Ausgabe 
28.12.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 305

Erstes Blatt.

154 Jahrgang

Genera!-Anzeiger w .

Amts- und AnzeigeblM für öm Kreis Gießen

jährl. auLschl. Vestellg. Annahme von Anzeigen sur bie TageSnummer bis vormUtagS 10 Uhr. ßeilcnpreiB: lokal 12Ps^

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Mittwoch 28. Dezember 1804

ä ve»ag»pretAr

monatlich 7b Pf^ viertel» jährlich Mk. LLO; durch AA Aohole- il Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch W jO O W die Post Mk.v. »iettel-

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Woche deigelegt. Rotationsdruck tu Ver­lag der Brühl 'fchen Unwech-Buch-u. Stein» druckerei, Si Langet, Nadakhrm. ÄTvebttUm und Druckerei:

Echolyeatz« 7.

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Ale Heutige Kummer ttmfttßf 10 Keilen.

Valitkscke Tagesschau.

ZurAeußerung eines hohen Staatsbeamten".

tt Berlin, 27. Dez.

Graf Bülow hat es (wie wir g^tern mitteilten) für erforderlich gehalten, durch die ,..Nvrdd. Attg. Ztg." ver- ki'mden zu Taffen, daß nicht von ihm die Aeußerung her- hrührt, die der agrarifdhe Abg. v. Oldenburg aus dem Munde eineshohen Staatsbeamten" vernommen haben wiN inbezug auf einen schädlichen Handelsver­trag: Wenn ich chhn nicht unterschreibe, dann tut es ein anderer. Wir erfahren, daß der Vorfall in Regier­ungstreifen peinlich berührt. Man fei, so sagt man uns, bisher nicht gewohnt gewesen, daß von einem Parlamen­tarier Gesprächsbemerkungen politischer Art, ganz abge­sehen von dem Inhalt, in die Oeffentlichkeit gebracht wurden. Jeder au§ dem Zusammenhang gerissenen Be­merkung könne unschwer eine gewisse Tendenz gegeben werden, an die der Urheber vielleicht nicht im entferntesten gedacht habe. Der Ton, die begleitende Handbew-egung, der Gesichtsausdruck des Sprechenden alles das fehle der Wiedergabe und erlaube daher keine Nachprüfung, ob und wieweit die betreffende Gesprächsäußerung ernsthaft oder in humoristischem oder ironischem Sinne gemeint ge? wesen ist. In einem Privatgesprach werde natürlich eher und ungezwungener von einer Wendung, einer Pointe Ge­brauch gemacht, als in Aeußerungen, die von vornherein für die Oeffentlichkeit bestimmt sind. Bestehe etwa die Gefahr, daß Zitate aus Unterhaltungen von Regierungs­mitgliedern mit Parlamentariern in Aufnahme kämen, so würde die Auferlegung größerer Zurückhaltung geboten fein.

Auch in konservativen Kreisen scheint die Angelegenheit unliebsames Aufsehen gemacht zu haben. DieNordd. Mg. Ztg." kommt heute abend nochmals darauf zurück und be­ruft sich aus Zeitungsstimmen, worin Graf Bülow mit der Aeußerung in Verbindung gebracht ist, um die Not­wendigkeit des offiziösen Dementis darzutun. Und eben­falls heute abend meldet sich die bündlerischeTagesztg." mit einer überraschenden Aufklärung des Falles zum Wort. Danach trägt einungenauer Bericht" die Schuld. Aus der Mücke sei ein Elefant, aus der gelegent­lichen Bemerkung eine Haupt- und Staatsaktion gemacht worden. Zurzeit der Caprivischeu Handelsverträge habe ein hoher Staatsmann auf die Vorhaltung, wie er die schädlichen Verträge unterschreiben könne, und daß vielleicht ans der Sache nichts werde, wenn jener Staatsmann sich weigere, und zwei andere nach ihm berufene sich weigerten, geantwortet:Zeigen Sie mir die beiden anderen!"

