Ausgabe 
28.12.1904 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

8959 gezeichnet

^7-liabr?' ^Wtase j.

~__Wö83 Bursche lU gesucht. 07586 ssüSäk iMlif. 8ikjtz iiro,dn6 von einem 'orige,. Näh.bei

t-'-mveg 52. [Oiw SesocT ochlbarer Eltern bre tei (8557 ter, Bandagist, ^lrave 1L

geuchl. O75Ä -^wlgstr. 29, HL « oder «NL-chen _^aj|e 20,1L ("»" nädchen bald, ürnintt geg. iuwl. (M Cfiert. r an bie Exp. d. Äl. : tut 1 Stunt-e vor- ftaiftplag 18. l* * LauiEadcheu ce* m»x 29, HL

»Ucmurabchcu des yaashalts bei in v.1. Febr. in kl.

£ff.u., L 212 crbora. 8789

sehen

jtugnmo; bei m e geüetf -al, und *» ton, &cW

Xrcuitr,

MS

s Fränleiü Auch: und Haus, bei a.terem, allem« r ^sHaushäüerm. ,x'cn ob-lpat- @uu Lxmu.Nr.0M

"fÄT«*1 , für reisende |Z Dameo

^gulburger- Q lrch kochen kann übernimmt, Lßen. unter

"'s Zteiaau,

*4

f<fW i

wr. 305

fRotattonSbrud und Verlag der Brühl'sch« UntoerfUätßbrucferet tJt Lang«, GteH«.

Redaktton. Gxpedttton «.Druckerei: Schulstr.V.

Tel.. Nr. 6L Telegr.-Adr.t An-etger Dietz«»

6dd)ebd ülgNch mit Ausnahme btil Sonntag-.

^teSiebener Janillienblöttet" werden dem ^nsetflei viermal wöchenrlrch beigelegt. Der »Helftlch« EanOwtrt** edcbeini monatlich einmal

Zweites Blatt. 154. Jahrgang Mittwoch 28. Dezember 1904

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Aie NnerschütterlichKeit der Wersaffung in Rußland

wird durch den neuen Erlaß des Zaren Nikolaus II. bestätigt. Wenn als Zweck dieses Erlasses, den wir gestern als ein Weihnachtsgeschenk bezetchneten, die ^Vervollkomm­nung der Staatsordnung" angegeben wird, so berührt die Kundgebung des Zaren doch die absolutistische, antiparlamen- tarische Verfassung Rußlands nicht, denn ausdrücklich wird hervorgehoben: ,93ei unabänderlicher Wahrung und bei Un- erschütterlichkeit der Reichsgrundgesetze soll an Aenderungen, für die ein Bedürfnis vorliegt, zur Befriedigung der Bedürf­nisse des Volkes herangetreten werden."

Die acht Zugeständnisse, welche der Zar seinen Untertanen macht, sind nicht das, was die Semstwos und ihre zu einer Versammlung in St. Petersburg zusammengetretenen Ver­treter, was die Mitglieder des Köheren Lehrkörpers, die Advo­katen, die Stadträte, kurz, die gesanite gebildete Gesellschaft Rußlands an erster Stelle wünschte und erwartete; eine Art repräsentative Vertretung zur Mitwirkung an der allgemeinen Staatsverwaltung. Diesem Wunsche ist in den letzten Monaten so oft von den verschiedensten Seiten, aus' allen Landesteilen Ausdruck verliehen worden, daß wir unmöglich alles ver­zeichnen konnten, und soeben noch wurde er als Echo gleich­lautender Forderungen der Moskauer Stadtvertretung und der dortigen landwirtschaftlichen Berufsorganisation in denkbar schärfiter Form aus Altrußland, im Namen Moskaus vom Vorsitzenden des dortigen Semstwo, des Fürsten Trubetzoi, formuliert: Die Semstwos hätten das Vertrauen zum Kaiser, daß der glückliche Tag nahe sei, wo die gegenwärtige Staats­ordnung, die den Herrscher dem Volk entfremde, umgeändert werde, und wo der Kaiser frei erwählte Volksvertreter zur Teilnahme an der Gesetzgebung berufe, durch deren Mithilfe die Macht des Kaisers und die Größe der Krone gestärkt, sowie neues Aufblühen des Vaterlandes herbeigeführt werde.

