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29.11.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 281

Gvftetat iSgttch autze, Honntags.

Arm (Snefoener Anzeiger werden im Meeblel mit dem kesfischen Landwirt die Gießener Kamilien« Hätte, viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Der- lag der B r ü h l'schen Unwerf.-Buch-u. Stein- bruderet. 8t Banget Redaktion, ErpedMo« und 'Druckerei:

Gchutpeaße 7.

tlbrefle für Devescheur Anzeiger Gieße«.

FerniprcchanichiußNr 61.

Erstes Blatt.

154. Jahrgang

Dienstag 2S. Novemlrerl804

Amts- und Anzeigeblatt für den Ms Sichen

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vezagSpeeidt monatlich7b VU Dtettel* jährlich Ml. 2.20, durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ui.; durch dir Poft Mk.S. nierlel- jährt, ausichl. Bestellg. Annahme von Anzeigen jur die 'ingeßnummet bis vormittags 10 Uhr. ßetlenpretfl: lokal 12PH, auSroärtS 20 Pjg, Verantwortlich kW den poItL und allgem. Teil P. W'ttko, für .Stadt und Vand^ unb J^ertd,t6fQale; 2luaust Goetz. für den An­zeigenteil: £anS Beck.

J»te heutige Kummer umfaßt 8 Selten.

Ale neue Militärvorkage.

Die entwurf Heeres.

8 1

Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht den Gesetz- betr. Friedenspräsenzstärke des deutschen Artikel 1 umfaßt drei Paragraphen.

besagt im wesentlichen: Ab 1. April 1905 wird die Friedenspräsenzstärke als Jahresdurchschnittsstärke allmählich derart e r h ö h t, daß sie im Laufe des Rechnungsjahres 1909 die Zahl 505 839 an Gemeinen, Gefreiten und Obergefreiten erreicht, und in dieser Höhe bis zum 31. März 1910 bestehen bleibt. Die Einjährig-Freiwilligen kommen auf die Friedens­präsenzstärken nicht in Anrechnung. In offenen Unterofsizier- stellen dürfen Gemeine nicht verpflegt werden.

§ 2: In Verbindung mit der Erhöhung der Friedenspräsenz­stärke wird die Zahl der vorhandenen F o r m a t io n e n so vermehrt, daß am Schlüsse des Rechnungsjahres 1909 be­

stehen : Bei der Infanterie 633 Bataillone, bei der Kavallerie 510 Eskadrons. bei der Feldartillerie 574 Batterien, bei der Fuß­artillerie 40 Bataillone, bei den Pionieren 29 Bataillone, bei den Verkehrstruppen 12 Bataillone, beim Train 23 Bataillone.

§ 3: In den einzelnen Rechnungsjahren unterliegt die Er­höhung der Friedenspräsenzstärke nach Maßgabe des § 1 und die Verteilung der Erhöhung aui einzelne Waffengattungen, ebenso wie die Zahl der Stellen für Offiziere, Tlerzte, Beamte und Unteroffiziere der Feststellung durch den Reichshaushaltsetat.

TieNordd. Atlg. Ztg." veröffentlicht ferner den Gesetz­entwurf betreffend die Aendeirunig der Wehr­pflicht. Artikel 1 streich!! aus dem ersten Absatz des Art. 59 der Reichsverfassung die Bestimmung, wonach die ersten drei Jahre des Dienstes beim stehenden Heere bei den Fahnen zu leisten sind, fügt aber folgenden Absatz hinzu:Während der Dauer der Dienstpflicht im stehenden Heere sind die Mannschaften der Kavallerie und reitenden Feldartillerie die ersten drei, alle übrigen Mannschaften die ersten zwei Jahre zum ununterbrochenen Dienst bei Fahnen verpflichtet. Artikel 2 des Entwurfs bestimmt: Im Falle notwendiger Verstärkungen können auf Anord­nung des Kaisers die nach dem neuhinzugefügten Ab­satz zu entlassenden Mannschaften im aktiven Dienst zurückbehalten werden. Solche Zurückbehaltung zählt für eine Uebung im Sinne des letzten Absatzes des § 6 des Gesetzes vom 9. Nov. 1867. Die Mannschaften der Fußtruppen, der fahrenden Feldartillerie und des Trains, welche freiwillig, die anderen, welche gemäß der Dienst­pflicht drei Jahre aktiv dienten, dienen in der Landwehr ersten Aufgebots nur drei Jahre. Die Mannschaften der Landwehrinfanterie können während der Dienstzeit in der Landwehr ersten Aufgebots zweimal zu Uebu'mgen tu besonderen aus den Mann­schaften des Beurlaubtenstandes gebildeten Formationen auf acht bis vierzehn Tage, vom Tage^ des Eintreffens beim Truppenteil an gerechnet, einberufen werden. Die Landwehr kavallerie wird im Frieden zu Ueb- ungen nicht herangezogen. Die Landwehrm-annschasten aller übrigen Waffengattungen üben im selben Umfange wie die Infanterie in besonderen Formationen oder im Anschluß an die betreffenden Linientruppenteile..

