Ausgabe 
30.5.1904 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

im alten Rat­wahrnehmbar Vormittag für neue Besuchs- wurde, so soll

* Museum. Der Besuch deS Museums bause war gestern in den Nachmittagstunden stärker, als sonst, wo die Sammlungen am den Besuch geöffnet waren. Bewährt sich die zeit, welche vorerst nur probeweise eingeführt sie beibehalten werden.

vermischte».

Wettlauf französischer Soldaten. Die Zeitung Le Matin", welche immer neue Rcklamemittel erfindet, ver­anstaltete oni 29. Mai einen Wettlauf von Soldaten, woran nahezu 2000 (Gemeine und Unteroffiziere aus ganz Frankreich teilnahmen. Die zu durchlaufende Strecke führte um den Bois de Boulogne und betrug 45 Kilometer. Die ersten Sieger legten sie in 5 Stunden zurück. Infolge der Hitze litten sämtliche Mittbewerber jedoch stark, und 240 Soldaten muhten in Ambulanzen aufgcnommen werden. Die Angabe, das; ein Soldat gestorben sei, ist offiziell noch nicht bestätigt. Mehrere Abendblätter erheben Protest gegen den Wettlauf, der vom Kriegsminister autorisiert war. Auch wird ange­kündigt, daß die Nationalisten eine Interpellation in der Kammer vorbereiten.

Ar weiter.

Karlsruhe, 29. Mai- Heber die Gewitter, ver­bunden mit Wolkenbrüchen und Hagelschlag, die vorgestern und gestern im badisckien Oberland niedergegangen sind, laufen erst jetzt ausführliche Meldungen _ein, die den angerichteten Schaden als überaus groß bezeichnen. Im Konstanzer Kreise, in den Bezirken Meßkircki und Stockach sowie in der Gegend von Sigmaringen hat das Unwetter am ärgsten gewütet. Im Dale von Zisenhausen-Hoppetenzell ging ein fnrckitbarer Wolkenbruch nieder. In Zisenhausen 'tieg das Wasser so schnell, daß Böllerschüsse abgefeuert werden mußten, um Hilfe herbeizurufen. ZweiWohn- häuser stürzten ein. In Stockach wurde ein ganzer Stadtteil unter Wasser gesetzt. Von den Wassermassen wur­den vier Brücken fortgerissen. Die Bewohner konnten sich nur mit Mühe retten. In Meßkirch wurden die Straßen burtl) die Flut teilweise einen Meter tief aufgerissen. An vielen Stellen stand das Vieh bis an den Hals im Wasser. Eine Anzahl Schweine und Schafe ertranken. Mehrere Häuser sind dem Einsturz nahe. In Leibertingen ist durch Hagelschlag die ganze Ernte vernichtet. Mehrere Fahri t- betriebe haben die Arbeit eingestellt. Verschiedene Häuser mußten geräumt werden.

Würzburg, 29. Mai. In Unterfranken, beson­ders Teilen der Rhön und des Spessart, gingen schwere Wolkenbrüche nieder, die bedeutenden Schaden anrich­teten. Die Bahnverbindungen sind mehrfach unterbrochen. Der Expreßzug Ostende-Wien erlitt erhebliche Verspätung. Auch aus dem Isartal werden schwere Gewitter ge­meldet.

Speisenvorräte aller Art ausgepackt beobachten und dazu eine Flaschenbatterie Wein und Bier, die, da die Zahl der männ­lichen Teilnehmer an dieser kauenden Kampfgenossenschaft ver­hältnismäßig klein erschien, jedem Vorübergehenden wahres Grausen einflößen mußten. Ob man da noch etwas vom Gesang der Vögel und dem Rauschen des Waldes vernommen haben mag?

