und Bajonett ausgesuchten wurde, und vertrieben den Feind in wirrer Flucht von den letzten Verteidigungslinien. Ein Teil unserer Truppen verfolgte den F-eind, und unsere Geschütze sandten ihm Feuer nach- Die Truppen feierten das Ende des stolzen Tagewerkes mit Jubelrufen. Dann schliefen sie auf dem Schlachtfelde. Mr machten eine Anzahl Offiziere und Mannschaften zu Gefangenen; ferner fielen in unsere Hände eine Lokomotive, drei Scheinwerfer, ein Dynamo, fünfzig Minen, zahlreiche Gewehre, viel Schießvorrat und anderes Kriegsmaterial
Berichte russischer Offiziere.
In T o k i o sind Briefe mit Mitteilungen russischer Offiziere von Port Arthur eingetroffen, die vom japanischen Geschwader an Bord einer chinesischen Dschunke gefangen genommen wurden. Daraus geht hervor, daß mindestens zwei russische Torpedobootszerstörer vor Port Arthur durch Minen zerstört wurden.
Ueber den Untergang des Kreuzers Joschino
sagen diese Mitteilungen folgendes: Der große Verlust an Menschenleben war die Folge einer Reihe besonderer Umstände. Nach dem Zusammenstoß wurden auf dem „Jo- schino" Kollisionsmatten in Anwendung gebracht, und über die entstandene Oefsnung gelegt; doch war die Beschädigung des Schiffskörpers so bedeutend, daß dem gewaltigen Eindringen der Fluten kein Einhalt getan werden konnte. Das Schiff legte sich nach Steuerbord über und begann rasch zu sinken- Der auf der Backbordseite ausgesetzte Rest erreichte den Kreuzer „Kassuga", der um diese Zeit 600 Meter von dem „Joschino"" entfernt lag- Es herrschte so dichter Nebel, daß der Scheinwerfer des „Kassuga" nur schwach bemerkbar war- Der „Kassuga" sandte sofort drei Boote aus, doch wurde keine Spur von dem „Joschino" oder seiner Bemannung entdeckt- Der „Joschino" war bei dem Zusammenstoß von dem „Kassuga"" auf der Backborb- seite in der Nähe der Maschinen getroffen worden- Durch den Stoß waren die Dynamos zerstört und dadurch das ganze Schiff in Dunkelheit versetzt worden-
Kuropatkin und der Vormarsch der Japaner.
Ein Telegramm des Generaladjutanten Kuropatkins an den Kaiser vom 29- Mai besagt: Am 27. Mai näherte sich eine japanische, 150 Mann starke Kavallerieabteilung der Station Wagangou bis auf etwa acht Werst von Süd osten aus, stieß aber auf Abteilungen der Grenzwache und zog sich rasche zurück. Am 26. Mai hörte eine russische Streifwache in der Richtung von Kintschau her eine starke Kanonade- — Me ein Telegramm Kuropatkins an den Kriegsminister von heute meldet, traf die Meldung über den Vormarsch der japanischen Truppen von Kuandiansian nach Saimadsa ein- Die Trnppenzahl ist noch bicht festgestellt-
Rückzug der Ruffen.
General Oku meldet, die Russen verließen Ehe n ken s- tempu, Mangolian und Lishutun (Talienwan). Oestlich von Chenkenstempu wurden keine Russen gemerkt- Ein Detachement und General Nakamura besetzte Freitag Talienwan und eroberte vier Geschütze. — General Kuroki meldet: Japanischs Truppenabteilungen griffen am Samstag bei Aiyang-Piemönn, nordöstlich von Föngwangtschöng, 2000 Kosaken an und schlugen sie in die Flucht. Der Kampf begann um IOV2 Uhr vormittags und endete nach einer Stunde. Die Japaner hatten vier Tote und 28 Verwundete. Die Verluste der Russen sind nicht bekannt- General Kuroki berichtet ferner über eine Reihe kleiner Scharmützel zwischen den beiderseitigen Vorposten, wobei acht Rusten gefangen genommen wurden-
Der Kontreadmiral Fürst Uchtomski,
früher in Port Arthur, ist in Petersburg eingetroffcn. Er war wegen Nervenüberreizung abberufen und durch den Admiral Mthöft ersetzt worden. Alle daran geknüpften Gerüchte, die den Fürsten mit einer Verratsafräre in Verbindung brachten, sind hinfällig-
Politische Tagesschau.
Fürst Herbert Bismarck.
Das Herannahen der Kieler Woche bringt eine Begegnung in Gcinnerung, die vor einigen Jahren bei derselben Gelegenheit ftattfano und in der politischen Welt Au fleh en erregte: das Zusammentreffen Kaiser Wilhelms mit dem Fürsten Herbert Bismarck. Man glaubte damals allgemein, dem Sohne des Altreichskanzlers werde wieder ein hohes Regierungsamt oder ein Botschafterposten übertragen werden. Diese Annahme hat sich als irrig erwiesen, und beute rechnet wohl niemand meyr mit einer Rückkehr des Fürsten Bismarck in den Regierungsdienst. Er gehört zwar noch dem Reichstage an, hält sich aber auch dort im Hintergrund- Bei der letzten Etatsberatung verzichtete er soaar auf die übliche Rede über die auswärtige Politik, in oer er diese letztere mit dem Mäßstab der Traditionen der Aera Bismarck zu messen pflegt. Das führte ihn frühev einmal zu einem scharfen Wortgefecht mit dem Grafen Bülow, von dem eine leichte Spannung zurückgeblieben zu sein scheint- Bemerkenswert ist auch, daß Fürst Bismarck jetzt ein seltener Gast bei Hofe ist- Ob hier eine Verstimmung obwaltet, läßt sich nicht entscheiden, an erkennbarer Veranlassung dazu fehlt es jedenfalls-
Schvlantrag in Preußen.