Es sind durchaus loyale Staatsbürger, die diese Er­wartung ausgesprochen haben, ohne Fühlung mit revolutionären Bestrebungen, ohne Drang nach gewaltsanter Aenderung des Bestehenden, aber auch fest überzeugt, daß es auf dem bis­herigen Wege des Absolutismus nicht mehr geht. Diese Reformer mögen sogar mit Bangen aus die Gärung hm- geblickt haben, die sich unter der lebhaften studierenden Jugend, besonders in Moskau zeigt. Die Moskauer Studenten traten gleich wieder mit der Forderung einer sozialdemokratischen Organisation des Staates aus und arbeiteten damit auf willkommene Weise denen in die Hände, die immerfort des Zaren Ohr suchen, um ihn gegen jedes Zugeständnis einzunehmen.

An der Spitze der Befprechungen des Zaren steht die Hebung des Bauer-n st arides, der ja jetzt auch die grüßte» Blutsopser aus dem Schlachtfelde im fernen Ost- asien bringen muß; die Bauern will der Zar z,u vollberech­tigten, freien Landbürgern machen» wozu aber nicht nur wirtschaftliche und rechtliche Erleichterungen, sondern vor allem auch intellektuelle Hebung durch bessere Ausgestalt­ung des Volksunterrichts Don nöten wäre.

Die Hebung des Bauernstandes ist der beherrschende, über dem ganzen Programm schwebende Haupt,- gedante, an den Sonder versprechen sich anschließen. Das wichtigste steht dabei mit Recht an erster Stelle: die Abstell­ung der Beschwerden über die Beamt en will kür in Justiz mit) Verwaltung mittels Haftbar machung der Behörden für ihre willkürlichen Handlungen. In dieser Forderung sind, sich alle Russen einig, soweit sie nicht zum Tschin, zum Beamtenblock, gehören, der mit aller Macht

und sie ist nichts klein eurer Einschränkung seiner Pascha wirtschaft entgegenarbeitet. Aus diesem letzteren Grunde wird es einen sehr harten Kampf kosten Wer das nötige Reformwerk in Rußland ernst aussaßt, der kann tatsächlich nichts dringlicheres zu tun finden, als die Haupt­ursache der inneren Gärung, die administrative Willkür, aus der Welt zu schaffen; sie ist der Urgrund des Uebels, aber sie ist auch der ganzen Entwicklung der russischen Autokratie nach so eng mit dem absoluten Regiment verwachsen, daß dieses selber Gefahr läuft, wenn es radikal gegen die­jenigen vorgeht, die sich für seine besten Stützen halten. Punkt 3 des Erlasses, der von Gerichtsresorin und Unab­hängigkeit des Ger lichtes spricht, gehört, wie auch Punkt 5, ii)ler von den Ausnahmegerichten spricht, eng zu Punkt 1.

Weiter wird eine Ausdehnung der lokalen Selbstverwaltung zugesagt, speziell auch auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege; der sozialen Fürsorge soll dura) Einführung einer staatlichen Arbeiterversicher­ung nähergetreten werden, die aber namentlich wegen der Anforderungen des jetzigen Krieges noch in weiter Ferne liegen dürste. Zur Verbesserung der öffentlichen Stimmung im allgemeinen und in bestimmten Kreisen wird eine Durchsicht, also wohl Milderung, der in Zeiten der Aufregung durch Attentate getroffenen Ausnahmebestimm­ungen in Aussicht gestellt, größere Duldsamkeit gegen Polen, Stundiften und Juden und Beseitig­ung derüberflüssigen" Beschränkungen der Presse.

Es ist gewiß viel, von russischem Standpunkte recht viel, was hier versprochen wird, vielleicht sogar zu viel aus einmal, wenn man an die Hindernisse denkt, die sich der baldigen Durchführung dieses und jenes Punktes ent- Hegenstellen. Eines dieser Hindernisse, und zwar wicht das kleinste, wird auch die Unsähigkeit der betreffenden Kreise sein, sich in die vom Zaren gewollte neue Lage jo zu jinden, wie die höchsten Stellen es für ersprießlich halten. Der Minister des Innern, Fürst Swjatopolk Mirski, hat der Presse im Sinne des letzten Punktes des Zarenprogramms getviß möglichste Freiheit gelassen, aber die Presse hat diese Lockerung der Ketten vielfach nicht vertragen können und hat über die Stränge geschlagen, sodaß selbst Mirski zur alten Strenge zurückgreijen mußte. Aber das kann sich ja mit der Zeit geben, wenn der Unbesonnenheiten nicht zu viele passieren und der neue Kurs ebenso geschickt wie energisch gesteuert wird.