In der Begründung des Gesetzes betr. die Frieldens- präse^zstärke heißt es: Tas Deutsche Reich werde auch zukünftig seine seit mehr als 30 Jahren bewahrte friedliche Politik fortsetzen. Hierzu bedürfe es nach wie vor eines starken, schlagfertigen tu ch- Ligen Heeres. Es könne und müsse gefordert ^erbeii, daß das Deutsche Reich in der Heranziehung der Volkskraft zum persönlichen Dienst in der Landesverterdtgung mit den Nachbarm ächten gleiche n S chrrtt halte. Tas sei bis jetzt nicht d e r F a l l. Bet

wachsen der Bevölkerung könne Deutschland rucksra)tltch der Finanzkraft des Landes den Grundsatz der Flgemetnen Wehrpflicht in voller Reinheit niemals durchfuhren, son­dern müsse sich eine Beschränkung auferlegen,, welche die Wehrkraft nachteilig beeinflusse. Fran kr er ch ül b er - slüaele Deutschland in der Gesamtzahl der Streitbaren. Dies werde nach der Einführung der Lweiiäbriaen Dienstzeit noch in ausgedehn­terem Maße der Fall sein können. Man müsse danach streben, daß das in der Stärke der Bevölkerung lregende Machtelement in der Zahl der ansgebrldeten Mannschaft zum vollen Ausdruck gelange. Dre Erhöhung solle aber auch der Beseitigung solcher Schwächen und Lücken rn der Organisation gelten, welche die Fviedensausbrldung er­schweren, den Uebergang in die Kriegsformatton verlang­samen und bei der Mobilmachung zu unhetlv ollen Verhältnissen führen können. Die Begründung wetst dann auch auf den Mangel an Kavallerie hm, der schon für die Friedensausbtldung zu etnem wahrhaften uevei- stand geworden sei. Der verhältnismäßig germge Stand der Kavallerie zwinge jetzt, sie im Mobilmachungsfalle er­heblich zu vermehren. Es ist beabsichtigt, in die neuen Kavallerieregimenter die vorhandenen Es- kadrons Jäger zu Pferdie anfgehen zu 'lassen. Die Zahl der vorhandenen Fußartillerie- und Pto- niertruppenteile reiche ntcht mehr für dte ge­steigerten Anforderungen aus. Die Verstärkung der Tele­graphentruppen um vier Bataillone sei dringend geboten. Tie begründeten Maßnahmen bedingen eine Erhöhung der Frieden ^Präsenzstärke um 1 0 3 3 9 Mann. Tas Gesetz soll am 1. April 1906 in Kraft treten. Die vorhandenen Formationen sollen vermehrt werden um acht Infanterie-Bataillone, neun Kavallerie-Regimenter, zwei preußische Fußartillerie-Bataillone und ein preußisches Tele- araphenbataillon. . r

Insgesamt betragen tue Mehrs orderungen 7 3 9*1 3116 N k., wovon 11 795 646 Mk. fortdauernde und 62 117 470 Mk. einmalige Ausgaben sind. Auf 1905 ent- fallen an fortdauernden Ausgaben 1461581 Ml., aus 1906

10 334 065 Mk. An einmaligen Ausgaben entfallen auf 1905: 12 642 280 Mk., auf 1906 bis 1911 49 475 190 Mk.