Nun, das ist doch eine seltsam verspätete Aufklärung. Mit dieser Richtigstellung hätte Herr v. Oldenburg unseres Erachtens sofort kommen müssen, als derungenaue Be­richt" erschien, denn es war unschwer vorauszusehen, daß er Aufsehen Hervorrufen würde. Den Namen des hohen Staatsmannes, obwohl diese sozusagen offizielle Form der Aeußerung keine für den Beamten kompromittierende ist, teilt Herr v. Oldenburg auch jetzt nicht mit. Wenigstens entbindet ihn dieTagesztg." von dieser Forderung mit folgender Schlußbemerkung:Den Namen des damaligen Staatsmannes, der mit der Oeffentlichkeit gar nichts mehr ru * tun hat, zu nennen!, liegt für ihn unseres lÄachtens keine Veranlassung vor." * "

Genosse Mehring über denVorwärts".

DerVorwärts" hatte derLeipz. Volksztg." und dem Genossen ParvusK r a s t m e i e r t u m" undAthleten- tum" vorgeworfen. Darauf antwortet Franz Mehring in einem Artikel, den er mit Namensunterschrist zeichnet:

, Tie Leipziger Genoffen nahmen die Einladung des Partei- Vorstandes zu einer Konferenz iwegen des Schimpfartikels) unter der Voraussetzung einerfreundschaftlichen Aussprache ohne jeden verbindlichen Charakter" an, womit, wenn die Unterhaltung einen praktischen Zweck haben sollte, ihr streng vertraulicher Charak­ter gegeben war So gab Mehring zu, daß Genöße Iaeckh sich in einzelnen Ausdrücken des Zolltarifartikels verhauen haben möge, weil er durch übermäßige Partei-Arbeit ü b e r r e i z t fei; so auch nahm er die von einem Mitgliede des Parteworstandes gegebene Anregung auf, Iaeckh möge zur Erholung einen Urlaub nehmen. Diese vertraulichen Aeußerungen Mehrings warf em Mitglied des Part ei Vorstand es (Bebel) in einem Augenblick des Zornes in die Oeffentlichkeit, und zwar in einer dunklen und äußerst mißverständlichen Anspielung aufMenschlichkeiten" un­serer Redaktion, die in der Konferenz aufgedeckt worden fern sollten . . Und nach alledem kommt das Zentralorgan der Partei 'nachträglich denn über den ganzen Verlauf der Sache hat derVorwärts" nach seiner üblichen Manier ganz einseitig, lückenhaft, parteiisch und zunv Teil... wissentlich unwahr berichtet und schlagt auf einen überarbeiteten und deshalb von den Gegnern verhöhn­ten Genossen mit kränkend er Invektiv e ein:kalte und triviale Schimpfereien",Kraftmeierei" -Mhletentum m Wor­ten",Abschwächung des sozialistischen Kampfes durch inhalt­lose Phraseuhaftigkeit". Das ist eine Tat, die sich würdig neben die Tat stellt, die der Minister Hammerstein an Janina Berson vollbracht hat: das ist eine Tat, die durch das Tichterwort ge­kennzeichnet wird: Seht hier das Trau er stück der kalten Bosheit. Und wer ist nun der An Nager? Ein Blatt, das trotz seiner Mittel und seines weiten Verbreituugsbezirks ziffernmäpig nicht einmal so propagandistische Werbekraft M entfalten ver­mag, wie die meisten mittleren und selbst Keinen Parteiblätter trotz ihrer oft winz-gen Mittel entfalten. Ein Blatt, das durch seine blöden Sensationen ä la Krupp und Kaisermsel die Partei aufs äußerste b l o ß g e st e l l t hat, S e n s a - Honen, die ihm nur deshalb ungenossen biugingen, weil das halb tölpelhafte, hatbaber auch raffiniert schlane Einsch reiten der Polizei mit) Staatsanwaltschaft und anderer Unterdrückungsorgane den übrigen Parteiblättern em sehr unwillkommenes Schweigen auferlegte Ein Blatt, de sen leitender" Redakteur, nachdem ihm dergleichen Mossiadeii gelegt

worden sind, damit in die Vroschüren-Literattir flüchtet und in dem Titelbilde zu der Lieferungsschrift über den Königsberger Prozeßkalte und triviale Schimpfereien",Kraftmeiertum" usw. Nassisch illustriert, im Stil eines ästhetischen Boto- kuden. Ein Blatt mit einem Worte, das, statt seiner Vestimm- ung gemäß das prinzipienfeste Rückgrat der Partei zu sein, in jeder prinzipiellen Frage hin- und her sch wankt und für die politische und wissenschaftliche Entwicklung der Partei längst zum rudimentären Organ geworden ist."

