Ausgabe 
30.8.1904 Zweites Blatt
 
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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch«, Universitätsdruckerei. 5L Lange, Gieße«.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.A» Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr. r Anzeiger Gieße»-

Nr. Z03 Zweites Matt. 1^4. Jahrgang Dienstag 3V. August 18V4

Erscheint tSgllch mit Ausnahme des Sonntags. ? /X X

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»Anzeiger üiennol wöchentlich betgelegt Der WP M ® 1k, U M B W R, W R. M U MM ^L, JL.

«yesfische Landwirt' erscheint monatlich einmal.g v

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.

Politische Tagesschau.

Die Nationalliberalen und die Schule in Preußen.

R. Berlin, 29. August,

Dem Schulkompromißantrag der preußischen Konservativen und Naltonallibevalen erstehen unverkenn­bar Anhänger, Neuerdings hat sich der nationallibe­rale Jugendverein in Hannover für das Kom­promiß ausgesprochen. In der Debatte dort bezog man sich auch auf den gtegetidburgei; Katholikentag, und da war dte Bemerkung eines Reoners interessant, der da meinte, gewisse Zeichen der Zett ließen es zweifelhaft er­scheinen, ob ein Proteststurrn gegen ein mit Hilfe des Zentrums unter gänzlicher Ausschaltung der Liberalen zu- standegebrachtes Schulgesetz an maßgebender Stelle die gleiche Berücksichtigung finden würde, wie vor zwölf Jahren. Deshalb dürften bei der unausbleiblichen Schulgesetzgeb­ung die Liberalen sieb nicht ausschalten lassen. Diese Erwägung greift in der Tat mehr und mehr auch in Lehrerkreisen platz, und führt so ber denest, die es angeht, zu einer freundlicheren Beurteilung des Schultamprorniß- antrags.

*

Englische Deutscheuhetze.

Die LondonerFortnkghtly Review", die neuerdings ihre Monatshefte mit Aufsätzen eines Herrn zu schmücken pflegt, der sich bezeichnenderweiseEalchas" nennt und die deutsche Politik stets nach den verschiedensten Richt­ungen hin zu verdächtigen sucht, veröffentlicht in ihrer letzten Nummer ein solches Machwerk, das man nur als eine sinnlose Hetzerei auf Deutschland be­zeichnen kann. Er beginnt damit, seinen Lesern ausein­anderzusetzen, daß die Japaner vollkommen recht hätten, wenn sie behaupteten, daß die Deutschen nichts an­deres, als sogenannte Feuerräuber seien, daß heißt Diebe, dre die Wertsachen aus brenneinden Häusern fortschleppen unter dein Vorgeben, sie retten zu wollen. Der gegenwärtige Krieg in Ostasien biete ihnen eine gute Gelegenheit, diesem ihrem Geschäft nachzugehen. Das Ziel der deutsch>en Politik sei, den E n g- län dern die Herrschaft zur See zu rauben; zunächst liege ihnen darap, das englisch-franzäsische Ab­kommen zu vernichten und iede Annäherung z-vischje)r Groß­britannien und dem russischen Reich unmöglich zu machten. Ealchas" prophezeit, der nächste Schiritt Deutschlands werde wahrscheinlich sein, in dem Kriege'zu intervenieren, angeblich, um weiteres unnützes Blutvergießen zu ver­hindern. Frankreich werde sich, einem solchen Vorschlag an­schließen, denn die Republik sei bereit, alles zu tun, um nicht die russische Allianz zu verlieren. England würde sich dann in einer schwierigen Lage befinden, denn entweder müsse eS die Freundschuft mit Frankreich brechen, oder aber die japanische Allianz aufgeben. IN jedem Falle müsse Deutschland gewinnen, England aber verlieren, Noch schlimmer würde es natürlich sein, wenn Deutschland es unternehmen würbe, Japan dre Friedensbedingungen zu diktieren, in Gemeinschaft mit Rußland und Frankreich, wie es seinerzeit schon einmal geschah.