Man kann, was die repräsentative Teilnahme des Volkes an der Staatsverwaltung angeht, immerhin gewisse, ge­mäßigte Erwartmrgen knüpfen an die Zusage des Zaren, daß, wenn sich das Bedürfnisdieser uub jener Richtung" als gereist erweise, den angeregten Einrichtungen näher getreten lverden kömie. Mer das ist so unbestimmt seiner Gestaltung und ferner Frist nach, daß dantit nicht viel zu machen ist, und es bleibt für absehbare Zeit bei der Un­erschütterlichkeit der autokratischen Reichs Verfassung.

Was nunmehr den Russen als ernstliche Weihnachts- bescherung zu teil geworden ist, hatte man schon zum Nikolaustage erwartet, wenn auch nicht in dieser, sondern in erweiterter Form. Tatsächlich hatte schon eine Zeitlang vorher der Minifterkonseil sich mit den vielen Kundgeb­ungen zu Gunsten von Reformen beschäftigt; man sprach von einem aus 42 Punkten bestehenden Reformprogramm, das der Minister des Innern entworfen habe und in dem auch die Schafjung einer Volksvertretung figuriere. Man weiß heute, wie das Programm nach Umfang mii) Inhalt gegen­über diesen Einwirkungen zusammengeschrumpft ist, jeoen- alls hat Mirski mehr vorgeschlagen, als er Hoffnung hatte, durchzuletzen, gegenüber den Großjürsten, die an der alten Tradition festhatten und gegenüber Podjedonoszeff, dem Vorsteher des Heiligen Synod, und dem Justtzminister Mu- rawiefs. Wie es in dem Ministerrat zugegangen ist, darüber

wird man ja kaum Genaueres erfahren, aber die Situation wird Zutreffend gezeichnet durch einen Bericht desMatin", dec über den am 15. Dezember ab gehaltenen Ministerrat zu erzählen weiß, in dieser Sitzung habe als erster der Justizminister Murawiesf das Wort ergriffen und sich auf eiue Reihe früherer Ukase und Erlasse berufen, um zu beweisen, daß oer Zar selbst gesetzlich nicht das Recht habe, d-as politische Regime des Reiches in so grundlegender Weise ußnzuändern, wie die Liberalen es verlangten. Ter Minister des Innern, Swjatopolk-Mirsti, habe erwidert, daß der Zar ja jeden Tag neue Gesetze erlasse und wenn die These des Justizs- Ministers richtig sei, er jede gesetzgeberische Aktion aus­geben müsse. Es handle sich um eine Frage der augen­blicklichen politischen Lage, die, wenn sie sich nicht ver­schlimmern solle, Reformen erfordere. Pobjedonojzeff habe in längerer Rede den Msolutismus des Zaren üls eine wesentliche und unveränderliche Einrichtung der orthodoxen Kirche dargestellt, deren Einschränkung den göttliä)en Ge­setzen zutviber sei und die Religion verletzen würde. Der Zar habe, ohne einen Entschluß zu fassen, die Sitzung aus­gehoben.

Tiefen Entschluß hat er danü später allein gefaßt und durch den gestern von uns im wesentlichen wiedergegebenen Erlaß zum Ausdruck gebracht.

Zu dem Manifest des Zaren wird noch gemeldet, daß zu dem Entschluß besonders beigetragen haben sollen die Zarin, die Zarinmutter und Großfürst Alexan­der M i ch a il o wsi t s ch, der Schwager des Zaren und künftige Generaladmiral der russischen Flotte. Wenn sich auch eigentlich alle Minister gegen die Einführ­ung einer Konstitution ausgesprochen hatten, so gestand doch jeder die Notwendigkeit der schnellen Durch­führung gewisser Refornien zu.

Das Leichenbegängnis

der Herzogin Alexandrine von Kobnrg.

Ko bürg, 27. Dez.