DieNorddeutsche" führt außerdem in der Begründung des Gesetzes betr. Aenderung der Wehrpflicht aus: Tie auf die Dienstzeit Bezug habenden Bestimnntngen der Gesetze betr. die Friedenspräsenzstärke von 1893 und 1899 sollen dauernd festgelegt werden. Die Regierungen ent­schlossen sich seinerzeit zur vorläufigen Einführung der zweijährigen Dienstzeit nur unter der Voraus­setzung einer Reihe von Maßregeln, die sie zur Erleich­terung des Dienstes bezw. zur Förderung der Ausbildung der Truppen als unentbehrlich erachteten. Ersterem Zwecke dienten die vierten Bataillone. Deren seitherige Abschaff­ung war zwar ein Gewinn für die gesamte Heeresorgani- satton, beseitigte aber auch das wesentlichste Mittel gegen Tiensterschwernisse, welche die zweijährige Dienstzeit be­wirkt. Hierunter litt die Ausbildung und Behand­lung des Mannes, sowie das Verhältnis zwi­schen Vorgesetzten und Untergebenen. Das Fortbestehen dieser Verhältnisse kann nicht geduldet wer­den. Auf die dreijährige Dienstzeit zurückzugreifen, ver­bietet sich. Bei der Negierung besteht allerdings nur eine auf Friedenserfabrung gegründete Anschauung, daß die zweijährige Dienstzeit der Fußtruppen ge­nügt. Das Endurteil kann erst der Krieg fällen. Bis dahin kann nicht gewartet werden. Daher sind die. zur Erleichterung des Dienstes notwendigen Maßregeln einzu­führen und die bereits zur Förderung der Ansbildung ge­troffenen zu erweitern. Tie kriegsmäßige. Aus­bildung macht die Gewährung um so größerer Geldmittel nötig, je kürzer die verfügbare Zeit ist. Ohne die erwähnten Maßnahmen üstz eine end- giltige Einführung der zweijährigen Dienstzeit nicht an­gängig.

Tie Begründung gibt alsdann eine Uebersicht des über­schläglichen Geldbedarfs für die in den Jahren 1905 bis 1909 in diesem Sinne durchzuführenden Ausgleichs­maßnahmen. U. a. sind als fortdauernde Ausgabe ein­gestellt 159 873 Mk. für bessere Ausbildung der Offiziere des B e u r l a u b t e n st a n d e s bei der Jn- fanterte, den Jägern und Schützen.

Hier wird also von nachteiligen Folgen der ver­kürzten Dienstzeit gesprochen, lieber ungünstige Erschein­ungen, insbesondere Ueberbürdung des Auslildungsperso- nals usw. haben bisher die Kriegsminister auf parlamen­tarische Anfragen nach Bewäbrtmg der Zweijährigen Dienst­zeit sich nicht geäußert. Es scheint das Bedenken auch wohl nur deshalb ins Feld geführt zu werden, um . den Reichstag für die Bewilligung der gefordertenAusgleichs- Maßregeln" sowie ausgiebiger Geldmittel sirr eine kriegs­mäßige Ausbildung geneigter zu machen. Tie Erhöhung der Friedenspräsenzstärke um 10339 Mann dürfte bei der Abneigung des Zentrums der Stein des Anstoßes werden.

Deutsches Reich.

Berlin, 28. Nov. Man meldet aus dem schlesischen Orte Neu deck: Ter Kaiser machte gestern einen Spaziergang durch den Park von Neudeck: hierauf fand Gottesdienst in der Parkkapelle statt. Gestern abend wohnte der Kaiser einer Theater­vorstellung im Schlosse bei. Heute um 9y3 Uhr erfolgte die Abfahrt ins Jagdgelände; um 1 Uhr wird das Frühstück ein­genommen.

Tas Abgeordnetenhaus hat den freisinnigen An­trag auf Erhöhung des Gehalts und E i n f ü h r u n g der Di en st a l t er s ft u f e n für die Richter und Staats- a n w ä l t e gegen die Stimmen der Rechten angenommen. Hierauf wurde der Zentrumsantrag auf Einstellung von Mitteln behufs freier E i s e n b a h n f a h r t für Beamte mit einem freisinnigen Zusätze angenommen. Ein Regierungs-Kommissar erklärte sich gegen den Antrag.

Tie Freisinnige Volkspartei brachte im 9lb- geordnetenhause in Sachen des Königsberger Anar- ch i ft e n p r o z e s s e s eine Interpellation ein, in welcher art' die Regierung folgende Fragen gerichtet werden: 1) Ob die Angaben des russischen Generalkonsuls in Königsberg über den Truckschrifteninhalt bestimmenden Einfluß auf die Einteilung des Strafverfahrens gehabt, 2) ob der Staatsregierung bekannt sei, daß die russischen Behörden den preußischen unrickstige Ueber- setzungen russischer Rechtsnornten geliefert imi> einschlägige Rechts­normen mitzuteileu unterlassen haben, 3) ob die Stawsrcgier- ung gedenkt, auf dem Gebiete der Fremdenpolizei und der Aus- wetsungen und Auslieferungen von Ausländern auf Reformen hinzuwirken, sowie eine Minderung des preußisch-russischen Ab­kommens vom 13. Jattuar 1885 herbeizuführen.

