Ausgabe 
30.7.1904 Zweites Blatt
 
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Nr* 177 Zweites Blatt. 154. Jahrgang

Erscheint LLgNch mit Ausnahme des Sonntag-. d

Die Lietzener LamülenblStter" werden dem T 1X4^ V >1 At ^Anzetfler viermal wöchentlich beigelegt. Der WF g B W UM 0 H 0 I || BUD BK B

«hesstlche Lavöwtrf erscheint monatlich einmal. V 8 V* V W* WM N M MM

Samstag 30. Juli 1904

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Untverfttätsdruckeret. R. Lange, Gieß«.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.il.

XeU Nr. 5L Telegr^-Adr.; Anzeiger Gießen.

General-Anreiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Mrlamerrlarisches aus Kessen-

^lrr krie zweite Kammer der Stände des GroßherKogttnnS ist eine Vorstellung des Landesverbandes der Bürgermeister Hessens betreffend die Vergütung für dienstliche Verrichtungen int Staats­inter esse eingereicht worden, worin bemerkt wird, daß bei der Beratung früherer Eingaben in diesem Betreff eine Vergütung in Aussicht gestellt worden sei. Eine toeitere Vorstellung desselben Landesverbandes betrifft die Kreisvermessungsämter. Die Gebühren der Kreis­vermessungsämter seien so eminent hoch, daß nicht rmr die Gemeinden, sondern auch die Privaten mit dieser Einrichtung schwer belastet sind. Der Landesverband stellt folgenden Antrag: das Gesetz, die Kreisvermeffungsämter insbesondere der Gebührenordnung einer Revision zu unter­ziehen und, eine Ermäßigung der Gebühren eintreten zu lassen. Eine dritte Vorstellung des Landesverbandes der Bürgermeister betrifft die Protokollierung von Jmrnvliliar- veräußerungsverträgen. Es seien Klagen echoben über zu hohe Stempelkosten, hauptsächlich aber darüber, daß die Protokollierung eines Vertrags nur am Grundbuchamt zuläffig ist. Unser altes Grundbuchs- verfahren im Großherzogtum Heffen sei ein einfaches, für das beteiligte Publikum beguemes und nicht sehr kost­spieliges Verfahren. Daher bitte der Verband die Großh. Regierung, dahin abandernbe Bestimmung zu treffen, da dem Ortsgerichtsvorsteher, ähnlich wie in Würt­temberg das Protokollieren der Kaufverträge über Jmmobiliarveraußerungen mit Auf­lassungserklärung auch bei Reuanlegung des Grundbuches belassen bleibt.

Der Vorstand des Gesangvereins'Sänger­runde Mainz" glaubt die Steuer für ein Vereinsklavier sich ersparen zu können, wenn erhohe Hessische zweite Kammer der Stands damit behelligt, natürlich nicht mit dem Klavier selbst, sondern mit Vortrag und Ditte, die dahin zielen, die Steuer zu erlassen.

Das Eisenbahnkomitee UndenheimArmsheim richtet an die zweite Kammer der Stände des GroßhertzogtumZ folgende Mtte: Die Kammer wolle an die Großh. Staats- regierung das Ersuchen richten, dem gegenwärtigen Land­tage baLmöglrchst eine Vorla ge zugehen zu lassen, die denBaueinerNebenbahnzurVerbindungund Aufschließung d^er Streike Undenheim- Spiesheim Armsheim vorsieht und festlegt. Diese Angelegenheit halte schon seit Jahrzehnten die Gemüter der betreffenden Gegend in begreiflicher Weise in Spann­ung und Auftegung. Bedauerlicherweise hätten die seiner- zeittgen Verhandlungen nicht zu einem günstigen Abschlüsse geführt, ttohdem der damalige Antrag Ehrist so sehr für sich gesprochen habe. Jedenfalls würde diese Bahnlinie der gesamten ftaglichen Gegend zu großem Segen ge­reichen und ein bestes Mittel sein zur Hebung des Wohl­standes eines großen Teiles Rheinhessens.

Aas englische Flnteryaus.