Die Herren Engländer schließen gar zu gern von sich auf andere. So schlaue Diplomaten wie jenseits des Kanals hat das brave Deutschland nicht.

Aus Stadt Md Land.

Gießen, den 30. August 1904. .

** Geschworenenliste. Zur Bildung der Spruch- liste für die am 26. September vormittags 9Vs Uhr be­ginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts des Großh. Landgerichts der Provinz Oberhessen wurden die Namen folgender Hauptgeschworenen aus der Jahresliste für 1904 ausgelost: 1. Johann Heinrich Küchel, Gerbereibesitzer in Butzbach, 2. Gustav Hublitz, Beigeordneter in Trais-Horloff, 3. Milh. Lamp sen., Fabrikant in Vilbel, 4. Heinr. Balser IL, Schneider in Albach, 5. Adolf Veith, Landwirt in Heuchel­heim ber Nidda, 6. Jvhannes Mb IIL, Müller in Merken- fritz, 7. Balthasar Linkmann Iv Landwirt in Queckborn, 8. Gustav Preicher, Rentner in Friedberg, 9. Philipp Feist, Landwirt in Betenheim, 10. Moy Hensel, Landwirt rn Dortelweil, 11. Friedrich Schultheiß I., Landwirt in Ech­zell, 12. Mlh. Pitz L, Zimmermeister in Steinbach b. Gießen, 13. Karl Pf an u stiel, Gutspächter in Angenrod, 14. Julius Zimmer, Müller in Lauter, 15. Heinrich. Lenz IIL, Landwirt in Atzenhain, 16. Hermmrn Heß, Kausprann in Schotten, 17. Karl Elbs, Professor in Gießen, 18. Georg Heinrich Rausch, Landwirt in Rebgesham, 19. Hr, Krd. Bommers- heim, Landwirt in Obbornhofen, 20. Heinr. Geißler IV., Landwirt in Kirchberg, 21. Karl Mehl, Landwirt in Münch- Leusel, 22. Philipp Fritzel, Beigeordneter in Dorheim> 23. Georg Viftia IIL, Landwirt in Bodenrod, 24. Karl Henzel, Rentner in Büdingen, 25. August Draudt, Pächter in Bü­desheim, 26. Heinr. Phil. Pulh, Bürgermeister in Massen- heini, 27. Heinrrch Schuch Landwirt in Kvichen, 28. Karl Wallach Bierbrauer in Alsfeld, 29. KaAprrr Kratz L, Bürger­meister in Ober-Ohmen, 30. Heinrich Bender V., Landwirt in Dorf-Gill.

** Pro f. Kossel. Als Nachfolger des Geh. Medizrnal- rats Professors Dr. Georg Gaffty, der betanntlick) anstelle i5ober, Kochs die Leitung des /tgl. Preußischen Jnstrtuts sür In j e kl i o no lcan theiten in Dsrttn Übeunmimt, ist, wie wir meldeten, der Reaierungvrat meb Mitglied des Kaiser!. Gesundyeiiscunts in Berlin, Prvf. Dr. mcd. Hermuun Kvsfel zum oibentlul>en Professor der Hygiene und Direktor des hygienischu Instituts an der llrriverfltät Gießen berufen toorbai. Kassel, ein Bruder des Heiöckb«rger Pül-siologie- Professor . Albrecht Kassel, ist 1864 zu Siostock geboren, fiMbicric dort, in Tübingen mub Berkin urch promovierte 1887. 1888 besluno er das StuatHexamen. 1888/89 war ei Ässistexl iiii Ellsab'-U^Wtuder-Hosplral, 1890/91 am ftädti- fenen Mi .lkcuhause Moabit in Bnlru, 1891--1890 am In

trautheiten unter Robert Koch. 1898 Professor titel. 1899 wurde er Regierungs- cd und Mitglied deS Kaiserl. Gesundheitsamts. Kossels

