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aufte, Sonntag».
Dem H'eßeier Anzetger werden im wechsel mit dem Kesfifchen Landwirt die Gtehener Kamillen- Hättet viermal in der
Woche bei gelegt.
Mala non-druck u. Ber» lag bet Brüh l scheu UnivetV©ucb-u. Stein- bmderrt. R. Lang«, fRehaftkm, Srpedilto« und Druckerei:
Gchotstroh« le tlbrefle ffii Deoeschem
Lvzeigee GietzetL. ßierniprechonichluy Nr 51.
Erstes Blatt.
164. Jahrgang
Mittwoch 8O.NovemberL8v4
Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis MW
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9eiafl»pret8i monatnch 75 otertet* (ahthd) ML. 8.20; durch Vlbtiofe- il Zweigstellen monatlich 65 Bf.; durch die Post SFlt. ö.— Viertel- jährt ausfcht Bestellg.
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§ie heutige Wummer umfaßt 14 Seiten
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Kleines Aenilleton
aber hat sich im ganzen großen Deutschland nicht eurer, an die völlig bereit liegende Ausgabe herangew-agt.
Bor lauter Theorie ist uns die Praxis, vor lautet! historischer Gere chtig keil der frische Antrieb, der; nach dem Wägen auch wagt, vor lauter Sachlichkeit die Persönlichkeit abhanden gekommen, und aus dem Tunket dieser unerfreulichen Perspektive dämmert noch kein neuer Tag. Tie rücksichtslose Offenheit und die Kampfes- freude für das Ideal, wie sie Präsident Roosevelt seinem Bolte empfiehlt, sie wären bei uns, in der Richtung auf sehr reale Ziele, dringend vonnöten. In dem Verlangens nach mehr Persönlichkeit können wir uns Roosevelts Wort zu eigen machen: „Groß kann ein Bolk nur werden, wenn es Tatkrast hat und wenn die Erinnerung an seine Vergangenheit aus gesunden Wurzeln genährt wird." An den gesunden Wurzeln für unsere nationale Erinnerung fehlt es uns zum Glück nicht; fein Bolk kann sich besserer rühmen. Um jo schmerzlicher gebricht es uns an Tat- kraft, cm Persönlichleiten für die Ziele der nationalen^ Große.
erglänzt. _
Karlsruhe, 29. Nov. Im Markgräflichen Palais wurde heute das badische Tuberkulose-Museum eröffnet, in Gegenwart des Gäwßherzogs unb der Großherzogin als Protektoren des Erbgroßherzogs, der Erbgroßherzogin, des Prinzen Karl und Gemahlin, der DJlinifiicr usw. Auf die Ansprache des Lbcrregier- ungsrates sprach der Grvßherzog seinen Tank daftir aus, daß ihm und seiner Gemahlin das Protektorat angeboten wurde. Er dankte ferner allen, die an dem Zustandekommen des iDiufeumä mitgeardeitct haben, und toürtschte, daß das UiUernehmcn allen volle Befriedigung und die besten Erfolge bringen möge. Zum Schluß wandte sich der G r o ß h e r z o g a n einige Vertreter der Arbeiter, die seinerzeit das Charlottenburger Museum besucht hatten, und drückte ihnen seine Freude darüber aus, daß sie stadem wohltätigen Werke widmen wollen. Tarauf wurde ein Rund - gang durch die Ausstellung angetreten.
— Tie Schauspielerin F a n n y Ianaus ch e k ist am 29. dsS. Mts. in Newyork im Alter von 74 Jahren gestorben. 1847 war fie 'JJlitßliei) des Stadtlheaters in Köln, 1648 kam sie nach Frankfurt. Später begab sich die Künstlerin nach Amerika, wo ftc von Triumph zu Triumph zog und nw |ic auch den Abend ihres merk- würdigen X.'cbeiiv verbrachte, zuletzt in großer Armut. Ihre künsd lerische Größe lag nt der plastischen Tarstellnng trägstcher Rollern ivic Klärchen, Gretchen, Teborah, Julia und so rverter.
Politische Tagesschau.
„Hibernia" im preutz. Abgeordnetenhaus.
