anioQt, sodaß die schönen Daumtzruppen des Garten S erhalten bleiben.
Gegen die Idee des T o p p e I h a u s c s unter eine m Dache machen jid) so schwerwiegende örtliche und ästhetische Bedenken angesichts des Erstehens einer so kolossalen lang* gestreckten Gebäuoemasse auf dem in Aussicht genommenen ^errain geltend, daß sie weiter nicht in Betracht kommen.
-Tie Paral le l st eUun g der beiden Häuser mit einem dazroischenliegenden, pon zwei Seiten freistehenden Ver- oindungSgebaude würde int Schnlerschen Garten eher angebracht sein. Die Fassade des Gesamtbaues mutzte natürlich nach der Sndanlage zu gerichtet sein, während )idi die beiden nur wetng 51t ornamentierenden Seitenflügel wie der Hinterbau der Bibliothek nach hinten zu zu verlieren hätten. Im Falle eines Brandes oder einer Panik batte man bei dieser Bauart den Bor teil, daß die Ausgänge des von allen Seiten freistehenden offenen Bierecks dem Publikum leicht erreichbar sind und die Feuer- lvchr schneller und unbcengter arbeiten kann.
Sitzung des Provinzial-Ausschusses.
Gießen, 28. 9Zoü.
In der öffentlichen Sitzung des Provinzialausschusses vom 26. d. M. kam als erster Gegenstand der Tagesordnung das Gesuch des Martin Langsdorf um Erlaubnis zum _ Betrieb einer Gastwirtschaft zur Verhandlung. Ter Gesuchstcllcr n?il£ mit seiner Metzgerei, die er bereits in seinem Hause Crednerstraßc 34 betreibt, eine Wirtschaft verbinden. Bereits im August 1902 hatte Langsdorf ein gleiches Gesuch eingereicht, baä_ jedoch die Stadtverordnetenversammlung sowohl als auch das Großh. Polizeiamt iricbi befürworteten, weil die ft'agliclie Gegend genügend mit Wittschaften versehen fei. Auch der Kreisausschuß kam in seiner Sitzung vom 15. Hiovember 1902 zu »einem ablehnenden Bescheid. — Am 5. Januar 1904 kam Langsdorf dann wiederholt um Erlaubnis zum Gastwirtsämftsbetrieb ein. Zur Begründung seines Gesuches rührte er an, daß in der fragliäien Gegend eine rege Baurätigkeft herrsche, wie auch der Verkehr überhaupt täglich n-achse. Auch letzt loieder verneinten Stadtverordnetenversammlung und Polizeiamt die Bedürftiisfrage mit derselben Begründung, wie bei dem ersten Gesuch. Ter Kreisausschuß bestätigte diese Auffassung durch Urteil vom 19. März 1904. Hiergegen legte der Bertteter des Gesuchstellers Rekurs ein, der in der heutigen Sitzung verhandelt wurde. Ungeachtet dessen, daß die vernom- menen Zeugen ein Bedürfnis zur Errichtung einer Wirtschaft in der Crednersrraße für vorliegend betrachteten, konnte sich der Provinzialausschuß in Uebereinstimmung mit der Vorinstanz von dem Vorhandensein eines solchen Bedürfnisses nicht überzeugen und verwarf den Rekurs.
Gegen die Bürgermeisterwahl zu Nieder-Florstadt, die am 9. Juli d. I. stattfand und aus der der seitherige Bürgermeister Alles mit Stimmenmehrheit gewählt heroorging, war seilens des Gemeinderats Iohs. Ludwig Scherer reklamiert worden. Ta diese Reklamarron sich iedoch nicht gegen die Gesetzlichkeit der Wahl oder die gesetzlichen Eigenschaften des Gewählten, sondern gegen die Persönlichkeit desselben richtete, wies der Kreisausschuß des Kreises Friedberg in seiner Sitzung vom 29. Juli 1904 die Reklamation als unzulässig ab und erklärte die Wahl für gültig. In dieser Verhandlung versuchte Scherer zwar auch noch Unregelmäßigkeiten^ bei der Wahl naa zuweisen. Sein Vorbringen mußte jedoch außer Betracht bleiben, da cs nicht innerhalb der dreitägigen Lffcnlegungsfrist der Wahlakten geschehen war.