Der Landesausschuß der nationalliberalen Partei für den Regierungsbezirk Wiesbaden tagke am 30. Mai in Wiesbaden. Die Sitzung war aus allen Teilen Nassaus sehr gut besucht, sämtliche NationalliberalL Abgeordnete Nassaus, sowie auch der Ada- Geh. Reg.-Rat Professor Dr. Friedberg-Berlin, ncchmen daran teil. Den weitaus größten Teil der Beratungen nahm der bekannte Schulantrag ein- Nach eingehender, lebhafter Besprechung desselben wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die heutige Versammlung des Landesausschusses der nationalliberalen Partei für den Regierungsbezirk Wiesbaden spricht die Erwartung aus, daß die nationallÄerale Fraktion des Hauses der Abgeordnete nur einem solchen Schulunterhaltungsgesetzentwurf zustimmen wird, welcher die bestehende Gesetzgebung bezüglich der Simultanschulen, insbesondere in der Provinz Hessen-Nassau, und ganz besonders die einschlagende Gesetzgebung Nassaus unverändert aufrecht erhält und ote Neuerrichtung von Simultanschulen in anderen Landesteilen ermöglicht." Aus Mannheim wird gemeldet, daß der Reichsverband jungliberaler Vereine auf den 19. Juni eine außerordentlicbe Delegiertenver- sammluna beruft. Der einzige Punkt der Tagesordnung betrifft den Nationalliberal-konservativen Schulantrag in Preußen-
Hauptversammlung de8 Vereins Deutscher Chemiker.
Die Tagung in Mannheim vom 25. bis 28. Mai begann mit der gleichzeitigen Besichtigung zweier Fabriken, der Deutschen Steinzeugwarenfabrik Frievrichsfeld und der Portland-Zementfabvik Leimen bei Heidelberg. Bei ersterer Besichtiguna hielt Dr. Buchner einen Vortrag über eine neue keramische Masse, es spracht Begrüßungs- und Dank- reden die Herren Bankier Bent, RegierungMaurat Blum und Dr. Raschig. Im Anschluß an die Besichtigung in Leimen sprachen Professor Dr- Lunge und Direktor Schott- Nachmittags trafen sich sämtliche Teilnehmer in Herdelberg, wo Geheimrat Curtius einen hochinteressanten Vortrag über das Wesen des Stickstoffes hielt, der als Muttersubstanz unentbehrlicher Düngerstoffe für die Landwirstchast von größter Bedeutung ist, und 'um besten Erforschung der Vortragende sich hervorragende Verdienste erworben hat. Der Vortrag wurde durch eine große Anzahl Experimente illustriert- Als zweiter Redner sprach Professor Kassel über neuere Fortschritte der Eiweiß- chemi'e; er führte aus, daß in diesem Gebiete durch die neueren Forschungen eine bedeutende Klarheit eingdrungn sei- Zum Schluß hielt Dr. Raschig einen interessanten experimentellen Vortrag übtzr die Theorie des Blei- kammerprozesses, bei dem er verschiedene neue Gesichtspunkte zur Erklärung dieses Versahrens aufdeckte. An den Vorträgen schloß sich ein gemeinsames Esten in der Stadthalle an. Dann wurde ein Aussiug nach der Stiftsmühle unternommen; eine prachtvolle Beleuchtung des Schlosses und der Schloßanlagen bildeten den Abschluß des Tages-
Deutsches Reich.
Potsdam, 30. Mai Der Kaiser begrüßte heute morgen um 8 Uhr auf der Mopke beim Neuen Palais das Regiment Gardes du Corps und übergab ihm nach einer Ansprache neue Behänge zu den Kesselpauken. Der Kaiser ritt hierauf an der Spitze des Regiments durch Sanssouci nach Potsdam, wo um 9 Uhr im Lustgarten die Parade über die gesamten in Potsdam garni* sanierenden Truppen begann. Den Befehl über die Truppen führte Generalleutnant v. Löwenfeld. Die Kaiserin, die Prinzessin Viktoria Luise und die hier anwesenden Prinzessinnen sahen dem Schauspiele von den Fenstern des Stadtschlosses aus zu. Der Kronprinz nahm an der Parade als Kompagniechef teil. Nach der Parade nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen. Sodann fand im Marmorsaale des Stadtschlosses Paradesrühstück bei den Majestäten statt. Nach dem Frühstück begaben sich der Kaiser zu Pferde, die Kaiserin zu Wagen nach dem Neuen Palais, vom Pirblikum lebhaft begrüßt.
— Die „Kreuzzeitung"" meldet: General der Kavallerie z. D. v. Krosigk, Ritter des schwarzen Adlerordens, ist gestern in Bischofferode bei Ellricö am Harz gestorben.
Gmunden, 30. Mai. Prinzessin M arie von Hannover ist an Blinddarmentzündung erkrankt. Am Nachmittag wurde auf operativem Wege die Entfernung des erkrankten Darmteiles vorgenommen. Die Operation ist unter Chloroformnarkose günstigst verlaufen.


