Ausgabe 
30.5.1904 Zweites Blatt
 
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Feier der

erste Rede

Öberkonsistoriums über Ps. 65, 10, die Weiherede Pfarrer Wissig über Offenb. Joy. 21, 3. In den Grundstein wurden außer der verlesenen Urkunde eingelegt: Das Programm der Feier, eine Photographie des Schaubildes, die letzte Nummer der Kurliste, je eine Nummer der beiden hiesigen Zeitungen. Bekanntlich sind in dem Testament des irrt Fahre 1901 gestorbenen Rentners Heinrich Schuckert 100000 Mk. zur Herstellung eines künstlerisch ausgestatteten Brunnens auf dem Alicenplatz bestimmt worden. Die Auszahlung des Betrages soll jedoch nach dem Willen des Erblassers erst nach Ablauf längerer Jahre erfolgen. Nun haben jedoch die Erben den Entschluß gefaßt, das Kapital bereits früher zur Auszahlung zu bringen. Danach kann das Werk, welches wesentlich zur Verschönerung unserer Stadt beitragen soll, unverzüglich in Angriff genommen werden, und es besteht die Absicht, den Geh. Oberbaurat Hofmann zu Darmstadt um seine Mitwirkung anzugehen.

R. B. Auerbach, 29. Mai. Heute mittag fand hier im Gasthaus zur Bergstraße die 12. ordentliche General­versammlung der freien Vereinigung von Kranken - lassen im Großherzogtum Hessen statt. Den Hauptpunkt der Beratung bildete Punkt 2 ,',Die Forderung der Aerzte und die Krankenkassen." Der Referent, Ed. Gräf, Vorsitzender der Ortskrankenkasse Frankfurt, wandte sich in seinen Ausführungen natürlich gegen die Beschlüsse der verschiedenen Aerzteversammlungen und empfahl folgende, von der Versammlung auch akzeptierte Resolution:Die Jahresversammlung der Vereinigung der Krankenkassen im Großherzogtum Hessen protestiert ganz entschieden gegen das Vorgehen der deutschen Aerzte- chaft, den Krankenkassen die freie Arztwahl, Einzelleist­ungen, hohe Honorare rc. sogar unter Unterdrückung des Selbstverwaltungsrechts, aufzuzwingen. Die Versammlung stellt sich voll und ganz auf den von dem großen Kranken­kassenkongreß zu Leipzig am 25. Januar d. I. vertretenen Standpunkt in der Aerztefrage und erkennt ausdrückliche an, daß es Sache jeder einzelnen Kasse sein und bleiben muß, sich ein Arztsystem zu wählen, welches ihren Mitgliedern am geeignetsten erscheint. Durch das Vorgehen bep Aerzte, wie in Köln, Solingen ic. kann aber unmöglich ein friedliches Verhältnis zwischen Aerzten und Krankenkassen, welches im Interesse beider Teile dringend nötig erscheint, ge­fördert werden. Pflicht der Aufsichtsbehörde rc. ist es aber, sich in diesem Kampf der Aerzte gegen die Krankenkassen vollständig neutral zu verhalten und nicht, wie dies leider geschehen ist, einseitig unter Beseitigung des Selbstver­waltungsrechts, zu Gunsten der Aerztegruppe einfach freie Arztwahl und hohe Honorare für die Krankenkassen fest­zusetzen." Fabrikant S ch euri g-Lllzey besprach noch die näheren dortigen Verhältnisse, und die Versammlung nahm einen Antrag an: Das Ministerium möge auf ein Gesetz oder eine Verordnung hinwirken, daß, falls aus irgend einem Grunde Krankenkassen vorübergehend ohne ärztliche Hilfe oder ohne genügende ärztliche Hilfe sind, die Ver­waltungsbehörden verpflichtet sein sollen, die ihnen unter­stehenden Krankenhäuser und ähnlichen Anstalten der Kasse zur Verfügung zu stellen; desgleichen sollen die Medizinal­beamten verpflichtet sein, den Versicherten ärztlichen Bei­stand zu gewähren, bis die Krankenkasse für hinreichende ärztliche Behandlung gesorgt hat. Ferner wurde auf An­trag Strab-Offenbach beschlossen: Der geschäftssührende Ausschuß wird beauftragt, mit dem Vorstand des ärztlichen Landesvereins zwecks Ausarbeitung einer Anleitung zur ökonomischen Verordnungsweise in Verbindung zu treten und diese, im Druck hergestellt, zum Selbstkostenpreise an die Kassen abzugeben. Die Aerzte sind vertragsmäßig an­zuhalten, nach dieser Anleitung zu verordnen/' Es wurde in der Versammlung mit Befriedigung konstatiert, daß mit Ausnahme des Falles in Alzey in den Krankenkassen das Bestreben vorherrschend sei, den berechtigten Wünschen der Aerzte entgegenzukommen.