Im Laufe der Debatte über die Finanzbill weist Brodrick die Angriffe der Opposition gegen die Finanzpolitik der Regierung zurück; er gibt indessen zu, daß die Steigerung der Ausgaben für Heer und Flotte ein sehr ernster Faktor für die Finanzlage seien; aber ein Mitglied des Hanfes, der früher einer der Kritiker des Kriegsamtes gewesen fei, sei jetzt Kriegsminister. Eine Verminderung der Ausgaben könne nur durch Herabsetzung der Streitkräfte erlangt werden. Viele Kri­tiker regten an, die Starke des Heeres beizubehaltcn, aber trotzdem die Ausgaben zu vermeiden, ein entsprechender Plan fei jedoch nicht vorgelegt worden. In parlamentarischen Kreisen wurden die Aeußerungen als ein Angriff gegen den Kriegs­minister betrachtet. Das Unterhaus nahm die dritte Lesung der Finanzbill mit 206 gegen 129 Stimmen an. Balfour führt in der Fottsetzung der Verhandlung über die Beschlag­nahme von Schiffen aus, es sei zweifellos die Pflicht des Kapitäns eines neuttalen Schiffes, anzuhalten, wenn er von dem Kreuzer einer kriegführenden Nation dazu anfgefordett wird, und fofort, ohne Schwierigkeiten zu machen, die Prüfung der Schiffspapiere zu gestatten. Da- ist eine Verpflichtung der Neu­ttalen, die wir systematisch und konsequent streng durchgesetzt haben, wenn wir in der Stellung eines Kriegführenden waren. Es wird uns nicht geziemen, den Versuch zu machen, diese Ver­pflichtungen einzuschränken. Auf eine weitere Anfrage setzt Bal­four auseinander, daß, falls den Schiffseignern Schaden zu­gefügt worden sei, ihr Anspruch auf Schadenersatz unberührt bleibe, wenn auch die Wegnahmen als nicht erfolgt bettachtet werden. _________

DMische Tagesschau.

Eine Erklärung zum Konto K.

Nachstehender an den Geheimen Staatsrat Budde gerichteter Brief des Herzogs Ernst Günther von Schleswig- Holstein ist derKöln. Ztg." im Auftrage des Herzogs mit der Bitte um Veröffentlichung übersandt worden:

Sehr geehrter Herr Geheimrat! Gewisse Blätter haben versucht, mich mit der Affäre der Pommerschen Hypotheken­bank in Verbindung zu bringen. Ich habe mich infolgedessen veranlaßt gesehen, einleitende Schritte zu unternehmen, um auf gerichtlichem Wege gegen die Verbreitung solcher Gerüchte über meine Person vorzugehen. Prozesse gegen die Presse habe ich bisher zu vermeiden gesucht, da bei einer Verurteilung meist die eigentlich Schuldigen nicht getroffen werden. In diesem Falle könnte jedoch eine Angelegenheit vielleicht schneller ge­klärt werden, in der es im allgemeinen Interesse dringend geboten scheint, daß möglichst Licht Über alle Punkte verbreitet wird. Ich darf wohl annebmen, daß Euer Hochwohlgeboren Wunsch mit dem meinigen m dieser Richtung übereinstimmt. Was meine Person betrifft, so habe ich sowohl bei Hose wie m meinen Bekanntenkreisen niemals ein Hehl daraus gemachst, daß ich ein Gegner der Art und Weise bin, wie Herr v. Mirbach freiwillige Spenden veranlagt hat. Ich habe ferner bic Pom- mersche Hypothekenbank von Anfang an alsl ein Bankinstitut b-mdmet, das wenig geeignet sei, in näherer Verbindung mit dem Hose zu stehen. Es ist daher auch ebenso törickst, als un- umhrscheinlich, mich mit der Pommernbank in irgend eine Ver- bindung zu bringen. .Selbstverständlich habe ich unter diesen N in ständen niemals irgend welche Beziehungen weder zur ii Herren Schultz und .mDi'iPtd, gehabt. Hatte doch schon der Zusammenbruch der preußischen Hypothekeu-Aktienbank gerade in Nrederschlefion einen

besonders ungünstigen Eindruck hinterlassen, wo eine Menge wenig vermögender Leute ihre Spargroschen einbüßten. Durch die Gerichtsverhandlung im Prozeß der Pommerschen Hypo­thekenbank ist der Verblech derienigen 325 000 Mk. nebst Zinsen Nicht klargestellt worden, über die Herr v. Mirbach quittiert »al' ohne sie jemals empfangen zu haben. Auch Ihr jüngst veröffentlichter Briefwechsel mit Herrn v. Mirbach hat darüber eine Klarheit nicht geschaffen. Es ist dringend wünschenswert, daß die Empfänger dieses Geldes festgestellt werden. Mit dem Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung Euer Hochwohlgeboren sehr ergebener Herzog Holstein.

In der sozialdemokratischen Presse war behauptet worden, und die Ehrenmänner in der bürgerlichen Presse druckten es verswckt nach der Bruder der Kaisettn sei der Mann, an den ein Betrag des Konto K geflossen sei.