Wegen mehrerer, in der Reklamationsschrift enthaltenen Beleidigungen des Gewählten, wurde von diesem Sttafantrag bei der Großh. Staatsanwaltschaft gestellt.
Gegen das Kreisausschutzurteil verfolgte der Vertreter des Reklamanten Berufung an den Provinzialausschuß. Ter letztere bestätigte jedoch das angefochtene Urteil und verwarf die eingelegte Beschwerde kostenfällig, aus denselben Gründen, die den Kreisausschuß zur Abweisung der Reklamation geführt hatten.
Aer Krzöergvau in Kberyeffen in Beziehung zur «Laynkanalisation.
(Schluß.)
Ter Redner kommt dann auf die manganhaltigen Erze in der Lindener Mark. Auch diesem Erz aus dem Ferniewerk mache das Ausland Konkurrenz, und doch versende man jährlich 100- bis 150 000 Tonnen, welche dem Wasserweg, wenn hie Lahn kanalisiert sein wird, zufallen würden. In der Lindener Mark liegt noch für manche Million Erz, und 'elbst wenn die Ausbeute gesteigert nriirbe, könne man, ohne zu übertreiben, dann auch für 25—30 Jahre hinaus auf einen ungeschwächten. Betrieb dort rechnen.
Hierzu kommen die neuen Auftchlüsse bei Oberrosbach, welche dartun, daß dort dereinst eine zweit- Lindener Mark erstehen wird. Ebenso sind bei Oberkleen und Kirchgöns starke Manganlager. Günstige Frachtbedingungen werden Veranlassung geben, daß auch dott der Bergbau mit lohnendem Erfolg betrieben wird. Zur Gewinnung von Brauneisenstein gibt es nur zwei große Betriebe in Oberhessen, welche Interesse erregen und dartun, daß selbst unter den heutigen sHvierigen Verhältnissen der Bergbau in Oberhessen mit Erfolg möglich ist. Es sind dies die Grube Ilsdorf bei Stockhausen und Luise bei Nieder- Ohmen. Tiefe beiden Betriebe haben alle Schwankungen überdauert und haben mit Mühe und Kosten stets darauf Bedacht ge- nommen, Verbesserungen einzuführen. Mit Energie und Ausdauer hat man in beiden Betrieben die Sache erfolgreich ange= packt. In rationeller Weise hat man durch planmäßiges Vorgehen es fertig gebracht, große Mengen Erz zutage zu schaffen. Tie Erfahrungen in den genannten Betrieben in bergmännischer Hinsicht haben ihre große Bedeutung für die in Frage kommenden Gebiete in Oberhessen. Ist es doch dadurch möglich geworden, daß der Geologe und der Bergbeamte sich eine Regel bilden konnten darüber, wo und wie die Erze in Ober Hessen vorkommen. Falls der Landtag die weiteren Mittel bewUligt, was wohl zu hoffen ist, so wird man diese Arbeit vollenden und genaüe Festlegungen
machen können. Heute schon könne man sagest, wie die Evze gelagert sind; man hat die Richtungen verfolgt, sodaß man sagen kann, wo Erze zu ftnden sind und wo es lohnt, Bergbau zu treiben. AuS der Erkenntnis der letzten Jahre schöpfend, erklärt Ehelius, daß int Vogelsberg noch ganz gewaltige Eisen erz- m enge n vorl-anden sind. Tie Annahme der Interessenten, daß jährlich 20—30 000 Tonnen gewonnen werden könnten, sei viel zu bescheiden; bei einigermaßen günstigen Tarifen reicht dies Quantum nicht aus, sondern es wird sich vermehren von Jahr zu Jahr durch neue Aufschlüsse in Oberhessen. Man dürfe sich nicht selbst täuschen, aber die nücbdcrnc Betrachtung der Verhältnisse lehrt und zeigt uns, daß von Mücke und Nieder- O h m e n bis Stade n und F l e n s unge n eine Reihe von Erzadern strahlenförmig durch den Vogelsberg lausen, und selbst wenn von den vergebenen Feldern Hunderte als nicht zur Ausbeute geeignet fortfallcu, so bleiben doch noch genug übrig, bei denen der Abbau Gewinn bringt und der Gegend zum Segen gereicht. Es sei ganz außer Zweifel, daß der vberhessische Erzbergbau der kanalisierten Lach: auf eine lauge Reihe von Jahrzehnten eine große Menge Fracht bringen und dazu beitragen würde, daß die Aufwendungen für dies Projekt sich bezahlt machen.
