Nr. 151
Zweites Blatt.
154. Jahrgang
Donnerstag 30. Juni 1904
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe«.
Aie heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.
Keuscher Landtag.
Zweite Kammer.
R. B. Darmstadt, 29. Juni.
Ani Ministertisch: Staatsmmrfter Rothe, Geh. Staatsrat Krug von Nidda und mehrere Minisierialräte.
Präsident Haas eröffnet die Sitzung 10,25 Uhr, das Haus tritt sofort in die Beratung des Gesetzentwurfs, betr. die L a n d st ä n d e, ein und beschließt, zunächst eine Generaldebatte in Verbindung mit Art. 4 der Vorlage, ab- zuhalten, welcher bestimmt: „Sie zweite Kämmer geht aus direkten Wahlen mit geheimer Abstimmung hervor." Zunächst ergreift das Wort
Staatsmiuister Rothe:
Es sind schon über drei Jahre ins Land gegangen feit dem Tage, an welchem die Vorlage über die Landstände in der zweiten Kammer eingebracht wurde. Sie kam im Juni und Juli 1902 zur Verhandlung. Die erste Kammer konnte sich aber bei der Kür-e der Zeit nicht mehr damit beschäftigen, denn der Landtag mußte in Rücksicht auf die Neuwahlen geschlossen werden. Die Regierung hat dann am 5. Januar 1903 einen neurevidierten Gesetzentwurf zugehen lassen, worin einige Wünsche des Hauses berücksichtigt wurden; in allen prinzipiellen Punkten aber ist die Vorlage unverändert geblieben. Die Frage, warum die Großh. Regierung die gescheiterte Vorlage ohne prinzipielle Aenderungen und trotz der Erfahrungen bei der erBeratung wieder eingebracht habe, könne er nur duyin beantworten: Aus Gründen der Loyalität. (Bravo.) Redner sucht dann die Behauptung in der Presse zu widerlegen, daß die Vorlage ungenügend vorbereitet gewesen sei. Wie aus seinen Ausführungen vom 7. Juni 1902 hervorgehe, habe die Regierung sich seit langen Jahren mit der Prüfung und gründlichen Bearbeitung der Wahl- rechtssrage beschäftigt; eS sei kein Vorschlag, keine Einwendung ungeprüft geblieben seit dem Jahre 1872. Er habe sich bei Aufstellung des Entwurfs auf das Sorgsamste bemüht, alles das zu erhallen, was nur zu erhalten möglich war und nur das zu ändern, was einer fortschreitenden Entwicklung absolut hinderlich war. Der Entwurf sei vollständig objektiv gehalten und lasse alle doktrinären Erörtermigen bei Seite, die in der Kammer zu ebensolchen Debatten fuhren würden. Die Gründe für die Einbringung der Vortage waren, daß das Haus mit immer stärkerer Majorllät die Einführung des direkten Wahlrechts verlangte. In Bayern war bereits in der Thronrede 1870 das direkte Wahlrecht in Aussicht gestellt worden und wenn man sich bei der Beratung 1874 nicht darüber einigte, so lag die Schuld daran doch nicht am direkten Wahlrecht. Er habe schon 1902 ausgeführt, daß die Regierung mit der Vorlage des Gesetzentwurfs dem Lande den Kamps um das Wahlrecht ersparen wollle. Derselbe Gesichtspunll fei auch jetzt bei der Einbringung der Vorlage maßgebend, besonders in einer Zeit, in der die politischen Kämpfe und sozialen Gegensätze mehr wie je vorhanden sind, würde es vom größten Nachteil sein, auch noch in einen Kampf um die Verfassung einzutreten. Wenn nun einmal die Initiative zur Abänderung des