R. Berlin, 29. Nov.
Es hat schon manchmal große Tage im preußischen Abge^ ordneteuhaus gegeben, aber selten land sich eine so interessante, gewichtige Hörerschaft dazu ein, wie heute. Tie Hibernia-Vor- lage machte die Kreise der Berliner Finanz mpbtl und rief aus den Kohlen- und Ersenrevieren des Westens fast alle mtsere bekannten Industriellen ^rbei. Tas Schauspiel, den hitzigen Kampf um das meistgenannte' und dadurch zu ungeahnter Popularität gelangte Kohlenbergwerk auf der erweiterten Szene des Paria- meitts fortführen zu sehen, wollte schwerlich'jemand missen, der Zeuge und vielleicht auch 'Teilnehmer genxfen der bisherigen zum Teil in der Verborgenheit geführten Gefechte zwischen der oerstaatlichungseisrigen Regierung und der sich verzweifelt wehrenden Hibernia. Ta saßen die Interessenten dicht gedrängt auf der Tribüne. Freunde und Gegner der Verstaatlichung in buntem Tnrcheinander. Hier ein Banldirettor, daneben ein Kohlenbaron, dann ein Börsianer, ein kühner Spekulant — alle waren ganz Ohr und wichen und wankten nicht, ob auch die Sitzung von elf Uhr mittags bis in die fünfte Nachmitaags^ st u n d e sich hinzog. Welches sachverständige Publikum und zugleich ein Publikum von Millionären oder über Millionen gebietender Personen! Tas Mienenspiel dieser Hörer zu beobachten, bot ungleich mehr Genuß, als den Reden zu folgen, die int wesentlichen wiederholten, was durch die Presse ge», gangen ist.
Zugegeben, daß Handelsminister Moller in seiner fünf-, viertelstündigen einleitenden Rede recht glückliche, zum Teil witzige und schlagende Wendungen fand, z. B. wenn er bemerkte, er wisse, wie Geschäfte gemacht würden, oder wenn er an die Tadler des Aktienlaufs die Frage richtete, wie sie es Denn an seiner, des Ministers Stelle, anders hätten machen wollen, eine Gesellschaft auszukaufen, als sich durch Aktienerwerb eine Position für die Verhandlungen zu sichern? Aber die Meinungen, wie sie sich schon oben ausprugten in der ganzen Haltung des Auditoriums, dec stille und vielsagende Kommentar durch ein Kopfschütteln, ein sarkastisches Lächeln, eine diskret abwehrende Handbewegung, durch kurzen flüsternden Meinungsaustausch Gleichgesinnter: dies fortwährend wechselnde Bild mußte das Hauptinteresse in Anspruch nehmen.
Unb dann der Triumph, wenn ein Abgeordneter, Ivie z. B. Herr Cassel von der fts. Bolkspartei, mit aller Schärfe die Vorlage bekämpfte, menn der Nationalliberale Schiffer dem Minister, dem ehemaligen Parteigenossen, allerlei unfteundliche Tinge über die Art und Weise der Transaktion sagte. Weit bogen sich die Hörer vor, keines solcher „trefflichen" Worte zu verlieren; von ihrem Antlitz leuchtete eine Befriedigung, wie sie nicht lebhafter und aufrichtiger sein kann nach einem bestens, gelungenen Geschäft. . ......
Indessen, das fast zweifellose Endergebnis stt, daß bet, preußische Landtag sich mit dem Ankauf der Hi- bernia-Aktien einverstanden erklären wird. TaS ließ sich troy einer Reihe von Bedenken, die mehr der Form der Transaktion galten, aus den Reden der Abtzg. Tr. Spahn ^Zentr.), tr. Kessel (kons.) und v. Woyna (fttons.) entnehmen. Tiefelbe nüchterne Meinung hatten auch 'die Tribünengaste, als sie sich anschickten, das Haus zu verlassen. Morgen wird noch ein Tag der Hibernia gewidmet werden.