Aber nicht allein die Erze Oberhessens sind es nur, die des Kanals bedürfen, sondern auch die anderen Naturprodukte unserer Gegend haben einen Vorteil von dem Wasserweg, der von Gießen aus zum Rhein fuhren soll. Tie überaus wertvollen Säulenbasalte, der Testen- und Strombasalt unseres Gebirges sind überaus wertvoll und nicht überall zu haben in dieser ausgezeichneten Qualität. Ter Aufschwung der Steinbrücki-e bei Oberwiddersheim beweist, wie sehr das Material geschätzt wird; der Betrieb dort dehnt und reckt sich immer mehr aus. Mit billigen Transportbedingungen hat unsere Steinhauerindustrie die rheinische Konkurrenz nicht zu fürchten; sie wird sich in Ober Hessen entwickeln, wie man es heute nicht ahnt, da alle Bedingungen dazu vorhanden find, wenn die Lahn schiffbar fein wird und die Produkte in (Regen verladen werden können» Auch die Gießener Tone, der Marmor und Kalk bilden ein wertvolles Material, wenn das letztere auch wohl nicht per Wasser verfrachtet lverden wird. Professor Tr. Ehelius erklärt, er glaube, daß er die Angriffe, die gegen die vberhessischen Erze gerichtet seien, gründlich widerlegt habe, und versichert, daß das Bild, welches er der Versammlung über den Erzreichtum Oberhessens gegeben habe, nicht übertrieben sei.
Tas Bedürfnis der Schiffbarmachung der Lahn sei alt. Schon früher habe man den Fluß kanalisiert, leider sei inan dabei nicht gründlich genug verfahren. Selbst Münzen hat man schon zur Feier des Schiffahrtslveges auf der Lahn geprägt. Ter Redner ließ dann eine in der Versammlung zirkulieren. Wenn man die Schleusen und Wehre entlang der Lahn sicht, wenn man bei Weilburg wahrnimmt, wie man nicht davor zurückgeschreckt sei, hohe Berge za durchaueren, solle man sich durch die Abweisung der Lahnlanalisativn im preußischen Abgeordnetenhaus nicht irre machen lassen. Tie SchiffbarmackMug des Flusses wird wieder kommen, bis sie gelöst ist. Vielleicht ist her Gedanke zur Ausführung noch nicht ganz reif, darum muß man dafür sorgen, daß die Idee reifer luiro, damit der Kanal endlich gebaut wird. Ter Redner schloß seinen überaus beifällig aufgenommenen Vortrag mit einem Glückauf auf den oberhessischen Bergbau und die Hoffnung, daß das Projekt der Lahnkanalisation weiter gefördert werden möge.
Tie M ünze, welche mit Interesse bei den Versammelten von Hand zu Hand wandelte, im Besitz des Zahnarztes Koch, ist in Silber in der Größe eines Markstückes geprägt und hat folgende Aufschrift:
Eröffnung der Lahuschisfahrt bis Weilburg 12. Oktober 1810. Unter der Regierung Friedrichs I. Herzog zu Nassau und Friedrich Wilhelms Fürst zu Nassau.
5>ie Berufs-Hrganisation der hessischen <Land- wirtschaft.
