Nr.
Zweites Bl^tt
154, Jahrgang
DrfcheinL tLgNch mit Ausnahme des DonntagS.
Die „Gietzrner Kamtllenblatter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^tzesfischr LandWtrt" erscheint monatlich einmal.
Freitag 30. September 1904
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Umversitätsdruckerei. UL Lange» Gießen.
Redaktion. Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.
Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr. i Anzeiger Gießen.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigebiatt für den Ureis Gießen.
1'2 KLSfMl^MOMISVW^VIMMUVWM^VWK'Jlimff,.1, -.Lir.i... JVaStnnsan ■ 1 iTHMfiwiM.
Politische Tagesschau.
Neue Südlandfahrt des Kaiser?.
Mr brachten aestern die liir^e Meldung, daß der Kaiser auch in diesem Winter eine Mittelmeerfahrt unternehmen toerbe. Jetzt wird uns diese Nachrichst von Berlin aus nocljf* bestätigt. Die Reise hätte auch nichts auffallendes. Kaster Wilhelm würde die Südland fahrt -in der rauhesten Jahreszeit lediglich mit derselben Negelmäßigkeit an treten, ber beispielsweise König Eduard im Sommer die böh- mtschen Bäder zu besuchen pftegt. Persönlichkeiten, die letzthin bei der Tafelrede des Kaisers im Hamburger Rathaus zugegen waren, bekunden, daß die Stimme des Monarchen so klarundkräftigtvienurjegeklungen habe. Sollte der Kaiser also erneut die milde Luft des Mittelmeeres arrffuchen, so geschähe es Wohl zur Vertiefung und Sicherung der Wirkungen des Heilprozesses. Mit der Mittelmeerpolitik hatte diese Fahrt so wenig zu schaffen, wie die im vergangenen Winter stattgedabte, wenn letztere auch zu Begrüßungen mit den Königen von Spanien und Italien führte. Fraglich ist auch, ob die neue Mittelmeerreise zeitlich so ausgedehnt werden würde, wie die frühere, die bekanntlich erst ihr Ende erreichte, als in Deutschland der Frühling eingezogen war.
•
Der fehlende Nachruf.
Die ,^agesztg." macht darauf aufmerksam, daß der „Reichs an zeig er", entgegen der sonstigen Gepflogenheit, dem Grafregenteu oon Lippe keinen Nachruf gewidmet habe. Diese Unterlassung wird von dem Blatt als auffällig und befremdlich bezeichnet. Wir fugen hinzu, daß auch heute weder der „Reick^anz." noch die „Nordd. Mg. Ztg." einen Nachruf enthalten. Die Mö^ lichkeit einer versehentlichen Beyäurmtis ist ja picht ausgeschlossen. Aber wir finden beispielsweise in der heutigen „94 A. Z." einen Nachpuf für einen am 27. ds. gestorbenen) seit dem vorigen Jahre pensionierten höheren Beamten des Kriegsministertums. Vom Grafregenten ist in diesen Tagen in der Öffentlichkeit doch wohl mehr die Rede gewesen.
Der Begründer der Entwicklungslehre und das Centrnm.
Geben ErnstHäckel, den berühmten Jenaer Professor, eifert die „Germania". In einem Artikel behandelt sie den jüngst in Rom abgehaltenen internationalen Freidenker-Kongreß, Professor Häckel wird mit Schmähe ungen überhäuft, tveil er„imBruderbund mitFrei- maurern, Sozialisten und Anarchisten" gesessen habe. Dann kommt das Blatt zu folgendem Ausfall gegen den pon ihm gehaßhen Meister freier Naturforschupg:
,^ . . . Seine Orden und Ehrenzeichen und seine monarchische Gesinnung, die man bis zum Beweise des Gegenteils bei ihm als vori-anden mmchnren mu^ hatte er bei dick) er Siebe zu Hause gelassen; saß er doch am Prüsidialtisch neben deui fortgeschrittensten Lv;j0d>cn S^zialisteu Fouruernont. . . Tie vier „Erhalter- itßaien" der Universität Jena und deren Herzoge und Großherzoge können sich jetzt sehr geschmeichelt fühlen, daß sie mit ihrem Gelbe einen solck>cn Professor befragen, dessen monarchische Gesinnung nur für b<n Hausgebrauch zu sein scheint. Mer freilich, das geht in Jena ungcliiaft durch. . .
