Ausgabe 
30.11.1904 Zweites Blatt
 
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parlamentarisches.

Berlin, 20. Nov. Tcm Reichstage sind u. a. folgende ^iniaqm zugegangen: der Gcletzerrtwnrf bctr. die Pensionierung von Offizieren und detr. die Versorgung der Personen der Unter- Halfen des ReichSdeeveS und in der Marine und der ^chutztruppen, detr. die Friedenspräsenzstärke deS deutschen Heeres, betr. die Blenderung der Wehrpflicht, bctr. die Feststellung des ReichshauS daltSetatS, betr. den zweiten -Nachtrag zu dem Reichshaushaltsetat für 1904, betr. dcn Haushaltsetat für die Schutzgebiete, betr. den zweiten Nachtrag zum Hausbaltsetat für die Schutzgebiete aus 1904. .

Te r Senioren!o nv ent deS R ei.ch Stag es nahm den Vorschlag Graf BallestremS. den iS' t a t und den N a ch rragsetat, wie die Vorlagen betr. die Friede n spräse n z und die zweijährige Dienstzeit in gemeinsamer T' lüssion zu beraten, an. Graf Ballestrem teilte mit, der Reichs- kan zier habe ihm versichert vorbehaltlich der Zustimmung des Bundesrats, daß die H a n d e l s v e r t r ä g e jedenfalls schon ui der e r st e n T> e z e m der l f t e dem Reichstage zugeheu wur­den, möge der Vertra g mit O ester re i chUn garn zustande kommen oder nicht. Tiefe Frage werde sicli in ÄLieit innerhitlb der nächsten drei Tage entscheiden. Gras Balle­strem schlug vor, die Beratung des Etats und der oben erwähnten Entwürfe vom 3. bis zum 10. Dezember abzuhalten. Danach würden entweder die H a n d e l sve r t r ü g e oder die P e n s i o n s- Novelle für Offiziere und das V erso r g un g s g e s e tzi f ür M a u n s ch a f t e n in erster Reihe beraten werden. Wenn irgend möglich, möge die erste Lesung der neuen H a n d c l s v e r - träge schon vor W e i h n a t e n e r l e di g t werden. 3h ^er jetzigen Woche wäret! rückständige Resolutionen zu beraten. Die Vorschläge Ballestrems fanden die Zustimmung der Melwhcit.

Die Justizkommission des Herrenhauses hat in ihrer heutigen Sitzung die Vorlage betr. die Errichtung eines Ober- lau d e S g e r i chtes in Düsseldorf angenommen.

Ans Stadl und Land.

Gießen, 30. November 1904.

** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den evangelischen Pfarrer Heinrich MattheS zu Nicder- Beerbach zum Oberlehrer an dem Seminar für Volksschul­lehrerinnen zu Darmstadt ernannt.

** Provinzial-Ausschu Hs itzung. Am Mittwoch, oen 7. Dezember l. Js. von vormittags ll2 9 Uhr ab findet eine Sitzung des Provinzial-Ausschusjcs der Provinz Ober­hessen mix folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch deS Wilhelm Watz in Großen-Lindcn um Genehmigung einer Tampskesielanlage. 2. Gesuch des Heinrich Luft III. zu Hartmannshcun um Erlaubnis zum Kleinhandel mit Brannt­wein. 3. Wiederherstellung des ehentaligen burgsriedbergischen AmtShauses (altes Schulhaus) zu Kaichen.

* Einen feinen Apselkunden hatte Heuer, so /chreibt man uns, bei den Obstversteigerungen die Gemeinde Rodheim a. d. Bieber. Als die Aepfel anfingen zu reifen und an den Bäumen versteigert wurden, kamen zwei Leute aus dem Westfalenland in die Gemeinde und betrachteten sachkundig Baum für Baum, weil sie angeblich nur edle Sorten kaufen wollten. Als die Versteigerung vor sich ging, erwiesen sich die Fremden als überaus gute Kunden; sie boten so draus los, daß die Herren vom Gemeinderat ihre Helle

Freude daran hatten bei deut Gedanken, ivelcher Segen an klingender Münze trotz der diesjährigen schlechten Obstpreise in die Gemeindekasse fließen würde. Allerdings, die anderen Steigerer ärgerten sich nicht wenig über die hohen Preise, welche die Fremden boten, denn um ihren Bedarf an Aepseln zu decken, mußten auch sie tapfer bieten. Die Gemeinde war den fremden Einkäufern gegenüber sehr entgegenkommend, sie stundete ihnen den nicht unerheblichen Gesamtsteigpreis und gestattete das sofortige Brechen des Obstes, das inzwischen in eine gerade leer stehende Gemeindescheuer gebracht toiirbe, um nach Westfalen gesandt zu; werden, sobald von dort das Geld eingesandt würde. Die Fremden nahmen Leute zum Brechen der Aepfel an und verschwanden dann aus der Gegend, ohne wieder was von sich hören zu lassen. Nach längerem Warten auf den Eingang des Geldes für die Aepfel holte man eine Auskunft über die Käufer ein und erfuhr nun, daß mit einer Klage nichts zu ulachen sei:wo nichts ist, hat der Kaiser fein Recht verloren". Inzwischen waren die Aepfel in der Scheuer angefault und man mußte froh fein, sie für 30 Mk. an einenAepfelweinsabrikanten" in der Nachbarschaft billig loSschlagen zu können. Die Gemeinde hat zwar durch den Handel keinen Schaden gehabt, denn die Fremden hatten die Preise für die übrigen Käufer sehr in die Höhe getrieben. Diese Käufer, meist Gemeindeangehörige oder aus der Umgegend gekommene, hatten den Schaden.