Die gestern von uns bereits kurz erwähnte, der zweiten Kammer überreichte Regierungsvorlage, betreffend die berufsständische Vertretung der Landwirtschaft, wird zweifellos in allen landwirtschaftlichen Kreisen unseres Großherzogtums mit großer Befriedigung begrüßt werden. Bringt sie doch die schon lange von den Interessenten erstrebte gesetzmäßige Organisation dieses wichtigsten Berufszweiges, eine Umwandlung der bisherigen freien Betätigung der vielen landwirtschaftlichen Vereine in eine staatlich anerkannte, fest gegliederte Interessenvertretung, deren Spitzen analog den Handelskammern und der Handwerkerkammer eine Landwirtschastskammer bilden soll. Die jetzt bestehenden landwirtschaftlichen Provinzialvereine und der Landwittschaftsrat sind zwar durch die landesherrliche Genehmigung ihrer gemeinsamen Satzungen und besonders durch die staatlichen Zuschüsse zu den Ver- waltungskosten, wie auch durch die seit 1898 erfolgte Bewilligung erhöhter Staatsmittel für die Förderung der Viehzucht als Vettretung der hessischen Landwirtschaft staatlich anerkannt worden, aber cs konnte, wie die Regierung in den Motiven zu der Vorlage aussührt, doch nicht übersehen werden, daß neben den landwirtschaftlichen Pro- vinzial-Vereinen neue Vereinigungen mit teilweise bedeutender Mitgliederzahl entstanden sind und die landwirtschaftlichen Interessen immerhin bis jetzt von Vereinigungen wahrgenomnien wurden, die nur auf freiwilliger Mitgliedschaft beruhen. Die freie Vereinstätigkeit habe sich als fördernd und segensreich erwiesen, aber ihre Schwächen beständen darin, daß sie nicht nur die Kräfte zersplittert und die ganze Organisation nicht die Berufsgenossen in dem Maße umfaßt, um sic als vollgiltigeVertretung des ganzen Standes erscheinen lassen zu können, sondern daß auch den feiner
Förderung dienenden Maßnahmen die erforderliche weiteste Verbreitung fehlte. Die Regierung habe bei Aufstellung des Gesetzentwurfs nach Möglichkeit die Wünsche und Bedenken der Interessenten berücksichtigt.
Die Vorlage bestimmt in Art. 1 und 2, daß die neue gesetzmäßige Organisation aus Bezirks- und Provinzialverbänden, sowie dem Landesverband bestehen soll. Verbandsangehörige sollen die Eigentümer, Nutznießer und Pächter landwirtschaftlich genutzter Grundstücke mit einem im Grobherzogtum gelegenen eigenen Vermögen an landwirtschaftlich genutztem Grundbesitz oder an landwirtschaftlichem Betriebskapital im Wert von mindestens 3000 Mk. fein, wobei der Wert von Hofreite und Wald nicht in Ansatz zu bringen ist. Alle Verbandsangehörigen des Großherzogtums bilden, wie in den folgenden Artikeln des Entwurfs bestimmt wird, den Landesverband oder die Landwirtschaftskammer.
Sie soll nach Art. 8 die Gesamtinteressen des landwirtschaft» lichen Berufsstandes in wirtschaftlicher und technischer Hinsicht wahrnehmen, und hat insbesondere das Recht, aus eigener Anregung jederzeit Anträge und Vorschläge an die Regierung gelangen zu lassen, sowie die zur Hebung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes und Betriebs dienlichen Einrichtungen und Veranstaltungen auf denjenigen Gebieten zu treffen, für welche die Fürsorge vom Staat nicht unmittelbar übernommen ist. Die Landwirtschaft hat Vertreter für die Märkte, Produktenbörse, Ausstellungen, Eisenbahnrat und den deutschen Landwirtschaftsrat zii stellen und soll in allen wichtigeren, die Gesamtinteressen oder die Interessen einzelner Zweige der Landwirtschaft berührenden Angelegenheiten von der Regierung gehört werden. Die Kammer ist verpflichtet, der Regierung alle fünf Jahre über die gesamten landwirtschaftlichen Zustände des Landes zu berichten, und ihr und den zuständigen Behörden jederzeit auf Ansordern Gutachten über Gegenstände der landwirtschaftlichen Gesetzgebung und Vvr- ivaltung, des landwirtschaftlichen Betriebs, der Landeskultur und der Volkswirtschaft zu erstatten. Auf je 1000 Verbandsangehörige soll ein Mitglied zum Bezirksausschuß gewählt werden, durch Satzungsbestimmung auch schon auf 500 oder 250; die Mitglieder des Provinzialausschusses von je 500 Verbandsangehörigen. Die Landwirtschaftskammer wird aus 30 Mitgliedern gebildet, von denen jeder Provinzialverband zehn zu wählen hat. Ihr Sitz ist Darmstadt. Art. 38 bestimmt, daß die Wahlberechtigung jedem über 25 Jahre alten Verbandsmitglied zusteht. Wahlberechtigte, die nicht natürliche Personen sind, können sich durch Bevollinächligte vertreten lassen. Die Wahlen erfolgen auf drei Jahre. Die Verbandsangehörigen sind umlagepflichtig, doch darf die Umlage in der Regel 25 Pfg. auf 1000 Ml. des der Umlage unterliegenden Vermögens nicht übersteigen; Mindestbetrag der Umlage ist 1 Mk. Die Aufsicht über die Verbände führt das Ministerium des Innern, sie kann auch einer unter ihm stehenden Abteilung übertragen werden.