Auf diese Angriffe und Enthüllungen antwortet Bebel imVorwärts" mit folgender aus Zürich datierten nichts­sagenden Erklärung:

Infolge meiner Abreise von Berlin am Montag ftüh und eines mehrtägigen Aufenthaltes auf der Reise hierher, kommt mir die Entgegnung des Genossen Mehring auf meine Erklärung in der letzten Sonntagunmmer be§Vorwärts" erst heute zu Ge- sicht.' Dieser letztere Umstand ist der Grund, daß ich darauf ver­zichte, nachträglich auf die höchst einseitige und die Hauptsache beiseite schiebende Entgeon"ng des Genossen Mehring noch mit einem Wort zu antworte n."

Dem Beispiel Bebels folgt auch die Redaktion desV or- wärts". Sie erklärt, daß "sie durch die gegnerische Presse genötigt sei,den seit lange innegehaltenen Grundsatz zu verlassen, dieLeipz. Volksztg." nicht zu kennen, soweit sie solchen Parteistreit betreibt". Tie Redaktion desVor­wärts" druckt den Angriff wörtlich ab, bemerkt aber dazu: Wir «lehnen aber auch jetzt ab, uns irgendwie an dieser Stelle in eine Auseinandersetzung gegenüber den ehren­rührigen Beschimpfungen einzulassen, welche die ,^Leipz. Volksztg." gegen ein Mitglied unserer Redaktion richtet. Lediglich ist zur Vermeidung irriger Annahme unter den Leipziger Parteigenossen festzustellen, daß Franz Meh­ring den Angriff zu einer Angelegenheit persönlichen Hasses macht, während die über den Parvus-Artikel im Vorwärts" veröffentlichte Aeußerung Meinung der Redak­tion ist."

Mehring also, der früher der entschiedenste Gegner der Sozialderbokratie war, gibt heute in der Partei den Ton an, und selbst Bebel und derVorwärts" beugen sich vor ihm. *

Die westamerikanische Station.

R. Berlin, 27. Dezember.

Bei der Zuteilung der K r i e g s s ch i f f e an die deutschen Interessensphären über See ist die Westküste Amerikas am schlechtesten weggekommen. An die Errichtung einer, wenn auch kleineren, Flottenftation konnte ursprüuglich nicht gedacht werden, weil es an Schiffen fehlte. Als diesem Uebelftand wenigstens in etwas abgeholfen war, brachen die Wirren in China aus, und sämtliche verfügbaren Kreuzer mußten in den ostastatischen Gewässern zusammengezogen werden. Segel­ordre dorthin erhielt auch der an der Westküste Amerikas be­findliche kleine KreuzerGeier". Seitdem war die Station unbesetzt. Erst jetzt wird die Kriegsstagge dort wieder ge­zeigt, und zwar durch den KreuzerFalke", der aber, dem Vernehmen nach, in nicht ferner Zeit durch ein anderes Fahrzeug ersetzt werden wird, weil seine jahrelange Ver­wendung im Auslände der Notwendigkeit einer gründlichen Reparatur naherückt. Unbesetzt aber wird die westamerika- nische Station in Zukunft nicht mehr sein, zumal ihre Be­deutung in dem Maße wächst, in dem die Arbeiten am Panamakanal fortschreiten. Die Station dürfte deshalb auch in der nächsten Marinevorlage eine Rolle spielen.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. Dez. Ter Kaiser telegraphierte an den Feuilletonisten derVoss. Ztg." Prof. Ludwijg Pietsch anläßlich seines 80. Geburtstages:

Herzlichste Glückwünsche und Gottes reichen Segen dem lichtvollen Historiographen und alten treuen Kriegs­kameraden meines Vaters zum 80. Geburtstage. Möge der Himmel einen gesegneten Lebensabend Ihnen be­scheren."

Der Kaiser bewilligte Prof. Pietsch einen jährlichen Ehrensolsd von 2000 Mark vorläufig auf fünf Jahre.

Dem Direktor des Auswärtigen Amts v. Koerner wurde der Charakter als Wirkl. Geh. Rat mit dem Prä­dikat Exzellenz verliehen.