Er hat sich mit einem Worte zum Mitschuldigen an alldenzayllosenGottes-undMajestätsbeleibig- ungen gemacht, die Zu Hunderten auf dem Kongresse gefallen find. Aus den Gottesbeieidigungen wird er sich zwar nichts machen, ob ihm aber die Majestatöbeleibigungen nicht unbequem werden können, bleibt ab zu wart en."
♦
Die Zustande auf Neu-Guinea.
Nachdem eben erst die Hiobspost von der Ermordung bet Missionare auf her Gazellenhalbinfel eingetroffen ist, kommen aus HerbertShöhe weitere Nachrichten, aus denen bervorgeht, wie wenig geheuer es noch in jenem Teile unseres Kolonialbesitzes ist In Frie d rich-Will) e lm s h a feu auf Neu-Guirrea hat danach Ende Juli eine Verschwöre ung der Ein geboren ein ^att gefunden, die glück- lich<eriveise noch kurz vor chrem Ausbruch entdeckt wurde.
Die Verschwörung bezweckte, sämtliche Weißen, Beamten und Ansiedler, zu ermorden. Die Eingeborenen hatten sich in verschiedene Gruppen verteilt; jede von diesen begab sich um dieselbe Zeit zu einem der Weißen, um ihm Tauschwaren anzubieten; auf ein Zeichen sollte zuerst der Bezirksamtmann Stuckhart ermordet werben, daraus sollten der Polizeitruppe die Waffen genommen c.7i ■ 7 v.Acx-
und alle übrigen Weißen getötet werden. Schon waren die meisten Gruppen auf dem ihnen angewiesenen Platz, als der Hausjunge des Arztes dre Verschwörung entdeckte und das Verbrechen verhindert toiirbc. Die Schuldigen bekannten ihre Absichten.
Als Ursache der Verschwörung' wird die L a n d fr a g e angegeben. Sich auf frühere Kaufverträge stützend, dehnt die Neu-Guiuea-Kompagnte ihre Pslanzungsanlagen stetig mehr mtb mehr aus: sie stößt dabei 'immer auf neue Schwierigkeiten mit den Eingeborenen. Hoffentlich wird da die Kolonialverwaltung beizeiten nc*iy dem Rechten sehen und vermeiden, daß wir dort noch einen Kolonialkrieg auszuftchten bekommen.
*
Gegen das österreichisch-ungarische Ausfuhrverbot für Futtermittel hat sich auch der Handrlsvertragsverein in einer dringende:: Eingabe an den Reichskanzler gewandt, die ausführlich nachMist, dast dieses Verbot den Bestimmungen des Hanoels- vertrages widerspricht. U. a. sind „Gesundheitsrücksichten" in der österreichischen Presse zur Begründung heraugezogen worden, indem man der Gesundheitspolizri oie Aufgabe einer Erhaltung des Mindestbedarses an Nahrung der^Be- völkerung und damit die Verpflichtung einer Erchaltung des Viehbestandes zuschiebt. Diese Beweisführung widerspricht zweifellos dem Änne des Handelsvertrages, dessen Bestimmung sich ausschließlich auf sanitäre Gefahren bezieht, welche sich aus der Beschaffenheit gewisser Einfuhrartikel ergeben können, also nur auf die Ein- und Durchs fuhr gesundheitsschädlicher Produkte.
Nicht stich'halng ist auch die Berufung auf das Ausfuhrverbot, das am 4. Juli 1893 seitens des Deutschen Reiches erlassen worden |ift, denn dieses Verbot erstreckte sich nur auf „Heu, ftische und getrocknete Futterkräüter, Stroh und Häcksel", also auf Pferde futter.
Deutschland hat einen Rechtsanspruch gegen das österreichische Vorgehen. Dies umsomehr, als die einfachste Maßregel, einer etwaigen Futternot im Lande zu begegnen und den .Bestand an Futtermitteln zu heben, die zeitweise Aufhebung des Einfuhrzolles auf Gerste, Hafer und vor allem auf Mais, seitens der österreichischf-ungarischen Regierung trotz mehrfacher An^ träge nicht getroffen worden ist Daraus geht hervor, daß der Zweck des Ausfuhrverbots nichjt die Sicherung von Kriegsbedürftissen ist, sondern daß es dahin zielt, der österreichisch-ungarischen Landwirtschaft ein reichliches Futterquantnm zu möglichst, niedrigen Preisen zur Verfügung zu stellen, ohne daß gleichzeitig auch die Preise chrer Produfte gedrücft werden.