Wahlrechts ergriffen sei, Jo kömre man nicht auf halbem Wege stehen blerben, sonoern müsse die Sache auch zu Ende führen. Er werde sich in seinem Vorgehen nicht beirren lassen, sondern dem Lande gegenüber seine Pflicht tun, möge man ihn auch darüber angreifen. (Bravo.) Sei die Kammer anderer Ansicht über die Wahlrechtsvorlage und lehne sie dieselbe ab, so sei die Versassungs» frage im negativen Sinne entschieden, aber sie sei entschieden, wenn auch nach seü^r Ueberzrugung nur zunächst. Redner geht nun auf zwei Hauptpunkte der Vorlage näher ein: Zunächst das direkte Wahlrecht. Da müsse ein Unterschied gemacht werden zwischen der Stellung der einzelnen Parteien und der Stellung der Regierung zur Wahlrechtsfrage. Die Regierung habe sich objektiv zu verhalten und über den Parteien zu stehen. (Bravo.) Sie vertrete den Willen des Landtags und somit des ganzen Landes. Die Regierung sei sich wohl bewußt, daß die jetzige Vorlage eine sehr wichtige Verfassungsänderung bedeute, und sie erkenne an, daß das direkte Wahlrecht Folgen haben kann, welche dem indirekten Wahlrecht nicht in gleicher Weise anhaften. Gleichwohl habe sie sich aber kür das direkte Wahlrecht entschieden, aber nur unter den erforderlichen Kautelen. Diese habe sie so vorsichtig abgewogen, daß der Vorwurf unberechtigt sei, der Entwurf sei ein kautelenloser. (Zustimmung.) Redner führt nun die bekannten Kautelen der Art. 6, 7, 18 usw. an. Der zweite Hauptpunkt sei die Frage der Zusammensetzung der Kammer. Die Regierung habe auch im neuen Entwurf an Art. 3, an der Vermehrung um 5 städtische Mandate festgehalten, weil sie in dieser Forderung einen gerechten und sachgemäßen Ausgleich erblickt. Seit der Verfasfungsurkunde von 1820 sei die Zahl der Abgeord- neten von 50 nicht geändert worden, es wurden keine Schritte unternommen, die Zusammensetzilug in Einklang mit einer entsprechenden Vertretung der Wahlkreise zu bringen. Im Laufe der Zeit sei die Bevöllerung auf das Doppelle angewachsen und auch die gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse hätten sich vollständig verändert. Die Städteeinwohner hätten sich um 240 000 vermehrt, es käme jetzt auf 40 000 Städteeinwohner nur ein Ab geordneter, auf dem Lande dagegen schon auf 21000. Die Städte mit besonderem Wahlrecht zahlten 51 Prozent der gesamten Steuern und da liege die Vermehrung ihrer Mandate im Interesse der Gerechtigkeit und in wohlverstandenem Interesse des ganzen Landes. Durch den R.'gierungsvor- schlag würde diese Ungleichheit wenigstens so weit ausgeglichen, daß ca. 25 000 Städter einen Abgeordneten wählen. Die Zahl von 50 Abgeordneten entspreche im all^meinen ganz den Verhältnissen, zu der Erhöhung der Mandate auf 55 habe die Regierung sich nicht ahne gründliche lleberlegung und Bedenken vollzogen. Baden solle, trotzdem es ein halb mal größer sei, nach dem neueren Ällwurf erst 73 Abgeordnete erhalten, Württemberg 93 und Bayern 163; wollte Preußen auf derselben Grundlage seine Abgeordneten wählen, wie Hessen, so müßte es 1600 Abgeordnete haben, während es tatsächlich nur 433 besitzt. Auch den kleineren Staaten sei eine natürliche Grenze gezogen, wobei auch die Zeitdauer der Tagung und die Kosten eine Rolle spielten; es liege im Interesse des Landes, daß der Auswcuid an Zeit und Kosten
im richtigen Verhältnis zur Größe der Geschäfte des Landes stehe. Er erachte für Hessen 55 als die höchst zulässige Zahl und könne der Erhöhung auf 60 Abgeordnete nicht beistimmen. Tie Regierung werde aber ihre definitive Stellungnahme zur Sache so lange verschieben, bis die beiden klammern ihre Entscheidung darüber getroffen haben. (Beifall.)
