Ausgabe 
30.6.1904 Zweites Blatt
 
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läge nicht nur als eineRevision^, wie der Herr Staats- minister meine, sondern als eine grundlegende Verfassungs­änderung darstelle, müffe auch ein möglichst gerechter Aus­gleich herbeigeführt werden; es könne aber nicht als gerecht gelten, wenn ivir fortan Staatsbürger in den privilegierten Städten mit einem fünfmal größeren Wahlrecht haben sollen. Den nationalliberalen Mitgliedern des Ausschusses wolle er feinen Vorwurf machen, er erkenne an, daß sie im guten Glauben bei der Wahlkreiseinteilung gehandelt hätten. Er müsse sich aber das Recht des selbständigen Urteils vorbehalten. Wenn in der Presse über das Ziel hinausgeschossen wurde, so sei das auch auf gegnerischer Seite geschehen.

Das Haus vertagt darauf die Weiterberatung auf morgen 9 Uhr.

Landwirtschaftliches Merlei.

(Original-Artikel desGieß. Anz.")

Ein ereignisreicher Sonntag für die Landwirte der Provinz war der jetzt verflossene. Man konnte sich schwer entfdjeibcn, wohin man reifen wollte, um an Versammlungen, Besichtigungen, Besprechungen teilzunehmen.

In Friedberg tagte der landwirtschaftliche Bezirksverein, in Hungen fand die Landesversammlung des Bundes der Landwirte statt, in Limburg bemühte man sich um die Kanalisation der Lahn, und wer an der Besichtigung der Hutweidenmeliorationen im hohen Vogelsberg terlnehmen wollte, mußte Lauterbach oder Schotten schon am Sonntag mit der Bahn erreichen, um am anderen Morgen frühzeitig zum Abmarscy bereit zu sein.

Tie Wahl war nicht ganz leicht. Wir beschlossen, das ge­botene tunlid/it auszunutzeu, und beschlossen, das, was uns doch in der näd/iteit Zeit immer wieder geboten wird, für diesmal fahren zu lassen: das sind unseres Erachtens die Reden über die Lahnkanalifation und die Reden über die Lage der Land- nrirtldyift durü) die Vertreter des Bundes der Landwirte. Tie kommen wieder, sie gehen uns nicht verloren.

In Friedberg fanb die Hauptversammlung des landwirtschaftlichen Bezirksvereins und Zucht­vereins statt. Aer Sekretär Dr. v. Peter erftatiete den Iahres- berid/t Professor Gisevius-Gießen hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vorttag über Sortenanbauversuche und ©aatgutivirtidjaften. Der Vortrag gipfelte darm, den t_aiibromcn zu empfehlen, nia>t em buntes oortingimenge von Getreidearten anzubauen, niu/t blindlings eine angepriesene Varietät nad) der anderen für schweres Geld zu erwerben, um sie nacy einigen Jahren wieder fallen zu lassen, sondern die fünf besten Sorten ans der großen Zahl herauszusuchen, die sich für die Provinz, für das Land eignen und diese dann fortenrein zu kultivieren. Außer­dem ist die praktische Turchsührung dieser Gedanken bereits im ganzen Lande im Gange und wird unter der Oberleitung des Redners auch zum guten End? kommen. Tie Tagesordnung konnte nicht erledigt werben. Ter Vortrag hatte das Interesse der Ver­sammelten so in Anspruch genommen, daß bie sich daran knüpfen- den Auseinandersetzungen öiti Zeit Wegnahmen.

Nach dieser Sitzung w--rde es für uns Zeit, aufzubrechen, um den Anschluß nach La utero ach in Gießen nicht zu verfehlen. Die Züge waren stark besetzt von Ausflüglern. Das änderte sich auch über Alsfeld hinaus nicht. Eine groi,e ^ahl von Ausflüglern hatte Fulda in dieser Nacht noch zu erreichen.

Zur Verbesserung der Hutweiden im hohen Vogelsberg, die die oft verschrieene Einzelhut zum tsegen der dortigen Bevölkerung berbrängen soll, besteht eine Kom­mission, der acht sJJiitglieber aitgehören. Sie ist zusammengesetzt -aus den jL'reiSräten der Kreise Schotten und Lauterbach, aus Land­wirten, Technikern, höheren Forstbearnten. Auch Se. Erlaud)t Graf Otto zu Solms-Laubad) gehört der Mommiffion an. War doch sein Erlauchter Vater zber leider zu früh Heimgegangene Gras Friedrich, der erste, welcher in feiner Menschenfreundlichkeit auf bie große Bedeutung der Meliorationen im hol-en Vogelsberg hin­wies. linfere Staatsregierung unterstützt die Arbeiten dieser Kom­mission aufs nachdrücklichste. Tas bewies auch in diesem Jahre wieder bie Teilnahme an der VesMigung burch Ministerialrat Braun.