Dem preuß. Landtagsabg. Fabrikdirektor Dr. Vöt­ting er zu Elberfeld ist in feiner Eigenschaft als Vor­sitzender der Göttinger ^Bereinigung zur Förderung der an­gewandten Physik und Mathematik der Charakter Geh. Regierunigsrat verliehen worden. Diese Ernennung^ darf bei einem Manne, der außerhalb der Beamtenhierarchie steht, als eine außergewöhnliche Auszeichnung angesehen werden. Die Universität Göttingen hatte ihm schon 1897 den philosophischen Tvktortttel 'honoris causa verliehen.

DieNordd. NIllg. Ztg." schreibt: Ein hiesiges Blatt ließ sich vor dem Weihnachtsfesteaus wohlunterrichteten Kreisen" mitteilen, daß die neuen Handelsverträge erst Ende Januar oder Anfang Februar dem Reichstage vorgelegt werden würden. Wir möchten demgegenüber fest­stellen, daß zu Ausstteuungen über einen solchen Au f - schub für die Einbringung der Hattdelsverträge im Reichs­tage kein Anlaß vorliegt.

Wildpark, 27. Dez. Der Kaiser traf heute abend nm II3/4 Uhr hier wieder ein und begab sich ins Neue Palais. __________

Ausland.

Paris, 27. Dez. In der Wohnung S y v e t o n s wrr- ben gestern seitens der Generalstaatsaniwaltschast verschie­dene Versuche angeftellt, nm die Behauptungen der Frau Syveton über den Selbstmord ihres Mannes auf ihre Nichtigkeit hin zu Prüfern Em AugenzeugL erzählt, daß

Frau Syveton mit bewunderungswürdiger Ruhe und- größter Kaltblütigkeit an den peinlichen Versuchen teil*' nahm. Gleichzeitig nahm die Polizei bei Menard und bei dem Hausarzte, Dr. Tholmer, Haussuchungen vor. Zahl* reiche Bkiefe wurden beschlagnahmt. Tie Sittratton der) Frau Syveton gestaltet sich immer schlimmer und ver­wickelter. Das Gerücht, daß eine Verh af tun g dev Frau Syveton und vielleicht auch ihres Schwieger­sohnes bevorstehe, nimmt seit gestern abend festere Ge-? statt an.

Die Kammer nahm mit 332 gegen 239 Stimmen! den Gesetzentvourf an, durch welchen das Beerdigungs­monopol der Kirchenverwaltungen und Kon­sistorien a b g e s ch a s f t wird. Ministerpräsident CombeD bemerkte bei der Beratung, das Gesetz werde dazu beitragen- die Trennung von Staat und Kirche voxzue bereiten.

Wien, 27. Dez^ Hier sind heute abend Gerüchte tmr Umlauf, nach denen die Demission des Minister­präsidenten v. Körber als unmittelbar bevorstehend! gelte. Es wird behauptet, v. Körber wolle unter feinen} Umständen im Amte Meißen. Diese Gerüchte sind noch mit Zurückhaltung aufzunehmen. Nach derN. Fr. Pr." will der Ministerpräsident nur für seine Person, nicht für dasl Kabinett feine Demission einreicfycn. Als Ursachen wurden sein leidender Zuftand und die trostlosen Verhältnisse irft Parlament bezeichnet.

Melbourne, 27. Dez. Der britische Reichst kommissar für den westlichen Stillen Ozean hat mich Bewilligung des Königs und der eingeborenen Häuptlinge die Kontrolle über die gesetzliche und die finanziette Verwaltung der Tonga-Inseln übernommen. Es ist unwahrscheinlich. (?), daß die Inseln während der Lebens­zeit des Königs annektiert werden.

Mahrid, 27. Dez. Aus Melitta wird drahtlich ge­meldet, daß die dortigen Mauren den Bruch zwischen Marokko und Frankreich für unvermeidlich erachten. Ter Sultan. sei jedenfalls entschlossen, das französischer Protektorat abzuschütteln, wofür ein Einver­ständnis zwischen dem Sultan und dem Prätendenten ge­sichert sei. Die Anhänger beider stellten die Feindselig­keiten ein. Die Marabets im ganzen Riff predigen den heiligen Krieg gegen Frankreich.

Krieg.