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ins Ungemessene, ja Wahnttützi^e in einem Mangel des Volkslebens, der auch von ruhig prüfenden Beobachtern immer schwerer empfunden wird. Mag Amerika an einer gewissen Hypertrophie der Persönlichkeit leiden, so laboriert unser Vaterland an ihrer Unterdrückunc;. Eine äußerlich tatenarme Periode hatte bei uns Persönlichkeiten in reicher Fülle herangereift, — als die größte unter ihnen den Mann, der Roosevelts Ideal entsprechend, Sittlichkeit und Kraft in reichstem Maße in sicy einte, und der darum unserem nationalen Sehnen eine Erfüllung, unseren nationalen Erfordernissen eine Gestaltung zu geben vermochte, die das deutsche Fuhlen als sittlich und groß zugleich empfindet. Ist es, wett er selber die Unterordnung seiner eigenen, gewaltigen Persönlichkeit unter die nationalen Ideale fyer Selbstzucht, der Vasallentreue, der Disziplin stets erstrebt und einem neuen Geschlecht als sein großer Lehrmeister dieselbe Unterordnung ins Blut gesenkt hat, ist es, weil die Natur unseres Volkes, nachdem sie manchen Großen und diesen Größten gebildet hatte, erschöpft war und Ruhe brauchte zu neuem Schaffen, daß unjere nachgeborene Generation an Persönlichkeiten jo bettelarm erscheint? Läßt bei uns eine Uebertreibung des alten germanischen Ideals der Gefolgstreue keinen Führer auf- tommen, oder fehlen die Staturen, die zu wirklicher Führerschaft berufen sind, tatsächlich so ganz und gar? Steht — um uns nicht in Konstruktionen zu ergehen, sondern ins Herz der Wirklichkeit zu bringen — die einzige starke Persönlichkeit, die wir in Deutschland in verantwortlicher — in verantwortlichster — Stellung erblicken, der Entwickelung anderer Persönlichkeiten jo sehr tm Wege, oder erschein: sie deshalb so stark, weil jene überhaupt nicht vorhanden sind? Trägt eine bis auf die Spitze getriebene Sachlichkeit in unseren Institutionen, die Disziplin im Militarismus das konstitutionelle Element im Parlamentarismus, die Objektivität unserer Rechts Verfassung, die Methodik unserer Wissenschaft, der akademische Kanon unserer Kunst die Schuld daran, daß nirgend in allen diesen Gebieten des öffentlichen Liebens die Persönlichkeit recht aufzukommesn vermag, und daß sie da, wo sie sich trotzdem zu regen scheint, von den Mächten des Beharrens mit eifern em Zwange nieder gehalten wird?
Dem Politiker liegt das Staatsleben mit seinen Nöten und Notwendigkeiten besonders nahe: warum sinkt der geistige Gehalt der parlamentarischen iDcrhandlungen immer tiefer, warum rufen die dringendsten Aufgaben politischer uno sozialer Gestaltung vergebens nach Mannern? Scheint aus der einen Seite jd er P ar lauten taris mus der Betätigung der Persönlichkeit immer mehr Eintrag zu tun, so wohnt, auf der Kehrseite des staatlichen Lebens, seiner Nachtseite, wie die Verfechter der historischen Ordnung meinen, dem Sozialismus das gleiche Verhängnis inne; er schließt das persönliche Element geradezu bewußt aus, und die Mächte der Bejahung wie der Verneinung erjcheüten in ihren Wirkungeit nach dieser Richtung durchaus gleich geartet. Der immer noch in der Zunahme ßegrifjene Einfluß der Staatsverwaltung und der Staatsbetriebe mit ihrem teils bureaukratischen, teils milüärischen Zuschnitt tut das Seinige zur Ertötmtg freier persönlicher Initiative.
Gewisse Problerne der nächsten Zukunft, deren Lösung das staatliche Leben aus der Versumpfung retten könnte, sind mit Händen zu greifen. Die wichtigste Aufgabe positiver politischer Betätigung, so führte der „Hann. Kur." dieser Tage sehr richtig aus, schreit geradezu nach einer Persönlichkeit; es ist die Einsetzung großer zahlreicher A r beiter bat aillo ne, die, längst gesammelt, unter tüchtigen Ossizieren des entscheidenden Nuss gewärtig sind, für die realen Güter dLs bestehenden Staates und gegen die zerstörenden Lehren der Sozialdemokratie. Die Scharen rufen vernehmlich nach einem Führer. Die politische Konstellation wäre mit einem Schlage umzugestalten, wenn oieses gewaltige Heer mit seiner vollen ^chlagfähigkeit unter die maßgebenden Machtfaktoren eingereiht würde. Die Ausgabe verlangt nur einen Mann, aber dieser Mann fehlt. Friedreich Naumann könnte der Mann {ein, wenn er zu handeln, nicht bloß zu reden wüßte. Außer ihm
— Die 6. Jahresausstellung L