Publikationen betreffen u. a. Cholera, Tuberkulose im Kindesalter, Pyocyaneuöinfektion bei Kindern, Dtphtherie- gitt, die Anwendung und Erfolge des Diphtherieheilserums beim Menschen, Einwirkung von chemischien Bestandteilen der Zellen auf Bakterien, Btutparasrten bei Affen. 1895 er­schien seine Monographie: ^lieber die Behandlung der Diphtherie mit Vehring's Heilserunr." Kossel unternahm wissenschaftliche Reisen 1898 im Auftrage des preußischen Kultusministeriums nach Italien zum Stirdium der Ma­laria unter Robert Koch und 1899 im Auftrage der Reichs- regierung nach Finnland zum Studium der Hämoglobi­nurie der Rinder, sowie nach Porto zum Studium der Pest.

** Vortrag. Heber oie Bedeutung des Handels und Verkehrs unserer Stadt Gießen wird am 3. September abends 8V2 Uhr im Neuen Saalbau Herr Syndims Herrn. Pilz aus Leipzig sprechen. Da der Vor­trag für die Kaufnramlschaft ganz Gießens das größte Interesse hat, ist auf zahlreichen Besuch umsomehr zu rechnen, als auch "Damen Zutritt haben.

** Pferd emartt-Lotterie. Die Ankaufskomis- sion für die Gewinne der am 8. September stattsiirdenden Verlosung hat ihre Tätigkeit bereits begonnen. Den ersten Hauptgewinn, ein viersitziges Halbverdeck (Mylord) liefert die Wagenfabrik von August Kilbinger, das zugehörige silberplattierte Geschirr Sattlermeister Spies; den zweiten Hauptgewinn, ein viersitziger Jagdwagen, liefert ebenfalls August Kilbinger, das zugehörige Juckergeschirr Sattler- meister Groß; den dritten Hauptgewinn, ein Lauterbacher Wagen, liefert Wagnerineister Louis Faber, das zugehörige Kummetgeschirr Sactlermeister Groß. Die zugehörigen und sonst zur Verlosung kommenden Pferde werden auf dem Markt gekauft. Landwirtschaftliche Geräte, Fahrräder, Näh­maschinen, Silbergegenstänoe, darunter ein sehr wertvolles Mffee- und Teeservice und Mobiliargegenstände, werden von den Firmen Rosenthal, Kvogmann, I. F. Schaaf, August Schwab, Karl Brück, Th. Brück und Oßmann geliefert. Sämtliche Gewinne werden in hiesigen Geschäften getauft Bei den guten Gewinnchancen erfreuen sich die Lose wie immer eines guten Abfatzcs und werben voraussichtlich ausv erkauft

Zur Wohlfahrt der Arbeiter geschieht in den hiesigen Fabriken so viel als irgend möglich. Musterhaft in oieser Beziehung sind die Einrichtungen der großen Fabriken Gail, Heyligenstaedt, Schuchhardt rc. Aber auch in den anderen geschieht zum Besten der Arbeiter gar viel. So ist z. B. die Badeeinrichtung nachahmenswert, die in dem Gabriel- schen Kalkwerk m Abendstern geschaffen worden ist. Dieses Bad kann von den Arbeitern zu jeder Zeit benutzt werden. Es besteht aus mehreren Zellen mit je 2 gemauerten Bade­wannen, Brausen und allem erforderlichen Badezeug. Außer­dem ist dort ein großes Znmner zur Ruhe nach dem Bade, mit 12 Matratzen auSgestattet, vorhanden.