Stenographischer Unterrichtskursus. Die Stenographische GesellschaftGabelsberger" eröffnet am 2. Juni einen Lehrgang für Anfänger, welcher allen denen, die mit Schreibwerk" belastet sind, günstige Gelegenheit gibt, in kurzer Zeit sich diese nützliche Fertigkeit anzueignen.

* Die Nachfeier zum Sängerfest des Maschinenbauer- Gesangvereins gestern war spärlich besucht. In der Festhalle konzertierte ein Teil der Regimentskapelle und auf dem Platze vergnügten sich einzelne Paare, namentlich auch oberhessische Tänzerinnen im kurzen Nock mit ihren Herzallerliebsten, au

dem Tanzboden. Der Juxplatz, wo das große Damnfkarrouffel in Betrieb war, war lebhafter besucht.

Bad-Nauheim, 29. Mai. Folgende Unter­haltungen sinden in dieser Woche statt: Dienstag den 31. Mai, nachmitags und abends auf der Terraffe Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung .Liebes­manöver." Mittwoch den 1. Juni, nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr TheatervorstellungBiberpelz." Donnerstag den 2. Juni, nachmittag und abends auf der Terraffe Konzert der Kur­kapelle. Freitag den 3. Juni, abends von 810 Uhr auf der Terraffe Konzert der Kurkapelle mit Einlagen des Cornet- L-Piston-Virtuosen Großh. Hess. Hofmusikers L. Kümmel- Darmstadt. Wohltätigkeits-Konzert zu Gunsten^ des Roten Kreuzes. Nachmittag von 46V, Uhr im ^Saale Elite- Konzert, ausgeführt von der Kurkapelle unter pe'rsönl. Leitung von Kapellmeister W. Bruch und unter solistischer Mitwirkung der Konzertsängerin Greta Oske-Fröhlich aus Berlin und des Eornet-^-Piston-Virtuosen Großh. Hofmusikers L. Kümmel- Darmstadt. Abends von 810 Uhr im Saale Ball, in den oberen Räumen musikalische Soiree von Solisten der

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 30. Mai 1904.

* Hoftrauer. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog geruhten wegen des Ablebens Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Johann Georg von Sachsen eine Hof­trauer vom 24. bis einschließlich 31. Mai bis. Js. an­zuordnen.

* * Empfänge. Se. 'Kgl. Hoheit der Großherzog empfingen am 28. Mai u. a. den Geh. Medizinalrat Pro- feffor Dr. Riegel von Gießen und den Sanitätsrat Dr. Becker von Friedberg.

Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog z)aben dem Vorstand der Registratur des Ministeriums der Finanzen, Regierungsrat Robert Schaffnit, auf sein Nach­suchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. Juni ab in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Ernannt wurden: der Rentamtmann i. P. Adolf Abrie zu Darmstadt unter Verleihung deS Charakters als Regierungs­rat zum Vorstand der Ministerialregistratur des Ministeriums der Finanzen, die Regierungsassessoren Karl Lony aus Gießen und Christian Weisel aus Laubach zu Steuer­kontrolleuren, der Steuerkontrolleur Regierungsaffessor Karl Klingelhöffer zu Groß-Gerau zum Steucrkommissariats- assistenten bei dem Steuerkommissariat Worms, der ©teuer» tontrolleur Regierungsassessor Adam Metz zu Nidda vom Tage seines Dienstantritts an zum Steuerkommissariats­assistenten bei dem Steuerkommissariat Bingen, der Bezirks­kasseassistent bei der Bezirkskaffe Mainz I Wilhelm Georg zu Mainz zum Bezirkskassier der Bezirkskasse Lampertheim und der Ministerialrevisor bei der Buchhaltung des Ministe­riums der Finanzen Regierungsassessor Heinrich Lohnes zu Darmstadt zum Bezirkskassier der Bezirkskasse Wald- Michelbach.