Künstler im Kunstverein an der Iunghofstraße. Aus Fraukpurt Mrd geschrieben: Im ganzen treten uns bei der diesjährigen Ausstellung keine übevraiäiendrn neuen Persönlichkeiten entgegen. Tie älteren Landschaftler unseres Künstlerkreises bringen ichbne Bilder ihrer erprobten E germrt, Spessart- unb Taunus- bilder vou Mohr und Wucherer, ron Eyersdörfer besonders blühende Kirjchbäume. In mehr stilpietter F-orm treten uns Clemens Fränkel und Karl Piepüo mit einer „römischen Land- ick>ajt" unb einem ,Metonischen Torfe" entgegen. I. H. Limpctt ist mit einer alten Mühle, Ziegenrneyer mit einem Herbstrnoraen, Anette Bettel mit einem Spaziergang am Main, Rudolf Pichler mit einer Heuernte vertreten. Bon den Marinen sind Alfred Helbergcrs Seestück, Franz Grafs Fischerftauen und Morgensterns Nordseesttand hervorragend. Altton Burger, dessen achtzig- jährlger Geburtstag Mlgft ohne sonderliche Feierlichkeit vorüber- aegangen ist, hat ein feingetöntes Jaabbilb ausgestellt. Tann hat Paul Audorff, der intime Geschichtsschreiber des alten Frank- urt, eins seiner öesck-eib-ncn entzückenden Bildchen geschickt. Fesselnd sind einige Genrebilder inmitten frischer Landschaft von Emil Beithan und Jdi Teichmann; letztere zelgt drei tanzende Mädchen in antiken Gewändern auf grüner Wiese^ ein reizvolles, fein empfundenes Bild. Beithan brüujt eine l'Mich beobachtete „Ge- wisseuösrage" und das lebenswahre Gespräch vou „Zwei Krätscher". Auch Äiaria Mauiius fällt mit einem Mädchen aus, das einem Papagei Zucker reicht. Die Radierer dieses Künstlerkrcises sind Meister Niauield und feine Schülerinnen F. RedclShcimer und A. B er sei, ersterer mit dem Inneren von St. Peter, ein prachtvolles Blatt, dann Ettore Cosomati mit einer vorzügiichen Straße in Cronberg u. ci. Von ben 21 plastischen Arbeiten erwähnen ’ .viv ov'w .pausmamis Marmorbruunen Eva, ein ganz hervor- . ragendes Werk: ein zartes noch lindlmsteS Piadcheu steht au
MrförrlichLeit.
teilte der letzten Hefte von Hcrrdens „Zukunft" gibt eine Ausführung des vor kurzem nochmals zur Macht berufenen Präsldenten der Vereinigten Staaten, Thepdor Roosevelt, wieder, die in mehr als einem Sinne1 merkwürdig genannt werden kann. Sie ist in ihrem Kern ein unumwundenes, hochgemutes Bekenntnis des Vdannes, der von vielen für einen ausgezeichneten Typ des modernen Ameritanertums g'.ehalten wird, zum Idealismus, zu denjenigen Gütern des Daseins, deren Wert sich nicht in Dollars und Cents darstellen laßt und die nicht durch geriebene Geschäftspraktiken erworben werden. Unb Roosevelt preist die großen Männer der Vergangenheit vom Schlage eines Washrngton und Lincoln nicht sowohl um der realen Erfolge ihrer Taten willen, nicht für die Gesetze, die sie entioarfen und zur Geltung brachten, oder die Siege, die sie über mächtige Feinde davonrrugen, — obwohl man alles dies gar nicht hoch genug einschätzen könne, — als wegen des unberechenbar großen Einflusses ihrer Taten und Worte auf den Wolkscharakter. Von Männern solcher Art habe man nicht nur das Reich ererbt, das mit ihrer Hilfe errichtet und befreit wurde, sondern auch das Beste und Edelste, was ihr Charakter, ihr Leben zu Meten hatte, ben Ruhm, bie Ehre, bas Wunber, den Ideengehalt ihrer Taten. Indem er das landesübliche Persönlich teils ideal breiterer Schichten weit von sich weist, feiert der Präsident, als Wortführer der erleuchtetsten unb ethisch hochstehenben Kreise seines Volkes, einen erhabenereu Persönlichkeitsge- banken, bas Ideal der Tatkraft auf dem Grunde sittlicher Reinheit, das Wesen der „Aiänner, deren Handeln zu uns sprach oder deren Worte eine besondere Weihe und Bedeutung dadurch erhielten, daß sie von Männern der Tat gesprochen werden". „Groß kann" — so ruft er aus — „ein Volk nur werden, wenn es Tatkrast hat und wenn die Erinnerung au seine Vergangenheit aus gesmwen Wurzeln genährt wird."
Es verlohnte sick) wohl, das Persöulichkeiisideal eines Mannes, der seinen Landsleuten und dem Ausland selbst als ausgeprägteste Persönlichkeit gilt, einer Musterung zu unterziehen. Vielleicht würde sich dabei Herausstellen, daß es seinen ethischen Inhalt nur dadurch erhält, daß die Umwelt Roosevelts nicht arm ist an Persönlichkeiten in jenem banaleren und robusteren Siime, den er ablehnt, an Leuten, die ihre Ellenbogen und nicht selten auch gefährlichere Waffen, körperlich wie geistig, zu gebrauchen wissen. Erst aus dem Boden eines sozusagen mehr phyfcschen erwächst das sittliche Persönlichkeitsideal als feinste Blüte der amerikanisch en Kultur, deren volle Eutfalttmg wohl erst späteren Geschlechtern zu schauen vergönnt sein wird.