Abg. v. Brentano führt als Ausschußberichterstatter aus: Wenn in der Presse dem Wahlrechtsausschußbericht große Dürftigkeit vorgeworfen werde, so bemerke er, daß der Ausschuß sich schon früher über die meisten Fragen eingehend geäußert habe und eine Wiederholung doch nicht nötig war. Es werde auch in den Blättern getadell, daß sich der Ausschuß gar nicht mit den meisten anderen Fragen, wie Ver- mehrung der Abgeordneten zur I. Kammer rc. beschäftigt habe; auch darüber sei schon früher verhandelt worden. Es sei ja sehr erklärlich und richtig, daß sich die Presse mit diesen so tief einschneidenden Fragen befasie, aber sie müsie objektiv darüber berichten und nicht den Anschein Hervorrufen wollen, als handle es sich hier um die Einführung des kautelenlosen direkten Wahlrechts. Das Privilegium der drei kleinen Städte bestehe schon seit 80 Jahren und deshalb habe man es nicht beseitigen wollen. Der Protest aus Rheinhessen sei unverständlich, und der Vorwurf, daß Zentrum und Sozialdemokratie Vorteile durch ^>ie Wahlkreiseinteilung hätten, nicht gerechtfertigt. Er erkläre namens des Ausschusses, daß derselbe mit der größten Objektivität und Gewissenhaftigkeck bei der Wahlkreiseinteilung zu Werke gegangen sei.
Abg. Reinhart erklärt namens eines Teils seiner politischen Freunde, daß sie zunächst für die Regierungsvorlage eintreten würden. Sie würden das direkte Wahlrecht mit den Kautelen der Regierung bewilligen, auch die Vermehrung der städtischen Mandate. Sollte aber die Regierungsvorlage fallen, so würden sie auf dem Boden des Antrags Gutfleisch eine Verständigung zu finden suchen. Redner führt dann bittere Klage über die ungerechtfertigte Kritik in der Presse imb wendet sich namentlich gegen die Wormser Zeitung, die es fertig gebracht habe, Männer, die objektiv und gewissenhaft an die Wahlkreiseintellung heran- traten, mit Vorwürfen zu überhäufen und von Wahlschacher rc. zu reden. Ec lasse sich auch von Niemand den Vorwurf machen, daß er im Ausschüsse nicht seine Pflicht im Interesse seiner Partei getan habe. Er sei niemals konfessionellen Einflüßen zugänglich gewesen und werde es auch in Zukunft nicht sein.
Abg. Dr. Heidenreich erklärt namens mehrerer Parteifreunde, sie würden gegen die Vorlage stimmen, zunächst schon, weil sie Gegner des direkten Wahllechts seien; sie könnten sich gegen den verderblichen Einfluß der Folgen dieses Wahlrechtes nicht verschließen. Für dasselbe würden sie nur stimmen, wenn mit demselben die Wahlpflicht verbunden wäre. Man werde diesen jetzt fallen gelassenen Antrag Haas- Reinhart bei der Beratung wieder aufnehmen. Auch der Vermehrung der Mandate auf sechzig, wie sie der Antrag Gutfleisch wolle, stimme er nicht bei. Nachdem sich die Vor-
Die Keisetzung Wilhelm Jordans.
Frankfurt a. M., 29. Juni.
Nun haben wir den greisen Recken zu Grabe getragen. In dem Hause Nr. 20 am Taunusplatz, wo Wilhelm Jordan seit 1848 in stillem Frieden gewellt und gewirtt hat, stand eit Samstag sein Sarg. Eine junge Frankfurter Bildhauerin, die die Totenmaske des dahingeschiedenen Dichters abnchmen wollte, kam leider zu spät, der Sarg war bereits verlötet. Vor der Ueberführung in die Pauls- kirche wurde gestern nachmittag eine Familienandacht ab- gäalten, bei der Pfarrer Otto Jordan aus Halle, ein jüngerer Bruder des Verstorbenen, eine Ansprache hielt. Daun wurde der Sarg nach der Paulskirche geschafft.
Die Stürme des Jahres Achttinddierzig haben aus der Kirche der Paulsgemeinde das Haus gemacht, in dem die erwählten Vertreter des deutschen Volkes ein deutsches Reich aus eigener Kraft schaffen und festigen tooltten. Auf der linken Seite des Hauses saß damals Wilhelm Jordan der Vertreter von ■Dfce-rbarmm ... Die Rotunde von St' Paul ist aber längst wieder für kirchliche Zwecke eingerichtet worden und die Totenfeier für Wilhelm Jordan, den Dichter und Volksmann, die erste kirchliche Feier eines Toten, die die Stadt Frankfurt gesehen hat, trug einen ausschließlich kirchlichen Charakter. Vor dem Alt-^, auf dem zwei mächtige Kerzen ein hohes KruzM beleuchteten, stund der Sarg, bedeckt mit weißen Linen und roten Rosen Eine Krone, aus Blättern und Blüten geflochten, erbob' sich über dem Aufbau. Dunkler Lorbeer gab den Hintergrund. Durch die hohen Fenster flutete das Sonnen- Acht. Es übertönte den matten flatternden Kerzenschimmer mit seinem ruhigen klaren Glanz.