Warnung vor Kurpfuschern. Die in Washington ansässige M. A. Winter Company vertreibt eine Patent­medizinNatürlicher Gesundheitshersteller". Da sie in Washington selbst wenig oder gar keine Geschäfte macht, wendet sie sich fast ausschließlich ans Ausland. Insbesondere scheint sie Deutschland planmäßig für den Absatz ihrer Heil­mittel gewinnen zu wollen. Dabei handelt es sich um den Verkauf einer Universal-Arznei, welche nur ein unschuldiges Abführmittel für hohen Preis darstellt und keineswegs das leisten kann, was die Firma verspricht. Das ganze Unter­nehmen läuft auf eine Ausbeutung des deutschen Publikums hinaus, vor welcher auch im gesundheitlichen Jntereffe, be­sonders aber zu Gunsten der wirklich Kranken, die durch die schwindelhaften Anpreisungen getäuscht werden könnten, ge­warnt werden muß.

kirche fand am Donnerstag abend statt. Die hielt Oberkonsistorialrat Petersen als Vertreter des Großh.

Kurkapelle. Samstag den 4. Juni, nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr TheatervorstellungIm weißen Rößl". Sonntag den 5. Juni Konzert der Kapelle des Artillerie-RegimentsFrankfurt" aus Frankfurt a. M. Abends von 89*/, Uhr im Saale Symphonie-Konzert der Kurkapelle. Freitag den J.O. Juni Beginn der Operetten - Vorstellungen. Die Grundsteinlegung für unsere evangelische Dankes

Obermeyers Herba Seife. sicherste Mil tel gegen Pickeln, Mitesser, Sommersprossen u. Hautunreinigkeiten St. 50 Pf. u. 1 Mk. z. h. i. all. Apoth., Drog. u. Parfüm. 3176

Hauptversammlung des Kogelsberger Köhenklubs

(c.) Alsfeld, 29. Mai.