Soweit die näheren Bestimmungen des neuen Gesetz» entwurfs, dessen Durchberatung in der Kammer glatt von statten gehen und der überhaupt nur wenig Widerspruch finden dürste.
Die Marktpreise für Bieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 28. November 1904.
Höchste Schlachtviehpreise m Frankfurt a. 9)1
Fleischpreise in Gießen
7> Kg. 70-80 Pfg.
Ochsen
Da hast du
Die schmecken
Kälber
Schweine
50 Kg. Schlachtgewicht 70-73 Alk.
,Kg. Schlachtgew. 82—84 Pf.
; „ „ 59—60 ,,
Maina schüttelt den Kopf: „Bonbons c Magen und sind für Kinder gar nicht gut. ___ drei Fay's Sodener 9)hiiern^» Pastillen. ' 5 gut. bekommen vortrefflich urw piiNen, als alles Zuckerwerk.
gut, bekommen vortrefflich und nützerl mehr gegen deinen , als alles Zuckcrwerk. — Nun leg’ dich und schlaf' süß!" 'Für 85 Pfg. in allen Apothekeii, Drogerien und Ä1 uierallvafferhd 1. erhälllich. hv16/^
Brotpreise in Gießen
Weißbrot 1 Kg. 26 Pfg.fg;
Schwarzbrot 1 Kg. 24 P
„Müde bin ich, geh' zur Kuy'''
> spricht das Kilidchen beim Schlafengehen. — Dann betteh es: „Muttchen, gib mir einen Bonbon". Die verständige ...... '• 1 ** c - Bonbons verderben den
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Getreidepreise in Mannheim
Weizen 100 Kg. 18,85 'Mk.
Roggen 100 „ 14,70 „
Theater gewidmeten Bande seiner Studien und Kritiken „3ur modernen Dramaturgie" daran, daß bei den drei ersten Ausführungen des „Eingebildeten Kranken", die im Palais Royal zu Paris vor länger denn 230 Jahren stattfanden, Molißre selbst den Argan, den „eingebildeten Kranken" spielte. Den schon längere Zeit kränkelnden Dichter befiel bei der dritten Wiederholung des Stückes ein Brustkramps, den er durch eine komische Mimik vor den Zuschauern zu verbergen fiichte. Nach der Vorstellung wurde er totkrank in einem Sessel nach Hause getragen, wo er bald daraus den Geist ausgab. Noch heute, so erzählt Zabel, begeht das Theätre tran^ais in Pans den Todestag Molißres als einen besonderen Ehrentag durch die Aufführung feines „Malade imaginaire“.