Auf den Bänken drängte sich eure überaus zahLreiche Versammlimg, darunter die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, der wissenschaftlichen und Künstler- welt. Oberbürgermeister Adickes, Stadtkommandant General v. Stülpnagel, Polizeipräsident Scherenberg, der Arzt des Kaisers Wirkt. Geh. Rat Exz. Pros. Dr. Schmidt, Dr Rößler als Vertreter der Stadwerordnetenverpimm- lung, die Landtags Abgeordneten Funck urö Ovjer, Intendant Claar, der Dichter Ludwig Fulda. Vor allem aber eine Anzahl von Graubärten aus, alle Achtundvierziger, die dem großen Sturmgesellen die tttzte Ehre er- wüsen. Daneben saßen die Primaner der höheren Lehranstalten. Vergangeicheit und Zukunft.
Orgelklang ertönte, als die Angel)origen bc^ ^oten, feine drei Töchter, der Schwiegersohn, der beiarmte Ber- l^er Auskünfte mann Schimm lp.e.,g und dest.n Kinder u,w.
nabmeu D>rnn betrat Pfarrer Werner Die Kanzel. A s^Motto für seine Gedächtnisrede Halle er das Wort aewäblt Gott sprach: ,Es werde Licht!' und es ward Licht" Er" feierte den Entschlafenen in ichonen Worten
von Geist und Kraft als einen der tapfersten deutschen Kämpfer für Licht und Freiheit und nationale Größe.
Unter den Klängen der Glocken von St. Paul würbe sodann der Sarg auf den Leichenwagen gehoben, worauf sich der imposante Leichenzug nach dem Frankfurter Friedhof in Bewegung setzte.
Nach 11 Uhr kam der Trauerzug auf dem Friedhof an. Das Grab Jordans liegt dem von Dr. I. D. Behaghel, „dem unermüdlichen Kampfer für Frecheit und Recht, dem langjährigen Präsidenten des Montagkränzchens und Mitglied der konstituierenden Versammlung", gegenüber. Unter den Klängen eines Chorals wurde der Sarg in das von einer unübersehbaren Menge köstlichster Blumenspenden geschmückte Grab gesenkt.
Pfarrer Battenberg hielt in tiefer Ergriffenhell die Grabrede.
Es gilt Abschied zu nehmen von dem, was sterblich war an Wilhelm Jordan. Er war ein edler Mensch, ein großer Sohn unseres Volkes, sein Leben war reich an Mühe und Arbeit, aber auch reich an Ersolgen und Früchten. Tas Wort ersüllt sich, das sich Jordan selbst als Grabschriit erwählte: ^Ankre fest im letzten Hasen, um in Frieden auszuschlasen." Wer ihn kannte im Kerne seines Wesens, der verehrte und liebte diese ungewöhnliche, überragende Persönlichkeit, von der ein unwiderstehlicher Zauber ausging, der wußte, daß der große Tote ein Gottsucher war, der seinen Gott gesunden hat. Er hat sich, wie sein Ahnherr prophezeit halte, eine eigene Kanzel gebaut, von der er in seiner Weise das Dasein Gottes bewies. Wie ein goldener Faden zieht sich durch alle seine Schriften daS tief Religiöse seiner Natur. Als deutscher Dichter sl'chlte er sich als em Diener Gottes, als ein Priester, Prophet und Seher, bestimmt sein Volk zu führen zum Heiligen, Göttlichen, die deutschen Herzen zu veredleu, zu läutern und zu erbauen. Er mußte sich selber rein und edel und groß und hielt verächtlich von sich fern alles Frevle und Unedle, alles Niedrige und Genreine. Und wie herzlich und freundlich war er in seinem Hanse zu allen, die ihm nahelraten und ihn verstanden, wie hat er auf sie veredelnd und befruchtend geivirkt! Sein Leben machte alle reich, die mit ihm umgingen, und nichts Verehrungswürdigeres gab es für seine Familie und die Freunde seines Hauses als ihn, den tiefen Kenner der Menscheicherze». Ging er auch von »ms, jo lebt doch seine große Seele unter uns, die unvergessen bleiben wird wie seine Werke.