**AltgermanischeNiederlassungbeiFellings- hausen. Der Direktor des römisch-germanischen Museums, Professor Dr. Schumacher-Mainz, weilte am Sonntag vor Pfingsten in Gießen und unternahm in Begleitung des Rats­dieners Ochs eine größere Exkursion von Gießen über Fellings­hausen, Dünsberg bis in die Gegend von Naunheim bei Wetzlar. Man verfolgte gleich hinter dem Windhof, zwischen der Straße nach Rodheim und dem Vetzberg fortlaufend, von dort über freies Feld in den Wald einbiegend, nach Fellings­hausen zu weiterlauftnd, eine alte Römer st raße, welche hinter Fellingshausen direkt sich bis auf den Gipfel des Dünsberges hinzieht. Man stellte genau fest, an welcher Stelle die Straße die Ringwälle des Dünsberges schneidet, von der Höhe wieder abwärts führt und dann in der Nähe der Rehmühle über das Bieberflüßchen hinüber immer im Walde seine Fortsetzung findet und zwar bis in die nächste Umgebung von Naunheim. Bei dieser Streiferei durch Feld und Wald, über Berg und Tal, stieß man in der Nähe Fellingshausens, inmitten des Waldes, auf ein ausgedehntes altgermanisches Gräberfeld. Profeffor Schumacher stellte fest, daß mit hoher Wahrscheinlichkeit ganz in der Nähe der Be­stattungsstelle, in einer Talschlucht, unweit einer munter fließenden Quelle, die Stelle sei, wo die Wohnstätte der Menschen, die hier vor Jahrtausenden die ewige Ruhe ge­funden haben, gelegen haben mag.

** Ein.Dampfschiff auf der Lahn bei Gießen landete am Freitag oben an der alten Klinikwäsche. Beamte der Wafferbauverwaltung hatten für den zukünftigen Kanalbau die Lahn besichtigt und waren von Dietz aus bis Gießen mit einem Dampfschiff stroman gefahren. Die Herren erklärten, daß die.Strecke Wetzlar-Gießen als geplanter Wasserweg sehr

Abzeichen eines deutschen Admirals überbringen, wurden vom Könige empfangen.

Rom, 29. Mai. Es wird versichert, daß der Pap st am 2. Juni aus Anlaß seines Geburtstages alle Kardinäle in Audienz empfangen wird. Er wird eine Ansprache halten über den Streit mit Frankreich. Es wird ferner versichert, day der Papst nicht geneigt sei, sichvonMerrydelVal zu trennen. .. m , ,

Budapest, 29. Mai. Aufsehen erregt hier die Verhaftung von sechs Vorstandsmitgliedern des Bäckergehil­fenfachvereins, welche beschuldigt werden, gegen miß­liebige Arbeiter Mörder gedungen zu haben. Tie Aullösung des Fachvcreins dürfte behördlich erfolgen. Das Ver- einsoerniögen wurde bereits in Sicherheit gebracht.

Batum, 29. Mai. Ernste Ausschreitungen gegen die Armenier sind seitens der Kurden erfolgt. 4000 Per­sonen, darunter zahlreiche Greise und Kinder, wurden ge­tötet, 45 Dörfer zerstört. 15000 kurdische Soldaten sollen die Ausschreitungen begangen haben.

Newyork, 29. Mai. Nach einem Telegramm aus Pa- nnama wurde in der dortigen gesetzgebenden Versammlung ein Gesetzentwurf, nach dem in Panama die Goldwährung eingeführt werden sollte, abgelehnt.

Peking, 29. Mai. Ein kaiserliches Dekret ordnet die Er- ichtung einer Gesellschaft vom Roten Kreuz in China an, welche sich der internationalen Konvention an­schließen wird. Das kaiserliche Schatzamt spendete für die Gesell­schaft 100000 Taels. _________

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 30. Mai 1904.