Der Handelsvertragsverein schließt sich den Anträgen der deutschen Landwirte und Händler auf ganze oder teilweise Aufhebung desAussußrverbotes an und bittet den Reichskanzler ferner, aus dem vorliegenden Einzelfall die notwendigen Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen,: „Es hat sich wieder einmal deutlich gezeigt, daß die deutsche Landwirtschaft ihren stets wachsenden Vieh st and nichtmehrauseigenenMittelnernährenkann und daß zur Erhaltung und zu der unbedingt wünschenswerten weiteren Verurehrung des deutschen Viehbestatldes die Zufuhr ausländischer Futtermittel gesichert werden muß."
JmJnteressederdeutschonLandwirts cha ft und der Volksernährung beantragt der Handels- vertragsverein daher:
Im künstigcn HanbLlsvertrage mit Oesterreich-Unganl dem Art. 1 eine genauere Fassung zu geben, welche einen Mißbrauch wie den gegenwärtig vorliegenbcn ausschließt;
wenn möglich enpprechenbe einfdjränfeube Bestimmungen auch in die neuen Hanbelsvertrage mit Rumänien unb Serbien aufzunehmen, da die blo&e Meistbegünftigung uns nicht genügenb schützt;
in den noch ausstehenden Handelsverträgen die Zölle aus notwenbiqe Futtermirtei zu beseitigen, wenigstens für alle die Artikel, in denen eine inländische Produktion kaum in Betracht kommen kann, wie z. B. bei Mais, int übrigen aber die Zölle zum mindesten ganz erhebliw zu ermäßigen.
*
Leider wahr.
Der Bremer Verein für innere Mission hielt seine Jahresversammlung ab. Bei dieser Gelegenheit hielt Baron v. Ue xküll eine Ansprache über das Thema: „Unsere Brüder von der Landstraße." Er sagte in
seiner Ansprache die leider sehr wahren und eindringlichen Worte:
Es gibt ein Wort: Wer Arbeit sucht, derfinbet sie! Ein schäübliches Wort! Ein Wort voller Lug unb Trug, geeignet, uns bie Herzen zu verhärten. Ich stehe als Zeuge dafür ein, baß dies Wort eine Unwahrheit ist. Für einen Schlosser bin ich 3h4 Tage herunigelausen, habe nichts anderes getan und habe feine Arbeit für ihn gefunben, tüt einen and.reu Arbeiter in fünf Tagen nicht unb für einen dritten haoe ich endlich nach vielen Bittgängen eine Stelle ge- junden. Auf bet Landstraße, in den Pennen, den Hunger tm Magen, bie schlechten Sitten vor Augen, wie leicht wirb ba der Mensch verdorben. 200 900 unserer Brüder stehen jeden Tag, den Gott werben läßt, auf ber Landstraße, unsere Brüber! — an Zahl mehr als Japaner au' dem Kriegsscl-auplatze, mehr als der Russe diesen Soldaten entgegenstellt, etn großes Heer, und im großen Publikum weiß man.nick-ts davon.
Kcr Ausflug öer Zwetten Kammer nach Aad-ZIauheim
nahm bei ziemlich günstigem Wetter ganz den gestern mit- geteiücn programmäßigen Verlauf.
Bei dem Diittagsmahl W: Festsaal des Kurhauses konzertierte die vorireffliche Kurkapelle auf der Veranda. Im Laufe des Essens nahm Finanzminister Gnauth baS Wort unb legte bar, baß die Großh. Regierung es als ihre Aufgabe betrachte, bie hier hervorsprudelnden Heilquellen nach Möglichkeit auszubauen und der leidenden Aienschheit zugänglich zu machen. Deshalb sei auch zweckmäßig, daß sich die Quellen im Besitz des Staates und nicht einzelner Personen befänden. Erfreulich sei auch die finanzielle Entwickelung von Bad Nauheiin, die es ermögliche, dem Staat alljährlich 100 000 All. Einnahmen zuzuführen. Die in der Steigerung begriffenen Einnahmen reichten auch hin, um die jetzt der Karniner vorliegende Forderung von über 6 Millionen Mk. behufs notwendiger Anlagen und Erweiterungsbauten zu verzinsen, so daß also für die Steuerzahler gar keine Belastung erwachse. Er hoffe, daß sich auch die Volksvertreter durch die Besichtigung von der Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit der Forderung überzeugen würden und schloß nut dem Wunsch, daß mit der Annahme der Vorlage Stadt und Bad Nailheim eine weitere kräftige Entwickelung erfahren lüürben. Später feierte noch ber Kammerpräsident, Geh. Rat Haas das Geschick des Finanzministers, ^AlleZ durchzusetzen", was er als richtig und notwendig erkannt habe. Er hoffe, daß auch hier eine Einigung zwischen der Regierung unb bet Kammer erzielt werden würde. In das zum Schluß auf rben außerordentlich tüchtigen Herrn Finanzminister" ausgebrachte Hoch stimmten alle freubig ein. Nach dem Essen, baS einen sehr animierten Verlauf nahm und bei welchem ein vorzüglicher hessischer Domänenwein krebenzt wurde, erfolgte noch bie Besichtigung der im Nebensaal ausgestellten weüeren Pläne unb dann Spaziergänge nach dem Teichhaus unb dem Domersberg, bessen neue Anlagen den vollen Beifall der Abgeordneten fanden.