Mll den Hutweidenmeliorationen begann man im Jahre 1896. In einzelnen Gemeinden, die fid) dafür intern feierten, meliorierte man zunächst nur einige Morgen. Tie MatznalMen be.-.ehen darin, daß die Felsblöcke beseitigt uno bie Ameisenhaufen und Erdhügel berebnet werben. Es luiro nach Bedarf bewässert und miwäfiert, unb vor allen Dingen werden che seit Iahryunoerten ausgesogenen Flächen endlich einmal und fortgesetzt planmäßig gedüngt. Tazu dient das bcalifalj, das uns ans dem verrufenen Nordosten des deutschen Reiches billig zugeführt wirb, und bas Thomasmehl, roeldjed uns bie Eisenschrnerzui liefern, die phosphorhaltige Eisen­erze heute verhütten, welche in früheren Jahren als unorauchbar zur Herstellung guten Eisens unbenutzt blieben.

Diese beiden Düngemittel, angewandt auf den wie beschrieben oorbereiteten, ausgehungerten Wecheflächen des hohen Vogcls- dergcs, brad)ten eine geradezu üppige Vegetation hervor. Die durch die Melioration wunden Flächen wurden natürlich mit Gras- und Kleefamen besät, aber bie unyerrounbeten, Heide, Gras und Moos in erster Linie tragenden Flachen brachten nun auf einmal wie durch Zauber eine üppige Vegetation von Gras-, -Klee- unb Wicken arten Ijeroor. Tiefe kleinen meliorierten Flachen .lohnten das aufgewendete Meliorationstapllal, das etwa 400 Mark pro Hektar beträgt, in den ersten Jahren bis zu 50 Proz. Diese kleinen Beispiele mußten bei den Vogelsberger Bauern wirken aber man glaube ja nicht, daß sie rasch gewirkt hätten. Ter Bauer wahrt aud; in solchen, ihn überzeugenden Dingen jene vorsichtige Zurückhaltung, die ihm nicht selten als Starr­sinn, Hartnäckigkeit, ats auch Dummheit angerechnet wird. Miß­trauisch geht er um so etwas Neues herum, wie der Fuchs um: den gelegten Köber. Er ist eben mißtrauisch gemacht, schlimme Er­fahrungen in verflossenen Jahrhunderten haben das verschuldet, bas hat sich vererbt, es steckt im Blute. Seit 1896 ist es dem landwirtschaftlichen Provinzialoerein gelungen, 1350 Morgen Wüst­ungen in üppige Wiesen und Weiden im foulen Bogclsbcrge urn- zuwandeln.28 Gemeinden sind dabei beteiligt. Einsichtige Männer in bieien Gemeinden haben kräftig mitgewirtt und ihre Gemeinde- Mitglieder für diese Meliorationen zu gewinnen gewußt. Ter Geldaufwand betrug 1140JO Mk., wovon bie kleinere Hälfte bie Gemeinden beifteuerten, um dies vorgelegte Kapital in wenigen Jahren burch bessere Viehhaltung, durch Grasverkäufe zuruck- zugewinnen.

Von feiten der Regierung ist man noch weiter gegangen. Es ist ein Generalkulttirplan aufgestellt, um im großen die Hebung der Ernteerträge in Feld und Wald im ljohen Vogclsberge zu sichern. Wo der Feld- und Wiesenbau nie. t rentabel ist, soll der Wald bie kahlen Höhen wieder bedecken. alb soll wieder die dem Sturme ausgesetzten Dörfer fdjüljen. Tas heute rasch zu Tal rinnende Wasser soll aufgehalten und wo ttinlich zu Be­wässerungen ausgcnntzt werden. Das den Dörfern näher gelegene Gelände soll in ausgedehnterem Maße melioriert unb so er­giebiger gemacht werben.

Ter Generalkulturplan wlll nicht etwa bie Gemeinden zwingen, gutes Land, gute Weideflächen herzugeben, um sie aufforsten zu lassen. Im Einvernehmen mit den Gemeinden wird das Gelände aiisgeschieden werden, welches sich nicht zu landwirtschaftlichen Zwecken eignet. Auf ber verbleibenden kleineren meliorierten Fläche wird sich Mensch und Tier Wohler fühlen, als auf ber heute größeren Fläche, auf ixer bie Tiere kaum das Erhaltungsfutter finden.