Oberbürgermeister Ad ick es legte einen Kranz nieder mit folgenden Worten:
Dem sp^achgewÄtckgen, tiefgründigen, eckst deutschen Dichter und Denker, dem hochgermllen, .kampfesfrohen, edlen Bsr- kämpfer, Herold und Propheten des neuen deutschen Reichs, dessen Auferstehung und erste Entwicklung er noch mit Begeisterung und inniger Teilnahme verfolgen durfte, dem hervorragendsten Bürger d ie s e r Stadt bringt in unauslöschlicher Dankbarkeit die Staadt Frankfurt, die dem Meister zum Gedächtnis schon zu Lebzeiten eine Marmorbüste in der Stadtbiolioryer ausgestellt hat, diesen Kranz und letzten Gruß. Unvergeglich wird sein Andenken der Bürgerschaft dieser Stadt bleiben I
Der Bruder des Verstorbenen, Pfarrer Jordan, hielt eine letzte Ansprache am Grabe, in der er erwähnte, daß die hochbetagte Schwester des Verstorbenen aus Blumen und Zweigen des Gartens, m dem Wilhelm Jordan als Kind gespielt hat, einen Kranz gewunden und zum Grabe entsandt habe. Dieser Kranz der Heimat gehe mit dem Sarge in die kühle Gruft zu dem herrlichen Bruder, dem treuen Vater und dem frommen Gernüte.
Direktor Curti von der »Frkf. Ztg." sprach im Namen der Berliner Presse und des Frankfurter Journalisten- und Schriftstellervereins, der einen Kranz widmete, „dem Angedenken des hochragenden Mannes, in dem er fein Ehrenmitglied verehrte und in dessen Hut er, als Wilhelm Jordan fein Vorsitzender war, Jahre hindurch gestanden hat". Rektor Georg Lang legte für den deutschen Schriftstellerverband, der m Wilhelln Jordan einen Mitbegründer ehrt, einen Kranz nieder. Verlagsbuchhändler Emil D i e st e rw e g spendete im Ailstrage des Börsenvereins der deutschen Buchhändler, des Mitteldeutschen Buchhändlerverbandes und des Vereins der Frankfurter Buchhändler Kränze. Ferner erfolgten Blumen- und Kranzspenden durch den deutschen Flottenverein, den Alldeutschen Verband, den Marine-Verein und Kaufmännischen Verein rc. rc. Im Namen des Freien deutschen Hochstifts widmete Professor Heuer „dem einzigen Ehrenmllgliede des Hochstifts" einen Lorbeerkranz. Geheimrat Hartwig sprach für die Frankfurter Schulen. Unter den zahllosen Blumen- wundern, die rings in weiter Runde die Gänge um die Gruft füllten, bemerkte man solche von Ludwig Fulda, Ernst Scherenberg, von den verschiedenen Familien Rothschild, solche aus allen Weltteilen. Mit einem Gebet des Pfarrers Battenberg und einem Choral fand die Trauerfeier ihr Ende.
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Beileidsschreiben sandten u. a. die philosophische Fakultät der Universität Königsberg, der Magisttat der Stadt Insterburg, deren Ehrenbürger Jordan war, und die dortige Altertumsgesellschaft, der Magisttat der Stadt Tilsit, W. Flindt- Wiesbaden, 1848 Privalsekretär von Gagerns und Simsons.
Von Hermann Sudermann traf folgendes Telegramm ein:
Mittrauernd cm dem offenen Grabe des großen Dichters und Landsmanns sende Ihnen, hochverehrter Herr (das Telegramm ist an den einzigen Sohn Jordans gerichtet, der seit Jahren als Stranfer in einem Sanatorium zu Neckargemünd weilt) und den verehrten Ihren den Ausdruck meiner wärmsten Teilnahme. Möchte es Ihnen wohltun, daß ganz Deutschland Ihren Verlust als den seinen mitempsindet.