Heute fand hier in den Räumen der Kasino-Gesellschaft Concordia" die 20. Hauptversammlung des Vogels- beraer Höhenklubs statt. Prächtiger Maiensonnenschein lächelte über unserem gastfreundlichen Städtchen, als sich in Morgenstunden die Vertreter der einzelnen Zweigvereine nach und nach im schattigen Kasinoparke sammelten, wo ihnen von den zahlreichen Genossen des festgebenden Vereins ein freundlicher Willkomm wurde. Kurz nach 11 Uhr begannen die Verhandlungen. Forstmeister Diefenbach-Schotten eröffnete ne und gab als Vorsitzender des Gesamtvereins dem Wunsche Aus­druck, daß die Beratungen einen erfreulichen und gedeihlichen Verlauf nehmen möchten. Hierauf begrüßte der Vorsitzende des Zweigvereins Alsfeld die zahlreich Erschienenen, der .Hoffnung Ausdruck gebend, daß sie neben den Stunden ernster Verhand­lungen auch solche echter Gemütlichkeit in Alsfelds gastfreien Mauern verleben möchten. Hierauf wurde in die Erledigung der sehr umfangreichen Tagesordnung eingetreten und zunächst mit der Feststellung des Stimmenverhältnisses der einzelnen Zweigvereine begonnen. Sie ergab die Anwesenheit der Ver­treter von 14 Vereinen mit 783 Stimmen, während drei aller­dings recht weit vom Versammlungsorte entfernt wohnende Vereine keine Vertretung entsandt hatten. Aus dem ausführ­lichen Jahresberichte ist hervorzuheben, daß der Gesamtverein auch im abgelaufenen Vereinsjahre in reger Betätigung an der Erreichung seiner Bestrebungen gearbeitet und durch den An­schluß der beiden Zweigvereine Alsfeld und Altenstadt einen be­deutenden Zuwachs erfahren hat. Für die einheitliche Gestaltung der Wegmarkierungen wurde eine besondere Kommission gewählt, die in Zukunft nicht nur die Wünsche der Zweigvereine prüfen, sondern auch selbsttätig in dieser Angelegenheit vorgehen soll. Von der sofortigen Errichtung eines Aussichtsgerüstes auf der Herchenhainer Höhe wurde vorerst wegen der geringen hierzu vorhandenen Mittel Abstand genommen; auäi soll erwogen werden, ob es sich nicht empfehlen dürste, anstelle eines Holzgerüstes einen Steinturm zu erbauen. Für die Aus­führung des B i s m a r ck t u r m e s a uf dem Taufst ein, lag ein Projekt des Architekten Hofmann-Herborn vor, dessen Kostew Voranschlag sich auf rund 17 000 Mark beläuft. Da die Samm­lungen bis jetzt jedoch erst einen Fonds von über 7000 Mark ergeben haben, wird der Ausschuß für die Errichtung des Bis­marckturmes ersucht, nachdrücklich auf den Abschluß der Samm­lungen bei den Zweigvereinen hinzuwirken und so bald als möglich geeignete weitere Vorschläge zu machen. Tas Ver^ zeilbnis für Sommerwohnungen im Vogelsberg wird, da die alte vorjährige Ausgabe nahezu vergriffen ist, demnächst in Neu-Auflage erscheinen und aus Wunsch jedem Interessenten zugestellt. Der Verschönerungsverein Salzschlirf wird einstimmig m den Gesamtverein ausgenommen; die Anträge des Gesamtvorstandes betreffend das Klubhaus auf, dem H o h en r o d s k o p s werden ebenfalls einmütig gutgeheißen. Als Ort für die nächst­jährige Hauptversammlung wird auf Einladung des Sroetg» vereinsTaufstein" Gießen gewähll. Zum Schlüsse wurde dem Rechner Entlastung erteilt und ihm wie dem Schriftführer für ihre Mühewaltung der Tank der Versammlung ausgesprochen An die Verhandlungen schloß sich ein Festessen, an dem über 90 Personen teilnahmen. Neben den heiteren Weisen der Fuldaer Arttlleriekapette sorgten kernige Ansprachen verscine- dener Herren für Unterhaltung. Mit einem Besuche des Als selber Museums und einem unter äußerst zahlreicher Beteiligung ausgeführten Ausfluge nach Altenburg schloß der offizielle -tci- des Festprogramms. Nicht unerwähnt lassen wollen wir noch, dal mit der Hauptversammlung einer Anregung des Zweigveretne Ulrichstein folgend zum erstenmale eine Ausstellung der 0.r zeugnisse (insbesondere Schnitzereien) der 35 op e 1 b c r g e t Volks! un st verbunden war, die in ihrer Mannigfaltigkeli allseitig Anerkennung gefunden hat und zur weiteren Förderung dieses Arbeitsgebietes Veranlassung gegeben haben durste.

nun die Berichte der Zweigvereine. Namens des hessischen Vereins betonte Dr. Kalbfleisch-Darmstadt, daß der Verein ca. 250 Mitglieder zähle und hob' u. a. hervor, daß in den hessischen Realgymnasien mehr Lateinstunden gegeben wur- den, als in Preußen, das Zahlenverhältnis sei 55:49. E» folgte darauf noch die Wiederwahl des seitherigen Vor­standestals Ort der nächsten Delegiertenversannnlung wurde München in Aussicht genommen.

Der heutigen Sitzung, die um 11 Uhr begann, wohnten Oberschulrat Scheuermann vom Ministerium, Ober­bürgermeister Morneweg u. a. bei. Ueber das Haupt­thema:Beratung bezüglich der Durchführung der preußi­schen Schulreform in ganz Deutschland", referierte Direktor Dr. Steinbart. Er führte aus: Wie die in den verschiedenen Staaten mit den Bildnissen ihrer Fürsten ge­prägten Münzen, so müßten auch die Reifezeugnisse aller deutschen neunklassigen Schulen den gleichen Wert in ganz Deutschland haben. Preußen sei auf diesem Gebiete rn dankenswerter Weise vorangegangen, und seine Schul­reform habe gute Früchte gezeitigt: da würden auch die anberen Staaten folgen müssen. Tas medizinische Stu­dium bereite dem Realschulabiturienten nicht die geringsten Schwierigkeiten, und man müsse verlangen, daß auch das juristische Studium ihm freigegeben werde. Der gegen­wärtige Zustand sei unhaltbar. Die Zulassung der Abi­turienten zum juristischen Stiidium sei nicht einSprung ins Dunkle", sondern ein Schritt aus der dumpfen Enge des Bureaus hinaus in die frische Frühlingsnatur. Eine große Anzahl von Männern mit Realschulbildung der Redner nannte von den Anwesenden 17 hätten den Beweis erbracht, daß sie in leitender Stellung sich vor­züglich bewährten. Rach längerer Diskussion, an der sich u. a. Hofrat Prof. Dr. Reidelbach-München, Abg. Dr. Beumer u. a. beteiligten, wurden folgende, vom Referenten vorgeschlagenen 5 Leitsätze angenommen:

1. Die Versammlung spricht allen denen, die in letzter Zeit für die Ausdehnung der Berechtigungen der Real­anstalten in Volks- und Gemeindevertretungen gefoirtt hckben, ihren Dank aus.

2. Die Versammlung bedauert, daß mehrfach in öffent­lichen Verhandlungen über die Realanstalten ungünstige Urteile ausgesprochen worden sind, die auf nicht genügender Kenntnis ihrer Lehrpläne und Einrichtungen beruhen.

3. Die Versammlung spricht den Wunsch aus, daß, ,oweit es noch nicht geschehen sei, von den beteiligten .Kreisen die Schulbehörden zu einer baldigen Lösung der Berechtigungsfrage im Sinne des Vereins angeregt werden.

4. Die Versammlung empfiehlt, in den Volksvertret­ungen der nichtpreußischen Staaten im Sinne des in der badischen zweiten Kammer gestellten Antrages vom De­zember v. I. (in welchem die Regierung um Erweiterung des Zulassungsrechts der Realschulabiturienten ersucht wird), erneute Anträge auf Gleichberechtigung der höheren Lehr­anstalten einzubringen.

5. Die Versammlung beauftragt den Vorstand, an den Reichskanzler die Bitte zu richten, int Bundesrate für die Zulassung der Oberrealschulabiturienten zum Studium der Medizin einzutreten.

Hauptversammlung des Hberyesstschen Höüöauvereins.

§ Friedberg, 29. Mai.

Die diesjährige Hauptversammlung des Oberhessischen ObfT- bauvereins tagte heute nachmittag von 3 Uhr ab unter dem Vor­sitze des Grasen Oriola aus Büdesheim int HotelDrei Schwerter". Als Gast wohnte der Versammlung Landesökonomie­rat Mütter-Darmstadt bei. Unter den ca. 200 Teilnehmern be­fanden sich auch Kreisrat Fey-Friedberg, die Vertteter der Kreis­ämter Gießen, Kreisamtmann Hechler, und Büdingen und der Direktor der Obstbauschule zu Friedberg, Dr. v. Peter. Dieser verlas den Rechenschaftsbericht für 1903/04 Wir ent­nehmen daraus folgendes: die Mitgliederzahl ist von 4720 auf 4848 also um ca. 130 gestiegen, welche sich verteilen auf die Kreise Friedberg 1543, Gießen 943, Büdingen 885, Alsfeld 544, Schotten 402 und Lauterbach 389. Die Vereinszeitschrift erscheint in ca. 6200 Eremplaren und wird auch in Erbach, Darm­stadt und Hanau gelesen. Ter Baumbestand in Oberhessen hat sich wiederum gebessert; die Sorten werden stets nach Lage, Boden und Klima ausgewählt. Das Kalken und Remigen der

Baume und das Anlegen der Fanggürtel geschieht fast überall. Die Blutläuse haben sehr abgenommen, und nur die Mistel müßte gründlicher ausgerottet werden. Tie Gemeinden sollten noch mehr Baumwärter ausbilden lassen. Sehr bedauert wird der Rückgang der Nußbäume. Ter Jahresbericht hebt noch ganz besonders den guten Zustand der Baumpflanzungen an den Kreisstraßen des K r e i s e s G i e ß e n hervor: in diesem Kreis und in Schotten schreitet der Obstbau erfreulich fort. Als geradezu muftergiltig sind die Verhältnisse inj Lich anzusehen, dort wird ein Baumregister über Kosten und Erträge geführt. Bezogen wurden ca. 4550 Bäume und ca. 60000 Edelreiser. Vorträge wurden gehalten: im Kreise Gießen 62, Alsfeld 44, Büdingen 50, Friedberg 56 und Schotten 28. Obstbautechniker Wiesner weilte 47 Tage im Kreise Gießen. , .