g'oetter hat für die Operette ein Personal zusammen- gestellt, das sich aus Mitgliedern der ersten Theater rekrutiert. Die Partien der ersten Sängerin werden von Frl. Herms gegeben, über deren jüngstes Gastspiel als Rosalinde am Mannheimer Hoftheater derMannheimer Generalanzeiger" schreibt:Die Vorstellung durfte besonderes Interesse bean­spruchen wegen des Auftretens eines Gastes, des Frl. Thea Herms, als Rosalinde. Die Dame hinterließ einen vorzüg­lichen Eindruck. Sie wußte darstellerisch durch ihr routi­niertes temperamentvolles Spiel und gesanglich durch ihren geschmackvollen Vortrag zu fesseln und wurde durch warmen Beifall ausgezeichnet". Als erste Soubrette ist Frl. Emmy Polory vom Stadttheater Mainz gewonnen, die für über­nächstes Jahr bereits an das Frankfurter Stadttheater ver­pflichtet ist. Als erster Operettentenor fungiert Herr Karl Rohde vom Regensburger Stadttheater, der beim jüngsten Gastspiel am Theater des Westens Aufsehen erregte. Die Tenorbuffopartien gibt Herr Hans Arndt vom Stadttheater in Hamburg. Auch die weiteren Solokräfte kommen aus ersten Stellungen von Theatern wie Breslau, Hoftheater Olden­burg usw. Mit welch großem Körper die Operette des Großh. Kurtheaters Bad-Nauheim arbeitet, mag daraus er­hellen, daß in der ersten zur Aufführung gelangenden Operette, Millöckers beliebtemBette lstu d ent", über 30 Operettenkräfte (ohne Komparserie) mitwirken. Die Kosten dieser Aufführungen sind ganz außerordentliche, und es muß daher darauf gerechnet werden, daß sich die regste Teilnahme für das Abonnement, dessen Bedingungen in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden, kundgibt. Die erste Operetten­aufführung in Gießen findet Dienstag, den 7. Juni statt und bringt MillöckersBettelstudent".

Die Zeit der Waldausflüge zeitigte, so schreibt uns ein Spaziergänger, gestern im Walde des Biebertales zwischen Bieber und Königsberg ein Picknick, wie man es, ob der eigenartigen Auffassung seiner Zweckbestimmung, kaum noch einmal finden wird. Zirka 1520 Personen, offenbar Gießener, lagern da unter einer mächtigen Buche und aßen und tranken, was das Zeug hielt. Man konnte ungeheure

billig herzustellen sei und deffen Ausbau sehr wenig Schwierig­keiten machen würde.

* Die Hauptversammlung des Deutschen Flottenvereins in Friedberg findet nicht am 5., sondern erst am 19. Juni statt.

R.-B. Darmstadt, 30. Mai. (Eigener Draht­bericht.) Die Teilnehmer an der heute und morgen hier stattfindenden Versammlung der Kun st freunde derLänder am Rhein sind bereits gestern vollzählig hier eingetroffen. Gestern abend fand ein Konzert im Ausstellungsrestaurant statt, woran auch der Großherzog teilnahm und sich mit ein­zelnen Künstlern eingehend unterhielt. Heute nachmittag ist im Alten Palais die erste Beratung. Arn Abend ist Gala- tafel beim Großherzog zu Ehren der Gäste. Morgen sind sämtliche Gäste zu einem Essen beim Obersten ä la suite Frhrn. v. Heyl eingeladen, wozu auch Se. Kgl. Hoh. der Großherzog zugesagt hat.

Zwingenberg, 28. Mai. Ein Dr. B. von Frankfurt kam bei Großh. Ministerium um Erlaubnis zur Erbauung einer Za hnradbahn auf den Melibokus ein. Dieses Gesuch wurde abschlägig beschieden und zwar aus dem Grund, weil durch Errichtung dieser Bahn die landschaftliche Schön­heit beeinträchtigt würde und etwas derartiges unter allen Umständen vermieden werden müsse. Weiter suchte der er­wähnte Dr. B. namens eines Frankfurter Konsortiums um Erlaubnis zur Errichtung einer elektrischen Zentrale für Orte der B ergstraße nach. Auch dieses Gesuch wurde abgeschlagen, weil die Errichtung eines derartig be­deutsamen Unternehmens Sache der Gemeinden sei. Im An- schluß an den letzterwähnten Bescheid fand in letzter Woche auf Anregung des Kreisrats Eckstein in Zwingenberg eine Besprechung statt, bei der die Gemeinden Zwingenberg, Bicken­bach, Jugenheim, Seeheim und Alsbach vertreten waren. Zum Abschluß kam selbstverständlich die Angelegenheit nicht, immerhin aber wurde eine wesentliche Förderung erzielt. Als Ort für die Zentrale hat man den Bahnhof von Alsbach, als in der Mitte der Gemeinden liegend, in Vorschlag gebracht.

hd. Mainz, 30. Mai. (Drahtbericht.) Heute

* Fürsorge für Lungenkranke. Einem Erlaß des Reichskanzlers zufolge haben sich die Kreisämter an die hessi­schen Städte gewendet, um sie zu veranlassen, aus städtischen oder Stiftungsmitteln Beträge bereit zu stellen, um lungen­kranken Angehörigen ihrer Gemeinden den Aufenthalt in Lungenheilanstalten zu ermöglichen.