Steht es in der alten Welt, in Europa, und vor allem bei uns in Deutschland nicht vielleicht gerade um- aekehrt? Manner rücksichtsloser Energie lenken die Geschicke des immer noch jungen oder doch sich stets ver- lünqenben kolonialen Staatswesens jenseits des Ozeans; die Wahrnehmung von allzu viel Tatttajt, Geschäftigkeit, Beflissenheit gibt dem Manne an der Sprhe jenes Staats- weiens, dem der reichliche Besitz aller dieser Eigenschasten nachaerühmt — nicht einmal stets zum Ruhme nachgesagt — bie Sehnsucht nach der Erfüllung eines oftmals ruchlosen Treibens mit dem sittliche^ Ideal hochstehender Manner der Vergangenheit ein. Wir Dents che dagegen tragen immer noch schwer an dem Erbe tatenloser Seiten, in denen ber Gedanke alles und die Tat nichts, das Ideal Weltfremdheit und die Sittlichkeit Unmann- lickkeit war; uns von diesem Ballast zu befreien, tonnte der Denker, her, man mag über sein System urteilen ww man will, einer starken Sehnsucht der Zeit Gestattung lieh, das Idealbild des Herrenmenschen, der blorcken Bestie schaffen, des Siegers im Daseinskämpfe über tauseno minder au werdende Existenzen. t ..
Auf der einen wie auf der anderen Sette beruht die Gestaltung des Ideals, und - bei uns ihre ^bb^^lbung
_Der Siegeszug (Don „CHarleys Tante". Nach vierzehn langen Jahren ist „Charleys Tante" m berii al einigen Besitz il-rcs Erzeugers Brandon Thomas zurückgekehrt. Mit ickmerzlichem Lächeln Mrd «et die so lange Ansgebliebene, so viel Gefeierte empfangen haben, denn die Erfolge,., ine sie errungen, die n^eheuren Annahmen, die fie erzieltt sie Nicht dem Berfasser oeS Stuckes zugute gekommen, sondern W. D. HMiey, der sich auf 14 Jahre bas Verfügungsrecht über bas ^tuck ncjiäjcrt halte. Ter Siegeszug dieser Tante ist w noch immer lucht beendet. Erst in diesen Tagen erschien fie wieder einmal bei uns in Gießen. In ihr hat der konsequente Blödsinn triumphiert und einen Erfolg erzielt, wie ihn noch kaum re ein Theateriiück gehabt. Ta „Charleys Tante" es in einem ^Heater aus 1460 Ai'.ssührungen gebracht hat so bedeutet seine ^Msulirungs- zif er sicher ben Rekord unter allen Zugstücken der Welt. ~a3 Siück wurde in wenigen Wochen geschrieben und zuerst nt Bury St Edmund-Theater am 29. Februar 1892 aufgcführt und nach einer Tournee in den englischen Provinzen im Tezember imch Loudon gebracht. Einen Monat später drängte sich ganz Loudon es zu sehen, fodaß fäfließlich die Ladeninhaber der Newcastte-street dieo • di'cftion des Theaters verklagten, weil der Andrang iu ben Aussüöcungeu Ursache täglicher Verkehrsstörungen war. reiiinbc Gesellschaften spielten das Stück in ben Provinzen, unb in Amerika nahmen sich fünf Gesellschaften des Werkes an. Varis wurde c3 mehrere hundert Male gegeben, und iN fast
nll u europäisch' n stabten lourbe „Charletzs Tante" vor auSver- .
lauilen Haujeru gefpicll. Selbst ins Griechische wurde dies in Crolibera
M^icrw-rk U Un.innS übcricvt. und brachte auch in oct einstigen war Fns
Sprache des Sophokles ungeheueres Lachen hervor. 1 .uigenoo
Frankfurter einen Baumstumpf, um ben sich eine Setzlauge windet, gelehnt, 1 jinnenb und zögernd, den Lipfel nieder rechten .Hand. Dann hat Gustav Herold eine lebens ftp che Statuette Prof. Ernst HäckelS ausgestellt, G. Bäumler, E. Rittweger unb Luise Schmidt lebenswahre charatteristische Porttätbüsten. Mehr von ben über 200 ausgestellten Arbeiten können Mr heute nicht verraten, nur daß an einigen schon das ftemidliche blaue Schildchen „verkauft"