Die Stadt hat Trauerschmuck angelegt. Die Straßeü vom Bahnhof zur Moritzkirche und weiter zum Schloß und zum Mausoleum sind.mit Ehrenpforten geschmückt, die iit Schwarz und Silber gehalten sind. Vor dem Altar isv der rotsamtene Sarg der entschlafenen Herzogin-Witwe aus­gebahrt. Ter Kaiser traf um 11 Uhr vormittags em. Auf dem Bahnhof waren zum Empfange u. a. erschienen der Herzog und der Regent mit Gefolge. Der Kaiser führte einen prachtvollen großen Kranz mit Akarschall-Niel-Rosen mit. Um IP/2 Uhr begann die Trauerfeier in der Morrtz- kirche. Links neben dem Sarge stellte sich der Kaiser auf, links neben ihm der Herzog, Großfürst Eyrill, und Graf Rhena, rechts der Erbgroßherzog von Baden, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen und der Fürst von Lei- n in gen; gegenüber der Fürst von Hohenlohe-Langenburg, dep Prinz Philipp von Sachsen-Eoburg, der Fürst von Bul­garien, Prinz Arthur von Eonuaught, Prinz Gustav Adolf von Schweden und Norwegen und der Erbprinz von Hohenzollern. In der Loge war die Großherzogin von Baden. Nach Orgelspiel und Ehorgesang hielt Oberhof­prediger Hansen eine Gedächtnisrede. Traußen stand das dritte Bataillon des 95. Regiments mit der Fahne mt£> der Musik. Das Bataillon setzte sich unter Trauermusik die Spitze des Zuges, dec sich zuin Mausoleum begab.

Der Kaiser nahm heute mittag an der Tafel im Schloß teil. Er saß zwischen der ^Herzogin Marie und der Frau Erbprinzessin von Hohenlohe-Langenburg. Rechts von der Herzogin Marie folgte der Prinz von Eonuaught, der Erb­prinz von Hohenzollern, Graf Rhena, Earl of Elarendon, der Gras zu Erbach und Gras Moltke; links von der

Gießener KlaöUyeuter.

Der Kilometerfresser,

Schwank in 3 Akten von Kurt Kraatz.

Herr Kurt Kraatz aus Wiesbaden, dec geistige Vater derLogenbrüder" und einer Reihe gleichwertiger Geschwister für die Bühncnwelt, ist der Weihnachtspoet der Direktion Steingoettec. Heute vor einem Jahre kraxelte derHoch­tourist" des Herrn Kraatz auf den Brettern unseres Stadt­theaters bis zu schwindelnder Höhe, an dem diesjährigen dritten Weihnachtstage sauste das Auto des ^Kilometer- ftessers" von Herrn Kraatz Gnaden vor den geistigen Augen dec Gießener Theaterfreunde vorüber. Das Auto selber spielt nämlich nicht mit, auch der eigentliche Kilometersresser ist Nebensache oder meinetwegen Nebenperson. Nebensache ist eigentlich nahezu alles in dem Schwanke, eine rechte Handlung hat er gar nicht, nichts ist darin die Hauptsache, keine Idee und keine Vernunft, sondern nur die durchtriebene Situations­komik, die aber dafür auch permanent ijt. Hauptperson ist die Dame Kugelberg, die unumschränkte Beherrscherin des Äugelberges und weiterer Umgebung. In ihre Niachtsphüre fallen auch das Auto des Automobilfabrikanten und Renn­fahrers Forster, ihres Schwiegerneffen, dec ein klein Bischen abseits vom Pfade der ehelichen Tugend wandelt, uind das Baby der Frau Seeberg. Und das geht so zu. Ihr ist nämlich das Miitterglück versagt worden, und nun vaöchte sie um alles in der Welt wenigstens ihre beiden Nichten, die ihre Pflegetöchter sind, als Ätütter sehen. Bei Forsters scheint aber nichts einpassieren zu ivollen und darum soll ihr ztvciles 9tichtchen ganz bestimmt einen wiann er- galten, der nun, sagen wir zu den besten Hoffmmgen berechtigt. Der präjumptive zweite Schwlegernefse, der junge wnb reiche Herr Frerich-Friborg, ein realistischer Dichter, der sinne Stildien im Asyl für Obdachlose, im Rinnstein und nmit Vorliebe mitten mank Pennbrüdern treibt, spiegelt der Lame Kiigelberg vor, er sei bereits Vater eines Kindes. Wetstand leistet ihm dabei, ohne es zit wollen und ohne zu irrissen, das bereits ein kleines Söhnlein besitzende junge Ehepaar Seeberg.