Tie Kommission besichtigte die vor Jahren bereits meliorierten Flädjen bei Eichenrod, bic zum Teil als Jungviehweiden benutzt werden, diejenigen in den Gemeinden Nösberis und Berrnuths- hpiu, welche auch als Jungviehweiden in Aussicht genommen sind. Ferner die meliorierten Weideflächen im Kreise Schotten. T-ie Erfolge der Meliorationen sind ganz überraschende. Aus Stcin- Wüsten, bie oft bis unmittelbar ans Toi, h.ranrcichten, sind erttagsreiche Wiesen geworden. Trotz des Futterreichtums in diesem Jahre konnten einzelne Gemeinden im hohen BogÄsberge

für 7001400 Mk. Gras verkaufen auf Flächen, bie sonst sehr wenig ober gar nichts einbrachten.

Inder Sitzung, bie nach Schluß ber Besichtigung in Grebenhain abgcljalten wurde, besprach man bie bisherigen Erfolge, bie zu fortgesetzten neuen Untersuchungen gerabezu herausf ordern. .Im kommenden Jahre soll im Kreise Schotten mit den begonnenen Meliorationen in den Gemeinden Hartmannshain, Sichenhausen, Burkhardsfelden, Feldkrücken fortgefahren werden. Ebenso im Kreise Lauterbach, in Bermuthshain unb Salz, eventuell in zwei anderen Gemeinden. Es fehlt leider für bie dringendsten Melio­rationen an Arbeitern ttotz bes Zuzuges fremder Arbeiter aus aller Herren Länder.

Gegen abend reiften die Mitglieder ber Kommission über Lauterbach und Schotten wieder ab. Man war im Laufe des Tages in den Waldtälern bes Vogelsbcrges einigentale naß bis zum Knie unb aud) wieder trocken geworben. Aber das hat den Genuß, den bie Wanderung über Berg unb Tal und die Besich­tigung ber wohlgelungenen Arbeit macksten, nickst verkümmert. Die (Gemeinden 1 verben durch die vorzüglickjen Beispiele den Me­liorationsprojekten immer geneigter werden, unb nach 50 Jahren wird sich das Bild der Vogelsberger Landschaften wesentlich geändert haben zum Heil ihrer Bewohner unb zum Ergötzen des Naturfreundes.

Aus tzindt und Land.

Gießen, den 30. Juni 1904.

* Herr Prof. Dr. Sticker schreibt uns:Sehr geehrter Herr Redakteur! Ihre Nachricht in Nr. 149 des G. A." überdie neue Kinderkrankheit" und die sehr interessanten Beobachtungen eines Wiener Arztes über das hochaktuelle Leiden" hat im Kreise Ihrer Leserinnen, so­weit es sich um Mütter handelt, eine kleine Beunruhigung verursacht. Wenigstens haben sich bereits mehrere Frauen bei mir erkundigt, wie weit ihre Kinder Gefahr laufen von diesemschönsten aller Exantheme", dessen Färbung so reiz­voll wechseln soll, ergriffen zu werden. Vielleicht ist es gut, wenn Sie zur Beruhigung der grundlos erregten Gemüter den einfachen Sachverhalt mitteilen. Es handelt sich bei der neuen Kinderkrankheit" um eine harmlose Ausschlag- kr ankheit, die bis zum Jahre 1899 unbekannt, vielleicht schon von einzelnen Aerzten beobachtet, aber mit falschen Namen: Rötheln, Scharlach u. s. w. bezeichnet worden war. Im Jahre 1899 herrschte bie unbekannte Kinderkrankheit in Wetzlar, Lich, Hasselborn und Umgebungen. Durch die Nach­richt meines Kollegen Halbey in Wetzlar unb durch die freundliche Beihülfe anderer Kollegen wurde ich in den Stand gesetzt, die Krankheit, welche sich als eine zwar auffallende, aber in den allermeisten Fällen gänzlich bedeutungs­lose erwies, genau zu studieren, sie von den gleichzeitig an anderen benachbarten Orten herrschenden Masern, Rötheln und Scharlach zu sondern und darüber in einem Fachblatt zu be­richten. Mein Schüler, Dr. Berberich in Wiesbaden, hat mit mir die Krankheit studiert, 45 Fälle derselben in seiner Dissertation beschrieben unb meine Abbildung des Ausschlages beigefügt. Die bis dahin nirgends be­nannte Krankheit nannte ich Erythema iniectiosum acutum. Für den Hausbedarf möchte ich den in diesem Jahre von Dr. Plachte in Berlin vorgeschlagenen Namen Großflecken" empfehlen. Das Erythema iniectiosum wurde seit dem Jahre 1899 auch in Graz, Eoblenz, Berlin u. s. w. beobachtet unb unter ber besagten Bezeichnung ober auch mit neuem Namen wiederholt in Fachschriften beschrieben. Erst in diesem Jahre hat ein Wiener Arzt, dem das Glück zu Teil wurde, vier Fälle der Krankheit zil sehen, die Krank­heit neu entdeckt und bie Tagesblätter mit seiner aufregenben Entdeckung erfüllt. Andere Aerzte versuchten ihn zu über­zeugen, daß es sich bei seinen Beobachtungen um nichts anderes als um dasErythema intectiosum Sticker handle; daher der Lärm von derneuen Krankheit", bie gegenwärtig nirgendwo herrscht, die aber, wenn sie wieder auftreten sollte, voraussichtlich ihre Gutmütigkeit nach wie vor bewähren wirb.