Die Rückfahrt der Teilnehmer erfolgte mit den bereits gestern näher bezeichneten Zügen. Dem gestrigen Bericht sei noch ergänzend hinzugesügt, daß die im Inhalatorium ausgestellten Pläne von dem Vorstand ber Badedirektion, Baurat Dr. Oes er, erläutert wurden, während in der Wandelhalle Oberbaurat Schmick über den Bebauungsplan für da§ neue Salmengelände, die neue Kolonadenanlage, die Zentralmaschinenanlage und die Dampfwaschanstalt die nötigen Erläuterungen gab. Nach dem Essen im Kurhause erklärte Bauinspektor Jost die neuen Babeanlagen unb die Teraffen- errociterung._______________________________________
KotoniaLpost.
— lieber eine neue Metzelei am französischen Kongo sind mit dem Dampfer „Auversville" Nachrichten in Brüssel eingetvoffen. Eingeborene überfielen die Händler Diels, Dedeyn, Roels, Nlatual unb Van SaZ und erschlugen sie, sowie 30 in ihrem Dienste Eingeborene. Roels und Matnal wurden zuerst von den Eingeborenen in furchtbar er Weise gemartert. Nach der Metzelei plünderten die Eingeborenen bie französischen und belgischen Handclsniederlaffungen.
Ker King.
Kriminal-Roman von O. Elster.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Er sah drüben auf dem Gottesacker an ber kleinen Kirche ein ftisches Grab — ein neu errichtetes schwarzes Marmorkreuz — und aus bem Grabe stieg ber Schatten seines ermorbeten Bruders empor — unb er — er selbst sollte seinen Bruber erschlagen haben, er sollte der Mörder seines Brubers sein und er war nur frejg-esprochen, weil das Gericht nicht genug Beweise seiner Unschulb jammeln konnte.
Dieser Schatten würde ihn auch in den heiteren Frieben jenes Hauses verfolgt unb ben Frieden selbst untergraben unb die Heiterkeit und bas Glück vertrieben haben.
Er lvnrbe sich mit ihm als Gast zu Tische setzen. Er würbe das fieundlichc Antlitz ber würbigen Matrone verbüstern — et würbe sich zwischen unb bie blondlockige Käthe drängen, baß sie erschai'.bernb bie kleine, zum MllkommenSgruß ihm entgegen* gestreckte Hand zurückgezogen hätte — er würde sich wie ein tert reif auf bie Blumen seines Glückes, seiner Liebe senken, bcrß sie verdorrten und verwelkten.
Er atmete schwer und keuchend wie unter ber Last eines gespenstischen Traumes. r
te legte sich die Hand des Pfarrers sanft auf seine (s^vlteix „Ferdinemo", specrch ber alte Mann niilb unb leise, (len Sie nicht mit mir kommen? Meine Frau unb meine w, <>t wecken Sie in alter Herzlichkeit begrüßen. — Sie be- te'iiii her zarten Hand eines ltebenden Weibes — Ihre Mutter hi/. !■: 1 m-hc - fosiiincu Sie zu meiner FrauSie rvissen, i,. i tu L-ie />-;iunfein Ihrer Mutter, lassen Sic sie jetzt Mntter- , /Ue an Ihnen vertreten — öffnen Sie ihr Ihr Herz — eines Aon ff, mehr wert, als bie klügste Rede bes jarn eÄ. — Kommen Sie.".....
a-u schlug ber gepeinigte Mann bie Hünbe vor bas Ge
sicht unb schluchzte laut auf. Tränen quollen zwisäien. seinen Fingern hervor und seine Brust arbeitete gewaltig.
„Ich kann nicht —", stöhnte er. „Ich vermag Ihnen nicht zu folgen." . . .
„Weshalb nicht, Ferdinand?"
Dieser ließ die Hände sinken und blickte den alten Pfarrer mit entgeisterten Augen an.