(b.) Kinzenbach, 29. Äug. In unserer Gemeinde wurde am Sonntag nachmittag ein würdiges Missions­fest gefeiert Die Kirche vermochte kaum allen Festteil- neymern Sitzplätze zu bieten. Nach Pvsaunenschall und einem Kinderchor hielt Pfarrer Knieper eine Missions­predigt, welcher er daS gestrige Sonntags-Evangelium Mark. 7, 3137 zu Gpunde legte. Missionar Alt und Pfarrzer Vömel sprachen in der Nachversammlung im Freien zu einer großen Zuhörerschaft Missionar AU wußte in fesselnder Weise über seine sechszehnjährige Missionstätig- teii unten den Dajaken auf Borneo im Anschluß an die Schriftstelle Jes. 43, 1 und L, zu berichten. Zum Schlüsse sprach Pfarrer Vömel über die Aufgaen und ^Verheißungen einer rechten Misstonsgemeinde nach dem Schriftworte: 1. Joh., 5,4Unser Glaube ist der Sieg, der die LSelt über­wunden hat'. Zur Verherrlichung unseres Festes wirkte der Rodheimer Posaunen- und gemischte Chor mit Die Kollekten ergaben einen namhaften Betrug.

*V Lich, 28. Aug. Heute wurde das Jugendfest unter allgemeiner Beteiligung der hiesigen Bevölkerung gefeiert. Um 3 Uhr bewegte sich der Festzug, bestehend aus Musikkorps, Schuljugend, Pcäparailden, Vereine pp. auf den Hardtberg, wo die Zeit bis zum Abend unter Ausführung von Jugendspielen verbunden mit Prämiier­ung, Tanz at(nx allzu rasch verflog. Auch die hier im Quartier liegenden Artilleristen, Offiziere wie Mmrn- schaften beteiligten sich lebhaft an dem frohen Treiben. Die Stadtverwaltung, welche die Kosten der Veranstaltung trägt, und die Lehver uni) anderen Herren, welche die Spiele leiteten, sind des Dankes der Eiryvohuer sicher. Allge­mein bedauert wurde, daß man die günsöige Gelegenheit entgehen ließ, die Artillerietapelle zur Festmusik zu enga­gieren.

-c-. Groß-Felda, 29. Aug. In einer am Figgeschen Lohberg abgehaltenen und zahlreich besuchten Versammlung der Interessenten sür Erbauung einer Bahn durch das Feldatal wurde 'nachstehende Resolution einstimmig an­genommen M

^Die am 28. August 1904 in Groß-Felda tagende allgeineinc Versammlung aus den Orten Ermenrod, Groß-Felda, Kestrich, Stumpertenrod und Zeilbach spricht sich mit aller Entschiedenheit gegen das Bahnprojekt Alsseld Utrichsteill Schotten aus, da bie geplante Bahnlinie den Bezirk Groß. Felda nur auf einem großen Umwege mit seinem Hanptverkehrö- und Absatzgebiet, Gießen und seinem weitveruveigten Bahnnetz 311 verbinden imstande ist und somit zu einer Erschliepung des Bezirks nicht führen tarnt Zugleich beschließt die Verjaninilinig Festhalten am bisherigen Projekt mit Anschluß cm Station Rieder- gemünden oder Eh rin kauf en, wodurch find) dem weniger wichtigen Verkehr mit Älsfeld genügend Rechnung ge­tragen wirb."

Voritehentze Resolution soll von dem Komitee noch näher begrülidet mib den maßgebenden Stellen vorgelegt ivevben.

Aus dem Taunu s, 29. Aug. Die Ausgrabungeil am Feldbergkästell, ivelche seitens der LimcSkvm- mif)ivn vor,genommen werden, haben dieser Tage nebst anderen Getpnstärrden auS römijclM Zeit auch zlvci gut- erhaltene Lilbevmünzen zutage gefördert, voll denen die eine das ^.ildnis des Kaiser^ Antonius Pius (138161), die letzte dasjenige ber Kaiserüi Julia Matliaea (235238) zeigt; besonders die letztere Müllte soll llach ben Aeußer-

ungen der Fachkenner einen hohen Wert besitzen. In dex nächsten Zeit werden die Ausgrabungen fortgesetzt, um einige außerhalb des Kastells befindliche Brunnen frei» zulegen.

