Erne Spionin arn Zarenhofc. Gestern erzählten text kurz, daß eine englische Bonne am Aarenhofe wegen Spionageverdachtes des Landes verwiesen worden ist. Jetzt lesen wir nt_ einem Berliner Blatte: Seit "neun Jahren lebt in der kaiserlichen Familie eine englische Bonne, die seinerzeit für dre Großfürstin Olga, das älteste Töchterchen des Zarenpaares, aus England engagiert wurde, nachdem ihr guter Leumund genügend festgestellt worden war. Bor zwei Jahren wurde ein schwarzer Diener der Zarenfamilie entlassen, weil er verdächtigt wurde, oft in wichtige Papiere Einsicht genommen zu haben. Damals schon erklärte der Gemaßregelte, daß nicht er, sondern die englische Bonne sich häufig am Schreibtische des Zaren zu schaffen mache. Man glaubte ihm aber nicht. Tie russische Tiener- schaft beobachtete sie seitdem scharf. Tiefer Tage bemerkte nun ein Diener, wie die Engländerin in das Arbcitskabinett des Zaren schlich und, nit den Schreibtisch tretend, verschiedene Papiere durchstöberte. Ter Diener verschloß wfort das Kabinett und stattete Meldung ab. Tatsächlich wurde die Engländerin dort gesunden. Sie hatte verschiedene wichtige Schriftstücke kopiert. Jetzt ist sie unter Eskorte über die Grenze geschoben worden. Es wird angenommen, daß die Engländerin im Solde interessierter Persönlichkeiten gestanden hat.
* Oheiliger B u r e a u kr a t i u s! Tie Gutsherrschaft zu Meierstorf bei Grabow in Mecklenburg erhielt von der Militärverwaltungsbehörde in Potsdam einen Pfennig zugesandt mit dem Bemerken, daß dieser für Fourage während des Kaiser- manöoers zu wenig gezahlt worden sei. Tie Gutsherrschaft nahm jedoch die Sendung nicht an, da sie sonst 10 Pfg. Bestellgebühr hätte bezahlen müssen!!
* A u s d e r „I u g e n d". Ter Kaiser hat das Klavier einen gesundheitsschädlichen Turnapparat genannt. Man kann sich denken, wie diese derbe Kritik dem Kultusminister, der Ches der akademischen Hochschule sür Musik ist, in die Knochen gefahren ist. Er hat sofort eine Kommission zusammenberusen, die die Verschmelzung der Klavierabteilung der Königlichen Hochschule für Musik mit der Königlichen Turnlehrerbildungsanstalt in die Wege leiten soll. Tie Turnlehrer sollen an der Hochschule sür Musik, die.Klavierlehrer an der Zentralturnanstalt unterrichten. Ter Minister hofft, auf diese Weise ein gesünderes Geschlecht von Klavierboxern heranzuziehen.
^Falsch geraten. Ein berühmter Bakteriologe war in seinem Laboratorium eifrig beschäftigt; unt ihn herum standen alle möglichen Retorten uitb Gläser mit chemischen und bakteriologischen Präparaten. Ta erhielt er den Besuch eines Kollegen aus dem Auslande, der seine Arbeit mit Interesse verfolgte. Die Aufmerksamkeit des Professors schien besonders auf ein Gefäß gerichtet zu sein, das ganz in Dampf und Rauch gehüllt war, „Raten Sie, was ich in diesem Topf koche", sagte der Professor. Der Gast fing an, die ganze Skala der Mikroorganismen aufzuzählen. „Kugelbakterien"? „Nein". „Kettenkokken"? „Nein". „Spirochaete"? „Nein". „Tann kann ich es nicht erraten". „Würstchen", lautete die Antwort.
* Kleine Tageschronik. Aus Neustadt o. d. H. wird gemeldet: Die von dem bekannten Pfälzischen Pfarrer Schow alter veranstaltete Sammlung zur Errichtung eines B u r e n w a i s e n h a u s e s hat 15 000 VLark überschritten. — Ein Lloydtelegramm aus Punta Arenas meldet: Ter auf der Fahrt von Seattle nach Hamburg befindliche deutsche Tampser „Abydos" ist in der Oronobucht gestrandet. Tie Lage des Schiffes ist gefährlich. Hilfe wurde abgesandt. Tas Vorderteil und das Mittelschiff sitzen auf einem Felsen fest, das .Heck schwimmt, im Vorderschiffe ist Wasser. — Ter belgische Tampser „L'Europe", der die Reise nach Newyork angetreten hatte, mutzte in Plymouth umkehren, weil die gesamte Besatzung umer Vergiftungserscheinungen erkrankte. Zwei
Matrosen starben vor dem Eintreffen in Plymouth, ein dritter im dortigen Krankenhause. Man vermutet, daß die Ursache in dem Genuß von verdorbenem Fleisch ^zu suchen ist. Jedoch ist ein Anhalt hierfür noch nicht gefunden. — Tie Polizei verhaftete im Postbureau von Droeux (Frankreich einen Versicherungsagenten, dem es gelungen war, mehrere Versicherungsanstalten um V/2 Million Francs zu betrügen. Er hat seine Tat eingestanden.
Kunst uni> Wissenschaft.