** Akademischer Gesangverein. Zur würdigen Be­gehung seines 85, Stistungsjahres hat sich ber Akademische Ge­sangverein eine Reihe von Vokalwerlen gewählt, bie bei anderen Gelegenyellen bisher hier in Gießen, abgesehen von der Rhapsodie noch niast zu Gehör gebracht worden sind, es sei denn vor vielen Jahren. Es sind deren auch allerneueste Werke darunter, denen man gewiß gern begegnen wird. Es ist erfreulich, daß so auch einer größeren Abwechslung Raum gegeben wurde, was nach Zell und Umständen ber geplanten Aufführung ben passenderen Charakter verleiht. Möge kein Musikfreund die gebotene Ge­legenheit ungenutzt vorÜbergchen lassen. Nach einer Einleitung durch den Handel schon JubildtechorFrohlocket in dem Herrn" folgt eine Abteilung, die den Manen des Meisters Johannes Brahms geweiht ist. Neben Liedern, die die Solisten des Abends singen, steht in erster Linie des MeistersNaenie" für gemischten Chor. Vor einigen Jahren wurde vom Verein die Goetz sche Komposition gesungen, und wer sich derselben noch erinnert, wird zwischen beiden Werken interessante Vergleiche ziehen können. Auch Götz gehört zu den herben Künstlernaturen, die alles daran setzen, um Vollendetes zu gestalten, schwer mit Andern, am schwersten mit sich selbst zufrieden sind. Aber von keinem gilt dies fo sehr, wie eben von Brahms, dessen Werk diesmal aufgeführt wird. Es ist eines der späteren Werke schon, gewidmet de« Mutter seines Freundes Anselm Feuerbach zu dessen Gedächtnis. Die Wahl des Textes zu diesem Zweck war umso angemessener, als sich Schillers Geist mit dem Feuerbachs in der Hingabe an das reinste Ideal der teile darin begegnen. Nach längerer elegischer Einleitung setzt der Chor ein und erhebt sich allmählich zu dem feierlichen majestätischen Mlltelsatz, um dann zur Einleitung zurückzukel)ren und in einem sausten, wehmütigen dreimaligenHerrlich" zu verklingen. Tie bekanntere Rhapsodie für Altsolo und Männerchor beschließt diesen Teil des Konzertes; cs hieße wahrlich Eulen nach Athen tragen, wollten wir hier zum Ruhme dieses einzigschönen Werkes ausfül-rlichcres mitteden. Der ivahrhaft allbezwlngenden Macht fomint in ber gesamten musikalischen Literatur nur weniges gleich! lieber Wagners Preislied aus den Meistersiliaern gelangt der Chor dann wieder mit Jul. SpcngelsZwicgesang", Gedicht von Falke, zu Wort. Es ist ein frisches, liebenswürdiges Werk, das den Tust ber sommerlichen Rosennächte atmet, von denen das Gedicht singt. .Spenge! ist hier wohl noch von seinem Konzert vor einigen Jahren noch in gutem Angedenken. Zum Schlüsse bringt der Chor Max Bruchs Komposition aus neuester Zell: Damajanti, Szenen aus der bekannten indischen Achtung. Dem romantischen Texte folgend gibt Bruch hier mehr als sonst der Schurnannschen Kunst nach, diesem ersten Meister ber Romantik. Tas Werk ist besonders interessant durch den doppelt, ja zum Teil dreifach geteilten Mannerchor im mittleren Teil. Dieses Werk Bruchs kennen zu lernen, sollte man nicht versäumen.