In der Mandschurei

haben auch die Weihnachtstage keine irgendwie bemerkenZwertenk kriegerischen Ereignisse gezeitigt. Wie Generaladjutant Ku- ropatkin dem Kaiser unterur 26. Dezember meldet, sprengten russische Freiwillige in der Nackft zum 23. Dezember, beim Torfe Linschinpu eiuLausindieLust, in welchem sich eine japanische Feldwache befand. Ter Vorstoß der Japaner auf der Strecke von H^lsijenfimr nach Sintsintin im öst­lichen Teile des Operationsgebietes war deshalb von großer Bedeutung, weil jene Sttaße den Weg zum oberen Hunho öffnet und somit für etwaige Unternehmungen der Japaner gegen die linke Flanke und den Rücken der Russen hauptsächlich in Betracht kommt. Ten Mittelpunkt dieser Straße bildet der Taipinling- Paß, 25 Werst südlich von Sintfinttn. Der Paß mußte zeitweilig von den Russen geräumt werden, weil eine Umgehung beiden Flanken drohte, wurde dann aber wieder genommen.

Tie LondonerMorning PosU^ meldet aus Schanghai: Tie Russen wurden von verschiedenen Stellungen am linken Ufer des Taitseho vertrieben. Die Japaner bereiten eine Demonstration nach Mukden vor, sollen aber in Wirk­lichkeit Absicht auf Schinking haben.Daily Telegraph" meldet aus Tsingtau: Tie linke Flankeder russischen Armee sei vorgeschoben worden. Tie Front sei 65 Kilometer lang. Es wurde offiziell ausgesprochen, daß die russische Armee anfangs Februar 600 000 Mann stark fein werde. Mit Hilfe der Armee von Wladiwostok foll dann der Versuch gemacht werden, die I apan er zu umfassen. Die in Mukden eingetroffenen Ver­stärkungen kommen meist aus den westlichen Grenzgebieten. Die Garde werde im Januar erwartet.

Während der Parade des Ljublin-Regiments, die anläßlich feiner Regimentsfeier und der Verteilung von Georgskreuzenl in Gegenwart des Generals Gripenberg in Sachetun abgehalten wurde, hielt General Kuropatkin eine Anrede, worin er erklärte, ein Rückzug dürfe jetzt nicht mehr zugelassen werden, auch nicht seitens des kleinsten Truppenteiles. Diese müßten im Falle der Not durch ^benachbarte Truppen unterstützt werden. Falls ein Ziel einmal ins Auge gefaßt sei, so müsse cs, was es auch immer koste, erreicht werden.

Port Arthur

London, 27. Dez. Ein deutscher Händler hat bett kühnen Versuch gemacht, der Garnison von Port Arthur neue Vorräte zuzuführen. Vor einigen Tagen kam eine Karawane in der chinesischen Sltadt Kalgan, ungefähr 175 Kilometer nördlich von Peking, an. Die Tragtiere waren mit 3000 Wollballen beladen und der deutsche Händler behauptete, sie in, Tientsin verkaufen zu wollen. Durch einen Zufall entdeckten die chinesi­schen Behörden, daß die Ballen nicht Wolle, sondern Mauser­gewehre, Patronen und Explosivstoffe enthielten.

Die baltische Flotte und Japan.

Tokio, 27. Dez. Die Presse ist sehr erregt über da§ Verhalten der neutralen M ä ch t e gegenüber der baltischen Flotte. Tie ZeitungKokumin" Tagt, Rußland sei für die Er­möglichung der Fahrt des baltischen Geschwaders nicht nur Frankreich, sondern auch Spanien, England, Hol­land, Dänemark und anderen Mächten zu Tank t>erpflichtet. Die Javaner könnten aber auch dankbar fein dafür, daß die Mächte durch ihr Benehmen gegenüber der russischen Flotte sich Japan zu dem g l e i ch e n B e n e h m e n verpflickstet hätten, wenn Japan es für notwendig erachten würde, eine Flotte nach dem Westen!' *u entsenden.

Die bevorstehende Seeschlacht.

Der Zusammenstoß zwischen dem baltischen Geschwader intb der japanischen Flmtt dürfte b a l d na ch I a hr e s w en d e er* folgen. Man erkennt allgemein die größeren Vorteile den Japanern zu. Wenn das baltische Geschwader in den hinter- indischen Gemässenr eintrifft, wird der Mmiral zunächst ans Erneuerung der Ko hl e n v o i r ä tc bedacht sein müssen, denn die Schiffe haben eine weite Fahrt hinter sich. Das Heizmaterial