Dieses Stück, war wie Molißre selber in dem ersten von Schmeicheleien triefenden der beiden Prologe zur Komödie schrieb, nur „in der Absicht ersonnen, der Diajestät (Ludwig XI V.) nach ihren Strapazen eine Erholung zu bieten." Obwohl also eigentlich nur ein Gelegenheitsstück, so ist „Der eingebildete Kranke" doch die nie „alternde" Schöpfung eines echten Lichters. MolioreS Komik hat stets einen ernsten, herben Sinn. Er geißelt die Schwächen der Nlenschen klar und einschneidend und entwickelt dabei eine wundervolle plastische Charakteristik. Der eingebildete Kranke existierte zu des Sonnenkönigs Zeiten ebenso, wie wir ihn heilte leider nur zu oft vor Augen haben und wie er immer existieren wird, zw itc Frau, die wahr liebende, rochier, das vorlaute und geschehe Dienstmädchen,
den ignoranten und arroganten Arzt re. sehen wir noch heute häufig vor uns.
Die Hauptsache ist bei Moliöre immer die meisterhafte Charakteristik, die Erfindung ist ja meist schwach und schematisch. Hier werden an den Glauben der Zuschauer große Zumutiingen gestellt, die natürlich durch eine gute Darstellung verschleiert werden können. Daß die kluge und schlaue Veline Argans Totenkomödie ernst nimmt, setzt eine starke Portion von Naivität des Publikums voraus, von anderen Kuriositäten in der Handlung abgesehen.
Aber den Darstellern, vornehmlich dem Vertreter 2lrgans gibt auch dieses Lustspiel Mollißres vollauf Gelegenheit, ihre Gestaltungskraft zu erproben und ihre Charakterisierungs- und Jndividiialisierungskunst zu entfalten. Herr de Giorgi schuf als Argan eine überaus komische Gestalt. Er hat zu dieser Rolle zweifellos die intimsten Studien gemacht. Jedenfalls zeigte feine vortreffliche Leistung von feinfpüriger Durchgeistigung. Dieser Tropf von ^lrgan war keine Schablone, sondern Herr de Giorgi zeichnete scharf eine lebensvolle Persönlichkeit voll der lächerlichsten Schwächen mit größtem Aufwand von natürlicher Komik. Gleich in der ersten, der Soloszene, in der er die Rechnungen des Llpo- thekers prüft, gab er ein jol'oses Charakterbild, hier schon zeigte er, daß er von feinem Nuaneenreichüim (lug Gebrauch zu machen versteht, daß er allem Ucbertriebencn aus dem Wege zu gehen weiß, wenn der Dichter selbst so viel dazu gegeben hat, daß starke Wirkungen nicht auSbleiben können.
Der talentvolle jiingeKünstler darf den „EingeblldetenKranken" zu seinen besten Leistungen zählen, er dürfte mit ihm auch auf einer weit bedeutenderen Bühne als der unseren reichen Beifall finden.
Frl. Rus gab das feste unerschrockene Dienstmädchen, das seinen Herrn mit den guten alten Hausmitteln der Sympathie kuriert, mit einer Verve, die ihr alle Ehre macht. Es steckt in ihr zweifellos ein reicher Humor, eine temperamentvolle Komik. Schade, daß ihr Organ so spröde und wenig klangvoll ist. Frl. del 9lora zeigte im Backfischkleidchen nicht nur ein hübsches Gesicht, sondern ließ auch ahnen, daß in ihren Adern warmes Theaterblut rollt. Goethe, der überhaupt eine hohe Meinung von Molißre hatte, ist entzückt darüber, wie dieser das Kind auftreten läßt. Dem Fräulein Gartner merkte man die Erbschleicherei nur zu sehr an. Fräulein Dülser zeichnete den festgeschlossenen Charakter der Angöliqne mit ein paar charakteristischen Strichen. Sie aber und Herr Lütj 0 hann, der dem Cleant warme, herzige Töne lieh, hätten mehr stummes Spiel treiben, er zudem noch im fremden Hause gesellschaftlich korrekter fein müssen. Die Szene des Dr. Diasoirus und Sohn war in der Darstellung der Herren Lippert und Eckhardt an Grottskheit kaum überbietbar.
Der ganze französische Abend hatte unter der Regie des Direktors einen schönen Erfolg, die Darsteller mürben am Schluffe lebhaft vor die Rampe gerufen. Ein Sonderapplauö auf offener Bühne ward Frl. Ruf zu teil, P. W»