8 Ob er-Ohmen, 29. Juni. In unserer neu her­gerichteten, großen, geräumigen Kirche findet nächsten Sonntag ein Missionsfest statt. Der Feflgottesbienst beginnt nach- nnttags um 1 Uhr, Fe . ift Pfarrer Becker aus

Nieber-Ohmen. Da der au ngverein von Grünberg

seine 2)litwtrfung zugesagt hm verspricht der Jestgottes-

bienst ein recht würdiger zu werden. In dem auf dem Kirchberg, einem unmittelbar an das Dors stoßenden Waldes­hain, stattfindenden Nachfeste spricht em Missionar aus Indien über seine dortigen Erlebnisse.

§ Ruppertenrod, 29. Juni. Von welchem großen Vorteil für die Fischereipächter bas Einsetzen von Forellen­brut burch bie Großh. Oberförstereien ist, zeigt ber Unter­schieb im Fischreichtum zwischen zwei Gemarkungen eines unb desselben Bachlaufes. Hier, wie in der Gemarkung Ober-Ohmen, waren vor mehreren Jahren junge Forellen, die in der Forst- akademie zu Gießen gezüchtet, ausgesetzt worden. Seit dieser Zell war die Forelle heimisch in genanntem Gewässer. Nun wurde in dem Ohmlaufe zu Ober-Ohmen wellerhin Forellen- brüt ausgesetzt, nicht aber zu Ruppertenrod. Die Folge zeigt sich in einem viel größeren Forellenreichtum in der Gemarkung Ober-Ohmen, während die Forellen im hiesigen Bachlaufe auffällig gegen früher an Zahl zurückgegangen sind. Hoffent- lich werden auch hier wieder von Großh. Oberförsterei An­stalten getroffen zur Aussetzung von Forellenbrut, da sich diese Veranstaltungen eben außerordentlich bewähren. Eins aber müßte dabei geschehen, nämlich das Einhalten ber Enten von ben mit Forellenbrut besetzten Gewässern während des Ein­setzungsjahres.

6. Seibertenrod (bei 2llsfeld), 29. Juni. 50 Jahre find es nun, daß unser Lehrer, D. Würtenberger, im Schuldienste tätig ist. Er hat es verstanden, während seiner 14jährigen hiesigen Wirksamkeit die Liebe und Achtung sämtlicher Einwohner zu erwerben. Dian hat beschlossen, zu Ehren des Jubilars an seinem Geburtstage, den 27. Juli, im Deutschen Haus zu Alsfelb eine Feier zu veranstalten. Hoffentlich wirb es bem Jubilar vergönnt sein, noch eine Reihe von Jahren in unserer Mitte zu weilen.

g. Bübin gen, 29. Juni. Gestern brachte der jugend­liche Sohn des hiesigen Arztes B. seinem älteren Bruder mit einem Messer sechs Stiche bet. Der Tat war ein kurzer Wortwechsel vorausgegangen. Der Zustanb bes Ver­letzten ist nicht unbedenklich.

X Vom Vogels berg, 29. Juni. Ein solcher Honig­reichtum, wie ihn die Bienen in diesem Jahre eingetragen haben, gehört zu den Seltenheiten in der Imkerei. War auch das vorausgegangene Jahr kein honigarmes, so wirb es doch bei weitem jetzt übertroffen. Schade nur, daß bie meisten Bienenstänbe Lücken aufweifen, ja, manche ganz entvölkert sind. Die vielen schlechten Jahrgänge für die Bienenzucht, die aufeinander folgten, haben die Anzahl ber Bienen- liebhaber stark geschmälert. Eine so vorzügliche Honigernte, wie bie jetzige, bringt erfahrungsgemäß auch der Imkerei wieder neue Interessenten zu.