Babenhausen, 29. Aug. Ein kleines Malheur mit dem Auto passierte hier dieser Tage S. K. H. dem Groß Herzog von Hessen bei seiner Rückfahrt vorv Bayreuth. Als sein Wagen die vor der Stadt gelegene Artilleriekaserne passierte, «prang plötzlich ein Hund aus dem Kasernenbose heraus und direkt vor das Fahrzeug. Er wurde auf oer Stelle getötet Der Landesherr konnte im Augenblick nicht halten, da er zur Truppenschau nach Mainz eilte. Von dort aus ließ er jedoch sofort Er­kundigungen nach dem Besitzer des Hundes hier einziebenr und versprach völlige Entschädigung. Der Eigentümer oes Hundes, Leutnant Geppert von der hiesigen Garnison, er­klärte aber, er erhebe keinen Anspruch. (N. Pr.)

Kassel, 28. Aug. In der Rhön hat man abermals wichtige archäologische Funde gemacht. Auf dem Stallberge bei Rasdorf wurde ein Steinwall in wun­derbar erhaltener Form aufgedeckt. Die unregelmäßig ge­formten Basaltblöcke und Säulen sind in geschickter Werse unter einander verbunden; Mörtel und Holzkonstruktionen fehlen gänzlich. Ferner wrrrde auf dem Oechsen bei Vach,a ein großer Steinwall entdeckt, der dadurch besonders inter­essant ist, daß cm ihm die erste SNauerschichtung (cyclopi­sches Mauerwerk) festgestellt werden konnte. Auf dem Geis­kopf und auf der Diesbupg legte man einen Wohlerhaltenest Ringwall frei.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Dem Forstwarien Ludwig Dreisbach zu Raunheim wurde aus Anlaß seiner mit Wirkung vom 1. September d. Js. erfolgenden Versetzung in den Ruhestand der Charakter alsFörster" verliehen. In den Ruhestand versetzt wurde der Weichensteller in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschast Kaspar Döring mrt Wwkung vom 1. Oktober an. Das König!. Theater zu Kassel bringt zur Feier der 400jährigen Wiederkehr des Geburtstages des Landgrafen Philipps des Großmütigen am 13. November das historische Schauspiel »Anna von Hesien^ von Professor Birt in Marburg zur ersten Aufführung.

Der 21. Kongreß des Deutschen Vereins für Armen- pftege und Wohltätigkeit.

(Origmaldericyt desGreß. Anz.") n.

Danzig, 25. August.