** Silberne Hochzeit feiern heute Schneidermeister Wilhelm Heß und Frau, (Brandgasse).

E ichelsachsen, 29. Nov. Unser altes Schu lh a n§ soll durch ein neues ersetzt werden; die Arbeiten werden im nächsten Frühjahre beginnen. Das in der hiesigen Ge­markung liegende HofgutZwiefalten" hat nun auch Anschluß an die hiesige Quellwasserleitung erhalten. Durch einWidder" wird das Wasier in ein auf der Höhe liegendes Reservoir gebracht.

Kirchliche 'Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Donnerstag, den 1. Dezember, abends 8 Uhr, im MarkuSsaal, Kirchstraße 9, Bibelstunde. 1. Korinth. Kap. 2.

Pfarrer Schwabe.

Familien Nachrichten.

G e st o r b e n: Herr Hermann Jakob Simon in Friedberg.

«Lanounrlschust.

l. Ober-Hörgern, 29. ZLov. Auf Einladung des Iv reftord des Bezirkszuchtvereins Gießen sür Stm- mentaler Vieh, Kreisamtmann Hechler, fand gestern in ter Wirtschaft von "?ldam Diehl hier eine Generalversammlung statt, die aus Ober-Hörgern und Umgegend ziemlich zahlreich be­sucht war, und in welcher neben einer Anzahl geschäftliä)er Er­ledigungen von Oekonomierat Leit Higer in 2llsseld em Vor­trag über Leist un gs Prüfung en gehalten wurde, -ter Re­ferent ging von den Aufgaben aus, die den in dem Verein ver- sammelten Vtehzüchtcrn für die nächste Zeit zu löten gestellt sind, und berichtete sodann über die in den letzten Jahren in

Ober-Hörgern angestclltcn Probemelkeu und bereit Ergebnisse. Es sind lsternach 9 Kühe auf ihre Milchleistung geprüft worden, und diese Prüfungen haben folgendes Resultat gehabt:

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1.

Fanny

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Konr. Düringer III.

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2719,48

3,69

7,98

2.

Bertha I.

4196

Zoh. Hch. Atüller II.

367

3537,88

3,40

9,64

3.'

Alma

1342a

Bürgermstr. Heller

318

5523,66

3,59

17,37

4.

Bertha I.

3429

Krd. Jak. Dürillger

341

3297,47

3,65

9,67

5.

Lacticvfa

4190

Wilhelm Fenchel

449

3816,50

4,48

8,50

6.

Gäbel I.

4197

Bürgermstr. Holler

382

4595,46

3,93

12,03

7.

Ealixta

2513

Heinr. Müller II.

573

7760,14

3,41

13,54

8.

Harmonika

2563

Zoh. Gg. Alles IV.

434

7609,43

3,90

17,40

9.

Gäbel

2574

Bürgerntstr. Holler

554

10465,06

4,19

18,89

Die Leistungen einzelner dieser Kühe seien geradezu außer­gewöhnlich. Ta die Kühe aber unter Kontrolle geprüft wurden, sei an deren Richtigkeit nicht zu zweifeln. Sie bestätigten außer­dem die Richtigkeit des Urteils aus den Tierschauen: denn sämt­liche Tiere seien auf oberhessischcit schauen prämiiert worden. Der Referent wünscht, daß die Nachzucht so leistungsfähiger Tiere in erster Ltnie zur Zucht benutzt werde, und daß besonders männ­liche Nachkommen in rationeller Weise aufgezogen würden und alS Gemeindebullcn Verwendung finden möchten. Im Anschluß an den Vortrag wurde besonders die Fütterung der fraglichen Tiere sestgestellt. Bei der Beratung der Abänderung der Vereins- satzungen wurde beschlossen, daß als Vereinsbeitrag von jedem MitgUcdc pro Herdbuchtier 25 Pfg. erhoben werden sollen, und daß der Ausschuß des Vereins sich aus den Mitgliedern des Vorstairdes und dem Vorsitzenden der Ortszuchtvereine zusammen- setzcu soll. Außerdem sollen von auf Ausstellungen erzielten Preisen 20 Proz. in die Vereinskasse fließen. In den Vorstand wurden gewählt: Bürgermeister H o l l e r - Ober-Hörgern als zweiter Direktor und Landwirt Fenchel-Ober-Hörgern als Schriftführer. Erster Tirektor ist Kreisamtmann Hechler- Gießen, der schon in der letzten Sitzung gewählt worden war. Für das nächste Jahr wurde in Aussicht genommen, die in Mainz stattiindende Landesausstellung zu beschicken. Tic rege ver­laufene Versammlung berechtigt zu der Hoffnung, daß der 53 er ein die große Zahl der ihm gestellten Aufgaben nunmehr energisch in die Hand nehmen und zum Segen der heimlichen Viehzucht arbeiten wird. ,

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