* Stadttheater Gießen. Die Direktion Stein­

auch auf minderbedeutenden Strecken ihren hohen Wert und alle Wünsche finden die Beachtung und das Entgegenkommen der Direktion im Bezirkseisenbahnrat, in welchem alle Interessentenkreise des Bezirks vertreten sind. Das Programm ür die äußere Tagesordnung war gut angelegt und kam in vortrefflicher Weise zur Ausführung. Durch die Teilnahme zahlreicher Damen an dieser äußeren Tagesordnung gewann ie erheblich an Interesse. Punkt 1 Uhr stand am Haupt­bahnhof ein Sonderzug bereit, der die Teilnehmer an der Fahrt zur Besichtigung der neuen Bahnanlagen bei Mainz über Bischofsheim, die neue Mainbrücke, die neue Rheinbrücke und zurück nach Mainz führte. Das Mittagsessen fand im Kasino statt und wurde gewürzt durch eine Reihe von Tisch­reden. Bereits um 3 i/z Uhr brach die Gesellschaft bei präch­tigem Sonnenschein auf zu einer Dampferfahrt nach Eltville. Am Abend zerstreute sich die Gesellschaft wieder in alle Winde.

E^HonLünstrerfek in Frankfurt a. W.

Zum erstenmale tagt der allgemeine deutsche Musikverein, der nun 43 Jahre lang besteht, in Frankfiirt a. M. Das Ton- künstlerfest, das in den Tagen vom 27. Mai bis 1 Juni in Frankfurt stattfindet, ist das 40., und ein reger Besuch seitens der Vereinsmitglieder und der Berichterstatter aus allen Gauen Deutschlands ist zu konstatieren. Kein Geringerer als Franz LiSzt ist der geistige Urheber dieses Zusammenschlusses der deut­schen Musiker gewesen, und heute zählt der Verein mehr als 1000 Mitglieder. Seinen vornehmsten Zweck steht der Verein heute darin, daß er die Kompositionen junger, aufstrebender Talente zur öffentlichen Aufführung bringt, mithin den Tonsetzern die Hand bietet, mit ihren Werken in weiteren Kreisen Eingang zu finden. Alle Nummern zählen freilich nicht zu den Treffern, aber seit Jahren bilden die besten Kompositionen, die auf diesen Tonkünstlerfesten Erfolg falben und in Fachkreisen Anklang fin­den, die Novitäten für die größeren Konzertveranstaltungen. Diese Tonkünstlerfeste sind also in gewissem Sinne dasselbe, was auf anderen Gebieten die Ausstellungen, sind: die besten Erzeugnis,e werden prämiiert und angekauft, sie begründen den Ruhm ihrer Meister, die minderwertigen fallen der Vergessenheit anheim. Seit Jahren ist es Usus, daß diese Tonkünstlerfeste durch Opern­aufführung eröffnet und beschlossen werden, und so wird es auch diesmal mit demBundschuh", Musikdrama aus den Bauern­kriegen von Waldemar von B a u ß n e r n im Frankfurter Opern- hause eröffnet. Darauf folgte am 28. d. M. das erste Orchester- konzert int Saalbau. Das Programm des Abends darf in ge­wissem Sinne als tppisch für die Gesichtspunkte gelten, die bet der Auswahl der Vortragsstücke bestimmend gewesen sem mögen. Eine allzu rigorose Einseitigkeit erschien ausgeschlosten. Neben den Anhängern der sezessionistifchen Richtung kamen auch einige Tonsetzer zu Worte, die, ohne sich den instrumentalen Errungen­schaften der Neuzeit zu verschließen, doch deutlich genug er­kennen lassen, daß sie mit den Formen der konservativen Richt­ung noch keineswegs zu brechen gewillt sind. Es ist klar, daß 1 die Berücksichtigung beider Richtungen den Vorteil der größeren Abwechslung und Anregung für die Zuhörer bietet. Nach einem Begrüßungsabend am Samstag im Ratskeller ver,ammelten sich die Festteilnehmer am Sonntag vormittag bereits um 10 Uhr 1 wieder im Saalbau, um dem ersten Kammermufik-Konzert bei» zuwohnen.