Der 8 Uhr-Ladenschluß in Hannover

steht in Hannover bestimmt am 1. August d. I. zu erwarten; nur Samstags bleiben die Geschäfte bis 9 Uhr geöffnet, sonst Werden für einzelne Branchen keine Ausnahmen gemacht. Am 29. d M. morgens hatte Regierungspräsident v. Philipsbvrn eine Konferenz mit Vettretern der Magistrate von Hannover und Lmden, des Polizeipräsidiums, der Handelskammer, des Ge- werberates, der Handwerkskammer, der kaufmännischen Gehilfen­vereine und des Ausschusses für den 8 Uhr-Ladenschluß, um sich ein Bild zu schaffen von den Ansichten in diesen Kreisen über den allgemeinen 8 Ilhr-Ladenschluß, namentlich darüber, ob die Ausnahme von einzelnen Branchen zweckmäßig und er- forderlich sei. In der Besprechung, die etwa zwei Stunden währte, kam indes allgemein zum Ausdruck, daß einzelne Branchen feine Ausnahme zu erfahren brauchten, wohl aber hielt man eS im allgemeinen Interesse liegend, an den Sams­tagen brS 9 Uhr geöffnet zu halten. Diesen Wünschen wird der Regierungspräsident Rechnung tragen und nunmehr mit dieser Ausnahme den allgemeinen 8 Uhr-Ladenschluß für Hannover verfügen, und zwar nach Ansicht der Teilnehmer an der Konferenz bereits zum 1. August.

Ans Stadl und Land.

Gießen, den 30. Juli 1904.

** In der Strafsache gegen den Landtags­abgeordneten Köhler-Langsdorf wegen Beleidigung des Staatsanwalts Reuß, des Landgerichtsrats Sandmann, des Kreisarztes Medizinatrat Dr. Haberkorn und des Pro­fessors Dr. Pfannenstiel ist die Anklage vor einigen Tagen erhoben und Termin zur mündlichen Verhandlung vor im* serer Strafkammer aus Freitag, den 5. August angesetzt worden. Die Anklage wird von Oberstaatsanwalt Theobald vettreten.

** Besuch der Veterinärmediziner bei Ge­heimrat Prof. Dr. v. Behring in Marburg. Unter großer Beteiligung von Studierenden der Veterinärmedizin der hiesigen Hochschule begab sich Kreisveterinärarzt Schmidt in das weltbekannte Institut für experimentelle Therapie Sr. Exzellenz des Geheimrats Prof. Dr. v. Be­ring nach Marburg, um dort den Sttldiererrden einen Ein­blick in die Her^ellungsweise der verschiedenen Heilsera, Diphtherie- und Starrckrampfheisserum, die bekanntlich aus dem Blute von in entsprechender Weise vorbereiteten Pfer­den gewonnen werden, zu verschaffen. Wenn schon die Bereitung dieser Sera das Jrrteresse der Studierenden in höchstem Grade fesselte, io war es nicht minder ein sehn­lichster Wunsch derselben, auch das von Sr. Exzellenz v. Be­ring gegen die Tuberkulose der Rinder ergründete Jmmuni- sierungsverfahren, das gerade für Veterinäre von der größten Bedeutung ist urrd im Großherzogtum Hessen bereits zur prakttfchen Ättrsführung gelangt, an Ort und Stelle kerrnen zu lernen. Dieses Verfahren weicht von dem durch Heissera erzielten Seuchenschutz insoforn wesentlich ab,'als hier nicht serttg vorgebildete Schutzsubstanzen dem zu immunisiererrden Rinderorganismirs einverleibt werden, sondern als hier dasselbe materielle Agens, das die Krank­heit erzeugt, von Menschen abstarnmende nnd entsprechend abgeschwächte Tuberkelbazillen nämlich, zur direkten Ein- pritzung in die Blutbahn bei Rindern gelangt. Zum Schlüsse wurde auch noch das in einem besonderen Raume aufge- tellte Mttamikroskop, das bis jetzt nur an wenigen Hoch- 'chulen zu sehen ist, demonstriert nnd an mikroffopischen Präparaten Kleinheiten gezeigt, die bis jetzt noch dem Auge des Beobachters unerlenntlich geblieben sind. Mit großer Befriedigung über all das in den Beringswerken gesehene verließen sämtliche Teilnehmer erst spät abends wiedet Marburg.

** Promenadenkonzert findet morgen, Sonntag, in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Ouver­türe zur Operette ^Jm Reiche des Indra" von Lincke, 2. Du und Du! Walzer a. d.Fledermaus" von Strauß. 3. Introduktion ausTraviata" von Verdi, 4. A.-M. Nr. 57.