Mainz, -8. Juni. Die Unterschlagungen der Kon- toriftin Else Fretwurst sucht seit einigen Tagen ein gerichtlich beeidigter Bücherrevisor scstzustellen. Aus Grund der Bücher­revisionen ist man der Ansicht, daß die Fretwurst im ganzen ungefähr vierzigtaufend Viark veruntreut hat. TasM. Tgbl." schreibt dazu: Somit würde die gefck)ädigte Firma Fett voraus- sick-tlich keinen allzu großen Ausfall erleiden, da sie durch die beschlagnahmten sieben vollgepackten Koffer mit der mehrere hurwert Acark betragenden Ausstattung und den gefundenen 36 000 Mark fast ganz Deckung findet. Die 36 000 Mk. befanden sich in einer Kasette in barem Gelde und Scheinen und waren unter der Wäs.'i-e versteckt. Bei ihrer Verhaftung bat die Fretwurst, auf eine Kasette in einem von ihr besonders bezeichneten Koffer Acht zu geben, weil sie ihre Ersparnisse enthielte. Als man dann später die Koffer und auch die Kassette öffnete, fand man oieErsparnisse" von 36 000 Mk. .Die Art, wie die Fretwurst chre Unterschlagungen bewerkstelligte und dann wieder zu verschleiern wußte, ist geradezu von einer verblüffenden Ein­fachheit. So Jrug sie zum Beispiel große Posten Sprit, die gegen bare Zahlung verkauft worden waren, ganz richttg in das Verkaufsbuch ein, unterschlug aber das gezahlte Geld und unter­ließ natürlich auch die Auszeichnung dieses Bettages im Kassen­buch. Dadurch war sowohl der Lagerbcstand, wie auch der Kassen- bestand richtig .verbucht und die Entdeckung der Unterschlagung wenigstens vorderhand beseitigt. Dann wieder verbuchte sie ganz richtig die eingegangenen Geldsendungen, die sie unterschlagen hatte, nur mit dem Zusatz, dav sie direkt dem Banktonto des Geschäfts überwiesen worden seien. Zu diesem Zweck fälschte sie die Bück-er und die llnterschrist ihres Prinzipals. Ferner erfährt man, daß sie in dem Fetischen Geschäft fast alle Briefsck-asten und Abschnitte von Postanweisungen, die mit ihren Unterschlag­ungen im Zusammenhang standen, vernichtet hat. Ihr ansäng- li^s Leugnen, das die Fretwurst, nachdem sie ihr erstes Ge­ständnis zurückgezogen hatte, für gut fand, soll sie jetzt zum Teil wenigstens ausgegeben haben. .Ihre Verhaftung geschah übrigens, als es gerade höchste Zeit war. Sie hatte bereits ihre Koffer fertig gepackt, die 36 000 Mk. darin gut verborgen und alle Vorbereitungen zu einer gemeinschaftlichen Flucht mit ihrem Bräutigam nach Afrika getroffen. Darauf ist es auch zurückzusühren, daß der junge Mann, der sonst jeden Sonntag von Antwerpen nach Mainz kam, am letzten Sonntag hier vergeblich von den zahlreichen Polizeibeamten, die unauffällig alle in Betracht kommenden Straßen und die Bahn­höfe bewacht hiellen, erwartet wurde. Ter Tag war anscheinend für bic gemeinsame Flucht bestimmt und der Bräutigam harrte in einer bis jetzt noch nicht ermittetten Stadt auf seine Gefährtin. Bis jetzt konnte aber nicht mit Bestimmtheit nachgewiesen werden, ob er um die Verfehlungen des iNädct-ens, das sich ihm und anderen Leuten gegenüber als wohlhabend ausgab, gewußt hat. Wie sicher sich die Fretwurst fühlte, geht auch daraus hervor, daß sie sich nach ihrer ersten Hastentlassung mit der Absicht trug, Berichtigungsartiket mit Beschwerden über ihre Festnahme an bie Zeitungen zu schicken.

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Anerkennungsschreiben vorzüglicher Lie­ferungen aus allen Kreisen wurden an dieser Stelle von der Möbelfabrik und Lager Th. Brück, Giessen, Ecke SchlossgasseKanzleiberg zur Veröffentlichung gebracht. Diese sowohl wie eine weitere Serie noch nicht verbreiteter Referenzen stehen Jedermann gratis und franko nebst einigen photographischen Aufnahmen der besteingerichteten labnk- und Verkaufsräume zur Disposition und dürfte es sich em­pfehlen, vor Ankauf von Möbeln, Betten, Teppichen, Vorhängen etc. sich zu wenden an das 1858 ge­gründete Möbelfabrikations- und Ausstattungs-Geschäft 7h. 'ßrüefc, Giessen, Ecke Schlossgasse- KanzleibergBrandplatz. 10 Schaufenster. 100 Zimmer-^ einrichlungen. Lieferung franko jeder Bahnstation. Telefon 373. Höchste Auszeichnung: Oberhessische Gewerbe-Ausstellung.