Tas amtliche Resultat über die Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Schwerin (Mecklenburgs bestätigt, daß Stich­wahl zwischeu dem Nationallib. Büsing und dem Sozialdem. A n t r i ck stattzufinden hat. Biising hat 3 Stimmen mehr erhalten als der Konservative Tade. Bei der Stichwahl wird ohne Zweifel Büsing gewählt, da die Konservativen für ihn eintrcten.

U eberrussische Fonds und Anlei heg e r üch t e schreibt derBerl. Börsen-Eour." unterm 28. d. Mts.: Tie russischen Fonds waren an der heutigen Börse fest und höher, anscheinend auf Teckungen der Baisse-Spekulation. Man bringt den mit einer gewissen Absichtlichkeit und neuerdings von London verbreiteten Nachrichten über Verhandlutrgen betreffs einer neuen Anleihe von 52 Millionen Pfund Sterl. nicht den ge­ringsten Glauben entgegen. Infolge unserer an ntaßgebender Stelle eingezogenen Erkundigungen sind wir in der Lage zu er- ktäreu, daß die in Umlauf gewtzten Gerüchte auf Erfind un gen und Kombinationen benihen.

Metz, 28. Nov. Auf eine Eingabe des Verbandes für K a - n a l i s i e r u n g der M o s e l u n d S aa r hat der Statthalter von Elsaß-Lothringctl mitgeteilt, daß er Veranlassung genommen hat, die Förderung der P^oselkanalisierung bei dem Minister der Arbeiten angelegentlich zu besürworten mit dem Ausdrucke des Wuusches, es möge die Kanalisierung der Mosel, wenn jetzt noch irgend angängig, in daö große Kanalprojekt einbezogen werden.

T i e G c n o s s e n s ch a f t t .ü r Wc in- undSpirit u s handel in Lothringen bat eine Eingabe au den Bundesrat ge­richtet, die sich mit erheblicher Schärfe gegen die seit einiger

Zeit immer mehr um sich greifende Anti-Alkoholbeweg­ung des sog. Blauen Kreuzes richtet. ES heißt darin: Tiefe Bewegung, die ein völliges Ausmerzen aller alkoholischen Ge­tränke herbeiführen will, schieße über jedes vernimitmäßige Ziel hinaus. Auf d^r Grundlage einer ettglischen Statistik wird dann ausgeführt, daß eine dem menschlichen Organismus entsprechende Ouantität nur vorteilhaft auf das allgemeine Befiiwen wirken! könne. Infolgedessen möge der Bundesrat der garnicht zu he- gründenden,. noch vernünftigerweise zu verteLigenden, nach allen Seiten hin schädlich wirkenden Anti-Alkohol-Be- w e g n n g nach Möglichkeit entgegentrcten und damit dem Wein- und Spiritushandel die Lebenswege erhalten.

^er Krieg.

Aus der Mandschurei

Petersburg, 28. Nov. Genercrladjutant Kuropatkick meldet dem Kaiser vom 27. Nov.: Nach den im Laufe der Nacht eingegangenen Berichten gingen die Japaner bei Zinschetschen gestern bis vier Uhr nachmittags unent­schlossen zum A n g r i f f ü b e r. Der Vormarsch wurde durch unser Feuer aufgehalten. Der Kampf dauert fort. Die Stimmung der Truppen ist sehr gut. Andere Berichte übep Kämpfe in der Nacht zum 27. Nov. sind nicht einge­gangen.

Petersburg, 28. Nov. DieBirschewyja Wjede- mosti" meldet aus Mukden vom 27. November: In der letzten Nacht beschossen die auf dem Putilow- und Now­gorod-Hügel stehenden russischen Truppen die Stell­ungen der Japaner. Diese er widerten d a s Feuer nur schw-ach und griffen ihrerseits nicht an1. In Mukben treffen täglich neue Truppenabteilungen ein; es kehren auch zahlreiche Soldaten, die von ihren Wunden geheilt sind, aus Eharbin hierher zurück. Die Chinese^ behaupten, die Japaner hätten die ganze Bevölker­ung eines Fleckens vei Kuandianstcm niederge­metzelt, weil sie angeblich Beziehungen zu den Russey unterhalten habe; es seien mehr als 200 Menschen^ auch Kinder, niedergemacht worden.