Königsberg i. Pr., 28. Tez. Wie die „Kgsbg. Hart. Ztg." meldet, hat der Magistrat beschlossen, die von dem Berliner Bildhauer August Gaul entworjenen uronumentalen Tierbrunnen, zwei kämpfende Auerochsen darstellend, die auf Staatskosten in Bronze gegossen und vom Kultusminister durch Vermittelung des Oberpräsidenten der Stadt gegen Zahlung der Ausstellungskosten zum Geschenk angeboten worden sind, zu übernehmen.
Washington 28. Tez. Tem Archäologen Prof. Waldstein von der Cambridge-Universität, der den Plan für die Ausgrabung von Herculanurn ausgearbeitet hat, erklärte Präsident Roosevelt sich bereit, Obmann der amerikanischen Mitglieder des internationalen Komitees zu werden, das die Aussicht über die Ausgrabungen führen soll.
Zinivelsttäts-Aachrlchten.
— In Aachen ist Geheimrat Otto Jntze, Professor für Baukonstruktion und Wasserbau an der Technischen Hochschule, eine Autorität auf dem Gebiete des Talsperrenbaues, im Alter von 61 Jahren gestorben. — Ter cl 0. Professor Hofrat W. Fleiner in Heidelberg erhielt einen Ruf als Ordinarius für innere Medizin nach Greifswald und wird ihm wahrscheinlich Folge leisten.
— Ter außerordentliche Professor der Mathematik an der Breslauer Universität, Tr. phil. Ernst Neumann, ist in gleicher Eigenschaft zum 1. April 1905 an die Universität Marburg verletzt worden. Er tritt dort an Stelle des verstorbenen Pros. Tr. Edmund Heß.
Die Marktpreise sür Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 28. Dezember 1904.
Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. Ni.
Fleischpreise in Gießen
Ochsen
Kälber Schweine
50 Kg. Schlachtgewicht 73-75 Nik.
72 Kg. Schlachtgew. 81—83 Pi.
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7, Kg. 70-80 Pfg.
7» „ 70-74 ff
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Getreidepreise in Mannheim
Brotpreise in Gießen
Welzen 100 Kg. 18,85 Alk.
Roggen 100 „ 14,70 „
Weißbrot 2 Kg. 52 Pia.
Schwarzbrot 2 Kg. 48Pig.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt uuei Rubrik stehenden Artikel
übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Es ist gewiß eine sehr berechtigte Bestimmung, daß im Theater auf den Estradeplätzen der Zugang zu den Notausgängen immer frei und offen bleibt. Aber dann wäre auch dafür
zu sorgen, daß die Estradebesucher tyre Stühle an ruynger Stelle finden. Sonst kann es einem passieren, daß man von der Polizei wiederholt und energisch aufgefordert wird, seinen numerierten Stuhl von dieser verbotenen Stelle, an der man ihn gesunden hat, zu entfernen, d. h. ihn entweder ganz hinten anzustellen oder alle dahinter stehenden Stühle umzustellen, eine Llvbeit, zu der man, wenn man 1.25 Mk. Eintritt bezahlt hat, doch wohl kaum verpflichtet sein dürste. Wenn diese Bestimmung vor Beginn der Vorstellung so streng gehandhabt wird, daun sollte die Polizei auch darauf achten, daß sie auch während der Vorstellung nicht außer acht gelassen wird, was jedoch gestern abend der Fall war. Ein Estradebesucher.
NöhrnilicheUcdkrW irr (hörsfällt iu der Liadt Gießen
46. Woche. Vom 6. bis 12. November 1904.
(Einwohnerzahl: angenommen zu 27 500 sinkt. 1600 Nimm Militärs Sterblichkeitsziffer: 15,12
nach Abzug von 3 Ortsfremden: 3,78 °/oo.
Kinder
Es starben an: Zusammen Erwachsene: im vom
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ebensiahr: 2.—15. Jahr
Tuberkulose der Lungen
Tuberkulose des Bauchfells
Krebs
Apoplexie Nlerenentzündung Eiterung Leberabseeß Selbstmord
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An m.: Tie ui Klammern ge! der Todesfälle in der betreffenden 5 Gießen gebrachte Kranke kommen.
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setzten Ziffern geben an, wie viel Krankheit aui von auswärts nach
Kirchliche Nachrichten.
Israelitische Religionsgemeinde.
Hottcsdieun tu der Syuagoge (L>üdanlage).
Samstag, den 31. Dezember 1904:
Vorabend 4.30 Uhr.
Morgens 9.00 Uhr.
Predigt.
Nachmittags 3.30 Uhr.
Sabbathausgang 5.^0 Uhr.
Israelitische Religionsgesel^schast.
Gottesdienst.
Sabbathseier am 31. Dezember 1904.
Freitag abend: 4.00 Uhr.
Samstag vormittag: 8.30 Uhr.
Samstag nachmittag: 3.30 Uhr.
Sabbalhausgang 5.20 Uhr.
Wochengotlesdienst: morgens 7.10,
abends 4.00.
Schiffslmchrichlcn.
Red Star Linie
Vertreter Carl Retter, Gießen, Bleichstraße 8.
Der Postdampser »Vaderland" der Red Star ßinice in. Antwerpen ist laut Telegramm am 26. Dezember wohlbehalten in New-York angekommen.
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