Die Versammlung tritt alsbald in die Tagesordnung ein, auf der als erster Punktdie Beratung Bedürftiger in Rechtsangele.genheiteu" steht. Das erste Referat darüber tzaU Stadtrat von Frankenberg aus Brauuschweig. Redner weist darauf hin, daß es in der Tat für Bedürttige in vielen Fällen sehr schlvierig sei, Recht zu fmden, weil sie den rechten Weg dazu nid# kennen. Diesem Notstand könne auf zweierlei Wegen begegnet werden. Der eine sei die Einrichtung be­sonderer Ausluuf.ts- und Rechtsschußstellen, der andere der, daß den betreffenden Behörden gesetzlich die Unter­stützung der Rechtsuchenden zur Pflicht gemacht werde. Redner bevorzugt den letzteren Weg, erkenm aber den hohen Wert der besonderen EinriaKungcu für Rechtsuchende, ime sie zuerst in den von katholischer Seite seit dem Jahre 1890 eingerichteten Volks­bureaus, die dann aitch auf evcurgelischer Seite Nact>chmuirg ge­funden haben, in Erscheinung getreten seien. 9teben triefen seien die von polckischen Gruppen, von den Gewerkschaften eingerichteten Rechtsdureaus zu nennen. Beide haben ihre großen Verdienste, ab^er sie entgehen doch nicht dem Verdacht, datz sie Sonderinteressen verfolgen. .Dieser Gefahr entgehen die von gemeinnützigen Ver­einen eingeridjtuten Recvtsschutzitellen. Obenan steht unter diesen die ^Frankfurter Austunftsstelle für Arbeiter- angelegeztheiten, eine Gründung des rühmlichst bekannten Instituts für Gememwohl", die jetzt von dem dortigen ^Sozialen Museum" übernommen worden ist. Daneben steht die Rechts­schutzstelle für weibliche Personen. Beide Einrichtungen Haven an triekn Orten wirksame Nachfolge gefunden. Redner legt in warmen Worten besondere, die 9iot der Frauen dar, die der Be­ratung dort Frauen oft so bedürftig seien. Endlich sind die von den Städten und sonstigen öffentlichen Korporationen eingerichteten Reästvschutzstellen zu eru-ähnen. Votbstdüch dafür ist das städtische Auvkunftsdureau in ViüiHausen im Elsaß. Es sind nod) nicht viele Städte aus diesem Wege gefolgt. Es wäre aber dringend zu wünschen, daß es immer allgemeiner als eine selbstverstäMikve Aufgabe städtischen Gemeinweiens angesehen werde. Es bedürfte dazu gar nicht der Einrichtung besottderer Bureaus. Die Atlskunfts- erteilnng könnte Beamten übertragen werden, die sonst schon viel mit dem Publikum zu tun hadert, die Sekretäre der Geioerve- gerichte, des Arbeitsnachweises uslv. Weniger geeignet seien die Arntenümter. Neben all deut fei aber ernstlich darr ach zu ftreben, unser deutsches Recht volkstümlicher zu gcftnlten, u. a. durch Verrneidung von Fremdwörtern und unverstäitdliären "'lusdrücken. Auch ntüssen alle Wege benutzt werden, um dem Volk die ^enntneJ der Gesetze allgemeiner zu vermitteln. Die Prozeßfichrung müßte besclsteunrgt urrd verein uralt roerden, wofür die GewerbegencAe allerlei Erfahrungen bieten. Unsere Arbeiterveriicverung bedarf einheitlicherer .und durchsichtigerer Gestaltung. Durch all diese Einrichtungen müsse es in deutschen Landen dahin kommen, daß Mer Recht font, auch Recht findet. Der Dtitberichterftatter, 5er Vorsteher des städtischen AuSkunftsbureaus in Mülhausen t E., Ernst Krug, .steckt die seit 1897 in Mülhausen bestellende Ein­richtung und ihre segensreiche Wirkung dar, und sucht ihre Vorzüge vor den durct) freie Vereinigungen gegründeten Aus kunftSstellen zu ertoeqen. Die städtischen Aemter lvsäßcn heute eine wläst Fülle von Erfahiungen auf allen ^bieten, Ivsonders den bet Arbeiterversicherung wie eS in gleichen: Maße vn keiner airderen Stelle vvrhtUlden sei. Durw Verdindnng der städtischen Aencker unter einander könne in vielen Fällen nw>t nur Auskunft erteilt, sontnrn auch Hilft gestrafft verflossenen Jahre seien in Mühlhausen 33 6/8 Au^nfte erteilt wvwen, darunter nicht lven^cr .als 14 S<8 an grauen (von i-i bis 98 Jalwen), lvodei es |i berausg. steckt habe, ,rraun meist den Fafl vitl klarer darzustelwn vermögt^ als mc WÄtner. Olnvohl das Auskunsloburcau von allen Stalri^'n m ^nstnua gcnoninten ivrrbc, j» seien dos; 75 Prozent daiAntcr Beculrstme. Die Wirlüug der AuSkunftSMe hänge von der^'ilönlEtt des Leiters ab, der volles kftrtrauen in allen D'e^en bei -r<- Döltaning geniesten. viel <x chnTb und Ihine ' icrnnt i>uku nuch Die Erfolge d.; .»! ft> 11 üb; ev|i ul ulk ; aniciu <n

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