Petersburg, 28. Nov. General Ssacharow meldet dem Gencralstab vom 27. ds.: Ter iapauische Angriff am 27. ds. gegen die Abteilung bei Tsingtetschen wurde durch unser Artillerie- und Gewchrseuer zum Stehen gebracht. Hastiger Schneesturm unterbrach den Kampf. Als nachmittags das Wetter sich ausgcllärt hatte, stellte sich heraus, daß unser rechter Flügel umgangen war. Doch zwang das erfolgreiche Feuer unserer vier Geschütze den Feind zum Rückzüge. Unsere Verluste sind unbedeutend. Tie gefangenen Japaner trugen Unters jacken unter den Uniformen und Mäntel aus Kamelhaarstoff mit Pelzkragen. Am 27. ds. besetzten )vreiwilligenabteilungen daZ Dorf Namgantsi, das vor dem Putilowberge liegt, und be­haupteten sich in demselben 20 Minuten lang trotz des heftiMeii Gewehrfeuers des Gegners, bis es ihnen gelungen war, ein festes Gebäude zu unterminieren. Nachdem unsere Abteilung sich zu-, riickgezogen hatte, wurde der Tempel in die Luft gesprengt.:

Petersburg, 29. Nov. General Kuropatkin meldet dem Kaiser unter dem 27. ds. von der Abteilung bei Tsinhetschenf Gegen 7 Uhr morgens begann der Angriff auch gegen den linkes Flügel. Am 25. ünd 26. Nov. verlor die Abteilung 11 Xote rmtz 62 Verwundete. Ter Führer der>teilung meint, daß die Ver-i luste der Japaner bedeutend seien. Wirerbeutetetr. über 100 Gewehre. i

Port Arthur

Mukden, 28. Nov. (Russ. Tel.-Ag.) Die japanischen! Besatzungen von Antung Takuschan Föngtzw^augtschöng, Jn- kou unb Liaujang wurden durch andere weniger kriegs- tüchtige ersetzt. Ihre Hauptanstrengungen sind ^jetzt gegen" Port Arthur'gerichtet, aber sie sind erfolglos. Tie Japaner schieben westlich der Eisenbahn demoirstrativ Kavallerie vor* Gestern nacht griffen sie Linschürpu an, wurden aber zurück- geschlagen.

London, 28. Nov. Meldungen aus Tschistl besagens daß die Japaner, die wahre Wunder an Tapfer­keit vollbringen, trotz verzweifelter Gegenwehr der russi­schen Belagerungs-Armee strategisch wichtige Stell-- un gen erobert haben. Wie es heißt, find oie Japaner von den viel umstrittenen Forts Erlungtschan intb Sung- tschutschatt bereits durch die Hauptgräben vorgedrungen und' haben die Eskarpen der WäNe genommen. Mit größter Erbitterung wird noch um die Brustwehren gekämpft. Auß beiden Seiten sind die Verluste enorm.

London, 28. Nov. Nach einer Depesche aus Tschiftr tourt)e dort am Samstag schwerer Kanonendonner aus der Richtung von Port Arthur vermommen. ES verlautet, daß die Japaner wieder zurückgeschlagen wurden. Viele Schisse von Togos Geschwader sollen sich behufs Re­paratur int Dock befinden, um für alle EvcnüAaliEe), gerüstet zu sein. ;

Die Schwarze Merpotte.

Paris, 28. Nov.Herald" meldet aus Petersburgs Ter Befelüshaber der Schwarzen Meer-Flotte hat einem Tagesbefehl erlassen, worin alle Offiziere und M a n n- schäften, welche der Flotte angehöreit, unter die Fahnen gerufen Nwrden. Jftfolgedessen geht das Ge­rücht, daß die Scbwarze Meer-Flotte jr'dcnfasls mobili­siert wird. Es ist jedoch Nwhrsclxünttcb, daß die Offiziere nut) Mannschaften dazu tnrnwudet iverben solleu, die Mann­schaften derjenigen Kriegsschiffe zu ersetzet^ toddie den Kern des 3. russischen Geschwaders bilden.

KriegSmüdigkeit.

Nack) russischen Stimmen haben die Japaner den Krieg satt, ist soaar in der Armee die Vcgeistennm sehr gesnn^n: mnnt man die Japaner hört, beherrscht die Russen die Krieqsmüdigkeit in unerträglichem Grade. Es sclunnt, daß auf leiden Linien ein gleich starker Ueberdruß an dem Mutigen Handwerk sich geltend macht. Ungeheure Opstr sind gebracht ivorben an Menschenleben und materiellen Mitteln, Heerfühp-r auf beiben Seiten hab - Taten vollbracht, die einen Ruhmestitel in der Ge- schichte verbürgen, aber es fehlte allen den Ereignissen auf dem Kriegsschauplatz i i r ; das 'n ne: die entscheidende Bedeutung. Einige Male senkte sich die Wagschale zu Gunsten Japans; rricht,