Kerichtsjaat.

(w) Wetzlar, 28. Mai. Am Freitag vergangener Woche hatte haa Schöffengericht Wetzlar einen großen Tag, als gegen V210 Uhr vormittags die Strafsache gegen den Studiosus Hetze r. und Genossen aufgerufen wurde. Tie unter den 1^ An­geklagten befindlichen drei Gebrüder Heyer bunten fitzen, die andern Uebeltäter wurden rechts und links von dem Verteidiger­tisch gruppiert Auf den zahlreichen Bänken des Zuhörerraumes saß die gesamte wehrhafte Mannschaft des Dorfes Krofdorf und erwartete mit Spannung der Tinge, die da koinnien sollten. Nach der Feststellung der Personalien der 17 Angeklagten verlas der Gerichtsschreiber den Anllagebeschluß, demzufolge sich die Täter cm 16. Februar 1904 in Krofdorf schuldig gemacht haben sollen, indem sie 1. an einem öffentlichen Aufzuge in Krofdon, zu welchem vorher nicht die schriftliche Erlaubnis des Burger- meifters erteilt war, teilgenommen haben. (Tie drei Bruder Hetzer sowie der Angeklagte Süßkind sollen dabei als Ordner und Leiter tätig gewesen fein): 2. soll der Bürgermeister in Krofdorf dadurch beleidigt worden sein, dast bei dem PvuzeiliM nicht genehmigten Aufzuge einer der _ Angeklagten unter dem für jedermann erkennbaren Hinweis aus Vorgänge bei der Ver Haftung des Bürgermeisters L. im Dezember 1903, in der Uni­form eines Polizeibeamten einen von dem Komplizen S. dazu geliehenen Simmentaler Ochsen führte, welcher an beiden Seiten von zwei der Angellagten, welche in der Uniform von Gendarmen steckten, gehalten wurde. Einer der Angellagten trug ein Schild mit der Aufschriftder gefesselte Simmentaler , wah­rend weiter int Zuge ein Karren mitgeführt wurde, aus welchem angeblich Akten lagen, welche die große Aufschrift ,,Beschlag­nahmt" trugen. Neben diesen Akten ging ein Mann mit schwarzem Rock und Zylinderhut. - Der Angeklagte Studiosus H. bestritt, sich strafbar gemacht zu haben. Es habe ihm vou- ständig fern gelegen, den Bürgermeister zu beleidigen. Ter ganze Zug sei weiter nichts gewesen, als cm harmloser Fast­nachtsscherz. Zn dem Zuge hätten die Krofdorfer Burschen die polizeiliche Erlaubnis gehabt. Wenn man im Zuge einen ge­fesselten Simmentaler Ochsen mitgeführt hat. so habe man damit diese Viehrasse verherrlichen wollen, die zu züchten in Krofdorf nach Lage der Korordnung nicht möglich sei Tic anderen Angeklagten erllärten dasselbe. Emer der Angeklagten protestierte mit aller Entschiedenheit Dagegen, daß man ihn um deswillen zu einem Leiter oder Ordner des Zuges stempeln wolle, weil er angeblich die Musikkappelle dirigiert falbe. Tiefe An­nahme sei für ihn eine Beleidigung, denn er und die anderen Musikanten würden sich schämen, wenn es, um eine solche Katzen musik zu machen, wie sie tatsächlich gemacht worden ist, now eines Dirigenten bedurft hätte. Dem Vorsitzenden wird daran ein rechtzeitig eingefaßter polizeilicher Erlaubn'sschem der Bür­germeisterei Krofdorf überreicht, worin diese K r o s d or ' e r Burschen gestattet, nm 16. Februar von 23 Uhr nachmittags von der Moosschen Wirtschaft aus einen Zug ohne Unterbrechung zu veranstalten. Die Angellagten erklären, daß sie zu diesem Zuge eingeladen worden seien: in der Freuiid'schen Wirtschaft habe man sich zu der Sache vorbereitet. Als Zeuge erklär Gendarm Baumann von Wißmar, er habe den Zug nirtH gesehen, sei aber um 4 Uhr ins Dorf gekommen und habe dorl von unbeteiligten Personen, bereit Namen er sich nicht inehr er­innere, gehört, daß man im Zuge die Verhaftung des Bürger­meisters L. farrifiert hätte. Ter P o l i z e i d i e n e r Leib b<? hauptet, es habe sich an jenem Tage in Krofdorf um zwei Auf züge gehandelt. Als der Zug in der Moosschen Wirtschaft wieder angelangt gewesen sei, habe der andere Zug die Freundsche ziin schäft erst verlassen. Der Bürgermeistereisekretär Bender von Krofdorf ist der einzige 3euge, der den Zug gesehen hat. er muß zugeben, daß es alte Militäruniformen waren, welche Die Führer des Ochsen im Zuge getragen hatten. Der Simmentaler Ochse habe auch Schilder mit der Aufschrift:Wayerleitung, Gasanstalt" usw. getragen. Auch dieser Zeuge ist der 'Infimi, daß der ganze Auszug auf den Bürgermeister und dessen Bei- Haftung gemünzt gewesen sei. Zeuge B ü t aie r m e t |t er x. bekundet, es sei allerdings richtig, day einige Besitzer in Stop dorf dafür agitierten, Simmentaler Vieh züchten zu dürfen. auch die Wasserleitungsfrage habe in der Gemeinde Krofdorf em Rolle gespielt. Ter Amtsanwalt beantragte, gegen icbcn Der Angellagten eine Geldstrafe von 8 Mark auszusprechen, pic Angeklagten werden schwerlich einen Menschen finden, der ihnen das Märchen glauben würde, sie hätten mit ihrer Terstellung die Simmentaler Rasse verfarrlichen wollen. Der Verteidiger der Angellagten, Kaufmann-Gießen erllärte, es fehle an leoem Beweis für die Schuld der Angeklagten. Ter Zug sei de gesamten Krofdorfer Burschen genehmigt gelvcsen. Tatsache st übrigens doch, daß der Bürgermeister im Dezember verhaft worden sei, ohne daß man bisher gehört habe, tmc ctgentlia die Sackte stehe. Vorausgesetzt, daß die Deutung des Krofdorse Fastnackitszuges richtig sei, könne unmöglich fim dadur beleidigt fühlen, höchstens die Behörde, welche bie ^erhaftim des Mannes versügte, falls sie zu unrecht erfolgt wäre, was abe nickt einmal feststehe. Das Schöffengericht hielt leben der 17 An geklagten gleich schuldig und erkannte auf eine Geldstrat