** Vom zoologischen Garten in Frankfurt, ^ein Tag verging während der langen Periode warmen Wetters, an dem nicht neue Tiere ihren Einzug im Tier­garten gehalten hätten. In das Aquarium gelangten zwei Krokodile, von denen das eine über drei Meter mißt; eine Pythonschlange ttaf ein von über fünf Meter Größe, Schildkröten aus Abyssinien und seltene Warueidechsen auS dem gleichen Land wurden von dem bekannten Jäger lind Tierhändler Menges importiert, der mit einer Karawane von 9 jungen Giraffen eingetroffen ist; eS ist somit im Antilopenhause jetzt ein volles Dutzend dieser seltwen Geschöpfe interniert, für die man eilig einen großen Laufplatz eingerichtet hat. Ein halbes Dutzend der prächtigen Krontauben aus unserer j^olonieKaiser Wilhelm Land-" ist im Vogelhaufe eingetroffen und durch zahlreiche angekaufte Affen wurde die neue Gallerie im Affenhause bis auf den letzten Platz gefüllt.

z. Großen-Linden, 30. Juli. Die Erweiterungs­bauten im Bahneinschnitt GießenGroßen-Linden find mit dem heutigen Tage settiggestellt worden. Hierdurch ist endgiltig dem fortgesetzten Mltschen deS bei Regemvetter leicht beweglichen Bodens ein Ziel gesetzt. Durch zweckentsprechende, 60 Ztm. tiefe, treppenartig, mit Basaltsteinen außgesüllte Rieselkanäle hat man dem strömenden Waffcr Bahnen vor getrieben, so daß eine Gefährdung bei Eisenbahlitranöporte

durch Verschüttung der Geleise bei Rutschungen auSgefchloffen ist. Die Arbeiten, welche zwei Jahre in Anspruch nahmen, find von sachkundiger Hand entworfen und ausgefühtt worden. Die bei dem Bou beschäftigten Italiener werden nun bei dem hiesigen Bahnhofsumbau eingestellt.

-o- Lang-Gön§, 29. Juli. Das Gasthaus ^Zum Frankfutter Hoff, Besitzer Karl Wieland, wurde an Katt Wallenfels-Gießen zum Preise von 33 000 Mk. ver­kauft. Die Uebernahme erfolgt am 15. September.

w. Bad-Nauheim, 29. Juli. Bis zum 28. Juli sind 17 2 7 2 Kurgäste angekommen, wovon an ge­nanntem Tage noch 5066 anwesend waren. 219 611 Bäder wurden bis zum 28. Juli abgegeben.

Büdingen, 29. Juli. Die Rönne bürg ist wegen BaufäMgkeit gesperrt worden. Von dem gewalttgen Bertz- frieb, dessen unterer Teil aus dem 13. Jahrhundert stannntz. während der obere Teil aus der! Mitte des' 16. Iahv- Hunderts stammt, genießt man einen weiten Umblick, der u. a.^den Taunus, VogelZberg, Odenwald und die Haardt umfaßt. Manche historische Erinnerung knüpft sich an die ragende Burg. Hier wohnte Zinsendorf urrd gründete von hier aus die Brüdergemeinde in der Wetterau. Hier sam­melten sich und farrden Obdach die verfolgten Juden, Zigeuner und Separatisten; jeder um seines Glaubens' willen Verfolgte fand hrer eine Freistätte. Im Jahre 1875 wurden bereits Teile der Vorburg wegen Baufälligkeit ab­getragen. Dagegen unterzog man den Westffügel der Burg- mit seinem spitzbogigen Saale, der spätgotischen Kapelle und dem zierlichen Erker einer Renovation. Die ist Eigentum des Fürsten zu Isenburg und Büdingen fct Wächtersbach.