Das genügt vollkommen zur Kennzeichnung der geistigen Höhe und des Milieus des Schwankes. Doch es ist nich zu leugnen, daß Herr Kraatz semen Stoff, d. h., diesen Haupt- einfall und andere Nebeneinfälle seines Schwankes mit einer Fülle von überaus schnurrigen, ungemein abwechselungsreichen Situationen bunt verbrämt, mit einer Unmenge von tollen Witzen und Kalauern besteckt und behangen hat, sodaß man unter dem Kunterbunten weder das Einzelne noch das Ganze, sondern nur ein halb närrisches, halb possierliches Tohuwabohu sieht. So kommt's, daß man lacht und lvieder lacht, dazwischen mal auch ein bischen sich ärgert über gar zu haarsträubenden Blödsinn und endlich mit lustigem Lachen von dem Fest- tagsschwanke Abschied nimmt, der ein Mischmasch von Harmlosigkeit und Frivolität, von abgestandener Hausbacken- heit und frisch zugreifender Derbheit, von grobkörniger Un­geniertheit und täppischer Spießbürgerlichkeit ist. Sämtliche Figuren des Stückes, vom Pantoffelhelden und der Haus- drachin bis zur naseweisen Küchenfee und zum verläßlichen Faktotum, der diesmal in die Maske des Chauffeurs gesteckt ist, sind ältestes Eigentum des deutschen Schwankes. Sic erben sich eben auch wie eine ewige Krankheit fort und er­halten immer nur eine ein bischen modulierte Ausstaffierung. Schwänke wollen ja aber nichts anderes, als das Publikum in eine übermütige, sogar möglichst ausgelassene Stimmung versetzen. Und das besorgt der Kilomcterfresser des Herrn Kraatz gründlich.

Herr Direktor Steingoettec hatte den Schwank sehr flott inszeniert. Es ging alles wie am Schnürchen und Schlag auf Schlag gings namentlich in den tollhäuslcrijchen Szenen im 2. Akte bei der Aiimik desRinnsteins-Dramas des Herrn Frerich-Fnborg. Von den Einzeldarstellern seien vor allem der für gestern abend hübsch abgerundete Herr Lippert als Kugelberg und Energie erfolglos studierender, blödsinnige Väter unfreiivillig numenderPantoffelbruder schlimmster Sorte, dessen weinerliches Orgun hier sehr am Platze war, und Herr Sandorff als eifersüchtiger Ehemann und Ochello-Darsteller genannt, dec die verstiegene Tonart dieses amerikanischen Schlaf- und fürstl. reußischen Hof-Schauspielers mit köstlicher Konsequenz innehielt. Er war imposant, stimmgewaltig und

tragikomisch. Alle übrigen Damen und Herren machten im allgemeinen ihre Sache recht nett, wenn freilich der eine oder die andere auch noch zu unnatürlich sprach und spielte, in Stimme und Gesten Uebergänge vermissen ließ und das Organ nicht recht im Zaume hatte. P. W.

*

Tic Barken. In dem dieswöchigen Heft der ^Jugend", welches Gerhart Hauptmann gewidmet ist, wird ein schönes Gedicht veröffentlicht, welches Hauptmann im Mai 1898 in Tre- mezzo erlebt hat. Es lautet:

Trunken von Mondlicht und ertrunken fast im Silberdunst der Nacht, fühlt' ich die Barke die Bahn hingleiten. So nußschalen-klein trua sie Begeiferung, Gottestrunkenheit, Musik! Ter Bursche sang, die Seele jauchzte in die verlass'ne Pracht. Tie Stimme schwoll zur Höhe, bebte, drängte sich hervor, lveinend und jubelnd. Und am Ufer hin ichliefen die Häuser. Mancher wohl im Bett, in dunkler Kammer, war wie ich erwacht und lauschte. Roh zerrissen ward mit eins der nächtige Zauber. Grauenvoll durchdrang ein gellend wilder Pfiff das Traumesreich. Tie Schönheit schwieg. Halb, schlafend lag ich da und fern erstarb allmälig der Gesana. Auf stieg die ew'ge Macht oer Stllle. Leise grasten des Comcrsees gespenstige Kuhherden: Barken, welche Glocken tragen uild ungesehen läuten ob der Flut.

Und weiter träumt' ich: in verfallner Burg am Vteere wohnt' ich. Tnrcl) die Riesenbogen der Fenster sah der Mond. Bestirnter Himmel schien her bis übers Lager sich zu brellen. Lief unten brausten Wasser, warfen sich dumpf tvuchtend gegen dw Lhklopenmauenr der Burg. Tie Barten schlugen aneinander, unheimlich polternd in der Hafenhalle. . . . Ter Aiorgen kommt. Wohin die neue Fahrt'?

Leoncavallos Tank und Gruß. TasGiornale d'Jtalia" veröffentlicht eine interessante Unterredung mit Leon- cavallo. Lcvncavallo sagte u. a er sei der Kritik dermaßen Herr geworden, dag jem sogar feinixrsonlicher Feind" Mohler; ich ansthicke, denRoland von Berlin" in Wien anfzu- siihren. Das moderne T e u t s ch l a n d besitze keinen ein­zigen Komponisten, nur einen. Haufen mehr als mittels