„Weil ich ein (ricdloser Mann geworben bin unb meinen Unfrieden nicht in Ihr stilles, trautes, friedliches Heim tragen will."
„Ter Frieden meines Hauses wirb auch Ihnen ben Frieben wieder geben."
„ „Nein — nein — tausendmal nein!" brach eS los unb schüttelte bie Hanv bes Pfarrers ab. „Ich kann nicht als ein lchulvdelcck-ener, als ein bes Bwuderniordes verdächtiger Mann in Ihr Haus treten! Ich kann nicht in das liebe Gvsickrtchen Ihrer Tvck-ter sehen — ich kann nicht — ich würbe nach einem Zeichen spähen, baß auch sie ben furchtbaren Verdacht hegte — ich würde vor jedem Erröten, vor jedem Erblassen ihrer Wangen, vor jcdnn Blick ihrer Augen, ber vielleicht unbewußt eine leichte Verlegenheit zeigt, erschrecken ... ich kann nicht — ich kann nickst! Oh,. Herr Pfarrer, verstehen Sie mich boch!"
Wie eine herzzerreissende Klage klang bieser letzte AuZruf, ber den Pfarrer tief erschütterte.
„Ich verstehe Sie wohl, mein junger Freunb", sagte er sanft, „unb ich achte und ehre Ihre Empfindung. Aber überlegen Sie einmal, ob dieses Gefühl nicht übertrieben selbstquälerisch ist? £*b Sie nicht Trost in dem Gedanken finden, baß mü alle von Herzen an Sie glauben und daß 'kein Wrtchen, kein Blick, keine Bewegung sie an bas Entsetzliche erinnern soll." . . .
„Tas ist nicht möglicy! Das liegt nicht in Ihrer Macht! Ich selbst würbe mich von bem Gedanken nicht frei machen können. Nein, nein, lassen Sie mich meines Weges allein weiter wandern."
„Ich dringe nicht in Sie. Aber was wollen Sie beginnen ?"
„Tiefes Haus — dieses Gut verlausen und auswandern — fortziehen, weit fort, wo r.-.icb nienrand kennt!"
„Und glauben Sie dadurch Ihren fckrtvarzen Gedanken entfliehen zu können? Oh, glauben Sie doch das nicht! Im Gegenteil, die Gedanken werben Sie in der Fremde mit verstärkter Wucht bestünnen. Und bann — nehmen wir einmal an, daß einige Menschen^ noch den furchtbaren Verdacht gegen Sie hegen, werden Sie diesen Menschen durch den Verkauf Ihres Gutes, durch Ihre Auslvanberung nicht neue Waffen in die Hand geben ? wirb man nicht sagen: seht Ihr! Er ftieht vor seinem eigenen Gewissen!"
Ferbchanb unterbrach jäh seinen Gang durch das Zimmer und blickte den Pfarrer groß an.
(Fortsetzung folgt)
Berlin, 29. Sept. Nach Ueberwindung zahlloser Schwierigkeiten erfolgte heute endlich bie Einweihung des neuer bauten Nationaltheaters. Tie Tendenz einer Bolks- oper könnte aus der Eröffnungsvorstellung kaum lrerausgelesen werden. Es war eine mittelmäßig-e , Trmibabour"-Aufführung, in ber Fri. Lichtcnstls, bie Herren Reinhardt^unb Melms i-ie Hauptrollen sangen. Tie anfangs freund inne Stimmung flaute nach mancherlei kleinen Zwischenfällen gegen Schlug lehr ab.
Karlsbad, 29. Sept. Paul Heyse, der hier zur Kur n-eilt, mar an einer leichten Lungenaffektion .ch-krankt, oe- findet sich jebock) wieder auf dem Wege ber Best er »ng. Für um Tichter gab fick) hier a.llenthalben ivannliv eil nab me uim.
Kopenhagen, 29. Scpr. X-cnti; mittag fand Huw du feierliche Beisetzung Pro s e s s o r ö' i11 f c n Ä llatt.
Ehristimt, der König von Grieco luaud. der öänifä^ Kionpnnz, sämUiM Minister unb mehrere Kunden Aerzte airn icm Im und Auslände wvkmi-.n b r s< cerbüb.ng bei Ä‘üi|;r In’H
sich du«, brit ben,....... - Pnubtt Acuii. vcrtreKn,
bet im Wanten o.- u v> '»•*«. X'orbcertrau «m
Sarge niederlegte. I ie dänisihen Aerzte erlassen einen »lufruf,