Darmstadt, 28. Juli. Der vor ttrrzem verstorbene Hofbibliothekdirektor Dr. Gustav Nick hat, wie wir von zuständiger Seite erfahren, seine gesamte wissen­schaftliche Bibliothek der Anstalt, an der er turhezn 30 Jahre gewirkt hat, testamentarisch vermacht. Besonders wertvoll ist darunter neben der reichvertretenen Literatur zur hessischen Landesgeschichte, der der Schenker als Herausgeber der ,^Quartalblätter des Historischen Ver­eins für das Großherzogtum Hessen^" namentlich sein Irrten esse zugewandt hatte, die seit Jahrzehnten planvoll ge­sammelte Ltteratur zu dem römischen Dichter Ovid. Das letzte Jahr hat, wie man derD. Ztg." mitteilt, auch von anderen Seiten der Hofbibliothek reiche Zuwen­dungen an Büchern, deren Gesamtzahl sich auf etwa 9000 Bande belaufen dürfte, gebracht. Außer einer sehr umfangreichen Neberweisung von Werken hauptsächlich päda­gogischen Inhalts durch das Großh. Ministerium des Innern ist, um nur die größeren Schenkungen zu er­wähn err, der Mbliothek von den Erben des Dr. med. EmL Wenck hier dessen reichhaltige medsiinische Büchersammlmrg und von den Erben des Forstinspektors Joseph in Eber> stadt dessen bänderreiche forstwissenschastliche Bibliothek übermtttelt worden. Aus dem Nachlaß des Staatsministers Finger Exc. und des Ministerialrats Geh.Rat Schlippe erhielt die juristische Abteilung der Bibliothek eine cm* sehnliche Bereicherung, aus dem Besitz von Fräulein Lina Frey stammen viele Werke zur schönen Literatur und zur engeren Landesgeschichte. Theologssche Werke schenkte Fräulein Pfeffinger hier. Selbst aus dem fernen Amerika kamen wertvolle Geschenke, indem Frau Mangold in Newyork der Bibliothek der Heimat ihres Gatten musikalische Bücher und Musikalien ans dessen Nachlaß übersendet hat.

Mainz, 29. Juli. Wie dasM. TgSl."- erfährt, ist der aus llnterbrombach gebürtige, 30 Jahre alte Reisende Eugen Beiz, der hier in der Mlhildisstraße 5 wohnt, nach Unterschlagung von 6000 ML durchgebrannt. Beh, der verheiratet imd Vater eims Kiirdes ist. war hier in der Holzstraße in einem Cmgros-Geschäst als Ressender tätig. Er wird als sehr tüchtiger Reiserrder geschildert. Leider war es jedoch mtt seiner Ehrlichkeit nicht wett her. Schon früher hatte man ihn auf verschiedenen Unredliche leiten bettoffen, doch immer wieder darüber hinwegge- 'ehen. Beltz kam joden Samstag von seiner Reise zuÄch um sie am Montag wieder anzutteten. Letzten Samstage war Bolz jedoch nicht heimgekommen, dagegen hatte man in den Tagen vorher die Beobachttrng gemacht, daß Bvh durch falsch aufgegebene Briefe fernen Aufenthaltsort zu verschleiern suchte. Weiter ermittelte man, daß an dir 2ldresse eines anderen Reisenden, der viel nrit Belz ver­kehrte, zwei große Koffer nach einer auswärtigen Statck aus der Wohnung des Belz abgeschickt worden waren> und man nahm wohl mit Recht an, daß es sich hier um eine Deckadresse für den flüchtig gewordener: Belz handelt. Die sofort ein gefettete Untersuchmrg hat ergeben, daß Bolz Gelder im Vettag von 6000 Mk, die er für seine Firma eingenommen hatte, unterschlug, und weiter wirrden bis acht Wechselfälschungen festgesrollt, sodaß man befürchten muß, daß die Unterschlagungen einen noch bedeutenderen Umfang annehmen werden. Betz bezog einen auskömm­lichen Gehalt, lebte jedoch stark über seine Verhältnisse hinaus. Es krm ihm zum Beispiel keirreswegs baranf an^. in einer Nacht für 100 Mk Champagner zu be^rhlen. Hinter Belz ist ein Steckbrief erlassen worden.

w. Wetzlar, 28. Juli. Auf die am 7. Mai von ver­schiedenen RegierungSkonuniffaren mit der hiesigen stüdtischm Behörde stattgehabte Besprechung über die Wiederher­stellung deS Wetzlarer Domes und die Aufbttngnny der Mittel haben die Stadtverordneten tTbcr den von der Stadt Wetzlar zu leistenden Beittag von 20 000 Mk. nun einen endgültigen Beschluß gefaßt. Nach dem Kostenanschläge beträgt die für die Wiederherstellung deS DonreS erforderliche Bausumme eine Million Mark. Die Wiederherstellung soll in 5 Jahren erfolgen. Während der Fiskus seinen vollen Bau­anteil leisten wird und zwar %4 = 82 800 Mk^ wird zu Lasten der Stadt Wetzlar nur ein auf 5 Jahre, 19041909, zu verteilender Beitrag von 20000 Mk. als den Verhält- niffen der Stadt und dem Gesichtspunkt der Bilttgkcü ent* sprechend für erforderlich erachtet.