morgen verhafteten zwei Schutzleute in den Anlagen den Taglöhner Tauerz, der von der Staatsanwaltschaft Köln verfolgt wird, da er dringend verdächtig ist, den Raub­mord an dem Dienstmädchen in Köln verübt zu haben.

r. Mainz, 29. Mai. Auf dem Heimweg von einem Marsch wurde gestern ein Soldat vorn 21. Pionierbataillon vom Hitz schlag getroffen und stürzte bewußtlos zu­sammen. Kameraden brachten ihn in das Militärlazarett.

8. Frankfurt, 29. Mai. Die 56. Sitzung des Be­zirkseisenbahnrats Frankfurt a. M. fand am 26. Mai im Kasino-Hof zumGutenbergs in Mainz statt. In der Regel tagen diese Versammlungen in Frankfurt a. M. Aus- nahmsweise hatte die Königliche Eisenbahndirektion Mainz gewählt, weil es ihr erwünscht erschien, den Mitgliedern des Bezirkseisenbahnrats die neuen Bahnanlagen bei Mainz und insbesondere die neuen Brücken bei Bischofsheim und Biebrich mit ihren verzweigten Zuführungslinien zu zeigen. Die Tagesordnung verlief programmäßig und hatte kein beson­deres allgemeines Jntreffe. Fahrplanangelegenheiten, Wünsche auf Verlegung von Zügen, Neueinlegung von Zügen, deren Erfüllung man in wohlwollende Erwägung zu ziehen ver­sprach, Dankesäußerungen für wertvolle Winke und An­regungen und dergleichen mehr. Es ist ja nicht immer mög­lich, Dinge von ganz besonderer Bedeutung zu verhandeln, aber diese Kleinarbeit hat ja für den Handel und Verkehr