In den Kreisen Alsfeld und Lauterbach bleibt leitens der Bevölkerung noch viel jux Pflege be$ Obstbaues z u wün­schen übrig, namentlich findet man ost enc schlechte Sorten- und Platzwahl- Auffallend ist das häufige Auftreten des Krebses im Kreise Lauterbach. Gras Oriola bedauert die massen­hafte Ausrottung der Maulwürfe, deren Fette zu Pelzwaren benutzt werden. Bezüglich der Neuanpflanzungen soll durch die Kreisämter eine Umfrag" in den Gemeinden stattfinden. Mit den Obstbauvereinen der anderen zwei Provinzen wird ein Zusammenschluß beabsichtigt, um bei den geplanten Landwirt- schastskammern auch einen Vertreter des Obstbaues zu erhalten.

Nach der Nechnungsablage 1903 04 betrug der Kassenvorrat 2707 Mark, Mitgliederbeiträge 4800 Mark, der Staatszuschuß 2850 Mark, ferner von Kreisen usw. 1500 Mark: verausgabt wurden für Vorträge 2553 Mark. Versuchsgärten 1618 Mark, Verlosungen 519 Mark und Gehalte der Techniker 2490 Mk.

Kreisamtmann Hechler-Gießen stellt bezüglich der Pflanzweite der Obftbäume, besonders der Zweftchenbäume, eine Anfrage. Professor Reichelt beantwortet sie dahin, daß bei einer zu gehäuften Stellung der Zwetschenbäume, die außerdem viel­fach Wurzelschößlinge seien, nur geringe, kleine und fuchsige Ware erzielt würde. Bei einer rationellen Zucht fei auf eine bestimmte Entfernung zu halten.

Professor Reichelt referiert über Obstbaumpflege und betont die Wichtigkeit des Kalkens und des Klebgürtels und besonders der Meisen und anderer Singvögel, die im Frühjahr und Winter die Bäume nach Insekten absuchen. Im Interesse Pes Obstbaus liegt es deshalb, den Singvögeln, namentlich Meisen, bessere Nistgelegenheiten zu schaffen. (Bei den Versammlungen sollen in Zukunst Meisenkästen verlost werden.) Die drei Ver- suchspslanziingen zu Alsfeld, Büdingen und Schotten zeigen einen guten Stand. Die Obstausstellung gelegentlich der landwi.'tschaft- lichen Ausstellung in Gießen war vorzüglich und galt als einet der Glanzpunkte der Gesamtausstellung: der Obstbauverein er­hielt die erste Staatsmedaille. Tie Beschickung der Obstausstell­ung in Düsseldorf vom 16. bis 18. Oktober wird beschlossen; es sollen jedoch zwei Vorausstellungen in Friedberg und Büdingen vorausgehen. Landtagsabgeordneter Bär regt an, daß den einzelnen Ausstellern mehr Rechnung getragen werden solle.

Gras Oriola verteilt hiernach die D i p l o m e an die neu ernannten Vereinsbaumwärter: Graßmück-Eckartshausen, Löschhorn-Bad-Nauheim und Merle-Liederbach. Hierauf erfolgt die Neuwahl des Ausschusses. Die ausscheidenden Herren: Kam­merrat Dem, Prof. Wamser-Butzbach, Forsttat Müller, Reitz- Echzell, Bürgermeister Feldmann-Lauter werden wieder und Cel- larius-Schotten neugewählt. Der erste Vorsitzende. Graf Oriola, wurde durch Zuruf wiedergewählt, ebenso als Stellvertreter Kreis­rat Fey und als Geschäftsleiter Dr. v.. Peter. Mit der Mahnung zu gemeinsamem Streben und zahlreicher Beschickung der Aus­stellungen schloß der Vorsitzende gegen 6 Uhr die Versammlung. Eine Versammlung der Baumwärter hatte vormittags statt- geftinden.